Aktenstücke und Urkunden zur Geschichte der Stadt Riga 1710-1740. Bd. 3, Chroniken und andere Nachrichten aus der Zeit 1710-1740

Biblioteka 
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Torun 
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Aktenstiicke und Urkundell 


zur 


Geschichte der Stadt Riga 
1710-1740. 


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Herausgegeben aus dem Nachlass des 


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von 


der Gesellschaft für Geschichte und Alterthurnskunde 
der Ostseeprovinzen Russlands 


durch 


Dr. jur. August von Bulmerincq. 


Dritter Bund. 
Chroniken ynd andere Nachr.ichten aus der Zeit 
1710-1740. 


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Aktenstücke und Urkunden 


zur 


Geschichte der Stadt Riga 
1710-1740. 


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Herausgegeben aus dem Nachlass des 


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von 


der Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde 
der Ostseeprovinzen Russlands 


durch 


Dr. jur. August von Bulmerincq. 


Dritter Band. 
Chroniken und andere Nachrichten aus der Zeit 
1710 -1740. 


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iga 1906. 


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Gedruckt auf Verfügen der Gesellschaft riir Geschichte und AltertulIIskunde der 
Ultseeprovinzen Russlands. 


Hlga, den 16. JlLllllar 1901i. 


Präsident.: Bernlllud A, Ifollancler. 


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Drllc.k von W. F. Häcker, Riga.
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Der Stadt Riga 


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zur 


Erinnerung 
an die Feier ihres 700 jährigen Bestehens im Jahre 1901 


gewidmet 


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von 


der Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde 
der Ostseeprovinzen Russlands. 


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Vorwort. 


J. 
Mit vorliegendem dritten Bande wird das Werk: Aktenstücke und Urkunden 
zur Geschichte der Stadt Riga 1710-1740 abgeschlossen. Die beiden früheren 
Bände erschienen in den Jahren 1902 und 1903. 
Der dritte Band bringt sowohl Chroniken aus der Zeit 1710-1740, als 
auch eine Reihe anderer Nachrichten, die geeignet erscheinen, den im ersten 
und im zweiten Bande gegebenen Stoft. zu ergänzen und zu erklären. 


11. 


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Die von Dr. Buchholtz gesammelten Abschriften sind nach Möglichkeit bei 
der Auswahl der zum Ahdruck geeigneten Stücke beriicksichtigt worden. 
In der ersten Abteilung habe ich nur uie Chronik des Joachim Hartwich 
hinzugefiibrt und das Tagebuch nepkins durch den Bericht über die Jahre 17m 
und 1710 bis Juli fI ergänzt. Auch die zweite Abteilung: Carmina konnte ich 
durch einige Stücke vervollständigen. Für die dritte Abteilung habe ich da- 
gegen der Buchholtzschen Abschriften-Sammlung nichts entnehmen können. In 
der vierten Abteilung endlich halten sich die von Dr. Buchholtz und die von mir 
gelieferten Beiträge so ziemlich die Wage. 
Sämtliche hier verwerteten Abschriften sind von mir mit der Urschrift 
verglichen und erforderlichcnfalJs verbessert und ergänzt worden. 
Für die Regesten, die archivalischen Bemerkungen, die Anmerkungen, wie 
überhaupt für die ganze Bearbeitung muss ich auch für diesen Band die Ver- 
antwortung übernehmen. 
Der Abdruck ist iiberall buchstabengetreu erfolgt. Auch die Hinzufügung 
von Kommas ist nach Möglichkeit vermieden worden. Bei Änderungen der 
Vorlage ist in den Anmerkungen das Erforderliche angegeben. 
Bei der Ausarbeitung des Sachverzeichnisses konnte die in dem zweiten 
Bande gewählte Anordnung nicht beibehalten weruen, ua uer hier zu bearbeitende 
Stoff von wesentlich anderer Art ist. 


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Wenn es nun auch nicht ausgeschlossen ist, da8s die zum Druck vor- 
liegende Sammlung von Aktenstiicken, Urkunden und anderen Nachrichten aU8 
die:\er Zeit durch manche1i nicht zu meiner Kennt,nis gelangtp Htrlck vermehrt
>>>
VI 


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werden könnte, 80 war es doch nicht angezeigt, die Herausgabe dieses dritten 
Bandes noch weiter hinauszuschieben. Nicht wenig trug zu dem Wunsche, den 
Abschluss dcs Werkes zu bcschleunigen, der H m:,;taud hei, da:,;s es :,;ich nicht 
voraussehen liess, ob nicht hei weiterer Verzögernng die A usgahe dieses Baudes 
überhaupt in Prage gestellt würde. 
Die schwierigen politischeIJ VerbiiHni8se, unter deren .1 )ruck die Bearbeitung 
dieses Bandes vor sich gehen musste, mögcn hei der Beurteilung eine geneigte 
Berücksichtigung finden. 
Riga: den 9. Januar 1906. 


August von Bulmerincq. 


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Inhaltsverzeichnis. 


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Vorwort. 
Abkürzungen. 


.Einleitung 


Seite 


1 


Erste abteilung: ehroniken. 
1. .Memorial in dem St. Georg auf df'm N euen Hause 1709 -171
 7 

. En,tes Memorial in dem TurmklJopf der Domkirche 1718-1724 2f) 
B. Zweite:! Memorial in dem rrllrmkn0l'f der Domkirche 1724-17:30 . 41 
4. Memorial in dem TlIrIllknopf der Petrikircl1e 1730-1746. [)n 
5. TageLuch des Ratsherl"D Peter von HchievelLein 170!J-1760 85 
ö. Chronik des Altesten Joachim Hartwich 17HJ-1724 Hm 
7. Tagell11ch Oherl'astol' Bartl1olollleu:! Depkins 170!1--171t) 201 
8. niltrium Oherpastor Bartholomeu8 Depkins 17 W-1720 21!1 

I. Nachrichten iiher die Heformierten uIIIl die Katholiken in Rig"a 245 


1 
I 


Zweite Bbteilung: earmina. 
1. Zur Begriis:nmg" Zar Peter:! in Rig"a 1711, durch die Stadt 
2. Zur Begriissung Zar Peters in Riga 1711, durch das r,yceum 
a u. 4. Zur Feier des Fl'iedens von Nystadt 1721. 
5. Zur Feier des Namenstages der Kai:!Cl'in Kath,trina I . 
Ö u. 7. Zur Trauerfeier wegen des Todes Peters des Grossen 
8 u. 9. Zur 
'eier des N,tmenstages dpr Kai:!erin Katharina 1 
10. Zur l'eier des GeLurt::;1:tges Peter:! 11. . 
11. Zur Trauerfeier wegen des Todes Peter:! II 
12. Zur Krönung der Kaiserin Anna 
IJ. Zur Feier des Namenstages der Kaiserin Anna 
14. Zur 'l'rauerfeier wegen des Todes der Kaiserin Anna 
15. Zur JuLiläumsfeier der Reformation 
W u. 17. Zur JuLiläumsfeier der Augsburgi:!chen Konfession 
18. Zur Begli"lCkwüu:-3chullg des Rats. . 
1!J. Zur lleglückwiinschung des Rats., . 
20. Zur Beglückwünschung der Bürgerschaft . 


Dritte abteilung: Zur finanzlage der Stadt. 
1. Auszüge aus dem Protocollum SeCl'etum . 
2. Rechenschaftsbericht des Ratshel'l'Il Caspari. . 


2H5 
2titi 
2li8 
273 
275 
280 

83 
285 
288 
289 
291 
294 
29ö 
306 
309 
313 


321 
331
>>>
VIII 


Vierte Bbtellung: Ergänzungen und nachtrage 
1. Ausfertigungen der Reichsregierung: 
nr. 10. 
t. Ausfertigung der GouvernementsreA'iel'lmg: 
nr. 32. 
3. Ausfertigungen des Rigaschen Rats: 
a. Bericht an Peter den Grossen: 
nr. 12. 
h. Berieht an das Ccucralgollverncnwut: 
ur. 1. 


4. a. Protokolle des Rigaschen Rats: 
nmr.: 5. 7. 11. 15. 29. 30. 
b. Protokolle der Untergerichte des Rigaschen Rats: 
ml1r.: 8. n. In. 18. 21. 
Urkunden de
 Rigascheu Rats: 
I1rl1r.: 3. 27. 
H. Berichte von Abgesandtpn des Rigaschen Rats: 
mnr.: W. 20. 23. 
7. Schreiben des Rah
 an das Landgericht.: 
ur. 19. 
8. Protokolle der Grossen Gildp: 
nrnr.: 14. 17. 
H. Ausfertigungen der Livländischen Ritterschaft: 
nrnr.: 4. 31. 
Allgemeine Berichte von Privatpersonen: 
nrnr.: 2. ö. 2
. 24. 2;). 26. 28. m3. 
Anhang: . . . . 
a. Inschriften. 
b. Sprichwörter. 


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10. 


11. 


Verzeichnis der Namen . . . . . . . 
Verzeichnis der wichtigsten Namen. Anorduung nach Gruppen 


Sachverzeichnis 


Berichtigungen . 


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355 


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Erläuterung der Abkürzungen. 


A. Ahschrift. 
AP. Amtsgerichtsprotokoll. 
Aht. Ahteilung. 
AOG. = Archiv der Grosseu Hilde (Rilra, Orosse Gilde). 
AI. = Auliea des Rigaschf'u Rats!. 
ALU. = Arl'hi\' der Livläudisehell nouvel'llt'Ulentsre
ierung (Ri/!,'a, Bchloi3s). 
ALH. = Al'('.hiv .Ipr Livländi:t'hpu Rittel'::!chaft (Riga, Ritterhaus). 
Aum. = Allmerkung. 
ARA. = Äussel'f's Ratsar('hiv 1 . 
B. = Band. 
Bd. Bund. 
BUA. = Bihliot.ht'k tlpr Ge::!elhwhat't. für Hp::!t
hichte uml Altprtllm::!kunde der 
O"tSe!'IIl'ovillzell R.u::!slands (Riga, HOIDmuseum). 
BI. = BlaU,. 
BLR.. = Bihliothpk l1el' Livländischen Rittel'sch;tft (Riga, Ritterhaus). 
B
tR. = Hihliothpk dpr Rtadt Riga (Riga, Rathaus). 
caps. = cal'sula. 
OG. = Grosse e:i\.le. 
IRA. = Inneres Ratsard.iv l . 
K. = Konzept, Entwurf. 
KG. = :Kleine (';'ilde. 
LUB. = -Liv-e8t-klll'ländi:whps Urkundenhuch. 
M. = Missi,-e des Rigal;whpu Rats. 
:\113. = Manu::!kript. 
Mittpiluugell = Mitt,pilulIgen aus dpm Gt'biete der Geschieht,e Li,,-, gst-, Kur- 
1:1.11(18, heransgegeheu VOll der (';'e::!ellsl'haft fiir (}esehi('ht,e und Alb}!'- 
tumskuude dpr Ostseeprovinzen Russlands. 
N. = Notar. 
o. = Original, Urschrift. 
ON. = Ohernotar. 
OS. = Obersekretär. 
P. = Protokoll. 
PI. = Puhliea des Rigaschen Rats 1. 
Rat = RigaBcher Rat. 
RA. = Ratsarchiv 1. 
RP. = Ratsl'rotokoll. 
S. in Verhindung mit einer Zahl = Reite. 
S. in Verhindllug mit einem Namen = Sekretäl'. 
SB. = Sitzungsberichte der Gesellschaft für Geschichte und Altt'r1ull1skunde 
der Ostseeprovinzen Russlands. 


I) Arcbiv der Stadt Higu, RiglL, l!omwuBeuDl, 
Ruthaus. 


J) Ärchiv dlJr Htudt Riga, Uigll.,
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Einleitung. 


Die Aufgabe dieser Einleitung ist, einen kurzen Überblick Über de1J Inhalt 
des vorliegenden Bandes zu geben. 


Erste Abteilung: Chron.iken. 
Fiir diese Zeit Von 1710-1740 bieten eine Reihe von Chroniken und von 
'l'agebiiJ:hern den erforderlichen Stoff, um die im ersten und im zweiten Bande 
dieses Werkes gegebenen AktenstiiJ:ke und Urkunden zu ergänzen. 
in erster Reihe kommen in Betracht Schriften, die auf Anordnung des 
Rats verfasst und, nachdem sie im Rat 
ur Zensur verlesen 'worden, in dem 
St. Georg des Hauses der Schwarzen Häupter und in den Turmknöpfen des 
Domes und der Petrikirche gelegt 'worden sind, um der Nachwelt Kenntnis 
von der Vergangenheit zu geben. 


1. Das Memo,.;al im St. (;eo"g. 
Das Memoriale so in dem Rt. Jiirgen auf dem Neuen Hausze Anno 1718 den 
14. Novembris geleget worden, umfasst nach einer Einleitung fiber die Ereig- 
nisse der Jahre 169.'}-1709 die Zeit von 1710-1718. Es ist von dem Archivar 
Peter 1'. Schievelbein im Auftrage des Rats vom 17. September 1718 verfasst 
worden. Die Verlesung im Rat erfolgte schon am 22. Oktober 1718, worauf 
der Rat anordnete, dass dieses Memoriale in dem auf dem Schwarzhäupterhause 
wieder aufzurichtenden St. Georg gelegt toerde. RP. v. 17. September und 22. 
Oktober 1718, Pl. B. 74 S. 157 u. 218 f. 
Dem D1'uck liegt zu Grunde eine von Schievelbein angefertigte Reinschrift 
seines ebenfalls erhaltenen Konzepts. Auf einige Abfoeichungen der Reinschrift 
vom Konzept ist in den Anmerkungen hingewiesen. 
Die Reinschrift und das Konzept werden in der Bibliothek der Livländi- 
schen Ritterschaft, Manuskript 166 S. 457 ff. und Manuskript 354 aufbewahrt 


2 u. a. ZweI Memo,.;ale Im Tu,.mknopf des Domes. 
2. Die Anfertigung des ersten Memorials für die Zeit von 1718-1724 über- 
trug der Rat am 29 April 1724 1 dem S. Schievelbein. Schievelbein liess den 
EntuJUrf zu dem Memorial durch den Archivsekretär Paul Brockhausen aus- 
arbeiten. Dieser Entwurf wurde vom Rat am 12. Juni 1724 gebilligt. (Pl. B. 
88 S. 135.) 
3. Den Entwurf zu dem zweiten Memorial, in dem über die Begebenheiten 
der Jahre 1724-1730 berichtet wird, liess der Rat auf Antrag des Inspektors 


1) Vgl. B. III Abteil, 4 '1'11', 15. 


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 Domes, Ältermanns der Gro8sen Gilde ,Joh. Fr. Schick vom 27. Mai. 17/10 
durch den Archivar Alex. Hinrwh Brilningk anfertigen. Dieser Ent10urf 
wurde am 7. Oktober 17/10 im Rat verlesen und gebilligt. (Pl,B. 99 S. 5617 u.31112.) 
Beide Memoriale sind uns erhalten in von dem Obervogt Gottha'rd v. Ve- 
gesack (geb. 1723, gest. 1792) angeferti.qten Abschriften. Aufbewahrt werden 
sie in der Rigaschen Stadtbibliothek: Manuskripte, Brotze, Livonica B. 25 
(2287) S. 361-403 u. S. 197-230. Eine andere Abschrift von unbekannter 
Hand daselbst: Rigensia fol. B. 9 (2569). 


4. Memorilll Im Turmknopf der Petrikirche. 
Für die folgende Zeit: 1730-1746 giebt Auskunft ein Memoriale, 80 in 
dem Thurm-Knopff der 8t. Petri-Kirche Ao. 1746 verwahrlieh eingeleget worden. 
Die Abfassung dieses Memorials wurde auf Antrag des Oberbauherrn Grave 
vom 18. September 1746 durch den Rat angeordnet. Der mit der Ausführung 
dieser Anordnung beauftragte Oberamtsherr Peter von Schievelbein überliess die 
Anfertigung des Entwurfs dem Kandidaten .7ohann Rinrich Schick, der auch 
den Entwurf am 3. Oktober 1746 im Rat zur Zensur verlas. (Pl. B. 125 
S. 251 f. u. S. 277.) Der am Schlusse des Memorials sich mit unterzeichnende 
Joh. Christ. Sc:hwartz fvird im Protokoll des Rats nicht erwähnt. Doch ist 
das von dem Kandidaten Joh. Christ. Schwartz angefertigte und mit Änderun- 
gen von der Rand de.s Kandidaten Joh. Ri1
r. Schwk versehene Konzept von 
41 Blatt fol. erhalten, foodurch die Mitarbeit von Sclnoartz sicher bezeugt ist. 
Die Überschrift: Memoriale - in sich faszet ist auf einem besondern Blatte 
von dem Bürgermeister Melchior Wiedau geschrieben. 
Einzelne Abschnittp diesp.s Memorials sind gedruckt in Rigasche Stadt- 
blätter 1848 S. 211 ff. 
Das Konzept wird aufbewahrt ARA. II: .J.Uiscellanea, friiher BStR., Manu- 
scripta ad historiam Livoniae B. 19 (2503). Eine durch den Obervogt Gotthard 
von Vegesack angefertigte Abschrift befindet sich BStR., Manuskripte, Brotee, 
Livonica B. 25 (2287) S. 1-160. 


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5. Tagebuch Peter von Schi8Velbeins. 
Ratsherr Peter von Schievelbein hat, abgesehen von diesen 4 Turmknopf- 
nachrichten, die er teils selbst ausgearbeitet hat, teils unter seiner Leitttng an- 
fertigen liess, eine grölIsere Ch?'onik mrfasst. Der erste Teil: Memorahili:t 
Rigensia ab anno Chr. 1600 usque ad 1708 enthält nur aus ande1'n Chroniken 
entlehnte Nachrwhten. Der 2. Teil reicltt von 170.9-1760. Zu den ersten 
neun Jahren sind nur kurze Nachrwhten eingetragen, da die Ereignisse dieser 
Zeit von Schievelbein bereits in dem .J..\1emorial für den St. Geor"q verzewhnet 
worden tvaren. 
Das Tagebuch beginnt also erst mit dem Jahre 1719. Am Schlusse sind 
noch von einem Schreiber unbekannter Rand und unbekannter Ausdrucksweise 
einige kurze Aufzewhnungen fii?' die Jahre 1761-1767 hinzugefÜgt. 
Rier abgedruckt ist der zweite Teil des Tagebuchs. Der erste Teil konnte 
nwht berücksichtigt werden, da et. nur aus anderen Chroniken entlehnte Nach- 
rwhten enthält und diese vor (1Rn hier zu, berücksichtigenden Zeitrau.m fallen. 
Der Abdruck des ganzen zweiten Teiles, so weit er von Schievelbein her- 
rührt, war geboten, weil die Zeitgrenze 1740 schon deswegen nwht eingehaltet' 
werden konnte, da das Memoriale der Pe tri-Kirche bis zum Jahre 1746 rewht 
und demnach das gleichze-itige Tagebuch Schievelbeins bis zu diesem .Jahre gegl3ben
>>>
3 



 


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werden musste. Die letzten /4 Jahre aber wegzulassen, war nicht z.u recht- 
fertigen, weil das Bedenken, zuviel zn geben, weichen musste dem Bedenken, 
das Tagebw:h in verstümmelter Form zu geben. Die Nachrichten aus den 
.Jahren 1761-1767 mussten wegfallen, da sie gar nicht von Schievelbein her- 
rühren und andererseits auch schon, wenn auch nur zum Teil,in dem von 
Fröhlich herausgegebenen Livländischen Allmanach dieser .Tahre gedrw'kt sind. 
Peter von Schievelbein wU'rde im .Jahre 1687 den 1. Juni al,
 Sohn des 
Ältesten der Grossen Gilde in Riga Peter von Schievelbein gebO?'en. Nach 
Beendigung des Stndiums in Halle a. S. trat er in die Kanzlei des Rats ein, 
in der er als Adjuvarius, Archivar, Sekretär und Obersekretä1' tätig 1vat.. 1726 
den 25. September wurde er in den Rat gewählt. Als Bürgermeister starb er 
den 18. April 1771. Mit ihm starb die Familie Schievelbein aus. 
Seine Chronik und andere Papiere kamen in den Besitz des Obervogts 
G. v. Vegesaclc, der sie dem als Sammler bekannten J. Ohr. Brotze übergab, 
dessen Sammlungen 10iederum in die Rigasche Stadtbibliothek übergingen. Hier 
wird die Chronik un ter der Bezeichnung: "Tagebuch des seI. Bürgermeisters 
Peter von Schievelbein von seiner eignen Hand", Abteilung Manuskripte: 
Brotze, Livonica B. 28 aufbewahrt. 


6. Die Chronik Joachim Hartwichs. 
Sie enthält Aufzeichnungen aus den Jahren 1719-1724, die einen wenn 
auch nur flüchtigen Einblick in das innere Leben der Bürgerschaft der Stadt 
Biga gewiihren, 'da .Joachim Hartwich, als Ältester der Grossen Gilde, über das 
Verhältnis der Bürgerschaft Z1tr Eltestenbank und zum Rat zu bprwhten weiss. 
Die Randschrift ist in der Urschrift erhalten unll ,vird in der
Bibliothek 
der Gesellschaft fÜr Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russ- 
lands, Manuskript 70, 14 aufbewahrt. 


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7 u. 8. Die Chroniken 
Depkin hat zwei Anfzeichnungen 
Tagebuch und ein Diarium. 
7. In dem Tagebuch behandelt er seinen Lebensla'uf. Zuerst schildert er 
seine .lugenderlp.bnisse im Pastorat zu Lemsal, wo er am 25. September 1682 
geboren wurde. Den Schulunt('rricht erhielt er in Riga an der Domschule und 
dem Gymnasium. Im Sommer 1703 reiste er nach Rostock, um dort Theologie 
Z1
 studieren. Nach sechs jährigem Studium kehrte er nach Riga zurÜck und 
erhielt hier eine Anstellung als Pastor an der Jesuskirche. Im September 1712 
wurde er als Archidiakonus an die Petrikirche versetzt, an der er bis zum 
Ober pastor aufrückte. Er starb im Jahre 1746. Die von ihm verfasste Lebens- 
geschichte bricht mit dem .Jahre 1716 ab. 
8. In dem Diarium in Politicis et Pllblici::! berichtl't Depkin über wichtige 
Vorgiinge in der Stadt Biga aus den Jahren 1716-1'120. 
Beide Aufzeickmmgen liegen in der ersten Niederschrift vor. Streichungen, 
Änderungen, Randbemerkungen lassen mtf den Yersuch einer Überarbeitung 
sehliessen. Yielfach finden sich auch mitten auf der Spite grosse LÜcken, a1tch 
ganze Seiten sind 'ltnbeschrieben geblieben. 
Die Ausdrw:ksweise ist ungelenk 1t.nd vielfach sehwe1' verständlich. Kurze, 
flÜchtig hingeworfene Worte wechseln 'mit 'l
ngefÜgen Satzgebilden. 
Die Schrift ist regellos und sch1ver Z'l
 lesen, ja einzelne W01.te kon'nten 
trotz 'Wiederholter Versuche nicht gedeutet werden. 


Bartholomeus Depkins. 
grösseren Umfangs hinterlassen: 


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4 


Hipr ged1"Uckt ist das Tagebuc.h vom, Jahre 170.9 an, da die Mitteilungen 
aus der .Tugendzeit Depkins von keiner Bedeutung sind und ausserhalb des hie1' 
bphandelten Zeitraums liegen, und das Diarium. 
Die Urschrift ist mit zahlreichen anderen Aufzeichnungen über seine Reisen 
in Deutschland, Schweden ?md Livland zu einem Bande von 495 Seiten ver- 
einigt. Dieser Band 1vird aufbewahrt in der Bibliothek der Livländischen 
Ritterschaft: Manuskript B. 110. 
S u. 10. Berichte über die Reformierten und über die Katholiken. 
An die ge,qebenen Chroniken schliesse ich an zwei Berichte zur Geschichte 
der Reformierten und einen Bericht zur Geschichte der Katholiken in Riga. 
a. Der erste Bericht gieht einen kurzen Überblick über die Lage der Refo1'- 
mierten in Riga während der Jahre 1590 bis 1745. 
Die erhaltene Handschrift ist von dem Ratsherrn Schievelbein niedergeschrie- 
ben und wohl auch von ihm verfasst. Aufbewahrt wird sie in der Rigaschen 
J::Jtadtbibliothek, Manuskripte, Livonica B. 22 (246.9). 
b. Der zweite Bericht giebt eine ausfiihrliche Darstellung aus den Jahren 
1722-1750, d. i. aus de1' Zeit des Auf- und Ausbaus der Ki1'che der Refor- 
mierten in der Marstallstrasse. 
Wenn auch einige Wendungen in dem Berichte darauf schliessen lassen, 
dass er von dem Prediget. der Reformierten Thormrt herrÜhren könnte, so bin 
ich doch eher genei,qt ihn dem Ratsherrn &hievelbein ZUZztsc}u'eiben. E'rlwlten 
ist der Bericht nur in einer Abschrift von unbekannter Hand. Sie wir(l auf- 
bewahrt in der Rigoschen Stadtbibliothek, Manusk1'ipte, Brotze, Livonica B. 23 
(2287) S. 473- 487. 
c. Der dritte Bericht bezieht sich auf die Stell'ltng der Ka.tholiken in Riga 
in den .Tahren 1723-1735. 
Der Ratsherr Schievelbein setzt an den Schluss ei-ne1' '1..'on ihm angefertigten 
Abschrift dieses Berichts den Satz: lect. et approLat. in Senatll den 25. Fehru- 
:trii 17H5. Nun hat aber am 25. Februar 1735 eine Sitzung de8 Rats nicht 
stattgefunden; auch findet sich in den Protokollen des Rats aus der Zeit vor 
und nach diesem 2ü. Februa'r nicht der geringste Hinweis auf diesen Bet'icht. 
Vielmehr ist es sehr walwscheinrich, dass hier der Bericht dcs Obersekrefiir.; 
Brockhausen vom 19. 1t1iirz 178:j '1 1 m'liegt. An clie-8em Tage unterlegte er "nach 
Anleitung der vom OberWettllelTll v. Caspari uulerlll 15den hujus erhaltenen 
7.llschrit't die die Römisch-Uatholische riihrelllle Momenta benehst deszelll('u 
wohlgemeint.en Bp.yraht umh hinküllfi"tig auszer 'T eralltwortung zu seYIl HineUl 
WohlEdien Hahte zur Notice. Da,, VerfÜgen des Rats lautet allerdings nur: 
80 dergestalt verschrieben. Der .Inhalt des 'I. 1 orliegenden Berichts deckt sich 
aber mit der An8chanun.q dei! Rats in .?einem Schreiben vom 12. April 1735 a11 
Uaspari in Jl.foskau, nämlich, (la.;.; er, de1' Rat, nichts wegen der Katholiken 
nnternehmen wolle. 
A ufbewah?t wird dieser Beri!'ht ARA. III, 3: Acta betreffend die Au.?- 
Übung de1' katholischen Rel
qion hieselbst 1721-1735. Die von Schievelbei1, 
angefertigte Abschr'ift findet sich in der Riga.;r.lwn Stacltbibliothek, Manuskripte, 
L'ivonica B. 22 (246.9). 
Zweite Abteil1tng: Otl'l"'mina. 
Die zweite Abteilung enthält: 
1. verschiedene im Auftrage des Rats verfasste Carmina, in denen Peter de1' 
Grosse, Katharina I., Peter II. und Anna verherrlicht. werden, 


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j) 


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2. drei Gesäll,qe zur Feier der Reformation und 
3. einige Gedichte, in denen der Rat urtd die Bürgerschaft gefeiert werden. 
Weitere Bemerkun,qen sind den einzelnen Stücken hinzugefügt worden. 


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Dritte Abteilung: ZU'I' Fi:na'luelage (Zer Stadt. 
In dieser Abteilung sind vereinigt: 
1. Ausziige aus dern Protocollum Secretum und 
2. A.usgaben des Ratsherrn Caspari als Gesandten in Moskau, 
da sie besonders geeignet erscheinen, einen Einblick zu gewähren in die 
übera'its schwierige Finanzla;qe, in die die Stadt Riga durch den Nm'dischen 
Krieg geraten wa'r, und in die Bestrebungen der Stadt den Anforderungen der 
russischen Beamten gerecht zu werden. 
1. In (lem Protocollum Secretum wurdert verzeichnet die in camera ge- 
führten Verhantllungen des Rats mit dem ..1ltermann der Grossen und deI' 
Kleinen Gilde iiber wichtige ausserordentliche Ausgaben und über die Beschaffimg 
der daz'll not1Oemli,qen Geldsurmnen. Zu diesen Ausgaben gehörten ausseI' den regel- 
mässigen Geschenken zu 'Weihnachten, zu Oste'rn, Zur Feier von Krönungstagen 
u.nd Geburtstagen der Kaiser 'ltnd der Kaiseri'n.nen noch Geschenke zu Hoch- 
zeiten der Töchter der Gouverneltre, bei der Abreise und bei der Ankunft der 
Gouverneure, fremder Gesandter und durchreisender hoher Staatsbeamter, wie 
auch noch in besondern Fällen zur Versöhnung erzürnter und zur Au.(munte- 
r'ltng scheinbar liissiger Staatsbeamter. Geldgescheuke wurden durch einen Bür- 
,qermeistc'r, einen Ratsherrn oder einen Ratssekretär den Z'll beschenkenden 
persönlich überreicht, wobei dann al/ch ausdriicklich der Zweck angedeutet wurde. 
Aus den Jahren 1710-1721 ist ein Protocollum Secretum nicht erhalten. 
Das Protocollum Secretwn der Jahre 1721--1748 ist ein Lederband in folio 
von 225 Seiten und gehört zu den Beständen des Rigaschen Ratsarchivs. 
2. Die Abrechnu-ng des Ratsherrn Caspari über tlie Ausgaben und die 
Einnahmen während seines zelmjährigen A'ltfenthalts am russ'ischen Kaiserhof 
in Petersburg 'ltnd in Moskau ist in 4 Heften verzeichnet. 
a. Heft 1 hat einen Untfang V01t 51 Blatt Papier. Wasserzeichen: 1) irl 
dem einem Blatt: OB wul darüber eine Krone, in dem a1tdern Blatt des Bo- 
gens: ein aufgerichtet nach links sc/weitender Hund, mit der linken Vorder- 
pfote sich a'ltf einen Stab mit einem Ritt stützend, in der rechten ein Strahlen- 
bündel haltend, auf einem kastenförmigen Gestell mit der Inschrift: vryheyt, 
das Ganze in einem gekrönten Doppelkreise mit der Umschrift: pro patria 
eiusque libertate. 2) klvb in dem einen Blatt 'und in dem andern Blatt des 
Bogens ein Wappen: Pfahl in Silber auf einem von zwei Löwen gehaltenen 
Schild mit Krone. Auf dem bunten Umschlage: Ausgabe Rechnung de Anno 
1725 den 9ten Julii bil:!z den 23 SeptemLris Anno 17iJti. Prod. in Sen. d. 27ten 
Octobril:! 1736. Prud. in Camera den 22 ten l\1artii 1737. 
Es enthält die A.us,qaben, die Caspari zum Unterhalt seiner Person zu 
machen gezwungen war. Ei-ngestreut sind einige Kanzleiausgaben. 
b. Heft 2 hat einen Umfang VOll 4 Blatt Papier mit dem Wasserzeichen 
1 des ersten Heftes. Auf dem bunten Umschlage: Verzeichniisz derer bey Be- 
treibung derer Stadt-Angelegenheitl:'n ue Ao. 1725 den 1 stell Uetobris hisz den 
28 Martii Ao. 1735 verwandten lllevihtblen Praesenten und Uantzley-Aul:!gahen. 
Prod. in Sen. u. s. w. wie auf Heft 1. 
Es enthält die in de.n Kanzleien gezahlten Gelder, 7'rinkgelder und Be- 
stechungsgelder. 



 


....
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f) 


c. Heft 3 im Umfange von 4 Blatt Papier mit dem Wasserzeichen 1 des 
ersten Heftes. Auf dem buntett Umschlage: Conto von denen de Anno 1725 
den 9 ten J ulii bisz den 1 sten Decembris Ao. 17;
5 empfangenen Equipage und 
Defrayrung-Geldern. Prod. in Senatu u. s. 1V. wie Q,uf Hcft 1. 
d. Heft 4 enthält 103 Belege für die Ausgaben des ersten Heftes. A.uf dem 
bunte'lt Umschlage: Die zu dpr Ausgabe-Rechnung de Anno 1725 den 9ten Julii 
bisz den 23 sten SeptemlJris A o. 1736 gehörige Quitancen. Prod. in Sen. 11,. s. w. 
wie in 11eft 1. 
Der letzte Beleg lautet: Vasz der Wohlgeb. Herr UlJer-Wett-Herr von 
Caspari mir Endesbenandten vor Abschreibung einel. Relation sawbt deI' dazu 
gehörigen Rechnung in allem 19 Rubel gezahlet. Darüber habe ich hiernittelst 
danckbahrlich quittiren sollen. Riga den 23 Sept. ao. 173ft Job. MattL. Kaieh. 
Die Relation ist ein starker Band in Leder mit der Bezeichnung: St. Pe- 
tersbourgsche und Moscowische Relationes de Anno 1725 Augusti hisz Anno 
1736 Februarii Monaht. 
Die Almxhnllng und die Relation werden aufbewahrt: ARA. IV, 17, Bd. 5U. 
Vollständig hier abgedruckt sind nur 11eft 3 und Heft 2. Von Heft 1 
konnten nur gegeben werden einzelne bemerkenswerte Ausgaben, und die einge- 
streuten Kanzleiausgaben, die übrigen Ausgaben kommen uztr am Schlusse 
jedes Jahres in einer Gesamt.summe zum Ausdruck. Sie vollständig zu geben 
hatte keinen Zweck, da alle Monate immer dieselben Ausgaben wiederkellrlnt. 
Es konnte daher genügen als Beispiel die Ausgaben der Monate Januar 1md 
Februar 1735 vollständig abzudrucken. Diese Monate wählte idt, weil sie am 
vollständigsten die regelmässig wiederkehrenden Ausgaben vor Augen stel/tm. 
Zur Ver gleichung fÜge ich noch hinzu die Ausgaben des Abgesandten der 
Livländischen Ritterschaft fÜr die .Tahre 1728 und 1729. 


Vierte Abteilung: 
E'.(Jiln:nt'n(Jcn 'lind Nachtrltge :l:U B. I utl.fl R. .lL 
Sie enthält eine Reihe von Aktenstiicken und Urkunden, die in den ersten 
beide.n Bänden keine Aufnahme finden konnten teils 1vegen ihres Umfanges, 
teils weil erst nachträglich erkannt wurde, dass sie zur Ergänzung df'r Nach- 
richten in den Chroniken dienen können. 
Sie sind nach der Zeitfolge geordnet und die erforderlichen Erkliirungen 
jedem einzelnen Stücke hinzugefügt. 
In einem Anhange sind dann noch einige inschriften und Sp1-iichwörter 
gegeben.
>>>
Et'st.e Abteilung: 


C h 1" 0 n i k e n. 


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memorial In dem St. Georg auf dem neue" Hause 
1709-1718. 



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)[emorial S. 457 
MO Jn dem 8t. Jürgeu auf dt'1ll Xeüen Haui:!ze Anno 1718 d. 14 Xovembria ge- 
leget worden. Da es von Ern. WohlEdien Rahte vorher den 12 Septembr. anzu- 
ff'rtigen mir committirct ulld uell ;!2 Octobris darauf in Senatu zur censur ver- 
le:ien, auch zu extradiren heliebet worden ist. 
Wenn eine idwede veriode der Zeit besondere und merckwÜrdige Begeben- S. 4.59 
Leiten der späten NachWelt zum Bey::;piel hinterläst; so erf'oruert die höchste 
Rilligkeit, dasz man dasjenige, was man Theils mit Augen geseLen, selbst erlebet, 
Theils aus waLrhafrten Umständen von andern erzehlen höhren, und avthentiqven 
Zeügniszen genommcn, in die Feder f'asze, und seinen NacLfolgern, umb ein 
parallel mit den vorigen Laüfften zu ihren Nutzen anstellen zu können, ge- 
treülich übergebe. In dieser Absicht hat Uns, alsz den Magistrat dieser Stadt, 
die löbliche Compagnie der schwartzen Haüpter, da sie das neüe Hausz, oder 
weiland so genanten König ArtusHoff von denen in der lezten bombardirung 
zugefügten SchadeIl unter Auffsicht Jacob }[onikens allenthalben auszubeszeru, 
1md nachdem die Stange, wo rauft. der auff den Gipffel stehende 8t: Jiirgen ruhet, 
schon neüe Brüche zu haben befunden worden, selbige zu l'ellovircn sich ange- 
legen seyn laszen, umb eine Historische Nachricht von dem, was sich seit An- 
begin des itztlaulfenden seculi hieselbst zugetragen, gütigst mitzutheilen, gebüh- 
rend ersuchet. Hierin zu willfahren haben wir umb so viel weniger Bedencken 
getragen, alsz iLre Vorfahren Allno 1622 ulld Anno 1699 schon dergleichen 
erhalten, und der politische Cörper dieser Stadt währender solcher Zeit man- 
cherley Arten der Heimsuchungen des groszen Gottes schmertzlich erfahren, 
viele unerschwingliche Concussioll erlitten, und allerhand inner- und aüszerliche 
Abwandel- und Veränderungen ausgestanden, obgleich solche allesambt anzu- 
führen Uns so betrübt, alsz schwer fallen wollen. 
Nachdem die hiesige Biirger und Einwohner llach dem zweYlllahligen groszen 
Brand-Schaden nemlich Ao. 1677 d. 21 May und Ao. 168H d. 23 Julii einiger 
maaszen wieder zu Kräftten kommen waren, ihr Handel ulld 'Vandel ill Hoffnung 
eines beständigen :Frieden::; mit allem }jruste zu treiben anfingeIl, ulld auff Gewin 
und Verlust an ihre Kauft'leüte Polnischer und Ruszischer Unterthänigkeit eine S. 460 
8umma von 1100.000 Rthlr. vorschuszweise ausgegeben hatten, wurde diese gute 
Stadt, wie ein lliedrig gelegenes Land von einem rauschendeIl Bache Ao. 1700. 
zwischen dell 11 tell und 12 tcn Februarii in der Nacht unvermuhtIich von den 
Sachsen überschwemmet, dabey die hiesigen Kauff- und Handels-l.Jeüten blosz 
an EichenHoltz, Masten und Spieren und anderer Art Höltzer eine solche 
qvantitaet verlohren, dasz es eintzele Persohnen auff 8000 Rth. betroffen. Die 
kostbahr gebauete V orstadt , so wie sie seit Ao. 1658 und also in 42 JahreIl mit 
einem von Stein prächtig auffgemaürten Hospital und einer dazu gehörenden 
steinernen Kirche gezieret und schöne auffgefiihret war, mU8te auff ordre Sr. 
HochGräft'lichen Excellence des Herren FeldMarschalls und unsers damahligen 
General-Gouverneuren Erich Dahlbergs auff irgend den viertell Thei! noch im
>>>
In 


!\lemnriRI 


1700 -05 


selben Februario mit groszen Weh-Klagen der .Besitzer in die Asche geleget, 
und der Erden gleic.h gemaehet werrlen, alle Eigenthihner diesz- und jentseit 
der Dllua, nebst denen so gellltudten der Stadt patrimonial. Gütern wurden delI 

'eiDdes Raub und in I:!olchem Stande ge:!etzet, dasz wo nicht die Hoffnung 
einei' schleünigen Hülffe uiese Stadt und Uürgerschafft erhalten hätte, sie deli 
aüszersten ruin damahlen schou befürchten müszeu. Zu dieser 
'urcht halff uicht 
ein wenige:!, da die feindliche troupl'eu den 14 Februario die Cobron-Schanb:e 
erstiegen, und mit stürmenuer Hand einnahmen, alle aveniies wodurch wir eiuige 
Zufuhr edangen konten, be8etzt hielten, und dell 13 Martii gar die F'estung 
Neumünde, llachdem sie zwar 1500 Malln theH:i 'l'odte, theils hlessirte, uavor in 
8turm sitzen laszen, per accOl'd einbek;thmen, und uns auch die corre:;pundance 
imr See hisz aufl' die wenige aU8zerordentIiche Schifl'mi über Wettsack weiter 
zu pflegen, hiemit gäntzlich ab8chnitten. In :!o bedrängtem Zustande befand 
8. 4lil I!ich diese seit Ao, 1656 ulutngefochtene Stadt Uiga bi8z eine ansehnliche armee 
unter Allfiihrung des Hochseel. Herren General und Uraft'tm Otto Wellil1gs den 
7 }lay aus Pinnland anlangete, und den Peind \-on dieszeit der Duna völlig auff- 
zubrechen nöhtigte, dahingegell, wie 8ie 5 :Meilen von der Stadt hey l'röbstings- 
Huff dem Könige in Pohlen Augu8to, der mit einigen regimentern die Sächsische 
armee verstärcket hatte, den Uhergang disputiren wollen, miszlul1g ihr dieser 
Streich derge8talt, dasz den 21 Jlllii die Infanterie davon uach der Stadt uud 
die Cavallerie sich im Lande zllriick begebeu lIl11sten. B:i daurete demnach 
die üher den erhaltenen succurs geschöft'te }'l'eüde nicht länger, alsz bisz in dem 
August, da der Feind die Stadt abermahl umzingelte, an allen Orten ängstigte, 
und einige gHiende Kugeln und Bomhen hereinwarft', in welcher Zeit der rest 
rler Vorstadt auch bisz auff der Jesus-Kirchen noch al.lgelJroehen und einge- 
äschert wurde, Das darauf' folgende 170l"te Jahr schiene, alsz wolte der Stadt 
die Glücks-Sonne wieder von neüell auftgehen, indem Ihro Kgl. Maytt: zu 
Schweden Carl der Xl] te un8er damahliger allergnädigster König und Ober- 
Herr, nachdem Sie zu Pernau angeländet, die Stadt Narva von ihrer Belagerung 
hef'reyet, und über Lai8 mit seiner gantzen armee sich hieher begeben, nach 
seiner wunderwürdigen passage über die Duna die Sächsische trouppen den 9/19 Julii 
völlig veI:iagete, und unsere Gräntzen nach einer 17 monahtlichen ausgestan- 
denen hlocqvade nunmehro in erf'reiiliche Sicherheit setzete. Indeszen, da der 
König seine armee vollends iiber die Buna zu ziehen und den flüchtigen Feind 
iu Cuhrland und Pohlen nachzusetzen beschäft'tiget war, wurde der Stadt durc.h 
den Herren General-Major Hummergelm, kraft't hohen Befehls etliche tauseud 
Rth. zu nöhtigem Schiesz herzugeben aufferleget, dem auch mit zweytausend 
S. 462 Gehorsahm geleistet werden muste, Diese glückliche victorie veruhrsachte, dasz 
die importante Festung Neümünde nach einer vorhergehenden bombardiruug und 
Canonnade den 11/12 Decembr, ejusd. anni von den Schweden wieder einge- 
nommen und dadurch die gesperre te I
infahrt zur völligen Freyheit der navi- 
gation wieder geöffnet wurde, Privat-Leüte bedieneteu sich die8e Befreyung, 
fingen an in der Vorstadt 80 wol.l disz- alsz jentseit der Duna ihre Gärten und 
Haiiszel' einzurichten und lieszen ihre noch iiberbliebene Mittel dahinftieszen, in 
.Meinung der Friede würde nun balde erfolgen, al8dann sie alhnählig den erlit- 
tenen Schaden wieder nachhohlen könten. Allein es muszte diese gute Stadt 
im Jahr 1703, zwölfftausend Rth, zum V orschusz, zwantzigtausend Rth. zur con- 
tribution und noch andere viertausend fünffhundert Rth, hergeben, und wurde 
rund umb mit schwerer einqvartirung beleget: dabey es dennoch nicht geblieben, 
tlcmdCl'n Ao, 1704 babcn abermahl sechstausend Rth, contributioll und Ao. 1705 


.
>>>
1705-.08 


in flem 8t. neorg. 


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. 


wiederum :lieben tausend fÜnft"hunoert sif'hen und siehentzig Rth. geschaffet und 
ein V orschusz von aoo I
asteTl Roggen hergegeben weruell müszen. Zu sothaner 
Bedruckung kahm, dasz die in Litthauen und Cuhrland sich zusammen gezogene 
Ruszen, ob sie gleich von den unter cOllimaudo des Herren General Graff 
Lewenhaupts stehendeu trouppen zu unterschiedenen mahlen und zuletzt bey 
Uemaiirt-Hofl' aus dem Felde zu weichen waren genöhtiget worden, sich doch 
recolligirten, und die 
chweden, wie dieselbe Bedencken trugen sich weiter mit 
Jhnen einzulaszen, und unter der Stadt retel'irten, auft' den Fusz folgeten, den 
12 Aug: deszelben Jahres in der Gegend von MarienMühle obet'werts des Buna- 
8trohms umb 6 Uhr Ahends posto faszeten, leu Binwohnern die Lebens-Mitteln 
von der Seite abschnitten, und 8ie ans ihren W ohmmgen bisz an den 
 Sep- 
ternhris t:iusd. a. Vet:j, ageten alsz umb welche Zeit sie sich wieder nach Cuhr- 
laud unverhofft zuriickzogen. Diesem ungeachtet wurde der Stadt noch mehl" 
durch die Verhöhung der schwedischen Mlmtze von innen zugesetzet, indem 

e. Freyherrliche Excelleuce, der Herr Gouvernem' und uachgehends in dem 
Grafl'enstand erhobene Carl Gustav Frölich die mit des Königes Nahmen gestem- ::;. .i63 
pelte, doppelte, einfache und haUJen Caroliner, wie auch der 5ferdingstücke in 
einem doppelten Wehrte dm'ch einen emanirten gedruckten Placat dcn 4 Decemhr. 
hiesigen Bürgern autl'dringen wolte. Zwar wurde Au. 1706 bey verändertem 
Gouverno des Hochgebohrnen Herren (hafen und Generalen Adam Ludwig 
Lewenhaupts dieses incommodum, weil e8 ohne der höchsten Obrigkeit ,r orbe- 
wust war vorgenommen worden, wiederum nach 'Vunsch im April gehoben, aber 
die öß'tcrn AhwechseU- und Vel'ämlerungen der damahligen Herren Vice-Gou- 
verncurs, alsz :Funck, Budberg, 
kyt & Albedyl veruhrsachte der Stadt bey ihren 
unsäglichen Ausgahen nicht wenig BeschwCl'dc, und konte es nicht wohl ge- 
schehen, dasz die hie8igen Bürger und Einwohner auch nicht einige Drang8ahl 
dabey solten empfunden haben. Oh nun zwar diese zugestoszene Wiederwärtig- 
keiteu zu üherwinden gewesen, so wm'den doch die Gemühter durch die V 01'- 
bohten noch schrecklicherer revolutioncn, die sich in der Natur haiiffig meldeten, 
in eine unbeschreiblichc Bestürtzung gesetzet, indem Ao: 1707 den a1 Julii 
N achmittag:l unter eincm starcken Hegen ein heß"tiges Donner-Wetter entstand, 
welches zweue so gewaltige Schläge in den 'l'hurn an der Dohm Kirchen that. 
dasz die gantze Kirche mit Rauch erfüllet, und der Wetter-Strahl das so ge- 
nante Mittel oder Brust - W erck in der Orgel einschmoltze, längst den Pfeiler 
und den daneben anstehenden Gottes-Kastcn in die Erde fuhr, und uer Kirchen 
nicht einen geriugen Schaden causirete I. Da8 .Jahr darauf nahm der '\Tinter 
sehr frühe und mit so starckcr rigueur seinen Anfang, dasz dcn IH Octohris 
die Duna gantz befrohren und dic Leüt(' etlicher Orten zu FU::lz passiren kontpn, 
14 Tagen nachdem begunte es zu dauen und den 22 Novembris erhob sich 
abends ein gewaltiger Sturm, welcher bisz an den halben Tag daurete, dadurch 
das Waszer sich dergestalt ergosz, dasz diesz- und jentseit der Diina an Menschen, 
Vieh und Haüszern ein mercklicher Hchade gespühret wurde, und hey Menschen 
Gedencken kein 
dergleichen Sturm, Eyszgang und groszes Waszer im Herbst tj. 4/;4 
erlebet worden. Mit diesem unge8tühmen Wetter nahm doch die Kälte zu und 
wurde aufs neü die Duua mit Eysz beleget, dasz auch das Waszer geschloszen 
blieb, und die Kälte endlich den 

 Decembris in so hohen grad stieg, alsz sie 
in undencklichen Zeiten nicht grö8zer gewesen. Viele Menschen hiiszeten Nase 
und Wangen jämmerlich ein, und etliche SchildtWachten wurden auft. ihl"t
 


I) SllItt: lind dt'r K ir,htm u. 8. 1/", ;, l1.: 111111 eine del'ense vom 6nu Hthl. ,'eruhrllncbt".
>>>
12 


l\!{'mnriRl 


1708-09 


Posten todt gefunden. Die Waszer-Canäle in der Stadt waren so feste ver- 
frohren, dasz sie fast bisz nach Johauuis uicht zu gebrauchen, und mit gliienden 
Boltzen nach und nach unter der Erden geöffuet weruen musten. 


J'IV!J. 
.sach diel:!en übernatürlich kalten Winter erfolgete Ao. 1709 eine erschreck- 
liche grosze Wuszers-Noht, welche unvermuhtet und gantz jähling durch einen 
Eyszgang den 6 teD April Abends umb halb 8 Uhr entstund, indem das von 
dem geschmoltzenem Schnee angelauffene Waszer in dem Duna-Strohm von oben 
dermaaszen herabschosz, dasz es das bey zweyeinhalb 
Jlleu dicke Eysz erst 
hey der Stadt in die Höhe gehohen, und hernach mit entl:!etzlicher Gewalt und 
Krachen gehrochen. Weil aher die Rhede und Mündung noch sehr feste be- 
frohren wal', und daher das Waszer und EY8Z keinen AU8gang in die See finden 
können, so hat es in der Nacht auff der Seiten zwene Am!wege genommen, 
dabey viele über Düna und auft' den Hölmen gestandene Haüszer mit Menschen 
und Vieh Seewerts zugetrieben, da man wegen des zugleich sich eraügnenden 
dicken Nebels uie umb Hülft'e schreienden Menschen Niemauu seheu, noch viel- 
weniger ihnen Beystanu leisten können. Von den 22 Schiffeu, so alhie Wintm'- 
lage gehalten, sinu nm' 8, und zwar meistentllcils beschädiget ührig geblieben, 
die andern aber theill:! gesuucken, theil8 auffs l.and versetzet worden. Umb 
halb neün deszelben unglücklichen 6 ten Aprilis Abend drung das Waszer durch 
die Carls- Rising- und Stiffts-Pforte sowohl in dic Stadt, a]sz auch in die Duhm- 
Kirche, und dereu Creütz-Gäng-e mit l\Iacht hereiu, unu wuchs so hoch an, dasz 
man bey allen an der Duna gelegeneu Pfortcn mit .Höhten fahren muste, und 
8. 46,) etliche Fische iu gedachter Kirchen und ues damahligen Superintendenten 
Döpkins Hausze gefangen. Wie hoch dal:! Waszer hisz ein Uhr in der Nacht, 
denn nachdem begunte es allgemach wiederzufallen, gewesen ist, ist an dem der 
posteritaet zum betrübten Andencken eingemaurten Stein bey der Carls-Pforten, 
und an dem in der Duhm- Kirche hinter dem Chor gemachte Zeichen gnugsahm 
zu sehen. Was aber für traurigc Casus bey diesel' inundation ::Iich überdem 
begeben, und in was für eincn unersetzlichen Schaden die Stadt dadurch ge- 
setzet worden, wird einem curiösen das Ao. 1709 den 7 Sept: in den St. Peters- 
Kirchen Thurn Knopff eingelegte memorial mit mehrern part geben können. 
Diese durchdringende N oht aber war nicht allein, welche unsere gute Stadt 
damahlen überschwemmet hatte, ::Iondern seit 1708 waren auff Allergnädigsteu 
Befehl Sr. Königl. Maytt: zu Schweden unserer damahligen Ober-Herrschafft 
uns mehr alsz Viertausend .Mann Kgl. recruten zureichlieh zu verpflegen auffer- 
leget worden, welche nur allein bisz 1700 im August Monaht dem Stadt-Aerariu 
und der gemeinen Bürgerschaft't 170.000 Rth. S. M. gekostet, dazu die in der 
Stadt befindliche Haüszer, so theils EdeHeüte, theils Kgl.- .Militair- und Civil- 
Bedienten gehöreten, uicht mehr alsz irgend 530 Rth. alb: nach vieler Be- 
mühung dazugeschoszen, da sie doch der Billigkeit gemäsz 3400 Rth. für ihre 
qvota tragen sollen. Wie sehr schwer es dieser armen Stadt eine so mächtige 
Geld-summa auffzubringen, gefaHen, und in was für grosze Schulden sie sich 
hiedurch gesetzet, ist unl:!chwer zn heurtheilen; jedennoch hatte die Plage noch 
keine Ende, sondern nachdem lhro Kgl. .Maytt. zu Schweden die Schlacht deu 
27 Junii bey Pultawa gegen Sr. GroszCzaarischen .Maytt: ungliicklich verlohren, 
konte man sich nichts anders vorstellen, alsz dasz uns die Reihe treft'en, um] 
wir für einen mächtigen Anfall nicht lange mehr wiirden gcsiehel.t seyn. Des- 
halben dann von dem hohen Senat zu Stockbolm der Hochgebohrne Ben Graft' 


. 


11
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709-10 


in .tem F:t. Georl\'. 


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" 


11 


und geheimhtpr Raht 
ils Rtrömherg ZUlU neneraJ-Gouvernelll' aus Reval hiohpl' 
ernennet, umb aUe mensch-mögliche Verfaszung zu machen, diese Haupt-Stadt .... 4(;6 
in Li effland, alsz sie schier gantz krafftlosz geworden war, mit nöhtiger Hiilft.p 
tapffer beyzuspringen, lIud von hevorstphender Gefahr kliiglich zu erretten. 
Hierzu wurde unter dpszen commando eine von 12 bisz 13 tausend Mann starcke 
Garnison gegeben, welche bey der Biirgerschaftt in qvartier verleget wurden, 
da bereit mit groszen Schrecken die Uberdiinschen ihre Haiiszer und Wohnungen 
verlaszen, die Vorstädtischen dip ihriegen theiIs abgeriszen und sich mit vielen 
tausenden aus dem Lande hier in die Stadt sicherheitshalber reteriret hatten, 
der annahende damahlige Feind auch nicht viel Zeit iihrig liesz mit provision 
an Nahrung und Holtz sich zu versorgen, oder dem besorgenden groszen Un- 
gliicke einiger maaszen vorzukommen. In solchem Zustande befanden wir uns, 
wie Ihro GroszCzaarische Maytt: trouppen den 22 Octobris deszelbeu 1709 teD 
Jahres ein viertel Meil vor JohannisThor autl' des SeeI. Herren Gesetz-Herren 
Eberhard von Schultzen Höffchen würcklich pOtlto faszeten und den 3 No- 
vembris der verIaszenen und von diszeit demolirten Cobron-Schantze über die 
Duna sich bemächtigten. Den 15 Novembr. machten sie von Hagens-hoff, allwo 
eine Batterie am Fusze des Berges angeleget war, den Anfang aus 4 mortiers 
von 5 Uhr dps Morgens bisz umb 12 Uhr Mittags die ersten Bomben und zwar 
an der Zahl hundert und zwey in die Stadt zu werffen, welche mehrentheiIs 
11mb der Duhm-Kirchen, so seit den 12 Septembris nach den erlittenen groszen 
'Vasser-Schaden wiederumb zum Gottes-Dienst war gebrauchet worden, viel 
Unheil anrichteten. Nachgehends fuhren die Belägerer von gemeldtem Orte 
und aus der von Ihnen in wenigen Stunden reparirten Cobron-Schantze zu 
unterschiedenen Zeiten mit Feiir-Kugeln, Carcassen lind ungewiszer Anzahl der 
Bomben von 80. 200. bisz 246 .11 schwer weiter fort die Stadt so erschrecklich 
zn beängstigen, dasz die meisten Einwohner, nachdem so wohl die W ohn-, alsz 
Gottes- Haüszer lästerlich waren zersprenget und unhrauchbahr gemachet worden, 
aus Mangel anderer Sicherheit, sich in finstere KeUer und diinstige Casernen 
verkriechen mllsten, aUwo sie in steter Todes-Angst gehalten wurden. Ob uns 
nun wohl, wie itzo erwehnet, sehr harte von auszen zugesetzet wurde; so kahm 
noch von innen diese traurige Begebenheit dazu, dasz den 13 Decembris des 
morgens umb Ul/S Uhr, man weisz nicht aus weszen Versehen, der Pulver- S. 467 
magazin in der Citadelle in Brand gerieht, und sehr viele Tonnen Pulver, nebst 
etlichen tausend Bomben, wovon zu groszem Gli'Icke die wenigsten gefiillet 
warpll, in die Luft't flohen. lliebey wurden nicht allein bey die 800 Menschen 
theiIs von den eingefallenen Baracquen, I-I:tüszern und der am PulverThurm 
umgestiirtzten gantzen Bastion in der CitadeIle überschüttet, theils elendiglich 
zerschmettert, sondern es wurden auch die Gebaüe in der Stadt durch herein- 
gesprengte Bomben hin und wieder ruiniret und besonders an ihrem Fundament 
durch die erschl'ecklicht Erschiitt.erung des Erdhodens in einem nicht geringen 
Schadpn geHet7.pt. 
1710. 
HieRel' feindlichen BeängRtigung und zugestos7.enem Unglii!'ke uugeachtet, 
muste die Bürgerschafft, alsz der V ol'raht hey der I rnchlöblichen ('rohne nicht 
8uffisant war, hald die Crohn-Pfprde mit nöhtigem 
'ntter versehen, bald einige 
der Hpl'rell Garuisons-Officirers mit Speise und gar zu unterschiedlichen mahlen 
die Gemeine mit Gelde uud Getreyde unterhalten helft'en; zu geschweigen die 
Einqvß.rtirung der sonst ungewöhnlichen Anzahl der hiesigen Besatzung. So oft't 
auch in dieser schweren Belagerung die Bin'ger, IIandwel'cks-Pursche und un- 


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14 


'femoril'll 


1710 


t.ciitBeben Ämbtcr sich zum A I1Hf'allpll \1111\ die Cobron Scbantze zu endf'igen. 
Gescbiitz, ammunition
 auch proviant einzubringen und den damahligen Feind 
einen mercklichen Ahbrueh zu thun anerbohten; so wurde doch solches VOll 
Sr. HochGräfflichen 
jxcellence dem Herren General-Gouverneur nicht vor raht- 
sahm und dienlich angesehen. Bey solcher Beschaffenheit, da mau weder aus 
Cuhrland und Litthauen einig-e Lebens-Mittel innerhalb Jahr und Tag el'halten, 
noch aus Schweden, ungeachtet der ausdriicklich deswegen dahin abgefertigten 
Deputirten, alsz Herr Pa.lm Rigemann 1 und Herr Herhert Ulrich 2 aus uem 
Habtp, nebst Ältesten Christi an Christiani, das geringste obtiniren konte; so 
nahm dl'r Mangel an J
rodt uno andere Victualien für so viele Menschen der- 
maSZf'n zu, dasz nicht allein bey der überhandnehmenden Theürung, da 1 Loft. 
Roggen im Martio 11/, Rth. Gersten 1 Rth. Haber 2 ß. alb: ein Kalb 4 hisz 6 Rth. 
S. -168 ein Lamm 2 Rth. ein Rand Stind 49 Groschen schillinger, ein Gans 1 Rth.; im 
.Junio ein Loft' Roggen 4 Rth. Gersten 3 Rth. ein Kalb 9. ä. 12 Rth. ein viertel 
Butter 10 ä. 12 Rth. ein viertel vom Schaft'e 2 Rth. ein Rinder-Braten 4 bisz 
[) Rth. 1 Huhn I/I Rth. alb: etc: gegolten, viel tausend Menschen Hungers ge- 
storhl'n, sondern auch ihr IJehen zu retten, Pferde-Fleisch und andere unge- 
wöhnliche Speisen begierig gegeszen. Zwar gedachtf' der lIel"r General-Gou- 
verneur Strömberg der hey der Garnison einreiszenden Nobt und miscre abzu- 
he1ffen; indem BI' die Herren des Rahts, wie Sie den 25 May nachmittags wegen 
der von Sr. HochGräfrIidlen Excell: t1en 20 
fay schrifftlich auft" dem Schlosze 
gethanen proposition (welche ein Zuscbuh für die gemeine Soldaten von 10.000 
TUb. UIlI\ 4000 Loft' Roggen von der R.itterschafft uml Stadt zusammen er- 
fodf'rtf» versammIet waren, durch f)O Mann auft' dem Rahthausze mit dem Au- 
muhten beiletzen und lletillirCIl liesz, uasz Sie aus ihl'PIII Vermögen 1500 Loft. 
Brüllt-Korn uud 4000 Hth. vorschuszweise beybringen möchten. Allein das Un- 
vNlIlögen bey einem jeuen in der Stadt so wohl, :tlHZ in specie hey lien 30m 
Hudet" des Regiements sit.zenden damahligell Herren war so grosz, c1asz sie nur 
mit. wenigem (;p,lde nml etlichen Loft' Roggen hiilffHche Hand hieten kontplI, 
worauft' sie dann den 27 t
n ejuso. m. wipcler aufI' freyen Fusz gestellet wurdeu. 
Ob nun wohl ,]ie damahligen Feinde ,He gute Stadt rund herumh mnschloszen 
hielten, mit FciirKllgfln, Granaten, Carcassen und Romhen-Werffen unprhört Zll- 
setzetpn, und die Vorstadt naeh seIhst Vergnügen den 1 .Tunii ohne groszen 
Verlllst empol'tireten S , dailz hey so gpstalten Sachen noch da
jenige, was dpll 
ßiirgern darinnen iiherhliehen so wohl, alsz die Creiitz- oder .Ji1rgens-Hoffschp. 
Kirche, welehe 8eit 1704 gestanden, nebst der .TesusKirchen, so Ao. 1688 :1llffge- 
richtet worden, theils abgebrochen, theils in die Asche geleget wurdp; so ver- 
mehreten doch He. HochGräffliche Jjxcellence das allgemeine Betriibnisz der 
hedrängten Gmu(ine, indem Sie den 8 Jnnii die Keller, Boden lind :1nd!'I'e Ge- 
legenbeiten in der ni"lrger- und Einwohuer-Haiiszpr genall vi8it.iren lieszen, oll 
a.uch Roggen auszpr ihr hfnöhtigtes und spBcillcirtes zuriick und verborgen 
gphaltBn wurdp, da dPIlnoch hey iterirter visitation nicht Ilwhl', alsz sie theilR 
schrifft- und Eydlh:h, tllPilH mündlich schon znvor angegehen hatteu, gefund('JI 
wurde. 'Wie al80 n:H'h dem einige )fonaht hm' bereit angpmercktpn Mangel dps 
UrolIts und proviants sich in aer Stallt allerhand heft'tigf Kranckhcit.pn hey der 
S. 46!1 befindlichen Mpllge del' uoht1fidendpn Bürger. ]
inwoll1lel' \lud ningellllchtetell 
sich allgemach hervort,haten, spiihretp mau "udl zuglf
ich. das? VOll der mäch- 


t 


t 


1) B. I 114. t) B. I 113. :J) 111 K,: unu die Vorstadt zu uttllquiren nieht 
unterliellzen, so I!ie auch nach Verlangen den 1. Juuii olme groszen Yerlust emportireten,
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1710 


in dem Rt, aeorg-. 


11\ 


t 


tigen ..\uzahl dei' Gamisoll häuflig welche zur Ert.leu gehracht und uuterschied- 
liehe gar eilig, so dasz sie nur 48 Stumlen oder kaum 80 lange, lebendig
 
gesund und todt gewesen, heimgerii'izen wurden. Dis war leider die letzte ver- 
derbliche Plage, womit das erschrecklidle Gericht Gottes diese erbarmens- 
würdige Stadt angriff und den damahligen Feind in die Rände liefferte, nachdem 
die Raiiszer dnrch 6748 oder, wie der (jeneral FeldzeügMeister Bruss selbst im 
HauptQvartier sich ausgelaszen, 8600 Bomben ohne die Feiir.Kugeln und Ca1'- 
cassen, sehr übel zugerichtet, die Garnison durch Hunger, Pest und Fatignen 
Lisz auff 1500 Mann eingeschmoltzen, und die Bürgerschafft gleichfalls bey nahe 
Lisz auft. den 11 ten theil reduciret worden war. Wer wolte nun bey so bewandten 
Umbställden wohl anders sagen, alsz dasz die sonst für unüberwindlich ausge- 
schriehene Stadt Riga itzo nohtgedrungen sich zum accord heqvehmen müszen; 
in sonderheit, da kein Tag verabsäumet, nachdem Sie von Sr. HochGräfflichen 
Excellence dem Herren General FeldMarschall Scheremethoff schon den 12 Junii 
in Nahmen Ihro GroszCzaarischen Maytt: mit vieler Bedrohung war auftgefodert 
worden, mit scharffen canonniren, granaten und Bomben Einwerffen Sie stüudlich 
zu beängstigen? Nachdem sie weiter mit Hunger und theüre Zeit heimgesuchet, 
und kein succurs auff einigerley weisze zu erlangen gehoffet werden konte, auch 
die pestilentialische Seüche alsz eine ausbrechende Flamme immer mehr und 
mehr umb sich griff und im geringsten nicht sich stillen wolte, wobey auch vieh' 
Glieder Unsers Collegii, des Ehrwürdigen Ministerii und der Cancelley aus 
dieser Sterblichkeit in das ewiege versetzet, davon eine a parte designation 
unten hiebey gefüget worden I j muste man sich endlich zu der lang vermiedenen 
Ubergabe entschlieszen. Diesem zu Folge wurde nach vielen Berahtschlagungen 
auff dem Schlosze per majora des damahligen Feindes proposition endlich den 
29 Junii wegen dedition der Stadt zu tractiren angenommen 11, und ein Tambour 8. 4iO 
an den commandirenden General diesen gefaszten Schlusz mit den frühestf'n zu 
iiberbringen ausgeschicket, darauf den 30 Junii ein Ruszischer Tambour hiel. 
wieder ankahm, mit dem Bericht, dasz Sie fertig wären den andern 
forgen 
unsere Geiszel mit den Ihrigen zu verwechseln s. Den 1 Julii geschahe auch 
die würckliche A uswf'chsehmg und waren zu Geiszel erwehIt der Herr Oberster 
und Commendant von Vitinghoff, Herr Oberster Buddenbrock und Herr Ober- 
Auditeur Polus. AIsz Deputirte von der Ritterschafrt Herr Capitain Patkul von 
Rosenbeck und Herr Assessor Richter. Von der Stadt Herr Biirgermeister von 
N Ol.d eck, Herr QvartierIJerr von Reutf'r uud beyder Gülden Alterleüte, alsz 
Ootthard Vegesack und Christian Frobrich. Von Jenerseite kahmen in die 

tadt die Herren Obristen SyLurg und Borassin nebst dem Um'ren Oellem]- 
Autliteur Glebofl' und vier Hiener, welcLf' in des IIt'neu Stadthalters VOll 
Strokirchs in der Schlosz-Stra.asze heJegenem Hauszp auf Unkosten tier Ritter- 
schafft, die ein Drittel, nnd der Stadt, die lIJs dazu gab, defrayiret wurden!. 
Den f)ten .Julii waren die accords-puncte völlig zum Stande gebra:cht, und mit 
einander ahgehallllelt, deswegen lieszen sich schon morgens umh 8 Uhr die 
Herren Obristen Vitinghofl' und Buddenhrock alhie wieder schell, imgleicben 
waren ihre Oeiszel auch herf'its von hieraus ahgereiset: a.llein die Deputirte 
von der Stadt, Ritter- ulld Biirgf'rsf'hafl't kahmen eri!t gegen Mitternacht umh 
11 1 /2 Uhr wiNler zuriick, angesehen sie nicht ehendf'r ihre accordspuncten 5 mit 
dm' Ruszi!!chen Oeneralitaet zur Richtigkeit bringen konten 8, lIachdem der Herr 


t 


1) B. 1 18. 21:1, 
6) B, 1 10 0'. 



)B.I6O'. 


S) B. I 8. 


') B, 1 8. 


5) B. 1 13, 


I
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It, 


" l'mnrinl 


1710-11 


(jeneral-J'eldMarschall Scheremethoff c1Pll Mittag umo 2 Uhr (jOOO Mann an- 
rücken laszen. welche 1 unter Anfiihrung Sr. FiirstIichen Durchlauchtigkeit Repnin 
alsz GeneralGouverneur und Sr. Excellence des General-Lieutenant Baron von 
Osten, alsz Gouverneur in die Stadt marchireten. Von dieser Manschafl't wurden 
2000 unter Anführung Obersten Lazy in der Citadelle commandiret. So bald 
alles dipses geschehen und der General-FeldMarschall davon Nachricht erhalten, 
hat Er solches den Deputirten kund gemachet, Sr. GroszCzaarischen Maytt: 
8. 471 Kayserliche Gnade versichert und versprochen die zugestandene accordspuncten 
zur allerhöchsten ratificatioll Z\l verschicken, welche Er auch so fort ins Werck 
g-esetzet. nie national-Rchwpdell marchireten den 10 von hier aus, die Finnen 
und Liefländer aber hlieben insgesambt auff Ihro GroszCzaarische Maytt: 
Befehl, alsz conqvetirte Unterthanen zurück, und den 14 war der Huldigungs- 
Tag angesetzet, da Se. HochGräffliche Excell: der Herr General-FeldMarschall 
Scheremethoff mit dem Herren Geheimbten Rahte Baron von Lewenwolde von 
der Ritter- und Bürgerschafft zu Pferde durch das Carls-Thor eingebracht 
wurden, allwo der hiesige Magistrat beym Eintritt in der Stadt nach abgelegten 
curialien zweene giiIdene Schlüszel, so auff 800 Rth. alb: von Wehrt geschätzet 
wurden, auff einen sammeten Küszen offerirete, nachdem die Dancksagung dafür 
geschehen, fuhren Sie zu Schlosz, woselbst der Herr Rittmeister Otto Gustav 
Meck in Nahmen der Ritter- und Landschafft in dem groszen Saale eine Rede 
hielte, nach welcher der Herr Superintendens Döpkin in der Schlosz-Kirche die 
Huldigungs Predigt über den loten vers des 13 Capittpls an die Römer that, 
und der Ritter und Landschafft Ihro GroszCzaarischen Maytt: den Byd der 
'l'reiie leistete. Wie dieses vorhey, stelleten sich Se. HochGräffliche Excell. 
auch auft' die auff dem Marckte dazu erbaueten BiHmc pin, da denn von Uns, 
alsz dem Magistrat \lnd Recretariis, und nachdem von den AJt.erleiiten und 
Ältesten beyder Giihlen, llebRt der g-antzen BÜrgerRchafi't, der Erd der '{'reüe 
abgenommen wurde I. Biemit hatte diesel' actus sein Ende und begaben sich 
Se. HochGriiffliche l
xcell: der TIerr General-FeldMarRchall wieder aus der 
Stadt nach dem Hallpt.-Qvartier hey Dreilings-Hoff, allwo etliche so wohl von 
der RitterRchafft, alsz von der Stadt ausgellöhtiget und bprl'lich tractiret wurden. 
Nachdem diese Stadt 80lchergestaIt unter Ihro GroszCzaarische Maytt: unsers 
Allergnädigsten Käysers und Herren devotion und Bohtmäszigkeit war gel'letzet 
worden,. erhielt.en dieselbe den 30 Sept: eine General-Confirmation aller bey 
S. 472 vorigen Herrschafften erhaltenen Privilegien S und den 12 Octobris die gnä- 
digste resolution und Erklärung so wohl über die bey der Dedition bereits 
accordirte alsz auszgesetzte Nebenpuncte uuter hoher Hand und Insiegel Ihro 
Grosz Czaarischen Kayserlichen Maytt: allergnädigst 4. 


1711. 
Ao. 1711 d. 18 Nov: erblickten wir die hohe IJallde8 Sonne, ich meine des 
Beherrscher aller R.eiiszPll selbst eigene höchst erfreiiliche Persohn in unserer 
verwüsteten Stadt, davon im vorigen Jahre dip erwärmende Strahlen Ihrer 
Holdreichen Gnadp Uns allerunterthänigst und gehohl'Rahmste Unterthallen 


1) Stutt: kllbmell erst gegen Mitternacbt in ](.: kuhmen nicht eher ILlflZ gegen .A bOlid nIOb 
10 1 /1 Uhr ein und wurue diese Ungleichheit dem MiRstrunen des Heneralfeldmarschalls Schere- 
methoff' zugeschrieben, alsz welcher immer in den G('(luncken gestunuen, es wiire nicht unser 
}
rnst, Ruszisclle Garnison einzunehmen, unhero liesz Er den Mittug \Unh 2 Uhr 6000 Mann 
anrücken, welche. . . . 
I) 8. 1 20. 21. S) B. J 48. 4) R. 1 
2.
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1711-12 


in dem 
t. Geor
. 


17 


begliickseeliget hatten I. 
. Grosz Czaarische Käyserliche Maytt: wie auch Se. 
Durchlauchtigkeit der I!'ürst Menschikoft' nebst einer groszen svite von Generals- 
Persohnen und Cavalliren begaben sich auff diesen vor alters so genanten König 
Artus-Hoft', oder das neüe Hausz, den 21 Novembris nachmittags umb solches in 
hohen Augenschein zu nehmen, da dann Selbe, nachdem Sie Sich daselbst 
niedergelaszen VOll der löblichen Compagnie unter Paucken und Trompeten 
Schall bey drey Stunden lang wohl bewirthet und auffgewartet wurden. Es 
unternahm sich zu der Zeit ein Kupffers-Schruidts-Gesell ein Stellage auff den 
Hahn des St. Petri Kirchen Thurn zu machen, von dannen er den 6 Decembris 
auff St. Nicolai Abend umb 12 Uhr umb Ihro Maytt: einiges divertissement zu 
geben einige raqveten, Schwärmer und anderes IJust-l!'eür-Werck in die Höhe 
steigen liesz, worauf Ihro GroszCzaarische Maytt: unser allergnädigster Käyser 
und Herr des andern Morgens friihe von hier nach St. PeterbUl.g sich erhoben. 
Ob nun wohl Ihro GroszCzaarische ?IIaytt: sehr vergnügt von hinnen reiseten 
und gegen die Stadt eine allergnädigste Zuneigung blicken lieszen, wurden doch 
durch Ihro Hochfiirstliche DurchI: den Fürsten Menschikoft. die Stadt '),hor- 
Schliiszel, so von undeucklichen Zeiten in unserer Verwahrung gewesen, aller 
oarwieder geschehf'lIen Vorstellungen ohngeachtet den 1 Martii abgefodert, wie 
sic «enn den 4 Martii 1711 umb 7 Uhr morgens durch unsern SecretariuJll 
Schrader Ihnen ruusten eingehäm1iget werden 2. Bey diesen Veränderungen S. 473 
waren die J;Jinwohner diesel' Stadt zwar dahin bedacht, dasz sie die in der über- 
standenen Belägerung ruinirte Haüszer und noch darin befinrllichen mobilien 
für 'Vettet., Regen und den gäntzlichen Verdcrh durch einige reparation in 
Sicherheit stellen möchten: allein die oberwehnte contagion hatte rlenenselbell 
allel' dazu bellöhtigten menschlichen Hiilfl'e und Mittel so gar benommen, dasz 
die meisten Haüszer eine ziemliche Zeit noch nachdem unbedeckt und in statu 
qvo gelaszen werden musten. Doch wurrle der nohtleidenden Bürgerschafft 
durch einen Rescript vom 22 Decembris sauszer der Garnison noch unterschie- 
denen durchgehenden Officiren, so ein groszes Geschleppe an Bagage, Pferdell 
und Bedienten hey sich hatten, in diesen Ihnen selbst kaum dienenden W oh- 
mmgen qvartier zu geben und iiberderu dieselben mit zureichlichem Holtze und 
I,ichte, so ihnen gantz frembd und ungewöhnlich war, zu verseben aufferleget. 


1712. 
Noch härter fiel der Bürgerschaft't diese Einqvartirungs-Last alsz sie in den 
folgenden 1712 ten Jahre, die in den Casernen bisz dato gelegene drey Regi- 
menter bey sich uehmen und mit nöhtigem service zu versOl'gen sich geuöbtiget 
sabe '. Ob man sich nUll wobl von den Verrichtungen derer in vorigem Jahre 
den 12 Decembris nach Reval zu den Fürst l\fenschikoff verschriebenen Depu- 
tirten alsz den Herren BürgerMeister Johann von Benckendorff und den Herrell 
Secretaire Johanl1 Schrader, nebst Altermann Joachim Kordes und Ältester 
Georg Beyer einige Linderung versprach; so wurde doch wieder alles Ver- 
muhten so wohl mündlich, alsz schrifftlich de1' Stadt durch ein Rescript vom 
22 Januarii 1712 5 olme Einwendung hunderttausend Rth., welcbe 1bro Grosz. 
Czaarische Maytt: an Copecken a 80 Copecken pro 1 Rtb. alb: alhie erlegen 
laszen wolte, nach Holland per Wechsell ilberzumachen angemuhtet. 80 sehr 
nun das Unvermögen dieser arIllseeligen und gant1- enervirten Stadt war vorge- 


1) B. I 164p: 
1712. lJ. 1 181. 182. 


11) B. I 99. 104, 102. 11) B. I 179. 
5) B, 1184. 
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4) Im Januar 


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18 


Memori.I" . 


1712-14 



tell{'t worden; 1:10 wenig kOlltC' doch tlif'se:! :!tatt find-eu, sondern es wurde viel- 
mehr umb hinter die Wahrheit zu kOlllmen von Ihro GroszCzaarischen l\faytt: 
S. 474 unserm aller'gnädigsten Käyser und Herr üher alle Einkünfl'te und Zölle diesel' 
Stadt und des Landes ein President und Oher-Inspector Nahmens Ilia lwano- 
witz ] saj eff verordnet, welcher den 28 Junii zum ersten mahl in consessu Senatus 
erschien und damahls einige puncta übergab 1. li
l' kahm auch bald hinter die 
Heimlichkeiten dieser bitteren Armnht und, wie BI' derselben nicht auffzuhelffen 
wuste, unterliesz das Stadt publicum, und die dürfftige Biirgerschafl't nicht, da 
sie schon in mächtigen Schulden stacken, zu Bezeigung ihrer unterthänigsten 
'l'reüe zu 1hro GroszCzaarischen Maytt: Diensten ihr aiisserstes anzuwenden 
und rp,mittirten doch 75000 Rth., ein Rth. zu 80 Copecken gerechnet, dahey sie 
dann 7330 Rth. Verlust erlitten, der Nachschusz der 25 hwsend aber, wurde 
wegen wahrer Unmöglichkeit anzuschaffen gnädigst erlaszen 2 . Uberdem wurde 
von dem Herren General-Major und Oher-Commendanten Polonsky noch in dem- 
selben Jahre fiir 1200 Mann Ober- und Unter-Gewehr den 9 Martii verlanget, 
welches auch, ungeachtet aller eingereichten remonstrationen, aus den Stadts- 
Zeughaüszern dargereichet werden muste S. 


171.'1. 
Km1z ehe und bevor gedachter Herr General-Major alhie die Schuld der 
Natur bezahlet hatte, ernenneten Se. GroszCzaarische Maytt: Se. Fürstliche Durch- 
lauchtigkeit Peter Alexiewitz Korribut de Gallizin zum Gubernatoren, der atich 
den 11 Julii 1713 die Stadt mit seiner persöhnlichen Gegenwart beglückete, und 
die Regierung hieselbst antrat 4. Nach und nach wurde unter deszen Gouverno 
das Policey- Wesen in beszerem Stande gesetzet, der soldatesqve verübete exor- 
bitantien vorgebeüget, mit Hinwegnelllllung der Biirgcr-Pferde eingehalten, und 
also Handel und Wandel, alsz worin die Seele dieser Stadt bestehet, hiedurch 
freieren Lauff gelaszen. Unterdeszen entstand im N ovemb: Monaht ein hetftiger 
Sturm, dasz von den bey der Stadt und der Rhede liegenden 25 Schiffen, 5 vor 
der Stadt gantz verunglücket, und 3 unten auff der Rhc(le, in den Abgrund 
getrieben wurden. 
1714. 
Anno 1714 med. Febr. langete früh-zeitig ein Spanisches Schiff aus Am- 
sterdam kommende aIllier an, 80 einige Erfrischungen alsz Citronen und pommes 
de Sina mitbrachte. Aber diese wurden Uns was bitter zugerichtet, indem wh' 
zwar viele Schiffe an unserer Kaje im April liegen hatten, jedennoch den !)ten 
bisz 12 ten ejusd. mens. das Waszer sich dergestalt ergosz, dasz es über die Ufern 
S. 475 des Riesings in den daran liegenden Speichern hinein drang und gedachte Schiffe 
gleichs der Kaje in die Höhe huh, darauf wir denn einen diirren heiszen Sommer 
und eine starcke Seliche unter dem Viehe erlebeten, ulld im Hel'bst solche 
Sturm Winde bekahmen, dasz auch die iiher der Duna gelegte Flosz-Briicke li 
mehrentheils zerriszen wurde. So nöhtig nun zu Befesti/-,rung und reparation 
dieser Flosz-Brlicke eine lvantitaet Eisen um1 IIoItz erfodert wurde; so wurde 
doch der Stadt zu den von 1. Gr. Cz. :Maytt: bey Reval neüangelegten Hafen- 
Bau den 28 Dec: durch den Herren General-Adjutant Devier tausend S 11 Eiszen 
fodersahmst beyzutragen , angesonnen. Weil aber ein so groszer V orraht, 
weder in der Stadt, noch aus der Nachbalu'schafl't, in der Eyl angeschaffet 


I) B. I 223, 226. 2W. 
11) B. I 73, 76. 


2) B. I 233. 


8) B. I 197. 


. 4) B. I 253, 261. 


-
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1114-1G 


in dem I:!t. Georg. 


tf) 


werden kunto, gaLen die Biirgcl' lind F.inwuhntJr duch den hohell Befchl Unseril 
allm.gnädigsten KäySCl'S und Herren zu allerunterthänigst gehorsahmsten Folge 
100 Schiffpfund ab J. Inzwischen fiel den weni
en Herren des Rahts wegen 
allerhand Anfoderungen, l
cschwerlichkeiten in den QvartierHerrschafften und 
sich haftfl'endell causarum judicialiulll gar zu miihsahm und unerträglich ihr 
tragendes Ambt (zn mahlen zwene schon, nemlich Herr Peter Timmermalln, ulld 
Herr Ca spar 1reiling, ,lie Ao. 17U erst waren erwehlet worden, daszelbe frey- 
willig l'csigniret) ferner dcrgestalt zn führen, dasz die puhlica der Stadt nicht 
verabsäumet, das Policey-Wesen in guter Ordnung erhalten, und die Nohtlei- 
dende parten Jli,
ht mit Sei"lffzen Adl und 'V eh zu dem gerechten Gott umb 
IIiUffe zu schrei{'n veranlaszet werden möchten. Deswegen man zur Rahts. 
Wahl tf'mpore conSf"eto schritte nnd da man drey Herren in den Raht zu ziehen 
schlüszig worden, wurdtn Herr Christopher von Löwenstern, Herr Hermann 
maudins 'Vitte von Nordeck uu(l Herr Georg Beyer erkohren, und nach alter 
Gewohnheit von der Löwe Ol'c1cntlich abgerufl"en: allein der oben bereits er- 
wehnte Herr Presid{'nt und Oher-lnspector Ilia Isajeff licsz in Nahmen Sr. Kayser1. 
Maytt: wi{'der diese Cuhr dnrch den Herren Secretarium Raes den '27 Sept. 
protestircn und wolte die Aufführung derselben keinesweges gestatten, bisz 
durch vielfältige V orsteUungen, der dariiher mit Gut und BIut erworbenen und 
besitzliclwn Privilegien ,liese protestation dm lR Ortobris gehoben wUl.de 11. S. 476 


1715. 
(Heichwie nun d,ts wcltJiche Regiment dieser Stadt elInge controvers, wie 
itzt gedacht worden, erdulden mnste; also konte auch das Kirchen-Wesen nicht 
ohne dem seyn. Denn Ao. 171ö gleich im .Tanuario fand sich eiuer Nahmens 
Andreas von Lllllbach aus l'reuszen gebÜrtig, ;jlhier ein, welcher allerhand 
Schrifften ausstreüete und mit Prophezeigungen umhging. Es wurde aber vom 
hiesip:en Magistrat., wie er zl1,'or in Rt. Petershurg gewesen war, dieser Schwer- 
merey bald gesteüret, und ihmc das consilium abeundi den 21 Februarii ge- 
gehen, welchem er auch gehorsahmst nachlehete s . In demselben Jahre begeg- 
nete dieser Kaufl'. und Handels-Stadt Rig'a recht etwas unerhörtes darin, dasz 
Sie im ;\[ay l\Ionaht auszer dem Rllszischen Saltze, I:!O verlegen und erschöpffet 
war, dasz kein Lieszpfund fast in der Stadt fiir Geld zu hekommen 4, welcher 
sich eräugnende Mangel jedennoch durch starcke Zufuhr aus Meme], Libau etc: 
bisz die Schiffe anlan
eten, jedoch zeitig ahgeholffen wurde. 


1716. 
Ao. 1716 den 1 Fehl'. erfreüeten nunmehro zum 5 ten mahl Ihro Grosz Czaa- 
1'ische Maytt: durch Dero gliickliche Anherokunfft lind gnädigste Gegenwart ihre 
allerunterthänigste und gehorsahmste Unterthanen diesel' Stadt 5, wie aber der 
Horizont auch bey hellem Mittage nicht allezeit ohne triibe W olcken zu seyn 
pfleget: also trug es sich auch hier zu, dasz Paul Brockhausen gewesener Ober- 
LandVogt wegen seines Versehens auff' hohen Befehl Sr. Grosz Czaarischen 
Mayt.t: vom 4 ten ejusd. von Uns, a]sz dem Magistrat, nach Rechten geurtheilet 
werden rouste, welches dergestalt leuteriret worden, dasz er nach Tobolsko 
den 25 Febr: von hier aus ins exilhlm gehen müszen ß, :tuff welchen 'Veg er 
unweit Solikamsky eine Grentz-Festung zwischen Moszcau und Siberien sein 


1) B. I 320 a . 321. 2) B, I 311. 317. S) B. I 251. 300. 4) B. I 338. 
5) B, 1347, G) B. I 34R ff. Ober Bl'Ockllausm 1/1ul seine V(./'t/rtCil1Wg 1'g1. A. Pohrt in 
lJIUleihmgl'1I X S. 2fj2 ß: 


2* 


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20 


Memorial 


1116-18 


fatales Leben Ao: 1717 den 4 Januarii geendiget 1. J n {'hcn die
em 17 L6 ten Jahre 
wurde abermahl eine Contrihution "on 6000 L II Eiszen zum Re"alschen Hafen 
Bau dieser armen nürgerschaft't angesonnen, welche sich auch dahin resolvirte, 
dasz sie 200 SB oder 4000 L?1 mit 10 a 11 Rth. das S W gerechnet, abkauf- 
feten I. In übrigen wehrten dis .Tahr bisz im .Tunio starckc Sturm-Winde und 
in den Hundstagen war es so kalt, als es sonst im October Monaht zu seyn 
pfleget, auch den gantzen Sommer durch war bey der Stadt ein so hoch auft'- 
S. 477 geschwollener Sb'ohm, dasz man die Brücke nicht zum Stande bringen konte. 
Bey solchem Unwetter wurde das Getreyde: alsz Haber, Gersten, auch Buch- 
weitzen, Erbsen, IIopft'en, von der Kälte dermaaszen bestooszen, dasz es meistens 
verfrohr und ein miszgedeiliches Jahr fast im gantzen Lande hrachte. 


1717. 
Bey diesen trübseeligen Zeiten, da wir hocherfahrne Regenten bey der 
Stadt nicht wohl entbehren konten, wurde den 8 Augusti 1717 der Hochver- 
ordnete Herr BurgGraft' und ältester Bürger-Meister dieser Stadt, Herr .Tohann 
von Öttingen, uns in seinem 79sten Jahre aus dieser Sterblichkeit zum groszen 
Leidwesen entriszen, und ward die schwere Sorgen-Last des publici wegen 
auft' den eintzigen noch übrig gelJliebenen Herren Bürger-Meistcr, und nunmehro 
Hochverordneten Hcrren Burg-Grafen S allein dcvolviret. Ob wir nun zwar, wie 
in diesen wenigen Zeilen angemercket, allerhand Wechscll und Veränderungen 
erlitten, so können wir Uns doch, Gott sey ewig Lob und Danck! in dieser 
Zeiten Unbeständigkeit der Bestäudigkeit unsers einUlahl angenommenen christ- 
lichen Glaubens und derselben reinen Lehre eine Zeit von bey nahe 200 Jahrcn 
für vielen andern rühmcn. Derhalben wir dann nicht weniger alsz die gantze 
Lutherische Christenheit eine Jubel-Posaune in danckhahrer Brrinnerung des 
Reformation- W erckes, welches der Gnaden-reiche Gott, durch seinen theüren 
Werck-Zeüg D. Martinum Lutherum wohl angefangen und herlich ausgefiihret 
hat, Ao. 1717 den 10 Novembris am Martins-'l'age hören las7.en und diesen Tag 
mit frohlockendem Gemühte feyrlichst begangen 4 . 


1718. 
Ao: 1718 den 12. 13 und 14 ten Martii wurde nach ausgegebenen und einge- 
schickten Manifest von Ihro Grosz Czaarische Maytt: darin kundgemachet, dasz 
I. GI'. Cz. Maytt: ältester Printz Alexie Petrowitz!i (welcher doch km'tz darauf 
den 26 Junii an einer Blutstürtzung Todes verblichen 6 ) aus erhehlichen Uhr- 
sachen von dem Erbe und succession zum Ruszischen Thron ausgeschloszen seyn 
B0lte, dem jüngsten Erb-Printzen Petro Petrowitz, alsz kiinfftigem successori des 
gantzen Ruszischcn Reichs von den sämbtlichen Unterthanen und Eingeseszenen 
dieser Stadt der Erb-Huldigu[Jgs-Eyd in der Duhm-Kirchen vor dem Altar in 
S. 478 Gegenwart Sr. JIochfürstlichen Durchlaucht unsers Gubernatoris de GaIlizin und 
Commendanten von Busch solennissime geleistet 7. 
Aus dieser kurtz abgefaszten relation wird genugsahm erhellen, wie durch 
so viele als betrübte Fälle und Bedrängnüszen unserer licben Vater-Stadt diese 
19 Jahre her, dermaaszen zugesetzet wOl'tlen, d:tiiZ sie von ihrem gäntzlichen 


1) Über Reise und Tod Brockhausens vgl. Buchholtz SB. 1897 S. 12 n: 2) B. 1346,347. 
8) BenckendQrtf B. I 
6. 4) B. I 423. 424, B. IIr Abteil, 2, 2. 6) B. I 428. 435. 447. 
6) B. I 450. 451. 7) B. 1 430. 438. 


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>>>
11J8 


in dem St. Georg. 


21 


Untergange öffters nicht weit entfernet gewesen, und der ermattete, ja sterbende 
Staats-Cörper auch auft' keinerley weise zu einigen Kräfften gelangen kann, ehe 
und bevor durch Ot'U erfreülichen Frieden in Norden die aüszerlichen Unruhen 
gestiHet, und die gehemlllete COlUmercicn in vorigem flor gesetzet werden: So 
gehet auch das Yerlangen und 'Vünsehen rechtschaft"ener patrioten dahin, dasz 
die nunmebro sehon ein halh Jahr :tuff der Tnsul Aland gepflogene Friedens- 
Handlungen einen glücklichen und dem geliebten Vaterlande gedeylichen Ausgang 
gewinnen, damit denen noch iihel'gehliebenen eine erfreüliche Nachlese derer 
angenehmsten Früehtell dcs längst gewiinschten Friedens möge vergönnet seyn! 
Haec Jussu Magistratus cOllcepit P. v. Schievelbein. 


Verzeichnisz der l'ersolmen, so dnrante obsidione et tempore pestis aus 
l';m. WohlEdIen Rabte und desseIhen Oher- und Unter-Cantzelley Wie auch aus 
Em. I%rwi"lrdigen Ministerio 'I'odes verfahren. 


S.479 


Anno 1710. 
Herr Johann von Dreiling, llurgermeister . d. 21 Sept: 
Hen" Hermallll 'Vitte von Nordeck, Bürgermeister d. 2 Aug: 
Herr Detmar Zimmermann, Ober-Vogt . . d. 2 Aug: 
Herr Caspar Meyer, LandVogt. . . . d. 5 Aug: 
Herr Georg Rennekarupff, Ober-Cämmerer . d. 2 .Martii. 
Herr Bruno Rahnfeld, Ober-Bau-herr und Stallherr d. 4 Aug: 
Herr Eberhard von SchnItzen, Gesetz-Ren" d. 13 Aug: 
Herr Andreas von Diepenbrock, Waysen-Herr d. 17 Julii. 
Herr Georg von Öttingen, Qvartier-Herr .. d. 1 Julii. 
Herr Hinrich von Dreiling, Qvartier-Herr.. d. 25 April. 
Herr Rötgert Feldmann, Ober-Secretarius. den 5 Augusti. 
Herr .Melchior von Dreiling, Gerichts-Secretarius. 
Herr Johann Holruann, Waysen-Gerichts-Secretarius. d. 8 Julii 1710. 
HelT Joachim (Hese, Hoft'. und Wett-Gerichts Secretarius. d. 6 Augusti. 
Herr .Martinus Schreiber, Secretarius & Archivarius. O. 27 Ju1ii. 17tn. 
Hominus Johann Georg Knauert, I d. 17 Augusti. 
Dominus Johallll Christian Krl1gner, Notarius d. 26 Augnsti. 
Dominus Ehrenfried Göldner, d. 26 Al1gusti. 
Herr .M. Liborius Döpkin, SnperintcmlclJs und Ober-Pastor bey der 
St. Petri Kirchen d. 29 Ju1ii Ao. 1710. 
Herr :M. Arnold Fuhrmann, Pastor am Dohm. d. 8 Julii. 
Herr Erhardus Schnee, Wochen-Prediger d. 8 April. 
Herr M. Johal1nes Brockhal1sen, Wochen-Prediger d. 30 Julii. 
Herr Johannes:1 Diepenhrock, Iiacollus bey St. Peter d. 2 Aug: 
Herr }[, Antollius Guldenstädt, Pastor zu St. Johannis d. 15 Julii. 
Herr :M. Georgius Ludovici, Diaconus zn St. Johannis d. 26 Julii. 
Herr :M. Henricus Fuhrmann, Pastor an der Jesus Kirchen 
Ao. 1709 d. 29 N ovemb: 
HelT M. Rötgerus Rigemanll, Pastor an der St. Georg oder Creütz- 
Kirchen . . . . . d. 30 Jan. 
Herr WiIhelmus Rhode, Pastor zu Holmhoft' d. 17 Julii. 
Herr M. Hermannus Müller, Pastor zu Kattelkaln 
und Olein . . . . . . . . . 
Herr M. Gerhardus Vogt, Pastor auff Pincken-ho1I 


S.480 


d. 1 Sept: 
d. 27 Aug: 


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S. 4/;1 


S.482 


22 


Memorial 


1718 


Die Persohnen Es. WohlEdlen Rahts 
sind bey itziger Zeit folgende: 
Herr Johann von Benekendorff, Hoehverordneter BurgUraff und eintziger 
Bürger-Meister. 
Herr Hinrieh Kahl, Ober-Cämmer-Herr. 
Herr Hans Kleissen, Ober-Ambtherr. 
Herr Johann Groot, Ober-Wettherr. 
Herr Christian Zimmel'mann, LandtV ogt. 
Herr Melehior Wiedau, (: erichts- Vogt. 
Herr Johann von SchuItzen, Waysen-Herr. 
Herr Peter Weyer, Cämmer- und Qvartier-Herr. 
Herr Christopher von Löwenstern, Wett- und Qvartier Herr. 
Herr Hermann Claudius Witte von Nordeck, Ambt- und Qvartier-lIerr. 
Herr Georg Beyer, Recognitions- und Qvartier-Herr. 
Die Persohnen in der Cantzelley sind: 
Herr Georg Raes, V ogteylicher Gerichts Secretarius. 
Herr Georg Berens, Waysen-Gerichts-Seeretarius. 
Herr Andreas Rederanek, Land- und Musterey Seeretarius 
wie aueh Ober-Notarius. 
Herr Melehior Caspari, Wett-Gerichts-Seeretarius. 
Herr Justus Johannes Halterruann. 
Herr Gotthard Vegesaek. 
Herr Peter von Schievelbeill, ArehivariuR. 
Dominus Johann Christopher Poppal Notarius. 
Im Ehrwiirdigen Ministerio sind: 
Herr Henricus Bruningk, General-8uperintendens und Ober-Pastor. 
Herr Christian Lauterhacb, Pastor. 
Herr M. Andreas Willebrandt, Pastor. 
Herr Nathanael Skodeisky Pastor an 8t. JohanniR. 
Herr M. Bartholomaeus Depkin, Archi-Diaconus. 
Herr Caspar Elvers, Diaconus an St. Jobannis. 
Herr Gebhard Christopher Tanck, Diaconus am Duhm. 
Herr Liboris Stockfisch, Pastor auft" IIohuhoff. 
Herr Christopher V olters Pastor auff Jungfern-Hoff, Kattel-Kaln, und Olein. 
An der Duhm Schulen sind voritzo. 
Herr Adam Gottfried Hörnick Professor und Rector. 
Dominus M. Johann Heorg Schroeder Con-Rector. 
Dominus Saruuel Petrus .Jeutico, Sub-Con-Rector. 
Dominus Johanll Hinrieh Beuthner, Cantor & Director .l\1usice:;. 
Dominus Johaml Wilbelm Geist, Uollega. 
Die in der groszen Giilue sind: 
Herr Johaml Hollander W ortf'ührender Altermann. 
Herr Joachim Kordes. Altermann. 
Heorg Meiners. Matthias Marq varut. Michael von .Mallen. 
Johann von Damm. Joachim Dönniger. Johann Elvers. 
Hinrich Kahl. Wilhelm I...udloft.. Arend 1'hor-avest. 
Heorg Krumnau. Johann.Hinrichs. Johalln Koht. 
Claus Kroeger. Ihidrich Schiffhausen. .Johallll GOf'fwhe. 
Hermann Bevermann. Johann Hinrieh Dathe. 


-
>>>
1718 


in dem St. Georg. 


23 


Wilhelm von Osthoff. Hermann Reimers. Joh. Fridr. Schick. 
Joaehim Hinrieh V oigt. 
alle Ältesten. 
Johann Holler Wortführender ])ockmann. 
Adam Hinrich Sehwartz Dockmann. 
Die in der löblichen Compagnie uer schwartzen Häupter sind: 
Matthias Sehiß'ner Altermann. 
.Turgen Struve. Joseph Fawthrop. Jaeob Monike. 
Conrad Hel.t:wg. Peter Gutknecht. 
niedrieh Christiani p. t. Ober-Cämmer. 
Martin Rademacher p. t. Cämmer. 
Johann Adam Gl'eve. Bernhard Hiickelhaven. 
Joachim Weyer. Johann Hermann lIolst. 
Thomas Zllckerhecker. Eherhanl Hruning. 
Caspar Gerugros. Valentin Grave. Arend llerens. 
aUe Ältesten dieser löblichen Compagnie. 
Da uun, wie ohell 
Jrwehnung gescheheIl, die eiserne Stange, wOl'auß' der 
WindZeiger des neücn Hauszes St. GeOl'g ruhet, von den Schäden, so ihm in 
tIer letzten Belägerung durch die Bomuen zugefiiget worden, hat augenommen 
und repariret werden müszell; so hat uey der Begebenheit das Amut der hie- 
sigen Goldschmiede dcn von ihren Vorfahren an der Compagnie geschencktcll 8. 483 
WindZeiger St. Georg zugleich nebst dem Knopffe voritzo wieder aufs neii vcr- 
guldet und ausstaffiret, die :tnitzo im Ambte lebende Persohnen sind: llinrich 
Fridrichs, Altermann. Daniel UIl'ich Häffken. Jacou Stabenau. Jacob Happach. 
David Haeffkeu. Hinrich JJiche. Carl Gustaff Kresner. 
Ao. 1718. den 14 Novembris. 


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Erste Abteilung: 
Chron ike o. 


2. 
Erstes memorial In dem Turmknopf der Domkirche 
1718-1724. 


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MemOl'ial, S. J61 
welcher in dem Thurm-Knopfl' der Dohm-KiI'chen Auno 17:!4 verwahrJich einge- 
leget worden und nebst einer kurtzen Nachricht von dem Ursprung und denen 
von Zeit zu Zeit erfolgten Schicksahlen und Zufallen gedachter Kirche die con- 
tilHlirte Historiam Patriae sive Civitatis Rigensis von Ao. 171!J bisz 1724 Junii 
Monahte inclusive in sich faszet. 
Ad Mandatum Amplissimi Senatus cOIlcepit P:ml Brockhausen Secretarius 
Civitatis Caesareae RigeIlsis. 
Wann unsere, den Weg alles Fleisches schon vorlängst 
egangene V 01'- S. 363 
fahren, die denen unvermeidlichen Fatis unterwiirnige uud zu ihrer Zeit sich 
zugetragene Begebenheiten, derselben Folgen und daraus abzunehmenden, mebr 
als zu gewiszen Unbestand allel' ninge den hinterbliebenen Nachkömmelingen 
zu Gemühte zu fiihren, ihnell angelegen seyn laszen, sind selbige dahin bedacht 
gewesen, durch Verzeiclmilsze der PeriodoruIII und ihrer manlligfaltigen Ab- 
wechselungen solche!! zu bewerck!!teHigen, wohlwiszellde, dasz anszer der Ver- 
geszenheit die Sterblichen keil} Rel'llt Übel' geschehene uml vergangene 
achen 
hätten. nie sub 1\; 1, 2, a, 4, 5 von unsern Vorfahren aufgezeichnete und UIlS 
zur Nacbricht in diesem Knopfft' verwahrlicb aufgehobene IIistorif'n und merck- 
wÜrdige Zufälle legen hievon ein unverwerfl'liches und glaubbafftes Zeugni'3z 
vollenkommen ab. Was Wunder, wann auch wir hey dieser Gelegenheit, be- 
vorab da wir in ]
rfahrnng gebracht, die von sehr laugen Jahren dieser Dohm- S. 364 
Kirchen wegen 8chriflt.Jich aufgesetzte Begebenheiten hätten ihrentheils auch 
den mebr als zu gewiszen Unuestauu erfahren, und sich der alles verzebrenden 
Vergänglichkeit unterwiirnig machen mÜ8zen, uns genöhtiget sehen, diesen er- 
littenen Schaden zu relllediren und der I!
undation der DobmKirche sowohl, all! 
der vielfältig ausgestandenen und nicht aufgezeicbnet gefundenen hesonderell 
Zufällen dieser Kirche mit wenigell einige ]
rrinnerung zu thun. 
RUBsovius, ein unter den alten Historicis nicht Unbekandter, 8etzet in seiner 
Chronica tIie Zeit diesel' DolnnKil'chen Fundation in tIas ] 204 te .Jahr 1, welche 
uetermination desto weniger in 
weiflel zu ziehen, weilen Albertus Buckl!höff- 
ting, tIt'r a te Rischopff in Ue1rI:tlld, diese Doluu- oder 8t. l\I:trien-Kirche am 
Tage des .Apostels Jacobi Ao. 1211 eingeweyhet und diese Nachricht in seinen 
Brieffen de anno 12öa i aufgezeit'hnet und hinterlaszen hat. Hantzer 336 Jahr 
t!cbie11e dieBe gutt' :K irche einer unulUstöszlicbell Beständigkeit sich riihmen zu S. 365 
können, jedoch Gottes allwaltende Schickung legte RO. 1547 das schmertzliche 
Gegentheil unsern V or1ahren meIn' als zu deutlich dar, da selbige, die Dohm- 
Kirche nehmlich, im May Monahte der verzehrenden Flammen sicb exponiret 
und fast eingeäscbert sehen mustt'n. Diesen erlittenen Schaden durch göttlichen 


, 


. 



 


1) RWJ80W, Ch1'onwa der Provinu LYO'lemdt, 2. A-ufl. 1584, Bl. I. 
i) LUB. I 378. Hi" tt'mlen Bischof Albert 1211 lind Erebischof Albert 1263 fii, eNt- 
leibe Perlfon gellUllni.
>>>
28 


Erstes Memorial 


1547-1707 


Beystand zu ersetzen, lieszen ihnen unsere, ihres Gottes Dienstes obigermaaszen 
entblöszete Vorfahren äuszersten Fleiszes angelegen seyn, ao. 1549 durch Wieder- 
Auft"bauung dieser Kirche dem erziirneten Gott ein etwaniges Sühnopft"er dar- 
zubringen, welche Jahreszeit ein gewiszes altes Manuscriptum den Nachbleibenden 
mit diesen Worten einzuschärffen bedacht gewesen: Anno 1549 den 25. Decem- 
bris ward wedderum Gott loft" im Dohm angefangen tho predigen undt tho 
singen: De aJlmächtige Gott de behöde uns forthen vor sodannen }'ührschaden. 
Wie nun solche publique Häuszer als Zierden einer Stadt einen desto 
gröszeren Splendeur denen Einwohnern mitzutheilen pflegen, wann sie mit einigen 
i.;, 366 in die Augen fallenden Ornamenten versehen: So gefiel es auch unsern lieben 
Alterthum, diese wieder in dem Stand gesetzte DohmKirche mit einer sehr 
hohen Spitze zu bekleiden, welche Beliebulig auch 1594 den gewünschten Eft"ect 
erreichet und 9782 Rthl. ;} Mark Rigisch gekostet. Der auf diesen Thurm be- 
findliche Knopft' !loH 8 J.1I 10 .¥I und der auf einer starckeu und ungemein 
langen Stange ruhende Hahn 8 LW 4, .¥I wiegen. Diese aufgewandte Unkosten 
wurden durch Auft"bauung einer schönen Orgel, welche 5685 RthJ. 3 Mark Ri- 
gisch zu stehen gekommen, um ein merckliches vergröszert, jedennoch da solche 
Depensen zur Verherrlichung des groszen Jehova und zur Zierde der Kirchen 
gediehen, achteten Ullsere Vorfahren auch diese Summe vor etwas geringes. 
Ao. Hi14 deu 7ten Novembris liesze der Allerhöchste dieser guten Stadt 
abermahls durch Gewitter sehen, dasz es ein sehr nützlich Ding umb die Ver- 
änderung deI:! Gliickes sey, weilen dadurch die Proben der christlichen Gedult 
und Gelaszenheit erhärtert werden könten. Am obbesagtem nato nehmlich 
s. 367 zwischen 9 und 10 Uhr vor Mittage hagelte es iiberaus starck und blitzete 
i3 mahl sehr schnelJ, worauf ein harter und zu dieser Jahres-Zeit gantz ungewöhn- 
licher Donner-Schlag erfolgete, welcher auch in die Spitze des Dohm-Kirchen- 
Thurm, jedoch Gott sey Dauck ohne sonderlichen Schaden, schlug. 
Ao. 1629 den 14. Aug. verletzte das Gewitter den Zeiger an der Dohm- 
Kirchen und schlug in den BlaszBalg der Orgel ein. Weilen aber den grösten 
Ungliicks-FäJlen mit standhaft'ter Oewiszells-Ruhe entgegenzusehen nur grosz- 
miihtigen und Gott ergebenen lIertzen gemein bleibet, so lieszen auch 1111sere, 
ihrem Schöpft"er gewidmete V orfahren
 da sie dem unerforschlichen Raht Schlusze 
Gottes mit christlicher Gedult begegnet ulid die väterliche Zucht-Ruthe kindlich 
geküszet, ihre Vorsorge dahin ausseyn, den empfangenen Schaden wieder aus- 
zubeszern und bey der Ausbeszerung dieser Dohm-Kirchen neue Zierrathen 
zuzuwenden. 
Ao. 1633 im Junio wUl'de das Oberdach mit Kupft'er zu bedecken angefangen. 
Ao. 1641 wurde diesel' Kirche eine neue Cantzel von dem Renn Hintel- 
mann J: U: D: 1 zugeeignet. 
s, 368 Ao. 16H8 den 18. Octobri8 wurden 8 Knöpfl'e, 24 W schwehr von Kupft"er 
und mit halb geschlagenem Buch.Holde verguJdet, auf dem Umbgange des Dohm- 
Kirchen-Thurms, woselbst lJis zu der Zeit noch keine gewesen, gesetzet. 
Ao. 1684 wurde der neue eichene Umbgang mit 8 rundspitzigen vergüldeteIl 
Knöpft"en versehen. 
Dasz aber Gottes geheime Wege hey allen Gliicks- und Unglücks-Fällen 
unergründlich seyn, erwiesz das ao. 1707 den 31. JuIii entstandene schwere Ge- 
witter, welches die schöne Orgel in diesel' Dohm-Kirche mehrentheils zerschmet- 
terte. Diesem im fl'ischen Andencken annoch schwebenden betriihten ZufalJ 


t 


, 


1) Ludwig Hinttlmann, Ratsherr. Vgl. BiJthfükr, RigÜlche Ratllinit, 2. A. m'. 547. 


--
>>>
1108-11 


tIer Domkirche. 


2!) 


. 


folgte ao. 1709 ein noch weit gl'öszerer, da nicht uur uurch daH den 6 ten Aprill 
anwachsende hohe Gewäszer dip-se gute Kirche in einen nicht geringen Schaden 
gesetzet I, sondern auch durch oie in ebendemseIhen und folgendem Jahre von 
oenen Einwohnern dieser Stadt iU.erstandenen Belagerung dermaszenll1itgenommen S. 369 
wurde, dasz man die Vestigia hievon noch heute, indem keine Mittel vorhanden, 
die Ausbeszerung und völlige Reparation dieser Kirche vorzunehmen und zu 
untergehen, augenscheinlich belllercken kan. Die sonsten in obbenandten Jahren 
sich zugetragene und Ilistoriam Patriae concernirende Sachen der Posteritaet 
zur Nachricht aufzusetzen, würde mehr iiberflüszig als nützlich seyn, an erwogen 
die suh N! 1, 2, 3, 4 et 5 verfaszete Memorialien dieselbe bis 1704- den 19. Sept. 
bereits diesem Knopffe einverleihet und uns zu den von diesem Jahre an sich 
merckwürdig ereignete Sachen zu wenden und selhige folgendergestalt mit we- 
nigen zu entwerffen Anlasz gehen. 
Der im Jahr 1708 den 19. Octohris entstandene und bis den 6. Aprill des 
1709. Jahres anhaltende starcke Winter, dergleichen bey Menschen Angedencken 
nicht erlebet worden, konte uurch die darauf erfolgte grosze 'Vaszersnoth 
diesen l
inwollllern nichts anders, als eincn unermeszlichen Schrecken einjagen S. 370 
und die in ebendemselben .Tahre den I:'). Novemhris diese Stadt betroffene harte 
Belagerung nicht anders, wie sehl' schweIn' fallen. 6748 oder nach des Herrn 
General-Feld- ZCu b'1lleisters Bruss' l angegebenen Bericht 8600 Bomben beäng- 
stigten diese b"Ute Stadt hefftig und den tagtäglich sich erreigneten Abbruch an 
Vivres konte man als einen unverwerfflichen V orbohten einer bevorstehenden 
gröszeren N oth Rnsehen. Die betrübte Folge that sich auch nachgehends mehr 
als zu deutlich hervor, da noch währender Belagerung eine pestilentzische Seuche 
immer mehr und mehr umb sich griffe und durch keine Artzeney-Mittel sich 
stillen laszen wolte. 'V odurch dann diese gute Stadt sich gezwungen sahe, zu 
der lang vermiedenen Ubergabe sich zn bequemen. Worauf, nachdem die Ac- 
cords-Punkte per Deputatos der Ritterschafft sowohl, als auch der Stadt durch 
den Herrn Biirgermeister Hermann 'Vitte von Nordeck, den Herrn Oberbau- 
herrn Johann von Reuter, Herrn Gotthard Vegesack ÄIterrnaun der groszen 
Giilde und Christian Frol,rich Ältermann der kleinen Gülde völlig zum Stande S. 3'11 
gebracht und mit einander abgehandelt worden s, die halb erstorbene und nach 
einer haldigen Endschafft des ihnen augenscheinlich bevorstehenden Elends 
seuffzende Einwohner dieser bedrängten Stadt Ihro Imperatorischen Maytt. 
unsers allergnädigsten Imperatoris, Landes-Vaters und Herrn Petri des Groszen 
weItgepriesene Hnade den 5. Julii des 1710ten Jahres sich vollends unterworffen 4 . 
Oen lOten dieses Monahts empfingen Sr. HochGräffliche Excellence der 
Herr General-Feld-Marschall Schermetoff, nachdem demselben beyrn Eintritt im 
N ahmen dieser Stadt zwene giildene Schlüszel dehmühtigst praesentiret worden, 
auf der auf dem Marckte erhaueten Biihne den Eyd der Treue von dem hiesi- 
gen Mabristrat und der gantzen Bürgerschafl't 5 . 
Ao. 1711 den 18. Novembris begonte die Sonne dieses Landes durch die 
hohe Gegenwart Hnsers groszen Monarchen nach den Trauerwolcken wiedermuh 
hervorzuleuchten, dasz auch diese Stadt von den holdreichen Strahlen nichts S. 372 
anders, als alle Gliicks-V ortheile gewärtig seyn konte G . Bey Gelegenheit dieser 
hohen Presence unternahm sich ein Kupfi'er-Schmidts-G eselI, K ahmells Friedrich 
Sieffers, den 6. Decemhris ejusdem anui durch ein angestelletes LustFeuer auf 


1) Vgl. Mcmorial i. St, Geo'l'g B. III S. U. 
11) B. I 21. 6) B. I 164 If. 


i) Bruce. 


S) R. I 8 n: 


4) B. 1 13.
>>>
30 


I':rste8 Memorial 


1111-19 


delll huhcu Halm dCI! Bt. Pctri-Kirchcn-'I'Jwrmslhro Iml'eratoriscLwll l\[ajes\.t; 
einige Hivcrtissement Zll gehen, worauf' uuser ;JIIerb'11ädigster Landes-Yater UlHI 
HOlT des andern 'l'ages frühe mich J)ero ReHidence St. PetersllUrg sich erhohen. 
J)f'r Au. 17 W im l'Iovemuris ;\lonahte cntstandene hefftige Stul'In und das 
uen 5. und 12. Pehr. 1714 sich hefftig ergieszeml(' hohe Waszf'r verursachten 
einen unersetzlichen Schaden. Oll nun zwar uiese gute Staut dem Wechsel des 
Uuhestandes ihres Theils mehr al::! zu olrt empfumlf'n und allerhand Verändf'- 
rungen erleheu müszen: So können wir uns doch, Uott sey ewig I
oL und 
S. 37.'1 Danck, in dem UnLestaude selhsten eitler unschätzhahren Beständigkeit rühmen. 
Die iiherschweugliche Gnade des drcyeinigen Gottes ist f'S n('hmlich, die UDH 
bishero in uen einmahl angenomu1f'nen Lntherischen Glauben und deszelben 
unverfäbchten Lehre beynahe 200 Jahre ('rhalten, weslmlben wir nicht mindel' 
als Ilie gantze J
utherische Christenheit eiu .Jubel-Posaune in dltnckhahrer Errin- 
nerllng de::J Reformations- W ercks, welches der gnadenreiche Gott durch H. Martin 
IJuther wohl angefangen unrl hernach herrlieh ausgefiihret, ao. 1717 uen 10. No- 
vemhris als am M:lrtins-Tage erschallen zu laszen und mit f'rohlockeudem Gf'- 
miithe das Te leulIl lamlamu::J anzustimmen uicht entseyn können noch mögen 1. 
nie ,'on 1hro Imperatorischen Maytt. 3.0. 1718 den I:!, m nnd 14ten l\Iartii 
vermöge eingesandter )fanifcsten kundgcmachte und aus erheblichen Ur::Jachen 
allergnädigst beliehte Ausschlieszung des ältesten Pl'intzen Alexei Petrowitz vou 
den J
rhen uud Succession des gantzen!tuszischeu Reichs, welcher den 26. Junii 
S. 374 diescs Zeitliche gesegnet s, und die dabey notificirte Deferirung km.tz erwehnten 
Reiches auf' Sr. Maytt. jüngsten Printzen Peter Pet.rowitz wurde von uen sämt- 
lichen Unterthancn und Eingeseszenen dieses !teiches uud dieser Stadt mit 
schuldigster Observauce veueriret, auch d('r ErhHuldigungs1
.rd in Gegenwart 
Sr. Hochfiirstl. Durchlaucht unsers Herrn Guhernatoris Pet('r Alexiwitz Korriuut 
de Uallizin, welcher :tO. 17W den 11. Julii alhif'r eiugetroft"en, uud des Herrn 
COl1lmemhmten von HUl:!ch in .lieser Dohm-Kirche vor dem Altar solennissinH
 
abgeleget s . Wer diese von 1700 his 1718 den 
li. Junii von uns nur in der 
Kiirtze herührte Begebenheitcn und Particularitaeten gcnauer durchzulesen ver- 
langet, kan solche in dem 1718 den 14. Octobris in dem 1\:nop11'e vom neuen 
Hausze, sonsten Artus-lIoff genandt, gelegten Memorial t mit mehreren Umh- 
ständen zu lesen finden. BI:! ist also noch übrig, dasz wir die von der Zeit an 
IJis auf gegenwärtige Stunde sich allhier zugetragene Kova entwerften. 


, 


1719. 
S. ;J75 Ao. 1719 den 17. Aprill des Morgends um 10 Uhr traffen Ihro Hochfürst. 
liche Durchlaucht Kuees Annikita Repnin, als von 1hro Imperatorischen l\laytt. 
uns vorgesetzter Herr General-Gouverneur aus Pohlen allhier ein 5 . Unser vo- 
riger Herr GuLernator :I!'ürst de GaUizin hatte sich schon 8 Tage zuvor. nach 
seinem Garten in der Vorstadt hegeben, doch nahm derselbe unsern neuen 
Herren General-Gouverneur hey rIeszen Ankunfft auf dem Schlosze unten an der 
'freppe entgegen uud führte denseIhen nach seinem Garten, Uluh die Mittags- 
Mahlzeit d;Jselhst einzunehmeu. 
Den 15. und 16 ten l\Iay erlitt das hiesige Commerciulli, die Seele dieser 
Stadt, einen ungemeinen Schaden, da ein entstaudener hefftiger Süd. W esten- 


1) Die IleBtpredigt Willcbmndt, a. BStR., B1'Otze, Ve1'lltischte Scht'iften (2213) 7; b" BGA,. 
Vel'mischte Geistliche Reden von Li-clämlcm n. 1 m'. 4. Vgl. B. I 423. 424. 11) B, I 428. 
435, 447. 450. 451. S) B, I 430, 43/01. 10) R. IrI S. 7 ff. c,) B. I 487, A. 1.
>>>
1719-20 


der Domkircbe: 


31 


, 


Wind die vor einigen Tagenallerprst au
ekolllllleuen 
truMZelt theils dm'eh eine 
t'ollision beschädigte, theils auch einige derseihen mit den eingeladenen und 
herahzubringenden Waaren in der Fahrt und den Fällen in den Abgrund risze. 
Man rechnet derer an der Zahl, ohne die zerscheiterte Holtz-Flöszer, ao, welche 8. 376 
zernichtet und den unheständigen Wellen ein Opft"er worden. 
Den 17ten .l\Iay bewiese das so frühzeit.ig verbliihte zarte Alt.er des vor 
kurtzer Zeit ZUDl wiircklichen Reichs-EI'ben declarirtell Cron-Printzen Petri Pe- 
trowitz 1, dasz vor dem 'rode keine wahre und beständige Gliickseeligkeit zu 
hoft'en. 
. Den iHen Aug. muste der Herr GeneralMajor und Ober-Connuendant von 
Busch 2 des l\forgends UDl 10 Uhr wieder Vermuthen die allgemeine Anforderung 
der Natur, da er an diesem Tage nach sein Gouvernement in Narva aufbrechen 
sollen, hezahlen und war unser jetziger Herr V ice-Gouverneur Peter 'V oyekoft' 3 
bereit!'! den i4. Julii hier angekommen. Den 6. Aug. wurde kurtzgemeldeter 
Hen' von Busch zu Mitta
e in Begleitung 2 Regimentern und mit amIern So- 
lennitaeten, welche mit 8 SchiiMzen von den 'Vällell hest'hloszen wurden, standes- 
mäszig zur l
rden bestätiget. 
Dieses 1719te Jahr ist am allermeisten auch deswegen zu bemercken, weilen S. 377 
in selbigem eine so ungemeine grosze Dürre war, dasz über der Duna vieles 
Busch- und Strauchwerck sogar hisz an die 'Vurtzel abhrandten. Das Waszer 
in der nüna, die sonst sehr schiffbar ist, war dergestalt gefallen und Vel'- 
schwunden, daMz Ulan an unterschiedenen Orthen, als hey l\fappel1hollll' und 
Hrosz-Jungfer-Hoft', mit Kutschen durchfahren könte. 


1720. 
Ao. 1720 den 20. Jan: war allhier ein besonderer Actus zu sehen, denn 
an ebendemselben Tage wurde der nach S1. Petersburg Abgeordneter PohI- 
nischel' Herr Grosz-Gesandter Chommantowsky5, Waywod von Masuren, nach 
der dazu habenden Ohrigkeitlichen Ordre, mit besonderen Solennitaeten von 
der Bürgerschafft, derer Helme blllU gekleidet war und ein weises 13and mit 
einer schwartzen Kante auf den Huth gebunden hatten, zu Pferde eingellOhlet. 
Von Carls-Thor bis an des Herrn Grosz-Gesandten Logis in der Sand-Straszen 
war die hiesige Besatzung auf beyden Seiten 2 Reyhen hoch in den Gaszen 
aufgestellet, und bey Passirung des obgedaeht,en Herrn Grosz-Gesandten wurde S. .'178 
das Spiehl geriihret, die Fahnen geschwungen und mit den Piquen die Levade 
gemacht. Von Seiten der Stadt war demselben der Herr Ober- Wettherr Ohri- 
stopher VOll I,oevenstern und der Herr Secretair Gottfried Berens in dem Land- 
V ogteylichen Gericht entgegengefahren, umb die l3ewillkommungs-Complimenten 
abzulegen. In der Stadt, und zwar in des Herrn Grosz-Gesandten Logis, bene- 
ventirten Ihme der dazumahlen am Wort seyende Herr BÜrgerMeister Christian 
von Zimmermann, der Herr GerichtsV ogdt George Raes und der Herr Secretair 
Gotthard von Vegesack. Den 5. }I'ebr. trat der Pohlnische Herr Grosz-Ge- 
sandter seine Reise nach St. Petersbllrg wohlvergniigt mit den ihm erwiesenen 
Ehren-Bezeigungen an und wurde von der Biirgerscha.tft 1/
 Meile convoyiret. 


1) B. I 498. 2) B. I 509. 3) B, 1 506. 4) Brotze veränderte }.Iappcn- 
holm in Nulptn.
holm. 6) Del' GeBandle kam am 29. Janum' an und fuhr am 3. Februm' 
1720 weiter. Uber die Vorbereitungen zu Beine/li Empfange und zu Beiner AUlJbegleitung .'gl. 
RP. v. 12., 15., 16" 28., 30, Januar 'Und 3. Februar 1720, PI, B. 76 S. 52 /f., 73 /f., 17 /f., 
114 n:, 121 fund It$l n:
>>>
32 


Erste8 Memorial 


1720-21 


Den 4ten .Tulii des Morgend
 umh 8 Uhr gerietll der Speicher heym Hausze, 
S. 379 die 3 Cronen genandt, ohnweit dieser Dohmkirche in einen heft"tigen Brand, 
doch wurde (lieses Feuer durch Gottes gnädigen Beystand, welcher da am näch- 
sten, wo die Noth am grösze8ten, und durch die guten Anstalten gegen 11 Uhl' 
Vormittags gedämpft'et und völlig gelöschet. 
Dem den 7. Aug. von St. Petersburg zurückkommenden Pohlnischen Herl'll 
Grosz-Gesumlten wiederfuhren ehen diejenige Honneurs, die Er bey seiner An- 
herokunfft gelloszen, und WUl'dp derseihe hey seiner Abreise den 10. 
jusdpJII 
von hier aushegleitet. 
Den 7 ten Decemhris erwiese der allwaltende Gott abermahln seine gütigste 
Vorsorge an dieser nicht geringe Gefahr ausstehenden Dolllu-Kirche, da das in 
der Cramer-Strasze, folglich in der Nähe gelegene Reimerssche Hausz des MOl'- 
gends umb 5 Uhr in eine verzehrende Flamme geriethe und beynahe abbrante, 
durch göttliche Hirection und gute Veranstaltung aber pmllich gelöschet wurde. 


1721. 
So 380 Ao. 1721 den 17. Mai 1 kamen 1hro HochfÜrstliche Durchlaucht Hertzog zu 
Holstein-Gottorp 2 hieselbsten an und folgeten Dieselben den 24. Mai I unser aller- 
gnädigsten Herrschafft ll , welche den 22. Maji 1 von hier nach Reval aufgebrochen, 
mit ihrer gantzen Hoffstaat. 
Der 10. Mai stellete uns mehl' als zu deutlich dal', das Gottes Gerichte 
unbeschreiblich und seine Wege unerforschlich wären. Es verhoffete diese gute 
Stadt von uem Geber alles Guten die Frucht einer beständigen Ruhe und 
wahren Gliickseeligkeit nach ausgestandenen vielen Triibsahlen zu genieszen : 
Alleine es gefiel dem groszen Gott, durch einen unvermutheten und zündenden 
Wetter-Schlag am kürtzlich benandtem Tage die hiesige St. PetersKirche heim- 
zusucheu 4 . Und obgleich alle bestmöglichste Anstalten, auch von Ihro Impera- 
tm'ischen Majeste selbsten, als welche den 19 Martii 5 eben dieses Jahres Ihre 
unterthänigst gehorsahmste Unterthanen mit DAro hohen Gegenwart allergnä- 
S. 381 digst erfreuet, auch Dero eigene hohe Person in dem allergröszesten Feuer der 
augenscheinlichen Gefahr exponiret und zu diesem Löschen einige 100 Mann 
commendiren lieszen, gemachet wurden, so muste dennoch die menschliche Vor- 
sorge, da Gott der Allerhöchste ein anders in seinem allerheiligsten Rath- 
Schlusze beschloszen, garnichts eft'ectuiren und der Kirchen- Thurm leyder von 
selbsten, der schwehren Glocken und des auf dem mittelsten Umbgange seyenden 
GlockenSpiehIs wegen, in sich selbsten perpendiculair einfallen, so dasz, auszer 
2 Gängen oder Gewölbe und den 4 Wänden, nichts bestehen blieb. Jedennoch 
müszen wir des groszen Gottes unendlichen Güte dabey mit danckbahrem Ge- 
müthe preisen, da durch deszen merckliche Providence bey der äusersten Ge- 
fahr, darinnen sich die gantze Stadt durch die von dem Winde herumgetriebene 
Flammen ausgesetzet und unterworffen sahe, dem Feuer weiter umb sich zu 
8. 382 greiffen, die Macht henommen wurde. So gar ist kein Ding bey Gott unmöglich! 
Die bey dieser groszen Feuers-Brunst in der, aus dem Esaia am 53. v. [) ge- 
nommenen A uffschrifft des St. Petrikirchen A Itars unversehrt gebliebene Worte: 
Willen, verwundet, zuschlagen, wir Frieden hätten, wir geheilet, gaben zwar 
zu vielerley Remarquen Anlasz, diejenige aber, so dieses V ol'bedeutungs- 
Zeichen als ein PrognosticoD auf lauter Heyl und mücke ansahen, fanden ill 


1) i. O. M
rtU. Vgl. B. I 604 ff. 11) Ku1'l :b'riedrich. 
Katharina. .) B. I 605. 6) i. O. 9. Martü. 


8) Zar Peltr 'Und Zm'in
>>>
1721 


der Domkirche. 


33 


der erwÜnschten Folge den höchstbegliickten Ausscblag ihrer hoffnungsvollen 
Gedancken I. Dann gienge das sehnliche Verlangen und innigliche Wünschen 
rechtschaffener Patrioten in dem Memorial do ao. 1718 den 14. Novembris bey 
Schlieszung deszclbcn dahin, dasz die zu der Zeit schon 1/, Jahr auf der Insul 
Aland geflogene Friedens-Handlungen doch einmahl einen glücklichen und diesem 
geliehten Vater1:mde ersprieszlichel1 AmIgang gewinnen mögten, damit ein jeder 
nnter seineUl .Feigen- B:lUm sichel' wohnen und ruhen könte, und denen durch 
den langwierigen Krieg und andere Unglücksfälle rast gantz Entkräffteten eine S. 383 
el"freuliche Kachlese der angenehmsten Früchte des längstgewiinschten Friedens 
vergönnet Be}'n mögte, so sahen sie sich den 28. Septembris 1721 ihres Wunsches 
völlig' gewehret '. Diesen 'I'ag mÜszen wir billig mit ewig daurenden Buchstaben 
aufzeichnen, als am welchem wir deszen durch eine höchst erfreuliche Boht- 
schafft vergewiszert wurden. Diese Post iiberbrachte uns der Herr See-Capitain 
l\Iartin Goslar, als von Ihro Imperatorischen Maytt. bieher destinirter Friedens- 
Hühte, mit dem bey sich habenden Herold und dem Friedens-FahnTräger. Der 
gantze Magistrat dieser Stadt nebst der Cantzelley temoingirte sowohl, als die 
gantze Bürgerschatrt durch ihre respective Alterleute ihre unermeszliche Freude 
und wohneten zusamht dem Herrn ViceGouverneur Peter W oyekofl', dem Herrn 
Kee-Capitain Goslar, deszel1 Herold und dem Friedens-FahnTräger, den anwe- 
senden Hf'rl'll Officierl3, den Herrn LandRäthen und der Ritterschafft der ange- S. 384 
stelleten Puhlication des FriedenB in der Citadelle mit bey s. In der daselbst 
vorhandenen Ruszischen Kirche ward Ibro ImperatorischeIl Maytt. hohe Ordre, 
allgehende den mit der Crohne Schweden umb 1 Uhr in der Nacht 4 geschloszenen 
Frieden, deszell 'l'ractatell hey ehendenseihen Umhständen kurtz hierauf' öffent- 
lich kundgemachet wurden, verlesen, das Tc Deum laudamus angestimmet und 
gedachter hohen Ordre zur schuldigsten Folge eine dreymahlige Salve unter 
Lösung der Canonen abgefcuret. Nach hieselbst geendigten Gottesdienst ver- 
fügte sich der Herr Vice-Gouvemeur zusamt dem Herm See-Capitain und deszen 

uite nach das RitterHausz und von dannen nach St. Jacohi Kirchen, alwo 
nomine £leI' Stadt der Herr OherV ogdt Melchior Wiedau und der Herr Ober- 
Amtsherr .T ohalln von SchuItzen sich eingefunden und dpr Ceremonie, da der 
Ruszische Gouveruements-Secretair, der Herr Copihoff, dasjenige, so in Ruszi- 
scher Sprache eingekommen, im teutschen Translato verlasze, beywohneten. S. 385 
Hierauf hielte der Herr OberPastor Hinrich Brüningk als General-Superinten- 
dent in dieser St. Jacohi-Kirchen eine kleine Rede, nach deren Endigung aber 
erscholl das Te Deum laudamus. Nach geendigter dieser Ceremonie begaben sich 
der Herr Vice-Gouverneur, der Herr See-Capitain Goslar zusamt einem Theil 
der Herren Ober-Officiers von der hiesigen Besatzung, den Herren Land-Räthen 
und der Ritterschafft mit beyden, von der Stadt abgeordnet gewesenen Herren 
Deputirten nach das RahtHausz, da sie dann, wie sie die Wache vorbey passiret 
und bey der groszeIl steinernen Treppen anlangeten, von dem W ortmhrenden 
Herrn BÜrgerMeister Christian von Zimmermann und denen Membris des Magi- 
strats sowohl, als den Herren Secretarien und beyder Giilden respective Herren 
Älterleuten bewillkommet und die Treppe hinauf nach der groszen Rahts-Stube 
gefiihret wurden. Hieselhst verlasz der Herr Secretair Copihoff die von Ihro 
Maytt. und Ullsern Herrn GeneralGouverneurn FÜrsten Repnin an den Vice- S. 386 
Gouverneurn des mit der Crohue Schweden getroffenen Friedens wegen einge- 
laufrelle ßrieffe, nachdem selbige ius Teutsche iibf'l'sptzet worden, öffentlich, 


1) Vgl. B. III S. 56. 


J) B, I 624. 


S) B. I 629. 


4) d. 30. AUglUt 1721. 
8
>>>
34 


ErBtes 'Memorial 


1721 


worauf diese erfreue te Gesellschafl't einander nocllluahlen gratulirte und sich an 
der in der groszen RahtStube gedeckten und mit kalten Speisen und Confituren 
besetzten Taffel niederliesz. Hiernächst verfÜgte man sich vom Raht-Hausze 
nach dieser Dohm-Kirche, als wohin der Friedens-Bohte von dem Herrn Ober- 
SeCl'etario Melchior Caspari begleitet ward. W oselbsten, nachdem die gantze 
Procession durch den mittleren Gang in den Rahts-Stuhl unter einer dazu be- 
liebten Music und angestoszenen Friedens-Trompeten sich begeben, vorgemel- 
deter General-Superintendent als Ober-Pastor dieser Stadt eine wohl verfaste 
Rede hielte und zu seinem Themate den 7 ten Vers de8 42. Cap. der Weisza- 
gung Jesaia,e: Wie lieblich sind auf denen Bergen die Fiisze derer Rothen, die 
den Frieden verkündigen, genommen. Aus diesen Yersicul zeigte kurtz er- 
wehnter Herr Ober-Pastor, dasz, obzwar dieser Spruch von dem geistlichen 
Seelen-Frieden mit Gott eigentlich verstanden würde, derseihe dannoch auf den 
s. 3
7 leiblichen Frieden mit gutem Fuge appliciret werden könte, des zen höchst er- 
sprieszliche V ortheile und unschätzbahre Gliickseeligkeiten, die er allen Ständen 
mitzutheilen fähig, weitIaufftig vorgetragen und beschriehen wurden. Diesem 
folgte der Zusatz, dasz, obgleich diese gute Stadt gantzer 22 Jahren des edlen 
Friedens beraubet gewesen, endlich die Friedens-Sonne iilJer unsern Horizont 
aufgegangen wäre, da ein glückseeliger Rothe, der Herr See-Capitain Martin 
Goslar, den längst so sehnlich gewÜnschten und von Ihro Imperatorischen Ma- 
jeste, Landes-Vatem und Herren und der Crolme Schweden vor einiger Zeit 
hergestelleten Frieden an dem heutigen, Gott gebe, gliicklichen Tage uns fast 
gantz Entseelten verkündiget, wie solches mehrern Inhalts aus 1111'0 Maytt. allel'- 
gnädigsten Schreiben, so in Copia translata hierauf nochmahlen verlesen wurde, 
zu vernehmen seyn würde. Anbey geschahe die wohlgemeinte Errinnerung, 
s, B88 dasz wir billig grosze Ursache hätten, uns dariiber höchstens zu erfreuen, be- 
vorab, da so viele 1000 Seelen diesen Tag zu erleben zwar gewiinschet, den 
Zweck aber nicht erreichet: auch Gott dem Allerhöchsten, dem hoch erhabenen 
Friedens-Fürsten mit unermiideten Zungen ein erkentliches Dank-Opffer anzu- 
zÜnden, denselben inbrÜnstig anflehende, Er wolle das durch den nunmehro er- 
folgten Frieden uns verliehene Gnaden-Heyl uns und unsern Nachkommen nie 
entziehen, und 1hro Imperatorischen Majestc in beständigstem Flor und unver- 
rückten hohen W ohlseyn erhalten. Um nun von dem Vater aller guten und 
vollenkommenen Gaben ein erhörliches Amen zu erlangen, ward von der volck- 
reichen Versamlung unter Paucken und Trompeten-Schall das Te Deum lau- 
damus mit freudigstem Geiste und innigster Andacht angestimmet. Nach also 
geendigten Ceremonien verfügte sich gedachte hohe Gesellschaft nach des Herren 
Vice-Gouverneuren im Closter helegenen Behausung, alwo derselbe die invi- 
tirten Gäste, unter welchen von der Stadtseite auch einige, als der Wortführende 
Herr BürgerMeister Christiall von Zimmermann! uud der Herr GerichtsVogdt 
S. 389 George Raes, mitgenöhtiget und deputiret waren, mit einem solennen Gastmahl 
regalirte. Die übrigen Herren des Raht8 samt den Herrn SeCl.etariis und beyder 
Giilden respective Herren Älterleuten fanden sich wiedcnunb auf dem Raht- 
Hausze ein, umb bey der von des Raht-Hausz Thurm erschallenden 1\Iusic in 
Vergniiglichkeit beysammen zu seyn I. Den la. Octobr. wurde einhellig beliebet, 
Ihro 1\Iajeste vor die durch den Friedens-Bothen der Stadt allergnädigst ertheilte 


1) Obera-rntsherr von Schultzen war auch geladen. B. I 629. 
t) Die Kosten diI'Se1' Be1L'M'UlIg ohne Get1'ülIke betrugen 249 Rth. Alb, B3 Gr. RA., Stadt- 
kasten-Belege, Allg. Ausgaben 1721 Okt. 10.
>>>
1121-22 


der Domkirche. 


35 


hohe Gnade und dersclhen notilicirten }'rieden pcr Deputatos in aller Unter- 
thänig-keit fU8zfälli
 zu werden, auch zu dieser Deputation der W orttührende 
H. BiirgcrMeister übristian von Zimmermann, der Herr CämmerHerr Adam 
Hinrich Schwartz, ller Herr Secretair Peter von Schievelbein, beyder Gülden 
respective Herren Älterleute, Herr Johann Goesche Ältermann der groszen und 
.Johann Oltmann ;\Itermann der kleinen milde, Samuel Fellmann Elster der 
groszen und Chl'istian Klug Nlster der klein611 Gl/lde ernennet t . Nachdem der S, 390 
zweyte DRnck-Tag des mit der Crone Schweden geschloszenen ewigen Friedens 
wegen auf den 2i. OctoLris einfiel!!, sahe man an allen Orten und bewohnten 
Häusern die sinnreichsten illuminationes und deren mancherley Erfindungen. 
Jedoch da bey aller Freude der verniinfftige Mensch Gottes, als von welchem 
alles Gute von oben herab kömt, nie vergeszen soll, ward auf hohe Obrigkeit- 
liche Yerfügung von diesem 22. ']'ag des Monahts Octobris bis den 28. ejusdem 
mensis danckhahre Fest- und Feyer-'l'age anzustellen vor höchst nöhtig erachtet 
und beschloszen, dasz alle Tage des Morgends Predigten gehalten und das Te 
Deum laudamus gesungell werden, die Schuhl-Knabell in den 8 Tagen die 
Schuhle nicht frequentircn, wohl aber Oeiszig in der Kirche sich einfinden, des 
Abenus die illuminationes oder Lichter vor den Fenstern gesetzet und die 
(Hocken alle halbe Stunde von !) Uhr des Morgends bis 5 Uhr des Abends ge- 
lautet wCl'den, die JluHicanten mit der Music in der Kirche und auf dem Raht- 
Hausze sich fleiszig einsteHen und während dieser Feyer-Tagen die Buden und S.391 
Waage, und folglich also aller Handel und Wandel geschloszen seyn solten s. 
Binnen dieHen angeBtelletell Friedcns- und Freudens-Festins ereignete sich allhier 
ein kläglicher Zufall, da nehmlich den 26ten Octobris der bey der Küter- 
Pforten beynahe l'eparirte Pulver-Thurm mit einem entsetzlichen Gethöne in die 
Lufft sprang und viele dabey befindliche Arbeits-Leuthe ertödete, auch die da- 
neben befindliche Hauszer nebst verschiedenen Persohnen mit seinen Trümmern 
sehr beschädigte. 


1722. 
Nachdem die obbenandten Feyer-Tage zu Ende gediehen, wurden die vom 
28. Decembris bis zum 3ten Januarii des 1722. Jahres zum drittenmahl ange- 
stellete Festins, in welchen alle publique Arbeiten cessirten, aufs beste cele- 
briret, umb dadurch die }'reude über den glorieusen Frieden desto eclatanter 
zu machen. An dem Tage, da die Stadt auf dem RahtHausze tractirte, flosz 
dem gemeinen Mann zum Besten aus einem doppelten Adler rohtel' und weiser 
Wein. 
Den 15 ten . \ prill, als am Sonntage Jubilate, geschahe in dieser Dohm- 
Kirche eine besonder Solennitaet, indem auf ergangenem hohen Befehl vermöge S. 392 
Ihro Imperatorischen Maytt. höchst beliebten Disposition der eventualiter de- 
mandirte HuldigungsActus in selbiger Kirchen folgendermaaszen angestellet und 
begonnen wurde'. Ihro Hochfürstliche Durchlaucht der Herr General en Cheff 
und General-Gouverneur über Lieffland Fürst Repnin wurde, wie sie 
uf dem 
Weg bach der nohm-Kirche begriffen waren, beym Licent-Hausz von dem 
Worthabenden BiirgerMeister Herrn Christian von Zimmermannl'i, dem Herrn 
OberV ogdt Wiedau, dem Herrn OberAmtsHerren von Schultzen und dem Herrn 
CammerHerren Schwartz mit tieft'ster Respect empfangen und zur Kirchen be- 
gleitet, in der Kirchen aber von den iibrigf'n Herren des Bahts, denen Herren 


1) B. 1633. 657. !!) B. 1639. 
I'i) Herrn Cbristfan fehlt i. O. 


S) B. I 632. 640. 


4) B. I 672. 


8*
>>>
;;ti 


J"
r8tes Memorial 


1722-23 


Secretariis samt denen respect. Herren Älterleute und 1
lsten der groszen und 
kleinen Giilde mit submissester Veneratiou ent.gegengenommen und unter einer 
angeordneten Musique nach dem Alt.ar gefiihret, alwo sich Ihro Hochfürstliche 
8. 393 Durchlaucht auf eiueu mit rohten Sammet bezogenen Seszel niederlieszen uud bey 
der Frequence des gantzen Magistrats und Cantzelley, deR Ehrwürdigen Mini- 
sterii, der Sehuhl-Collegien und der ßürgerschafl't heyder (Hilden, auch anderer 
Personen verschiedenen Standes uud Condition, die von Ihro Imperatorischen 
Maytt.. der künfftigen Succession und der desfals eingerichteten Huldigung 
wegen allergnädigsten verfaste Verordnung dem W ortfiihrmden Biirgedleister 
überreichte, mit beygefiigtem Ansinnen, solches sofort öfl"entlich verlesen und, 
damit sothanen Ordre in unterthänigsten Gehorsahrn die g-niigliche V ollthuung 
gegeben würde, zu jedermans N otice bringen zu laszen, worauf der Ober-Secrf'- 
tarius Melchior Caspari höchstgedachte V erfiigun
 sogleich verlasz. Der Herr 
GeneralSuperintendent und OberPastor Hinrich Briinningk hielte nachgehends 
ehle auf diesem Actum sehr wohl quadrirende Rede und nahm aus dem 1. Petri 2 
vers 17 diese Worte: Fiirchtet Gott, ehret dem König, zu seinem Themate. So 
wurde auch dergestalt der Eyd, den ein jeder leisten und untm.schreihen solte, 
S. 394 von ihm verbotenus abgelesen. I1iernächst ward dieser Eyd nochmahlen VOll 
obbesagten OberSeCl'etarien dem gantzen Umbstande vorgelesen, da dann alle zu 
dem Ende Anwesende denseihen mit erhohenem Arme, ausgestreckten Fingern 
und entblöszeten Häuptern deutlich und vernehmlich uachsprachen und nach 
deszen Endiguug ein jeglicher der Geschworenen in einem dazu verfertigten 
Buche, welches Ih1.0 Durchlaucht herhringen laszen, seiuen Nahmen und Stand 
mit expressen Beyfiigung dieser Wörter: habe geschworen und unterschrieben, 
einzeichen muste. Ihro Hochfiirstliche Durchlaucht, wie sie sich aus der Kirche 
wegbegaben, hinterlieszen an Dero 
telle oder von Seiten der Crone den Herrn 
Capitain Just, umb benebst dem Herrn Wortführenden Herrn BürgerMeister 
und dem Herrn OberSecretario auf Ihro Hochfiirstliche Dm'chl. Ordre in der 
Kirche zu hleihen und auf die richtige Einschreibung genau Achtung zu haben. 
Weilen aher sothane .Einschreibung wegen Vielheit der Personen an diesem 
s. 395 Sontage nicht völlig ahsolviret werden konte, so wurde der Montag und 
Dienstag dazu genommen und in hesagter nohm-Kirche mit der Einschreibung 
continuiret, auch solchergestalt der höchst demandirte Actus völlig geschloszen. 
Ao. 1722 wurde dieser Stadt zum Behuff der Commercien helehre Ein Hoch- 
preiszlichen Imperatorischen Regierungs-Rescript vom 9. Mai ejusdem anni und 
den 5. Jan. des jetzlauffenden 1724. Jahres angelangten hohen Ordre naeh, von 
Ihro Imperatorischen Maytt. 12 Schiffe geschencket l . 


1723. 
In dem 1723. Jahre aru Martins-Tage wurde nach der von 1hro Maytt. er- 
haltenen gnädigsten Concession der Anfang des öffentlichen Oottesdicnstes dt'r 
reformirten Religions-Verwandten in einem in der JacobsStrasze dazu aptirten 
Hawjze gemachetl. In ehen diesem Jahre ward diese DohlllKirche durch ueson- 
dere und rühmenswi"lrdige Versorgnng des Herrn Inspectoris, Herrn LandV ogdts 
:So 396 Johallll Holländers sowohl, als der Vorsteher dieser Kirche, EIsten Friedrich 
Schitfhausen und EIsten Johaml Priedrich Schick, mit 4 Uhr-Scheihen, da vor 


1) Zur Peter schenkte der Stlldt um 17. November 17:!1 10 :Schiffe 'Und um 5. JonuQ1' 1721 
noch 2 Schiffe. B. r 647. 73lJ. Vgl, B. 111 Abteil. 4 n1'. 33. 
I) B. I 682. 695. Vgl. B. III Abteil. 1, 9.
>>>
1723-24 


der Domkirche. 


37 


diesem nur eine unter dem Umbgange gewesen, ausgezieret und oberhalb dem 
untersten Umbgange an den 4 Seiten zu del:!to beszerer Wahrnehmung gesetzet. 


172 J. 
Ao. 1724 war es durch göttlichen Beystande und unermüdete Sorge des 
vorigen Herren Inspectoris, des Herrn Ober-Vogdts Johann von Schultzen 
sowohl, als auch des jetzigen, des Herrn OberAmtsHerren Hermann Claudius 
Witte von Nordeck. und ueren Vorsteher, als uel:! vormahligen Herrn EItesten 
und jetzigen Wettllt'lTn Johallll Elvm's und der anjetzo noch seyenden Mathias 
Marquardt und EIsten .Tohann LudIoff, mit der ao. 1721 den 10. Majil abge- 
bram1ten St. Petrikirchen endlich soweit gediehen, dasz den 12. Januarii, als 
am el'l:!ten Sontage nach uem j;"est der heiligen urey Könige, die Einweyhung 
derselben bey sehr volckreicher Versamlung, maaszen an dem Tage in dieser 
Dohm-Kirche weder V or- noch Nachmittage gepl'ediget wurde, vorgenommen S. 397 
und der würckliche Gottesdienst nUlllnehro, Gott I:!ey ewig Danck, in derselben 
fortgesetzet werden kan 2. 
Im Decembris des verwichenen 17:23. Jahres gefiel es Ihro Imperatorischen 
}Iaytt. aus besonderer Gnade, Dero Impel'atorischen Frau Gemahlin Catharina 
A lexewna vortrefflichsten, vollkommensten und hohen Qualitaeten durch Auf- 
setzung Dero Imperatorischen Crone einen desto gröszeren Glantz beyzulegen, 
welches höchl:!tgedachte Ihro 
Iaytt. nero Erb-Reichen sowohl, als den andern 
incorporirten Provincien mitte1st eines puhlicirten Patents vom 15. Decembris 
1723 zu manifestiren aus hoher landesväterlichen Clemence allergnädigst beliebten. 
Der 7. Maji9 jetzlauffenden 1724. Jahres setzte den allergnädigst gefaszeten 
Schlusz in erwünschten 
Jffect', deszen ungezweiffeIte Hoffnung der HerI' Flügel- 
Adjutant und Capitain Nemzhoft' die8er Stadt den 18. 
fai a. c. des Abends 
6 1 /1 Uhr benachricl1tigte. niese solchergestalt den allergetreuesten Einwohnern 
diesel' Stadt communicirte, höchst angenehme Zeitung konte nicht anders, als S. 398 
eine unterthänige Ehrfurcht würcken, deren thätliche Proben sogleich hervor- 
brachen und sich äuszerten. Die T.autung mit den Glocken und die dreymahlige 
IJösung der Canonen errinllerten einem jedweden, sein ergebenstes und mit 
Frolockeu augefiilletes Hertz in eiuem JJoh- I1nd Dancklied an dem Tag zu legen. 
Der Magistrat die:'!er Stadt nf'bst der CantzeJIey, das Ministerium und die Bür- 
gerschafft erschieneu hierauf nach der eingesaudten Ordre in ungemeiner Fre- 
quence des Abends Ulll 8 1 /1 in der 
t. Petri-Kirchen und stimmeten daselhst dem 
Könige der Ehren, dem gro8zell Zebaoth unter Paucken- und Trompetenschall 
das Te Deum laullamus mit inbriinstiger Andacht an. Nachdem so hielte der 
Herr General-Superintendent, als Ober-Pastor dieser Stadt, Hinrich Brüningk 
eine kurtze, doch wohl verfaste Rede und hatte zum Themate derselben die 
Worte aus dem 12. Vers des 84. Psalm:'!: Gott der Herr ist Sonne und Schild, S. 399 
der Herr giebt Onade und Ehren, erwehlet. Dasz auch obgedachter Herr 
Capitain Nemshoft' mit hesondern Estime nnd allen ersinnlichsten Respect em- 
pfangen worden, zeigen die während deszeu Hieseyns aus pflichtschuldigster 
Observance angestellte Festins, da der Herr Vice-Gouverneur den 19., die Rit- 
terschafft den 20ten, und die 
tadt deu 21. l\1 ay 6 seI bigen splendide tractirten. 


1) i. O. 10. Martii. Vgl. B. 1 605. 2) B. 1 736. S) i. O. Martii. 4) Vgl. 
den Bericht iiber die Krihlung der Zarin Katharina B. III Abteil. 4 nr. 16. 5) Die Be- 
wirtung kostete der Stndt 156 Rth. 86 8 /, Gr. Alb. RA" Brlege de8 Stadtka8tenl, Allgemeine 
Amgaben 1724 Mai 24.
>>>
S.4oo 


S. 401 


S. 402 


B.403 


38 


Erstes Memorial 


1724 


Dieses ist also der kurtze Entwurft' derer alhier sich zugetragenen Bege- 
benheiten und Memorabilien, welche wir der Posteritaet zur sicheren Nachricht 
aufsetzen und diesen Wunsch beyfügen wollen: dasz Gott der Allerhöchste diese 
gute Stadt mit seinem Schutze und gnadenreichen Fittichen jederzeit beschirmen, 
dieselbe in unverrückten und beständigsten Flor bis auf die spätste Zeiten er- 
halten und diesen Wunsch mit einem erhödichen Amen väterlich versiegeln 
wolle. 
Die am Ruder des Regiments anjetzo sitzende Herren des Rahts nebst der 
von denselben dependirenden Cantzelley bestehen aus nachfolgenden Persohnen: 
Herr Johann Groth, ältester BiirgerMeister, OberWaysen- und OberKastenHerr. 
Herr Christian von Zimmermann, BürgerMeister, OberLandV ogdt und Ober- 
MunsterHerr. 
Herr Melchior Wiedau , Wortführender Biirger Meister und Vice- Praeses beyrn 
hiesigen Stadt-Consistorio. 
Herr Johann von Schultzen, Ober-Vogdt. 
Herr Peter Weyer, Ober-CämmerHerr. 
Herr Christopher Loevenstern, Ober-WettHerr. 
Herr Hermann Claudius Witte von Nordeck, Ober-ArntsHerr. 
Herr George Raes, Ober-BauHerr und Gerichts-Vogdt. 
Herr George Berens, Munster-Herr. 
Herr Johann Hollaender, LandVogdt und jetziger Zeit Inspector dieser Dohm- 
Kirchen. 
Herr Adam Hinrich Schwartz, Gesetz- und Ambts-Herr. 
Herr Diedrich Zimmermann, CämmerHerr und Director des Schiffs-Collegii. 
Herr Melchior Caspari, Land -V ogdt und erster Quartier-Herr. 
Herr Justus Johann Haltermann, Waysen- und Quartier-Herr, welcher daneben 
die Vices des Syndici vertritt. 
Herr Johann Elvers, Wett- und Quartier-Herr. 
Herr Willhelm Ludioft', Quartier-Herr und Illspector der Imperatorischen ne- 
cognition von Seiten der Stadt. 
Herr Gotthard von Vegesack, Ober-Secl'etarius. 
Herr Peter von Schievelbein, V ogteylicher Gerichts Secretarius. 
Herr Gottfried Berens, Waysen-Gerichts-Secretair. 
Herr Hermann Wulft', Land-Vogtey-Secretarius. 
Herr Hermann von Brevern, Wett-Gerichts- und Hoft'-Secretair. 
Herr Diedrich Boyert, Amt-Gerichts-Secretarius. 
Herr Paul Brockhausen, Secretal'ius et Archivariu8. 
Herr JohaIlD Christopher Popal, Ober-Notair. 
HeIT Laurentius Klincker, Gerichts-Notair. 
Herr Carl Wilhelm Lado, N otarius bey der Recognition. 
Herr Herbert von Ulrichen, Waysen-Gerichts-Notair. 
Im Ehrwürdigen Ministerio sind: 
Herr Henl'icus Briiningk, General-Superintendent nnd Obel'Pastor bey der St. 
Peters- Kirchen. 
Herr M. Andreas Willbrand, Pastor alll Dohm. 
Herr M. Bartholomaeus Depkin, Wochen-Prediger. 
Herr Caspar Elvers, Pastor zu St. Johannis-Kirchen. 
Herr Gehhard Christopher Tanck, DiaconU8 zu St. Peterskirchcu. 
Herr M. George Caspal'i, .Diaconus am Dohlll. 
lIen Rötgert 8ehdens, DiaconU8 zu 8t. Johannis-Kirchen. 


.
>>>
1724 


der Domkirehe. 


39 


Von Seiten der Bürgerechafft sind: 
Herr Johann Göeche, Ältermann der groezen GüIde. 
Johann Oltmann, Ältermann der kleinen Gülde. 
Friedrich Schiffhausen und JohallD Friet1rich Schick, EIsten der groBzen Gülde 
und jetziger Zeit Vorsteher dieser Dohm-Kirchen. 
Lectum et approbatum ill Senatu den 12. Junii 1724. P. v. Schievelbein 
SecretariuB manu propria. 
Ad mandatum amplissimi Senatus cOllcepit extraditque Paulus ßrockhausen, 
Secretarius et Archi varius.
>>>

>>>
El'ste Abteilung: 


ehr 0 n i k e o. 


3. 
Zweites memorial in dem Turmknopf der Domkirche 
1724-1730. 


. 
 ....1!OE-J- - : 


--
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1
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. 


. 



[emorial, S. 197 
welcher in dem Thurm-Knopffe der Dohm-Kircbe auf dem sogenandten rothen 
Umbgange verwahl'lich eingeleget worden und die continuirte Historiam Patriae 
sive Civitatis Rigensis von Ao. 1724 den 2 ten Septembris bis 1730 September- 
monath in sich faszet. 
Ad mandatum Amplissimi Senatus concepit Axel Hinrich Bruiningk Secretarius 
et Archivarius Civitatis Caesareae Rigensis. 


. 


1'124. 
Gleichwie E. W oblEdler Rath dieser Kayserlichen Stadt Riga mitte1st eines S. 199 
den 12. Junii des 1724 sten Jahres angefertigten Memorials 1 der ruhmwürdigen 
Neigung unserer lieben V Ol'fahren, nach welchen sie das Andencken der merck- 
würdigsten Begebenheiten durch schrifftlich verfaste Nachrichten auf die Nach- 
welt fortzupflantzen je und alle Wege geßiszen gewesen, aus gleichmäsziger 
Vorsorge vor die Nachkommen treulich gefolget: Also hat auch Derselbe anitzo, 
da nunmehro, nach Gottlob ! gliicklich geendigter hochnöhtigen Reparation dieser 
Dohm-Kirche, die aus einem Knopffe auf dem sogenandten rothen Umbgange 
genommene zinnerne Büchse, welche zum Behä1tnisz unterschiedener sub M 1, 2, 
3, 4, 5 et 6 bezeichneten Memol'ialien dienet, an ihren vorigen Ort geleget werden 
soll, die Verfügung zu treffen beliebet, dasz denen bis 1724 den 12 Junii con- 
tinuirten Nachrichten der weitere Erfolg, mithin alles dasjenige, was sich etwann S. 200 
nach der Zeit denck- und merckwürdig zugetragen, kÜl,tzlich und folgender- 
maaBen entworffen werden möge. 
Im obbesagtem 1724 stem Jahre wurden den 2 ten Septembris auf eine, aus dem 
Obermagistrat zu St. Petersburg eingelangte Ol'dre, Sr. Magnificence der Herr 
Biirgermeister Melchior Wiedau, der Herr Rahts- und OberWettherr George 
Raes, der Herr SeCl'etat'ius Paul Brockhausen und Dominus Notarius Klincker 
nach Reval zu geben, umu daselbst einige wieder den Revalschen Magistrat 
erregte Beschuldigungen zu inquiriren, von E. ,V ohlEdlen Raht ernennet, 
gleichwie dann dieselben in sothaner A usicht die Reise von hier aus dorthin 
antraten I. 
Den 19. Decembris liesz Sr. Durchlaucht der Fürst Repnin, als unser damah- 
liger Herr General-Gouverneur, aus Zärtlichkeit und Wohlwollen gegen diese 
Stadt angetrieben, ]hro Portrait in Lebensgrösze zu Pferde durch den Herren S.:JOl 
Capitain Weissmann aufs Rahthausz bl'ingen, damit selbiges zum Andencken 
allda aufbehalten werden möge. 
1'125. 
Der Anfang des 1725 ten Jahres ist umb soviel notable, als gleich in dem 
ersten Mouahte deszelben, den 28. Januarii, der Allerdurchlauchtigste Groszmäch- 
tigste Kayser, Herr uud Landesvater PetruB 1 mus Maguus glorwürdigsten An- 


1) B. IU S. 25 ff. 


J) B. 1 759.
>>>
44 


ZweiteB Memorial 


1725 


denckens nach einer 12 tägigen Kranckheit, zum aUgemeinen Leidwesen des 
gantzen Landes und aller getreuen Unterthanen, dieses Zeitliche mit dem 
Ewigen verwechselte, wie solche schmertzhaffte Todes-Post zusamt der erfreu- 
lichen Nachricht, dasz 1hro Maytt. die Kayserin Catharina Alexewna zur Souve- 
rainin von gantz Ruszland erkläret worden, per Rescriptum der hiesigen Kay- 
serlichen Regierung vom 3 ten Febr. Ern. WohlEdJen Raht notificiret wurde 1, . 
S. 202 worauf noch seJbigen 'fages mit J
autung der Glocken von 12 bis 2 Uhr Nach- 
mittags der Anfang gemachet und den 7. Febr. die Intimation wegen Anlegung 
der Trauer von den CantzeIn abgelesen wurde '. 
Den 21. 
jusdem Jangte auf regierender Kayserl. Maje8t
 l1atharimt Alexewna 
allergnädigsten Befehl ein Rescript aus der Hochpreiszl. Kayserl. Regierung an, 
desmitte1st 8 Deplltirte, theils aus dem Magistrats-CoUegio, theiJs aus der Bürger- 
schafft Sr. höchstsecl. Kayserl. Maytt. Leichen-:Begän
nisz-Ceremonien beyzu- 
wohnen, nach St. PeterslJurg hinverlanget wurden. Dem zur allerunterthänigsten 
Folge der Herr :BürgerMeister und Ober- J.and- V ogdt Christian von ZimmermanlJ, 
der Herr l\Iunster-Herr Adam Hinrich Schwartz, der Herr GerichtsVogdt Mel- 
chior Caspari und der Herr Secretair Hermann von :Breveru, wie auch Willhelm 
von Osthoff EJster der groszen Giilde, JohaJlll Cord Meyer Elster der kleinen 
Giilde, deRgleichen .Tohann von KönigsfeJd Bürger der groszen und Friedrich 
S.203 Baeck Bürger der kleinen GiHde, den 21 
'ehr. zu Deputirten erwehlet wurden 8 , 
welche insgesambt den 27. ejusdelll den Hllldigungl:!eyd in der Dulunskirche 
ablegten und unter göttlichen Geleite den 2. l\Iartii von hinnen nach St. Pe- 
tershurg aufbrachen. Den 4. Martii huldi
te die SoJdatesque. Den 5. ejusdem 
mensis nahm nach vorhergangigem Lauten der Gottes-Dienst in der Duhm-Kirchen 
umb 8 Uhr seinen Anfang, gegen !) betrat der Herr M. Andreas Willbrand, 
Pastor am Duhm, die CantzeJ und hatte den Ifj, 17. et 18 ten Vers aus dem 
l ahD Cap. des Buchs Josua zum Grunde seiner Betrachtung, nach deren Endigung 
das Te Deum laudamus gesungen ward, worauf E. W ohmdl. Rath zusamt der 
Cantzclley dem Herrn Ältermann und Eltesten groszcl', wie auch ÄJtermann uud 
JiJltesten kleiner Gülde sich nach dem Chor, al wo die Priesterschafft, desgleichen 
die Schuhl-Bedienten allbereits versamlet waren, verfiigten und in Gegenwart 
des Herrn Vice-Gouverneurn W oyekoffs und des Herrn OIJersten Kosloffs das 
s. 204 Huldigungs-Formular, welches ihlJen VOll dem Herrn Oher-Secretario von Schie- 
velbein vorgelesen wurde, mit ausgestreckten :Fingern uud entbJöszeten Haupterll 
nachgesprocheu. 
Den 6 ten A prill retournirten die zu 1hro Maytt. des ewig glorwürdigstelJ 
Kaysers Petri 
fagni celebrirten Funeralien nach St. Petert3burg abgeordnet ge- 
wesene respective Herrn Deputirte', bis auf dem Herrn Gerichts-Vogdt Caspari, 
welcher zu Betreihung verschiedcner Stadts-Auglegenheiten in S1. Petersburg 
zurückblieb. 
Den 5., 6., und 27 teD May l'evertirten nach einander die lJach Reval abge- 
reist gewesene HelTen Commissarien 5. 
Den 30. May wurden des gott8eeligsten Kaysers uud Herrn Exsequieu alhier 
in der St. Petri-Kirche, als woselbst Sr. Hochfiirstl. Durchlaucht der Herr 
General-Feld-Marschall und General-Gouverueur Fürst Repnin unter einer nom- 
hreusen Suite sich mit einfanden, aufs solenneste begangen. 
Den 27. Decembris kam die verwittibte Hertzogin 6 von CurJand alhier an 
S. 205 und reisete des andern Tages frühe nach St. Petersburg ab. 


1) B. 1 151. 


') B. I 158. 


S) B. 1 761. 


4) B. 1 763. 


a) B 1. 759. 11) .4mw.
>>>
1126-27 


der Iomkirche. 


4!' 


172(;. 
Ao. 1726 retournirten ll1ro Kayserl. Hoheiten die verwittiLte Hertzogin von 
Cur1and von St. Petersburg 1 und bes\'hleunigten ohne A llft"enthalt ihre Reise 
zurück nach Mietall. 
In diesem 17
6otell .Jahre elltstand iu der Nacht zwischen den 7. und stell l\lay 
Uluh 11 Uhr iu der Ruszischpn Gasze eine gl'osze Feuers-ßrunst, so bis au den 

IOl'gen Glocke 4 währte, wodurch des Herren Praefecti von Öttingen und 
Fahian Brandten Hauser gäntzlich in Grausz uud Asche geleget wurden. 
Den a tell Julii des Morgends uOlh n Uhr erhlaste Sr. Hochfürstl. Durch- 
laucht der Herr General-Feld-Marschall, General-Gouverneur i"lber IJiefflanu, 
Ritter von St. Andreap, Blepfanten und weiszen Adlers-Orden, Fiirst Anikitta 
Repnin, deszen Hinfall dieser guten Stadt umb soviel schmertzlicher fiel, ali'l 
selhige dadurch den Verlust eines zugleich gnädigen und gerechten General- 
Gouverneurn empfinden mustel. Am selbigen Tage wurde der Anfang mit 
Lauten von 12 bis 1 Uhr gemachet und his an den 10. .Julii, als den ange- 
setzten Begrähnisz-Tag, dergestalt continuiret, bis an obbesagtelll dato der 
hocht'ürstl. l..eichnahm seiner hohen Gehuhrt und Dignitaet gemäsz, unter der 
Begleitung der Genemlitaet, der Ritterschafl't, Iles Magistrats collegii und 
iihrigen dieser Stadt Ständen und Ziinfi'ten, in der hiesigen Garnison-Kirche 
zur Erden bestattet wurde. Has solchermaaszen durch Ableben Sr. Durchlaucht 
£les Fi"lrsten Repnin vacant gewordene Gouvernement wurde in folgendem 
1727 8tell Jahre, da mittler Zeit Sr. Excellence der Herr General en ('heft" und 
Ritter von St. A.lexRmlerorden de Bonn uas Commalldo gefii.hret, durch die 
Ankullfft des Herrn General-Kriegs-Corumissarii unrl Ritter von St. Alexander- 
Orden Gregorii Petrowitz Zernischeff 3, welcher den 25. Januarii unter dem 
Titul eines Gouverneurs alhier eintraff und sogleich Possess aufm Schlosze nahm, 
wieder besetzet. 


S. f206 


S.207 


1727. 
Den 10 teIl ApriIl fing das Eisz in tier Di'ma an zu gehen und das hoht' 
Waszer denualtszen starck an zu wachsen, dasz alle Uölme und an der Diina 
helegene Hauszer i"berschwemmet stunden, wie dann auch das zunehmt'lllle 
Waszer durch die Pforten hineindrang und aller Orten dem Puhlico sowohl, al" 
auch vielen Privatis groszen Schaden znfUgete. 
.Ein den Ja. May aus der Hochpreiszl. Kayser!. Regierung eingegangenes 
Rescript eröffnete die betriihte Nachricht von dem unvermnhteten Todesfall 
unserer allergnädigsten Kayserin und groszen Frauen Catharina Alexewna, wo- 
nehen Einhalts besagten Rescripti Sr. Kaysm'l. Maytt. Petri ]ldi Brhebung auf 
dem Ruszischen 'rhrone kundgemachet und gleich darauf noch an selbigem 
'rage, nach vorhergängiger Intimation, allen Einwohnern dieser Stadt und V 01'- S. 208 
stadt das HoOlagium in dpr St. Petri-Kirchen mit gewöhnlichen Solennitaetell 
ahgenommen ward
. 
Ben 2 ten .Tulii wurde Sr. ExceUence der Herr Gouverneur Zernischeff nebst 
deszen Frau Gcmahlin uud vielen andern Personen beydedey Geschlechts aUB 
der Stadt und vom LalHle von E. ,V ohll
l1len Rath auf dem Rahthansze trac- 
tiret, wie dann auch anf Ihro Kayserl. Maytt. Printzeszin Schwe,,!«.r I\athalia 
Alexewna Kayser!. Hoheiten den 12. Julii eingefallenen Gphuhrtstage t'in gleiches 
auf dcm Neuen Hausze geschehen. 


1) B. 1151. 


11) B. 1I 87. 


S) B. 11 125. 126. 


4) B. II 143. 145. 


--
>>>
46 


Zweites fI[emorial 


1727-28 


Den 
tell Novembris kam der Königl. Spanische Amhassadeur ])uc de I.iria 
11mb haI}, 12 Uhr, nachdem er von dem Herrn Ober-Ge8etz-Herrn Diedrich 
Zimmermann und dem Herrn Waysen-Gerichts-Recretair Paul Brockhausen in 
Begleitung der ßiirgerschafl't zu Pferde auf der andem Seite der Ihma empfangen 
und Ihme zu seiner Ankuufl't complimentiret worden, in diel:!e Stadt an, von 
8. 209 wannen Er den 4 t ,n ejusdem Morgends umb halb 9 Uhr, mit gleichmäszigeu 
Ehrenbezeugungeu begleitet, seine Reise nach St. Pf'tersburg antrattl. 
Durch die sorgfältige und getl'eue Bemühung des Herrn Inspectoris bey 
der Dohm-Kirchen, des Herren Rahts- und Ober-Bau-Herren Johann IIollaender, 
desgleichen der respective Herren Vorstehere, Herr J ohann Friedrich Schick, 
als damahligen Herrn AItermann der groszen Gülde, und Reinhold Graff, EIsten 
der groszen Gülde, war die unternolllmene höchst nöhtige Reparation dieser 
Kirchen soweit gediehen, dasz den 5 tell Novembris, als am 23. Sontage nach 
Trinitatis, der durch die gefährlich scheinende Arbeit gestörete und in dieser 
Kirchen wohlbedächtlich eingestelte Gottes-Dienst wieder gehalten wurde, wie 
dann der diesen Nachrichten beygefügte Entwurff B desjenigen, was bis auf den 
heutigen 'l'ag an der Duhm-Kirchen repariret und gebauet worden, von sothaner 
riihmlichen Miihewaltnng ein gniigliches Zeugnisz giebet. 


1728. 
S.2/O Anno 17
8 den 12. Januarii arrivirtcn Ihro Kayserl. Hoheiten Amm und 
wurden auf Es. WohlE dIen Rahts beliebte Veranstaltung von dem Herrn Mnnster- 
Herrn Schwartz und dem Ht'rrn Secretair Herbert von UlricllCn in Parade der 
Bürgerschafft zu Pferde jenseit der DiinR in Ullterthänigkeit bewillkommet und 
folgendes Tages gleichergestalt durch die Sand-Pforte bis ?, Würste aus der 
Stadt convoyiret s . 
Den 18 ten Januarii reiseten Ihro Magnificence, der Herr Biirger-l\Ieister 
Johann von Schultzen, welcher zusamt dem Waysen-Herrn Caspari Ihro Kayserl. 
Maytt. Petri Udl den 25 ten angesetzten Crönungs-Feste in Moscau als Deputirter 
beyzuwohnen, von E. WohlE dIen Rath den 2 ten necembris erwehlet worden, 
nach Moscau ab'. 
Den 6 1en Martii versamlete sich auf km.tz zuvor eingegangenen Befehl Sr. 
Excellence des Herm Gouvemeurn Zernischeff das Magistrats-Collegium, das 
S.211 Ministerium und die gesamte Bürgerschafft in der Hohm-Kirchen, allwo die durch 
den Herm Adjutanten Zernischeff und den Herrn Gouvernements - Secretair 
Alfiroff von hochgedachter Sr. Excellence übersandte Ordre verlesen und nach 
einer von dem Herrn General-Superintendenten Hinrich Brüningk als Ober- 
Pastor gehaltenen kleinen Rede, wegen der vollstreckten Crönung unsers aller- 
gnädigsten Kaysers und Herren, das Te neum laudamus unter Paucken- und 
Trompeten-Schall abgesungen, nebst diesen, von besagtem Dato ab bis den 
10. ejusdem obbemeldete Crönungs - Feyer mit den gröszesten Solennitaeten 
begangen ward. 
Den 10. Aprill retournirten Sr. Magnificence, der Herr BürgerMeister von 
Schultzen, nachdem selbige ihre Tour von Moscau ab Über St. Petersburg auge- 
stellet hatten. 
Den 22. Aprill traffen des Römischen Kayserlichen Ambassadeur Gra1ren 
8. 212 von Wratislaw Excellence nach Mittags umb 3 Uhr alhier ein und wurde hoch- 
gedachter 81.. Excellence bey Dero Abreise, welche den 26. Aprill vor sich 


1) B. 11 192. 181 PS. 


B) feldt. 


S) B, 11 192. 


') B. II 184. 186.
>>>
1728-30 


,Ier Domkirche. 


47 


ging, auf E. W ohlEdl. Bahts helieLte Anordnung von dem Herrn Ouer-Gesetz- 
Herrn Diedrich Zimmermann dem Herrn Secretair Paul Brockhausen compli- 
mentiret und mit der Bürgerschaft't zu Pferde auf 4 Würste von hier aus das 
Geleite gegeben. Gleichergestalt dann auch ]hro Kayserl. Hoheiten die ver- 
wittibten Hertzogin von Curland bey Dero Zurückkunfft von Moscau den 
2 ten Junii Ihren Ein- und den 4. ejusdem Ihren Auszug hielte. 
Den sten Septembris wurde der entseelte Cörper Sr. Hochfül'stlichen Durch- 
laucht JOha.Illl Carl 'Vilhelm 

rnst Ludewig Land-Graffen zu lIessen-Homhurg, 
Fürsten zu Hertzfeld, Grafl'en zu Katzenellenbogen, Ihro Kayserl. l\Iaytt. hoch- 
hestalten Obristen von der Infanterie etc. etc., nachdem seIh igel' hey die 8 '!'age 
auf dem schwartzen Haupter Hausze en parade gelegen, von besagtem schwartzen 
Haupter-Rausze mit groszer Procession weggetragen und in der St. Jacobi- S.213 
Kirchen unter Begleitung der Generalitaet, der Ritterschafft, des Magistrats- 
Collegii und der gantzen ßiirgerschafft pompeusse ueygesetzet. 
Den 22. Novembris langte ein Türkischer Aga, Nahmens Cosbeikin }IuHtapha 
alhie an, welchem bey seiner Ankunft'! sowohl, als auch den 28. dieses nach 
Moscau angesteIten Abzuge alle gewöhnliche Ehren-Bezeigungen auf eingelangte 
hohe Ordre von E. WohlEdIen Rahte nnd der Stadt wiederfuhren. 
Am 7 ten Decembris eröffnete E. Hochpreiszl. Regierungs-Rescrivt vom 
6 ten eiusdem die betrübte Nachricht von dem friihzeitigen Ahleben Ihro Kayserl. 
Maytt. Printzeszin Schwester N atbalia Alexewna, worauf die CantzeIn und 
Altäre in allen Kirchen mit schwartzem Tuche zu bekleiden, desgleichen von 
12 bis 1 Uhr mit allen mocken zn lauten die Verfiigung gestellet wurde. 


1729. 
A o. 1729 den 20. Martii schwoll das Waszer bey dem Eiszgange in der Düna S. 214 
sehr hoch und verursachte durch seine Ergiesznng an den niedrig gelegenen 
Örtern vielen Schaden. 
Den 12 ten Junii reiseten Sr. Excellence der Herr General-Kriegs-Commissair 
und Ritter Zernischeff, nachdem derselbe von E. WohlE dIen Raht auf dem 
Raht-Hausze öffentlich Ahschied genommen, von hier nach Moscau ab', und 
traten Sr. Excellence der Herr General en Cheff und Ritter von St. Alex3nder- 
orden Peter Lacy, als über Lieffland comma.ndirender Herr General, das 
Commando alhier sogleich wieder an 11. 


1730. 
Ao. 1730 den 25. Januarii arrivirten hier aus Moscau der Fürst Wasilly 
Dukin Dolgorucky würcklicher Gel1eimbter Raht und Ritter des Elepfanten- 
Orden, der Senateur Fürst Michailowitz Gallitzin, Fürst Trubetzkoi und der 
General-Major Leontiow Ritter von St. Alexander-Orden und speiseten seI bigen 
Mittage bey dem Herrn General und Ritter Lacy, worauf :oie unter Abfeurung S, 2M 
von 15 CanoneD, mit welchen sie auch empfangen wurden, ihre Reise nach 
l\lietau beschleunigten, umb, wie man nach der Zpit in Erfahrung gebracht, Ihro 
Kayserl. Hoheiten, der verwittibten Hertzogill von Curland, nach eröfl'neter 
Bohtschafft von dem Ableben Ihro Kayserl. Maytt. Petri 11 di DeroBelben Er- 
hebung auf den Ruszischen Thron kundzumachen und von dannen abzuhohlen s. 
Worauf Ihro Maytt. unsere jetzt regierende Kayserin Anna Iwanowna von Mietau 


1) B. JI266. 26i. 268. 


11) B. II 268. 


8) B. II 288. 


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4M 


Zweites Memorial 


1730 


aufbrachen und den 2!t hujus Ihren erfreulichen Binzug in diese Stadt in fol- 
gender Ordnung hielten 1. Die Soldatesque von der Gal'llison war auf den 
Wällen, die BUrgerschafft aber mit fliegenden Fahnen uud klingendem Spiehle 
auf den Straszen, durch welche Ihro Maytt. passirten, postirt. Auf der Düna 
S. 216 stand ein Detachement VOll den Land-Regimentel'll en haye, welches Sr. Durch- 
laucht der Printz von Heszt'n-Homburg als General-Major commandirte. Olm- 
gefehr ein Viertelmeile jenseit der Düna, nachdem Ihro Ka)'serl. Maytt. der 
nach Schulzen-Krug hin defilirte Herr Bilrgermeistel' Christian von Zimmermann 
und der Herr Ober-Amts-JIen Berens a.Ilbereits im Nahmen der Stadt die uutel'- 
thänigi-lte Aufwartung gemachet, hielten Sr. Magnificence der Herr Bürger-Meiste!" 
Wiedau und der Herr OberGesetzHerr Diedrich Zimmermann mit der Hiirger 
und Jungen l\fannschafft zn Pferde, umb Ihro Kayse!'l. M:tytt das PUlst in tieffester 
Submission zu bewillkommen. Sobald Ihro 1\Jaytt. bey Narringkau kamen, wurde 
Derselben von denen alda gegenwärtigen StandesPersonen be)'derley Ge- 
schlechts aufgewal1et, worauf allerhöchstgedachte Ihro Maytt. sich in einem mit 
.'i. 217 (i Pferden hespanten Wagen niederlieszen und in vollständiger Procession der 
Stadt naheten, woselbst am Bollwercke dm' WortLabende Herr BiirgerMeister 
JohaJlJI von SchuItzen in IJegleitung des gantzen l\lagistrats-Collegii und heydel' 
Giilden respective Herren ÄIterleuten hey Ihro Maytt. AnkunfIt Derselben das 
Compliment machte, von wannen Selbige unter dem Gelaute aller Glocken und 
Loszbrennung der Canonen, auch Salve-Gebung der Inf'anterie-Regiementer und 
der Biirgerschafft zu Fusze, bis an das Kayserl. Pal:tis avancireten, daseHIst 
abstiegen und von dem vor der 'l'hüre des Palais anwesenden Frauen-Zimmer, 
der Ritterschafft, dem Magistrat, der Clerisey und vielen andern Standes-Personen 
hineinbegleitet wurden. Selhigen A hend umh 6 Uhr, und da die Fenstern in 
der Stadt durchgehends illuminiret waren, fuhren Ihro Kayserl. Majeste aufs 
S. 218 Schlosz, bey dem Herl'll Generain und Ritter Lacy die Abend-Mahlzeit einzu- 
nehmen, und begaben sich gegen halb 10 Uhr nach J)ero Palais wieder zurück. 
Folgendes Tages admittirten Ihro Maytt. in dem groszen Audientz-Saale Viele 
zum HandKusz und lieszen bey Gelegenheit gegen die von wegen E. WohlEdIen 
Bahts und der Stadt anwesende Herren, den Herrn BiirgerMeister Wiedau und 
den OberOesetzHerren Zimmermann Sich fol
endermaaszen allergnädigst ver- 
lIehmen: Ich wünsche, dasz es dem Magistrat dieser Stadt und allen Einwohnern 
jederzeit wohl ergehe, Wie solches der Herr Praesidellt Isajoff zu verdol- 
metschen die Gewogenheit gehabt. Nachdem mittlerweile alle Veranstaltungen 
zu Ihro Kayserl. Maytt. Abreise waren vorgekehret worden, traten Dieselben in 
Dero Wagen und fuhren mit egaler Pomp und Solennitaeten wie Tages vorhero 
S, 219 bis unter der ohnweit dem Sand-'l'hor erbauten Ehren-Pforten, auf welche!' 
Paucken und Trompeten erschalleten und worunter der Magistrat in corpore 
mit den respect. Herrn Älterleuten unserer allergnädigsten Kayserin Ankunfft 
erwarteten. Bey Annäherung Ihro Maytt. wiinsehete der W ol1habende Herr 
BürgerMeister .Johann von SchuItzen Denselben in einer allerunterthänigsten 
Hede nomine Senatus eille beglückte Reise, worauf und nachdem unser a.Iler- 
gnädigste Landes-Mutter einen jeden von den allwe
enden Herrn des Rahts, von 
der Cantzelley und die respective Herr
n Alterleute zum Hand-Kusz admittiret, 
Dieselben bis an die Rauens-Pforte forteyleten, daselbsten aus dem Wagen 
stiegen und Sich in einem Schlitten, die Reise na(\h MoseRu fortzusetzen, 
verfügeteIl. 


J) B. 11 289. 291.
>>>
1730 


der Domkircbe. 


4ft 


Hcu 15 tml Febr. wun\, dip Trauer wegeu Absterben 1hro Maytt. des Kaysers 
Petri Hdi Glorwiirdigstell AUllenckens intimiret, von 12 bis 1 Uhr mit allen 
Glocken gelautet, wie auch die Cautzel uud Altäre mit schwartzen Tuche zu 8. 22(J 
heziehen al]geordnet 1. 
nen 1a te I l\fartii huldigte die Garnison. 
Den 14 ten ejusd. leistete die Ritterschaft't iu der St. Jacobi-Kirchen den 
Huldigun
s-Eyd und am selhigf'n Tage wurde in der St. Petri-Kirchen in Gegen- 
wart Sr. I
xcellence lIes Herrn General en Cheff und Ritter Lacy, des Printzen 
von Hessen-Homburg und des Obristen Kobers, df'm Magistrat, der Cantzelley, 
dem l\Iillisterio, denen Schuhl-Collegen, deren beyden Gülden, denen EIsten der 
schwart1.en Haupter Compagnie, der Bürgerschafft und allen Einwohnern dieser 
Stadt und Vorstadt der Eyd der Treue solenniter abgenommen E. 
Den 2 teo A prill beliebte K W ohlHdl. RaLt, dasz Sr. l\Iagnificence der Herr 
Bi'lrgerMeister MeIehior Wiedau, der Herr Oher-Secretair Hermam] W our, Elster 
Samuel Pellmann und Hans Spiel von der Biirgerschafft groszer Gülde, des- 8. 221 
gleichen Elster Chl'istian Kluge nebst.T llrgen Thomsen von der kleinen Gülde 
ILro Kayser1. 1\Iayt1. hohen Crönungs-Festin als neputirte assistiren solten, zu 
welchem I
nde selhigf' dann aueh den 6. uIlll 7 t . n 
jusdem von hier aus dorthin 
abreiseten s. 
Hen 26 t . n ! Aprill wurden 1hro höchstsee1. Kayserl. Ma).tt. Petri Hdi Exe- 
quien in der St. Petri-Kirl'hen. wohin Sr. Excellence der Herr General en Cheft" 
Laey mit der Generalitaet, denen Herren Offieiers und der Ritterschafft, unter 
Anführung des Herm Obrist-IJieutenants Kruschoß:." ingleiehen E. WohlEdler 
Raht mit der Cant1.eIley, denen heyden GÜlden, der Compagnie der Bchwartzen 
Haupt,r und den iihrigen 
ur Stadt gehÖrigen Hi"lrgeru und Einwolmern, unter 
des Herrn Ohm"-Ambts-lIerrn Derens Anfi"lhrung, vom Schlosze ab in völliger 
Procession sich verfügeten, mit einer PrNligt, welche der Herr General-Super- 
intendent als Oher-Pastor Bri'mingk iiber die Worte aus dem 82. Psalm: Ich 8. 22:1 
hahe wohl gesaget, ihr seyd Götter UlHl allzumahl Kimler des Höchsten, aber 
ihr werdet sterhen wie Menschen, hielte, ingleichen einer Trauer-1\£usic. 5 unter 
Lautung der Glocken und Losung der Canonen feyerlich begangen. 
Der 3 te Tag des 1\Iaji 6 1\Ionahts ward, nachdem die Cröhnung 1hro 1\£aytt. 
unserer allergnädigsten Kayserin den 28 ten April in l\Ioscau glücklich vollen- 
zogen, alhier zum Feyer ausgesetzet, und zwar dergestalt, dasz in allen Kirchen 
Gottes-Dienst gehalten, das Te Deum laudamus gesungen, von 9 bis 10 Uhr 
Abends nach kurtzen Intervallen mit allen Glocken gelautet, von den Wällen ge- 
schoszen und zu ::\fittage von dem Herrn General Lacy zu Schlosze tractiret 
wurde. Vorm Ral1t-Hausze flosz zwischen 4 und 6 Uhr Abend unter Paucken- 
und Trompeten-Schall weisz und rohter Wein aus einem doppelten Adler, des- S. 223 
gleichen waren auf expressen Befehl drey Tage nach einander alle nach der 
Gasze herausgehende Fenster illuminiret. 
Den 15 teD May zwischen 2 und 3 Uhr fiel der Frau Rahts-Verwandtin 
Elvers in der l\farRtallStraszen belegenes Hau8z, weilen der Boden mit Saat und 
Korn gar zu sehr beschiittet wal', in ihm selbst ein, worunter 10 Personen 
blieben. Am seI bigen 'l'age fast umb dieselhige Zeit, da vorerwehntes Ungliick 
geschahe, schlug das Gewitter in dieser Dohm-Kirche neben der Orgel und 
zerschmetterte, wiewohl Gott loh! olme ferneren Schaden, einen daranlie- 
genden Balcken. 
1) B. Tl 293, 294. 2) B. Il 296. 299. S) B. [[ .'10.1 ff. 4) i. O. 2. 
Vgl, B. Il 309. b) B. III Abteil. 2, 1 nr. 11. 6) ä, U, Martii. Vgl. B. II 312. 
4,
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50 


7.weites M.emorilll 


1730 


nen 21 ten May brannte umb 1 Uhl' 1\1itt.1gs des Baders Erxlehen hey der 
S. 221 Badstuben-Bastion situirtes Hausz oder dic sogenandte Peyl-Stube, his auf die 
unterste Etage, welche durch dic gute J
ösch-Anstalten conserviret bliebe, ab, 
wobey dieses cin groszes GlÜck war, dasz der Wind nach der Vorstadt hin- 
wehete, sonst hätte wegen der nahen Gelegcnheit des Pulver-Kellers und del' 
Stadt PulversFaurique gar leicht groszes Unheil entstehen können. 
Den 21 ten Junii 1 wurde alhie von den Cantzein intimiret, dasz, wegen der 
zu Augsburg vor 200 Jahren dem Römisch-'l'eutschen Kayser Carl dem V ten 
und den sämhtlich daselbst versamieten Ständen des Reichs offentlieh üuer- 
gebenen und vorgelesenen Glaubens-Bekäntniszes aller Evangelisch-lutherischen 
Bekennern, dasz andere evangelische Juhilaeum gefeyert wcrden solte, in welchcr 
Absicht dann gleich folgenden Montags, Dinstags und Mittwochens von 8 bisz 
9 Uhr Morgends und 4 bis 5 Uhr Nachmittags in der St. Peters- und Dohm- 
Kirchen Beth-Stunden angeordnet waren 11. 
S. 225 Den 25 ten , als am angesetzten .Jubel-Tage, nahm der GottesDienst in der 
St. PetersKirchen umb 7 Uhr Vormittags seincn Anfang. Nach gehaltener 
Predigt verlasz der Herr ArchiDiaconus 1\f. Caspari die Augsburgische Con- 
fession, worauf das Te Deuro laudamus gesungen und währendem Gesange von 
den Wällen der Stadt canoniret ward. Nachmittags predigte der Herr Ouer- 
Wochen-Prediger M. Bartholomaens Depkin. ])('1' folgende Tag war in der 
Dohm-Kirchen mit gleicher Andacht und Ceremonien zugebracht, desgleichen 
den Sontag darauf in der St. JohannisKirche, in der Vorstadt und auf dem 
Patrimonial-Stadts-Guthe Pinckenhoff in Gegcnwart cines Herren des Raths und 
eines aus der CantzelIey das frohe .Juhel-Fest auf: soleuneste celebriret. 
Den 30. Junii S langte der Herr BÜrgerMeister Wiedau zusamut dem Herrn 
OuerSecretair WoHr, nachdem die aus der Bürgerschafrt Dcputirte 14 Tage zuvor 
S. 226 arriviret, von Moscau über St. Petersburg glücklieh und gesund alhie wiederUlnb 
an und iibergab, nach zuvor abgestatteter Relation von gehabter glücklichen 
Expedition, die Ihme von dem Herrn WaysenHerrn Caspari mitgegebene, VOll 
dem Gottseeligen Herrn Petro IIdo unterzeichnete Confhlllation aller Privi- 
legien in Originali, desgleichen die Original-Confirmation der Güther Uxkul 
und Kirchhohn, welches alles in dem innern Archiv verwahrlieh aufzullCuen 
uelieuet worden'. 
In diesem 1730 8ten Jahre verursachte die langwierige Dürre und anhal- 
tende Hitze hin und wieder im Lande zum Theil einen Miszwachs, insonderheit 
des Sommer-Korns, wie dann auch an vielen Örtern die Wälder im Brandt ge- 
riethen. Bey der ungemeinen Hitze war die Luft'!, insonderheit bey dem NordOst 
oder Ostlichen Winde, so benebelt, dasz man die Sonne, welche unge- 
S. 2'!7 wöhnlich roth war, ohne einige incommoditaet und Blendung, am vollen Mittage 
ansehen konte. 
Den lOten Augusti notificirte die Kayserl. Regierung mediante Rescripto, 
dasz Sr. Excellence der Herr General en Cheff und Ritter I
acy, weleher his- 
hero das interims-Gouverno gefiihret, aus lhro Kayserl. Maytt. Gnade zum wi'lrck- 
lichen Gouverneur Über Riga und Licffland crklähret worden 5. 
Den 26 ten Septemuris wurden Ihro Königl. Hoheiten DOll EmallueI" von 
Portugal auf expresse Ordre vom HofTe mit allen ersinlllichen Ehren-Bezeigungen 
auf seiner Retour von Moscau alhier eingeuracht. Der Herr BiirgerMeister 


1) i. O. Julii. 2) B. II 320. 321. R. /11 Abteil. 2,2. 
f), Juli ist Wiedatt srhon im Rnt. B. II 326. 4) R. Tl 326. 
BR. v. 8. .August 173(J. 


S) i. O. Julii. Am 
6) B. Tl 3$. 


..
>>>
1730 


der Domkirche. 


!)1 


Wiedau und der lIen MuusterHerr Schwutz fuhren unter Begleituug der 
Biirgerschafft und jungell ManJlschafft zu Pferde Ihro König1. Hoheiten entgegen, 
worauf höchstgedachte Ihro König!. [-] oheiten durch das vor der Stadt stehende 
Lager, allwo Sie von den aufgei!telletell Feld-Regimentern mit einer General- 
Salve bewillkommct wurdell, in völligen Staat unter Ablösung der Canonen f:J. 228 
Ihren Einzug in die Stadt hielten und das in der Marstall-Strasze belegenes 
Dannensternsche Hausz bezogen, allwo Sich Dieselben noch zur Zeit aufhalten 1. 
Dieses ist also kürtzlich dasjenige, welches zu verzeichnen und der nach- 
kommenden Nachwelt mitte1st dieser Relation verschiedener Begebenheiten und 
vorgefallener Abwechselungen schrifftlich zu hinterlaszell vor nöhtig erachtet 
worden. Welchem allen der inhrünstige Wunsch, dasz diese gute Stadt und 
der gantze Cörper ihres Staats unter dem Schutze Gottes und Ihro Kayser!. 
Maytt. beständiger Gnade in unveränderlicher Glücksee1igkeit geseegnet bleiben 
möge, aus treuen I1ertzen zugefüget wird. 
Jetzige l Herren des Raths und deszelben Kanzeley sind folgende. 
Herr Job. Grotbe ältester Burgemeistlr, OherWaysenherr und Ober- 
munsterberr. 
Hr. Christiall v. Zimmermann Biirgemeister und Obm'Landvogt. 
Hr. Melchior Wiedau Burgemeister und OberKastenherr. 
lIr. Job. v. Schultzen wortbabender Hi'trgermeister. 
IIr. Herrn. Claudius Witte von Nordeck OberKämmerherr. 
Hr. Georg Raes OberWettherr. 
" (}eorg Berens OberAmtsherr. 
" Adam Heinr. Scbwartz MunBterherr. 
" Oiedr. Zimmermann, OberGesetzherr und Inspector der Domkirche. 
" Melchior Caspari Waysenherr. 
" Justus Joh. Haltm.mann, Gericbtsvogt und Vice-Syndicus. 
" Gotthard v. Vegesack Landvogt. 
" Andreas Gothan Kämmerherr. 
" Peter v. Schievelbein WaYBenberr. 
" Joh. Hinrichs Amts- und Wettherr. 
Ur. Hermann Wolft' j als' Glieder B. WohlEdlf1l 
" Herm. v. Brevern ' [ . t I . 
J h F . d . S h . k ., agIs rats proc amn.t 
" o. 1'1 I. C lC d 27 S b 1730 
W ' lh B 1 d T 11 en. 
 ept r. . 
., 1. arc ay e 0 Y 
Hr. Paul Brockhausen I 
" Herbert v. Ulrichen S t .. 
. ecre aru. 
,: Hmr. Bewehrt. 
" Axel Hinr. Bruiningk 
Hr. Jo. Christopber Poppal OberNotarius und Notal"ius publicus. 
Dominus Laurentius Klincker 
" Carl Wilh. Lado j N t .. 
Th d H . D . 1 ' 0 aru. 
" eo 01' mr. v. rmmg 
" Stephan Gottlieb Baumann 


Personen eines wohlehrwürdigen Ministerii: 
Ur. Hinr. Bruiningk Gener. Superint. und OberPastor. 
/J M. Andr. Willebrand Pastor am Dom. 


1) B. III S. 59. 


I) Von hin' bill zum Sl-hlUBB 1'011 Brotze gellchriebt-n. 
4'" 


--
>>>
5 0} 
. ... 


Zweites I\temorial der Domkirche. 


1730 


Hr. M. Barthololl1. Dcpkill UherWochellprediger. 
" Caspar Elvers Pastor an der S. Joh.Kirch. 
" Gebhard Christopher 'l'anck W ochellprediger. 
" 1\1. Georg Caspari Arehidiaconus. 
" Rötger Sehdens Diacollus zu S. .Johann. 
" Job. Fontin Diaconus uer Domkirche. 


Von Seiten der Bürgerschaft. 
Ur. Matthias Marquardt EItester der groszell Gilde, pro tempore Aelter- 
mann der groszen Gilde. 
.Job. Oltmann Aeltermanll der kleinen Gilde. 
nr. Joh. Fridr. Schick gewesener Vorsteher dieser Kircbe, erkohl"ller 
Herr des Raths. 
Reinbold Graff EItester der groszen tilde, ietziger Vorsteher dieser 
Domkirche. 


. 


Lectum et approbatum 1Il Senatu den 7. Oc.tbr 1730. 
Ad mandatum amplissimi Senatus 
Concepit extradiditque 
Alex: Hinrieh Brüningk 
Secretarius et Archivarius Civitatis Caesareae Rigellsis. 


.. 


--
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Erste Abteilung: 


Ch ron ike n. 


4. 
memorial In dem Turmknopf der Petrlklrche 
1730-1140. 


« 1.YJIi.....-" 


--
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. 


Memorial S. I 
BO in dem 1'hurm- KlIopff der ::;t. Petri-Kirche Ao. 1746 verwahrlich eingeleget 
worden und nebst einer continuirten Nachricht von denen erfolgten SchicksahleIl 
und Zufällen gedachter Kirchen vom Jahr 1721 bis 1746, die umbständtl. fort- 
gesetzte Historiam Patriae sive Civit. Rigensis von Ao. 1730 Novembl"is bis 
Ao. 1746 Septembris in sich faszet. 


1721. 
Es haben unserc Vorfahren Ilicht nur dasjenige, was zur Erhaltung und S, 3 
Verbeszerung des gemeinen Wesens ihrer Zeit dienlich gewesen, auf das sorg- 
faltigste beobachtet, sondern auch dafiir gesorget, dasz die Nachricht davon 
sowohl, als von denen, von Zeit zu Zeit vorgef
tllenen Veränderungen und Be- 
gebenheiten auf ihre Nachkollunenschafrt gelangen möchte. Und gewisz, sie 
haben der Nachwelt einen sehr wichtigen Dien8t geleistet. lhrer l'uhmwürdigen 
Veranstaltung und fleiszigen Feder haben wir es zu danken, dasz wir von dem, 
was zu den Zeiten ihres Gedächtniszes geschehen, cinige glaubwiirdige Nach- 
richten iibrig haben. Dieser klugen Vorsorge haben wir es zu dancken, dasz 
wir den damahligen Zustand unserer Stadt und des gemeinen Wesens wiszen, 
dasz uns ihre Verfaszungen, ihre Gebräuc.he, ihre Gesetze bekandt seyn, dasz S. 4 
wir von dem Wachstlmll1 und Verfall der Handlungen, von Vermehrungen und 
Verminderungen der Privilegien, kurtz von allerley guten und böseIl Ahfällen 
und derselben Ursachcn umständlich uml treulich unterrichtet seyn. Wir sind 
es dieser Sorgfalt un8erer klugen Alten schuldig, dasz wir in ihren Zeitcn Bey- 
spiele finden, wie wir uns bey gewiszen Begebenheitell zu verhalten haben. 
Dieser sind wir es scbuldig, dasz wir wi8zen, wie der Grund zu lliesem Staats- 
Cörper geleget und auf welche Art sie die VerbeszerulIg deszelben ge8uchet, 
dasz wir erkennen, worinnen es ihnen in dieser Absicht gegliicket, worinnen es 
ihnen fehlgeschlagell und wann sie unnöhtige U lllwege genommell oder der 
rechten Mittel zur ErhaltulIg ihres Zweckes gef{'hlet haben. Haben sie vielleicht S. 5 
in dieser und jener ::;,whe Projecte ulld Vorschläge gemacht, welche nicht haben 
ins Werck gestellet werden kÖllnen, so dienet uns die Aufzeichnung derselben 
dazu, daBz wir die unsrigcn in dergleichen ::;achen andcrs einrichten. Sind sie 
in dieser oder jener Begebenheit durch {'ine schädliche Erfahrung klug 
worden, so schützet UIlS die verzeichnete Nachric.ht davon vor dergleichen 
::;chaden. Haben sie endlich ein Ding angefangen, so dienet uns der verschrie- 
bene Bericht davoll dazu, dasz wir geschickter sind, selhiges verheszeru und 
vollkommen ausführen zu können. 
lit einem Wort" der Nutzen solcher auf- 
gezeichneten zuverläszigeu N aclu'icbten läszet sich so ulU::!tändlich nicht be- 
schreiben, als er wllrcklich ist. .Je grö::!zer nun, je vielfältiger und wichtiger 
der Nutzen ist, welchel' der Nachwelt aus der gleichen Bemfahung und Vorsorge s. tj 
zuwächset, desto schädlicher und unverantwortlicher würde die Uuterlaszuug 
derseilten, und desto gerechter und beiszenuer der Vorwurf seyn, dasz mau 


--
>>>
56 


Memorial 


1721 


solches verabsäumet hätte. Dieser wegen hat Ein W ohmdler Baht, welcher 
sich jederzeit das gegenwärtige und zuküllfftige Beste dps gemeinen Wesens 
zum eintzigen Augenmerck und Enuzweck gesetzet und selLiges auf alle mög- 
liche Weise zu erhalten und zu befördern unaLläszig bemiihet ist, yerorunet, in 
die Fusztapffen unsere!. sorgfältigen Vorfahren zu treten unu denen aufgezei
h- 
neten Nachrichten dersel1Jen die gehörige Fortsetzung beyzufügen. Da es aber 
S. 7 nicht genug seyn will, die Begebenheiten und Vorfälle unsere!. 'l'age nur aufzu- 
schreiben, sondern vielmehr erfodert wird, dasz man solchen verzeichneten 
Nachrichten eine sichere Städte, soviel es nemlich menschlichen Kräfften nach 
zu erreichen ist, ausfindig zu machen hemühet sey. So hat Ein WohlEdler 
Raht diese Gelegenheit, da die 8t. Petri-Kirche wiederum mit einem hohen 
Thurme gezieret worden und ueszen Knopff unu Hithn nUllmehro aufgesetzet 
werden soll, ergriffen und befohlen, gegenwärtige Nachricht in demselben ver- 
wahrlich aufzuheben. Nichts ist nun billiger hiebey, als uasz wir eine kurtze 
S. 8 Beschreibung von der ersten Erbauung, verschiedenen Veräuderung und vielfäl- 
tigen unglücklichen Schicksahlen dieser Kirchen bis auf gegenwärtige Zeit 
voraussetzen. Bey Gelegenheit des Ao. 1721 den lOten l\Iay derselben zuge- 
stosenen schwehren U ngliicks ist auf Refehl des zu der Zeit gegenwärtigen 
allergnädigsten Czaren Petri 1., welcher mit Hindansetzung seiner eigenen hohen 
Person die erforderliche Anstalten vorzukehren bemiihet war, damit das Feuer 
gedämpffet und der 'l'hurm nebst dem schönen Glockenspiel gerettet werden 
möchte, eine kurtze doch umständliche Nachricht von der Fundation und von 
Zeit zu Zeit sich eräugneten Schicksahlen diesel' Kirche bis auf jetzt bemeldtes 
1721ste Jahr sub * I angefertiget worden. So schmertzlich es nun auch ist, 
die Umstände dieses ungli'lcklichell Y-ufalle8 weiter zu beri'lhren, so veruienet es 
dennoch allerdings, dasz wir ein sinreiches Madrigal, welches zu der Zeit von 
der geschickten und beliehten Feuer des wohlseeligen Herrn OberAmhtsHerrn 
und ViceSindici Joh. Just. Haltermanns aufgesetzet worden, der Nachwelt auf- 
s. 9 heben. 
Js waren nemlich bey dieser groszen Feuersbrunst von der, aus dem 
Esaia am 53ten Cap. v. [) genommenen Aufschrifft des Altars folgende Worte 
unversehrt gehlieben : Willl.'n verwundet, -len, zuschlagen, wir FI'ieuen hätten, 
wir geheylet, welche zu verschiedenen Ausdeutungen und Prophezeyhungen 
Anlasz gegeben. Der Verfasser des olJgedachten Madrigals aber hat seIbige als 
ein VorbedeutungsZeichen auf lauter Heyl und Gliicke angesehen und in der 
erwiinschten Folge den höchsthegliickten Ausschlag seiner hoftilUngsvollen Ge- 
dancken gefunuen, da noch in ebendemselhigen Jahre der schon längst erseuffzte 
und höchst glorieuse Nystaedsche Friede geschloszen worden. Uas Madrigal 
lautet folgendermaszen : 

onst soll es eine Regel der Gelclll'tell I:!eyn, 
Dasz Blitz und Wetb'\I'-Schlag hei guten Zeiteu 
Nur Trauer-Bohtcu 8eylJ, 
Und dasz dieselbe bey heklelllten :-;tanue 
Auf lauter Heyl und (Wicke deuten. 
Doch, wo erholen wir uns Uahts 
Bey unserm jÜngsten Kirchenbrande '! 

Ian darf hie nicht mit Zeichendeutel'l1 wetten, 
Nein: nur bey Gottes Altar fragen, 
Ua wird uns die Antwort ertheilet: 


I) B. III Abteil. 4 n1'. 12. 


-
>>>
1721-33 


der Petrikirche. 


67 


Gott hat den Cörper unsers Staats 
Nach seinem geheiligt Willen verwundet, 
Mit feurigen Strahlen zu schlagen. 
Warum denn? Dasz wir Frieden hätten. 
() seeliger Schlusz: so sind wir geheylet l . 
Da lIun die vorgedachte Historie von diesel' Kirchen bis i721 gehet und 
mit der umständlichen Nachricht von dem damahligen groBzen Feuer-Schaden 
beschlieszet, so wollen wir nunmehro da
jenige: Wal:
 sich von dieser Zeit ab in 
Ansehung der Kirchen Denckwi'lrdiges zugetragen, in der Kürtze beyfiigen. 
Gleich nach diesem betroffenem Unglücke ging die vomehmste 
orge unserer 
Vorfahren, uud besonders des Herrn OherAmbtsHerru und Inspectoris Johann 
von Schultzen und derer V orstehere Elt. Matthias 1Iarquart und EIt. J oh. Elvers, 
.Elst. Johann IJudeloff, dahin, dieselbe sobald -als möglich in den Stand zu S. 10 
setzen, dasz der öffentliche Gottesdienst gewöhnlichermaaBzen wiederum abge- 
wartet werden könte, in welcher ihrer christlichen und höchstlöblichen Absicht 
sie durch die milde Beysteur verschiedener frolllmen Hertzen dergestalt unter- 
stiltzet wurden, dasz bereits der 12te Jenner de!1 1724sten Jahres, ohngeachtet 
diese Kirche, wie aus der angezogenen Beylage sub *', mit mehrerem zu er- 
sehen, fast gäntzlich eingeäschert wOl'den, zur WiederEinweyhung derselben 
angesetzet werden kOllte s. Am jetzt bemeldtem Tage verfügte sich der gantze 
Magi8trat nebst der Cantzelley in corpore von dem Rahthause nach dieser 
Kirchen, woselbst unter einer schönen und vollständigen Musique und bey sehr 
volckreicher VerBamlung. maszen an dem 'rage in der Dohms-Kirchen kein 
Gottesdienst gehalten worden, der gantze feyerliche Einweyhungs-Actus vollzogen 
wurde. Der dalllahlige Herr General-Superintendens und OberPastor Bl'Iliningk 
hielte bey dieser Gelegenheit eine wohlausgearbeitete, bewegliche und erbau- 
liche Predigt. Nach Vollendung derselben wurde unter Paucken- und Trom- S. 11 
petenSchall das Te Deum von der gantzen Versamlung mit inbrün8tiger Andacht 
und heiliger Freude abgesungen, womit diese feyerliche Begehung der Einwey- 
hung beschloszen wurde. Da nunmehro durch die rühmliche Vorsorge der 
IJerm Inspectoren und Vorsteher, Herrn OberAmbtHf'rrn Job. v. Schultzen, 
l
lst. .M:trquard, mst. Joh. I!Jlvcr:'l, Bht. Johan Ludeloff, diese Kirche ZUl' noht- 
diirfi'tigen Abwal'tung des öfl'entlichen GottesDienstes eingerichtet worden, so 
wären sie anitzo auch darauf' bedacht, die vorige Ziemhten derselben soviel al8 
möglich wiederum hf'rzustellen. Weil hiezu aber ,'iele Mittel und Zeit erfordert 
wurde, 80 konte auch allererst im Jahr 17ß3 die Orgel, als eines der nohtwen- 
digsten Stücke, zu Stande gelJracht werden. ]
s wurde diese Orgel, welche von 
flem Orgelbauer Gottf'ried Klossen innerhalb vier Jahren verfertiget worden, 
den 
3. Septemhl'is des vorgedachten 17imsten Jahres ZUlU erstenmahle gerühret. 
Selhige bestehet iiherhallpt aus dreyen Clavieren und 41 Stimmen, davon 12 in das 8. 1.'J 
Hauptmanual, 10 in das OLerwerck, 9 in das J3rustwerck und 10 in den Pedal 
vertheilet. Der OrgeIßaner hat, laut des dariibl'r mit der KirchenAdministration 
1729 den ßO. Septembris errichteten Contracts, fiir seine Arbeit und dazu erfor- 
derliche Materialien üherhaupt 4200 Rtht Albi'. nebst einer viel:iährigen freyen 
Wohnung erhalten. Der Bildhauer Hinrich von Bergen hat für 8eine Arbeit 210 
Rthl. Albr. bekommen. Und hat diese Orgel in allem ohngefehr 5350 gekostet. 
Hatte nun dieses Werck viel Zeit und Unkosten erfordert, so war es ge- 
wisz nicht unbillig, ua.sz man bey diesen bedrängten Zeiten unserel' Einwohnet' 


1) Sonst 3011 es 1l. 8. 10. (Im Rande. 


2) B. III S. 56, J. 


:I) B. I 136. 


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58 


Memorial 


1743-46 


geraume Zeit in Bedencken stand, zur Aufrichtung d
r Spitze dieser Kirchen, 
als einen sehr wichtigen und kostbaren Bau, zu schreiten. Jedoch, da der 
Aufwand hiezu zur besondern Zierde der Stadt und zum grol!zen Nutzen der 
Seefahreuden gereichte, auch den 19. 1\Iart. 174i3 ein ziemlicher starcker Brand 
S 13 auf dem Peterskirchhoft'e entstand, wobey diese Kirche, weilen die übergeblie- 
bene )Iauren von dem abgebrandten Thurm zur Conservation mit Holtz ge- 
decket waren, in grosze Gefahr stund, in den Brand zu gel'ahten, So beschlosz 
man, auf geschehenen Antrag Es. 
Jdlen KirchenGerichts, diesen Bau vor die 
Hand zu nehmen. 
[an samlete derhalben von Hausz zu Hausz die benöhtigten 
:Mittel dazu ein und H. löbliches Stadtcassacollegiulfi heschlosz gleichfals jähr- 
lich 1600 Rthl. auf Ah8chlag der Renten zu diesem Bau herzugeben. Und es 
wird der Nachwelt zur Verwunderung dienen, dasz der Zuschub unserer Bflrger 
bey diesen Umständen so betr
htlich gewesen ist, dasz wir nicht nöbtig gehabt 
haben, in andern Ländern oder Orten Collecten zu samlen, und dasz, ohnge- 
achtet schon mancherley Verbe8zerung an der Kirche mit schweren Kosten ge- 
schehen, dennoch auch mit diesem Bau, unter der Direction Es. WohlE. Raht8 
und durch die unermüdete Sorgfalt des Herrn OLernauHerrn und jetzigen In- 
spectoris der Kirchen Valentin Grave sowohl, als auch durch die riihmliche 
Bemühung der heyden V orsteher,Blt. Eherhard Kriiger und mt. Friedrich 
ßrümmer, der Anfang den iSI. l\fay 1745 hltt gemacht werden können, an welchem 
Tage der Stern auf der Maul' geleget und von ohgedachten Vorstehern der 
erste höltzerne Nagel eingeschlagen wurde. Und es blieb auch nicht bey diesem 
gutem Anfange, sondern es wurde der Bau mit dem grösten 
Jyffer fortgesetzet, 
dergestalt, dasz der gantze Thurm den 24. Septmnhris jetzt laulfenden Jahres I 
seine völlige Höhe von 400 Fusz Heinländisch erreichte und bis auf die Be- 
deckung fertig wurde. Die Aufsetzung ist in 
) SommerMonathen geschehen. 
Die eiserne Stange, welcbe in Schweden verfertiget worden und mit den 4 Federn 
ohngefehr 40 Fusz lang und 5 H W H) I.J YI schwer ist, wurde den 30. Sept. dieses 
.Tahres von dem Zilllmerman Johan lIinrich Will heer aufgerichtet, der Halm und 
Globu
 aber von dem alten 'l'hurm, nachdem selbige ausgebeszert und von llcuern 
wohl vel'guldet worden, solleu den 9ten Odobris 1746 1 aufgesetzet werden. 
S. 14 So wie nun durch GotteA gnädige Blschützung die Arheit bis hieher glück- 
lich und olme J ernandes Verletzullg VOll statten gegangen, so wolle er auch hin- 
fiihro übel' diejeuigcn, welche bey dcr Vollendung uieser Arheit heschäfftiget 
Beyn, wachen und dieselben in seinen väterlichen Schutz nehmen. lnsonderheit 
wolle Er die FlÜgel seiner mächtigen Beschirmung übel' den zur Vergröszerung 
seiner Ehre wieder aufgerichteten 'l'hurm und dieses gantze OottesHausz in 
Onaden ausbreiten und 80lchergestalt für allerley schweln'e UngliicksFälle 
sichern, damit sein groszer N ahme dariI1ll verherlichet uud Heiu Wort bis auf 
die späteste N achkomrnen lauter und rein gelehrct und gepredigt werdeu möge. 
S. 17 Dieses wäre nun eine kurtze Nachricht von der Funuation und denen Ver- 
änderungen, welche die Kirche inHonderheit angeben. Wir welldeu lIns also zu 
den politischen merckwürdigen Begebenheiteu. nlt wir aller hievon eine aus- 
führliclle Nltchricht in denen sub Nllm: - - - _8 hiebey gelegten }iemoriaIien 
bis auf den Octobris .Monaht des 1730sten Jahres vor UUB finden, so wollen wir 
UHU dasjenige, was von den Begebenhpiten der folgenden 7;Bit (1m' Nachkommen- 
Iwhafl"t aufzuheben wiirdig hefunden wird, der Zeitordnung nach hieher8etzen. 


1) 1746. 2) 9t.o Octohrif! 1746 ergiinzt lU/ch l/."fR., Brot:t', T.hYfiliea 11. 23 S. 1i. 
S) i. O. eine Liie!,;!.
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1730-32 


der Petrikirche. 


59 


. 


1730. 
1730 den 14. Novembris reiseten Sr. Königl. Hoheit, Printz Emanuel von 
Portugal, in BegJeitung des Graffen Vigos Consalviere Ritters von Malta, sehr 
vergnügt über die hieselbst gewesene .EhrenBezeigungen I, gantz iu der StiHe von 
hier iiber Mitau nach Deutschland ab. Es hat sich zwar sonst in diesem Jahre 
weiter nichts merckwürdiges zugetragen, doch halten wirs eben nicht für gantz S. 18 
unnütze und iiberflüssig, die AllZahl derer angekommenen Schiffe, wie auch der 
Gebohrnen, Verehlicbten und Verstorbenen jährJich anzUlllercken, damit lllan 
einigermaszen die Ab- und Zunahme des Handel:! und der Einwohner daraus 
ersehen könne, ob solches gleich in den vorhin verfertigten Memorialien nicht 
aufgenommen worden. In diesem Jahre sind 410 Schiffe angekommen, in den 
beyden HauptKirchen dieser Stadt 42 Paar aufgebohten, 80 Kinder getauffet 
und in allen dreyen StadtsKirchen 192 Leichen begraben worden. 


Ao. 17iH. 
Den 18. Aug. 1731 wurde der bisherige Ohel'Commendant in der Citadelle, 
der Herr General-Major Bri1li, durch den Brigadier und Major bey der Breo- 
brazinskyschen Garde, Hcrr Levin, abgewechselt und Jetzterer von zween Herrn 
des Rahts am 20sten ejusdem in der CitadelJe hewil1kommet. 
Den 24. Decembris starb allhie im Nystädtsc.hen WittibenConvent die Wit- 
tibe Krusen gebohrne M:trtensch, welche sich im 64sten Jahre ihres Alters ver- 
heurahtet, 12 Jahre in der Ehe, 26 Jahre in hesagtem WittibenConvent gelebet 
und ihr gantzes Alter auf 102 Jahre gebracht hatte I. S 15 
Den 30sten hujus wurde in Gegenwart der Hoch W ohJgeb. ExcelJence, des 
damahligen Herl'll GeneraJ en Cheft' und Gouverneur über Lieffland de Lacy, 
in Begleitung Sr. HxcelJence des Herrn General-Lit'utenant und Vice-Gouvel'lleurn 
de Balck, des Herrn Baron und Regierllngs-R:thts von )Iengden und des Herrn 
Obristen von Boy, der von Ihro Kayser1. )Iaytt. Anna demandirte EventuaJ- 
SuccessionsEyd in der St. Petri-Kirchen, nal'h vorhergängig gehaltcner Rede 
des Herrn GeneralSuperintendenten und OberPastoris BruiJJingks von den we- 
sentlichen Stücken eines zu leistenden Eydes, abgeleget und darauf das :b'ormuJar 
von einem Jeden dem Nahmen, tJharacter und Profession nach eigenhändig 
unterschrieben s. In diesem Jahre sind 35:\ Schiffe angekoUlllJcn, in denen beyden 
Hauptkirchen der Stadt 41 Paar aufgehohten, 177 Kinder gf'tauffct und in den 
dreyen StadtsKirchcn 115 Leichen begraben worden. 


Au. 1732. 
nen 28. AVriJ, als an 1hro K:tyserl. Maytt. Cröhnungstage, hielten die bey den 
reitende griine und hlaue BiirgercoIllpagnien ihren ersten Aufzu
 mit denen, s. 1{; 
ihnen von Ihro Kayserl. )Iaytt. im abgewichenen J:tnuar ):Ionahte aJlergnädigst 
gescht'nckten Htamlartt'}J4 unter Anführung EIst. SamueI FeJlmanns, welcher zu- 
gleich ein Di)Jloma al8 wiircklicher Rittmeister erhalten, itew glst. Johaml Ko- 
nigsf'eld alsz Leutenant, EJst. Friedric,h Kuhn aJsz Cornet von der Grunen uIll1 
Friedricb Barber alsz Cornet bey der Blauen Cumpagnie, und wurden Sr. 
HocbwohJg. Exc. dem Herrn GenCl'al en (jheff und Oouvel'llt'urn de Lacy durch 
den Herrn BürgerMeister v. Schultzen und den Herrn LamlV ogt v. Vegesack 
praesentiret. 


1) B. 111 S. 51. 
4) B. 1I 401. 


I) Deli 24 DecembriB u. 8. U'. tlut'chge/Jtr.ic1te1J. 


9) B. 1I 396. 


..-...
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60 


Memorial 


1732-33 


Den 3. Sept. wurde die neuerbaute Kattelkalnsche Kirche in Gegenwart 
des Herrn Bürger :Meisters und Ober LandVogt v. SchuItzen, des Herrn Ober Vogt 
George Raes, des Herrn OberGesetzHerrn JU8t. Joh. Haltermanns, als IllI
pec- 
toris der Patrirnonialgühter, des Herrn LandVogt Gotth. v. Vegesacks, des Herrn 
LandVogts Peter v. Schievelbein, des Herrn GerichtsVogts Wulffs und des Herrn 
IJandGerichtsSecretarii Axel Hinr. llruiningk, wie auch derer beyden l'esp. 
Herren Aelterleute, von dem lIerrn GeneralSuperintendenten und OberPastore 
Bruiningk und dem Herrn Pastore zu St. .Tohannis, Caspar Elvers, nach V 01'- 
S. 19 schrifft der KirchenOrdnung 1 eingeweyhet. Der Herr GeneralSuperintendent 
und OberPastor Bruiningk hielte vor dem Altar aus dem 1. Petri 2ten Cap. 5. v. 
eine teutsche EinweyhungsRede. Nach sothaner Rede ward das Te Deum mit 
Trompeten und Paucken angestimmet, wOI'auf der Herr Pastor Elvers vor das 
Chor trat llnd eine Verm:thnullg an das V olck in lettischer Sprache hielte, nach 
tIeren Endigung der GottesDienst angefangen und gewöhnlicher Maaszen ver- 
J'ichtet ward. Der PastOl' loci Anth. Bernhoft' predigte über das Evangelium 
vom Priester und Leviten aus dem I..uca am lOten und hatte den 2a und 24 sten 
Vers des 84sten Psalms zum Exordium erwehlet. 
S. 20 Es sind in diesem Jahre 267 Schiffe angekoJllmen, in deli zwey Haupt- 
Kirchen der Stadt 43 Paar aufgebothen, 186 Kinder getaufft und in allen dreyen 
t5tadtsKirchen 107 Leichen beerdigt worden. 


. 


Ao. 1733. 
Den 25. Jan. 17aa trall'en Ihro Hochfiirstl. Durchl. Printz Anthon U1rich 
von Bewern mit Dero Suite, nemlich dem Herrn Gpheimten Raht Baron v. Knie- 
staet, dem Herrn Major Heinburg, dem Herrn J...egationsraht Roeber, dem Herrn 
Baron v. Meyendorft' und dem Herrn Doct. med. Schmidt, nachdem dieselbe vor- 
her auf der Grentze in SchuItzenKrug durch den Herrn GesetzHerrn Joh. 
Justin Haltermann bewillkommet, allhier ein und wurden sogleich von der 
gantzen hohen Generalitaet, der anwesenden Ritterschaft und dem wortfiihrendeu 
Herrn BiirgerMeistel' Johallll von Schultzeu bey Dero Qual,tier empfangen. 
Nachdem nun Dieselben seit Ihl'er Aufenthalte allhier sowohl von der hohen 
Generalitaet, als den übrigen Standespersohnen tractiret worden, traten Sie mit 
Dero vorbenandten Suite den 30. ejusdem Ihre Reise von hier nach Peters- 
burg an. 
Der den 1. Fe\H'. st. n. dieses Jahres erfolgte Tod des Königs in Pohlen Au- 
S. 21 gusti IIdi und die bevorstehende neue Königswahl schiene auch unsere bis hieher 
genoszene Ruhe zu unterbrechen, da das Interesse unsers Hotres gar sehr hierin 
mit verkniipfet war, und wir, als so nahe GrentzNachbarn von Pohlen, an allen 
den unruhigeu Bewegungen und gefährlichen Vorschlägen gar leicht Theil nehmen 
konten. J
s gingen dieserwegen nicht allein von den meisten Europaeischen 
Höffen häufige Couriel's an unsern Hoff ab, sondern es traft' auch der Pohl- 
nische Abgesandte und CrohnRegent Lipski, Starost Spisky, den 14. Martii all- 
hier ein und setzte seine Reise den 21. 
jusdem nach Petersburg fort. Von 
unserer Seite wurde hinwiederum der Graff und OberStallmeister v. Loewen- 
wolde nach Warschau abgeschicket., um daselbst als aU8zerordentlicher und 
bevollmächtigtm' ruszischer Abgesandte das lntresse dieses Hoffes bey der bevor- 
S. 22 stehenden Königswahl zu beobachten, wohin er den 3. Apr. seine Reise von 


1) Kirchen-Gt8d
 tmd Ordnung KÖ1lig Karl Xl. tI. 1686. EStR" Jllt'1Bt. Abth. 111'. 2029. 
I) B, Il 469. 


.....
>>>
733 


der Pet.rikirclle. 


(H 


. 


hier angetreten. Dieser seiner vorhabenden Unterhandlung ein desto beszere:l 
Gewichte zu geben, waren bereit::! vorhin einige Trouppen unter dem Com- 
mando des Herrn General en Chef}' und Gouverneurn de LaQY, welcher den 
14. Febr. von hier zur Armee ging, hiedurcb naeh der Grentze marcbiret 1 . 
Den 18. Martii wurde die allhier neuerbante Reformirte Kirche, wozu 1727 
den 17. Aug. der er8te GrundStein geleget worden, in sehr volckreicber Ver- 
samlung und in Gegenwart des Herrn ViceGouverneuren und Ritters Balck, 
des Herrn GeneralLieut. Le Fort, des Herrn Gen.Maj. Biron, des Herrn 
Gen.!lIaj. und LandRahts v. Campenhausen, wie auch des Wortführenden Herrn 
BürgerMeisters v. SchuItzen, des Herrn OberCämmerHerrn Berens, des Herrn 
OberBauHerrn Zimmermanns und des Herrn OherSecretarii Brockhausens, als 
Deputirte Es. WohlEdien Rahts durch den bey dieser Gemeine bestellten Pre- S. 23 
diger, Herrn Joh. Hinr. Thorwart, naehdem er vorher den BürgerEyd unter- 
schrieben hatte, mit einer InaugurationsPredigt eingeweybet. Der Introitus aus 
dem 18ten Cap. Jeremiae und der Text aus dem 14ten Vers des 8ten Cap. 
Jesaiae wurden sehr erbaulich ausgeffIhret und der Beschlusz des gantzen 
GottesDienstes mit Anstimmung des Te Beum gemachet 2. Da nun durch des 
Höchsten Gnade und die wachsame Vorsorge der Obrigkeit die Kirchen in der 
Stadt wiederhergestellet, so war man auch bereits, auf inständiges Anhalten 
der vorstädtschen Gemeine, bedacht gewesen, die J esusKirche in der Vorstadt 
wieder aufzubauen. Die Besorgung deszeihen wurde den 2
. Nov. 1728 dem 
damahligen M:unsterHerrn Adam Hinrich Schwartz aufgetragen S und der wilrc,kliche 
Anfang damit in dem nachfolgenden Jahre gemacht. Ba konte aber dieser 
Bau wegen der geringen Mitteln der Kirche, ohngeachtet das Publicum mög- 
lichen Zuschub gethan, auch der vierte Thei! der FloszBrückenEinkiinffte auf 
Abschlag der am StadtsKasten habenden Forderung der JesusKirchen zuge- 
8tanden worden, nicht eher, als 1733 vollkommen zu Stande gebracht werden 4. 
Worauf denn E. WohlEdler Raht den 29. April jetzt bemcldten Jahres, als am S. 2!i 
Sontage Rogate, zur Einweyhung dieser Kirche festgesetzet und dem Herrn 
BürgerMeister Wiedau als OberLandVogt, deneu beyden Herren LandVögten 
Andreas Gothan und Peter von Schievelbein, wie auch dem Herrn Inspectori 
Hinrichs nebst Herrn Secretair Bruiningk, dem InaugurationsActui beyzuwohnen, 
aufgetragen. Diesel' Actus wurde durch den Herrn GeneralSuperintendenten 
und OherPastor Bruiningk in Gegenwart vorerwehnter Herren und beyder 
Gülde Aelterleute mit eben denselben bey der Kattelkalnschen Kirche ange- 
merckten Umständen vollzogen. Der wohlgedachte Herr GeneralSuperintendent 
hatte den Text zu seiner Rede aus dem !sten Buch Mosis 17. und 19. Vers 
genommen und der bey diesel' Kirchen bestellte Prediger, Herr Johallll Schmidt, 
welcher übel' das ordinaire Evangelium predigte, hatte den 22. bis 24. Vers 
des lOten Cap. Johannis zum Bingang und den 23 und 24sten Vers des 84. S. 26 
Psalms zur V on'ede erwehlet. 
nen 11. July wurde das durch Ihro Ka}'serl. l\Iaj. allerhöchsten Gnade 
hergestellte Lycaeum 5 aurch den Herrn GeneralSuperintendent und des Ober- 
Consistorii Praesidem Bruiningk eingeweyhet, wozu der bey dieser Schule 
ernante Rector, Herr Johan Loder, alle und jede StandesPersohnen in einem 


1) B, II 479. i) B. III Abtrif. 1, 9b. S) Vgl. RP. v. 29. Nov. 1728 Ufld 
9. Mai 1729, PI. B. 97 S. 25 f u. 300. 4) B. ]I 435. Die EinweillUng fand statt (mI 
29. April 1733. Vgl. RP. v. 29. April 1733, PI. B. 104 S. 20. 5) Das Patentübe-r die 
Wiederer6ff'lltmg wurde Q1II 18. Juni itll Rat t.erlesen. RP. tJ. 18. JU11i 1733, PI. B. 104 
S. 105.
>>>
62 


Memorial 


1733- -34 


lateinischen Programmate eingeladen hittte. Bcy dieser Gelegcnheit hielte dm' 
Hcrr Conrector Schrot eine Oration zur Anhelll111g der SchulArbeit und zeigte, 
was dahey sonderlich zu beobachtcn sey; Christoph Richter aber, ein Lieffländ- 
scher von Adel, welcher dic Schule frequentirte, p1'eiste oie in grrichtung 
dieser S('hule hezeigte allerhöchste Kityserliche Gnade 1. 
In diesem .Jahre sind 317 Schiffe angekommen, in dcn beyden Stadts- 
Kirchen 49 Paar aufg-ebohten, 184 Kimler getaufft und in allen (hey Stadts- 
Kirchen 122 Leichen beerdiget worden. 


S. 27 Ao. 1734. 
Den 14. l\fartii wurde allhier cine grausame Mordthat an einer Ji'ldin und 
ihrem Knechte von zweyen KauffGesellen, Christoph Kesler und Bergler, einem 
alten Weihe Hammersche und einer Magd Barbara Lappe in der vorgedachten 
Hammerschen Hause aus er der meichPforte veri'lhet. Die Complices facti 
wurden insgesamt gefänglich eingezogen. nie folgende Nacht darauf erhing 
sich vorgedachter Kesler mit seinem eigenen Hemde an das Gegitter in dem 
Gefangnisze auf dem RahtHause und wurde den N ach)littag drauf durch die 
8chinderK.nechte zur Stadt hinausgeschleiffet, der abgehauene Kopft. vor dem 
RauensThor auf einen Pfahl gestecket und (ler Rumpft' nehen dem Galgen auf 
das Rad geflochten. Den 20. .Tuny wurde an den iibrigen dreyen Persohnen 
die Execution vollstreck,t und die 
Iagd nebst dem Bergler decolliret, die 
Hammersche aber mit dem Rade von oben herab hingerichtet und beyder 
S.2R letztern Cörper aufs Rad geleget. 
Den 30. ejllsdem ging der Pohlnische und Sächsische "':nvoye le Fort hie- 
durch nach St. Petersburg 2. 
Den 18ten July wurde wegen des gliicklic
en Fortganges Ihr. Kays. Maytt. 
unÜberwindlichen Waffen in Pohlen und der Ühergahe von Dantzig ein feyer- 
liches HankFest begangen. 
Den 4. Aug. wurde der Ueneral-Lieutenant und neuernandte Vice-Uouver- 
neur Hochmutll S durch den Herrn BürgerMeister lind OberLandVogt v. Schultzen, 
deu Herrn LandVogt v. 8chievelbein und den Herrn 8ecretair von Dreiling 
bei der N euerMÜhlschen Brücke iu einem mit 6 Pferden bespanten Stadts- 
Wagen eingeholet und von dem Wortfiihrenden Herrn BürgerMeister Wiedau, 
dem Herrn OberAmbtsHerrn Schwartz und heeden resp. Herren Aelterleuten 
in der Stadt bey seinem Quartier im Danuenstel'llschen Hause bewillkommet. 
Worauf den 19. Aug. Sr. Excellence der Herr GeneralLieutenant und vorige Herr 
ViceGouverneur Feodor Balck iu der Stille von hier nach 1\loscau abgereiset. 
.':1. 29 Den 2G. Aug. langten die zur unterthäuigst - fuszfälligsteu Abhitte nach 
8t. Petersburg Abgeordnete der Stadt Dautzig allhier an und wurden durch den 
Herrn MunsterHerrn v. Vegesack und den Herrn GerichtsVogt WuHr nebst dem 
Herrn HoffGerichtsSecretair v. Dreiling im Nahmen Es. W oblE. Rahts bewill- 
kommet. Deu 29. ejusdem setzten sie ihre Reyse nach 8t. Petersburg fort. 
Den 22. Sel'tembris feyerte Johanu Sal'llau EIst. der kleinen Gilde mit seiner 
Frauen Anna Ooescher nach f,ojährigem EheStande zeinen HochzeitsTag zum 
andernmahl, dariiber folgendes Chronodistichon von dem wohlseeligen Herrn 
OberAmtsHerl'll Joh. Justin Haltermann gemacht worden: 
LUstra tUos eu! RIga, toros bIs qVInqVe restaUrant 
Res DUro seCLo rara, perennIs aMor'. 
1) Geschichte des Lycew1tls B. n 345. i) Dell 30. 'U. s. 
C. dunngcBt1'i,chett. S) B. 11497. 
') Die groBBen Bw'hstabt!'lt alB 1'ömiH("he Zahlen geleBen ergeben als Summe: 1734, 


..
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1734-36 


der Petrikirche. 


6.1 


Den 11. Sept. ret,ollrnirte der Herr GraD' und OherStallMeister Y. I.oewen- 
wulde aus Pohlen. So kamen auch Hr. Bxcellence der Herr G-eneraIFeldMar- 
Bchall Graff v. MUlUlich nach gliicklich geendigter Campagne von Dantzig allhier 
an und reisete des andern Tages nach St. Petersburg ah. 
Es sind in diesem Jahre 319 Schiffe eingekommen, in den zweyen Haupt- S. 3(J 
Kirchen 4ti Paar allfgehohten, 130 Kinder gf'tanfft umI in allen dreyen Stadts- 
kirchen lRO Leichen begraben worden. 


Ao. 1735. 
Den 28. May retournirten die Abgeordnete der Stadt Dantzig von Peters- 
burg und setzten ihre Reise den 5ten Juny von hier weiter fort. 
Im July Monahte fing man an, den sogenanten Riesing zn £lilIen t, weil 
selbiger sowohl denen Hernmwohnenden des vielen Um'ahts wegen einen uner- 
träglichen Hestanck und sonsten allerley lnconvenientien verursachte, als auch 
den Abflusz des Waszers hinderte. Zu desto beszerer Abfiihrnng des Schlammes 
und Waszers wurde ein verdeckter Canal von des Herrn CämmerHerrn Schicks 
Hausze unweit der Baracken RUIHIel his an die KalckBriicke gefiihret und mit 
Schlamkasten versehen. 
Der Sommer ist in diesem Jahre so auszerurdentlich schOn gewesen, dasz 
es mit Recht hier angemercket zu werden verdienet, indem im Augusti Monaht ..,. 31 
sowohl die kleinen rohten, als auch die weiszen und Province Rosen von 
ncuem zu hliihen angefangen, auch einige ApfellBäume zum zweyten Mahle 
ausgeschlagen. 
Im Augusti und Septembris Monath wurde die grosze Wage am Marckt 
repariret und zu desto mehrerer Bequemlichkeit und Räume, damit man das 
Hadstuhen Guht beszer laszen könte, umb 2 Stockwerck erhöhet, wozu die 
Boden von dem PackHause genommen worden. 
Den 28. Septembris wurden die neuerwählte RahtMänner, der Herr Ober- 
Secretair Brockhausen und der Herr Aeltermann Valentin Grave öffentlich von 
dem Löwen proclamiret und den 10. Octobris fIel' HAlT OherV ogt George Raes 
zur Burgerl\IeisterWiirde erhoben. 
In diesem Jahre sind 415 Schifle angekommen, in den zweyen Haupt- 
Kirchen 56 Paar aufgebohten, 194 Kinder getauffet und in allen drf'yen Stadt- 
Kirchen 106 Leichen heerdiget worden. 


Ao. 1736. 
Nachdem 1hro Kayserl. Maytt. Anna Iwannowna vermittelst einer eigen- 
händig unterschriebenen Ordre vom 25. Nov. des abgewichenen Jahres aus S. 32 
allerhöchster Kays. Huld und Gnade diesel' Stadt ] 101m Rthl. zur Aufnahme 
des verfallenen Handels als ein Darlehn vorgestrecket I mit der Bedingung, dasz 
jährlich von df'm Capital 10000 Rthl. olme Renten abgetragen und bis zur 
völligen Abzahlung die gantze Stadt nnd alle drey Stände davor hamen solten, 
so wurde auf eingegangenen hohen 13efehl die im Nahmen der dreyen Stände 
abgefaszte VerbindungsSchrifl't iilJer vorgedachte Summe den 30. Januar S 173(j4 
dem Herrn GeneralDirecteurn v. Yölckersahm zur weit.ern Beförderung ein- 
gerichtet. Zu dest.o mehrer Sicherheit. \lnd ordentlicherer Disposition dieser 
Gelder, uud damit die allergnädigste Intention ]hro Kays. Maytt.. desto füg- 
lieber erreichet werden möchte, wurden drey lIerrn aus dem Raht, als der Herr 


') B. II 532. 


11) B. II 548. 557. 


S) i. U.: 14 Juni. 


4) B. n 559. 551, 1. 


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64 


Memorial 


1736 


Lal1l1V ugt Gutban ald Pmedes, tIer lIerr WaysenHen Hinriehd und der Herr 
8. :I.'J LandVogt WuHr, von Seiten der Bit. Danck Groder Giilue Caspar Gerngrosz, 
Arenu Derend und Jacoh Ebel, von Reiten der GroszGiildl:lchen Biirgerschafrt 
Peter Frieurich Kröger, Hinrich Thieringk lIud Christoph Nedderhoff zu Dis- 
ponenten dieser Gelder Cl'nennet. Zu diesem Ende wurde ihnen sowohl, als 
dem dazu hestellten Buchhalter üher die den 8. .Tau. a. e. approhil'te lnstruction l 
der Eyd ahgenommen. 
Den 24. Jan. gegen Abend starh der Herr GeneralSuperintendent und 
hiesiger OherPastor Hiuricll llruiningk 2 und wurde den 30. 
jusdeU1 Nach- 
Mittags in der Dohm-Kirchen zu Erden he:'ltattet. Auf dem Sarge lag uehm1 
der lliehel uud dem vergiildeten Crucifix ein Bischoffs-Hut. Die Leiche wurde 
von 8 landschen Predigel'll uuter V ortretung des Herrn Praepositi Jac. Benj. 
Fischers in der Kirchen zu Gmhe getragen. Her Herr Pastor 1\L Harth. Depkill 
hatte zum 1'ext seiner IJeiehenPredigt den 21. Y. des 25stell Cap. 1\Iath. 
erwählet. 
Den 26. Fehl'. kam der Herr OherWettIIerr l\Ielch. v. Caspari, welcher seit 
Ao. 1725 die Stadt:'lAngelegenheiten hey uusern Hoffe besorget. aus St. Petel's- 
hurg wiederum gliicklich zuriick 8. . 
S :14 In der Nacht zwischen den W. nnd 17. April entstand auf der Vorhurg 
unweit Ihro Kays. Maytt. Harten ein hefftiges Feur, welches in wenig Stunden 
bey 100 Häuser einäscherte. Man war eben noch bemÜhet, alle mögliche An- 
stalten zu gewiszerer Ahbeugung fernern FeuerSehadens zu treffen, als schon 
den 8 ten Mayahermahl auf der amlel'll Seite dm' Vorstadt, die Lastadie 
genant, in der groszen Gasze morgeus um 10 Uhr ein groszes Feuer ausbrach, 
so aller Cl'sinnlichen Anstalten olmgeachtet nicht eher als KachMittags um 2 UIll' 
gedämpfet werden konte, und wodurch H4 Häuser bis auf den Grund verzehret 
und viele Menschen in die äuszcrste Armuht gestiirtzet, und die gantze Stadt 
wegen der in der Nähe belegeneIl Strusen und derer haüffig ausgeladenen 
Rauch W aaren der gröszesten Gefahr ausgesetzet worden. Um nun dergleicheu 
schwehren Unglücken kiinfftighin soviel möglich vorzubeugen, wurde denen 
sämtlichen Binwohnern dCl' Vorstadt durch eine Intimation 4 bey nachdriicklicher 
S, 95 Strafte angedeutet, dasz ein jeglicher sich von nun an mit 2 Spännen, Leitern 
und einem }'asze mit W.\szer versehen solle, zugleich auch anhefohlen, dasz 
hinführo die Häuser mit guten Schorsteinen, gehörigen BrandMauren und tiich- 
tigen Oeffen versehen, die Häuser auf der IJastadie in der groszen Gasze nicht 
anders, als mit DachZiegeln bedecket werden sollen. Damit man aber im Fall 
der Noht, und wenn dieses nicht zureichen wollte, die benöhtigte Instrumenten 
sogleich bey der Hand haben könte, so wurde eine hinlängliche Anzahl Eymer, 
HandSpritzen, FeuerHacken, ßrand-Leiter, Wägen, Fäszer etc. fördersamst an- 
zuschaffen und an bequemen Oertern iu der Vorstadt aufzuhehen beliebet. 
Selhigen Tages um 1 Uhr verschied allhie Sr. Exc. der Herr General- 
Lieutenant, Vice-Gouverneur und Ritter von St. Alexander-Orden Carl Hochmuht 5 
und wurde den 18. hujus unter einem ansehnlichen Gefolge in der St. Jaeobi- 
Kirchen Standes mäszig heerdiget. 
S. 36 Den 10. Juny wurde ein Sieges- und Danck-Fest wegen glücklicher Er- 
oberung der Pel'ecopischen Linie und der siegreichen Progressen der ruszischen 
Waffen gehalten. 


1) B. J[ 558. 11) B. II 5815. 
4) v. 14. Mai 1736. B. 11 !J70. 
71. 


8) B. II 5f:16. B. IJ I Abteil. 3, H. 
11) B. II /572.
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1736-38 


Iter Petrikirclle. 


61) 


Den 15. Juny langt(' der Herr General-Major und Ritter des weiszen Adler- 
Ordens Lud. Aug. v. Bismarck als Yice-Gouverneur 1 aus Cuhrland allhie an 
und wurde von zween Herrn des Rahts in dem Dannensternschen Hause 
hewillkommet. 
Hen 11. July wurde wegen der glücklichen Eroberung der Stadt Asoff 
abermahl ein Dallekfest gehalten, dahey die Canoncll vou den Wällen 3 mahl 
um die Stadt unll Citadelle alJgelö8ct, inzwischen mit allen Glocken geläutet 
und sowohl auf dcm Raht- als SchwartzenHäupter IIausze beständig musiciret. 
Den 23 und 2tistcll Septembris Imt der Herr Graff Nie. IJudw. v. Zinsen- 
u01'fl', welcher der Herreuhutischen Sec te wegen so sehr hekandt ist, in der 
.Jacobikirchen geprediget t. 
In diesem verfioszencn Jahre Mind 431 Schiffe eingekommen, in den beyden 
Haul'tKirchen 44 Paare aufgehohten. 186 Kinder gehohren und in a11en dreyen 
StadtsKirchen 123 I,eid1Pn begraben worden. 


S. .'J7 


Ao. 1737. 
Jm Febr. Monahte wurde von der Ritterschafl't ein LandTag gehalten. 
1m April 
lonahte grassirte a11hie eine epidemische Kranckheit, welche mit 
Koptf-Weh, Kreutz- und Seiten-Stechen sich anfing und wovon fast kein Haus 
in der gantzen Stadt hefi.'eyet wal', doch hiplte selhige nur wenip;e Tage an und 
zog eben keine betriihte T!'olgen nach sich. 
IJs ist fast in allen fJändern und an den meisten Orten gebräuchlich, jährlich 
gewisze Busz- und Bet-Tage zu halten. Dahero wurde von It Erl. Kays. General- 
Gouvcrnement" weil es auch hier unter S{'hwedischer Herrschaft so gehalten 
worden und weil J111'0 Kays. Maytt. damahls mit dem Erhf(imle d('r Christenheit 
in Krieg verwickelt waren, durch das gantze Reich puhliciret und hefohlen, 
rlergleichell Busz- und BetTage anzustellen, weswegen denn den 17. .Juny allhier 
und in gantz IJit'flann der erste Husz-, Bct- und Fast-Tag unter Ruszisch- 
kayserlicher Regierung gehalten 'nu'de s . Der grulldgiitige Gott liesz sich auch 
unser Flehen uml Beten in Gnaden gefil.Jlt'n und segnete die Ruszischell Waffen 
nergestalt, dasz Wil' bereits. 
den 19. Aug. in aUen Kirchen wegen EinnehlUung der Festung Oczacow 
und des dabey erfochtenen vortreft'lichell Sieges ein feyerliches Danckff"st zu 
hegehn Ursache hatten. 
Den 25. Sept. sind der Herr 8ecretair Hilll'. Bewehrt und der Herr Aelter- 
mann Friedr. Schiff hausen im Rahte erkohren und abgeruffen worden. 
In dem zuriirkgelegten Jahre sind 485 Schiffe eingekommf"n, 58 Paar auf- 
gebohten, 201 Kinrler getauft't und 128 Menschen gestorben. 


S.38 


Ao. 1738. 
Den 29. Januarii wurden Sr. IJxc. der GeneralFeldMarschall und hiesiger 
Gouverneur de Lacy, welcher von der Türckischen Campagne über Petersburg 
retournirte, von dem Herrn Biirgerl\Ieister und OberLandVogt Wiedau, dem 
Herrn LandVogt \'. Schievelbf"in und dem Herrn Secretair Stoever bey Neuer- 
l\Iiihlen empfaugen, bey Dero Ankuntrt sowohl von den Wällen der Stadt, als 
der Citadelle mit 31 Schüszen hegriiszet und vor der Citadelle von dem Herrn 
General-Lieutenant v. ßismarck vor 2 Regimenter zu Fusz und 1 Compagnie 
Cuiras!3ier mit allen militarischen J
hren-Bezeigungen entgegengenommen, von 


1) B. Il 572- 
Abte'il. 4 .nr, 21. 


t) lIell 23 und 26 "tell u. 11. -Wo dUI't'/igI'HII'idlf'lI. 


. S) B. ITI 


5
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1i6 


Memorial 


1738-39 


wannen Sie durch die Citadelle naeh dem Sehlosze lJe
leiü:.t wurden. N:tchdelLl 
DieseIhen sich allhier einige 'l'a
e ansgcl'Ilhpt, reiseteIl Sie dpu a. FeIn'. wipdernlll 
von hi('r nach der Armee ab, von wannen die prf'l'cllliehe X:tchricht vou dei' 
ErohPl'lIug der Vestllug Perpcop und I/£'s an dem Flu87.e Radiva iiher die 
'l'iircken erhaltenen herrlichen Sieges einlieft', woriiher den 1. Aug. dem 
S. .'J9 Allmächtigen Gott der Herrschaaren in allen Kirchen gedaul'ket, das 'fe DeulIl 
laudanms ahgesungml und nach gepndigtem Oottesdiem;te dreymahl IIlU die Stadt 
gefeuret wU1'l1e. Ja es wurden die Rllszisch-kayserlichen Waft'en dllrch deu 
kräft'tigen Beystand dps, der dpr Oerechtel1 Sl'hutz lind Hiilffe ist, dergestalt 
siegreich gpmacht, dasz wir bereits den 17. des folgelHlpll l\[ onahts ahermahls 
ein Sieges- lind Danck-Fest wegen des aID Ji'lusze Bieloks sowohl, als am Flus7.e 
Savrau iiher dip feindliche Armee erfochtenen dllppeltt!n Sieges mit £1('11 
gewöbnlichen Solennitaeten feyreten. 
Bs sind in diesem abgewicheuen ,fahre 4f4 Schifl'e angekonnu('n, 71i Paal' 
copuliret. 231 Kinder gebühren, 118 Menscheu heerdiget worden. 


Ao. 1739. 
Den 30. Martii Abends brannte iu der Y orstadt. IJe)"m BleichThor des 
J.ieffländiBchpn Regiments IJazaretbHalls bis auf das Lager ab, wobey doch der 
getroffenen guten Anstalten wegen weiter kein Scbade entstanden. Die darin 
befimllicbe 80 Krancke wurden des folgenden Tages hey Privatleuten in dpI' 
Vorstadt vertheilet. 
S. 40 Den 17. Septembris ist wegen der JJI'oherung der Vestllng Cbozim und des 
herrlichen Sieges iiber die Tiircken ein feyerIiehes DancK rest angpstellet und 

11 Canonen dreymahl um die Stadt aLgebrandt worden. Die umständliche 
Beschreibung von diesem Siege war ein gantz unverwerffliches Zeugnisz, dasz 
die aUerweiseste V orsehung die Hand mit im Spiel hatte. Und man wurde 
davon noch mehr iiberführet, als wir schon d('u löten des necbst drauf kom- 
menden :Mouahts wiederum durch die Nachricht von der Unterwerfung des 
Fiirstenthums Moldau und Jassi ein DauckfeRt auf gleiche Art wie am 17. pass., 
zu begehen Gelegenheit bekamen. 
Den 22. 
iusdem entstand ein so hefrtiger Sturmwind aus Nord-Nord-Ost, 
dasz nicht allein bey der Stadt die FloRz-Bri'lcke losgeriszen und aufs IJand 
geRetzet worden, sondern auch unten in der Boldera 2 Schiffe gestrandet und 
8 Persohnen auf einer Brigantine ertruncken. 
S, 4/ Den 29. Novembris wurde der Frant7.ösische Ambassadeur, Marquis de la 
Chetardie, auf ausdriicklicben Befehl ]hro Kayserl. l\faytt. mit folgenden So- 
leunitaeten empfangen. "r eil die Duna wegen des weichen 'Yetters gefährlich 
zu passiren wal', so erwarteten die Herren Deputirte der Stadt, der Herr Ober- 
AmtslIerr v. Vegesack unu £1£'1' IIm'r Secretair \Iolst, n('1I8t deu beyden 
reitenden Biirger-Compagnien zur Hechten des aufgesteUtcn Cuirassier-Corps, 
SI'. Exc. am Bollwercke. Sobaltl Hiese1hen angelangpt, wurden sie durch dml 
Herru Major ,V oyekoff im Nahmen des Herrn Gouverneul'll und sodanIl durch 
den Herrn Secr. Holst im Nahmen der Stadt complimcntirct unel in SI'. Exc. 
des IJerm Gouvernellru '" agpu 7.U steigen g('nöhtiget. Während der Zeit waren 
(1ie heyden Biirger-Compagnien his an das Si'mder'J'hor augeriicket und Retzten 
ihreu Zug weiter durch die SiinderStrasze his an des Herrn Ambassadeurs 
Quartier fort. Gleich hinter den HiirgerCompagnien f()lgte der Wagen mit dem 
Herrn Ambassadeur, sodann tlie heycJen Stadt-\Vageu mit lien Herren Cavalicrs 
S 42 und Abgeordneten des Magistrats. Hierauf kaIll ein Corps Cuirassier und
>>>
1739-40 


(ler Petrikircbe. 


67 


eiuige Grf'uadier-Compagllieu heschloszen uen gantzen Zug, da llnterdeszeu 
hesHilldig VOll den "'äIlpu gefeuret wurde. ]n 111'1'0 Quartier wurden Sr. Exc. 
nochmahlen von dem Herrn ]mrgerMeister Y. SchuItzen, dem Herru Gerichts- 
Vogt Jh'ockhausen und dem Herrn SeCl'et. Anureae, wie auch deu heeden resp. 
Hf'lTen Af'lterleutt'1I zu Hero gli'lcklicheu Allkullfl't gratulil'et. Den vierdtell 
Tag dal"aufl', als deli :t necembris reiste der Herr Ambassaueur ohne Oefolg 
ans der Stadt. um I wurden von vorbenandtell Del'utirtcll des Rahts vor dem 
Rauns'l'hor, woselhst die heedp Bürger-Compagnicn ZII Pferde paradirteu, zum 
Abschiede c01ll1'limentiret. 
In diesem \'erfloszen('Il Jahre sind 522 Schifl'e eingekommen, f):J Paar 
copuliret, 221 Kinder gebohren und 129 Leichen beerdiget worden. 


kl
 S
 
nen 5. 
\[artii wurdt' durch den anherogesandten FriedensBohten, Herrn 
Capit. von der Leibgarde Cad l\[agnus von Loewenwolde, der mit unseru 
Hoffe lind der ottomanuischell PfÖrte geschloszene hÜchst vortheilhafl'te und 
gloriellse Fl'iede mit folgenden Solennitaeten prodamirett. Naclu]em wohl- 
gedachter Herr Capitaiu in der Citadelle und dm' UitterschafftsKirche den 
ll'rieden publiciret und UIII 10 Uhr mit dem Cantze1listen df'r Kars. Regierung, 
Herrn WÜrffel, beyrn Raht-Hause eingetroffen, wurde derselIJe VOll 2 Herren 
des Rahts unten !Jer dN' 'rreppe empfangen, in die gl'osze RahtsStube, allwu 
der gantze Raht nebst den Herren Secretairen und resp. Herren Aelterleuten 
versamlet, introdul'i,"pt lind auf einen rohtsamten Puh;ter unter Ihro Kays. Maytt. 
Bildni
z hinter dl'm Tische zu sitzen gt'uöhtiget. '" orauf wohlgedachter Herr 
Fl'iedells-llohte nach einer kleinen Weile f1enell gegellwärtigen Herren die 
IT rsaehe seiner Aukunfl't stehends hekandt machte und das dieserwegen einge- 
gangene Manifest durch den Herrn Wi"trffel verlesen liesz. Der Herr Bürger- 8. 44 
Meister v. Wiedau stattete hierauf für die von ]hro Kays. l\Iaytt. hietlurch 
hewiesene Huld und Gnade in einer IJi.'1ndigen uud zierlichen Rede im Nahmen 
der Stadt den aBerunterthäuigsten Danck ab. \V ornechst vorgedachter lIen 
:FriedensBohtp in die Cämmerey genöhtiget, mit aBerley Erfrischuugen bewirthet 
und nach einer Stunde auf gleiehe Art wie er empfangen, wieder vom Raht- 
haui!e herunterbeglpitet ward. KachMittage wurde vom offterwehnten Herrn 
FriedensBohten der getrofl"ene Friede unter llegleihmg beyder Bi"1rger-Com- 
pagnien zu Pferde in allen Straszen der Stadt und Vorstädte unter Paucken- 
und TrompetenSehall publiciI'et und das berÜhrte 
[anifest abgelesen. Den 
folgenden Tag darauf wurde ein solennes Danekfest dieserwegen in allen Stadts- 
Kirchen angesteBet und iiher den 6. uud 7. v. .Tesaiae 45 geprediget. :Nach 
geendigtem Gottesdienst wurde dem Herrn General eu Cheff und Gouverneur S. 45 
v. Bismarck auf del' Duna vor denen paradirentlen Regimentern unter Abfeu- 
rung der Vanonen von den Wällen im Nahmen der Stadt der schuldigstf' 
Glf1clnvunsch abgestattet. Den Abend waren sowohl bey Ihro Kays. Maytt. 
Palais, als auch heym RahtHause kostbare und wohlausgesonnene Illuminations- 
Geriiste aufgefiihret lI1ul aBe Fenstern der Stadt mit Lichtern uud siunreichen 
Bildern gezieret zu sehen. Den 12. eju:dem wurde der Herr Oardecapitain 
nebst Sr. Exc. dem Hprrll General und Gouverneur v. llismarck und andern 
StandesPm'sohnen von der Stadt auf dem RahtHause zu Mittage unter Auf- 


1) Ygt. UR. v. 1. März 1'i40 1/. ('(ll/Ieml-ia B. 20 P. t,'. 1.-6. Jliirz 1i4fJ. Weitere Be- 
scJ,reibungm der Feierlichkeitm ALR., Relfitlierd.iarium von 1740 m'. 83 Vol. YI, 11. RGA. MB. 91. 
6*
>>>
t)
 


Memorial 


1740 


führung einer schönen Musique herrlich bewirthet und dew3elbigen Abend daH 
RahtIIaus und die Hänser der Stadt noch mahls illuminiret. Zu desto mercklicher 
Bezeugung ihrer lebhafften Freude iiber diese gliickliche Begebenheit wurde 
dem Herrn Friedensßohten ein stattliches Present beym Abschiede gemacht, 
welcher kurtz darauf über die vielfaltig genoszene Hütrlichkeit höchst vergnügt 
von hier nach St. Petersburg ahreisete. 
8. 471 Den 1r). Martii langte unser hoch verordneter Herr GeneralGouverneur und 
FeldMarschall Graft" v. Lacy gantz in der Stille des A hends allhier an I. 
Den 9ten April wurde vermittelst Rescripts vorn 2ten hujus bekandt 
gemacht, dasz ]hro Kays. Maytt. aus allerhöchster Gnade den Herrn General 
en Cheff von Bismarck zum Gouverneurn dieser Stadt el'llf'nnet hätten s, wozu 
OieseIben von dem W ortf. Herrn BürgerMeister gratuliret wurden. 
Den 15 ten April :Mittags fing das Eisz in der Duna an zu brechen und 
ging ohne einigen Schaden zu verursachen Gott lob! gliicklich aus, ob man 
gleich einen schwehren 
Jiszgang zu befiirchten grosze Ursache hatte. ]
s fing 
sich nemlich der Winter den 14. Octobr. 1739 4 mit einer hefftigen Kälte an und 
dauerte bisz den 14. April 1740 4 . Die Kälte war so auszerordentlich starck, dasz 
S. 48 es was gemeines wurde, Vögel aus der Lufl't todt zur Erden niederfallen zu 
sehen, Bauren auf ihren Fuhren auf dem Wege erfrohren und Wachten auf 
ihren Posten erstarret zu finden. Die Gärten erlitten sämtlich durch diese 
strenge und friihzeitige Kälte einen dermaaszen groszen Schaden, dasz in 
manchen fast gar kein fruchttragender Baum nachgeblieben, auch sogar die wil- 
den Stämme Leschädiget worden. Die Lufft war von dieser hefftigen Kälte der- 
gestalt verdicket, dasz vielen Menschen im Gehen der Athem versetzet wurde. 
Den 6. Juny verbrandte eine Schwedische Fregatte auf der Rehde. 
Den 22. Aug, wurde der Printzeszin von Braunschweig-Liineburg, Anna, 
Niederkunfft mit einem Printzeu durch den Herrn Capitain Fernoff auf dem 
RahtIIause hekandt gemacht, und den 26. 
jusdem ein Banckfest darüber 
gehalten worden 5. 
Den 28. Septbr. wurde der Herr OherSecretair Herbert v. Ulrichen und 
Elt. Röttger Becker als neuernanute Herren des Rahts vom Löwen abgeruffen. 
Der 17. Octobris ward in der St. Petrikirchen in Gegenwart des Herrn 
GeneralFeldMarschalls und GeneralGouverneurn Graft" v. Lacy, wie auch des 
Herrn General en Cheff uud Gouverneurn v. Bismarck dem Groszfürsten 
S. 4fl Johann, als ernandten Successor des Ruszisch-Kayserlichen Trohnes, und den 
'27. 
jusdem als würcklich proclaulirten Kayser des Ruszischen Reiches uuter 
dem Nahmen Johannis 111., wie auch dem von ]hro Kays. :Maytt. Anna lwanowna 
höchstseeligsten Andeuckens ernaIllIten Regenten, dem Hertzog von Cuhrland, 
Ernst Johann von allen Ständen dieser Stadt die Huldigung abgeleget G. 7. 
Da wir durch den den 17. Oetohris erfolgten tödtIichen Hintritt ]hro 
Kays. Maytt. Anna Iwanowna eine höchst kluge, gerechte und Grosze Kayserin, 
eine allergnädigste LandesMutter uud mächtigste Beförderill unserer gemeinen 
Wohlfahrt verlohren und durch diesen unschätzbaren V erlu
t in die tieff8te und 


1) S. 46 ist nicht besch,'ieben. . 11) B. II 681. S) B. 1I 684. 4) Tag, 
Monat und Jah,. ergän.zt nach BStR., B1'Otze, Livonica 25 (2287), "'0 diese Stelle t'on G. v. 
Vegesacks jun. Hand lautet: Es fing sich nebmlich der "'inter mit einer so llefftigen Kälte an, 
dasz die DunR bereits den 14. Octobr. 1739 zulegte, welche dann auch ununterbrochen so 
zugefroren gehlieben bis Rn den 14-. Aprill 174-0, dnf!z es also g-untzer 6 Monahte festgestanden. 
b) Den 22. Aug. u. 8. w. durchge811-ichen. I,) Den 17. Octobrifj u. 8. IV. ll1t1'chgcstrichen. 
T) B. Il 699. 700. 703.
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1740-41 


der Petrikirche. 


69 


schmertzhaffteste Betriibnisz gestürtzet worden, so wurde den 2. Novembris, 
zur Bezeugung unserer allerunterthänigsten und unveränderlichen Ehrfurcht und 
Veneration vor Allt'l"höchst Deroselben geheiligte Persohn mit allen Glocken 
zu läuten angefangen und damit 6 WoC'hen continuiret, die Trauer aber nach 
der pllblicirten Trauer-Ordnung den 18. hujus angelegetl. Ehe man aber hiemit 
allhier den Anfang machte, so traten bereits den 8 ten Nov. die zur Abstattung 
der allerunterthälligsten Condolence und Beywohnung der Exequien Ihro Kays. 
}faytt. ernandte resp. Herrn Deputirte der Stadt, nemlich der Herr Bilrger- 
}[eister George Berem
, der Herr OberVogt Adam Hinr. Schwartz, der Herr 
LandV ogteiGerichts
ecretair Joh. Val. Holst, 

It. George Gottfr. Brockhausen 
als p. t. Aeltermann der Groszen WUde und .Joh. Christian Kleeberg, EIt. und S. 50 
p. t. Aeltermann der kleinen Gülde, ihre Reise nach St. Petersburg an 2. 
Sie waren noch nicht daselhst an gelanget, als sie schon unterweges die Zei- 
tung höden, dasz der vorige Regent Biron abgesetzet und die Printzeszin Anna 
zur Regentin proclamirt ward s. Es währte auch nicht lange, so spiihrten wir 
die Wirckung dieser Veränderung auch hier, indem der Herr General en Cheff 
und hiesiger Gouverneur v. Bismarck nebst seiner Gemahlin den 12. Novembris 
in seinem Quartiere arretiret 4 , alle seine Sachen und Schrifften versiegelt und 
den 15. ejusdem darauf unter einer starcken Escorte von hier weggefi1hl'et 
wurde 5. 
Den 10. Nov. ging Sr. Magnificence der aeIteste Herr BiirgerMeister, 
OberMunster- und OberWaysenHerr 1\[. v. Wiedau mit Tode ab. Die gantze 

tadt verlohr an ihm einen Mann, der dem gemeinen Wesen in den gefähr- 
lichsten Zeiten mit redlichem ]
y1fer lind groszer Dexteritaet gedienet und deszen 
Andencken seiner besondern Verdienste wegen bey der spätesten Nachwelt in 
Seegen bleiben wird. Er wurde den 23. Nov. in der St. PetriKirchen standes- 
mäsig zur Erden bestattet. Bey seiner Beerdigung wurden ihm, als gewesenen 
Ober:\funsterHerrn, zu Ehren 11 Canonen abgefeuret. In der Stelle des 
wohlseel. Herrn ßurger)leisters :MeIch. v. Wiedau ward den 5. Decembris der 
Herr OberVogt Adam Heim'. Schwartz in seiner Abwesenheit zum Burger- 

Ieister erwehlet. 
In diesem Jahre sind 5H7 
chiffe eingekommen, 5i3 Paar copuliret, :!-l7 
Kinder gebohren und 115 Menschen gestorben. 


Ao.1741. &51 
Den 16. .January Nach.Mittags wurden die Exequien Ihro Kays. )laytt. 
Anna Iwanowna hochseel. und ewig glorwünligsten Amlenckcus feyerlichst 
begangen. Um 1 Uhr wurde mit Ziehung der groszen Glocke das Zeichen zur 
Versammlung gegeben und um '/2 zwey mit allen Glocken zu läuten angefangen. 
Hierauf verfügten sich Sr. Erl. Reichshochgr. 6 Exc. der Herr GeneralFeld- 
)[arschall und GeneralGouverneur Grafi' von Lar;y unter Anfiihrung des Raya. 
H01l'sGerichts VicePraesidentf'n Herrn B. v. ßudberg, in Begleitung der auf 
dem Schlosze sicll eingefundenen hohen Generals, 1\Iilitair- und CiviIBedienten, 
nach der St. JacobiKirchell, woselbst der Herr GeneralSuperintendent Fischer 
die LeichenPredigt hielte. Zu gleicher Zeit Legab sich der gantze Magistrat 
nebst der Cantzeley und den iibrigen Officiallten, den beyden Bltei'!ten-Bänckf'n 
und der gantzen Biirgerschafft in lan
ell schwartzen Mänteln und Flöhren aut' S. 52 


1) B. II 704. ,oa. '1"11. 2) B. 1I IV7. 
[.) Sie waren nOl'h nicht 1'. 11. 11'. dllrrhgf'sb';rh('lI. 


3) B, TI '108, 'i12. 
ti) B. 11 710, 1. 



) B. II 710.
>>>
70 


Memorial 


1741 


den Hüten, unter Anführung des Herrn AmtsHerrn von Ulricben, vom Raht- 
Hause ab nach der St. PctriKirchen, allwo hereits die PrieAterschafft nebst den 
SchulCollegen und der Schule versamlet waren. SobalU die8e Procession in 
die Kirche trat, wurde ein 'l'rauCl'Gedicht von dem hiesigen CantOl'e v. Essen 
musicalisch aufgefÜhret l . Nach Vollendung deszen hielte der Herr Ober- 
Pastor Depkin ii ber den 1li ten und 17 ten Vers des [) ten Cap. uer K lagl. 
Jeremiae die Leichenrede, worauf der Herr niaconus Sixtel die gedruckte 
Personalien von der Cantzel ablasz. Sr. Exc. der Herr GeneralGouverneur de 
Lacy mit dem Herrn GeneralProcureur ']'rubetzkoi und andem hohen Üfficiers 
beehrteu diesen Actum mit ihrer hohen Gegenwart. ner Beschlusz uieser 
Solennitaeten wUl'ue mit Ahfeurung 55 Canonen von den Stadt-Wällen gemachet. 
8. 5d Den 27. Jan. wurden Sr. Exc. der Herr Baron v. :\Iengden, Ritter vom 
St. Alexander Newsky Üruen, ab hochverordneter Pr:te::;ident des Kays. Hoft.- 
Gerichts, durch zweene Land-Rähte und zweenc Herren .\ssessores von seinem 
Hause nach das Kayserl. Hofl"Gericht abgehohlet, woselhst die Vollmacht pro- 
duciret und der Byd in Gegenwart vieler Anwesenden ahgeleget wurde 2. 
Den 28. ejn8dem retournirten der Herr Bürger.Mei::!ter Schwartz und .IJlt. 
ßrockhau::!en von St. Petcrsburg. 
Den 2. Pebr. langte der neue ViceGouvcrneur, der }Jerr (leneralMajor v. Wilde- 
mann, allhier an und wurde durch zweene Herren des Raht8 cOlllplimentiret s. 
Den 10. Martii kamen der Herr Bürgedfei8ter George Berens mit dem 
Herrn Secretair Joh. Val. Hol8t von St. Petersburg gliicklich wiedm'um zurÜck 4, 
tla hingegen Sr. Erl. ReichsHochGr. Bxc. der lIerr GeneralFeldMarschall und 
GeneralGouverneur de Lacy gleich in dem nächstfolgenden )Ionahte Dero Reise 
nach St. Petersburg antraten, wolJey 33 Canonen ahgelöset wurden. 
S. 54 Den 29. Juny hahen die sämtliche StadtArtillerieBediente Ern. WohlEdien 
Rahte den 1728 vorgeschriebenen I
yd, von ] Jerrn Major ßorosdin an, ohnge- 
achtet er sich, densel1Jen zu leisten, geweigert, his auf den geringsten Artilleristen 
in der SchloszKirche in Gegenwart des Herrn llürgedleistl'rs und Oher}funster- 
Herrn Joh. von SchuItzen, des Herrn MunsterIJcrrn Peter von Schievelbein 
und des Herrn .uulJ8tercyHecretairs Joh. Valcntin Hol8t corlUIl crucifixo 
geleistet und das 1
ydesformular eigenhändig lIntcrsl'.hriehcn ". 
Den 25. July wurde wegen de)' neugeLohrnen Pl'intzeszin Catharina ein 
HancHest gehalten und 81 Canonen dl'eymahl UIl1 die Stadt abgefeuret 6. 
Den 16. Aug. wurde von denen Cantzein mittel::!t eincs gedruckten Patent8 
puLliciret, dasz die Crohne 
chweden den mit 1hro Raya. }laytt. gehabten 
ewigen Friedens'fractat gebrochen lind den 24sten ahgewichenell Monahts wieder 
das Ruszische Reich den Krieg tleclariret hätte. Weswegen der 
tadt, sich 
für alle feindliche Anfälle in Sicherheit zu setzen, den Allerhöchsten um den 
S. 55 glücklichen Success der gerechten Ruszischen Wafft'n in allen Kirchen demüh- 
tigst anzuflehen, befohlen, wie auch ItIl('n lind jden ginwohnern alle COIII- 
munication, Handlung und (Jorresvondence mit 1('11 schwedischen Unterthanen 
ernstlich und bey hartll' Straffe untersaget. Gleich in dem ersten Anfange 
dieses Krieges waren wir so gliicklich, eine erfreuliche Hohtschafft VOll dem, 
von dem AHerhÜchsten 1 hro KaY8. }fa)'tt. glÜcklichen Waffeu wieder die Crobne 
Schweden verliehenen Siege bey Wilmanstrallll pinzuziehcn, wori'lhpr den 30. 
August ein feyerliches Hanckfest gehalten wurde. 


. 


t 


, 


1) B. 111 Abteil. 2, J 'ur. U. 2) Den 27. Jltll. 11. /I. U'. tlttr..hgl's(ri..hcu. 8) lJ. 11 13ä. 
4) Der Bc-r;cht B. Il 7[12. 5) B. II 641. 717. 6) Den 25. July u. 8. w. durch.gestrichen.
>>>
1741 


der Petrikirche. 


71 


. 


Den 25. Septembris wurde der Herr OberSecretair v. Dreiling, Eltcster Eber- 
hard IJulmcring, EIt,e::;tcr Sam. FeUlllann zu Herrn des Rahts erwehlet. 
Den 2ö. N ov. bc;:;tiegen lhro Kays. .Mayt. unsere jetzt regierende AUcnlurch- 
lauchtigste Grosze Frau und Kayseriu Blisabeth Petrowna auf aUerunter- 
thänigstes Ansuchcn Hero getreuesten Unterthancn Dero väterlichen ererbten 
Trobn und wurde deswegen 
den 1. Decembris von der Uarni::;on denen 
liIita,ir- und CivilBedienten in 
der 8t. JacobiKirchen, von dem M:tgistrat, dem )[jnisterio, denen beyden Gülden, 
uer gesamten Biirgcrschafl't und aUen l
in- und BeyWohnern dieser Stadt in 
negenwart Sr. Hochwohl. Exc. des Herrn UeneralLieut. und Ritter::; des St. s. 56 
AlexanderOrdens Jeropkin, in Begleitung verschiedener Herren Officiers in der 
St. PetriKirchen um 11 Vhi', nach vorhergängiger kurtzen Anrede deg Herrn 
OberPastors Depkin, (leI' HuldigungsEyd ahgeleget und das 
"ormular von 
einem Jeden, seinem Stande und Profession nach, mit seinem Nahmen unter- 
8chrieben. 
Den 9 tell necemuris Morgens um 7 Uhr ellt::;tal1l1 in des seeligen Eltesten 
Krans in der Maarstal::;trasze helegenem Hause ein heft'tiges Feur auf dem mittelsten 
Boden. Weil nUll auf dem ohersten Boden unter dem IlahnBalcken 5 Fäszer 
Pulver, jedes zu 50 Pfundt, stunden, so fürchtete sich ein Jeder, sich dem Hause 
zu nähern und hüUniche Hand zu leh,ten, hi::; sich endlich das Pulver entzündete 
und mit einem starcken Knall die gantze GiehelMaur in die Lutrt sprengctc. 
Durch diese gewaltige Erschii.tterung litte nkht allein die nahe bey stehende 
Heformirte Kirche äuszerlicb und innerlich sehr groszen Schaden, sondern es 
wurden auch die angräntzende Pagenkopsche und Grünertsche Häuser bi8 auf S. 57 
uie unterste W obnung ruiniret. Die Peters- und JohannisKirche, wie auch dic 
in den herumliegenden Gaszen lJelegene Häuser wurden gleichfals durch die 
herumgeworffene Steine und BaIeken an den Dächern und Fenstern gar sehr 
beschädiget, und zwar die Kirchen dergestalt, dasz auf einige Zeit der Gottes- 
Dienst darin nicht kOlJte gehalten werden. Die Thiiren und Scblöszer wurden 
von der jählingen und gewaltsamen AUlidelmung der Lufft losgesprenget und 
viele Menschen hel'lllngewOl'ffen, auch von den herumgeflogenen Stücken des 
Hauses verwundet, wohey unter audern der Aeltel'man der BranutMei8ter Hol'D, 
indem er sich eucn hemiihete, das vorrähtige Pulver hey Seite zu schaft'en, 
jämmerlich ums J
ehen gekommen. Jedoch hat dieses gefährliche Feur durch 
die allmächtige ne8chützung des groszen Gottes und durch die guten Anstalten 
der Ourigkeit nicht weiter um sich gegriffen. Nach diesem ueb'ühten Zufall S. 58 
wurde denen Crahmern bei ernstlicher Bestraft'ung angedeutet, nicht mehr, als 

 a 3 Pfundt Pulver in ihren Häusern zu halten, das übrige aber in dem 
PulverKeller in die )Iunsterey zu schicken. 
Den 12. Decemuris verfügte sich der Herr Lieutenant des Preobraz. Leib- 
Regiments Herr Trozow, welcher das )Ianifest und den HuldigungsEyd dem 
Herrn GeneralLieutenant Jerobkin alls 8t. Peter8uurg überbrachte, nac.h uem 
R:thtHause, um daseIhst lhro KaY8. Maytt. Blisahetb Petrowna, unserer aller- 
durchlauchtigsten Groszen Frauen und Kayserin Oelangung zum Trohn dem 

[agistrat zu notificiren. Unteu bey der Treppe wurde dcrsellle von zween 
Herrn des Rahts und ouen bey der groszen UahtsStube uurch zweene Herrn 
Biirgedfeister hewillkommet unu in die Cämmerey genöhtiget, a11\\'o gedachter 
Lieutenant uem verliamleten )Iagi::;trat unu beeder GülUe resp. Herm Aelter- 
leuten die ihm allergnädigst aufgetragene Commission ablegte und darauf mit 
Wein und Confitul'e8 tractirct und mit einem Present l'egaliret wurde. 


t 


,
>>>
. 


72 


Memorial 


1741-42 


S. 
9 In diesem 1741sten Jahre sind 585 Schiffe eingekommen, 164 Paar 
copuliret, 230 Kinder gebohren und 118 Memmhen ge8torben. 


Ao. 1742. 
Den 28. Jan. wurden Ihro Königl. Hoheit der Hertzog von Hol8tein 
Gottorp Carl Peter Ulrich, von Holstein kommende, Mittags um 12 Uhr 
solenniter eingehohlet. nie Passage von dem Bolwercke bis an das Quartier 
Seiner Königl. Hoheit war mit Soldaten zu beyden Seiten besetzet. Die gantze 
hohe Generalitaet, der Herr Bürgedleister und OherI...andV ogt Joh. von 
Schultzen, der Herr LandVogt Hinr. Bewehrt und der Herr Secretair Johann 
von Benckendorff, als Deputirte der Stadt, nebst den beeden BürgerCompagnien 
zu Pferde erwarteten Ihro Königl. Hoheit bey der StadtsKaye, weil die Duna 
mit einem so schwehren Train nicht mehr zu passiren war. Sohald Ihro Königl. 
Hoheit angelanget, so wurden Dieselben von dem Herrn General en Cheff 
Soltikow, dem Herrn GeneralLieutenant und ViceGouverneur Jerobkin und den 
Deputirten der Stadt entgegengenommen und unter Lösung der Canonen und 
s, 60 Bezeugung aller militairischen Honneurs nach ihrem Quartiere begleitet. Allhier 
wurden Dieselben durch den W ortf. Herrn BurgerMeister Georg Berens und 
den Herrn OberWettHerrn von Vegesack, wie auch denen beeden resp. Herrn 
Aelterleuten bewillkommt und zu Mittage im Nahmen der Stadt durch Besor- 
gung des Worthabenden Herren BürgerMeisters George Berens in Dero Quartier 
bewirthet. Des folgenden 'rages darauf, nachdem Ihro Königl. Hoheit das 
MittagsMahl eingenommen, traten Dieselbe unter eben der Begleitun
 und 
übrigen Honneurs Ihre Reise nach St. Petersburg an. 
Den 12. Febr. reiseten die Herren Abgeordnete der Stadt, nemlich der 
Herr BürgerMeister v. Schultzen, der Herr WaysenHerr Paul Brockhausen 
und der Herr Secretair v. Wiedau, Elt. Peter Friedr. Kröger, als p. t. Aeltel'- 
mann der Groszen Giilde, und Chr. Eger EH. als p. t. Aeltermann der Kleinen 
Gülde, Joh. Hinr. Borchstaet, Bürger der Groszen und Anthon Wegelin, Bürger 
der Kleinen Gülde, nach St. Petersburg, um daselbst Jhro Kays. 
Iaytt. zur 
glücklichen Besteigung Del'o angestammten väterlichen 1'rolmes im Nahmen der 
Stadt den allerunterthänigsten Glückwunsch abzustatten, der bevorstehenden 
S. 61 Cröhnung zu Moscau beyzuwohnen und die Bestätigung der StadtPrivilegien in 
tieffester Demuht zu erbitten. 
Zu Ende des gegenwärtigen und Anfange des folgenden Monahts hat sich 
A hends von 11 bis 2 Uhr früh ein CometStern gezeiget, so auch von den 
Mathematicis zu Harlem ziemlich breit und 6 Fusz lang observiret worden. 
Dieser Comet hat allhier seinen Abstand von dem Gestirne I,im auf 22 und 
von dem grösten Stern des Adlers auf 14 1 /2 Grad gehabt.. Der Schwall tz 
deszelben war nach der Südlichen Seite hingekehret. 
Den 25., 26. und 27. April wurde der Kröhnungs'l':tg unserer jetzigen 
Allergnädigsten Kayserin zum erstenmahl mit Läutung der Glocken, Abfeurung 
der Canonen, Paradirung !leI' HiirgerCompagniell, Illuminationen und vielen 
audern FreudensBezeugungen feyerlichst begangen. Vor dem RahtHause war 
S. fj2 ein gedoppelter Adler auffgerichtet, woraus unter RÜhrung der Paucken und 
ßIasung der Trompeten rohter und weiszer Wein flosz, so dem V olcke preisz- 
gegeben wurde. 
Den 29. May kam der Herr BürgerMeister v. SchuItzen von .Moscau zurück. 
Den 18. Juny wurde we
en eines gegen die Schweden erfochtenen Sieges 

jn Danckfest gehalten. 


. 


, t 


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>>>
1742....:...43 


der Petrikirche. 


73 


Den 19. Novembris langten Sr. Erl. ReichshochgI'. Exc. der Herr General- 
}'eldl\farschall und GencralGouverneur de Lacy allhier an, nachdem Dieselben 
von denen Deputirten der Stadt, dem Herrn Bürgerl\feister und OberLandVogt 
von Schultzen, dem Herrn J-AandVogt Bewehrt und dem Herrn Secretair Joh. 
von Benckendorff, und der Biirgerschafft zu Pferde eine halbe 
[eile von der 
Stadt entgegen genommen worden und wurden bey der Ankunfft mit 51 Canonen- 
Schüszen von den Wällen begrüszet und von der auf den Gaszen en haye auf':.. 
gestelleten Guarnison mit allen militairischen EhrenBezeigungen empfangen. 
Den 26. - Novembris wurde in Gegenwart Sr. Bxcell. des Herrn General- 
Lieut. und ViceGouverneurs Jerobkin und einiger andern vornehmen Herrn 
Officim"s von dem .Magistrat, dem Ministerio, den beyden Gülden, der gesamten S. 63 
Bürgerschafft und sämtlichen Ein- und ßeywohnern der Stadt 1hro Kays. Hoheit 
und Groszfiirst Petro Feodorowitz, nachdem er sich zuforderst zur O'riechischen 
b 
Kirche bekant, als von Ihro regierenden Kayserl. .Maytt. allergnädigst ernandten 
Brbfolger des Ruszisch Kayserl. Tl'ohnes der Byd der Treuc in der St. Petri- 
Kirche, nach vorgängiger kUl'tzen Anmahnung des Herrn OberPastors Depkin, 
geleistet und darauf die I
ydesFormularia von einem jeden gewöhnlicher- 
maaszen unterschrieben. 
Den 3. Decembris retournirten dic übrigen resp. Herrn Deputil'ten 
von :Moscau. 
In diesem Jahre sind 412 Schiffe eingekommen, 66 Paar copuliret, 274 
Kinder gebohren und 156 :Menschen gestorben. 


t 


Ao. 1743. S 64 
Den 1. Jan: die Herrn von der Citadelle nach der Schantze 1. 
Den 1. Febr. reisten Sr. ReichsHochGräffl. Exc. der GeneralGouverneur 
von Lar;y von hier zur Armee in .Finland ab. 
Den 9. April wurden auf expresse Ordre Es. l
rI. Kays. GeneralUouver- 
nements die gedrucktc J.eucnsBeschreilJUng des vOJ'igen Hertzogs von Cuhrland, 
Ernst Johann, des Herrn GeneralFeld
[arschalls Gl'affcn v. JHinnich und des 
Hcrrn GroszAdmil'als Ostermaun von dem Scharffrichtel' uuter dem Pranger 
am :Marckte öfl'entlich verhl'andt 2 . 
Den 6. l\Iay ward der Leichnam des verstorbenen Herrn GeneralMajors 
Graffen de Lacy mit groszem Pompe uud zahlreicher Gefolge vom Schlosze :tu 
und nach dem Cl oster Schoenberg in Cuhrland gefiihret. Diese Pl'ocession ist 
umständlich samt der von dem Herrn VicePl'aesidpnten Baron v. Budberg dabey 
gehaltenen Standrede im Drucke herausgekommen. 
Weil man schon von langer Zeit her vor nöhtig angesehen, sowohl ein 
neue8 RahtHausz, als auch zur Bequemlichkeit der Kaufi'manschafft und Zierde 8, 65 
der Stadt, eine Börse s aufzufiihren, so wurde zu Bestreitung der dazu erforder- 
liehen Kosten eine Lotterie allhier errichtet nud den 28. Juny mit Ziehung 
derselben auf' der groszen GiildenStuhe der Anfang geruachet. Jedoch war es 
sehr zu hedauren, dasz selbige nicht gäntzlich :msgeführet und der vorgesetzte 
rühmliche Zweck erhalten werden konte 4 . 
Bis hieher hatten wir zwar unter dem mächtigsten 8chutze unserer Aller- 
gnädigsten Kayserin in sicherer Ruhe gelebet, jedenlloch war durch dell furt- 
währenden Krieg roit Schweden der Handel nicht nur einigermaaszen einge- 


\ 


1) Iieser Satz ist clul"chgestt'icIl1'1I. 2) Den 9. April U. 8. 1/', dlll"('hgellt,'Ü'hell. 
S) 11. Jl 577. 4) Deli 6. M.1Y 11. 8. Il'. dun'hgestrichl'lI.
>>>
74 


Memorial 


1743-44 


Bchräncket und zur See vielerley Gefahr unterwodfen, sondern auch wir selbst 
mancher ßesorgnisz itUsgesetzet. Nunlllehro aber verschwand lilie Sorge und 
S, 66 Furcht, Ja der Herr CanlluerJullcker Carl v. Sievers den 14. Aug. uns die 
höclJst erfreuliche BohtsclJafrt von dem zwischen dem Ruszischen nnd Schwe- 
dischen Reiche zu Abo getroffenen, ungemein riihmlichcn und vortheilhafrten 
Frieden überbrachte und selbigen sowohl in der Ruszischen, St. Jiwobi- und 
8t. PetriKirchen, als auch auf den IlauptGaszen unter V orreutung einer Escorte 
von Cuirassiers puhlicirte. Bey seiner Ankllnfi't in der St. PetriKirchen wurde 
('1' von dem Herrn Ober W ettHerl'll Gotthard von Vegesack, und dem Herrn 
OberAmbtsHerrn Peter von Schievelbein nebst des JIerru ViceGouvernellreu 
.J erohkin8 lhceIlence bey der 'l'hüre, weiter in uer Kircheu aber von dem 
'Vortfübrenden Herrn Bürger
feister Joh. v. SchuItzen, in ASl:!istence des Herrn 
BürgerMeister Hereus lind unter V ortretung derer beeden denominirten 
Iar- 
schällen, des Herrn LandVogts Bewehrt und des Herru Gerichts Vogts von 
Ulriclwn, nebst den beeden resp. IIerreu Aelterleuten George Gottfl-. Hrockhausen 
und Christoph Kleeberg, empfangen und nach dem Cohr gefijhret. Daselbst 
wurue das gedruckte Manifest verlesen und vou dem Herrn OberPastor Depkiu 
eine zierliche Danckreue vor dem Altar gehalten und zum Beschlusz das 'l'e 
S. fJ'l Deum mit Paucken und 'l'rompeten angestimmet. Dieses längst erseufzten und 
nun endlich erhaltenen Friedens wegen feyerte man den 16. dieses Monaht::! 
ein Danckfest mit allen gewöhnlichen Solennitaeten. 
Den 25. Septembris sind der Herr OherSecretair Georg Chr. Andreae und 
uer Herr AcItermann George Gottfried Brockbausen zu l\fitt-Gliedern des Rahts 
erkohren worden. 
Den 24. Nov. kamen Sr. .Excellence der Herr Gelleral
[i
jor 
'ürst Wolo- 
dimir Dolgoruki als unser neuverordneter Vice-Gouverneur allhier an und wurde 
gewöhnlichermaaszen bewiIlkommet. 
Dcn 14. Decembris wurde der Herr Graff Nicolaul:J Luuwig VOll Ziul:Jeudorfi' 
mit einem Secretair, zwo Frauenzimmer und ein paar Bedienten von dem Fischer 
Dumpe jenseit der Buna durch den Herrn PlatzM,,:jor in einen Wagen nach 
der Citadelle gefiihret, daselbst bewachet unu uen 31. drauf auf Ordre des 
Hoffet! durch einen Lieutcnitnt und etIiehe SoldateIl nber die Grentze gebracht, 
Imd ihme selhige uiemahlen wieder zu hetreten dabey angedeutet I. 
Es sind in diesem vergangenen Jahre 321 Schiffe eingekoumwn, 4ß Paar 
cO}Juliret, 2
!I Kinder gebohren, 101 Mcnl:!chen begraben. 


t 


8 6& 


Ao. 1744. 
Hen zt;. Jan. kam die :Fürstin von AnhaIt-Serhst uebst ihrer Printzeszin 
mit einer kleinen Suite allhier an und wurde von dem von 8t. Petersburg ab- 
gesehickten Kays. Herrn KammerHerrn Knees Nariskin und andern Hoff- 
CavaIiers, wie auch der Ritterschafft und Staut Deputirten, als dem Herrn 
JJiirgerMeister George Berens, dem Hf'lTn OherVogt Gotthanl v. Vegesack und 
dem Herrn SeCl.etair Joh. Valent. Holst, auf uer Grentze empfangen. Bey 
deren Ankunfrt sowohl, als der den 2!1. ejusdem erfolgten Ahreise 101 Ciwonen 
ahgefeuret wurden. 
In dem abgewiehenen, diesem und nachfolgenden 
Ionahte wal' ein (Jolllete 
im f:estirn ues Pegasi VOll 6 his 8 Uhr A hendl:! zu sehen. N:tch der Ohserva- 
tion des Herrn Prof. Beinsii in J-Jamhurg ist der Kopff deszelben mit einer 


. , 


1) Den 14. lJecbr. u. 8. W. durchge8trichelt.
>>>
1744 


der Petrikirche. 


75 


t 


sta1"(
ken Atmosphere, der Kern nicht yöllig rund und von sehr schwachem Licht 
gewesen. Der Schweiff dieses Cometen hat 7 Grad in der Länge betragen. 
neu 4. Martii am Sontage Laetare ward in dem in der V or8tadt auf dm' 
groszen Sallll-Strasze zur Haltung des Gottesnien8tes aptirten Hause die erste 
Predigt in Gegenwart des Herrn LandVogt Beckers, des Herrn lnsp. v. Drei- 
ling und des Herrn Secretairs v. 13enckendorff VOll dem neuerwehltell Hospitals- 
Prediger Herrn P. Hilde gehalten. 
So emplindlich UllS das A lldellcken VOll dellell Ull8ere VorfahreIl 1727 und 
. 69 
172t1 hetroffelwn UberschweJJJllIullgen immer seYll mag, so wird dellnoch Ullsern 
Nachkomlllell das Andellckell des dieser Stadt den 2
)' Martii und n:tchfolgenden 
TageIl uieses Jahres durch dell ungl1ickliclwn Eiszgang und hetrtige Ergieszung 
des Waszers verursachten Schadclls und Unglück8 noch weit cmpfi1ll1licher seyn. 
Wir können nicht umhin, der Posteritaet eine umstänuliche Nachricht davon zu 
hinterlaszen, mit dem hertzlicheIl WUll8che, dasz sie lliemahls Ursache haben 
mögen, ihrer Nachkommenschafft dergleichen betrllLte uud schmm.tzliche Nach- 
richtell aufzuhehell l . Contill. vid. sub Sigll. C 1. 
Die Duna hatte sich den vorigen Winter iiher hey eillem ullgemein starcken S. 75 
Strolnne, hohen Waszer und eiller jähling eillfallenden Kälte auf einmahl mit 

Jisz, und zwar auf eine höckerichte und bergigte Art heleget, dasz auszer dellen 
mit :}Hihe gebahnten und zum Theil hergigten Wegen, selLige nirgends allders 
leichtIich zu passiren war. Zu diesem kam, dasz llach und nach eille anhaltende 
Kälte, welche fast garllicht oder doch selten durch herabfallenden Schnee unter- 
brochen wurde, einfiel; wodurch das Eisz eine dergestaltige ungewöhnliche 
Dicke erhalteIl, dasz VOll vielen nicht allein ein schwerer ulld gefährlicher Eis- 
gang, sondern auch hohes Waszer besorget wurde. Als nun hierauf durch die 
hereintretende FrÜhJingsZpit und durch die zunehmelIde Wärme das Eisz in der 
Dumt allmählig zu schmeltzen anfing und selbiges zuletzt galltz impassable wurde, 
so schwoll das Waszer upn 25., 
6. und 27. )[artii während des OsterFe8tes 
in 'gleicher Höhe mit dem Dollwercke. Am :Mittwochen, als den 28. Martii 8. 76 
hatte das nuna-J
isz hin und wieder einige Bri"whe und Risze erhalten, und in 
der Na{'ht darauf etw:m muL 11 Uhr wid. selLiges von Hasen- 2 bis nach Kippen- 
Hohn, und etw:ls weiter hinauf, t:\oua8z mall hey Eröffnung der 'fhoren Überall 
hey Jer Stadt die ])ürm von Bisz befl'eyet und klahres Waszer, auf welchem 
nach Verlauff einiger Stundell Lereits pinige ÜbersetzerBöthe sich sehen lieszen, 
wahrllahm. 
o sehr nun anfänglich wieder allea Vel'muthpn der EiszGang vor 
diesesmahl einen erwÜnschten Ausschlag genommen zu haben schiene, so schmertz- 
hafft wal' es indeszen, als man hald darauf in l
rfahrung brachte, dasz das Eisz, 
welches von HdlllstersHolm bis :m die :}Iiindung :tllnoch völlig feste war, hey 
jetztgedachten Schuste,'sHohn auf keine Art einen Durchbruch gewinllen konte, 
sondern vielnwhr d:tselht:\t lI3.l'h unten t:\ich sowohl gestaulIet, als oberwärts auf- 
gethül'lllPt hatte, Bey Iler 
tadt sahe es llicht weniger sehr betrÜbt. aus, indem 
elas von ohpn herahlwmmend(' Eisz sieh :llImählieh a1wh alhier zu staunen anfing S. 77 
und VOll Zeit zu Zeit so compact an eiu:luder ge8chohen wurde, rlasz das Waszer 
iiherall, welches auf keine Art nach unten zu Luf1't bekommen könte, aus seillell 
Uffern trat. Bey diesen Letriihten Umbständen wal' das\Vaszer am Donners- 
tage, als den 29 tell, bereits MOl'gends ÜLer das llollwerck angeschwollen und 
avancirte Mittags zwischf'n 12 lind 1 Uhr dernu\aszen mit zunehmender Höhe, 


I) Der Bericht -iilJer di,
 Übt'/'lldIWt"lltl/tltll!J fe/tU /lud ilJt I'/'giillzt IU/ch B
tR., Brolzl', 
Livonica 25 (2287) S. 75-86. 2) i. O. Haven.
>>>
76 


Memorial 


1744 


dasz man alle an der Düna befindliche StadtsPforten auf das eilfertigste zu- 
zuschlieszen und mit Mi::!t zu belegen genöthiget wurde. Gleich darauf v('r- 
mehrete sich das hefftige Auffschwellen des Waszers und drang überall, und so- 
gar durch den HintzenDamm, welcher an zweyen Örtern, nehmlich bey der 
Abfahrt deszeihen an denen Sand- oder sogenandten GräntzBerg und etwan 8 
Faden davon höher hinauf zwischen den IIartungschen llramlt-Hausze und Lude- 
wigschen Garten, durchgebrochen war, mit solcher Geschwindigkeit in die V 01'- 
S. 78 stadt hinein, da::!z man sogleich die Sand- und bald darauf die Jacobslforte zu 
schlieszen sich gezwungen sahe. Uey hereinbrechender Nacht continui1'te das 
Steigen des 'Vaszers und nachdem es hereits selbigen Ahend zuvor dur,..h die 
an der Düna hefindliche StadtPforten und bald darauf beym RisingsCanal, aller 
dagegen geschehenen vorsichtigen Veranstaltungen ohngeachtet, hefftig einge- 
drungen, auch in der K acht die gantze V orstadt und in dem Bezirck der Stadt 
die Gegend bey der Jacobs-, Sand- und CarlsPforten, die gantze Citadelle und 
den SchloszGraben völlig überschwenunet hätte, so nahm bey so betrübten Umb- 
ständen von Zeit zu Zeit der gewaltige Anlauf des Waszers dermaasen zu, dasz 
am J!'reytage frühe gen 7 Uhr, als den 30ten, obberegtermaasen die gantze V 01'- 
stadt und Weyde, die in der Düna befindliche, zum Theil bebaute Hölmer und 
die jenseit der DünR liegende bewohnte Ländereyen, die Stadt-Ziegel-Schune 
S. '19 und die demolirte CobernRchantze, der gantze Streich des niedrigen Landes bis 
MarienMühle und weiter hinauff bis unter Hagelshoft., auch selbst gantz Jiirgens- 
hoff völlig iiberschwemmet war. Jn der Stadt war zu gleicher Zeit ein so 
jämmerlicher Zustand, dasz nicht allein der SchloszGraben bis in die Schlosz- 
Strasze herein, sondern auch die gantze Citadelle, woraus die Garnison sich be- 
reits auf den Wällen in der N1tcht retiriren mi'lszen, mit Waszer angefiillet war. 
Gleichergestalt sahe man die gantze Gegend lUuh die JacohiPforte bis allS alte 
StadtsZeugHausz, der llezirck umb Sand- und CarlsThor läng8t denen alten 
steinernen llaraquen, die gantze Pferde- und ein Theil tier Schmiede- und 
WeberStraszen, henebst denen Gegenden Ulllh den RisingsCanal dergestalt unter 
Waszer gesetzet, dasz an allen diesen Urteru mit Rahnen und ]'löszern gefahren 
wurde. ßey denen Gegenden längst der HiinaPforten wal' gleichmäszig alles 
mit Waszer angefiillet, dm'ch die StifrtsPforte hatte selhiges einen solchen Hin- 
S, 80 flusz bekommen, dasz dort heruJll die gantze Hegend nebst der gantzen Kühter- 
Gaszen bis in die SchloszStrasze herein, auch sogar der Bischofl'sberg, welcher 
doch 170J gal'nicht überschwemmet worden, unter Waszer gesetzet war, und 
obgleich man alle Zugänge der DohmKirehe hey Zeiten sorgfältig vermachet 
und mit Mist beleget hatte, so nahm dem ollllgeachtet das Waszer durch des 
Conrectors Willisch und des SdmhlCollegen Josephi IJallsz nach dem Creutz- 
Hang in die Kirche seinen A IJfall, und war es hiebey den guten Veransta1tllngen 
leediglich zuzuschreiben, dasz selLiges nicht darein die 'Vaszerhöhe von 170\) 
vor diesesmahl eneichte. Zu diesem allen kam, dasz am ohhemeldetem 'rage, 
als den 30., Morgends gegen 7 Uhr dureh die Gewalt des 'Vaszers das Schahl- 
'1'hor I08zgeriszell wurde, und weiln sellJiges hieclllrch Lufft bekam, so sahe man 
auf einmahl den gantzen Marckt auf 2 l
llen hoch his mn Rahthausze iiher- 
schwemmet, dasz die HauptWache in den ubersten Stockwerck der Corps de 
garde sich retiriren muste. Obgleieh nun das \Va8zer zur obgedachten Stund(' 
S. 81 zwar allenthalben am höchsten war nnd man darnahln die Höhe deszelben, nach 
Anzeigung des beyrn Carls'l'hor befindlichen Steines, darin die WaszerHöhe von 
Ao. 1709 notiret worden, umb einen englischen Fusz oder 14 Rigische ZolJ 
höher als damahlen hemerckte, so blieb doch selbiges nicht lange in solcher
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1744 


der Petrikitche. 


77 


Höhe steheu, sondern fiel vielmehr durch göttliche Hülffe von Zeit zu Zeit. 
So betriibt nun der Zustand und grosz der Yerlust an Saltz, I'lachs, Hempff 
und andern Waaren in dem innern Bezirck der Stadt war, umb soviel erbärm- 
licher sahe es in der V Ol"stadt und jenseit der Diina, wie auch auf den Röl- 
mern aus: Alle Hegend derselben waren dergestalt unter Waszer gestellet und 
gesetzet, dasz nUl" allein die Dächer, auf welchen sich die armen Einwolmere 
nebst Weibern und Kindern salviret, an noch hervorstunden. Viele Scheunen 
und Häuszer mit Menschen und Viehe waren nebst einer groszen Quantite 
Masten uud Bretter, wie auch Aschen, die sämtlich eine grosze SUlllma Geldes 
betrugen, seewerts getrieben worden. Manche Gebäude, als die mittelste grosze 
HempffScheune, lagen umgestiirtzet und der Stadt war zu der Zeit alle Com- S. 82 
munication mit der Vorstadt, indem alle Brücken theils weggeschwemmet, theils 
ruiniret waren, völlig abgeschnitten. Hahero man bey der gröszesten '\Vaszers- 
Noth dennoch Mangel am frischen '\Vaszer litte. Das Waszer, welches durch 
oben determinirtp Durchbrüche des HintzenDammes sich in den alten Dunagraben 
und aus selbigem in die Speck-U ppe 1 stiirtzete und seinen Gang üher die grosze 
'Veyde nach der Vorstadt zu genommen, hatte über das Olacis nach der Krücken- 
Schantze zu bey dem Ravelin der JacobsPforten an zweyen Örtern, nelunlich bey 
dem äusersten SchlagBaum und der mittleren WachenStuhe mit einem unerhörten 
Strohme und gewaltigen Geräusche nach der Weyde zu seinem Abfall. Inzwischen 
hatte an diesem UberschwemmungsTage ein dicker Nebel die Lufft fast bis 9 Uhr 
Morgends ununterbrochen durchzogen, auf welchen aber zu nicht geringen Soulage- 
ment derer aus ihl.en Hütten auf den Sand-Bergen geflüchteten armen Menschen ein s. 83 
heiteres und warmes Wetter allemahl folgte. Und obgleich bey dem mäszigen 
Fallen des Waszers das Eisz in der Diina, ohne den geringsten Ruck zu thun, 
annoch feste stehen blieb, so suchte lllan selbigen durch Abhrennung einiger 
scharfl' geladenen Canonen aus hiesiger Citadelle, jedoch ohne erfolgten Efl'ect, 
I...llfft zu machen. Am Sonnabend aber, als am 30ten, Nachmittags, bis dahin 
das Waszer sowohl in der Stadt als Vorstadt mercklich gefallen, fing endlich 
durch göttliche Gnade das Eisz, welches zwischen Vegesacks- und Schusters- 
Holm annoch gestauet stand, unter Kattelkaln, lleenckenslIolm, l\[arienMühle 
und Ji"lrgensHoff mit BüdW esten Wind iiber die Spilve abzugehen. Am Sonntage, 
als den 1 sten A prill, wurde dieser Wind etwas stärcker und nachdem his 
hieher die Stadt ziemlich vom Waszer befreyet, auch selbiges in der Vorstadt 
dergestalt gefallen war, dasz man nunmehro mit FahrZeugen hin und wieder 
denen Nohtleidenden zu Hülfl'e kommen konte, und denen auf den Sand Bergen S. 84 
sich l'etirirten armen Leuten aus der Stadt llrod und andere Victualien zu- 
schicken konte, So continuirte der Biszgang mit sothanen Winde in dermaasen, 
dasz am gedachten Tage Vormittags hey CobernSchantz, Clivers- und Lutzen- 
Holm klahres Waszer zu sehen war. Nachmittage wurde der Wind völlig Süden 
und beförderte mit so erwiiuschten I
rfolg den Eiszgang, dasz das Eisz, son- 
derlil'h in der rothen Diina mehl' und mphr Lufft helmm und um 1 Uhr bey 
SdlUstersHolm zu gehen anfing. Nachdem nun solchergestalt das zusammenge- 
schobene Eisz zu nicht geringem Vergniigen sämtlicher Ein- und Reywohner 
uuten völlig Lufl't bekommen hatte, so continuil'te der Eiszgang gegen Ahend 
hey veränderten, llehmlich Osten Winde in der folgenden Nacht dermaaszen 
glücklich, dasz der Morgen darauf, als den 2ten iiberall klahres Waszer in der 
nuna hey der Stadt zu seheu war. Und wpilpn zu gleicher Zeit nunmehro das 


I) die Speck-Upl'e ergänzt nueh BiStR., Brotze, Lit'onira B. 22 S. 307.
>>>
7A 


Memorial 


1744 


8. 8.5 Waszer völlig aus der Stadt gewichen und in der V orl!tadt gleichf'all! grösten- 
theils gef,dlen war, so suchte man von nun ab und in den fulg-enllen Tagen die 
Vorstadt von dem da8clhRt ersäufl'ten Viehe zu bef'reyen. gs Hesz auch die 
IJandV obrtey mit Znsclmh mitleidender Hertzen täglich Brod unter die armen 
IJeuthe in der Vorstadt austheilelJ. "T oht')" man aneh die Kaye vun dem auf- 
gethürmeten Bil!e allmählig reinigen uud die BrÜeken der Stadt soviel möglich 
zum 'l'heil passabel zu machen l,emÜhet wal'. In denen hiehey gefügten Bey- 
lagen suh 0 et CI, welehe nebst einem Rapport an Bm. Brl. Kayser1. G('nera 1- 
gouvernement abgeschieket worden, ist der dieser Stadt. und derselben Bin- und 
Eeywohnern betroffene, fast unersetzliche Schade nach allen StÜcken specificiret 
zu findt'n. Umh diesel' traurigen .Erzehlung ein 
Jnde zu maehen, setzen wir 
noch dieses hinzu: Der grundgiitige Hott, welcher inzwischen bey diesem 
schweren Eisgang sämtliche Ein- und Beywohnere der Stadt nach seinen a11er- 
S. R6 weisesten Absichten seine strenge StraffRuthe auf das sehmertzhaffteste hat 
empfinden laszen, wolle fernerhin von unserer Sr,adt seine 
GnadenHand nicht ab- 
ziehen, sOIJflern derselben den hiCl'hey erlittenen allgemeinen Schallen durch uen 
Flohr eines stets hHihell(len und von Zeit zu Zeit zunehmenden Handels reichlich 
wiedermnb ersetzen, damit solcbergestalt der DiinaStl'ohm uiemahln unserer 
lieben Staut eine ernährende Saug-Amme zu seyn, aufhiil'en möge 2 . 
Nachdem nun durch diesen unglÜcklichen Eisgang, wie wir llereits ange- 
mercket hahen, auch die grosze mittlere Henffscheune an der DÜna umgeworßfm 
worden, so W,tl" man gleieh anfangs bedacht, 8elbige so bald als möglich wieder 
herzustellen, zu welchem l
nde flie dazu erforderliche Materialien von denen 
zur Unterhaltung der Scheunen ausgesetzten Mitteln fördersamst angeschafft 
und vorgedachte Scheunf' annocb in diesem Sommer völlig wiederum aufgebauet 
und das Fundament, mehl.erer Sichprheit wegen, i"lber eine Elle ver höhet wurdp. 
Die an vielen fremden Orten nachgemachte kupfl"erne Müntzen, welche von 
den Juden, Pohlen und .Illuern so häuf'fig hereingeschleppet wurden und dadurch 
dem Reiche und denen U nterthanen im Handel groszen Schaden verursachten, 
bewegten Ihro Kays. Maytt., mitte1st einer eigenhändig unterschriebenen Ukase 
vom 14ten May zu publieiren, dasz künfftighiu garkeine Kupffermiintzen iiber 
S. 70 die Grentze herein, und hingegen weder rohes, gearheitetes oder gemimtztes 
Silber und Gold herausgebracht werden sollten. Zu dem Ende wurde allen 
Gouverneurs uud 'V oywoden bey Verlust ihrer Ehre und Güter, darauf die ge- 
nauste Acht zu haben, anbefoblen und auf den Grentzen starcke Vorposten, Ulll 
die Reisenden aufs schärffste zu ,.isitiren, ausgesetzet. Ob nun gleich diesel' 
Verboht an sich sehr he.rlsam wal', so konte doch selbiger nicht füglich auf 
diese Stadt, als einen Grentz- und HandelsOrt appliciret werden, weilen die be- 
nachbarte Fremde vor ihre hergebrachte Waaren keiue ,tndere, als die in ihrem 
Lande gangbare silbernen Müntzen anzunehmen gewohnt waren, und insonder- 
beit bey dem Pohlnischeu und Ruszischen Handel jährlich der V orschusz nicht 
anders als in Ducaten und Albertsgeld geschehen konte. Da nun durch diesen 
Verboht der gantze Handel, als die Seele dieser Stadt, gehemmet wurde und 
leichtlich von hier hätte ahgeleucket werden können, so wurde mit Einwilligung 
aller Stände der Herr GerichtsVogt HerbeI,t v. U1richen an den Ruszisch 
Kayserlichen Hoff abgeschicket, um die lIebnng dieser Ukase aus jetzt ange- 


1) Die {ehlenden Beilagelt: AItUca B. 43 S. 349-363 beim &-hreiben des RutN mt das 
Gencral-Gouverncmcltt vom 21, April /744. Vgl. Pt/Mit.u B. 121 /lI/tel' EiNgal/g. 2) Seh1US8 
tler Ergiinzung.
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1744-45 


der Petrikircl1e. 


19 


zogenen erheblichen Ursachen sohald als möglich zu bewül'cken und die bey S. '11 
den hohen Collegiis pemJ.ente StadtsAng('legenheiten hesten Fleiszes zu hetrpiben. 

Il welchem .Ende denn wohlgedachter Herr GerichtsVogt den 8. Septembris 
seine Reise unter vielen aufrichtig'en Glückwunschungen angetreten und es durch 
seine eiffrige ßemiihunp; und hesondere Geschicklichkeit dahin brachte, dasz 
vorgedachte Ukase in etwas geändert und den 23. Novembris die freye Aus- 
fuhre der fremden silbernen und goldenen 
Iiintzen wie \'orhin verstattet wurde. 
Jn diesem .Jahre sind 379 
chiffe eingekommen, ü2 )'aal' eopulil'et, 224 
Kinder getautrt und Wl Leichen heerdiget worden. 


Ao. 174;-'. 
Das Andencken des letztern schwehren EysGanges war noch so neu, dasz 
man voritzo alle mögliche Sorgfalt anwendete, die der Gefahr all.l meisten aus- 
gel:!etzten Oerter zu verwahren, zu welchem Ende man hey BarteIs Graben und 8. 7'1 
oberwerts eine Yerzahuung machte, den .JohannisDamm erhöhete und IJefestigte, 
und insonderheit, welches den grösten Nutzen verschaffte, den Grund hey dem 
Riesings"Mulllle unter dem Walle beym CarlsThor mit SpundPfählen berammen 
liesz und dadurch den Einflusz des Waszers in die Stadt hemmete, welches 
durch die hlose Yermäurung dieses 1\[IlIHles uicht hat vel'hiudert werden mögen. 
Uherdem wurde noch in dCl' Fahrt von lhro Ma)"tt. GarteIl ah bis na('h der 
Miinde zu von den Fischeru, J.ohtsen und Ubersetzern das Eisz in del' Duna 
aufgehauen, J
iszBöcke hey den Scheunen hingesetzet, ein groszer Y orraht von 
Mist bey den Thoren hingefiHu'et und sonst aUes benöhtigte vorgekehret. 
Den 2
. Martii fing zwar das J
ysz hey KogenHolm und hey der Stadt in etwas 
zu riicken, setzte sich aher bald drauf bey Jhro Maytt. Garten und in der Ge- 
gend von der Citadelle, darlurch das Waszer in die Hühe schwoll und man 
genöhtiget wurde, die 1'horen an der Dlllm zu sperren und mit dem vorhan- 
denen Mist zu helegen. Tages drauf um a Uhr fiel das Waszer und das Eisz 
fing wiederum an zu gehen, womit es auch die folgende Tage continuiret und 
auszer dem, was an den Höhnen etwa beschädiget worden, sonsten keinen son- 
derlichen Schaden der guten Anstalten wegen verursachet. 
Den - 1 A ug. kam der Herr GerichtsVogt v. Ulrichen, nachdem er sowohl S 73 
die Restitution der Patrimonial Gitter Holm- und Pinckenhofi'2 hewi'n'cket, als 
auch in den mehresteu StadtsAngelegenheiten reussiret, gliicklich von St. Jeters- 
burg allhier au. 
Den 5 ten Octohris passirte die FÜrstin von Anhalt ZerLst, nachdem Sie 
die Vermählung Derselben Printzeszin mit Jl1ro Kays. Hoheit dem Hroszfiirsten 
Petro FeodOl'owitz zu St. Petershurg beygewohnet, hiedurch nach 1eutschla.nd. 
Sie wmde durch den Herrn BÜrgerMeister und OLer[.andV ogt A. H. Sdlwartz, 
den Herrn LandVogt Bewehrt und den Herrn Sf'cretair v. Henckendorff, die 
heed('n Biirger-f'ompagllien mit aIlf'n dahey gewölmlichf'n Solel1uitaeten empfang('n 
und begleitet. 
Den W. j)ecembris starb uf'r Herr Biirgerl\leister George Raes, der sich 
in seinem gantzen I.eben als ein kluger Regent, uuparteyischer Richter und 
patriotischer ßi'lrger hezeiget. lndeszen Stelle wurde der II err OherV o
 \". 
Vegesack den 20. ejusdem zum Rm'gerMeister erw(hlet. 


1) in O. eine Lücke. Am 21. .41l.q, wal' r'lrif'hen ZlIm erstcll Mille nach der Riickkehr im 
Rllt. RP. t.. '!l. AI/g. 1745, PI. B. l/JI S, 36.1. 2) Sie Iwffm dem Grafm Biron ill 
Pfarulbezitz gegeben werd.m müssen. B, 11 347. 359. 418. 487. '128.
>>>
80 


Memorial 


1745-46 


Es sind in diesem abgewichenen Jahre 4
a SchiJre ein
ekolllmcn, 43 Paal' 
copuliret, 2i8 Kinder getaufft und 106 [,eichen begraben worden. 


Ao. 1746. 
Gleich zu Anfan
e (.lies es .Jahres wurden zu der bevorstehenden Ankunft"t 
1hro Kays. Maytt. unserer allertheuresten Landes-Mutter alle ersinliche Anstalten 
8. 74 gemacht und vor dem SandThor ein mit sinreichen Gemählden und schönen 
Statuen ausgezierte l%renPforte, wie auch nehen dem RahtIIause ein Triumph- 
Uogen und IlluminationsOerüste aufgel"ichtet, und ein jedweder }i
inwohner 
schickte sich nach seinem Yermögen, 1hro Kayserl. !\Iaytt. unserer allergnädigsten 
Landes-Mutter seine unterthänigste Treue und l%rerbietung zu bezeigen, mit 
Dero hohen Gegenwart wir dennoch vor diesesmahl nicht begnadiget wurden. 
nen 26. }"'ebr. wurde der letzte Termin von 10000 Rthl. von denen von 
Ihro Kays. Maytt. Anna Iwanowna der Stadt allergnädigst gereichten Darlehn 
von 100000 Rthl. Alb. abgetra.gen und die darüber ausgestellte Verbindungs- 
schrifft retradiret 1. 
Den 14. Martii verschied der Herr BürgerMeister und Obm'MunsterHerr 
v. Schultzen, welcher seit 1711 der Stadt und dem gemeinen Wesen bei wich- 
tigen Vorfällen rühmlich und mit vielem Nyft'er gedienet, und den 21. ejusdelll 
wurde die dadurch vacant gewordene Stelle mit dem Herrn OberCämmerHel'l'n 
A ndreas Gothan wieuerum besetzet. 
Den 7. .T uly kam der Ruszische YiceCantzler GraU' W oronzow nebst seinel' 
Gemahlin von seinen zweyjährigen Reisen durch Teutschland, Holland, Franck- 
reich uuu Italien zuriick allhier an unu wurde durch den W ortfiihrcnden Herrn 
BürgedIeister Georg Berens unu dem IIClTn OberAmtsHerrn Peter von Schie- 
velbein hewillkommet. J'
r ist ein Herr, der seiner Familie und insonderheit 
seiner auszerordentlichen Verdienste wegen hey Ullserem Hoffe in gantz beson- 
derm Ansehen und Hochachtung stehet. 
S. 'lB Es 2 muste sich dieser Zeit gewisz aus besonderer Vorsehung dergestalt fügen, 
dasz, da Sr. Exc. der Herr GeneralLieutenant und Ritter des St. Alexander- 
Oruens Baron v. Campenhausen einige publique Häuser der Stadt besuchten, 
auch unter andel'll in dem Bezirck des sogenanten Convents des heiligen Geistes 
eine gewisze Stifftung für etliche alte Weiber, welches Campenhausens Blend ge- 
S. 79 nennet wird, antreffen. Da nun Dieselben iIJ Erfahrung brachten, dasz es von 
einem Deroselben hohen Vorfahren gestifftet worden, dabey aber auch be- 
merckten, dasz diese Stifl"tung bey denen verschiedenen unruhigen Zeiten in 
Abnahme gekommen, so wurden Sr. Excellence aus einer nie genug geprieszenen 
Oroszmuht und werckthätigen NächstenLiebe getrieben, mitte1st einer Donation:!- 
Schrift't, welche Sie Em. WohlBdlen Rahte den 28. ]i"'ebr. h: a: zuschickten, 
diesem Campenhausens Elend zu deszen Reparation und beszerer Verpflegung 
der Armen 2000 Rthl. Albr. dergestalt zu schencken, dasz das Capital auf Dero- 
selben El"hGute Nell-Tennasilm hamen, die ü Pro cent aber davon jährlich aus- 
gezahlet werden sollten. Ja, da sich nach geuauer Besichtigung lJefand, daRz 
die Reparation mit 120 Rthl., als des ersten Jahres 1utressen, nicht bestritten 
werden kouten, 80 legten DiesellJen noch 100 Rthl. uud der Herr Regierungs- 
Raht v. Campenhausen, sein Herr Sohn, gleichfals 80 Rthl. hinzu. Uberdem 
verbunden sich Sr. Excellence der Herr GeneralLieutenant den 12. Martii aber- 
mahls durch eine anderweitige DonationsSchrifft, der in diesem ArmenHause he- 


1) B, Il548, 559, f. 2) Der Bericht über ('a1llpenhaUIWtllJ Elend um &MU81J1' n((('hgetmgen. 


"""-
>>>
1746 


der Petrikirche. 


81 


stimten BetFrau jährlich ein gewiszes an Victualien ouer 12 Rthl. an Geld 
zu reichen, solange his es Ihnen oder eincm Deroselben Erben gefallen wiirde, 8. 80 
200 Rthl. Albr., IHn von diesem Onere frey zu seyn, auszuzahlen. 
Wir miiszen hier noch einer wichtigen, wiewohl unangenehmen Materie Er- S. 75 
wchnung thun. Es iHt nicht nöhtig. weitläufftig allhier zu gedencken, dasz 
dieser Stadt die Heißte des PortorienZolles von dem Pohlnischen Könige Sigis- 
mundo IIJ tio geschencket und dasz dieses von allen Herrschafften confirmiret 
worden, es ist olmedem jedweden bekandt. Die Stadt ist bey diesem ihrem 
Privilegio his 1739 ungekränckt erhalten worden. In diesem jetzt henandten 
1739sten .Jahre aher stellte der Herr Oherlnspect.or v. Brmrern in Anleitung 
eines Rescl'ipts vom Kayset.I. Get1eralGouvernement hey dem Portorio die Ordre, 
dasz von denen hiedurch ins Ruszische Reich gehenden Waaren der Zoll bey 
dem Portorio inskiinfftige nicht mehr sollte erleget werden I. Es blieh auch 
leider, aller vielfältigen Vorstellungen ohngeachtet bis Ao. 1742 dahey, als zu 
welcher Zeit durch den nachfolgenden Herrn OberInspector v. Bruiningk auf 
Anhalten der Stadt vorgedachte Ordre gehoben und die Stadt zu ihrem privile- 
girten Rechte verholffen wurde. Doch (lieses dauerte nicht lange, indem der S. 76 
Herr Praefectus Portorii Christian Grllltzel noch zu Lehzeiten des Herrn Oher- 
Inspectoris von Bruiningk die Stadt in dem ruhigen Genusze diesel' ZollRevenues 
zu stöhren unternahm und diese Stadt bey der iiber den Herrn OberInspectorem 
v. Bruiningk allhier verordneten Commission in Bewegung brachte. Da er nun 
nach dem Ablehen des Herrn OherInspectoris v. llruiningk in deszen Stelle ge- 
setzet wurde, so cassirte er nicht nur die von dem W ohlseel. Herrn Ober- 
Inspectore ertheiIte Ordre, sondern bewiirckte auch bey Em. Kayset.I. Reichs- 
CommerceCollegio eine Ukase, vermittelst welcher alle hiedurch ins Ruszische 
Reich gehende 'Vaaren von dem halhen PortorienZoll eximiret wurden. Diesel' 
importanten Sache wegen sahe sich der :Magistrat, welcher seinem Eyd und 
Amte nach vor die Privilegien der Stadt wachen musz, genobtdrungen, mit Ein- 
willigung beyder Stände eine Deputation nach St. Petersburg zu beschlieszen. 
nie Wahl fiel hier abermahl auf den Herrn GerichtsY ogt Herbert von Ulrichen, 8, 71 
von deszen patriotischem Eyffer und Dexteritaet man durch die vorige Deputa- 
tion vollkommen Überzeuget worden, daher man sich auch diszmahl die gröseste 
Hoffnung zu seinem gewiinschten Erfolge mit gutem Grunde machen kan. 
Da nun sowohl durch Abschickung .letztgenannten Herrn GerichtsYogts, 
als auch durch das Absterben verschiedener Mittglieder des :Magistrats, wie auch 
durch die freywillige Abdanckung des Herrn CämmerHerrn Samuel Felmanns 
das RabtsCollegiulll ziemlich geschwächet war, so sahe man sich genöhtiget, die 
erledigte Stellen wiederum zu ersetzen. Dieserwegen wurden zu RahtsMänner 
erkohren und den 28sten Septemhris öffentlich proclamiret der Herr Ober- 
Secretair Andreas Stöver, der Herr Secretair Joh. Yal. Holst, der lIerr SeCl'e- 
tair Joh. v. Benckendorff, der Herr Aeltermann Pet. Fr. Kröger und EIt. Aug. 
Died. Nissen. 
Noch eins können wir hier nicht unberühret laszen. Es ist nemlich in 
diesem Jahre allmählich ein Regiment nach dem andern hier angerückt, welche 
sich mehrentheils nach den Grentzen hingezogen, Bodasz wir anitzo hier in einem 
Bezirck von 20 :Meilen eine sehr considerahle Armee von allerley Arten regu- 
lairer und irregulairer Milice, welche sich auf mehr als 60000 Mann erstrecket, 
haben. Die Ursache und der Endzweck dieser groszen Bewegungen aber ist 


I) B, 11 655. 656. 


6 


......
>>>
A
 


Memorial 


1746 


nur in denen Cabinetten bekandt, und so sehr sich auch Privati bemühen, selbige 
zu ergründen, so bleibt doch bey den wahrscheinlichsten Ursachen noch viel 
Zweiffel übrig. 
Wir schlieszen diese Fortsetzung der Nachrichten von den merckwürdigsten 
Abfällen und Begebenheiten dieser unserer VaterStadt mit redlich gemeynter 
Anwünschung alles deszen, was zu derseihen wahren Nutzen und WachstllUDl 
ersprieszlich seyn kan. Friede, Friede müsze sich in sonderheit bey diesen 
unruhigen und weitaus sehenden Conjuncturen Ulll unsere Hrentze ausbreiten, 
und nichts als Ruhe und Eintracht in unsern Mauren hekaudt seyn. Die jetzige 
allergnädigste Regierung unserer Groszmächtigsten Kayserin und Allertheuresten 
LandesMutter I
lisabeth Petrowna müsze zur wunderwürdigen Aufnahme und 
Verbeszerung unsers gemeinen Wesens gereichen. Alles was Handlung, Ge- 
S. 78 werlJe und Nahrung heiszet, miisze augenscheinlich erweitert, verbeszert und 
von allel' Bedrückung oder Hemmung befreyet werden. ITeucheley und lau- 
lichtes Wesen im GottesDienst, Falschheit, Neid und Miszgunst im bürgerlichen 
Leben müsze verwiinschet, verbannet und ausgerottet werden, sodasz man auch 
die Nahmen diesel' abscheulichen Laster vergiszt. Wahre Liebe, Treue und 
Redlichkeit hingegen müszen einem jeden so eigen seyn, da:;z er dieselben aus- 
übe, ohne sichs vorgesetzt oder drauf gedacht zu haben. Herr, ewiger Gott 
und Vater, von dem wir alles hoffen und erwarten müszen, und der auch ins- 
besondere der Ohnmacht unserer Wünsche mit seiner Allmacht bey treten und 
selbige dadurch würcksahm machen musz, lasz Dein göttlichen Seegen und 
Deine unendliche Gnade zur Erfiillung dieser aufrichtigen Seufzer in wahrer 
Demuht erbeten seyn. 
Ad Amplissimi Senatus mandatum haec conceperunt Joh. Hinr. Schick et 
Joh. Christ. Schwartz. 


S. 80 Die gegenwärtige Herren des Magistrats-Collegii, welche der Herr des 
Lebens bis ins späteste Alter erhalten und mit allerley Seegen überschiitten wolle, 
sind nebst der Cantzeley nachfolgende: 
Herr George Berens, aeltester und jetziger Zeit Wortführender Herr Bürger- 
Meister und OberMunsterHerr, 
- Herr Adam Heinrich Schwartz, BürgerMeister und OberKastenHerr, 
Herr Gotthard von Vegesack, Bürger Meister und Ober W aysenHerr, 
Herr Andreas Gothan, BürgerMeister und OberLandVogt, 
Herr Peter v. Schievelbein, OberAmbtsHerr, 
Herr Johann Friedr. Schick, OherWettIIerl", 
Herr Valentin Grave, OberBauIlerr, 
Herr Hinrich Bewehrt, I.andV ogt, 
S. HI Herr Herbert v. Ulrichen, GerichtsVogt, 
Herr Rötger Becker, Land-Vogt, 
Herr Theod. Hinr. v. Dreiling, Waysen- und AmtsHerr, 
Herr George Chr. Andreae, WettHerr, 
Herr George Gottfr. Brockhausen, WaysenHerr und Praefectus Portorii, 
Herr Andreas Stöver, 
 
Herr Joh. Val. Holst, neuCl'wehlte 
Herr Johann von Benckendorff, Herren des Rahts. 
Herr Peter Friedr. Kröger, 
Herr Aug. Diedr. Nissen, . 
Herr Carl Joh. v. Zimmermann, LandV ogteylicher GerichtsSecretair. 


--
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1746 


der Petrikirche. 


83 


Herr Caspar Elvers, WettGerichtsSecretair, 
Herr Melchior v. Wiedau, AmtsSecretair, 
Herr Zacharias Weyer, Secretair, 
Herr Joh. Just. Schmalenhergk, OberNotair und Notarius publicus. S.82 
Ilerr Carl Wilhchn Lado, Y ogteylicher GerichtsN otarius. 
Herr Stephan GuttIieb Baumaun, Waysen- uud LandVogteylicher Gerichts- 
N otarius, 
Herr Hinrich Wilhelm Lado, RecognitionsGel'ichtsNotarius, 
Herr IAiborius Depkin, I 
Herr Joh. Hinr. Schick, Candidati Juris. 
Herr Joh. Chr. Schwartz, 
Die Glieder Es. Ehrwiirdigen Ministerii nebst den Collegen an der Cathedral- 
Schule sind nachfolgende: 
Herr M: NicI. Wilh. Schultz, OberPastor und Assessor des StadtConsistorii, 
Herr Nathanael Skodeiski, Pastor am Dohm und Assessor Consistorii, 
Herr Caspar Eh,-ers, Pastor zu St. Johannis und Assessor Consistorii, 
Herr Rötger Sehtlens, WochenPrediger und Diaconus zu St. Johannis, 
Herr Christian SixteI, erster WochenPrediger, 
Herr Joh. Christopher Goerken, anderer W ochellPrediger, 
Ilerr Joachim Fanter, Diaconus zu St. Peter, 
Herr Justus Emanuel von Essen, Diaconus am Dohm. 
Kindler, Rector, S. 83 
Willisch, ConRector, 
Tilesius, SubConRector, 
von Essen, Cantor et Director Musices, 
J osephi I 
IIoffmann Collegae. 


Die löbliche ElteBtenbanck Groszer Gülde 1 : 
Die gegenwäl'tige respect: Herren Officiers der beyden reitendeu grünen 
und blauen Bürgercompagllien: 
Der Herr Rathsverwandter Samuel Fellmalln, Rittmeister. 
Elt. Johann Koenigsfels, Lieutenant der blauen Compagnie. 
Elt. Adolph Holst, Bubstituirter Lieutenallt. 
EIt. Wilhelm Groth, Cornet der grünen Compagnie und 
Hinrich DiefeIt, Cornet der blauen Compaguie. 
Lect: et approb: in Senatu den 3. Octobris 1746. Andreas Stoever ll Scrs. s . 


1) Das Verzeichnis tier Ältcsten fehlt. 
B) Lect. u. 8. w. d1trchgeRtri('hcn. 


11) n'ar am 28. Sept, in den Rat gewählt 1vordell. 


6* 


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1 


Erste Abteilung: 
ehron iken. 


5. 
Tagebuch des Ratsherrn Peter von Schlevelbeln 
1709-1760. 


-vv'INVIN"\N\I\!\NV-
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Tagebuch 
des Ratsherrn Peter von Schievelbein 
1710-1760. 


1710. 
Ao: 1710 den 4 oder 5ten Julii 1 übergab die Stadt sich an lhro Gl'OSZ- S. 43 
Czaariscbe Maytt: und den 14 ejusd. war der Huldigungs Tag, da so wohl die 
Ritter- und Bürgerschafft Ihro Mtt: den Eyd der Treiie leisteten'. 
Ao: 1711 den 18 Novembris waren Ihro Maytt. zum ersten mahl bisz den 
t! Decembris nach der Ubergabe alhie s . 
Ao: 1711 den 12 Decembris foderten Ihro Durchlaucht der Fürst Menzikofr 
von dieser Stadt Deputirte nach Reval, da dann der Herr BürgerMeister Joh. 
v. Benckendorff, der Herr Secretair Joh. Schrader nebst AItermann Joachim 
Kordes und EItister Georg Beyer dahin abreiseten 4 . 
Ao: 1712 den 22 Januarii kahm ein Rescript umb einen Wechsel nach 
Holland von 100000 Rthlr. zu iibermachen, welche I. Maytt: an Copeken a 80 
pro 1 Rthlr. alhie wieder gut thun laszen wolten 5 . 
Ao: 1713 den 22 Januarii hat sich das Wetter zur starcken Dauung ange- 
laszen und continuiret bisz den 5 Februarii. 
Eodem kahm der Czaarische Cron-Printz umb 2 Uhr Mitdags alhier zu der 
Neü Pforte ein und logirte in Hennebergs Hausz, hat allen Staat verbohten 
nicht mit Gewehr oder Canonen zu schieszen 6. 
Ao: 1713 den 11 Julii kahmen Ihro Fürstliche Durchlauchtigkeit Peter 
Alexiewitz Korribut de Gallizin aIsz Goubernator über die Province Liefland 
hier an 7. 
Im November Monaht entstand ein hefJtiger Sturm, davon 5 Schiffe bey der 
Stadt und 3 auf der Rhede verunglücket sind. 
Ao: 1714 den 5ten bisz an den 12ten April hatte sich das Waszer derge- 
stalt ergoszen, dasz es die an der Kaye liegende Schiffe bisz oben an das Boll- 
werck in die Höhe hub, worauf wir den einen dürren heiszen Sommer und eine 
starcke Seüche unter dem Vieh erlebeten 8. 
Ao: 1715 im Januario fand sich einer Nahmens Andreas von Ludbach aus 
Preüszen gebürtig alhier ein, welcher allerhand Schrifften ausstreüete, dem am 
21 Februarii das consilium abeundi von dem hiesigen Magistrat gegeben wurde 9 . 
Ao: 1716 den 1 Februarii waren Ihro Maytt: zum 5ten mahl hier, da der 
Herr Ober-LandVogt Brockhausen 10 in Ihro Maytt: Ungnade verfiel und nach 
Siberien wandern muste. 


1) IS. Juli nach 3c1twediBchem Kale/lder. 11) B, 1 9. 19. :!1. S) B. I 164 If. 169. 
4) B. I 175. 188. 189. 6) B. 1 184. 6) Ao. 1713 u. .. w. am Bande. 7) B. I 261. 
8) Ao. 1714 u. .. 10. i8t in O. auf S. 52 verzeichnet. 9) B. I 300, 1. 10) B. I 348 If.
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88 


8chievelbeins 


1717-19 


Den 8. Augusti 1717 ist der Herr eltester Bur
erMeister von Öttingen mit 
Abfeiirung 10 Canonen von den Wällen in St. Petri Kirchen hegraben worden '. 
Ao: 1717 den 10 N ovembris feyrete man hie das Reformations Fest den 
theiil'en Mann D. l\Iartin Luther zu Ehren, mit Loben, Dancken und Singen in 
allen Kirchen. Der Text den der lIerr General Superintendens Bruningk er- 
wählet war aus dem 12 Cap. Daniel 2 . 
1718 den 2 Januarii kahm ein Wolfl' iiber den Wall hey dem Badstuben 
Rundei und lief bisz nach Heidvogel sein Hinterhausz wurde von den Ruszen 
todt geschlagen und das Fell kauffte der Herr Fellruann vor !JO Copeken s. 
Ao: 1718 den 12 .Martii wurde nach geschehener Manifestation von lbro 
}Iaytt: dem ji'mgsten Erb-Printzen Petro Petrowitz alsz künfftigem successori des 
gantzen Ruszischen Reiches in der Duhm Kirchen vor dem Altar von denen sämht- 
lichen Einwohnern und Bürgern dieser Stadt der Erb-HuldigungsEyd geleistet 4. 
Den 27 Augusti wurde die Diebes 
Iutter Butzaus aru Kake mit 10 Paar 
Ruhten gestrichen und die Stadt verwiesen 5. 
1718 den 1 Decembris war das Glockenspiel 6 fertig und spielte zum ersten 
mahl allein nach der Belagerung und der betrübten Pest-Zeit. 
1718 den 10 Decembris wurde der Ritter St. Jürgen wieder auf das N eiie 
oder schwartzen Haüpter Hausz gesetzet, worinnen neüe Schrifften geleget was in 
diesem Seculo passiret 7. 
S. 44 8 Ao: 1719. 
Den 1 Januarii wurde in beyden Kirchen Teütscher Gemeine die Anzahl 
der Todten, Getaufften und Verehligten bekant gemacht: 
Im Ehestande waren getreten und copuliret. . 45 
In beyden Teütschen Kirchen waren getautfet . 214 
An Leichen waren in dreyen Kirchen beerdiget 53 
In St. Johannis 9 waren getauffet . 151 
und beerdiget. . . . . 70. 
Den 2 Januarii wurde alsz am Freytage in der St. Peters-Kirchen keine 
Predigt gehalten. 
Den 18 Januarii war die Fürstin unsers Gubernatoris Fiirst de Gallizin 
Gemahlin mit der Frau Brigadierin von Busch, der Praesidentin Isajeff und 
einer Majorin des morgens in der Peters-Kirchen, sie sasz in dem Stuhl sogleich 
am Cohre, es ward eille herrliche Musique gemacht uml lIach gehaltenen Gottes. 
Dienst ihr alles in der Kirchen gezeiget. 
Den 19. - fing der starcke Mann Eichenberg an seine force in dem Speicher 
mit dem Elephanten bezeichnet, sehell zu ht8Zen. Die Zuseher gaben 12 Mark 
im ersten, 8 Mark im andern und 4 Mark im letzten Platze vor den Eintritt. 
Den 3 Februarii ward der vorige Alterman Johann Holländer bestätieget 
und zu Altesten der Groszen GiUde nachfolgende 4 erkohren (wieder die Kgl. 
resolution de Ao: 1677 d. 29 Julii 
. 10 10) Antoni Thyring, Andreas Raine, 
Eberhard Rademacher und Johann Ludioff davon die beyden ersteren reformirter 
Religion, so noch niemahlen sonst sind zur Giilde admittiret worden 11. 


]) Den 8. Augusti u. s. w. (Im Rund,'. I) Vgl. B. [423. 424, S) 1718 u. s. w. 
(Im Rande. 4) B. 1. 430. 438. 6) Deli 27 Al1gusti u. R. IV. mn R(uule. 6) In dem 
Tunn der Petrikirclle. Vgl. B. J II Abteil. 4 nr. 12. 7) B. 1 II S. 10. 8) Der Bogclt 
S. 44 bis 51 mit Nachrichten vom 1. Januar 1719 bis zum 7. Dez. 1720 ist naclitrüglich eingeheftet 
worden. Er enthält die S, 52 u. S, 53 gegebenen NuchrMtlm mit za1t1,'eiehen Ergiinzungen. 
S. 5213 Mer nicht gedruckt. 9) Die Kirche der Untt.'ulsrhen. ]0) fRA. caps. f: 
U) B. III Abtiil. 1, 9.
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1719 


Tagebuch. 


89 


nen 7 ging der Herr Elster Johann Damm, weil 

r mit dieser Wahl gantz 
nicht zufrieden sondern protestiret hatte nicht mehr im Elsten- sondern alsz 
Portorii Notarius im Raht-Stuhl J und zwar in die Banck vor den Qvartier Herrn. 
Den 10 )Iartii hielte dm' Herr Rahts und AmptsHerr von Nordeck mit der S. 45 
.Jungfm' Bal'bara Elvers in der Fasten-Zeit mit 1\1 usi c da sie den Sontag vorher 
zum 2ten und 3 ten Mahl auffgebohten waren, Hochzeit, welches das erste 
Bxempel dasz wieder die Kirchen-Ordnung 2 nachgegeben worden. 
Deu 22 }Iartii wurde das Fest 
Iariae Verkündigung auff den Sontag pal- 
marum gefeyret, so doch den 25 hujus erst einfällt. Dieses ist theils wieder die 
Kgl. Schwedische hier introducirte Kirchen-Ordnung', theils auch wieder die 
gewöhnliche praxin, da man sonst den Sontag zuvor es von den Cantzelln pfle- 
get intimiren zu laszen. 
Den 25 Martii ging die Durchlaucht. Hertzogin von }Iecklenlmrg Schwerin 
hier durch nach Petershurg so bey Ihrer Ankunfft und Abreyse mit etlichen 
Canon-Schüszen heehret wurde. 
Den 1 April fing das Eysz in der Duna an zugehen und zwar gantz gelinde 
bey schöuem Wetter, dasz Gott lob nichts böses dieszmahl zu befahren seyn wird. 
Den 17 April kahm alhier Ihro Durchlaucht der Fürst Repnin alsz General- 
Gouverneur aus Pohlen morgens Ulub 10 Uhr an, unser voriger Gubernator 
Fürst de Gallizin hatte sich schou 8 Tage zuvor in sein Garten Hausz begeben, 
doch nahm seIhigel' den neü ankommenden auffm Schlosze unten an der Treppe 
entgegen, und fiihrte Ihn auch in sein Garten zu Mittage zum eszen s. 
Den 19 starb die Frau Blstm'in Bojerts gantz schleiinig nach der )lahlzeit 
umb 12 Uhr, da sie früh noch in der Kirchen und über der !Iahlzeit gantz 
wohl auff gewesen. 
Den 6 May reisete der vorige Herr Gubernator Fürst de Gallizin von hier 
weg und hinterliesz viele Schulden sowohl bey den Kauff- alsz Handswercks Leiiten 3. 
Den 8 May repassirte 4 die Hertzogin von )[ecklenburg alhier und wurde 
von der Stadt defrayiret, doch hielte Sie hier nur eine !Iahlzeit und ging so- 
gleich nach gehaltener Tafel von hinnen nach .Mitau, Ulub ihre Reise weiter 
fortzusetzen. 
Den 13. wurde der Herr Oottf'ried Berens alsz SeCl'etaire und Herr Her- 
mann Wulfl' als Ober-Notarius im Rahte vorgestellet. El'stel'er war also der S. 46 
erste Hte Secretarius und der andere hatte das Glück dasz Herr Secretarius 
Rederanck, der auch zugleich Ober-Notaire war, ihm das Proto-Notarhtt abtrat. 
Den 15 May entstand Abends bisz den lti Abends ein ungeheiirer Sturm 
und Wind Ulld litten die vor tinigen Tagen angekommene Strusen theils groszen 
Schaden, theils wurden gantz an den Bollwerck zers eh eitert und gantz mit ein- 
habenden Wahren in den Grund geschlagen. Es sind mehr den 30 Struszen 
ohne die lIoltz-Flöszer zu Grunde gegangen und in Schaden gesetzet worden. 
Den 17 l\fay wurde die Tram' über den Höchstseeligen Hintritt des Durch- 
laiichtigen Cron-Printzen Ihro ('za
u'. Maytt: Petri Petrowitz von den CantzeIn 
intimiret ä. 
Den 
l May wnrde von 12 hisz 1 Uhr 
littags mit allen Glocken der 
Kirchen dieser Trauer wegen zu htiiten angefangen. 
nen 30 .May feyreten 1111'0 }'ürstliche ])urchlauchtigkeit Unser General 
Gouverneur Unsers Kaysers Oebuhrts-'I'ag, an welchem 'I'age alle Krahm-Buden 


1) in der KiI'clle. 
S) B. I 48,'1. :187, J. 


11) Kir('ltettgl!setz und Ordnung Kurl Xl. BStR., Jur. Abt. :¥J:J9. 
4) Vgl. abetl unter 25. 
""Iiirz. !I) B. 1 493.
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90 


Schievelbeins 


1719 


fest und die bey Hofe genöhtiget in couleur Kleidern zu erscheinen angesaget 
waren. Die Wache zog auch mit klingenden Spiel auff, die Officirer hatten ihre 
schwartze auff den Armen gebundene flöre abgeleget und den 'rag wurde auch 
mit Laütung der Tram'-Glocken eingehalten. 
Den 7 Junii reysete unser General-Gouv: 
'ürst Repnin nach Pernau und 
Reval umb I. GI'. Z. M. alda zu finden. 
Den 18 wurde am Freytage in der St: Peters Kirchen nicht geprediget, 
weil der Herr Pastor J.Jauterbach, wie Er nach die Kirche gehen wollen, in 
Ohnmacht gefallen. 
Den 13 J ulii wurde fiir den verstorbenen Cron- Printzen zu laüten alhie 
auffgehöret. 
Den 14 Julii wurde in der Jacobs-Kirchen eine Frau Christina Johanson 
genant aus Christiania in Schweden gebiirtig von 115 Jahr 2 Monat und 3 Tagen 
alt, begraben, so ao. 1604 geb: und zum erstenmahl sich 1621 verehliget. 
2. Ao. 1653. 
S. 47 Den 24 Julii kahm der Herr Vice-Gouverneur Woywakoft. in Riga an I. 
Den 3 Aug: umb halb 10 des Morgens starb der Herr General Major und 
Ober-Connnendant von Busch alhie, der denselben 'rag von hier nach seinem 
Gouvernement in Narva auffbrechen sollen. Den 6 ejusdem wurde dieser Wohl- 
seel. Herr in der Thum-Kirchen zu Mittage in Begleitung zweyer Regimenter 
und anderer solennitaeten zur Erden bestattet bekahm auch 8 Schusz von den 
Wällen 2. 
Den 16 Aug: wurde in der Kirchen eine Relation aus der Insul Lameland 
von I. Cz. Maytt. glückliche progressen mit seiner Plotte in Schweden von den 
CantzeIn abgelesen, das Te Deum gesungen, eine herrliche Musique gemachet 
und war die Cantzel mit roht Tuch behangen und der Trauer den Tag ab- 
geleget. 
Den 26 Aug: sind zwene Bürger ein Knochenhauer und ein Schneider, 
welche den Schlag-Baum bey der Pforten par raillerie zugezogen und die Schild- 
wache, so es verwehren wollen, die Hand geqvetschet haben, aus der Cron- 
Wache als worunter sie schon 4 Wochen geseszen, ausgelieffert, uud der Stadt 
zur Execution des über ihnen vom Krieges Gericht gefälleten Urtheils über- 
geben. Das Urtheil wal' dieses Inhalts: dasz sie solten auf die GaIeren ge- 
schmiedet werden. J. Dm'chI. der Pürst Repnin Unser Hochverordneter General- 
Gouverneur hat es in so weit leuteriret, dasz sie 9 Tage auff Waszer und Brodt 
sitzen sollen 9. 
Den 20 Septembris wurde Jfr. Helena Maria Brandt eines BItesten der 
Groszen Gilde Tochter und Stieff Tochtel' des Herrn Commissarii 4 Diedrich 
Zimmermans ohne Decke und von Eltesten der schwartzen Haiipter getragen. 
Den 22 September wurde Arend Uaade zum Dockmann auff der groszen 
Hiildestube erkohren. 
Den 27 Sept: wurden zu Herren des Rahts erkohren, der Herr Secretarius 
Georg Raes, Sem'et: Georg Berens, Altel'mann Johaml Holländer, Dockmann 
Adam Him'ich Schwartz und Commissarius Diedrich Zimmermann. Der letzte 
ist weder Bürger, Bruder noch Elster gewesen, sondern wegen seines Reich- 
thums und ansehnlichen Handelung in consideration gezogen worden 11, Er ist 
ein leiblicher Bruder des Herrn LandtV ogts Christian Zimmermann. 


1) B. 1 506. 11) B. 1 509. :I) B. I 50'1. 
5) B. I 514. 524. Vgl. B. III Abteil. 4 nr. 6. 


4) l.'On Holland. B. I 268, li.
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719-20 


Tagebuch. 


91 


Den 28 Sept: war die EIsten ßanck in pleno auff der Güldestuben wegen S, 18 
geschehener Rahts- Wahl zusammen und deliberirten was für consilia zu faszen, 
weil die membra ihres Collegii vordieszmahl so .gantz wären übersehen und 
Diedrich Zimmermann, der weder Bürger noch Bruder gewesen oder werden 
wollen, in den RahtsstalHI erhoben worden. Da dann die consilia dahin aus- 
fielen dasz sie mit einer Schrifft protestando einkommen wolten und EIsten 
Göschen, Schiff hausen und Osterhoff dem Vice-Altermann möchten a consiliis 
seyn und der Advocat Schmidt so etwas auffsetzen möchte 1. 
Diesen Sommer hatten wir eine grosze Dürre und brandten liber der Duna 
viele Wälder und Büsche ab, auch war es so klein Waszer in der Dun3, dasz 
man mit Kutschen an unterschiedlichen Orten alsz bey Nulpenholm, Grosz. 
JungfernHoff durchfahren können. 
Den 2 Decembris fing es l'echt an zu frieren und die Duna wurde auch mit 
Eysz darauf belegt, dasz bey der Citadelle welche zu Fusz i1bergekommen sind. 
Den 8 Decembris hielte 1\1. Gottlieb Friedr. Praetorius, Past: auf Caltzenau 
und Feteln mit der Jgf. Anna Catharinll. Hilleboldt alhier Hochzeit, der vorher 
mit einer gewiszen Persohn sich gantz verbündlich verlobet, und ihr nachmahls 
100 Ducaten zum Ahtrage gegeben hatte. 
elhe Persohn hatte kurz vorher 
mit dem Parüqven Macher Hinrich Lüders Hochzeit gemacht und war eine Aus- 
länderin Nahmens Anna Grisier so vermählt gewesen zu Berlin mit MI'. Deuil 
einen Refugier und sich selbst geschieden. 
Den 13 Decemhris ward von den CantzeIn ein Vel'bot abgelesen, dasz Nie- 
mand des Abends ohne Feür, oder alleine sondern zum wenigsten selbstandel' 
gehen solte, bey Verwarnung des arrest und wenn ihm eine Ungelegenheit über- 
kähme, nicht gehöret zu werden i. 


Ao: 1720. S.49 
Den 1 Jan: wurde von den CantzeIn kundgemachet dasz 51 paar im Ehe- 
stand getreten, 195 getauffet und 101 zur JJrden best1tttet wären in voriegem Jahre. 
Den 29 .Tan: wurde der nach St. Petershurg gehende Polnische Grosz- 
GesandterS von uer Bürgerschafft zu Pferde, davon die Helfften alle in hlauer 
Kleidung waren uud ein weisz Baud mit einer schwartzen Kante auff den Huht 
gebunden hattcn, eingehohlct. Von dem Carl::;- Thor hisz an sein qvartier in der 

andstraasze, waren die in der Gal'l1ison liegende Soldaten auft' bey den seiten 
2 Reihen hoch in den Gaszen auffgestellet und bey passirung des Gesandten 
wurde das 8piel gerühret, die Fahnen geschwungen u. mit den Piquen die 
levade gemacht. Von Seiten der Stadt war uer Herr OberWettHerl' v. Löwen- 
stern u. Secretarius G-ottfried Berens ihm in der LandV og1;ey entgegen gefahren 
umb ihn zu complimentiren. Hier in der 
tadt unu zwar in sein qvartier bene- 
ventirte ihm der WortfiHIl'ende Herr I3iirgermeister ChristiRn Zimmermann, der 
Herr GerichtsVogt Georg Raes und Secretarius G. Vegesack machte das Wort. 
Den 5 .FebI': brach der Polnische GroszGe::;andter von hier auf u. con- 
voyirte ihm die Bürgerschafft zu Pferde ein viertel )Ieil aus uer 
taut, doch 
ohne Deputirte des :Magistrats'. 
Den H.J. Fehl': w11l'de im Raht eine suppliljue verlesen so die Erben von 
Öttingen eingegeben, worin sie umh ein attestaturn wegen Ihres seel. HerI'll 
Vaters des weyland gewesenen Herrn BUl'ggl'afl'en u. Bllrge1'1Ieisters Ii W ohlvel'- 
balten in seinen beyrn Rabtbause geführten Ämbtern baten. 


1) B. I 517. 5
. I) B. 1527. 
4) Deli 5. Febr. u. 8. w. am Rande. 


S) S, 53: Cbommalltowsky. Vgl. B. III S. 31. 
Ii) E,' war am 8. Aug. 1717 begraben worden. 


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92 


Schievelbeinll 


1720 


Den 22 Febr: geschahe der EIsten Wahl u. wurden 3 erkohren Michel 
8. ßO Kesler, Hermann Harmes u. Eherh: Bulmering. Imgleichen wurde zum Alter- 
mann erkohren Johann Göschen. Den 11 Martii wurden sie vom Rahte bestätiget. 
Den 23 nahmen die EItesten der schwartzen IIaiipter in ihrer compagnie 5 
auf Coleton ein EngeUänder, Joachim Kordes, Dönniger, Schacht und Georg 
Knauert. 
Den 26 Fehl': starb der Herr Hinrich Kahl OberCämmer in seinem 85. Jahr, 
alsz ein emeritus, denn er seit 1714 nicht mehr auft' Rahthausze gewesen wal'. 
NB. den 29 
fartii wal' das Cassa Collegium zusammen u. legte der neüe 
Altermann Göschen eine schrift'tliche protestation ein wieder die geführte dis- 
position des Herrn Uurggraft'en von Benckendorft'l. 2. 
Den 30 Martii gebahr die Frau Burggräfin von Benckendorft' Zwillinge, da- 
von die Tochter todtbahr, der Sohn aber am Lebend wal' und Johann Michel 
genennet wurde. 
Den 8 Julii fing morgends umb 8 Uhr der Speichel' bey den 3 Cronen un- 
weit der Küter Straaszen an zubrennen, durch Hiilft'e des Höchsten und guter 
Anstalt wurd er gegen 11 Uhr vormittag noch gelöschet. 
Deu 18 Julii starb die Fr. Rahtsherrin Rennenkampft's, in welchem Hausze 
das Weysen Gericht wegen der beyden abwesenden Herrn Söhnen wollen ver- 
siegeln laszen, so aber von Praefecto Ottingen alsz Schwiegel' Sohn nicht zu- 
gelaszen worden 3. 
Den 7 A ug: kahm der Polnische Ambassadeur der Herr W oywod von Ma- 
suren wieder von 8t. Petersburg alhier an, und wurde mit gleicher Ehrenbezei- 
gung, alsz Ihro Excell: bey dero Ankunft'/; geschehen, entgegengenommen, den 
10 Aug: von hier aus begleitet". 
Den 18 Aug: langten ]hro Hoheiten die Hertzogin von Cuhrland 5 alhier an 
und logirten sich in Ihro Maytt: bey der Neü Pforten gelegenen Hausze. 
S. 51 Den 1 Septembris kahm der Fürst Menzikoft' aus der Ukraine hier in Riga an. 
Eodem starb der Stadt-Kasten Notarius EItist. Georg Meiners da dann sein 
pulpet auf Geheisz des Herrn OberCammerHerrn in Beyseyn eines Kasten Bür- 
gers und eines des seel: Verwandten von dem Kasten-Diener versiegelt ward. 
Den 5 Sept. reiseten I. FiirstI. Dm'chI. der Herr General FeldMarschall 
)Ienzikoft' von hier ab und nahmen ihre tour über Aahoft' nach Petersburg. 
go dem waren die Altesten der groszen Giilde auf der Giilde Stuben zu- 
sammen und deliberirten iiber die den Herrn Alterlllann Kordes von den Fürsten 
Menzikoft' ao. 12 6 ertheHte Vollmacht, dasz ein Alterlllann der gr: Gülde übel' 
die Stadt Secretarien gehen solte. Da dann der Schlusz gefaszet, dasz weillllan 
dazu kein fundament hette alsz llliiste wohl diesel' praetendirte Rang nachbleiben 
und nichtmahl davon Regung geschehen 7. 
Den 13 Septembris wurde der Anfang zur Stützung der auf dem alten 
).[arckt stehenden Kake gemachet, da dann vorher der Herr OberVogt, Gerichts- 
Vogt, Secretarius Judicii und N otarius deszelben nebst den GerichtsDienern in 
Begleitung der Zimmer und Maurmeistere UIuh 8/ 4 auf neün morgens vom Raht- 
hausze ab, dahingegangen, woselbst nach geschehener Rede von dem Herrn 
OberVobrt ihm mit einer neiien KeUe, damit er auf die dazu gelegte Steine 
3 mahl Kalck werft'en und ein Beil, mit welchem er das Holtz 3 mahl einhauen 
miiszen, pl'aesent iret worden 11. 
1) NB. U. 8. w. a-m Ramie. I) 
ql. B. 1 tU9. ") Uen 18 Julii U. 8. W. am 
RfI'IU't'. 4) Vgl. oben S. 91. ,,) Anna. 6) i. O. 17. 7) B. I 184. 314,10. 
572. 11) Vyl. Bu('lIholtz, SB, 1898 S. 24 n: 


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1720-21 


Tagebuch. 


93 


Den 
4 Sept: 1720 hielte llernhard llückelhaven Eltister der I:!chw: Haüpter S. 54 
mit Anna Vogt seeI. Joh. Springmanns nachgelaszener Wittiben auf dem Neüen 
Hausze Hochzeit, woselbst in vielen Jahren keine Hochzeit gewesen '. 
Den 7 Decembr. kahm Bltister Hermann Reimers sein in der Crahmer 
Straaszen belegenes Hausz umb 5 Uhr morgens im Brande, welches durch gött- 
liche Direction und gute Veranstaltung ohne weiteren Schaden gedämpffet wurde. 


Ao: 1721. 
D. 4 Januarii wurde das neii erbaute höltzerne Gebaü am Walle bey der 
Sand Pforten denen Armen zum Besten zum Hospital Hausz in Beyseyn derer 
Herren Inspectoren u. Vorstehern von dem Herrn Diacono Johannitico ll Caspar 
Elvers eingeweihet und eine Predigt darin gehalten aus den Sprüchen Salo- 
monis 22 Cap. v. 12. 
Ao: 1721 d. 17 Martii langeten Ihro Hochfürstl. Dm'chI. Carolus Friede- 
dcus I1ertzog zu Holstein Gottorff hieselhsten an
 worauf Ihro Maytt. auch sich 
einfunden und den 22 May wieder mit dero gantzen Hoffstaat nach Reval auf- 
brachen, dem der Hertzog d. 24sten folgetes. 
Den 10 May ward durch einen unvermuhteten und ziindenden Wetterschlag 
die hiesiege St. Petri Kirche des morgens mub 5 Uhr im Brande gesetzet und 
obgleich alle hestmöglichste Anstalten angewandt wurden, so haUfen solche 
wieder das strenge Gericht Gottes nicht, sondern das Ober-Dach der Kirchen, 
der Thurm mit dem schönen Glocken-Spiel, und alle Gestiihle zu sambt denen 
Zierahten in der Kirchen wurden in die Asche geleget und die in dem Thurm 
hangende Glocken wie nicht weniger das Kupffer von der brennenden Flamme 
verzehret
. 
Den 30 Augusti umh 1 Uhr in der Nacht wurde zwischen Ihro l\Iaytt: unsern 
allergnädigsten Kayser Landes V atem und Herren und ]hro Maytt. dem Köninge 
zu Schweden Friederico zu N eiistadt Friede geschloszen, krafrt deszen Lieft'- 
Ehst- Ingel'man- und ein Theil von Finnland Ihro Kayser!: Maytt. Petrum den S. 55 
Groszen abgetreten worden 6. 
Den 28 Septemhris überbrachte diese höchst erwünschte Nachricht der Herr 
See-Capitain Martin Goslar auf Ihro KayserI. Maytt: allergnädigsten Befehl an 
uns, welcher mit seinem Herold und dem Friedens Fahn-Träger alhier sehr wohl 
empfangen, mit 300 Dukaten regaliret und von allen Ständen tractiret worden G. 
Auf das Geschenck, so die Stadt den Friedens Bohten gab 7, stand 
Es kann dich keine Stadt nach Würden gnug beschencken 
Weil alles Gold der Welt den güldenen Frieden weicht 
Doch wehrster Goslar nim dis schlechte Angedencken 
so Riga höchst erfreüt durch deine Bohtschafft macht 
Ao: 1721 d. 28 Septembris. 
Den 30 8 Septembris wurde einhellig beliebet Ihro Maytt: per deputatos 
in aller U nterthänigkeit zu diesen so glorieusen Frieden fuszfälligst zu gratu1iren 
und wurden von hier der Herr BürgerMeister Zimmermann, der Herr Cämmer- 
Herr Adam Hinrich Schwartz, Ich P. v. S.9, alsz Secretair, der Herr Altermann 
Johann Gösche, JohaDll Oltmann, Altermann der kI. Gülde, Eltister Samuel 


1) Den 24 Sept. u. s. w. am Rande. i) der Johanni8kirehe. S) B. 1598. 
4) B. 1 605. B. 111 Abteil. 4 nr. 12. a) B. I 624. 6) B. I 625. 629. 634. 1) Einen 
silbernen t'C'fgoldt:lrn Brche?'. E,' kostct( 33 Rtf. 30 (1'1'. Alb. RA" Belege rIeB Stadtkal1tenB, 
Allg. A
lIgaben 17:.!1 /;00. 16 1Jr. 158. 8) i. O. 31. ") Pete?' von Scllievelbei1l. 


--
>>>
!I4 


Scltievelbeins 


1721-23 


Pellmann und Christian Klug, Jmister der kl. Gülde nach St. Petersbm'g abge- 
ordnet 1 , damit sie der Stadt Angelegenheit und Nohtdurfft 1hro l\faytt. mithin 
vortragen möchten. 
Den 22 Octobris bisz an den 28 ejusd. wurde diesel' groszen Gnade des 
endlich bescherten Friedens wegen Gott ein Danck Opffer gebracht und mit 
Kirchen gehen, laüten, musicircn, illumination es etc: gefeyret
. 
Den 26 Octobris sprung der bey uer Kiihter Pforten beynahe reparirte 
Pulver Tlmrm mit einem entsetzlichen Knall in die Lufft, und blieben viele 
Menschen hiehey, auch vernhl'sachte dieser nnvel'hoft'te Sprung einen groszen 
Schaden. 


S. fJ6 


Ao: 172l. 
Vom 28 bisz d. 31 J Rnuarii wurde ZUlU dritten mahl mit cessirung aller 
Arheit wegen des erlangten Friedens gefeyret. An dem Tage da die Stadt auf 
dem Rahthausze tractirete, flosz dem gemeinen :Mann zum Besten aus einen 
doppelten Adler rohter unu weiszer Wein. 
Den If) April als 'am Sontage .Jubilate waru alleu und jeden I
inwohnern 
dieser Stadt in der Dohm Kirchen der HuldigllngsEyd ratione successionis ah- 
genommen und muste ein jeder seinen Nahmen und Stand in einem Buche 
schreiLen mit den Worten: habe geschworen und unterschrieben s. Der Hcrr 
General Superintendens Hinrieh l
l'llningk, alsz Oher-Pastor hielte vor diesem 
Actu eine Rede und hatte sich zum Themate: Fiirchtet Gott und ehret den 
König, aus der 1 Petri 2 v. 17 erwehlet. 
Ao: 1722 d. April setzte sich alhier eine KaY8erl. verordnete Commission 
umb denen abwesenden ihre Gühter laut des Nystädtschen Friedens zn resti- 
tuiren 4 . Sie bestund aus I. H. D.II 4 Ohristen u. 4 aus dem L.6. 
Ao: 1722 wurden der Stadt zum Behuf der Commercien vermöge Rescripti! 
vom 9 May und den 5 Jan. 1724 eingelangten hohen Ordre 12 Schiffe ge- 
schencket 7 . 
1722 d. 29sten Septembris wurde die erste Nacht-Wache mit den Nacht- 
Rufern und das Blasen auf dem RahthauszThurm wieder angefangen wie es in 
vorigen FriedensZeiten gehraüchlich gewesen 8. 
Ao: 1722 d. 26 Octohris wurde alhier auffm Neüen Hausze die der St. 
Petri Kirchen zum Besten den 1 Febr. a. c. angestellete Lotterie zu ziehen 
angefangen. 
1723. 
D. 23 Fehl'. Abends umh 10 Uhr begunte das Eis in der Duna an zu gehen. 
Den 26 ging es gantz langsahm fort. 
Ao: 1723. den 10 Novembr. am Martinstage fingen die Reformirten öffentl. 
ihren Gottes Dienst in der Frau Holtzen in der Jacobs Straasze gelegenem 
Hausze an, da sie vorher einen Prediger Nahmens Johann Hinrich Thorvart 
von Hessen Cassel verschrieben und von Jhro Kayserl. Maytt. die FreJheit dazu 
erhalten vermöge E. Hochprl. Kayserl. Regierung Rescript vom 2ten Au- 
gusti 1722 11. 
J
odem anno wurden vier Uhr-Scheiben, da vor diesem nur eine an den 
Duhms Thurm gewesen, oherhalb dem untersten Umbgange gesetzet. 


1) B. 1 633. 
637. 13, 4. 
Vgl. B. I 13, 4. 
(1) B. I 674. 691. 


2) B. I 632. 640. B. III Abteil. 2 nr. 3. 5) B. I 672. 

) 1ln'o Hochfü1'st1iche D'UI'chlaudd: d. i. FÜ,'st Repni1/. 
7) Die Befehle sind v. 17. Nov, 1721 und t'. 5. Ja1/. 1724. 
9) B. I 682. B. ITI Abteil. 1, 9 b. 


4) B. I 
6) Lande. 
R. T 647. 73ß.
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1724-25 


1'sgebnch. 


95 


Ao: 1724. 
Ao. 1724 wurde dei' Hf'rr General Superintendens Bruningk nach St. Pe- 
tersburg gefodert alda Er denn Rockentin wegen der entwandten Jubelen aus dem 
Josua am 7 Cap. 19 v. anredete u. ihn zur Bekäntnisz brachte. 
D. 12 Januarii wurde am 1 sten Sonntage post Bpiphanias die St. Peters 
Kirche bey sehr volekreicher Versammlung, nach dem Brande von den 10 May 
1721 wieder eingeweihet und zum ersten mahl der Gottesdienst darin gehalten I. S. 57 
Den 18 1\Iay kahm der Herr FlügelAdjutant und Capitain Nemzoff des 
Abends umb halb 7 Uhr von Moscau alhier an und berichtete dasz Ihro Kayserl. 
Maytt: unsere allergnädigste Kaysel"in den 7 May gekröhnet worden. Von Stadt 
Seiten waren der Herr BÜrgerMeister Christian Zimmermann und der Herr 
CammerHerr Adam Hinl"ich Schwartz umb die Kröhnung Solennitaeten beyzu- 
wohnen auch die gratulation abzustatten, nach geschehener manifestation und 
gedruckten Patents den 15 Decembris 1723 nach Moszcau deputiret worden I. 
Inzwischen wurde noch den 18 May Abends umb halb 9 Uhr in der St. Petri 
Kirchen dieserwegen unter Trommeten und Paucken SchaH das Te neum lau- 
damus abgesungen und hielte der Herr General-Superintendens Bruningk, alsz 
Ober-Pastor eine kurtze doch wohl verfaszte Rede, und hatte zum 'l'hemate die 
Worte aus dem 12 Versieul des 84sten Psalms. Hierauf wurde selbiger Nemsoff 
den 19 bey dem Herrn Vice-Houverneur den 20 von der Ritterschafft und den 
21 May von der Stadt aufs beste tractiret. 
Den 4 Julii ist zum erstenmahl wegen Ubergabe der Stadt ein Danckfest 
gehalten worden und zugleich per Rescriptum vom 1 sten Julii anbefohlen es 
gewöhnlicher maaszen mit Absingung des Te neum laudamus nach diesen jähr- 
lich zu feyren s. 
Den 4 Septembris wurden auf des Ober-Magistrats aus St. Petersburg ein- 
gegangene ordre von Ern. WohlEdIen Rahte der Herr BÜrgerMeister Melchior 
Wiedau, der Hen Rahts- und OberWettHerr Georg Raes, der Herr Secretair 
Paul Brockhausen und Dominus N otarius Laurentius Klincker nach Reval zu 
gehen ernennet, weJche dahin von hieraus nicht eh dann den 10 November 
abreyseten I. 
Den 19 Decembris lieszen Ihro Hochfürstl. Durchl. unser Herr Geneml S. 58 
Gouverneur, FÜrst Repnin, ihr Portrait in Lebens Grösze zu Pferde durch den 
Herren Capitain Weismann aufs Rahtshausz bringen, damit solches alda zum 
Andencken auffbellalten werden möchte. 
Den 30 Decembris hielte Friedrich Schnetlage mit Maria Lovisa Titussen, 
da Er seit ao. 1723 von Februarii Monaht an mit ihr vor Ern. WohlEhrwÜrdigen 
Stadt Consistorio einen schweren process geführet, nnd sie eine Tochter zur 
Welt gebohren, Hochzeit, wozu Er doch nicht durch U rtheiI und Recht wal' 
condemlliret worden". 


Ao: 17t5. 
Den 1 Januarii wurde von den CantzeIn publich'et dasz im verwichenen 
Jahl'e in denen beyden Stadt Kirchen teiitscher Gemeine 194 Kinder getauffet, 
42 Paar pl'oclamiret und in Ehestande getreten und in denen dreyen Stadt 
Kirchen 77 Leichen beerdiget worden. 


I) B. I 736. 
4) B. I 759, 1. 
B. 1 741. 


I) B. TTI Abteil. 4 ß1'. 16. S) Deli 4 Julii fI. B. '11'. am Rande. 
t» Pa/Bell. &lmetlage U'(I/' CU1' Yollziell,mg deI" Ehe 'Ct'1'U1'leilt worden. 


.-
>>>
96 


Schievelbeins 


1725 


Dcn 28 Januarii ist uuser allergnädigster h.a)"ser, I.audes Vater uud Herr 
Petrus der gl'osze nach einer 12ti-lgiegen Kranckheit in St. Petershurg Todes 
verblichen und Ihro Maytt: die Kayserin Catharina Alexewna zur Souverainin 
des Reichs erklähret worden, welches hieselbst den 3 Februarii per RescriptuUl 
der hiesigen Kayserl. Regierung E. W ohlEdl. R:tht noti1iciret worden, darauf 
gleich von 12 bisz 2 Uhr Mittags zu leiiten angefangen und den 7 ejusdem die 
intimation wegen Trauer Anlegung von denen CantzeIn abgelesen worden'. 
Den 20 Februarii wlll'den auf lhro KaysCl"1. Maytt. hohen ordre per Re- 
scriptum der Hochprl. Kayserl. Regierung 8 Persolmen von der Stadt theils aus 
dem Magistrats Collegio theils aus der Bürgerschafft umL Sr. höchst seeligsten 
Kayserl. Maytt: Leiehbegängnisz ceremonien iu St. Petersburg beyzuwohnen, 
s. 59 dahin zu deputiren angesonnen. Dieser hohen ordre zu folge wurden nachfol- 
gende den 21 Februarii nemlich der Herr BürgerMeister und OberLandVogt 
Christian Zimmermann, der Herr l\lunsterHerr Adam Hinrich Schwartz, der 
Herr GerichtsVogt Melchior Gaspari und der Herr Secretair Hermann von Bre- 
vel'll wie auch ]
ltister Wilhehl1 von Osthoff, Johann Cordt Meyer J
ltister der 
kl. Giilde, JohaDIl KonigsfeIs und Friedrich Heck Biirgere beyder Gülden er- 
wehlet 11, welche den 27 alhier den Huldigung:: Eyd in der 'l'hum Kirchen ab. 
legten und den 2 Martii von hinnen auffbrachen s. 
Den 4 Martii leistete die SoIdatesque den HuldiguugsJJyd und wurden die 
'l'horen in so lange zu gehalten. 
Den 5 Martii wurde iu der Dohm Kirchen von 8 Uhr, da vorher ordent- 
lich wie am Sonntage zu geschehen pfleget, gelaütet, mit singen und hehten der 
Gottes Dienst angefangen, umL !) Uhr ging der Herr M. Andreas Willhrand 
Pastor am Dohm auf die Cantzel und predigte über die im Buch Josua im 1 sten 
Capittel und 16. 17. u. ] 8 sten versicul befindliche Worte, hernach ward das Te 
Deum laudamus gesungen, da dann E. WohlEdler Raht zusambt der Cantzelley, 
der Herr Altermann und 
misten groszer, wie auch der Altermann und Eltisten 
kleiner Gülde sich nach dem Chor verfÜgteu, allwo ]Jereits die Priesterschafft 
und Schul Bedienten eingetreten waren. Und wie der Herr Vice Gouverneur 
Peter W oyekoff mit dem Herrn Obersten Koslofl' in Gefolge des GeneralGou- 
vernements Secretair Alferofi' und des Herl'll Secretarii Copiofl' dahin kahm, 
wurde erstlich dem Magistrat dieser Stadt zusambt denen Medicis von dem Ober- 
Secretair der Huldigungs J
yd vorgelesen, welche solchen mit Ausstreckung 
zwener Finger nachgesprochen. 2do das Ehrwürdige Ministerium nebst SchuhI- 
Bedienten. 3tio die Cantzelley. 4to die EItisten Banck groszer u. 5to die EI. 
tistenBanck kl. Gülde leisteten ebener maaszen den Eyd 4. 
S. 6U Ao: 1725 den 28 Martii fiel der erste Oster-Tag ein, da auf HochObrig- 
keitlichen Befehl in denen Kirchen musiciret, mit dem I.eütell von 12 Lisz 1 Uhr 
eingehalten und von denen Mannes Persohnen couleur Röcke mit Bchwartzen 
camisölen getragen worden. 
Den 5 April wurde Ihro Kayserl. Maytt. unserer allergnädigsten Kayserill 
und groszen Frauen Gebuhrts Tag alhie mit Ablegung der Trauer gefeyret. 
Den 6 April kahmen die respective Herren Deputirte von St. Petersburg 
bisz auf den Herrn GerichtsVogt Caspari wieder zurück, so den 
ten Martii von 
hier abgereyset 5 . 
Den 5. 6 und 27 ten May revertirten nach einander die nach Reval abgereiszt 
gewesenen Herrn Commissarien. 


1) B. I 766-769. 11) B. I 761. 
C» Bericht übet, die ReiBe B. I 763. 


8) R. I 763 S. 554. 


4) B. II 2, e.
>>>
1725-26 


Tagebnc11. 


97 


Den 7 May wurde alhie Jhro KaYlmrl. Maytt: unBerer allergnädigsten Kay- 
i!erill und Groszen Frauen Crönullgs '!'ag mit Ableg\mg der Trauer Kleider, in 
der Kirchen mit Music feyerlich celebriret. 
Am Pflngst-Feste ging man gantz schwartz und ward kein Orgel oder Music 
in der Kirchen geriihret. 
Den 21 May i8t das Beylager Ihro Königl. Hoheit des Hertzogs von Hol- 
stein mit der Kayserlichen Princeszin Anna in St. Petersburg vor sich gegangen. 
Den 30 May wurden Ihro Kayserl: Maytt: }jxeqvien alhie solenniter ge- 
feyret, so dasz in allen Kirchen umb 4 Uhr Nachmittags geprediget, Carmina 
ausgetheilet, und in der St. Petri Kirchen, allwo Ihro Hochfürstliche Durchi: 
der Herr General FeldMarechal und General Gouverneur Fürst Repnin sich mit 
einfanden, eine Trauer Music gemachet, davon Dominus Cantor Beuthner den 
Text drucken laszen 1. 
Den 17 Decembris kahmen Ihro Hoheiten die verwittiebte Hertzogin von 
Cuhrland alhie an, und gingen des andern Tages friihe umb 4 halb 5 Uhr von 8. 61 
hinnen nach St. Petersburg. 


Ao: 1726. 
Den 3ten Februarii wurden I. K. H. der Hertzogin Anna Gebuhrtstag 
alhie celehriret, welches per Rescriptum den voriegen Abend spät anbefohlen 
worden. 
Den 16 Martii kahmen ll1ro Hoheiten die verwittiebte Hertzogin von Cur- 
land aus St. Petersburg alhie an u. reyseten nach Mietau wieder zurück. 
Den 18 May ist der Herr Praesident und Ober-Inspector llia Isajeff per 
Rescriptum im Rahte gesetzet und Ihm ein qvartier zu verschaffen anbefohlen 
worden 11. 
Zwischen den 27 und 28sten May in der Nacht ist umb 11 Uhr eine grosze 
Feiires Brunst in der Ruszischen Gasze entstanden, so bisz an den Morgen umb 
4 Uhr gewehret, dadurch des Herren Praefecti von Öttingen Hausz und Fabian 
Bralldtens Haüszer, nebst noch zwey andern in die Asche geleget worden. 
Den 7 Junii war ein starck Gewitter und regnete es in der Stadt, nachdem 
wir bey 5 Wochen kein Regen gehabt und die Lufft sehr warm u. heisz ge- 
wesen, so eine grosze Dürre veruhrsachet. 
Den 11 Junii ist der Herr LandtV ogt von Vegesack aus Stockholm retour- 
niret, und morgens frühe mit Thorschlieszen eingekommen, worauf Er den 16 
ejusdem durch den Herrn CammerHerrn J
udeloff aufs Rahtshausz in consessu 
Senatus geführet worden s. 
Den 27 Junii kahmen Il1ro Durchi: der Herr Reichs und General Feld- S. 62 
Marechal, wie auch vieler Orden Ritter Alexander Danielowitz Menschikow 
alhier an und traten in Eltisten Baden Hausz ab. Des andern Tages aber be- 
zogen Selbe das in der Schlosz Straaszen belegene Strokirchsche Hausz, welches 
von der Stadt vorhero meubliret worden.f.. 
Den 29 Junii verreyseten Se. Durchl. nach Mietau in Gesellschafft von 
Fürsten Dolgorucki, den Circassischen Fürsten und vielen andern, von dannen 
Sie den 2ten Julii wiederumb zurück kahmen umb 9 halb 10 Uhr Abends 5 . 
Den 3ten Julii ist Se. IIochfürstliche Dm.chl: der Herr Generalfeld- 
Mar
chal und General-Gouverneur über Liefland, Ritter von St. Andreae, Eie- 
phanten, und weiszen Adlers Orden Fürst Repnin umb 9 Uhr des Morgens nach 


1) B. III Abteil. 2 111". 7. 
6) B. Il 83, 1. 


11) R. Il 76. 70. 


S) B. J[ 80. 


.f.) B. I1 83. 84. 


7
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98 


Schievelbeins 


1726 


einer 3 wochentlichcn Kranckheit in 58 Jahr seines Alters yerschiedcD, da 
dann von 12 bisz 1 Uhr mit allen Glocken gelaÜtet u. so bisz an den lOten 
continuiret wurde 1. 
Den 4 ten wurde alhier die Uhergabe VOll der Stadt gefeyret und tractirten 
Jhro Durchl. Prince l\Ienschikow ;m selbigem Tage in ihrem Qyartier. 
Den 10 Mittags umb 4 Uhr wurde Sr. IIochfiirstlichen Dm.chl: weyland 
Herren General-FeldMarechals uml General Gouverneuren Leiche zur Erden 
bestattet, wobey folgende Ordnung und procession gehalten worden alsz 
1. ging ein Compagnie Grenadiers mit vcrkehrten Gewehr. 
2. ritten 3 Trompeter 1'oht u. gelh gekleidet mit Tressen auf ihren Hiihten, 
dem ein paar Paucken mit dem Paucker zu Pferde folgete. 
8. 6:1 zt wurde ein wohl mundirtes Pferd durch zwene laquaien geführet. 
4. eine weisze Fahne, worinuen Sr. llochfiirst1ichen Durchi: Portrait ge- 
mahlet von einem Officier getragen. 
5. ein geharnischter Reüter. 
6. 3 Trompeter schwartz gekleidet mit htugeu 
Iäntcln und schwartz iiher- 
zogenen Trompeten zu Fusz. 
7. ein Trauer Pferd von zwenen Kcrlen gefiihrt. 
8. eine schwartze Fahne mit einem tollten Kopfi' darinneu gemahlet, von 
einem Officier getragen. 
9. Ihro Hochfiirstl. Durchl. des weyland gewesenen Herrn General Feld 
Marschallen u. General Gouverneuren }'ürsten Repnins Wapen. 
10. ein schwartz sammeten Kiiszen mit giilclenen Tressen hesetzet worauf ein 
par Hand Schue verguldet 
idem mit ein paar Sporen 
ein Degen u. Regiements Stab creiitzweise 
u. ein Helm verguldet. 
11. 3 eben solche Kiiszen mit denen 3 Orden alsz weiszen Adler, Elephanten 
und St. Andreas Orden beleget. 
12. die Ruszische Clerisey in ihrem Ornat. 
13. Der Sarg mit einer Decke von güldenen u. silbernen Mohr darüber ein 
Dais, worinnen inwendig sein Nahm mit geschlungenen Buchstaben nebst 
einer Fürstlichen Crone auf weisz gewäszert Tafft u. auszen schwartz 
Sammet mit güldenen Tressen u. güldenen Franzen, so von Oberstl: u. 
Majors getragen wurden, befindlich. 
14. Das Gefolg alsz Fürst Menchikoff, General Allard, & Bohn der Herr 
General Major Woyakoff etc: die von der Ritter u. Landschafft, alsz auch 
der hiesige Magistrat, Eltisten u. Bürgerschafftl. 
s. 64 Ao: 1726 den 25 September bin ich, der Herr Altermann Johann Hinrichs 
und der Herr Altermann Johann Gosche zum Rahtsherren, nach geschehener 
ordentlichen Wahl, öffentlich proclamiret worden. 
Den 7 October bin durch den Herren Rahtsherren Joh. Just. I1altermann 
aufs Rahthausz more consveto geführet und habe votum & sessionem erhalten. 
Den 7 November ward mtister Johann Friedl'ich Schick, weilen beede 
Alterleiite groszer Gülde im Bahte gezogen, zum Altermann von der löblichen 
Banck und der ehrliebenden BÜrgerschafft erwehlet und den 18 November vom 
Magistrat in Gegenwart beyder Wilden Eltisten bestätiget. 


1) B. II 87. 11) Eine Bescll1'eibung der Beerdigung auell l:LR. Ms. 166 S. 118-1/KJ 
von Pastor Barth. Depkin.
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1727--28 


Tagebucb. 


H!} 


Ao: 1727. 
D. 
5 Januarii kahm der Herr General Krieges Commissarius und Ritter 
vom St. Alexander Orden GregOl'i Petrowitz Czerniche1f alsz Gubernator über 
I.iefland alhier gegen 4 Uhr Mittags an und nahm possess aufm Schlosze 1 . 
Den 2 10 April umb 6 Uhr morgens fing das Eisz in der Duna an zu gehen 
und das Waszer starck anzuwachsen. 
Den 7 May ward Ihro Kayserl. Mayst. unserer allergnädigsten Kayserin 
Kronungs Tag alhie solenniter gefeyret und umb 11 Uhr in der Nacht ein 
Feür-Werck nahe beym Schlosze angezündet und abgebrandt. 
Den 13 haben alle und jede dieser Stadt Ihro Kayserl. Mayst: Petrum 11 
alsz Kayser und Souverain von allen Reüszen, nach Ableben Ihro Mayst. der 
Kaiserin, den allerunterthänigsten Huldigungs Eyd geleistet 3. 
Den 29 Jllnii wurde 1. Kayserl. .Mayst: Nahmens Tag alhier zum erstenmahl 
so wohl von dem Herren General Lacy bey der armee auszer Rauens Thor im Läger 
alsz auch von dem Herrn Gouverneur Chernicheft. aufm Schlosze magnifique gefeyret. 
Den 2ten Julii ward der Herr Gouverneur und deszen Gemahlin nebst 
vielen andern heyderley Geschlechts aufm Rahthause von 4 Uhr Nachmittags 
hisz umb 3 Uhr 
[orgens herlich tractiret. 
Den 12 Julii geschahe ein gleiches auf Ihro Kayserl: Mayst. Princeszin 
Schwester Nathalia Gebuhrts Tag mit kalter Küche auffm Neiien-Hausze. 
Ao: 1727 d. 5 Septembris wurde das schwartze Tuch aus der groszen Rahts S. 65 
und Cammerey Stube abgenommen. 
Den 8 Octobris das Laüten wegen Ihro Kayserl. Mayst. Todt eingestellet. 
Den 12 Octobris Jhro Kayserl. Mayst: Gebuhrts Tag zum ersten mahl solen- 
nitel' gefeyret. 
Den 15 wiederum in denen Kirchen mit der Orgel zu spielen angefangen. 
Den 2 Novembris kahm der Kgl. Spanische Ambassadeur Duc de Liria 
alhier umb halb zwölff Uhr, da Er von der Bürgerschafft zu Pferde empfangen 
worden, und die Guarnison auf den Gaszen in parade gestellet war, alhier an" 
und den 4 ten reyseten derselbe umb halb 9 Uhr Morgens wieder mit selbige 
EhrBezeügung von hier ab nach St. Petersburg mit 30 Schiisze, da für jede 
Wurst 12 Cop. gezahlet worden. 
Der Herr OberGesetzHerr Zimmermann u. Herr Secretarius Brockhausen 
waren zu complimentiren entgegen gefahren u. in seinem Qvartier war der Herr 
Wortführende BürgerMeister Zimmermann WaysenHerr v. Schievelbein Herr 
Secretarius v. Ulrieh und beede Stadt Alterleüte zu beneventiren 6 . 
Den 5 Novembris wurde die Thums Kirche nach dem Sie ein halb Jahr 
mit derselben reparation zu gebracht und der Gottesdienst darin nicht gehaIten 
worden, geöffnet, und wieder ordentlich Predigt und Gottesdienst gehalten. 


Ao. 1728. 
D. 12 Januarii wurde die verwittiebte Hertzogin von Curland Anna mit 
einer groszen parade von der Bürgerschafft zu Pferde alhier eingehohlet und 
den andern 1'ag umb 3 Uhr Nachmittags wieder dergestalt begleitend ausgefolget 6 . 


1) B. 11 126. 2) Am Rande: Ausführliche Nachricht von der Witterung des Winters, 
uem Zustande des Feldes und denen Vieh-Seiichen, so in diesem 1727 Jahr in Liefland Ulub 
Riga herum bemerket worden, finuet man in D, Andreas Elias Biicbner Nachrichten von Pby- 
sical und Medicinischen, wie auch Kunst- und Literatur-Geschichten Gedruckt zu Erffurt in 
4 t o 1731. p. 230 & seq. - 244. S) B, 1l 143. 145. 4) B. 1I 181 PS. 5) Der 
Herr OberGeaetzHerr u. 8. W. am Rande. 6) B. 11 192. 


7* 


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100 


Schievelbeius 


1729 


.. 


Den 18 Jan. reise te der Herr Bürgermeister Johallll von SchuItzen alsz 
Deputirter der Stadt von hier zur Crönung unsers allergnädigsten Käysers und 
souverainen Herrn nach Moszcau ab t. 
Den 30 Januarii ward des Herren Gouverneur Gregori Czernicheffs Nahmens 
Tag zu Schlosz mit einem Ball gefeyret und sein neü gehohrnes FraiHein da- 
selbst getauffet. 
Den 6 Martii bisz den 10 ist alhie die Crönung I. Kayserl. Mayst, so den 
25ten Februarii in Moszcau vor sich gegangen!, mit aller soIennitaet celebriret, 
dergestalt, dasz von 10 bisz 1 Uhr mit aIlpn mocken gelaiitet und vor den 
Fenstern des Abends Lichte gesetzet worden. 
Den 20sten umb 11 Uhr fing das Bisz in der lhma au zugehen und war 
das Waszer nicht sonderlich hoch. 
S. (;6 Den 20 April kahm der Herr Bürgermeister von SchnItzen aus Moszcau 
üher St. Petersburg von der Crönung zurücke. 
Den 22 April kahm der Römisch-KayserI. Ambassadeur Graf Wratislaw mit 
8einer svite alhier an und logirte im Strokirchschen Hausze. nen 26sten setzten 
Se. Gräffliche Excellence dero Reyse nach St. Petersburg mit 66 von der 
Stadt gegebenen SchieszPferden in Aushegleitung der Riirgerschafft zu Pferde 
weiter fort. 
Den 2 ten Junii sind Ihro Hoheit die Hertzogin von Curland eingehohlet 
und den 4 wieder von der Biirgerschafft zu Pferde ausg'ehmcbt, rla Selbte narh 
Mitau sich erhoben. 
Den 10 Julii wurden die Herren Kasten-Herren Ul)d Heysitzel'e wegen des 
Schmidt l\[artin Hermanns umh halb (j Uhr gegen Abend mit Waehe in ihren 
Haüszern beleget und solchergestalt exeqviret, den folgenden Tag, nachdem die 
Versicherung gegeben worden, dasz der gedachte Schmidt solt ezahlet werden, 
wurde sie wieder abgeführet 3 . 
Den 8ten Septembris ist des Dm'chI. .I!'iirsten und Herrn Johallll Carl Wil- 
helm Ernst Ludwig LandGraf zu Ileszen Homburg, Fürst zu lIertzfeld, Grafen 
zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhayn, Nidda, Schaum burg, Ysenburg und Bn- 
dingen, Ihro KayserI. Mayst. von gantz Ruszland hochbestallter Obrister von 
der Infanterie Leiche vom schwartzen Haüpter Hausze, nachdem selbe alda bey 
8 Tage auf die parade gelegen, weggetrageu und in der St. .Tacobi Kirche pom- 
peuse beygesetzet und zur Erden bestattet worden. 
Den 22ten Novembris wurde der Tiirckische Aga Kosbeizin Mustafa von 
zwenen Deputirten des Magistrats und der Bnrgerschafft zu Pferde eingehohlet 
und in der Sünder-Straaszen auf der Ecken in Georg Knauert:; Ifausze logiret und 
den 28 ist derselbe von hier in eben demselben Gefolge abgezogen und 
nach Moszcau gegangen. Es wurden weder bey seiner Ankunfft noch bey seiner 
Ahreyse Canonen von den Wällen gelöset. 
Den 8 ten Decembris wurde die Trauer in denen Kirchen wegen der ver- 
storbenen Princeszin Nathalia Alexewna angeleget und den vorigen Tag mit 
allen Glocken von 12 bisz 1 Uhr gelaütet. 
Den 25 ward die Trauer wegen der Princeszill Nathalia Absterben bisz am 
Neü-Jahres Tag eingestellet und einem jeden couleur zu gehen erlaubet. 


1) AU88er Schultzen WCI1' auch 1J7ai8enherr Oaspm'i, z. Z. in M08kau, gewählt w01'den. B,11 
184. 186. 11) Schultzen hutte Peter II. mit eincr Rede begrii88t. R. Tl 198. S) Das 
Ka8sa-Kollegium hatte s'ich geweigert eine vom Schmied lle"mann ihm t'iltgereichte Rec1mung ZU 
beleahlen, weil in ihr .eu viel gefordert werde. B. I 221. 233.
>>>
1729-30 


Tagebuch. 


101 


Ao. 1729. S tJ'1 
Den 25 Januarii war des Herren Gouverneuren Czernicheffs Gebuhrts-Tag. 
Den 30 Janual'ii wurde von des Herren Gouverneuren Czernicheffs wegen 
seiu Nahmens Tag Gregori zu Schlosz tmctiret. 
Den 30 Martii fing das Eisz in der Duna an zugehen und dasz W a
zer 
ziemlich hoch anzuwachsen, dasz alle Holme überschwemmet, und die Dächer 
allein von den Haüszern zn sehen waren. 
Den 8 April fiel ein starcker Schnee zu Mittag, da es frühe uud die Nacht 
vorhero starck gefroren hatte. 
Den 12 Junii reyseten 1hl'O Excellence der Herr General Krieges Com- 
missaire Gouverneur über Liefland und Ritter Gregori Petrowitz Chernicheff 
von hier nach Moszcau 1 und Se. Excellence der Herr General en Chef und 
Ritter von Alexauder Orden Peter Lacy traten das Commando an 11. 
l)en 2!:} feyreten Se. Excellence der Herr General Ritter Lac;y 1hro Kay- 
serI. Mayst: Nahmcns Tag auBin Schlosze und hatte welche von allen 3 en 
Ständen dazu invitiret. 
Den 4 Augusti wurde 1hro Kayserl. Mayst: Frau GroszMutter Nahmens 
Tag Eudoxia alhie gefeyret, 15 Canonen Schiisze von denen Wällen abgefeüret 
und deswegen zu Schlosz gratuliret. 
Den 23 Augusti geschahe alhie die Execution an einen Dieb, welcher 
Hennings Gewürtz-Bude in der Nacht bestohlen und wurde Er am Pranger mit 
20 paar Ruhten gestrichen, mit einem Brandmerck vor der Stirne bezeichnet 
und so auf ewig der Stadt verwiesen. Die complices als einer der mit darumb 
gewust mit 15 paar Ruhten und ein Brandmerck auf den Rücken, 2 mit 10 paar 
Ruhten und die Stadt zu meiden verwarnet. Einer aber der den Dieb ohne 
infraction noch sonst ohne Vorsatz bestohlen, ist auf ein halb Jahr im Zucht. 
hausze an labores bey dem J
mpfang und bey dem Abschiede mit Ruhten da- 
selbst gestrichen zu werden, zu sitzen condemniret. 
Den 5 Septembris wurde der Princeszin Elisabeth Uebuhrts 'rag mit 15 
Canonen Schüsze alhie gefeYl'et und deshalben die gratulation von Stadt Seiten 
aufm Schlosze abgeleget. 
Den 29 Septembl'is war des Herren Ueneral Lac;y Gebuhrts Tag. 
Den 12 Octohris wurde von dem Herrn General La'iY auf J. K. M. Gebuhrts 
'rag gegen 6 Uhr A hentIs zum Ball invitiret, da dann umb 7 Uhr der Anfang 
zum Speisen und umb 10 Uhr zum Tantzen gemachet wurde, die Gesellschaft'! 
bestand aus 63 Personen. 
Den 29. 30 und 31sten Decembris haben flie Primaner aus der cathedral- S. 68 
Schule alhie in des Herren LandVogts v. Vegesacks Hausz oben auffm Saal von 
Josephs Unscbuld und 'rngend eine Comoedie öB'entlicb praesentiret. 


Ao. 1730. 
Den 25 Januarii kahmen alhier an aus Moscau der :Fürst Wasili Lukitz Dol- 
gorucki, wiircklichel' Geheimer R,tth und Ritter des ElephantenOrdens, der Se- 
nateur Michaelowitz Galliziu, l!'ürst Trubetzkoi und der Herr GeneralMajor 
LeontioB' Ritter df's AlexanderOrdens, welche die betriibte Nachricht brachten, 
dasz unser allergnädigster Kayser und Souvel'ain den 19 dieses in der Nacht 
dieses Zeitliche mit dem Ewiegen verwechselt, wodurch alles in die gröste Be- 
stürtzung gesetzet s . Nachdem selbige des Mittags bey dem Herren General und 


1) abberufen. B, Il .$7. :KJ8. 


2) B. Il 218. 


9) B. II 288.
>>>
102 


Schievelbeins 


1730 


Ritter Herren La
y gespeiset, gingen Sie unter Abfeürung 15 Canonen, mit 
welchen sie auch empfangen wurden, nach Mietau ab, umb UlIsere zukünfftige 
allergnädigste Kayserin die Wahl Ihrer Erhebung auf den Ruszischen Thron 
kundzumachen und von dannen abzuhohlen" welche auch den 2Dsten Ihren so- 
lennen Einzug in die Stadt, in folgender Ordnung hielte 11: die Soldatesque von 
der Garnison war auf den Wällen postiret, die Biirgerschafft mit fliegenden 
Fahnen und Spiel auf den Straaszen, wo J. Kayserl. Mayst. passiren musten, auf 
der halben Duna auf den Weg nach Mitau stand ein Detachement von den Feld 
Regiementern, en haye auf beyden Seiten gestellet, welches VOll dem I..andGrafen 
von Heszen Homburg alsz General Major commandiret wurde. Uber der Duna 
ohngefehr ein viertel Meil Weges hielte eine Compagnie von der Biirgerschafft 
zu Pferde, propre mundiret nebst ihren Paucken und Trompeten, und ein Bürger- 
meister Zimmermann und Herr des Rahts Berens umb Ihro Mayst. daseIbst zu 
empfangen. Wie I. }[ayst. ankamen, ritte der Herr General de Lac;y in Beglei- 
tung vieler Officiren, einige von den LandRähten, des HofG erichts, I. M. ent- 
gegen und die Frau Generalin de Lacy nebst denen vornehmsten Dames be- 
willkommeten Ihro Mayst. bey Narring, woselbst sich I. M. in einen Wagen mit 
6 Pferden bespannet setzten und in obgemeldter Ordnung sich der Stadt näherten, 
woselbst am Bolwerck der Magistrat en Corps war und J. Mayst. das Compli- 
ment abstatteten, von dannen Selbte weiter unter Gelaiit aller Glocken und Losz- 
brenDung der Canonen auch salve Gebung der Infanterie Regiementer und der 
Bürgerschafft bisz an Ihro Palais avancirten und daselbst abstiegen. Woselbst 
die Ritterschafft, die Clerisey, der Magistrat, mit denen accompagnirten Frauen- 
Zimmer sich versamleten, welche letztere zum HandKusz gelaszen wurden und 
S. 69 mit Ihro Mayst. in Dero Cabinet gingen und wo selbe nach einer halben Stunde 
dimittiret. Umb 6 Uhr Abends, da alle Fenstern in der Stadt illuminiret waren, 
fuhren 1hro Mayst. aufm Schlosze zu dem Herren General Lacy, bey dem Selbe 
das Abend Eszen einnahmen und umb halb 10 Uhr begaben sich I. M. nach 
dero Palais wieder zurück. Den andern Tag lieszen l. 
[ayst in dem groszen 
Audience-Saal viele zum Hand-Kusz und sagten zu dem gegenwärtigen Bürger- 
Meister und Herren des Rahts Z. S Ich wünsche, dasz es allen groszen, dem 
Magistrat, u. allen Einwohnern und auch den allerkleinsten in dieser Stadt jeder- 
zeit wohl ergehe, welche Worte, der Herr l'raesident lsajeff verdolmetschet hat. 
Nachdem alle Anstalt zur Abreyse gemachet, traten Jhro Mayst in Dero Wagen 
und wurden mit vorhin gedachten pomp und solennitaeten bisz unter die aru 
Sandthor erbaute Ehren-Pforte, auf welchen Paucken und 'l'rompeten schalleten, 
geführet, darunter der Magistrat en Corps mit denen beyden Alterleüten ihr 
allerunterthänigstes Compliment macheten und zum gnädigsten Hand Kusz ad- 
mittiret wurden. Von dannen riickten Sie bisz am Rauens Thor und stiegen aus 
dem Wagen in einen Schlitten um" dero Reyse nach 
Ioszcau weiter fortzusetzen. 
Den 3 Febr. wurde Ihro Kayserl. Maytt. hoher Nahmens Tag Anna mit 
Haltung des Gottes Dienstes, Music in der Kirchen, anHIn Raht und schwartzeu 
Haüpter Haul:!ze und illnminationes solennitel' gefeyret. 
Den 4 Februarii, alsz am Mitwochen, wurde die Fastnachts Zusammenkunßt 
auf bey den Gülde-Stuben gehalten, weilen die beyde voriege Tage Feyr und Fest- 
Tage eingefallen. 
Den 9 ten wurde alhier in Uannensterns Hausz von 7 Scholairen eine aus 
dem Molliere entlehnete und Medecin malgre Ini betiete1te Oomoedie in Frantzö- 


1) B. II 289. 


2) Vgl. de" Bericht B. II291, 


S) Zimmermant
. 


-...
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1730 


'l'agebuch. 


103 


sischer Sprache mit V orwiszen des Herren Generalen öffentlich und zwar gratis 
gespielet unter Anführung des frantzösischen Sprach-Meisters Hermet. 
Den 15 hat man alhier von 12 hisz 2 Uhr mit allen Glocken wegen Ab- 
sterben Ihro Kayserl. .Mayst. Petri des andern zu lauten angefangen und die 
CantzeIn und Altäre sind mit schwartz 'ruch bezogen, auch die l\'Iusic übel'all 
einzustellen befohlen worden J. 
Den 3 Martii huldigte die gantze Huarnison in der Citadelle Ihro Kayserl. S. 70 
}Iayst: 
Den 4 war der terminus zur Huldigung in der St. Petri Kirche sich ein- 
zufinden angesetzet, es blieb aber aus gewiszen Uhrsachen nach und die Eydes 
formularen wurden alle zurücke gefodert s . 
An eben diesem Tage ward auf V orsteUung bey dem Herren Generalen 
dasz die Glocken 2 Stunden nach einander zu lauten nicht aushalten könten 
nur 1 Stunde nemlich von 12 bisz 1 Uhr gelaütet und solchergestalt continuiret. 
Den 13 schwur die Guarnison das Homagium ZUlU zweyten mahl und den 
14 der Ritterschafft in St. JacoLi und dem Magistrat, der Clerisei, den beyden 
Gülden, denen schwartzen Haüptern, der Bürgerschafft und allen Zi.infften der 
Huldigung Eyd in der St. Petri Kirche abgenommen s. 
Den 2 April wurden zur Crönung Ihro Kayserl. Mayst: der Herr Bürger- 
.Meister Melchior Wiedau, der Herr Ober-SeCl'etaire Hermann W olff, Bltister 
Samuel Fellmann alsz Vice Altermann, Hans Spiel von der Biirgerschafft groszer 
und Bltister Christian Kluge nebst .Jurgen Thomsen von der kleinen Gülde zu 
Deputirte ernennet t , so auch den 6 und 7 den ejusd. von hier abgereyset 5 . 
Den 26 April wurden die Exeqvien Ihro Höchstseel. Kayserl. Mayst. Petri 
Ildi nach Mittag in der St. Petri Kirchen mit Haltung einer Predigt über die 
Worte des 82 Psalm: Ihr seyd Götter und alzumahl Kinder des Höchsten, aber 
ihr werdet sterben wie Menschen, und mit einer wohlgesetzten Musique feyrli.chst 
celebriret, so bald die Predigt zu Bnde, wurden wiederumb 2 Stunden die 
Glocken alle gelaiitet und lIIuh der gantzen Stadt die Canonen gelöset 6 . nie 
procession geschahe vorn Sehlosze in zwey division, die erste unter Anführung 
des Herrn OhristLieutenant Kruschoft's machtp die Generalite, Herrn Officires, 
die Ritterschaft't und ('ron-Bediente aus, die audere der )Iagistrat, die bey den 
Gülden und die sämbtIiche Biirgerschaft't, welehe von dem Herrn Oher-AmbtHerrn 
Berens alsz Praesta angeführet wmden. 
Den 3 }lay ward 7, nachdem in )[08zcau der CrönungsActus den 28 April 
vor sich gegangen, alllier Sf'lhiger gleichfals gefeyret und zwar dergestalt, da8z 
in allen Kirchen GottesDienst gehalten, das 'l'e Deum laudamus gesungen, mit 
allen Glocken von 10 Uhr Lisz 12 gelaütet, umb die Zeit von denen Wällen so 8. 71 
wohl aus den Gestücken al8z auch von der Uarnison geschoszen, mit Laütung 
der Glocken bisz umb halb 9 Uhr Ahends contilluiret, zu Mittage von dem Herren 
General Lajy aufm 8chlosze magllific tractiret und bisz in die Nacht getantzet, 
unterm Rahthausze zwischen 4 und (j Uhr f10sze aus einem doppelten Adler 
weiszer und rohtel' 'V ein! dahey vom Rahthausze und dem schwartzen HaUpter 
Hausze mit Paucken und Trompeten musiciret ward und von halb 10 waren alle 
'Fenstern auf der Gaszen hinnausz in der gantzcn Stadt 3 Tage lang illuminiret 
und oben auf dem Rahthausze 1hro Kayserl. Mayst. Bildnisz wie Selbte aufm 


1) B. 1l 290. 293. 294. 2) B. 1/ 296. S) B. 1l 29Y. 
Streitigkeiten bei der TYnhl B. 11 301-306. 5) B. 11 307. 6) B. 11 309. 
Rande: Crönungs Fest I. Kayserl. Mayst. Anno.e Joannownae. 


t) Über die 
7) .4m 


--
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104 


Schievelbeins 


1730 


Throne sitzend von einer Hand aus den W olcken gekrönet wird, mit diesen 
Beyworten praesentiret: Qvam ipsa Virtus Diadema coronat 1. Das frohlockende 
Vivat in einem Carmine ausgetheilet. 
Den 15 May fiel der Frau Rahtsverwandtin Elvers in der Marstall-Strasze 
belegenes halbes Hausz gantz nieder, weilen die Boden gar zu starck mit Lein- 
saat beschüttet, worunter bey die 10 Persohnen todt geblieben sind. 
An denselben Tage und fast umb derselben Zeit nemlich zwischen 2 und 3 
Uhr Mittags schlug der Donner nach starckem Regen in die ThumsKirche 
beym Orgel ein, und wurde eine Balcke gantz zerschmettert, aber wie das 
Gewitter und wo es durch geschlagen, war nicht zu sehen. 
Den 21 ejusdem brandte umb 1 Uhr Mittags des Baders 1!.:rxlehen bey der 
Badstuben Bastion situirtes Hausz oder die so genandte Feil-Stube bisz auf die 
unterste Gemächer, welche noch gerettet wurden, mit groszen Flammen ab, und 
wann der Wind nicht nach der Vorstadt gewesen, hätte dieser Brand groszeu 
Schaden veruhrsachen können. 
Den 6.Junii traffen die Deputirte zur CI'önuug von der groszen und kleinen 
Giilde nemlich Eltister Samuel }1'ellmann und Haus Spiel, wie auch EItister 
Christian Kluge und .Jiirgen Thomsen gegeu Abend wieder ein, nachdem sie ihre 
Reyse von Moszcau in 14 Tagen zllrückgeleget hatten. 
Den 21 .Junii wurde alhie von den CantzeIn intimiret, dasz wegen des zu 
Augsburg vor nun gleich 200 .Jahren dem Römisch Deutschen Kayser Carl dem 
S. 72 Vten und den sämbtIichen daselbst versamleten ReichsStänden öffentlich iiber- 
gebenen und vorgelesenen Glaubens Bekentlliszes aller Evangelischer Luthe- 
rischen Glaubens Bekenner, das andere Evangelische .Jubilaeum solte gefeyret 
werden ., und zwar die V orhereituug mit Beht-Stunden von 8 bisz 9 Morgens 
und von 4 bisz 5 Mitt,ags in beyden Kirchen wozu am Montage der Anfang zu 
machen. Am Donnerstag aLer solte in der St. Petri Kirchen frühe so wohl alsz 
Nachmittag wie am Feyrtage der GottesDienst und am J'reytage den 26sten iu 
der Dohm-Kirchen gleichfals dergestalt mit Behten und Singen gehalten, im- 
gleicheu nach der Früh-Predigt die AugsLurgische Confession von der Cantzel 
öffentlich dm'ch den Diacollum selbiger Kirchen verlesen werden. 
Den 24sten wurde von 11 bisz 12 Uhr mit allen Glocken wegen des zu 
begehenden .Jubilaei gelaiitet. 
Den 25sten ward Vor-Mittags von dem Herren Ueneral-Superintendeuten 
und Ober-Pastore Bruningk eine schöne Predigt üher den 13 u. 14 vers aus dem 
2 Timoth: 1 gehalten, wobey Er wie und auf was weise die Reformation ihren 
Anfang genommen, welchergestaIt solche fortgesetzet und auch glücklich zum 
Stande gekommen histOl'ice erwehnet, und der 'l'ext vortrefflich auf den gegen- 
wärtigen Zustand appliciret. 
Nach-Mittags predigte der Herr Pastor Depkin iiher 1. 'l'imoth. VI. v. 12. 
13. und 14. und wurde nach der Predigt gleichfals von dem Herrn ArchiDia- 
cono Caspari die ordentliche Kirchen Gebethel' und das ueiie Hebebt von dCl' 
Cantzel abgelesen und der Segen gesprochen. 
Den 26 ward im Dohm der Gottes-Dienst ebenso von 7 Uhr bisz 12 Uhr 
Mittags gehalten und von dem Herren Pastore Willbranut über den 46sten 
Psalm v. 1 bisz 6 geprediget, die Augsburgische Confession von dem Herrn 
Diacono Fontin zusambt denen Kirchen Gebehter)) von der Cantzel verlesen, 
das Te Deum Laudamus unter Paucken und rl'rompeten Schall abgesungen. 


1) B, II 3U. 


!) B, 11 3ZJ. 821. B. III Abteil. 2, £.
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1730 


Tagebuch. 


105 


Doch wurde nicht, wie am vorhergehenden Tage von den Wällen mit 27 Ca- 
nonen bey Anhebung des Liedes: Herr Gott Dich loben wir I salve gegeben. 
Des NachMittags predigte Herl' Pastor Tanck über den 19 versie. II. Petri 1. und 
lasz nach der Predigt Herr Diaconus Fontin die Kirchen Gebebte von der Cantzel. 
Den 27 sten geschahen die Bcht-Stunden wie all Ol'dinaire. S. 13 
Den 28sten wurde der Gottes-Dienst in Beyseyn zwener Herren des Rahts 
und der Vorsteher selbiger Kirchen in St. Johann mit vollenkommener Music 
verrichtet und des Morgens über die 2
. 23 und 24 verse der Klag Lieder Je- 
remiae, des NachMittags über den 32 vers cap. 12 J.ucae geprediget. Imgleichen 
ward in der Vorstadt ein Herr des Rahts und ein Secretair und auf Pincken- 
HotT gleichfals ein Herr des Rahts u. ein Secretaire den GottesDienst beyztt- 
wohnen ausgefahren und iiber sclbige Texte geprediget. 
Den 30sten zwischen 10 u. 11 Uhr Morgens kahm der Herr Bürgermeister 
Wiedau nebst dem Herm OberSecretaire WoltT über St. Petersburg von Moscau 
nach geschehenen Cröm1llgs Ceremonien wieder zuriick '. 
Den 4 Julii ward die Ubergabe der Stadt Riga gefeyret und darüber das 
Compliment zu Schlosz abgeleget. . 
Den 19 .Tulii Abends gleich nach 8 Uhr brandte Mallens klein Hausz so 
eine Maul' mit meinem Hinter-Hausze hat, es wurde aber Gott sey Danckl bald 
darauf gelöschet, dasz ich keinen groszen Schaden dabey gelitten, weilen gute 
Anstalten in Zeiten vorgekehret worden. 
Den 8 Augusti kahm die Zeitung aus Moscau dasz der Herr General und 
Ritter de I.acy über Liefland und diese Stadt Riga zum wiircklichen Gouvemeur 
ernennet, und das Commando über die Trouppen in ganzem Lande bchalten 
solte, so auch nachhero dem Magistrat per Rescriptum von der Kayserlichen 
Regierung bekant gemacht worden '. 
Den 28 ejusdem wurden zwene Mörsern in dem Stadt-Gieszhausze in Ge- 
genwart Ihro Fürstl: Dm'chl: von Heszen Homburg, des Herren Muster-Herren 
Schwartz und des Stadt-Artillerie CapitaiIle de Strauch zum BehutT des publici 
glücklich gegoszen, so aber die Probe nicht ausgehaltcn, sondern gesprungen 
und wieder umgegoszen werden müszen. 
Den 26 Septembris langete ]hro Kgl. Hoheit der Printz von POl.tugall DOll 
}
Illanuel, nachdem alle Anstalten zu dero solennen Einhohlung so wohl von Sr. 
Excellence UIlsem Hochverordneten Herren Gouverneuren alsz auch vom Magi- S. 74 
stmt gemachet worden, von Moszcau umb halb 2 Uhr alhier an und traten in 
dem Dannensternschen groszem IIausze, all wo die Zimmere wohl für denselben 
meubliret und eine gute Mittags Mahlzeit auf der 8ta,dt depenses bereitet war, 
mit seinem am,ehnlichen Gefolge ab. 
Den 27 nachdem K WohlEdler Raht Tages zuvor umb 4 Uhr Nachmittags 
sich versamlet und zur Wahl geschritten, wurden .-1 Herren nemlich der Ober- 
Secretaire IIermann Wolfl', der Secretaire Hermann von ßrevern, der Altermann 
Johann Friedrich Schick, derEltister Wilhelm ßal'dai de 'rolli von der Löwen 
alsz Rahtmänner öffentlich proclamiret. 
Den n Octobris wurden die viel' neüerwehlte Rahtmönner more consveto 
abgehohlet und zu Rahthausze von den 4 jüngsten Herren gebracht. 
Eodem brand te gegen der Peitau-Straaszen am Riesing ein von Stender- 
Werck erbautes und dem Grob-8chmidt Bruns zugehörieges Hausz balb ab, doch 
wurde es in Zeiten durch gute ßeyhülffe balde gedämptTet. 


I} B. II 3:a6. 


2) B. II 326. 


.. 


--
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106 


Schievelbeinl!l 


1730-31 


Den 13 Octobris war in dem See: Gatt das Waszer nur 6 Fusz tieff und 
baben die einkommende Schiffe auf der Rhede müszen gelöschet werden. 
Den 17 Octobris wurde eine Kinder-Mörderin, welche bey den Giilde 
Stuben Diener Frost gedienet, mit dem Schwerdt zum Tode gebracbt und der 
Cörper darauf verbrandt. 
Den 29 Octobris gab die Ritterschafft alhie auf I. Kayser!. Mayst: Frau 
t;chwester der Hertzogin von Mecklenburg Gebuhrts Tag in das Strokirchsche 
Hausz umb 6 Uhr Abends einen magnifiquen Ball, alwo der Printz von Portugall, 
der Herr General Lessy etc: zugegen waren. 
Den 1 ten Nov. wurden Sr. Kglen Hoheit daselbst von der Ritterschafft 
tractiret und den 14 ejusd. m. reyseten selbe mit den Grafen Vigos Consalviere, 
Ritter von Malta und Commandeur umb 10 Uhr morgens gantz in der Stille von 
hier iiber Mitau nach Deutschland mit Fuhrleuten, den Selbe hisz nach Königs- 
berg zu führen 90 Dukaten gegehen, weg. 
S. 75 In dem 1730sten Jahre waren 192 Menschen gestorben: 42 paar copuliret 
und 30 Kinder in Riga getauffet, wie es am ersten Neü-Jahrs Tage von denen 
Cantzein proclamiret worden. 
1731. 
Den 28 Januarii ist I. Kayser!. Mayst. Gebuhrts Tag alhier solenniter ge- 
feyret und so wohl in der Stadt I alsz in der Vorstadt 3 Abend en svite Licht 
vor deren Einwohner Fenstern angestecket gewesen. Desgleichen den 3 Februarii 
auf I. Kayserliche Maytt. Nahmens Tage drey nach ein ander folgende Abenden 
geschahe. Von der Stadt Wallen wurden zu Mittage 10 Canonen und in der 
CitadelIe 11 Canonen-Schüsze gegeben. 
Den 10 April fing das Eisz in etwas umb 12 Uhr an zu rücken, aber 
nicht weit. 
Den 11 ejusdem am Sonntage Palmarum um halb 2 Uhr Mittags brach das 
Eisz und nahm langsahm seinen Gang vor der Stadt vorbey, und das Waszer 
war nicht hoch, es lagen neün Schiffe heym Schlosze in groszer Besorgnisz, 
jedoch blieben sie auszer Gefahr, indem das Eisz gantz still und geruhig ausging. 
Eodem wurde mit den Schalen vor dem HospitaJ umbgegangen, da dann in 
der Stadt 201 Rth. 20 Mark und in der Vorstadt 11 Rth. 4 Mark eingesamlet 
worden. 
nen 28sten April ward alhier Ihro Kayserl: Maytt: Krönungs 'l'ag in der 
Kirchen mit Haltung des Gottes: Dienstes, mit Absingung des Te Deum laudamus 
und Abbrennung _11 Canonen von der Stadt \lnd _11 von der CitadelIe, im- 
gleichen des Abends mit Illuminirung der Fenstern und ein grosz Ball auffm 
Schlosze solenniter gefeyret. 
Den 18 Augusti kahm alhier in t;telle des Herren General .Major Brilli der 
neüe Herr CommeJl(lant Nahmens Alexander Levin so 
fajor von der Brebrasin- 
skischen Guarde und Brigadier ist, von Moscau al hier an und wurde durch 
zwene Herren des Rahts am 20sten hujus in der Citadelle beneventiret. 
Den 30 Augnsti wurde das Fest derer Ritter vom Hei!. Alexander Newsky 
Orden von dem Herren General La
y gefeyrct und SI'. Excell: darüber com- 
Jllimentiret. 
Den 4 Novembris wurde der neüe Cantor u. Director Musices in der latein- 
schen Schule introduciret, allwo Er eine Oration de Musica cum Musis conjun- 
genda hielt 8. 


I) der Stadt fehlt. 


!) i. 0, eine Lücke. 


:I) den 4. Nov. U. 8. W. "?lI }i(mde.
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1731-32 


Tagebuch. 


107 


Den 24 Decembris 1731 starb alhier im Niestätsehen Wittiben Hausz Krusen 
Wittibe, gebohrne Martensch von 102 Jahr alt, welche im 64 Jahr sich verhey- 
rahtet 12 Jahr in der Ehe und 26 Jahr in hesagten Convent gelebet. 
Den 30 Dec. ward alhier in der St. Petri Kirchen morgens Ulub 11 Uhr der 
Succel:3sions Eyd in Gegenwart des Herrn General en Chef u. Gouverneuren 
Lacy, des Herren GeneralLieutenant u. Vice Gouverneur Balck u. des Herrn 
Regierungs Raht Baron v. :Mengden geschworen I. 


Anno 1732 S. 76 
t1ind am ersten Januarii von denen CantzeIn der zwoen deütschen Stadt- 
Kirchen abgelesen, dasz im vorigen Jahr 177 Kinder getaufft 44 PaaI' copuliret 
und 115 Leichen begraben. 
Den 2 Januarii ist die alte Frau, so in dem Nystädtschen Wittiben-Convent 
gestorben mit gewöhnlichen ceremonien öffentlich begraben. 
Den 11 Januarii ist die Justice-Predig1; von dem Herrn General-Superinten. 
denten und Ober-Pastoren Bruningk über die Worte Hiobs aus seinem 29 Ca- 
pittel und 14 vers gehalten. 
Den 19 Januarii ist der Antrit Ihro Kayserl. Maytt. zur Regierung alhier 
mit einer canonade von denen Wällen und illuminationen vor den Fenstern ge. 
feyret worden. 
Den 21 ejusd. wurde der Herr Ober-Vogt Hermann Claudius Witte von 
Nordeck zur Biirger-Mei8ter Würde von Em. W ohIEdlen Raht per scrutinium 
erwehlet. 
Den 28 eju8d. ward Ihro Kayserl. Mayst. Gebuhrts-Tag alhier mit Absiugung 
des Te Deum Laudamus in der Kirchen, Musique auf dem Raht- und Schwartzen- 
Haüpter Hausze, starcke assemblee aufm Schlosze und A hfeürung der Canonen, 
wie auch Lichte brennen des Abends feyerlich begangen. 
Den 3 Febr. ist der Nahmens-Tag Ihro Kayserl. :M:aytt: gleichfals solen- 
niter celebriret. 
Den 14: ist der Dockmann Jacob Ebel zum Eltisten der groszen Gülde er- 
kohren und die Mahlzeit von J
ltisten Paul Niebuhr gemachet. 
Ao: 1732 d. 24 Martii fing da8 Bysz gegen 2 Uhr Nachmittags au zuriickeu, 
gegen 5 Uhr Abends aher zu gehen und continuirte bisz 6. Den 25 in der Mor- 
gen-Stunde hingegen kahm es in vollem Gange und continuirte auch solchergestalt. 
Den 5 May alsz 1. Kayserl. 
[ajeste frohen Cröhnungs Tage sind die von 
Ihro Kayserl. Majeste allergnädigst geschenckte zwo Etandarten der grünen und 
blauen Compagnie zu Pferde 2 alhier zum ersten mahl l'resentiret worden. Vide 
Petersb. Zeitung im Auhauge vom 5 May 1732. 
Den 15 Julii wurde Melchert Schroeders Knecht, welcher einen audern 
Knecht von Johann Fra8er mit einem .Mist-Gahel mubs J.Jehen gehraeht, decolliret. 
Den 28 Julii muste der Herr Obm'-Auditeur JO}Jann Leonhard Brand zu 
Schlosze in Gegenwart einiger umhstehenden die Assessores vom Stadt-Land- 
V ogteylichen Gerichte eine del'recation wegen evomirter injurien thun. 
Den 7 August ist des Barbier Georg Gorbands Ehefrau CatharinR Frantzen 
mit einem Gesellen Nahmens Daniel Schmidt, einem Dähn von Gebuhrt durch- 
gegangen welcher ihre Juvelen, Silber, Leinen und Geld mitgenommen. 
Den 24 ejusd. kahm der Holländische EnvoyC;e Herr de Dieu aus St. Petel'sburg 
alhier an und setzete seine Reyse den 29 sten von hier nach Warschau fort. 


1) B. 1I 396. 


2) B. II 401. 


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108 


Schievelbelns 


1732 


Den 30sten August ward des AJexandE'r NewBky Orden8 wegen, doch 80nder 
einige solennitaeten, gefeyret.. 
S. 'i'i Den 3 ten Septembris wurde die neii erbaute Kattelkalnische Kirche in 
Hegenwart des Herren Biirger-Meisters und Ober- LandVogts JohaDll von Schultzen, 
des Herren Ober-Vogts Georg Raes, des Herren Ober-Gesetz-Herren Johann 
Justus Haltermanns alsz Inspectoris der patrimonial Güter, des Herren Land- 
Vogt Gotthard von Vegesacks, deB Herrn LandVogts Peter von Scbievelbeins, 
des Herrn GericbtsV ogts Hermann Wulfls, und des Herren LandGerichts Secre- 
tarii Axel Hinrieb J3runingks wie auch derer beyden respective Herren Alter- 
leüte von dem Herren General-Superintendenten ßruuillg und dem Herren Pa- 
store Casparo Elvers nach V orschrifft der Kirchen-Ordnung solenniter einge- 
weihet. Zum Anfange der Einweihung ward gesungen: Komm Heiliger Geist 
Herre Gott etc. Unter dem letzten vers dieses Liedes trat der Herr General 
Superintendens Bruningk vor dem Altar und hielte nach V orschrift't der Kirchen- 
Ordnung die Einweihungs Rede genommen aus dem 1 Petri am 2. v. 5. 
Nach Bothaner Rede ward gesungen Herr Gott Dich loben wir etc. und 
zwar unter Paucken uud Trompeten Schall. Nach diesem Liede trat der Herr 
Pastor Elvers vor das Chor und hielte in lettischer Sprache eine Vermahnung 
an das V olck, worauf der ordentliche Gottes-Dienst mit Allein Gott in der Höhe 
Bey J.:hre angefangen und oruentlich verrichtet ward. Vor der Predigt sung 
man Es wohl uns Gott gnädig seyn - Darauf der Pastor Loci Anthon Baern- 
hoff sein Exord. aus dem 84 Psalm v. 2. 3 & 4 genommen und über das Evan- 
gelium vom Priester u. Leviten aus dem Luca am 10 ten seine Predigt hielt. 
Nach der Predigt sung man: Nun dancket alle Gott, zum Beschlusz aber Sey 
Lob und Preisz mit Ehren und hiermit ward die Inauguration umb 12 Uhr ge. 
S, 78 endiget, da man denn auf Jungfern-Hoff zur Taffel zu kommen genöthiget ward 
und bisz 7 Uhr Abends verweilete. 
Den lOten Novemhris ward der Herr BürgerMeister, Ober-Kasten und Ober 
Munster-Herr Johann Grote alsz gewesener emeritus, dasz Er gestorben, abge- 
kündiget und den 19 ten darauf mit carminibus, Music und 20 Fackeln bey 
Tage begraben. 
Den lOten Decembris ist uer vom Raht anno 1730 den 26 Sept. abgetretene 
Ober-Bau- unu Stallherr Johann Hollander als verblichen abgekündiget und den 
24 darauf mit einem '\I" apen, carminibus, Music und allen solennitaeten stand- 
mäszig beerdiget. 
Den 19 Decemhris geschahe ues neü erwehlten Schul-ColIegae Jacobi Jo- 
sephi öffentliche introduction und hielte der Herr General Superintendens Brn- 
ningk al8z Jnspector Scholae eine Omtion de nominihus propriis & appellativis 
und der Moderator qvintae Classis eine Declamatiuncula de Vinaeis cum Scholis 
comparandis. 
Ultimo lecembris und medio Januarii kahmen alhier 2 Dragouner Regi- 
menter uemlich das Petersburgsche und Permsche Regiment, welche über Duna 
auszer dem Beloserschen halben Regiment, davon die andere Helme in der 
V orstadt verleget war, würcklich an, und wurde das Petersburgsche in dem 
Pincken-Hofi'e unu das Permsehe im Oleinsehen, Dahlen und Keckauschen ein- 
qval.tiret, davon auch die Puschmuisnecken der kleinen privat Höfe 1 ihre Last 
bekommen haben. 


1) B. ]I 
o. 


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1733 


Tagebncb. 


10ff 


Ao: 1733. 
Den 1 Januarii wurde in denen Stadt Kirchen von den CantzeIn abgelesen, 
dasz im verwichenen Jahre in den beyden Teütschen Kirchen 186 Kinder ge- 
tauffet 43 Paar copuliret und in den drey Kirchen 107 Leichen beerdiget worden. 
Den 9ten Januarii hielte der Herr General-Superintendens Bruuingk alsz 
Ober-Pastor vor Ern. WohlEdIen Raht in der Duhm Kirchen die Justitz-Predigt 
über den 23 v. des 49sten Capittels Esaiae, darinnen Er das religieuse Stadt- 
Regiment vorstellete. 
Den 25 Januarii kahmen Ihro DurchI. der Pl'intz Anthon Ulrich von Bevern 
. 79 
mit dero svite nemlich dem Herrn Geheimbten Raht Barou Kniestädt, einem 
I,iinellUrger von Adel, dem Herrcn Major Heimburg, einem Braunschweiger, 
dem Herren J
egations Raht Röber alsz Informatore, dem Herrn Baron von 
Meyendorff ausz dem Hausze Uxkul uud dem Herrn Doctore Medicinae Schmidt, 
nachdem DieselLe in SchuItzen-Krug per Deputatos von der Stadt auf der 
Grentze beneveutirct worden, alhier umb 12 Uhr Mittags au, und trat in der 
Siinder-Straasze in des Herren General Bohnen und von Dockmann Rötgert 
Hecker bewohntes Hausz ab, allwo die Hohe Generalitaet, etliche von der Rit- 
tet'schafft und der Worthabende Herr Bürger-.Meister liebst 4 Herren des Raht
 
S. Dm'chI. entgegennahmen, dasell1st dieselben auch von Ihro KayserI. Mayst. 
durch Besorgung der Stadt CämlUerey dcfrayiret wurde. nie zu seiuer Svitc 
gehoriege waren so wohl, alsz auch die bey Ihm haltcnde Wacbe einps LimIte- 
nants mit 30 Mann auf der Nacbbabrschafi't in qvartier verleget. 
Den 28 fiel 1. KayserI. Mayst. Gebuhrts Tag ein, da Ihro Excell. der Herr 
General en Chef, und hiesige Gouverneur Ritter La(jY au fm Scblosze zu Mittage 
tractireten und muh 4 Uhr einen Ball gaben, die Fenstern waren in der gantzen 
Stadt iIIumillil'et, und vor des Jrintzen Qvartier eine Ehren Pforte mit unter- 
schiedenen Laternen, gleich wie vorm Schlosze aufgerichtet. Des Morgens waren 
Ihro Durchl. in St. Peters Kirchen und wohneten den ordinaire GottesDienst bey. 
Den 29 Januarii wurden in der E1tisten Banck groszer Gülde gezogen 
Rottgert Recker Dockmann, ]
rnst Ehel, und Johaml Hinrich Schwartz. Die 
Wahl des Herren Altermann war im Anfange zweiffelhafft, indem der Herr 
Altermann Schiffhausen 40 und Eltister Bernhard Huchelhagen auch 40 Stimmen S. 80 
hatte, da dann noch einmahl darüber votiret worden und Herr Altermann Schiff- 
hausen mit 59 Stimmen bestätiget, Eltister Bernhard Huchelhageu aber mit 55 
Stimmen nachstehen mnste. 
Den 30sten brachen Ihro Durchlaucht der Printz von Beve1'll mit dero vor- 
benannte svite des morgens umb 7 Uhr von hier auf und traten Ihro Reyse 
nach St. Petersburg glücklich und bey guter Gesundheit an. 
Den 3ten Februarii wurde Ihro Kayser!. !\Iaytt: NahmensTag Anna mit 
einer Predigt in der Duhm Kirche, welche aus dem 68 Psalm v. 5. genommen, 
da die Worte heiszen: Singet Gott, lobsinget seinem Nahmen. Daraus vorge- 
stellet ward Wen'i, wo?, wie? und warumh? wir Gott lob singen sollen, hernach 
ward das 1'e Ieulll laudamus mit hell klingenden Instrumenten vereiniget, abge- 
sungen und zu Mittage die gewöhnliche canonade von den Wällen gegeben, bey 
antretender Ihmckelheit des Abends sind die Fenstern an der Gaszen mit Lichte 
illuminiret worden. 
Den 11 ten Februarii in der Nacht kahm der Kayserliche Ambassadeur Gl'af 
Wratislaw von St. Petersburg nebst dem Herren Obrist-Lieutenant von Birck- 
boltz, dem Herren Baron von Stecken, dem Herren Baron von Kettenburg wie 
auch dem Herren Legations 
ecretaire von Kal'aruee und seinen Beicht-Vater 


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110 


Scbievelbeins 


1733 


Henrico Zumkley FranciBcaner RecoIIecten Ordens alhicr in das J vorm Johannis 
Thor belegene Stadt Hausz an, und verblieh daselbst bisz den 14ten da Er seine 
Reyse nach Königsberg fortsetzte. 
Den 14ten ging der Herr GenCl'al u. OouverneUl' J
a'iY von hier nach der 
armee in Pohlen u. folglich am Rhein 2. 
Den 21 Februarii ging das Eisz aus dm' ])una gantz unvermerckt aus und 
war das Waszer nicht einmahl bisz an den OLer-TheiI lIes BoIIwercks gestiegen, 
weil wir km.tz vor und nach \Veyhenachten wenig Schnce sondern fast bestä.u- 
diges Dau-Wetter gehaht. 
Den 10 Martii wurde eiu Pohl von Geburt, Nahmens Stephan Pablowsky, 
welcher ins 16ste Jahr seines Alters war, ob Cl'imen Sodomiae mit einer Kuhe, 
decolliret, und der Cörper zusalllt der Kuhe auf einem Scheiter Haufen ,-erbrandt. 
Den 15. 16 und 17 Martii war die Dllna wegen des sich gesetzten Eyses 
gantz inpassable uud mus te der Polnische Gesandter und Cron-Regent Lipsky, 
Starosta Spiski auf Thorn mit seiner svite über Duna hleiben. 
l{ 8t Den 18 M'artii wurde alhie die neü erbaute Reformirte Kirche, dazu den 
17. Augusti anno 1727 der erste Grundstein g-eleget worden, in volckreicher 
Versamlung und in Gegenwart des Herrn Vice-Gouverneuren 11. Ritters Balck, 
des Herren General-J
ieutenants le Port, des Herrn General-Major Biron, des 
Herrn General Major und Land Rahts von Campenhausen, wie auch des Herrn 
W orthiührenden Biirger-:Meisters von Schultzen, des Herrn OherCammerHerrn 
Herens, des Herrn OberbauHerren Zimmermanns und des Herrn Ober-Secretarii 
I3rockhausens alsz Deputirte von Seiten Es. W ohIEdlen Rahts durch den Refor- 
mh-ten Herren Prediger Johann Hinrich Thorvart mit einer inaugurations Rede 
öffentlich eingeweihet. Der Gottes Dienst fing sich praecise umb 8 Uhr morgens 
nach gegebenen Zeichen mit einer Glocke vom Thurm an, und wurden folgende 
Psalmen alsz 1) der 134. 2tens) der 84. 3) der 122 Ps. hernach Liebster Jesu wir 
sind hier, worauf die Predigt anging, da der Introitus aus dem Nehemiae 18 u. 
der Text aus dem Esaiae am 8 Cap. v. 14 über die Worte: So wird er eine 
lIeiIigung seyn, grundHch und erbaulich ausgeführet, auch ward nach Ahlesung 
des Gebehts u. AbBprechung des Segens Herr Gott Dich loben wir gesungen und 
damit der Schlusz gemachet 8. 
Den 19 kahm der Polnische Abgesandter, der Cron-Regent Herr Lipsky, 
Starost Spisky mit seiner Svite von über Duna, alwo Er, weil selhige impassable 
gewesen, lange sich auffhalten müszen, in Biga an, u. wurde in lfelmsings Hausz 
unweit der Sünder Pforte logiret. 
Den 21sten Nachmittags reysete der Polnische Gesandter mit seinem bey 
sich habenden Secretair Herrn :Makowsky , BeichtVater und seiner gantzen 
svite nach St. Petershurg ab. 
Den 24sten traff der Herr Graf und Ober-Stallmeister von Lewenwolde al- 
hier ein, welcher alsz Ambassadeur nach Warschau, Ulub I. Kayser!. Mayst. von 
R.nszland Interesse hey der Königs Wahl zu observiren, ging i. 
Den ;} April brach der Herr Graf und Ober-StaJImeister von Lewenwolue 
von hier mit seiner svite und dem Herrn Secretaire Carl von Brevern, den 
Filrsten Baratinsky ete: auf und nachdem gestern die Flosz-Brücke über Duna 
im Stande gesetzet, fuhren selbige mit groszer commodite dariiher fort umb sich 
nach Warschau zu begeben. 


1) in das fehlt in (). 
4) B. Il 463 PS. 467. 


11) Den 14 U. 8. 'W. mit RI/tlde. 


9) B. IT1 8. 61. 


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1733 


'ragebucb. 


111 


DCIl 10 April kahm der Churfürl3tliche 8ächsiscbe Minii:!ter Graf Lynar 
alhier an und ging den 12 nacb St. Petersburg. 
Den 28sten ward J. K. 
L Krönungs Tag mit einer Predigt, da der Text 
aus dem 28 Psalm v. 6. & 7 11. übrigens solenniter gefeyret. 
Den 2H April am Sonntage Rogate wurde die Vorstädtische K.irche, Jesus 
Kirche benahmt, welche anno 1730 im Früh-.Jahr zu bauen angefangen 1, öffent- 
lich inauguriret s, und waren alsz Deputirte zugegen I. Magnificence der Herr 
BürgerMeister Wiedau al8z Ober-J.andVogt, die beede Herren LandVögte S.82 
Gothan und Schievelbein, der Herr Secretarius Druningk und die beede Herren 
Altm'leüte beyder Gülde. Der GottesDienst fing sich um halb 8 Uhr mit dem 
J.iede: Komm Heiligt'r Geist Herre Gott an, die Einweyhung Rede wurde von 
dem Herren General-Superintendenten Bruningk alsz Obt'r-Pastorenach der Kirchen- 
Ordnung vom Altar verriehtet und hatte Er seine proposition aus dem 1 Bucht' 
Mosis am 
8 Capittel v. 17 -19 genommen, hernach ward Herr Gott dich loben 
wir, von dem CantOl'e mit Paucken u. Trompeten Scball musiciret, imgleichen 
das Kyrie, wornecb8t vorm Altar Pastor Schmidt die ordinaire collecte und 
A Hein Gott in der Hohe sey .Ehr im Chor durch den Schul Meister Schopmann 
zur Fortsetzuug der Gemeine Itngefl111gen, hierauf die Epistel ahgelesen, dar- 
nach Es woll uns Gott Gnädig sepl und das Evangelium verlesen, worauf lllusi- 
dret und endlich der Glaube vor der Predigt gesungen wurde. Der Herr Pa- 
stor Scbmidt hatte seinen Introitulll aus dem .Tohanne am X v. 2
-24. ge- 
nOlllmen das ordinaire Evangelium und sein Exordium aus dem - S die Hei- 
ligung Gottes durchs Gebeht u. Wort. 
Nach der Predigt und dem gewöhnlichen Kirchen Gebehte ward Nun 
dancket alle Gott, die Collecte und Segen und zum Ausgange Sey Lob u. 
Preisz etc. gesungen. 
Den 5 Junii hielte der Herr Ober-Hauptmann von Lieven mit des Herren 
General und Gouverneuren 2te Fraülein Tochter aufm Schlosze das Bey- 
lagert. 
Den 11 Julii ward das Kayserliche J...yceum durch den Herren General Superin- 
tendenten und des Ober-Consistorii Praesidem Henricum Bruningk eingeweyhet 6 
und von dem Herren Con-Rectore Johanne Schrodt eine Oration zur Anhebung 
dieser Schul-Arheit, was dlthey sonderlich zu beobachten sey, gehalten, hernach 
wurde die Gnade und Huld unserer Allergnädigsten Kayserin, welche SeIhte 
zur Erziehung der Jugend angewendet hat, durch Christophorum Richter, einen 
Liefländischen von Adel unterthänigst gepriesen und der Actus solchergestalt 
geendiget. Zu welchem Inaugurations-Actu der Herr Johannes Loden, Impera- 
torii Lycei Rector, alle und jede Standes Personen weib- und männlichen Ge- 
schlechts, wie auch Liebhabere der literatur in einem lateinischen programmate 
Dienst-frciindl. eingeladen hatte den 6 Ju1ii 1733. Dabey auch die Instruction 
u. Leges für die Lehrenden und Lernenden des wieder auftgerichteten Lycei 1'1'0- 
mulgiret worden. Umb 8 Uhr ward in der Jacobi Kirche eine Predigt gehalten vom 
Pastore Haumann üher den 13 et 14 versic. Proverbior. III cap. Wohl dem s. 83 
Menschen, der Weiszheit findet, und dem Menschen, der Verstand bekönnut. 


1) DeI" Bau wurde be8chlo88en mn 25. Sept. 1724 und der Besc1llu88 wiederholt mll 29. Nov. 
1728, worauf mn 9. Mai 1729 nach Fertig8tellung des Fundament8 (ler Oberbau ill Angriff ge- 
n01nmen wurde. B. I 751 u. RP. v. 29. Not). 1728 u. 9. Mai 1729, PI. B. 97 S. 25 f. u. 800. 
11) Vgl. RP. v. 80. April 1783, PI. B. 104 S. 20 und B. II 435. S) in O. eine Lacke. 
Vgl. B. IU S. 61. 4) Den 5 Junü u. 8. w. um Rande. 6) Am Rande: vide die 
62. Nummer der Preüsillchen Fama von dieller inauguration des Lycei. 


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112 


Schievelbeins 


1733 --34 


Denn es ist heszer lUub sie banthiereu weder um Silber und ihr Einkommen ist 
heszer denn Gold I. 
Den UJ Julii wurde per Rescriptum Caesareae Regiminis dem Magistrat 
notificiret, dasz der Herr General Directeur von V olckersahm in so lange der 
Herr General und Gouverneur J.Ja
y in der Campagne auf die Grentze VOll 
Pohlen mit der armee stiinde, demselben alhier durch Ihro Kayserl. Mayst. 
eigenhändige ordre die Regierung in civilihus anvertrauet wäre\!. 
Den 12 Septembris kahm der von der Republic Pohlen an den Ruszischen 
Kayserl. Hof abgeschickte Inter-Nuntius Herr Antonius Rudomin:& mit seinCl' 
hey sich habenden s\'ite alhier von St. Petersburg an u. wurde Ihm frey qvar- 
tier bey Helmsing in der Sünder-Strasze gemachet. 
Den 14ten umb balh 2 Uhr Mittags reyszte derselbe mit seiner gantzen 
suite VOll hier nach Warschau und genosz die Schiesze vom Stall. Er soll 
seiner Sage nach von I. Kayserl. Mayst: unserer Souverainin mit ßOOO Rubeln, 
einer kostbahren Tobacquier u. ihr Portrait regaliret seyn. 
Den 23sten Septembris wurde die in der St. Petri Kirche von dem Orgel- 
Bauer Gottfried Kloosen angefertigte Orgel zum ersten mahl heym Gottes-Dienste 
gerühret, nachdem erwehnter Gottfried Kloosen seit 17
9 den 30 September 
hierüber p.in Contract geschloszen, dasz in dem Haupt Manual 12, in dem Oher- 
Werck 10, in dem Brustwerck 9 und im Pedal auch 10 Stimmen, in allen 41 
Stimmen kommen und drey Clavire gemachet werden solten samt allen zu diesem 
Wercke erforderlicheu materialien Ihm 8elbsten anschaffen müste, (auszer die 
Zierahten des Schnitz- W ercks, oder die Bildhauer-, Klein-Schmiede und Zimmer- 
Arbeit, wie auch die Balcken und Bretter) wofür Ihm 4200 Rthlr. Alberts ge- 
zahlet u. eiu Hausz worinuen I
r dieses Orgel-Werck anfertigen könte, ge- 
heHret oder anp;ewiesen worden. Der Bildhauer Hinrich von Bergen für seine 
Arbeit 210 Rthlr. alb: den 29 Junii 1731 accordiret s . 
In diesem verfloszenen 1733 ten Jahre sind in beyden Teiitschen Stadt- 
Kirchen 184 Kinder getaufft, 49 Paar copuliret und in allen drey Kirchen 122 
Leichen beerdiget worden. 
Ao: 1733 sind aIhier in allen 317 Schiffe gewesen davon 5 Holländer und 2 
J.Jiihecker flher Winter zurücke geblieben. 


Ao: 1734. 
Den 4 Jan. brach der von St. Petersburg kommende Herr geheimer Etats- 
Raht von Kayserling von hier auf umb alsz Envoye nach Pohlen zu gehen. 
Den 6 kahm der Preü8zische Envoye Herr Baron von Mardefeld gleichfals 
von St. Petersburg und reisete nach Berlin zurück. 
S. B4 Ao: 1734 d. 8 Januarii wurde die Justice-Predigt gehalten über die Worte 
des 14ten Capittels und 8 vers der Spriich-Wörter Salomonis: Dasz ist des 
Klugen Weiszheit, dasz Er auf seinen Weg mercket. 
Den 28 Januarii alsz an Ihro Kayserl. Maj. Gebuhrts-Tag ward von dem 
Herren General Lieutenant und Vice Gouverneur Foedor Balck zu Mittage trac- 
tiret, von den Wällen geschoszen und 3 Tage nach einander in der Stadt vor 
allen Fenstern des Abends Licht gebrandt. 
Den G Februarii ist der Herr D. Johann Bernliard Fischer zweyter Stadt- 
Physicus von Ih ro Kayserl. Majeste nach St. Petersburg verlanget worden und 
I) Vgl. B. II 226, Zur GeBe/lichte (leB LyceumB B. II 345. 11) B. II 473. S) Die 
Orgel tcar erBt im Januar 1734 fertig' und Bollte noch dU1'ch Ma8811/mm in IOJnigBberg geprllft 
werden. Vgl. BP. v. 23. Jan. t4, 6. Mi/re 1'131, PI. B. 105 S. 38 u. 9819 und B. III S. 57. 


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1734 


Tagebuch. 


113 


hat Er nach I
mpfang dcr Ihm zur Rey::;e t1e8tinirten 500 Rubeln sicb dahin 
hegebeu l . 
Den 14 Martii ward die Jiidin Genesse zusambt ihrem Kuecht in der 
Hammerscheu Hausze auszer der Bleich-Pforte gelegen, erschlagen. 
Den 1ß cjusd. erhiug sich Christoph Kesler ein Kauff-Gesell, welcher den 
vorigeu Ahend wegen dieser Mord-that eingezogen und auffm Rahthausze oben 
im Gefänguisz gebracht worden, daselbst am Gegitter mit seinem eigenen Herobde, 
wal'd uachmittags aus der Stadt durch die SchinderKnechte geschleiffet, der 
Kopft" vorm R.aueus Thor aufm ein Pfahl gestecket und der R.umpff neben dem 
Galgen aufs Rad geflochteu. 
Den 19 hat das Eisz in der Duna, so sehr schwach war, zu gehen ange- 
fangen, und den 21 sten war umb 5 Uhr die Duna vor der Stadt gantz klar 
und rein. 
Den 13 May kahm der Polnische Gesandter Graf Zawischa mit seiner Ge- 
mahlin und svite alllier an und wurde im Dannensternschen Hausze logiret. 
Den 14 May arrivirteu die aus Pohlen und Reiiszlaud mit Henpff-Saat, 
Ascheu, I1enpft' etc: beladeue Strusen und legten hier nachgehens ihre 
'Vahrcn aus. 
Den 20 Junii ward an drey Personen, welche an Beraubung uud Ermor- 
dung der Jiidin mit thei! gehabt, die Gerichtliche Straffe exeqviret, da dann 
eine Magd Barhara Luppe und ein Kauft'Gesell Nahmens Bergler decolliret, die 
KuchellBäckerin HaUll11enwhe aber mit dem Rade von unten auf hingerichtet, 
uud die beyde letzte Cörl'er aufs Rad geflocliteu, die erstere wurde beym Richt- 
Platz verscharret. 
Den 30 Junii kahm der Polnisch und Sacbsiscbe Envoyee Herr le Fort, 
Ritter vom Alexauder Orden aus St. Petersburg alhier an und ging nach 
Sachsen zuriick. 
Den 11 ten Ju1ii traff der Herr Graf Doehn, König!. Dänscher Envoyee 
und Ritter vom Dannenbrockschen Orden alhier ein und trat den 15ten seine 
Reyse nach St. Petersburg an. 
Den 18 .Julii wurde alhier ein Danckfest wegen Ihro Kayser!. Majeste 
gliicklichen Waffen und der Ubergabe von Dantzig mit Absingung des Te 
Deum laudamus in der Kirchen gefeyret und des Abends in allen Haüszern 
illuminiret. 
1734 den 4 Augusti kahm der Herr General-Lieutenant, und Vice-Gouver- S, 85 
neur hieselbst, und Ritter vom Alexander Orden Carl Hochmuth 11 nmb balb 
7 Uhr Abends, da der Herr BürgerMeister und Ober-LandVogt von Schultzen, 
ich und der Herr LandGerichts SeCl'etaire von Dreiling bisz an der Neüer- 
mühlschen Brücke Sr. Excellence entgegen gefahren und daselbst einen Stadt- 
'Vagen mit 6 Pferden bespannet, praesentiret, mit seiner Gemahlin, der Fräu- 
lein Knuth u. sein Sohn alhier an, und trat im Dannensternschen Hausze, 
weilen das Closter wegen seiner Baufa1ligkeit nicht zu bewohnen war, ab, allwo 
SeIhte auch durch den Worthabenden Herren BürgerMeister Wiedau, den 
Herrn Oher-AmutHerrn Schwartz u. beede resp. Herrn Alterleüte bewill- 
kommet wurden. 
Den 19 reisete der Herr General-Lieutenant und voriger Vice-Gouvel'lleur 
Ritter vom Alexander Orden Foedor Balek von hier nach l\[oszcau gantz 
stille ab. 


I) B. II 515. 


11) B. II 497. 


8
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114 


Schievelbeins 


1734-35 


Den 26. sind die Veputirte der Stadt Dantzig die Herren Rahts Verwandten 
'VahI und EIert, die Herren Schöppen Reyher und Bonhorst, Secretarius Jansen 
und zwene aus der Bürgerschafft Schendel unu Martens alhier ankommen und 
den 29 traten sie ihre Heyse nach St. Peterslmrg an. 
ie wurden durch zwene 
Herren des Rahts alsz den Herrn MusterHcrrn von V ege
ack und den Herrn 
GerichtsVogt Wulff bey ihrer Allkunfft complimentiret und mit Bhren-Wein 
von der Stadt heschicket. 
Jubilaeum Gamicum. Den 2ten September hat Bltister kl. Giilde JohallJl 
Sarnau mit seiner Frauen Anna Göschen seinen Hochzeit Tag nach 50jährigem 
Ehestande, zum andem mahl gefeyret, dari'lher folgendes Chronodistichon ge- 
machet worden: 
LV stra tVos enl RIga, toros hIsq Vlnq V e resta V rant, 
Res DVro seCLo rara, perennIs aMor. 
ErstIrbt an RIga Dann DIe aLte Uebes:TreV'{ 
o nein I sIe VVIrD bey Ihr naCh fVnffzIg I:thren ne V I. 
Den 3ten Sept: ward dem Herren Pastoren von Neüermiihlen und Zar- 
nikau Johann Schroeder vor E. W ohlEhrwiirdigen Consistorio angedeiitet, dasz 
E. WohlEdler Raht Ihm zum Priester der Kattelkalns- und OJeinschen Gemeine 
erwehlet und die Installation den 29 sten vor sich gehen solte. 
Den 7 Sept: ward dea Liggers Sperlings Ehe- Weih Gretll, weilen sie ihrel' 
Tochter neügebohmes Kind ohne Ahhindung des Nabelstranges auf der Gaszen 
ausgeleget, mit 10 paar Ruthen am Pranger gestrichen und der Stadt verwiesen. 
Den 11 retournirte der Graf und Ober-Stallmeister Lewenwolde aus Pohlen, 
allwo S. Excellence alsz Ambassadeur bey der Wahl des Königes Augusti II 
Ihro KayseI'l. Majeste Interesse wahrgenommen. 
Den 17 kahm I. Römisch .KayserI. Majeste Grosz Bohtschaffter, der Ge- 
heimbte Raht Graf von Ostein mit seinem Secretaire Carame alhier an u. setzte 
seine Reyse nach St. Petersburg bald fort. . 
Den 25 langten Se. Excellence der Herr General-FeldMarschall Graf Mun- 
nichen hier an und reyseten des andern Tages nach Petersburg. 
Den 29 wurde Pastor Schroeder in der Kattelkalnische Kirche alsz PastOl' 
S. 86 Loci durch den Herrn Pastoren Elvers, mich und den Herrn Secretair von 
Dreiling introduciret. 
Den 20 Decembris celebrirte der Herr Hofl'Gerichts Assessor Johann von 
Brevem mit seiner Jungfer Braut Barbara Helena Zimmermanu, nachdem Sie 
den !sten Advent zum 1sten und den 2 Advent zum zweyten u. 3ten mahl ah- 
gekiindiget worden, mit Musique seine Hochzeit feyrlichst. 
In diesem 1734sten Jahr sind in beyden Stadt-Kirchen 1a0 Kinder gf'taufl't 
46 paar copuliret und 180 Menschen begraben worden. 


Ao. 1735 
ist durch den Herrn General-Superintendentf'u Bruningk alsz OberPa.storen uen 
7 Januarii die Justice-Predigt gehalten. 
Den 10 Februarii wurde Eltester Valentin Grave zum Altermann groszer 
Gülde erwehlet und kahm Schiffer Jurgen Keusch aus Lübeck mit Ostern 
Castanien, Citronen, Pomerantzen etc. alhier an. 
Den 20 ejusdem bekahmen wir noch 2 Schiffe ein VOll Flellsburg 
chiffer 
Oven nnd ein von Lübeck Jacob Keusch mit Ostern etc. u. dergl. 


I) Jubilaeum 'U. 11. w. am BlInde. 


....
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1135 


'ragebucb. 


115 


Den 25 traBen I. Excell. der Herr General-Feld-Marechal Graf v. Mun- 
nichen aus St. Petersburg alhier ein. 
Den 26 fing das Eisz der Duna umb 10 Uhr morgens an zu gehen und 
wurde der Herr General Jagusinski mit zweyen Böhten von jentseit der Duna 
ühergebracht. 
Den 1 Martii reyseten so wohl der Herr General und Graf Jagusinski alsz 
auch der Herr General-FeldMarechall von hier ab, und wurden für letzteren 
31 Schüsze von den Wällen loszgebrandt. 
Den 22ten langete der Cron Pohlen Schwerdt-Träger von Litthauen Graf 
Zawischa aus S. Petershurg a1l1ier an, u. nahmen qvartier in Helmsings Hausz 
allwo Er hisz die Woche nach Ostern verblieben. 
Im Martio wurde zu mehrer Beqvehmlichkeit derer mit Rauch Waaren herab- 
kommenden Frembden 3 Wraak-Scheüne an der Duna aufzusetzen beliebet so 
5200 Rtbl. gekostet. 
Den 30 Martii ward I. K. Majeste Patent, dasz Niemand einen von der 
Ruszischen Nation zu einer andern Religion locken oder bereden solle, an allen 
KirchenThüren angeschlagen 1. 
Den 9 April 
tarb der Waszer und Poort-Capitain Bernhard Schmidt I im 
62sten Jahr seines Alters u. ward den 16 im Thum Abends begraben. 
Den 28 ward das Crönungsfest Ibro Kayserl. Majeste so wohl in den Kirchen 
alsz aucb im Kayserlicbeu Lyceo mit 5 gehaltenen Orationen feyrlichst begangen 
und von Sr. Excellellce dem Herren General-Lieutenant und Vice-Gouverneur 
Hochmutb ein Tractament u. Ball in Ibro K: Majeste Garten gegeben. 
Den 29 nahm das Examen publicum in der lateinschen Schule seinen An- 
fang und währete nur vor dieszmahl 4 Tage, da es sonst 5 Tage zu dauren pfleget. 
Ao: 1735 den 28 May retournirten die respective Herren Dantziger Depu- S.87 
tirten von St. Petersburg und setzten ihre Reyse den 5 Junii von hier weiter 
fort. Es waren selbige der Herr BürgerMeister Wahl, die Rahtsherren Ehler 
und Reyher aus der ersten Ordnung, der Schöppe Bornhorst aus der zweyten, 
und die KaufIleüte Martens und Schendel aus der dritten, nebst ihrem Secretaire 
.Jantzen, wohey sich auch der Sohn des Rahtsherren Ehler befande. 
Den 8 Junii hielte der Cantor Scholae cathedralis und Director Musices 
Andreas Elias Erhardt umb seine dimission an, welche Er auch den 13 ejusd. 
erhielte. 
Weil der Sommer dieses Jahr sehr schön war, sahe man im August Monaht 
die kleine rohte Rosen so wohl, alsz auch die weisze n. province Rosen von 
neiien hlühen, auch sind einige Äpffel-Baüme aufs neü ausgeschlagen. 
Im Julii dieses Jahres ist über den vormahligen Riesing bey des Herru 
CammerHerrn Schicken Hausz unweit der Banckock RundeI ein verdeckter Ca- 
nal geleget u. solcher bisz an die Kalck-Brücke fortgeführet s . 
Den 5ten September wurde der Candidatus Theologiae, Johaml Wilhelm 
Niclas Schultz, ROBtochiensis, der von den 13 Augusti 1734 bisz itzo alle Diens- 
tage für den Herren Ober-Pastoren und auch für die andere im Ministerio öfters 
geprediget, zum Adjuncto bey der Jesus Kirchen erwehlet. 
Im August und September ist die alte Waage am Marckte mit zwenen Bo- 
den, umb das Badstuben-Guth laszen zu können, auf 2 Stockwerck verhöhet 
worden. 


1) Im Martio t(, M. w. am Rande. 
.Abteil. 4 nr. 2ö. 


I) B. II 523. 


S) B. II 532. B. III 


8*
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116 


SclJievelbeinB 


1n5 


Im October ist die cortine von Siinder-Pforte bisz Marstall-Bastion mit 
denen darunter gewölhten Casernen und Wacht Haüszern, zusambt der Schwein 
Pforten angefertiget und zur perfection gediehen 1. 
Den 28 Septembris sind zwene neü erwehlte Raht-Mänuer, der Herr Ol)er- 
SeCl'etaire Brockhausen und der Herr Altermann Valmltiu (trave öffentlich pro- 
clamiret und den 10 Octobris zu Rahthausze gefiihret, allwo Ihnen ihr Sitz an- 
gewiesen worden. 
Gegen diese Rahts- Wahl sind die Stadt - Diener allesamt wiederumb zum 
ersten mahl, so wie es vor diesen gewesen, in bleumouraut u. mit versilberten 
Knöpffen 2 mondiret und ihnen dahey eingebunden worden keine andere Kleider 
alsz von der couleur zu tragen. Das Tuch wurde ihnen nebst Futter uud Knöpfl'en 
vom Stadt-Kasten gereichet und das Zuhehör musz ein jeder !:!ich selbst anschaffen s . 
Eodem den lOten Octohris ist der Herr Ober-Vogt Georg Raes annoch in 
coelihatu lehender per sortern zur Biirger-Meister WÜrde erhoben und der Herr 
Ober-CammerHerr Georg Bereus an deszeu Stelle ordinario modo zum Ober- 
Vogt gewehlet. 
Den 22 October wurden Dominus Godofredus Halter zum Cantore, Dominus 
Jacob Josephi in 4ta uud Christopher Hoffmauu in 5ta Classe zum Collega er- 
wehlet, den 24ten Nachmittag durch deu Herrell Prof. und Rectorem Scholae 
privatim introduciret und traten alle drey ueo-electi ihre Schuhl-Arbeit an. 
Den 25 Novemhris wurde der neiierwehlte Cantor Godofredus Halter, Jacob 
Josephi und Christophorus HofI'manll publice introduciret u. hielte ersterer de 
abusu et usu Musices, der audere de seminibus Mentis und der dritte de rele- 
gatiollibus, emigrationibus et domiciliis bonarum artium et scicntiarum eine Oration. 
Den 10 Novembris alsz am Martins Tage sind vom Vogteylichen Gerichte 
Ellen, Maasz und Gewicht in allen Buden, nachdem sie vorher versiegelt worden, 
übersehen und untersuchet 4. 
S, 88 D. 2 Decembris ward der Candidatus Theologiae, Rostochiensis, Johann 
Wilhelm Niclas Schultz in der Duhm-Kirchen alsz Priester der Bickernschen 
Gemeine und Adjunctus der Jesus-Kirchen ordiniret, uud hatte der Herr Ge- 
neral-Superintendens aus dem 52 Capittel Esaiae vers. 7 den Text zur Predigt 
genommen. 
Am 29sten Novembris erhielt der Magistrat Ihro Kayser!. Majeste hohe 
ordre unter eigenhändiger U nterschrift't, dasz dieselbe zum Aufnehmen des Com- 
mercH hieselbst auf zehn Jahr der Stadt 100.000 Rtblr alb: alsz ein narlehn 
allergnädigst verliehen hatten 5, und wurden den 12 Decembris die Directeurs 
dazu erwehlet 6, davon 3 aus }Js WohlEdien Rahts Mitteln nem!. Herr Gothan, 
IIinrichs und W olff, 3 aus der Eltisten Banck groszer Giilde, Gerrengross, Arend 
Berens und Jacob Ebel und 3 aus der nürgerschaft't Peter Friedrich Kroeger, 
Hinrich Thiering und Christopher N edderhoff. Wie und welchergestalt die Dis- 
position über diese summa Geldes zu fi'thren sey, davon brachten obbenandte 
ein project den 31 Decembris zur weiteren Uherlegung an H. Wohmdlen Raht, 
welche denen Alterleüten an die Eltesteu J
anck und Rürgerschafft G. Wilde zu 
communiciren mitgetheilet ward 7. 
In diesem verfloszenen 1735 sten Jahr sind in den 2 teiitschen Stadt-Kirchen 
194 Kinder getauffet 56 paar Bhe-Leiite copuliret und 106 IJeicben in 3 Kirchen 
begraben. In d iesem Jahr haben wir 418 Schiffe gehabt. 
1) B. Il 513. 2) Die Stadtfarben waren blau-weiBs. B. I 724. S) Gegen 
dieser u. s. w. am Rande. 4) B. Tl 044. (j45. 5) B. I1 548. 559. 6) B. 11 552. 
T) B, I1 558, 


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1736 


Tagebuch. 


117 


Ao: 1736. 
D. 1 Januarii sind drey Schiffe 2 Holländ- und ein Lübsches von hier zu 
Seegel gegangen, Gott sey ihr Geleits-Mann. 
Den 13 Januarii wurde die Justice-l'redigt in Duhrns-Kirche am Dienstage 
hey Unpäszlichkeit des Herren General-Superintendenten Bruningks alsz Ober- 
Pastoris von dem Herren Wochen-Prediger M. llartholomaeo Depkin über den 
122 Psalm v. 3. 4. 5 in Versamlung des Magistrats gehalten. 
Den 19sten ward die Erhebung lhro Kayser!. MajesM zum Kayser!: 'rhrone 
in der Kirchen mit dem Gottes-Dienst, da die Predigt umb 8 Uhr seinen An- 
fang genommen, und hel'llach das Te Deurn Laudamus figuraliter gesungen, mit 
Abbrennung der Canonen von 21 Schiisze und Illuminationen des Abends 3 Tage 
lang vor den Fenstern solenniter gefeyret. 
Den 24 Januarii Abends umb 8 Uhr starb der Ren General-Superintendens 
Hinrich Brunillgk, Ober-Pastor, Assessor primarius Consistorii, und Inspector 
der lateinschen Schule 1. 
Den 28 ejusd. wurde 1. K. l\Iajeste Gel.mhrts-Tag mit Haltung des Gottes- 
Diensts Absingung des Liedes Herr Gott Dich loben wir gefeyret u. war der 
Text genommen aUR dem 49 Psalm v. 4 & 5. 
Den 30 Januarii ward die IJeiche des Herren General-Superintendenten S. 89 
Hinrich Bruningk zu Mittage von halb 2 bisz 4 Uhr im 'fhum zur Erden be- 
stattet und lag auf dem Sarg eine grosze Eiebel, worauf zum Haupte ein Bischoft's 
Huht anbey ein verguldet crucifix geleget. Der Sarg selbst war schwartz mit 
Tuch bezogen. Der Herr Praepositus Rigischen Creyszes Jacob Benjamin 
Fischer ging für die Leiche und 8 Landsche Prediger, davon 4 wehrender 
Leichen-Predigt Leym Sarge saszen, trugen dieselbe zu Grabe. Der Herr Pastor 
M. Bartholomaeus Depkin hatte zum Leichen 'rext genommen die Worte Matthaei 
Cap. XXV. v. 21. 1
y du frommer und getreiier Knecht, du bist über wellige 
treü gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herren 
}'reiide. Sein gantzes Alter hatte er geln'acht auf 60 Jahr 6 Monahte und 
17 Tage. 
Den 26 }'ebruarii kahm der Herr Oher-WettHerr )felchior von Caspari, 
welcher seit Ao: 1725 am Ruszischen Kayserlichen Hofe als Deputatus der Stadt 
gewesen, aus St. Petersburg friihe morgens alhier an I. 
Den 28sten Martii fing das Eysz in der Duna an zu rücken und so conti- 
nuirte es den auderll Tag, dasz die Fischer im Strohm mit ihren Böhten sicher 
ausfahren und fischen können. 
Den 15sten April brandte Ley Dnhms Kirche an Biermanns Hausz ein 
Keller mit Flachs Eltisteu Georg Gottrr. Brockhausen zugehörig zwischen 11 
und 12 Uhr zu Mittage, doch ward der Brand bald gelöschet. 
Zwischen den 16 und 17 in der Nacht sind bey die 100 lIaüszer auf den 
V orburg unweit 1. K. Majeste Garten in die Asche geleget s . 
Den 28 April trat der neiie General-Superintendens Jacob Benjamin Fischer, 
nachdem }jr den vorigen 'rag seinen l
yd geleistet, in Jacobi Kirche auf 1. K. 
:M. Krönungs Tag sein Amht an und predigte iiber den 28 vel'B des XXsten 
Cap. ProverbioI'um. 
Den 8 May umb 10 Uhr morgeu!:! kahm in der groszen OaBze auf der La- 
stadie Feür aus und daurete dieser Brandt bisz 2 Uhr Mittags, in so lange die 
Haiiszer zu beyden Seiten bisz an der Juden Herberge verzehret wurden, obwohl 


1) B. 11 585. 


2) B. Il 56fS. 


S) B. Il 570. 


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118 


Schievelbeinll 


1736 


die grosze Glocke in der Stadt beständig angezogen und die Trommeln gerühret 
worden, war keine Möglichkeit eIlender die Flammen zu löschen 1. 
S. 90 Deszelben Tages umb 1 Uhr Mittags gesegenten Se: Excellence der Herr 
General-Lieutenant, Vice-Gouverneur und Ritter vom St. Alexander Orden Carl 
Hochmuht dieses Zeitliche, nachdem dieselbe etliche Wochen vorher am Scorbut 
kranck gelegen. Von 3 bisz 4 Uhr wurde so wohl die Grosze alsz auch die 
andern Glocken von allen Kirchen deshalber gelaütet und sein Todt dadurch 
bekant gemachet 2. 
Den 18 wurde deszen Leichnam unter einem ansehnlichen Gefolge in der 
St. Jacobi-Kirchen Standes gemäsz zur Erden bestattet. Den Zug eröffnete ein 
Bataillon zu Fusz, welches von einem OberstLt: aufgef"Uhret wurde. Hierauf 
kamen 1 Paucker und 2 Trompeter zu Pferde in Tmuer-Mänteln und Flörcn. 
Ein geharnischter Ritter zu Pferde. Der Capitain Brummer alsz Marschall mit 
dem Marschals-Stabe. Das Freüden-Pferd, welches von 2 Unter-Officier geführet 
wurde, die lange Flöre auf den Hüten, schwartze Mänteln und jeder ein Spiesz- 
Rute in der Hand hatte. Eine weisze Fahne, in welcher des seel. Herren Ge- 
neral-Lieutenants Wapen zu sehen war und von einem Fähndrich getragen wurde. 
Das Trauer-Pferd, welches gleichfals 2 Unter-Officier führeten. Die Trauer- 
Fahne, auf deren einen Seite des seel. General Lieutenants Bildnis, und auf der 
andern eine mit Lorbern umwundene und mit einer Krone gekrönte Pyramide 
zu sehen war. Der Capitain Steuben, alsz Marschall mit dem Marschalls Stab. 
Die Insignia welche von Fändrichen in langen Mänteln und Flören, auf schwartzen 

ammeten mit silbernen Treszen besetzten Küszen getragen wurden, als der 
Helm, die Handschuhe, die Sporen, der Commando-Stab, das güldene Gnaden 
Zeichen mit einer langen güldenen Kette, der Orden von St. Alexander. Der 
Obrister Romanzoff, als Marschall mit dem Marschalls Stab. Die Leiche, welche 
von 16 Capitains und Lieutenants getragen und denen Grenadiers wegen des 
weiten Weges zugeordnet waren. Der Sarck und Baldachin waren mit schwartzen 
Sammet überzogen und letzteres mit silber Mohr gefüttert; beyde aber mit sil- 
S. 91 bern Treszen, Frantzen und Gürtler Arbeit sehr reichlich ausgezieret. Die Ca- 
pitains Bormann und Meck als Marschalle mit den Marschalls Stäben. Der Herr 
General-Major und LandRaht von Campenhausen alsz Oherster Marschall mit 
dem Marschalls Stab. Das gantze Trauer Gefolge zu Fusz und den Schlusz 
machte noch ein Bataillon Infanterie. Der Leichen-Text, worüber Pastor Heh- 
ling predigte war genommen aus dem H. Tim. 2. v. 3. 4. 5. Leide dich etc: 
S. Excell. waren d. 11 Junii 1672 zu Kirchberg in Vogtland B gebohren und haben 
ihr Alter auf 64 Jahr 1 Monaht und 2 Tage gebracht. 
Den 10 Junii ward ein Danck-Fest wegen der gliicklichen Victol'ie wieder 
die Tartern bey Pericop mit Musique, Läutung der Glocken und Abfeyrung 45 
Stücke von der Stadt und 46 von der Crone feyrIichst begangen. 
Den 15 Junii langete umb halb 7 Uhr der Herr General-Major und Ritter 
des weiszen Adlers Orden Ludolph August von Bismarck alsz Vi ce-Gouverneur 
aus CuhrIand alhier an und ward Ihm das Commando so wohl über die hiesige 
alsz auch in Churland stehende Regimenter anvertrauet'. Im Anfange stand 
derselbe in dem Dannensternschen Hausze, bald darauf aber, wie seine Gemahlin 
von St. Petershurg hier eintraf, bezog Er mit derselben 1. .M. Palais. 
Den 11 ten Julii wurde wegen Eroberung der Stadt Assoff alllier ein Danck- 
fest gehalten, 3 mahl um der Stadt die Canonen von den Wällen gelöset und 
1) B. 11 570. I) B. Il 572. B) Amt WielIenburg. Seine ETtern Me88en Johann 
und Anrm Wohlrab-in. Ilandbeme1'kung auf S. 90. ') B. {J 572. 


. 


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1736-37 


Tagebuch. 


119 


inzwischen mit allen Glocken gelaütet, die Musique so wohl auf dem Raht- alsz 
auf dem schwartzen Haüpter Hausze dabey gerühret. 
Den 19 Augusti starh der Herr BürgerMeister und Ober-WaysenHerr von 
NOl'deck auf Uxkul und ward vor Ihm ordentlich umb 12 Uhr alhier in der 
Stadt gelaütet. 
Den 24sten geschahe die Introduction des Herrn Inspectoris Scholae cathe- 
dralis Adam Gottfried Horuicks mit einer Inauguration-Rede in latein und der 
älteste Primaner Schick bedanckete sich vor die Fürsorge ins Teütsch. 
Den 30 legte der Herr General-Directeur, I..andRaht und Vice-President 
vom Hoff Gericht Weinhold Georg von V olckersahm des Morgens zwischen 10 S. 9.2 
und 11 Uhr sein Haupt von aller Arbeit nieder und ward von 12 bisz 1 Uhr 
für ihn gelaütet. 
Den 4 September schied zwischen 6 und 7 Uhr Abends der Herr Ober-In- 
spector von allen Licenten Georg Witte im 68 Jahr seines Alters von dieser Welt. 
Den 5ten ward der Prillceszin von Mecklenburg Anna Gebuhrts Tag alhier 
nicht mit groszen Ceremonien gefeyret. 
Den 7 den ward der Herr General Oeconomie- Directeur von V olckersahm 
in der Jacobi Kirche und 
den lOten der Herr Ober-Ini::!pector der Kayserl. Licenten Georg Witte des 
Abends mit einer Stand-Rede in St. Petri Kirche begraben. 
Den 12 aber der Herr BürgerMeister und Ober-WaysenHerr von Nordeck 
am Tage mit Fackeln, einen Wapen und in Gefolge der WaysenKinder, welche 
vor die lateinische Schule mit ihrem Schulmeister gingen, standmäszig begraben. 
Den 23 und 26 hat der Herr Graf Nicolaus Ludwig von Zinzendorf und 
Pottendorf alhier in der Jacobi Kirche geprediget l . . 
Den 19 October schlug ein Stralsunder Schiff, so hier vorm Sünder Thor 
an der Kaye lag und völlig geloschet hatte, gantz umb. 
Den 21 war ein hefftiger Sturm und wurde die halbe }'losz Briicke wegge- 
trieben und ein Schiff mit Roggen beladen, bisz an die Johannis Pforte bey 
nahe versetzet, woselbst es ein Leck bekahm und in der Duna sunck, doch aber 
hernach wieder ausgeholffen ward. 
Den 22 und 23 kriegten wir darauf Hagel und Schnee. 
Ben 13 November duellirten sich zwene Cavalliers aus St. Petersburg kom- 
mende der Herr Vice-President des Reichs Justice Collegii Baron von Mengden 
und der Herr President von der Academie der Wiszenschafften, der Herr Cam- 
merHerr von Korff bey Schultzen Krug wegen der Hoffraülein Wildemann I, 
doch wurde letzterer nur ein wenig in der Hand blessiret, weilen die erbehtene 
Secundanten ein Stillstand vermittelt, und ihnen nicht weiter aneinander kom- 
men laszen. 
Den 5ten Becembris ward die Frau Bürgermeisterin Zimmermann, so am 
29sten Nov. umb 3 Uhr schleünig gestorben, standmäszig beerdiget. 
In diesem 1736sten Jahr sind 186 Kinder gebohren 44 paar copuliret und 
123 gestorben. 
Ao. 1737. S 93 
D. 11 Januarii hat der Herr Ober-Pastor Willebrandt die Justitz Predigt 
im Bohm über den 82 Psalm gehalten und sein Exordium aus dem Römer am 
13ten und tsten vers genommen. 


I) Den 23 und 21; U. 8, w. am Rande. !I) Generalmajor von Wildtmann vertrat 
1741 (1m abwesenden Gctteralgo1tverneur LClCJI. B. 11 735. 


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120 


Schievelbeins 


1737 


Den 19sten wurde das Gedächtnisz-Fest Ihro KayserI. :Majeste zur Gelan- 
gung zum Thron von Sr. Excellence dem Herren General Majorn und Vice- 
Gouverneur von Bismarck mit einer prächtigen illumination vor I. M. Palais 
und einem Ball bisz gegen 10 Uhr Abends gefeyret und war in der Stadt überall 
Lichte vor den Fenstern gesetzet auch der halbe Tag wie ein Feyrtag begangen. 
Den 28sten 1 alsz Ihro KayserI. Majeste Gebuhrts-Tag hielte Johann Ben- 
jamin von Fischer im Lyceo nach verrichtetem Gottes-Dienst zu Ebren I. K. l\L 
eine Lob-Rede und wurde der Tag überdem solenniter gefeyret. 
Den 3 Februarii, da I. K. '1f1. Nahmens-Tag ll einfiel ward gleichfals von den 
Wällen umb 11 Uhr geschoszen, auf Raht- und scbwartzen Haüpter Hausz musi- 
ciret, von dem Herrn General-Major und Vice-Gouverneur von Bismarck umb 
5 Uhr Nachmittags ein Ball gegeben und in allen Fenstern an der Gaszen Licbt 
gebrandt. 
Den 14 war der terminus conventionis zum Land-Tage und 
den 17 wurde der Land-Tag mit dem Gottesdienst in der St. JacobiKircbe 
ordentlich angefangen, und machte die Ritter- nebst Landschafft bey Sr. Excel- 
lence dem Herren General-.Major und Vi ce-Gouverneur v. Bismarck in I. Kay- 
serI. .M: Palais processionweise ihre Aufwartung. 
Den 1!) lief die Nachricht von St. Petersburg ein, dasz unser Herr Vice- 
Gouverneur von Bismarck zum General-Lieutenant avanciret, der Herr Regie- 
rungs-Raht Hermann von Vietinghoff Geheimbter Rath und der Herr Baron und 
Regierungs Raht von .Mengden, General Oeconomie Directeur geworden, welcber 
letztere annoch in Petersburg sich aufhielt, erstere aher die gratulationes noch 
denselben Tag annahmen. 
Den 28sten ward der Herr Hof-Gerichts-Assessor Baron Johann Gustav 
von Budberg, welcher auf der Land-Stube mit 173 Stimmen erwehlet von dem 
Herrn General- Lieutenant und Vice-Gouverneur von Bismarck zum LandMar- 
schall per Rescriptum bestätiget. 
Den 15ten Martii ward der Land-Tag geschloszen und die Abschieds 
Audience }Jey Sr. Excellence unsern Herren Vice-Gouverneur solennitel' vom 
Adel abgestattet. 
Den 6ten April ward dem Herrn Praefectus Portorii Arend Johann Baade 
wegen seines unanständigen Betragens gegen den Herrn Geheimen Raht von 
Vietinghoff von Sr. Excellence dem Herren General-Lieutenant und Vice-Gou- 
verneur v. Bismarck 1 Corporal mit 2 Mann im Hausze geleget, nacbgehens 
a.ber Er selbsten nach der Haupt-Wache gehracht, von wannen den 7 alsz am 
Grünen-Donnerstage umb 6 Uhr Ahends allererst nach geschehener deprpcation 
hey dem Herren Geheimen-Rahte seines Arrestes erlaszen worden. 
S. 94 Von Gründonnerstage bisz die gantze Oster -Woche grassiretell viele Krallck- 
helten alhier, welche theils alsz ein Fieber, theils mit Kopfl'- Web, Creiitz und 
Seiten-Stiche sich angefangen und war fast kein Hausz frey, wo nicht die mei- 
sten darin sicb etliche Tage bettlägerig befanden. Die Kirchen waren iibers 
Fest ziemlich leer und von den Knaben aus der ThumScbulen nur 7 und aus 
der .Moritz-Schule nur 4 darinnen. Wegen dieser neiien alamodischen Kranck- 
heit wurde das Kirchen Examen uicht ehender alsz den 4ten l\by mit der Ju- 
gend begonnen. 
Den 1Hen J unii brandte in der Nacht von halb 11 Uhr in der Vorstadt 
die Reeper-Bahn, sambt denen Buden, wie auch viel Theer und Henpff weg, 


I) i. 0, 24. Der Geburtstllg war mll 28, Je!n. B, II 289. 


11) i, O. Gebuhrts- 'rllg. 


.....
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1737 


Tagebuch. 


121 


welches Feür durch Unvorsichtigkeit eines angeklebten Lichtes beym Theer 
Keszel in des Reepschlägers Andreas Göttke 'l'heer-Scheün entstanden unl von 
einem Gesellen Carl Gustav Schwartz versehen worden. 
Am 17 Junii ward alhier und im gantzen Lande zum ersten mahl unter dieser 
Regierung ein Fast- Busz- Danck- und Beht-Tag ordentlich gefeyret, dasz von 
() :Morgens bisz umb 6 Auends kein Wein-, Caffee-, Schenck-, Bier- oder Brand- 
Weins Haiiszer geöft'net worden, welches vorher durch ein Patent und Intima- 
ti011 1 von denen CantzeIn bekant gemacht ward. 
nen 19 Augusti ist ein Danck-Fest in allen Kirchen wegen Einnehmung 
der Vestung Otzakoffs und des vortreft'lichen Sieges wieder die bundbrüchige 
Türcken solenniter celebriret, uer 'rext zur Predigt war aus dem XllX Psalm 
v. 47 bisz letzten vers genommen und naeh dem Gottesdienst wurden 240 Ca- 
nonen von der Stadt und 190 von der Citadell Wällen abgefeüret. 
nen 23 morgens umb 3 Uhr gerieht des Gürtlers Kettermanns I1auszboden 
im Brand, so aber gegen 4 Uhr Gottlob gelöschet worden. 
nen 13 Septembris hielten zwo Schwestern, Maria Elisaueth und Sophia 
Catharint llerens, erstere mit einem Kaull"mann Gottfried Berens und die andere 
mit dem Herrn SeCl'etaire Andreas Stöver auf einen Tag Hochzeit und wurden 
von einem Prediger copuliret. 
Den 16 Septembris ward auermahl ein .Beht-, Busz-, Fast- und Dancktag 
gehalten und Vormittag der Text aus Ezech. XVI. v. 4B. 50 und Nach-Mittag 
aus dem Rom. VIll. v. 7. 8. 9 erkläret. 
Den 25 Sept: sind zwene Raht-Mällller nenllich Herr Secretair Hinrich Be- 
werth und Herr AlterUllnn Friedrich Schiff hausen erkohren und abgeruffen. 
Den 2a N overnbr. zu Mitternacht brandte in der V or8tadt vorm Jacobs 
Thor des Fuhrmann Meyers Stall und Wagen-Scheün ab, dafür sein Jung 1 Stund 
mit einem I
icht in der Hand vorm Rabthallsze stehen und einige Schläge da- 
seIhst aushalten müszen. 
Den 20 Sept: ward der IJieutenant Uerhard .Frerex so einen Uhrmacher 
Gelle]] Nahmens Joh. Reil1hard ImleI' erstochen, weilen Er des moderamen in- 
cnlpatae tutelae sich hedil'net, auf ein .Jahr zu sitzen und Kirchen Busze zu 
thun, condemniret und alszdal1n der Stadt Bothmäszigkeit zu raümen ange- 
wiesen 2. 
Den 6 Dec. ist der Bte lleht-'l'ag feyrlichst hegangen. S. 95 
Den 21 Decembris ist die Buna zuerst mit Eysz beleget und darauf zu- 
gefrohren. 
Den 22 Decemhris urachtf' die Fischet'e den Römisch Kayserl. Amuassadeur 
Grafen von Ostein mit einen Sehlitten iillf'r DUlla welcher von den Priedens- 
Congress zu Nimiruw iiher War8cbau alllier umu balh 1 Uhr Mittags Itnkahm 
und bey Bisten Beckker iu Qvartier stand, dem I'in Lieutenant und 12 Gre- 
nadiers zur Waclle gegehen worden. 
])('n 278tl'11 als am i3ten Weillllachte11 FeYl.tage reysetell H. Bxcellence nach 
8t. Petershurg. 
Den 29 Dec. ward der neü: el'webIte Lemsalische Priester Gottfried Johann 
Sixtel in der Jacobi Kirche von dem Herrn General-::;uperintendenten Fischer 
ordiniret. 
In diesem Jahr sind 58 paar copuliret 201 Kinuer getauffet uud 128 Men- 
schen gestorben. 


1) B. III Abteil. 4 nr. 2'1. 


2) Den 20 Sept. U. 3, w. a?n RandfI. 


....
>>>
122 


Schievelbeiml 


1738 


Ao: 1738. 
n. 1 .Tanuarii wurde der Herr Ober-Pastor M. Andreas Willbrandt mit einem 
offenen Sarge, worauf 3 Rücher geleget von Stadt-Dienern getragen mit Musique 
in St. Petri Kirchen, woselbst die Cantzel und das Altar mit schwartz Tuch, 
imgleichen der Rahts-Stuhl beschlagel1 war, begraben. 
Den 3ten .Tanuarii zwischen 5 und 6 Abends bral1dte eines Stadt-Soldaten 
höltzerne Hütte in Carols- Ravelin ab, so durch gute Anstalten in Gegenwart 
des Herrn General u. Vice-Gouverneur niedergeriszel1 u. ausgeloschen. 
Den 10 Januarii wurde VOll dem Herren Pastore Depkin in Duhm-Kirche 
die Justitz-Predigt gehalten über die Worte aus dem 5ten Buch Mosis im 1sten 
Capittel v. 16 et 17. - woril1nen abgehandelt ward, dasz ein Richter gerecht, 
gewiszenhafi't, vorsichtig und behutsahm seyn solle. 
D. 18 Januarii ist bey E. WohIEdl. Raht die Priester-Wahl geschehen und 
M. Bartholomaeus Depkin zum Ober-Pastor, Tanck zum Pastor am Dohm, M. 
Georg Caspari zum lsten Wochen-Prediger, M. Schultz zum 2ten Wochen- 
Prediger, M. N athanael Skodeiski zum Diac. bey Peter und Christian Sixtel 
zum Diac. am Dohm ernennet und gekohl'en. 
Den 19 ejusd. wurde I. K. M. Erhöhung zum Thron gefeyret u. hielt der 
Herr Pastor Tanck iiber die Worte aus dem 2 Buch der Chronick cap. 20. v. 
6 Herr, in deiner Hand ist Krafft und Macht und ist Niemand der wieder dich 
stehen möge, die Predigt. 
Den 28 ejusd. Ihro KayserI. Majeste hoher Gebuhrts Tag, wurde wie vor- 
hin, mit einem Ball von dem Herrn General-Lieutenant v. Bismarck umb 4 Uhr 
zu feyren angefangen bisz 9 Uhr Abends also continuiret. 
Den 29 kahm der Herr General-FeldMarschall und hiesiger Gouverneur 
Lacy umb 4 Uhr Mittags alhier an, und wurden von der Citadelle so wohl alsz 
S. 96 der Stadt Wällen 31 Schusz abgefeiiret und nahm Ihm der Herr General- 
Lieutenant und Vi ce-Gouverneur von Bismarck bey Aufstellung zwey Regiementer 
Fusz-V olck und einer Compagnie Curassirer zu Pferde vor der Citadelle auf 
den Parade-Platz zu Pferde mit aller gegebenen honneur entgegen, von wannen 
Sr: Excell. in Begleitung des Herren General Bismarck sich zu Pferde nach 
den Schlosz durch die Citadelle begaben, allwo Sie die Compliemente von allen 
Ständen zur glücklichen Ankunfft empfingen. 
Den 3ten Febr: ward I. Kayserl. Maj. Nahmens 'l'ag celebriret und der 
Text: aus dem 71 Psalm v. 17 genommen. der Herr General-Lieuten: v. Bis- 
marck tractirte zu Mittage und begonte der Ball umb 4 Uhr. Die Fenstern 
waren in der Stadt auf den Abend mit Lichte besetzet und fÜr I. K. 1\1. Palais 
eine erhabene Pforte mit Lampen und Pyramiden und alle Fenstern illuminiret. 
Den 8 Febr: sind Ih1'O Excell. der Herr Feld-Marschall La
y von hier ab- 
gereyset, umb sich nach seinem Guht Roop und so weiter nach der armee zu 
begeben 1. 
Den 11 ten ist hier eine Kinder-Mörderin gerichtet Nahmens Margareht 
und ist Herr Bewehrt in Stelle des Herren Gerichts Vogts Brockhausen mit 
ausgeritten. 
Den 17 ist der angenommene CaIIigraphus und Schul: Collega Martin Brun 
morgens zwischen 9 und 10 Uhr, nachdem Er vorher bey dem W orthfiihrenden 
Herrn Bürgermeister Berens sich wegen seines Abschiedes gemeldet, heimlich 
davon gegangen. 


1) Den 8 Febr. u. 8. W. (Im Ramie.
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1738 


Tagebuch. 


123 


Den 23 zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags fiel ein starcker Blitz-Strahl und 
lJald darauf folgte ein hefftiger Donnerscl1lag, so aber Gott sey Danck keinen 
Schaden irgendwo gethan, da es vorher ziemlich geschneiet und gehagelt hatte. 
Den 5 Martii traten die neiie Herren Diaconi 1\1. Skodeiski und Sixtel alsz 
am Sonntage Oculi ihr Ambt vollens an. 
Den 15 Martii wurde zwischen Ern. WohlE dIen Rahte und dem }linisterio 
eine Sitz-Ordnung gemachet J. 
Den 19ten umb halb 7 Uhr gegen Abend brach das Eisz in der Duna und 
den 20 umb 12 Uhr fing es an zu l'ücken, dabey das Waszer nicht sonderlich 
gewachsen. 
Den 11 ten April geschahe die öffentliche Introduction des Herren Inspec- 
toris M. Schultze, des Herren Rectoris M. Kindlers und Domini Cantoris Fran- 
cisci ab Essen, so von halb 10 bisz halb 2 Uhr währete. 
Den 13 und 14 wurde ein Examen privatum in der Schule gehalten. 
Den 21sten ward der Herr Obrister von der Cron-Artillerie Elias Kober 
zu Mittage lumb 3 Uhr im Dohrn mit aller honneur zur Brden bestattet. 
Erstlich marchireten der Herr Major Knees Dolgerucki mit Grenadiel. ein Re- 
giement zu Fusz mit schwartz überzogenen Trommeln und an den Fahnen und 
spadons Flöre gebunden voraus, hernach folgten unter Commando eines Stück- 
Junckers die Crons Artilleristen darauf folgeten 3 Gestiicken auf Laveten durch 
Rappen mit schwartz bedeckten Pferden gezogen, und dann 2 Artillerie Wagen 
mit Ammunition, wiederumb 3 Gestücken u. 2 Ammunition Wagen annoch 3 Ge- 
stücke und 2 Wagen, bey jedem Pferde ein und jedem Gestücke 2 Canonire 
u. bey jeden Wagen 2 Puscarden oder Conesstapal, nachgehens wieder ein Com- 
mando von ArtiHeristen. V 01' der Leiche ging der Herr ObristLieutenant Birck- 
hoItz alsz Praesta, die Leiche wurde von 8 Corporalen getragen u. 4 Artillerie 
Officieres gingen beyher. Der Sarg war mit schwartz Sammet bezogen und die 
Leisten mit silbern Tressen, versilberte Klammer und der Wapen am Ende des 
Kopffes hinten von Gürtler Arbeit. Auf den Sarg lag sein Feldbinde, sein 
Degen und Huht mit einer rohten Feder. vor den Traurigen ging der Herr 
Obrister Schwan als Praesta. Die procession geschahe aus Benckendorffs Hausz 
in der Kauff-Strasze iiber den Marckt, I. K. M. Palais vorbey, durch die ge- S. 97 
wölbte Pforte bey EItisten Brummer und so beym Licent-Hausze in die Kirche, 
woselbst 2 Lieder musiciret und eine Stand-Rede von dem Herrn Uber-Pastore 
Depkin gehalten worden. Bel' erwehlte Text war aus 2. Timoth. IV. v. 18. 
In währender Procession geschahen 27 Canonen Schüsze minutweise und bey 
Herumbtragung und Einsenckung der Leiche wurde 3 mahl von tler Soldatesque 
salve gegeben. 
Den 28 celebrirte man alhier Ihro Kayserl. l\IajesM Crönung mit öffent- 
lichen GottesDienst und die Bürgerschafl't sowohl, alsz auch die Gesellen waren 
zu Pferde en parade nach der W eyde hinnaus ,weilen Sr: Excellence der Herr General 
Lieutenant und Vice80uverneur von Bismarck in Ihro Mayst. Garten sich auf- 
hielten und die Compliementen alda gemachet wurden, woselbst auch lhro JJx- 
cellence umb 4 Uhr zum Ball nöhtigen laszen. 
n. 17 May kahm auf der Post auf die Wahl des 1'roto Notarii 
chmalenberg 
eine gedruckte Schrifft von Antonio Ridenio ein, zu AgiJ.a gedruckt 2 . 
D. 31 erhing siel) der }'ourier von den Stadt-Soldaten Pcter Peterssohn 
zwischen 3 a 4 Uhr morgens in seinem Hausze auf dem Boden an einem Qver- 


1) Vgl. B. I 556 11, B. J 11 Abteil. 4 11,.. 29. 


I) B. III Abteil. 4 m'. 28.
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124 


Schievelbeins 


1738 


Balcken, woselbst Er von dem Scharf-Richter abgelöset und auszerhalb der V 01'- 
stadt in denen Sandbel'gen verscharret worden. 
Den 14 Junii ward dem Herrn Ober-Secret;tire Herbert von UJriehen das 
Vice-Syndicat cum omni emolumento conferiret. 
Den 1sten Augusti wurde ein Danck Fest wegen Eroberung von Perecop 
und von Ruszisch so wohl alsz Römisch: Kayserlichen Seiten erfolgten glück- 
lichen Siegen in allen Stadt-Kirchen öffentlich gehalteIl und dreymahl umb die 
gantze Stadt von dell Wällen gescho8zen jedesmahl 68 Schüsze sind 204. 
Den 10 Augusti zwischen 1 und 2 Uhr in der Nacht brandte Johann Georg 
Ruendorft. in der kleinen Sand-Strasze belegenes Hausz ab, und weisz man nicht 
wie das Feür ausgekommen. 
Den 13 Septembr. ward unweit Krebsen-Krug ein Goldschmidtsfrau von 
ihren eigenen Jungen auf dem Wege nach Mietau erschlagen 1. 
n. 17 Sept: ward ein Danck:Fest wegen gliicklicher Victorien wieder die 
Türcken alhier gefeyret. 
n. 19 ward Johann Gösche zum Adjuncto der .Jesus-Kirchen und Priester der 
Uickerschen Gemeine im Duhm von dem Herrn Ober-Pastore Depkin ordiniret. 
n.20sten wurde der Ueutenant Gerhard Frerecks seines biszherigen Arrestes 
von ein Jahr erlaszen und die Stadt zu meiden anbefohlen 11. 
S. 98 Den 1sten Octobl'is ward der Herr Adjunctus Johallll Gösche in Gegenwart 
zwener Herren des Rahts und einem Secretario von Pastore Schmidt introduciret. 
D. 14 geschahe die execution des Jungen Jurre, der des Tentens Ehefrau 
mit einem Stiick-HoItze auf den Mitauischen Wege erschlagenS an der Duna 
zwischen Schwein- und SÜnderPforte, da ihm erstlich die rechte Hand, hernach 
der Kopff abgehauen und der Cörper an dem Ort allwo die That geschehen 
auf ein Rad geflochten, der K opff aber auf ein Pfahl gestecket wurde. 
Den 15 Octobris ward Past. IhnlCan auf U xknl in Gegenwart meiner von 
Praeposito Bruningk bey der Uxkul u. Kirchholmschen Gemeine introduciret'. 
Den 20 wurde ein Polnischer Kerl Iwan von E. W. R. in pto: bigamiae 
geurtheilet, ein halb Jahr im Zuchthausze zu arheiten und hernach die Stadt 
zu raümen. 
Den 29 und 30sten Novemhris war die Duna uey mthe vom 1
i8e befreyet 
dasz man überall mit Böhten fahren konte, den lsten Decembris aber gingen 
sie hauft'enweise übel' die Duna auf dem Eise und passirten auch kleine Pferde 
und Schlitten. 
Den 19 Decembris hielte der W ochen- Prediger und Inspector Scholae 
cathed. :M. Joh. Nie. Wilh. Schultze mit des Herren BÜrgermeisters Berens 
jüugste Jgfer Tochter IIedwig in der vierten Advent Woche mit vollellkommener 
Musique Hochzeit, da der Herr General Lieuten. !lud Vice-Gouverueur von Bis- 
marck mit zugegen gewesen. Sie starh den 13 April ao. 1740 im 20ten Jahr 
ihres Alters u. ward den 20 ejusd. hegraben 5. 
nen 28 Dec. nahm der Herr J.aJldVogt Hermann vl!\. Breve)'u, weil :Er 
Ober- Inspector von den Licenten geworden, ,"um Rahte seine Dimission G. 
Iu diesem Jahr sind 76 Paar copuliret 231 Kinder getaufl"et uud 118 'rodte 
m denen 3 en Stadt Kirchen begraben wOl'den. 
An Schiffen haben wir 455 einkommende und 442 ausgehende gehabt. 


. 


1) Vgl, d. 14. Okt. 
15 Okt. u. 11. w, am Rande. 
u. 11. w. um Rande. 


I) Vgl. ZJ. Sept. 1737. :I) Vgl. d. 18. 8ept. 4) Den 
5) Sie f!turb u. 8. W. l/1Ii Runde. 6) Den 28. Dec. 


l
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1739 


Tagebuch. 


125 


, 


Ao. 173!) 
am ersten neü-Jahres1'al/:e wurden I!ewöhnlicher maaszen 10 Ca nonen von denen 
Stadt-Wällen abgefeiiret. 
Den 8 Januarii sind 3 Schiffe zu Segel gegangen 1) nach Douhlin, 2) Mour- 
leaux und 3) W olgast. 
Den 9ten ist die Justice Predigt von dem Herren Ober-Pastore )1. Depkin 
fiber die Worte des n Buches der Chronick im 19 Cap. v. 7 u. 8. 
n. 10 in der Nacht etwa umb 11 Uhr brandte in der Vorstadt Niclas Jacob 
Buschen Schenck-Hausz gantz ab, doch Gott sey Danck griff das Feiir nicht 
weiter umb sich und kahm kein Mensch dabey zu Schaden. 
n. 7 Februarii brandten in der Vorstadt unweit der Carls-Pforten 6 RU8Zi- S. 99 
scher Kaufleüte Haiiszer nebst den innern Gebaüden fast ein qvadrat ab. 
n. 8ten Martii sind Ihro DurchI: Printz IJandGraf von Heszen Homburg, 
GeneralFeld-Zeügmeister des Ruszischen Reichs mit Dero Gemahlin umb 4 Uhr 
Nachmittags alhier aus St. Petersburg angekommen und haben sich den 11 ten huju8 
wieder umb 4 Uhr Nachmittags von hier nach Teiitschlaud zu Ihren Herren 
Yater begeben. 
Den 25 Martii ist in allen Kirchen vor einen glflCklichen Ei8zgang Gott ge- 
dancket worden. 
Den 30sten Abends um 8 ä. !J Uhr brandte in der Y orstadt berm Bleich- 
Thol' des I.iefländischen Regiments-I.azaret-Hausz bisz auf die IJagen ab, wo- 
rinnen doch auszer dem kein Schade geschehen und wurden 80 Krancken in dm' 
Y orstadt hey privat-Leflten des andern Tages zur Einqvartirung vertheilet. 
Den 2ten April umb 1 Uhr Mittags kahm Gebhard Rothbahrt, eines l\Iiillers, 
Wind-Mühle, weil sie gar zu starck zugepaszet, im Brande, welcher dergestalt 
zunahm, dasz sein W ohnhausz, Stall, Scheün und Rosz-Mühle gleichfals in die 
Asche geleget wurde. 
Den 22 April alsz am ersten Oster-Tage sind 8 Schii8ze von den Stadt 
Wällen aus denen Canonen frühe abgefeflret. 
Den 28 ejusd. ist 1. Kayserl. 1\1. Krönungs Tag mit dem ordentlichen Gottes- 
dienst und 15 CanonenSchiisze feyrlich begangen. 
D. 7 May hat das Examen publicum in Scholli. cathedrali seinen Anfang 
und den 11 das Ende gemachet 1. 
n. 17 Sept. ist wegen Eroberung der Türckischen Stadt Chotzim ein Danck- 
fest alhie gehalten und aus 91 Canonen dreymahl von der Stadt Wällen ge- 
feüret worden 2. 
Den 22sten Septembris ist der Printz von Heszen Rheinfels Constantin 
alhier ankommen umb nach St. Petersburg zu gehen, hat im Stadt Gasthausze S 
hey der Wittibe Gramsdorff logiret. 
Den 15 Octobris ist alhier wegen Einnehmung der Moldau u. Jassy ein 
Danckfest gehalten, dabey dreyenmahlen 91 Canonen von den Wällen der Stadt 
abgefeiiret und alle Glocken geläutet worden. 
Den 22 Octobris ist mit hartem SturmWind aus Nord und Nord Nord Osten 
die ]'losz Brücke loszgeriszen, vertrieben und aufs Land gesetzet worden. Da- 
bey wir starcke Kälte bekommen, dadurch die Duna zugefrohren, auch sind in 
der Bulderaa 2 Schifte aufm Strande gesetzet und 8 Persohnen auf einer Bri- 
gantine ertruncken. 


. 


1) Vgl. B. I 453, B. LI 623. 


2) Den 17 Sept. u, B. w. um Rande. 


S) B. I1 676. 


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1
6 


Schievelbeills 


1739--40 


D. 29sten Novcmhris ist der Kgl. Frantzösische Ambassadeur Marquis de 
la Chetardie umb halb 4 Uhr Nachmittags mit aller honneur und Ahfeürung 33 
S 100 Canonen-Schüsze entgegen 
enommen worden. Die BÜ1'gerschafft und Gesellen, 
wie auch eine Cornpagnie Curassiers nebst einem Regiment zu Fusz machte auf 
dem Bollwerck vor Sünder-Thor die parade, allwo der llerr Ober-AmbtHerr 
von Vegesack mit dem Herrn Secretario Joh. ValClltin Holst in Nahmen der 
Stadt das BewillkoOlmungs-CoOlpliment abstatteten. 
Den 2ten DeceOlbris Uluh halh 11 Uhr zu Mittage ist der Herr Ambassa- 
dem' ohne Gefolge aus der Stadt mit 21 Canonen Schiisze von dm' Stadt und 
schon benandten Deputirten vor dem Rauens-Thor, woselbst abermahl die Bürger- 
schafft und Gesellen zu Pferde sich auffgestellet, zum A hschiede compliOlentiret 
worden, weggereiset. 
In diesem 1739 Jahr sind 522 Schiffe angekommen und 498 ausgegangen. 
In beyden Teütschen Stadt Kirchen 221 Kinder getaufft. 53 Pahr copuliret 
und in dreyen Stadt Kirchen beerdiget 129 Leichen. 


Anno 1740. 
H. 8 Januarii ist die Juetice Predigt von dem Herrn OherPastore Mag: 
Depkin über den 101sten Psalm im Dohm gehalten worden. 
J). 20 Febr: ist der Herr General-Lieutenant und hiesiger Vice-Gouverneur 
von Bismarck zum General en Chef gratuliret worden, 
Den 28 Febr: kahm der LandGraf und Printz von Heszen-Homlmr
, Russisch 
Kayscrl. General FelU-Zeügmeister mit seiner Gemahlin umb halb 3 Uhr aus 
Teiitschland alhie an llnd wurden 15 Canonen abgefeüret. 
Den 1 sten Martii setzten Ihro Dm'chI. der Herr General-Feld-Zeiigmeister 
ihre Reyse mit dero Gemahlin und svite nach St. Petersburg fort. 
Den 5ten ejusd, wurde der Friede zwischen Ruszland und der Ottomanischell 
Pforte solenniter publiciret und das gantze Rahthausz mit 800 Lampen llml 
Emblematibus illuminiret, auch vor privat Haiiszer viel Licht auszgesetzet. 
Den 6ten ein Danck:Fest dariiber in allen Kirchen gehalten auch von den 
Stadt: Wällen 3mahl rund herumb geschoszen. 
Den 7 den hat die Ritterschafft den Herren Garde Capitain Carl Magnus 
von Lowenwolde alsz Friedens- Bohten tractiret. 
S. 101 D. 12 Martii ward derselbe Friedens-Bohte auffem Rahthausze in Beyseyn 
des Herrn General en Chef von Bismarck, vieler Obersten u. anderer herlich 
tractiret. 
Den 13 frühe umb 7 Uhr reyseten der Herr General Bismarck nach St. Peters- 
burg und 
den 15 kahmen Se: Exc. oer Herr General-FeldMarschall und General- 
Gouverneur! Lafty des Abends spät an und wolten nicht, dasz seinetwegen die 
salutation mit Abfeiirung der Canonen geschehen solte. 
Den 31sten retournirten der Herr General en Chef und Vice-Gouverneur 
von Bismarck aus St. Petershurg und . 
den 2ten April kahm die Nachricht, dasz derselbe würcklicher Gouverneur 
alhie in Riga geworden 2. 
Den 15 April Mittags umb 2 Uhr fing das Eisz in der Dunn gemächlich 
an zu gehen olme dasz grosz Waszer sich sehen liesz. 


1) B. 11 681. 


I) B. II 684. 


...
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1740 


'l'agebucb. 


127 


Den 18 aber um 6 Uhr lJlorgens ergosz sich beym Eiszgange das Waszer, 
dasz es bisz Schal-Thor Brücke stand. 
Den 3ten May sind 9 Schiffe hier angekommen und d. 9ten die ersten Strusen 
angelanget. 
Den 23sten traf alltier der Englische 
Iinistel" Herr Wilh. Finch alhie ein 
und den 26sten brach er nach St. Peterslmrg auf ohne dasz seinetwegen ge- 
schoszen worden. 
Den 6 Junii ist eine schwedische Fregatte de NOl'dicka, so Schiffer Thun- 
grf'n von Stockholm führet zwischen 8 und 9 Uhr Abends auf der Rhede verbrandt. 
Den 22ten August wurde der Princeszin von Braunschweig Lüneburg Nieder- 
kunfft mit einem Printzen durch Herren Capitain Veruoff auffm RahtRausze be- 
kandt gemachet und den 26 Augusti darüber ein Danck-Fest gehalten. 
Den 22 Septembris fiug es an zu frieren und die Nacht darauf fiel stal'cker 
Schnee. 
Den 27 sten fiel abermahl haiiffig Schnee und continuh.te einige Tage mit S. 102 
scharffer Kälte. 
Den 17 Octobris ward in der 8t. Petri Kirchen in Gegenwart Sr. Hoch- 
gräfflichen Excell. des Herren General-Feld Marschall und General Gouverneure 
Graf Lac;y alsz auch Sr. Excell. des Herren General en Chef und Gouyerneur 
von Bismarck der Grosz-Fürst, Johaml alsz künfftiger Successor des Ruszischen 
Kayserthums von allen Ständen gehuldiget I. 
Den 21 Octohris ward der Herr OherCammerHerr Diedrich Zimmermann 
mit einer Stand-Rede, so der Herr OberPastor Depkin vor dem Chor in der 

t. PetriKirche hielte, mit einem Wapen Nachmittags begraben. Die Leiche 
wurde theils von Officires, theils von Adelleüte getragen und der Herr Capi- 
taine Liphard ging alsz Praesta vor den Traurigen und dem Sarge her I. 
Den 27 sten wurde Johannes der Dritte, alsz würcklicher Kayser und Selbst- 
Beherrscher von gantzem Ruszlande in St. Petri Kirche in hoher presence der 
vorbenahmten gehuldiget s . 
Den 2ten Novemhris ward in allen Kirchen von 12 bisz 1 Uhr nach Ihro 
Kayserl. MajesM höchstseeligsten Hintritt zu laüten angefangen t. 
Den 4 ten wurden die fünff verlangte zur Beywohnung der Exequien in St. 
Petersburg ernennet u. zwar der Herr BürgerMeister Georg Berens, der Herr 
Ober-Y ogt Adam Hinrich Schwartz, der LandY ogteiliche und Munsterey Gerichts- 
Secretair Johann Yalentin Holst, Elster Georg Gottfried Brockhausen alsz p. t. 
Altermann der groszen und Johann Christian Kleeberg Eltister u. p. t. Alter- 
mann der kl. Gülde 6. Den Sten reyseten selbige von hier ab. 
Den 12 Novembris wurde Se: Excell: der Herr General en Chef und hiesige 
Gouverneur von Bismarck in Ihro Kayser!. Majeste Palais, woselbst dieselbe 
in Qvartier gestanden, mit Arrest beleget; seine Adjutanten der Herr ObristL: 
W oyekoff und der Herr Major Bcstucheff, imgleichen deszen SeCl'etaire von AI- 
bedyl sind auch zwar eingezogen aber den andern Tag auf freyen Fusz wieder 
gestellet. 
Den lEHen umb 7 Uhr Morgens sind Jhro Excellence mit dero Gemahlin 
unter starekel' escorte von hier abgeführet und alle seine Sachen in Beschlag 
genommen worden 6. 
Den 23 ist der Brlrger Meister Melchior von Wiedau alsz OberMunster- u. 
UberWaysenHel' r mit einem Wapen, Abfeürung 11 Canonen Schüsze u. 12 Fackeln 
1) B, II 700. 
) Den 21 Octobris U. 8, 'W. Wß Rande. 11) B. II 705. 
t} B. II 706. 6) B. I1 707. 6) B. Il 710. 


.-..
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128 


Schievelbetus 


1740-41 


von Canoniers bey der Leiche getragen: Musique m der Kirchen in St. Petri 
zur }]rden bestattet worden. 
Den 24 ist der Printz VOll Heszen-Rheinfels Constantill aus 8t. Petersburg 
kommende hier durchgereyset uud iu vormahligem Palms Hausze logiret gewesen. 
Den 2ten ])ecembris ist Ihro KaysCl'I. Majeste Gelanguug zum 'rhron in 
allen Kirchen gefeyret und mit 87 Canonen von den Stadt-Wällen 3 mahl ge- 
schoszen worden. 
t:;. 103 Den 7 Decembris ist lhro KayserI. Hoheit der GroszFiirstin und Regentin 
Anna 1 Gebuhrts und den 9ten HeroseIben Nahmens-Fest alhier zum ersten mahl 
gefeyret, auch 10 Canonen von der Stadt und 11 Canonen von der Citadelle zu 
Ehren abgebrandt worden. 
Den 20 Decembris sind im gantzen Jahre 596 Schiffe eingekommen und 
590 ausgegangen l . 
In diesem 1740sten Jahr sind in beyden StadtKirchen 247 Kinder getaufl"t, 
53 Paar copuliret und in 3 Stadt-Kirchen 115 Leichen begraben. 


1741. 
Den ersten 'rag dieses .Tahres wurde in schwartzer Kleidullg zu 8chlosze 
gratuliret und gewöhnlicher maaszen von den Wällen geschoszen. 
Den 13 .Januarii geschahe die Justice-Predigt von dem Herrn OberPastore 
Depkin über die Worte des 3 u. 4ten vers des XlJI Ca}.Jittels an die Römer. 
D('n 16sten wurden die I
xequien Ihro KaysCl"I. Maj. von halb 2 Uhr Nach- 
mittags in der 8t. Jacobi und Petri Kirchen solenniter gefeyret. nie Generalite, 
Ritter- Militair- und Civil-8taat ging vom Schlosze ab nach der 8t. Jacobi Kirche; 
dahin dieselbe der Herr Vice-President vom Hoff-Gerichte Baron von Budberg 
alsz Praesta mit seinem schwartz überzogenen 8tab fiihrete. Und der Magistrat 
nebst denen 2 Ständen und der gantzen Bürgerschafft gingen vom Rahthausze 
unter Anführung des Herren Rahts- Ambt- und Qvartier-Herren von Ulrichen 
nach der St. Petri Kirchen, allwo ein Trauer-Gedichte von dem hiesigen Can- 
tore Frantz von Essen musicalisch aufgeführet, der Herr Ober-Pastor Depkin 
die Leichen-Rede über den 16 und 17 vers des Vten Capittels der Klag-Lieder 
Jeremiae gehalten und der Herr Diaconus Sixtel die Personalia von der Cantzel 
abgelesen. Se: Excell. der Herr General-Feld-Marschall und General-Gouver- 
neur Graf La9Y mit dem Herren General-Procureur Fürsten Trubetzkoy beehr- 
ten diesen Actum mit ihrer hohen Gegenwart und von den Stadt-Wällen wurden 
45 Canonen abgefeüret, womit alle solennitaeten zu Ende waren 3. 
Den 17 wurde Ihro Hoheit des Hertzog von Braunschweig Liineburg Anton 
Ulrichs Nahmens-Fest in couleur-Habit celebriret und von Sr: HochGräffl. 
Excell. zu Mittage tractiret, aber nicht geschoszen. 
Den 27sten Januarii wurden Se: Excellence der Herr Baron von .M:engden 
S. 104 Ritter von St. Alexander Newsky Orden alsz President "on den Land-Rähten 
von Buddenbrock und Wrangel wie auch zwenen Hof-Gerichts Assessoren v. 
Bruningk und Richter nach das IIof.Gericht vom Hausze abgehohlet und da- 
selbst Ulub 11 Uhr introduciret, allwo die Vollmacht produciret und der Eyd 
in Gegenwart vieler Anwesenden abgeleget worden. 
Den 28sten gegen 12 Uhr Mittags langete der Herr Hiirgermeister Adam 
Hinrich Schwartz und Elster Georg Gottfried Brockhausen aus St. Petersburg 
. alhier an. 


1) B. II 708. 


I) Den 20 Deeembris u. B. W. 0911 Rande. 


S) B. 111 S. 69 f. 


.1...
>>>
1741 


'1'ß.gebuc1l. 


1
!l 


Of'n 2tell :Fehru:trii laugte der nciie Hprr Vice-Gouverneur und General 

llIjor Rurchard l'hristopb. ,"on WilUemann bicr an und ward vor Ihm bey dem 
Herren HabtslIerrn Joballll Hinriehs Qvartier gemiethet. 
nen 2teu l\1:trtii hin die Revision auf Kirchbolm und Uxkul zu halten umb 
2 Uhr Nachmittag::! ausgefahren und den 9ten ejusd. gegen Abend in die Stadt 
gf'kommen. 
nen lOten i:::;t der Herr niirger-l\feister Georg ßerens mit dem Herrn Se- 
eretario .Tob. Yalent.in Holst :tus St. PetersLurg alhier Uluh 4 Uhr Nachmittags 
('ingetl'Ofl"en I. 
Den 2 ten A priJ2 ist der Herr Geheimbte Haht Kram Envoyee vom Braun- 
schweig Liinel.mrgschen Hofe umb weiter nach St. Petersburg zu reysell 6 Tage- 
lang hier gewesen. 
nen G April fing das Eysz in der Buna an zugehen nnd vom ]3ten bisz 18 
sind 115 Schiffe eingelmmmen und 3 ausgegangen. neu]9 u. 20sten April sind 
80 Strusen alllier angekolIlmen. 
Ben 26 geschahe die Vermäblung des Herren General Ma:jorn Christopher 
Witte mit der Comtesse A polonia La,:y aufm Schlosze von einem Catbolischen 
Prediger in Gegenw:u"t einiger wenigen gebehtenen Gäste. 
Den ::?9:5ten traten Se: HochgräfI. Bxcel1ence der Hcrr GeneralFeldMarschall 
und General Gouverneur Graf I.a;y von hier Ulnb 8 Uhr l\IOl"gens die Reyse 
n:wh 8t. Petershurg an und wurden 33 Canonen ahgefeiiret 3 . 
nen ;\Osten April i:::;t in des Reepschlägers Andreas Gotkt:'ns IIausz in df'l" 
Y orsta(lt Feiir ausgckOlllll1l'l), dadurch andere mit in Schaden gesetzet sind
. 
Den 10 l\Iay starb der Herr Ohf'r-Inspector IIernuum von Brevern und 
ward den 1:) l\achmittags Ulllh 3 Uhr in Ht. Petri Kirche mit einer Stand Rede 
begraben: vor der I...eiche ging der Herr Praefectus Arend Joh. Baade alsz 
Praesta an dt:'szen Stab zwischen dem Flor das Brevernsehe Wapen in einem 
kleinen Schildlein mit Farhen ordentlich bemahlet, anhing und die Leiche ward 
von Licenten Bedienten getragen._ 
Den 24 Junii reysete der Printz von Brauoschweig Lüneburg Ludwig Ernst 
von l\Iietau kommcnde hierdurch nach St. Petersburg. 
Den 29 sten hahen die Stadt-Artillerie Bediente von dem Herrn Majoren 
Borosdin bisz auf den geringsten den anno ] 728 vorgeschriebenen Eyd I
m. 
W ohmdien Raht in der Schlosz-Kirche in Gegenwart E. K l\Iunsterey Gerichts 
Personen co1'am crucifixo mit Aufschlagung des Evangelien-Buches geleistet 5. 
nen 29steo Junii kahm der Herr General-Lieutenant Denis Jeropkin alsz S. 105 
Commandeur über die Feld-Regimenter alhier an, und wurde in der Citadelle 
iu dem so genandten Bironschen Hausze logiret. 
Den 30 ward Ih1'o Kayser!. Hoheit des Generalissimi Anton Ulrich Hertzog 
von Braunschweig I...iiuebnrg Nahmt'ns-Tag alhie feyrlich begangen und von den 
Stadt Wällen ]5 Canonen abgefeiiret. Der 'l'ext zur Predigt wär aus dem Hosea 
am XIY. ü vers Ich will Israel etc. woriiher der Herr Pastor Tanck predigte, 

enommen. 
Den 4 Jnlii ward die Ubergabe der Stadt Riga cell'briret und ZUlU Gl".mde 
t!ps 'rext der 1 Hi Psalm ]2. ];3 und ]4 vers geleget. 
In der Nacht zwischen den 4 und 5ten kam Feiir auf den Kubbesberg hey 
einen Russen aus, woselbst 5 IIaüszer zwischen 12 und 2 Uhr abhrandten. 


1) B. TI 732. 2) April fehlt. S) R. /l 7.'J5. 4) Deli 30 April U. 8, w. 
am Rande. 5) Rorosdin hatte sich geweigert, den Eid zu leisten. B. 11 641. 717. 
9
>>>
130 


Schievel beins 


1741 


Den 25 Julii il!t Ihro KaysCl"l. Hoheit dcr neü gchohl'1lcn Priuceszin Catha- 
rina Oebuhrts Tag alhier gefeyret und von den Stadt Wällen mit 80 Canonen 
dreymahl um]J die Stadt geschoszen worden. 
Hen 12 Augusti ist Ihro Kayser!. Majestc des Kaysers Johannis des 111 ten 
Hehuhrts-Tag alhier mit 180 Canoncn Schusz alhier solen1li:-;iret worden. 
Den 1 i Augusti ward Ihro Kayser!. Hoheit des Priutzen von Braunschweig 
Liineburg und Generalissimi Anton Ulrichs Oebuhrts Tag mit 15 Canonen- 
Schusz von den Stadt Wällen gefeyret. 
Den 29sten Augusti ward Ihro Käyserl. .Majeste Nahmens Tag alhie solen- 
niter begangen. 
Den 5ten Septembris ist der Kayserl. Princeszin Eliesabeth Nahmens-Tag 
alhie nicht gefeyret worden. 
Den 9ten Octobris ist das neü erbaute Qvartier-Hausz vor die Stadt Artil- 
leristen fertig gewesen und von ihnen bezogen worden. 
Den 7 Novembris ist ein Kauff-Gesell Nahmens Schar1fenherg unweit Hagels- 
Hoft. übcr Duna sehr verwundet, todt gefunden nachdem Er den l\fontag zuvor 
ausgeritten gewesen und einige Zeit mit melancholischer Schwermiihtigkeit sich 
geplaget dadurch die Vermuhtung entstanden, dasz Er sich seIher das Leben 
genommen. 
S. 106 Den Sten Novembris kahm des Biirgers Ha8t seine Mältzerey, so unweit 
des Kuhbesberges vorm Jacobs-Thor gelegen, im Brand, welches Feiir aber 
bald wieder gelöschet worden. 
Den 19 reysete der Kgl. Hännische I
nvoyee und Ritter von Alexander 
Nevsky Orden Herr Bachau von St. Petersburg kommewie nach Teiitschland 
durch, war hey Eckedahl 1 logiret. 
Den 25 haben Ihro Kayser!. Majeste die Käyserin Eliesabeth Petrowna 
den Ruszischen Thron bestiegen. 
Hen 28 Novembris starb der Herr Hof-Medicus und gewesene Stadt-Physi- 
cus primarius D. Niclas Martini umb 2 Uhr Nachmittags gantz eiligst, weilen 
Er noch nach 10 Uhr Morgens frisch und gesund bey seiner Patientin der Frau 
Bürgermeisterin Schwartz die visite abgestattet. 
Den 1 sten Decembris wurde von der Garnison, militair und civil Bedienten 
in der Jacobi Kirche und vom Magistrat, der Priester- und Bürgerschafft in der 
St. Petri Kirche nach vorhergegangener A blesung eines kurtzen Manifestes, dasz 
die Käyserin I
liesabeth Petrowna den Ruszischen Käyserl. Thron bestiegen, der 
HuldigungsEyd abgeleget und nachmahls von allen unterschrieben. 
Bey dieser Gelegenheit ward von Sr. Bxcellence dem Herren Ocneral- 
IJieutenant und Ritter vom Alexander Neuski Orden Denis Gerapkin bekant 
gemachet, dasz Er nunmehro alhier Vice-Gouverneur geworden und dem Herren 
General Major von Wildemann das Gouvernement genoDuncn wäre. 
Imgleichcll wäre der Herr President vom Hofl'Gericht Baron von 1\[ellgden, 
wie auch der Herr General-Directeur vou 1\Icngden seiu Herr Bruder ihrc 
chargen entsetzet uud hätte der Herr IJaudRaht Baron VOll Wrangel das Geue- 
ral Oeconomie Directorium erhalten. Selbige sind .nach S. Petersburg gefodert 
und dahin abgereyset. 
Den 9 ten zwischen 6 und 7 Uhr morgens entstand in des Beel. Eltesten 
Baltha8ar Kraffts in der Marstall Strasze belegeuen Hausze cin hefftiger Brand 
S. 107 auf den mittelsten Boden und weilen auf den obersten Boden unter den Hahn- 


1) B. II 676.
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1141 


Tagebuch. 


131 


Balcken 5 Päszer Pulvcr, cin jcdc8 von 50 Pfund aU8ländisch Gewicht gewc8eu, 
hühteten sich die l\Ienschen zur Rettung des Hauszes Hand anzulegen bis das 
Pulver vom Fcür entzündet, einen starcken Knall von sich gab und den Giebel 
Maul' nebst Spal'l'-Werck sprengete, in welchem moment, wie dieses geschae, 
umher auf' der Nachbahrschafft so wohl in der :Marstall: Siinuer: und Weber- 
Strasze die Fenstern mchrentheils von Erschütterung entzwey gegangen, die 
Dächer von den Ziegelsteinen entblöset, Schlöszer und Thüren loszgesprungen 
und viel Menschen beschädiget wurden. Selbst in der St. Peters und St. Jo- 
hannis Kirche, wie auch in der Reformirten sind die Fenstem ziemlich zer- 
stücket und in letzterer gantz ausgeschlagen. Grunerts und Pagencopffs Haüszer 
sind bisz auf die unterste Wohnungen vom Brande beschädiget und hat man 2 
Tage mit Löschen und Waszer führen zu gebracht. 
Den 12 Decembris kahm der Prebrasinskische GardeLieutenant Truzow, 
welcher die ordre von dem Manifest und den Huldigungs Eyd aus St. Peters- 
burg an Se: Excellence den Herrn GeneralLieutenant Jeropkin g
racht, aufm 
Rahthausz gegen 11 Uhr, allwo Er I. K. 1\1. der Kayserin JJlisaueth Petrowna 
l
rhebung zum Ruszischen Thron notificirte und seinen Abschied nahm, da Er 
dann mit Wein und eonf'ect in der Cammerey wohl aufgenommen u. 150 Dukaten 
in Gold von dem worthfiihrenden Biirgermeister Berens von Stadt wegen empfing. 
Vorher ist derselbe auf der Ritter-Stube gewesen, daselhst Er 200 Dukaten 
zur Schenckage bekolllmen. 
Den liJ ten ward ein Patent abgelesen und angeschlagen, dasz wer von den 
gewesenen General FeldMarschall Grafen von Munnich, deszen Sohn den ge- S. 108 
wesenen OberHofmeister Graf von Munnich, den gewesenen Grosz-Admiral 
Andrey Ostermann, den gewesenen CantzIer Graf l\Iichaila Ostermann und den 
gewesenen Commerce-Collegii Presidenten Baron von Mengden effecten und 
Geldern etwas hätte oder wüste, solches angeben solte. 
Den 18 Dec. ward 1. K. M. der Kayserin Gebuhrts Tag alhier solenniter 
gefeyret und 150 Canonen von den Stadt-Wällen abgelöset. Der Herr General 
Ueutenant und Vice-Gouverneur Jeropkin tractirte zu Mittage bisz Abends 1. 
Den 27 Decembris starb der Herr General Major und Commendant von der 
Citadelle Justus Hinrich von Rading Mittags umb halb 4 Uhr, den 28sten von 
J 2 bisz 1 Uhr ward vor ihn gelautet in der Stadt. 
Den 29 Decembris kahm S: Excellence der Herr General und Ober-Hof- 
meister Semen SoItykow mit Ihro Hochfiirstl. Durchl. des Hertzogs Anton 
Ulrichs l\Iaitre d'Hotel Herren Hoffmann alhier an, und traten dieselbe in des 
Herren HofGerichts A8sessoris von Bruningk Behauszung in der Citadelle ab. 
Speisete sogleich umb 12 Uhr bey dem Herm General-Lieutenant und Vice- 
Gouverneur Jerapkin, welchem in der Sand-Straasze in Bessiens Hausze das 
Qvartier angewiesen war. Eodem Abends umb 8 Uhr kahm die Hohe Herrschaft'!, 
von Braunschweig Liineburg etc: etc: mit der svite von 300 Mann von der 
Guarde bisz umb 12 Uhr in der Nacht alhie und wurden. alle in der Citadelle 
logiretl!. 
Den 31 Dec: in der Morgen-Stunde brandte in der Citadelle. 
Ao: 1741 sind 585 Schiffe in Riga gewesen s. 
In diesem 1741sten Jahre sind in beeden teütschen Kirchen getauft't 230 
Kinder, copuliret 64 Paar und in allen dreyen StadtsKirchen beerdiget 118 
Leichen. 


1) Den 18 Dec. u, .. W, U?1I Rande. 


I) Vgl. 1743 Jan. 1. 


S) Ao. 1741 u. .. w, am Rande. 
9*
>>>
t?:;.? 


Schievelbeins 


1742 


t74::!. 
Hen 12 Januarii ist altem Gehrauche nach von dem Ht'rren Ober-Pastore 
Depkin vor dem Magistrat die .Justice-Predigt iiher die Worte des Propheten 
Sacharieä im 7 Capittel 9. vers Richtet recht, in nuhm Kirche gehalten worden. 
Den 14 Januarii wurde der Cron Notarius Portorii 'fitus Titussen wegen 
g£
wiszer Geldt'r arretiret und da sich hey Ht'lmng dei' Oeldt'i' im Portorio ein 
manquement von 5 ä 6000 Rthlr hervorgethan , so theils der Crone, theils dm' 
Stadt zusWnuig, bald darauf unter Wache nach Ht. Pt'ter;;lmr
 gefiihret, inzwischen 
seine effecten alhie inventiret und sequestrirt.t. 
Den 15 ist der Herr Praefectus Arend Johann ßaade auch wpgen Mangel 
der Vrons-GelUer mit 'Yache in seinem IIausze beleget, 
Hen 22 wurde die verwittibte Hippeische gehohl'lte Langhein oll inf:mtici- 
(lium zum näheren V orhöhr bey B. W ohmdIen Rahte vorge:teIlet I. 
8. lOfl Den 25sten ist der Galgen, so I,ey oem Pranger vllr der groszen Vi age 
auf dem Marckte gestanden, weilen Ihro Königliche Hoheit der Hertzog von 
Gottorp und Schleswig baldigst alllier vermuhtet wurue unu iu dem neÜeu 
lIausze des seel: Herren Doctoris .Martini zustehen kommen solte, von uem 
nuttel und seinen LeÜten a.uf l
s Wohmulen H.ahts VerfiigulIg ahgenomnlf'n und 
weggefiihret worden. 
Hen 28sten alsz an 1111'0 Kayser!: Majcste Pctri I 
Iagni SteI'he-, der Käy- 
serin Annae Joannownae GeLnhrts: und Um) Kgl. Hoheit des Hertzogs von 
Holstein-Gottorf Carl Peter Ulrich l'\ahmens: T:lge, ist letzter£'r in Riga solen- 
niter umh 12 Uhr Mittagfl eingebracht worden I. 
Ns war die MannBchafl't der Soldatesque vom llutii'ischen, Ribrischen 'V eu- 
dischen und Muscowischen Regiment VOll Ihro Köni
l. Hoheit Qvartier an die 
Herren Straasze herunter hisz ans Rahthausz und so weiter die Schaal-Straasze 
hinnausz bisz auf den Bollwerck der Siinder: und Schwein-Pforten in doppelteu 
Reihen gestellet. Die grÜne und blaue Garde zu Pfprde mit Paucken und 
Trompeten hielten daselbst, wobey die Stadt-neputirte, der Herr Bnrger-
Ieist£'i' 
uud OherLanuV ogt von Schultzen , der Herr LandVogt ßpwehrt und der Ren 
Secretaire von Benckendorff Ihro KönigI. Hoheit erwarteten und alsz Dieselbe 
von iiber Duna mit Schlitten in Begleitung seines Ober-Hof-Marschalls Herren 
von Brummer, und seines Herrn OberVammerHerl'll von Birckholtz, seines 
HoffRabts und Leih-Medici D. Struwen und einige Bedienten angekolIlmen, COIll- 
plimentirten Ihro Excell. der Herr Generalen Chef Soltikoff und Se: Excell. 
der Herr General-Lieutenant und Vice-Gouverneur Jerapkin wie auch die Ma- 
gistrats Heputirte Ihro Kgl. Hoheit. Hier standen 4 Wagen mit 6 Pferdeu 
bespannet, in einem wnrden Uuo Hoheit der Hertzog von Rolstein G-ottorp, der 
General Soltikoff und der Herr OherIIoffMarschall Drummer placÜ'ct. Der 
Herr Gen: Lieut: uuu Vice Gouverueur Jerapkin ritte zur rechten bey dem 
\Yagen und der Herr M1
ior Korff zur lincken etwas hinterwerts, in dem anuel'll 
Wagen war der Herr OLer-('ammerJIerr Birckholtz mit df'n Stadts ncputirtcll, 
im iHen 1 Capitaine von der Prebrasinskischen Garue etc. Die grüne Garde so 
von Rittmeister llnd Rahtsherr FelImalln angefühi'et ritten vor den Wagen uud 
die blaue Garde, welchen Elster Konigsfeld alsz J.Jielltellant commandirte, folgete 
S. 110 die Wagen. VOll den Stadt: Wällen wurden 6i3 Canonen und von der CitadeIle 
G4 Vanonen bey seinem Binzuge ahgefeiiret, die Trommelu und blasende Jllstru- 


1) Vgl. Feb/'. 1. i) vide eine ausführ!. Beschreibung in delll Ileüen IWlutionil-Buch, 
so vom Hof-Seeretair eingetragen ist.
>>>
1742 


Tagebuch. 


133 


menten bey Durchpassirung der Regiementer gerühret und gespielet, von der 
SoldatesC}ue 3 mahl salve gegeben und durch den Abmarsch geendiget. Den 
)Iittag wurden dieselbe von der Stadt tractiret und gegen Abend auf ein Ball 
hey dem Herrn Vice-Gouvernenren in Bessins fTausz genöhtiget, welcher Ball 
hisz 12 Uhr währete. 
, Den 29sten wurden Ihro "gI. Hoheiten auf Stadt-depem;en mit Uberneh- 
mung der Wirth
chafl't von dem W ohrtfiihrenden Herren Biirger-
[ei
ter Berens 
ahm'malll zu !Iittage in ihr Q\-artier gespeiset und umb 2 Uhr traten dieselbe 
mit eben dem Gefolge und iiLriegen honneur ihre Reyse nach St. Petersburg 
an. Ihro Königl: Hoheit so wohl alsz uer Herr OberHo1DIarechall und Cam- 
medIen hatten keinen amlern alsz den St. Almen Ritter-Orden, so von seinem 
Herl'll Vater 17B5 errichtet. 
Den 31sten J:tllUarii in der Nacht umb 12 Uhr sind Ihro Durchl. der Printz 
von Braunschweig Liiueburg Ludwig Brnst alhier in der Vorstadt mit dem 
CammerHerren Li1il'nfeldt und einer starcken Svite ankommen und 67 Schiesz- 
Pferde zu deroselhen Ahreyse nach Deiitschland gegeben. Den 1 Februarii 
parat gestanden, womit dieselbe auch ihl'e Tour weiter in die Nacht fortge
etzet. 
Heu 1 Februarii ist der verwittiebten Marck V ogtin Hippeische gebohrnen 
Langbeinin U rtheil dergestalt bey Em. Hdlen V obrteylichen Gerichte publiciret, 
dasz, weilen des KinuerMord8 halber nichts gewiszes auszufinden stehet, Sie 
Gottes Gericht zu iihergeben sey, Kirchen Busze in der ThumsKirche öffentlich 
thun 1 , und auf ewig bey Strafe des Prangers die Stadt und deren Jurisdiction 
nicht mehr zu betreten verbohten seyn solle. 
Den 4 ten und 5ten wurde die Deputation Ihro KayserI. l\Iajeste t zur Be- 
steigung ihres väterlichen Throne
 zu gratulireu feste gesetzet und zwar solten 
die dazu ernennete Persolmen, ueml: der Herr BiirgerMeister von Schultzen, 
der Herr 'VaysenHerr Paul Brockhausen, der Herr SeCl.etaire von Wiedau uud 
in Nahmen der GÜlden Elster Peter J.'riedrich Kroeger und Joh. Hinrich Borg- 
stedt von der gro
zen, Christopher Egel' Eltister und Anthoni Wegeling S von 8. 111 
der kI. Giilde sich gegen zukiinfftigen j)jenstag auffmachen und ihre Reyse 
nach St. Petershurg vors erste antreten'. 
Den 7 Februarii ward alhie von denen Kantzeln lhro Käyserl. }Iajeste 
}[anifestation, welchergestalt der gewesene Grosz-Admiral Graf Andrei Oster- 
mann, der }'eld}larschall Oraf Jlunich, der Vice-Cantzler Graf' Michaila Go- 
loffkin, der Oher-Hofl'-
[arschan von Löwenwolde, des Cammer- und Commerce- 
Collegii President Baron von 
Iengden, 11ud der Etats-Raht Temiriazeff sich 
gegen das Reich verbrochen und schuldig erkant worden, öft.entJich verlesen. 
Alle sind darinnen mit Todes Strafe angesehen und zwar Ostermann gerädert, 
Miinnich geviertheilt, Oollofl'kin, Löwenwolde, Mengden und 'l'emiriazeft' ent- 
hauptet zn werden: allein aus allerhöchster Landes-1\Hitterlicher Huld und Gnade 
ist allergnädigst anhefohlen mit ohgemeldten 'l'odes:Stra1l'en zu verschonen und 
sie an unterschiedene Örter gefänglich und zwar Ostermaun nach Beresowa, 
Jlünnich nach Pelim, den Goloffkin nach Oerumnga, Mengden nach Kolymskoy- 
Ostrog, Löwenwolde nach Solikamskoi und 'l'emiriazef nach Siherien ins Elend 
zu verschicken; ihre Prauen aber, wcnn sie es verlangen, mit ihren }[ännern 
ziehen und alle ihre eigene bewegliche und unbewegliche Giiter dem Käyser- 
lichem fisco anheiID fallen zu laszen. 


1) Vgl. JUli. 22, Feh,.. 21. 
strÜ'hcn GreiAer einen Undemaclter. 


I) Elisabetll. S) Nach .Antboni Wegeling aU8ge- 
. ') Vgl. 1U2 F
b,.. 12 tt. D
z. 3.
>>>
134 


SchievelbeinB 


1742 


Den 10 Februarii ist alhie Ihro Königl. Hoheit des Hertzogs von Gottorff 
Carl Petri Ulrichs Geburts:Tag feyrlich begangen und 31 Canon-Schusze von 
den Wällen abgefeüret worden. Der Herr WochenPrediger Schultz hatte seinen 
Text genommen aus dem ersten Buche der Könige 3ten Capittel 11. 12. und 
13ten vers wie man vor junge Monarchen behten solle. 
Am seiLen Tage kahm der Sächsische Envoyee Herr von Gerstorff alhie 
an und ging des andern Tages nach St. Petersburg. 
Den 12 Febr. sind die Herren Deputirte der Stadt der Herr BürgerMeister 
von Schultzen, der Herr Rahts- und Wäysenherr Brockhausen und der Herr 
Secretair von Wiedau von hie nach St. Petersburg umb Ihro Kayserl. Majeste 
zur Besteigung ihres väterlichen Thrones allerunterthänigst zu gratuliren und 
die Confirmation der Stadt Privilegien zu erbitten abgereyset. 
In diesem und Anfangs Martii :Monaht hat sich von 11 Uhr Abends bisz 
2 Uhr frühe ein Comet-Stern gezeiget, so seinen Abstand von dem Gestirn 
Lyra auf 22 Grad und von dem grösten Stern des Adlers 14 1 /11 Grad gehabt. 
Der Schwantz war auf der südlichen Seite. Ist auch zu Harlem von den Ma- 
thematicis observiret, ziemlich breit und 1 Faden lang gesehen worden 1. 
8. 112 Den 12ten Abends um 7 Uhr kahm der Englische Envoyee Herr von Finch 
aus St. PetersLurg alhie an und ward bey Wels oben in seiner Behausung logiret. 
Den 17 kahm umb 4 Uhr Mittags der Herr Geheimbte Raht von ßestujeff 
aus Sachsen hier an und ward in das sogenante Fluggen Hausz am Marckte 
logiret welcher den 18 von hier nach St. Petersburg abgereyset. 
Den 21sten alsz am Sonntage Sexagesima hat die verwittiebte Hippeische 
gebohrne Langbein in der Dom-Kirche die Kirchen-Sühne aus gestanden 11 und 
ist von dem Herrn Ober-Pastore Depkin vorm Cohr öffentlich absolviret worden. 
Dienstag darauf wurde Sie über die Gräntze nach Cuhrland gebracht. 
Den 22 FeLruarii ward ]
Itester Georg Gottfried Brockhausen zum Alter- 
lllann der groszen und Johann Christopher Kleeberg Eltester der kl. Hülde zum 
Altermann der kleinen Gülde erwählet. 
Den 23 Febr. ist beliebet dasz der Herr Obel'V ogt von Caspari einen Knie- 
Galgen und den Pranger von Stein neü aufsetzen laszen und die Cämmerey 
dazu die )Iaterialien anschaffen solte s . 
Den 4- Martii ist der Holmhoff- und Pinckenhoft'sche Pl'iestm. Liborius Stock- 
fisch wegen beschuldigten und eingestandenen Ehebruches aufm Rahthausze in 
der Wett-Stube unter Wache gesetzet und bey Em. Edlen LandV ogtcylichell 
Gerichte inqviril'et worden.. 
Den 8 Mal'tii kahm der Holstein Gottorffische Envoyee und Conference 
Raht Buchwaldt alhier an umb seine Reyse weiter nach Moscau fortzusetzen. 
Eodem traff aus St. Petel'sburg der Herr General Major und Commendant 
in der Citadelle Herr Philosophof hier ein, und nahm sein Qvartier in dem so 
genandten Venedigersschen Hausze. 
Den 12tell Martii alsz am ersten Beht:Tage dieses Jahres ist der Gottes: 
dienst in der St. Petri Kirche, nachdem die Fenster-Scheiben wiederUlnb ein- 
gesetzet, ordentlich gehalten worden. 
Den 20sten kahm der Ritter und Englischer Envoyec Herr Wich alhiel' 
an und setzte den 21 sten seine Reyse nach St. Petersburg weiter f01't. War 
bey Eckedahl logiret. 


I) Ist auch zn Hurlem u. 8. w. am Rande. 11) Vyl. Feh". 1. 
tt. 8. w. um Rande. ') Vgl. 24. A«g. u. 26. Okt. 


8) Den 23. Febr. 


....
>>>
1742 


Tagebuch. 


135 


Den 28sten umb 9 Uhr 
Iorgens hat des gewesenen Sächsischen Envoyee 
Graf Lynar Secretail'e .Johann Rudolff Heiffel im hiesigen Stadt-Gasthausze mit 
einem Pistohlen Schusz alsz ein hypochondriachus sich selbst das Leben ver- 
kiirtzet. Der IJeichnam ist, nachdem er seciret worden in aller Stille durch die 
Glocken-Leiter nach Hohm-Kirche gebracht und den 31sten in der I
rden ge- 
sencket worden. 
Den 12ten April fing das Eis in der Duna umb 8/, auf 3 Mittags an zu 
I'ucken und den 1a bey stillem Wetter und niedriegem Waszer ging umb 10 Uhr 

[Ol'gens bisz gegen 
fittag das Bis allmählig vor der Stadt, dasz iiberal1 klar 
Waszer zu sehen. 
Den 25sten April wurde alhie Ihro Käyserl. Majeste unserer Allergnädig- 
sten Käyserin und Groszen Frauen 
Jliesabeth Petrowna Krönungs'l'ag feyrlich 
begangen dergestalt, dasz den Morgen in allen Kirchen der GottesDienst mit 
Dancken und Loben bisz halb 10 Uhr zugebracht wurde, von 10 hisz 12 Uhr S. 113 
alle Glocken gelaUtet, die Bürgere und Gesellen waren in ihreI' grünen nnd 
blauen mondur zu Pferde, machten die pat'ade auf den alten Marckte und gaben 
als der Herr General Lieutenant und Vice Gouverneur Jerapkins Excellence 
sich daselbst einfanden eine dreymahlige salve aus ihren pistolen, inzwischen 
auch von den StadtWällen eine dreyfache canonade von 151 Schüsze geschahe, 
wornechst die cavalcade die KaIck- Sand, Kauff und Herren Strasze hindurch 
ihren Rittmeister den Herrn RahtsHerren Fellmann nach Hausze begleitete. 
Se: Excellence der Herr General en Chef Graf SoIticoff tractirten zu Mittage 
magnifique und wurden beym Gesundheit trincken das erste mahl öl, das andere 
41, das 3te 31 das 4te 21 und nachhero 15 Canonen in allen 309 Schüsze ge- 
than und abgefeuret, gegen 4 Uhr wurde die Musique mit Paucken und Trom- 
peten aufm Rahthausze geriihret, rohter und weiszer Wein, so aus Adlers Köpffen 
ftosz, dem V olck Preisz gegeben und der Ball bey Se: Excell: dem Herrn 
GeneralLieutenant und Vice-Gouverneur Jerapkin angehohen, umb 9 Uhr eine 
treffliche Illumination so wohl vor dero selben qvartier alsz auch vorm Raht- 
hausze abermahl mit Paucken und TrompetenSchall angezüuc1et und alle Haüszer 
in der Stadt wohl mit Lichte erhellet, welche Illumination bisz gegen 12 Uhr 
daurete. Die Erklärungen der gedachten Hauptllluminationen sind zur Jeder- 
manns notice gedruckt worden. 
Den 26 und 27 steu sind die Buden, Wagen in der Stadt und Vorstadt feste 
und des Abends von halb 9 bisz halb 12 Uhr die Fenstern mit Lichte erleiich- 
tet gewesen. 
Den 29sten May ist der Herr Biirgermeister von SchnItzen mit seinen beeden 
erwachsenen Söhnen, nachdem seine Gemahlin alhie den 1 sten May gestorben, 
aus Moscan glücklich alhie angelanget. 
Den 12 Junii ist in Riga der Landtag durch ein patent pro termino initi- 
tiali angesetzet gewesen welcher aber den 14 allererst seinen Anfang mit dem 
Gottes-Dienst in der St. Jacobi Kirche genommen, worauf der Herr Ober-Wett- 
Herr von Vegesack nnd ich alsz Depntirte des Magistrats gegenwärtig gewesen S. 114 
und ich bey den vorgegangenen Wahlen der LaudesOfticianten allezeit mit 
votiret habe. 
Den 19 wurde vor der Stadt ein Schn-Knecht, welcher einen andern hier 
in der Stadt, mit einem Degen umgebracht, decolliret und von Pas tore Blaufus 
mit seinem Wagen nach den Richt-Platz ausgefahren. 
Den 29 ward alhie IhI'o KgI. Hoheit des IIertzogs von ITolstein Gottorp 
NahrneusTag feyrlich begangen. 


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136 


Schievelbeine 


1742 


Den 5ten Julii nachmittags wurde der Landtag geschluszen. 
Den !)ten Julii hat ein Kauffmann Nahmcns .Toachilll Schmidt, welchfr 
mit des Capitaine KretIoff gewesenen .Ehe-Frauen lauge gleichsahm ehcJich ge- 
lebet, sich bey seinem Garten in f'inem kleinen Grahen ertruncken. 
Den 18 war alhie ein Danckfest wegen der glücklich erfochtcnen Victorie 
gegen die Schweden bey WilImanstrandt gehalten, alle Glocken in der Stailt 
gelaütet und von den Wällen 14 Canonen Schii.sze gegeben. 
Den 25 kahm alhie der General en Chef und Ritter von Bt. Alexandf'r 
Newski Orden von Butterlin an und logirte in Jhro Käyserl. .Mayst. Palais, bey 
seiner Ankunfft umb halb 12 Uhr Mittags geschahen 15 ('anonen Schusz. 
Den 31 passirte alhie der Herr CammerHerr Pouskin mit seiner Gemahlin, 
welcher als Russisch Käyserl. Envoye nach Madrit gehen solte. 
Den 24 Augusti wurde dem Pincken: und Holmhoffsehen Priester LiLorio 
Stockfisch beim Stadt-Consistorio der Mantel genommen t. 
Den 30 feyrete der Herr General en Chef v. llutterliu das Ritter-Fest des 
Alexander Newski, wozu alle !Iagistrats Glieder mit ihren Frauen und Jungfer 
Töchtern genöhtiget worden, mit einem Ball. 
Den 5 ten Septembris ward ]hro Kayserl. :Majeste Nahlllens-'l'ag zu !littage 
von dem Herren General Soltikofl und des Abends mit einem llall von dem 
Herren General Butterlin gefeyret und zu Mittage 3 mahl um\) die Stadt geschoszen. 
Den 10 Busz- Fast- und Beht-Tag. 
Den 18 ist die Flosz-llrücke so Htarck gesunckf'n, da::;z viele :;\[enschen in 
grosze Gefahr zu versauffen gemMen, die Nacht darauf ein Stück davon lusz- 
geriszen und durch den starcken Strolun nach unten getrieben. 
Den 22 bin mit denen res}J: Herren Stadt: A Iterleiiten und Kaliten Bürgern 
nach Lemsal umL alda die Revisiun so wohl alsz auf Ahlf'n, Laden- und 'Vilcken- 
hoff zu halten, damit man auch den 24sten den Anfang gemachet hat, ausgereyset. 
S. 115 Den 3ten Octobris ist die Wilckenhufl'sche neii erJJ:tute St. ('atharinell- 
Kirche auf vorhergängige Veran/:!taltuug von dem LIpl'1'eU Praepo:ito uud Pastore 
zu Grosz Roop, Tobias RIJl'eeckelsen solenniter eingeweihet worden. Her8elbe 
stellete aus der 1 Petri 
. v. 5 den Gei8tlieheu J3au des Tempel/:! Gottes vor 
uud zwar 1. deu Grund. 2. die Steine oder Materialien. 3. den l
au selbst, 
und 4 die Geistliche lIandelungen. Nacllllem wurde der GottesDienst ordent- 
lich darinnen gehalten mul hatte der Pa/:!tor Iod Gottfried Joh: Sixtel seinen 
Eingang aus dem 30 Psalm v. 11 das Exord. aus Deutern. il2. v. a9. und die 
proposition war die lehendigmachemle Kl'afft (;ottes '-'ps Ileylamles 1. im Leib- 
lichen und 2 im Geistlichen. 
Den 6 kahmen wir in
gesaUlbt ,'on \Vilckeuholr in Uig:t wieder zuri'lck. 
Den 20sten nach Pincken- Pöhlen- und HollJlhoff zur Uevision ausgefahren. 
Den 228ten ist der Herr Ueneral llutterlill von hier ahgereyset. 
Den 26: Liborius Stocklir!ch mit (;rete haben beylU LaudV ogteyfichen Ge- 
richt ihr Urtheil erhalten! und heyde in der Holmhofl'scheu KÜ'che die Kirchen: 
Sühne untergehen mü",zen, welches am iH sten alsz den 20 Sountage Trinitatis 
geschehen. Ha der Herr Pastor Elvers gepl'ediget und tim' Herr Secl'etaire von 
Benckendorfl' vom Gerichte zugegen gewesen. 
Den 19 Novemhris kahmen Se: ]
rlaiichten Hei()h:;Huc.hGräll: ExcelIence 
der Herr Heneral l'eldMarschalI, unser Herr Generalnouverneur Graf Lacy 
albie an und wurden von dem Herren RiirgerMeister 11. Oher-LandtVog't llerens, 


t) Vyl. 4. .llä,.z. 


I) Yyl. 4. Jliir.z. 


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1742-43 


Tagebuch. 


137 


, 


LandVogt Bewehrt und dem LVgtl. Ger. Secr. v. Benckendorff nebst der Bür- 
gerschafft zu Pferde eine halbe Meile ohngefehr vor der Stadt empfangen auch 
mit 51 Canonen Sehüsze beym Einfahren hegrüszet u. die Garnison auf den 
Gaszen en haye gestellet. 
J)pn 26 haben wir Ihro Kayserl. Hoheit deu GroszFiirsten Peter }1"'oedo- 
rowitz in der St. Petri Kirchen in Gegenwart des Herrn General Lieutenants 
und Vice-Gouverneur Jeropkin und des Herrn Garue Capitaine )Iichelsohn cler 
die Zeitung überbracht, gehuldiget. 
Den 27 kahm dei. Herr CarnmerHerr Baron von Buchwald von Moszcau 
mit seinem Secretario Bi"ocks :tlbier an u. reysete den 28 weiter nach Eutin zu 
den Bischoft'. 
nen 3 DecemLris langete der Herr Waysen-Hen' P: Brockhausen, Elster 
Peter Friederich Kroeger und Eger Eltister d. kl. Gülde hier an I. 
Hen 14 sind 27 Becker Gesellen eingezogen u. den 15 ihl.es Arrestes er- 
laszen worden 2. 
Den 18 wurde I. K. l\Iayst. GeLuhrts.Fest auffm 
chlosze und in der Stadt 
celebriret. 
Den 20sten starb der Herr OherV ogt Melchior von Caspari im 57sten Jahr 
seines Alters. 
Den 24sten Decembris 1742 starb die Frau Oher-Pastorin WiIlhrandt ge- S. 116 
hohrne Anna Schopmann, nachdem sie einige 'l'age zuvor vom Schlage geriihret 
und gantz Sprachlosz gelegen hatte. 
In diesem 1742titen Jahre sind in beyden 
tadtsKirchen getauffet 274 Kin- 
tIer, copuliret 66 Paar und in dreyen StadtsKirchen beerdiget 156 I
eichen. 
Schiffe sind bisz an den 27 N ovembris eingekommen 413 und 
ausgegangen bisz an den 20 Novembris . . 418. 


Ao: 1743. 
Den 1 sten Janwtrii zwischen 1 und 2 Uhr in der Nacht ist der l'rintz von 
Uraunschweig Anton Ulrich nehst seiner Gemahlin, Printzen und Princeszin 
aus der Citadelle nach Ihmamunde in BegleitulJg Sr: I
xc: des Herren General 
eu Chef und Ritter des heil. AndreaeOrdeIls Soltikow uebst der Käyserl. Garde 
vou 200 Mann zu Pferde gebrac.ht 3 . 
Den 2ten ist die I.'rall Ober-Pastorin Willhranllt zur Erden bestattet. 
Hen 9 ten ward der Herr Ober -Vogt :\Ielcbior von Caspari mit einem 
Wapen ohne Carmina öfi'entlich begraben. 
Hen 11 ten von tIem Herren Oher-Pastore HepkilJ aus dem Josmt am 1. 
v. 5-9 die Jllstitz Predigt J.!:ehalten, worinnen Er eines rechten Regenten oder 
christlichen Magistrats Leht'en und Trost abhandelte. 
neu 20 kahm Se: Exc: der Herr General und Gouverneur von Reval Graf 
Loewendahl hier an muh seine Reyse nach Sachsen weiter fortzusetzen. 
D. 1 riten .Fehruarii sind Se: Reichs IIochGrüftiche ExceIlence aer Herr 
General :Feld
[arschalJ, unserer General-Gouverneur und vieler Orden Ritter de 
Lal(Y von hier nach St. Petersburg von da, weiter nach }1"'innland mub das Com- 
mando zu iibel'llehmen, abgereiset, wolJey M Cannnen von der Stadt und Cita- 
delle ahgebraudt wordml. 


1) Vgl. 1742 Ft"h,.. 4. 2) Dic Bih.kcrge8cllflt Wll1"Cn i1t den AUl!l!taud getreten, weil 
ein 
Meister einen Gesellen ('IIth/slien hlltte, ohne ihm sein Halbjllhl'lohn atUJzuzahlen. Sie a- 
zwangen die Zahlung. Vgl. RA. AP. v. 14, u. 15. Dezember 1742, B. 66 S. 395 n: Vgl. au('h- 
1743 Juni 6. 3) Vgl. 17-11 nl'Z. 2!} u, 1'l44 Jlm. 31. 


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138 


Schievelbeins 


1743 


Den 10 Fehl'uarii wurde alhier 1hro Käyserl. Hoheit des Grosz-Fürsten 
Peter Foedorowitz Gebuhrts-Tag solenniter celebriret. 
D. 12 Februarii wurde des Apotheker Fischers teiitsche Magd wegen ver- 
übtcn Diebstahls mit 10 Paar Ruhten am Pranger gestrichen und der Stadt 
verwiesen. 
8. 11, Den 4ten Martii ist der Herr Waysenherr Paul Brockhausen nachdem EI' 
einen iibelen FaJI gethan und dahey seinen Fusz laediret, und ein WundFieber 
dazu geschlagen, mit Tode abgangen. 
Den 19ten in der Nacht umb 2 Uhr brandte des jungen Becker Friedl'ichs 
am PetersKirchhoff belegen es Hau8Z ab, wobey die Sanct Peters-Kirche und 
die herumliegende Nachbahren in grosze Gefahr standen, welche aher durch 
gute Anstalten gerettet wurden. 
Den 19 wurde ein Bebberheckscher Baur, so einen andern mit einem Baum 
erschlagen, an der nuna decoIliret, und am seIhen Tage ein Jude wegen Dieh- 
stahls am Pranger zu 
taupe geschlagen, darauf der Stadt verwiesen. 
Den 25sten Martii am Tage 
rariae Verkündigung ist der Herr Waysen- 
herr Paul Brockhausen mit einem \Vapen more CODsueto zur Erden bestattet. 
Eodem ging umh halb 2 Uhr )fittags das Bisz in der Diina und continuirte 
umb halb 4 Uhr überaJI seinen Lauf. 
n. 4ten April Abends ward die Leiche des Herren General-Major und Ritter 
vom Alexander Newski Orden Graf de La
y, welcher auf Grosz-Roop hier im 
I.Jande verstorben, eingehracht und nachhero aufm Schlosz im Zimmer an den 
groszen Saal auf ein parade Bette geleget. 
Den 9ten sind die in J)eütschland gedruckte I.Jehens-Beschreibungen des 
vormahligen Hertzogs von Cuhrland und Semgallen Ernst Johaml Biron, des 
Grosz-Admiral Grafen Ostermann und des FeldMarschaJIen Grafen von Miinchen 
unter dem Pranger am Marckte von dem hiesigen Scharf-Richter auf Befehl der 
Käyserl. Regierung verbrandt wOl'den. 
Den 12ten starl) der erste Wochen-Prediger l\I. Georg Caspari im 66sten 
Jahr seines Alters. 
nen 18 April ward in Gegenwart meiner zwey Tage ein examen privatum 
in Huhm Schule privatim gehalten und die Translocation der Scholairen aus 
allen Classen vorgenommen. 
Den 19 langte der Herr Brigadier Knes Misirsky als OberCommendant in 
der Citadelle alhier an. 
S. 118 Den 22sten April wurde die }'rau Doctorin Hertz gebohl'lle Vinhagen in 
der Duhm-Kirche umb 4 Uhr mit einer Stand-Rede heerdiget. 
Den 5ten May kahm Feür auszer der Stadt vorm Carls-Thor unweit der 
JesusKirchen umb 3 Uhr Nachmittags aus und hrandten alda einige Haüszer weg, 
worunter des Apotheker SIevogts wohlgebauetcs Hausz, darinn der Herr Obri- 
ster Sittmann sein Qvartier hatte, mit war. 
nen 6ten ward des Herren GpneralMajoren und Ritters Grafen Georg de 
La
y Leiche mit groszem Pompe vom Schlosze ah- und nach den Closter Schoen- 
berg geführet, welchc Procession umhständlich, samht der von dem Herren 
Vice-President Baron von lludherg dabey gehaltenen Rede im Hruck beschricben 
ausgekommen. 
n. 24sten May starh der Herr Candidatus 'l'heologiae Gerllhard, der seiue 
studia auf' Universiteten kürtzIich absolviret, dennoch aber seine Zeit wohl an- 
gewandt und alhier im Predigen sich zum öfftern mit gutem Ruhme hören 
laszen.
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1743 


Tagebuch. 


139 


Den 298ten trat der von Pernigel einherufl'ene Prediger Gericken das 
Diaconat in der Duhm-Kirchen an. 
Den 31 sten wurde der vorhin gedachte Candidat Gernhal'd nach seiner 
condition öffentlich begraben und von andern Candidatis getragen. 
Den 6ten Junii sind 25 Becker-Gesellen aus ihrer Meister Dienste gegangen t. 
Bodem ist der Herr RegierungsRaht Baron v. Budberg als General Oeco- 
nomie Directeur und der Herr Obrister von Campenhausen alsz Regierungs- 
Raht wegen erhaltener Chargen nomine }Iagistratus complimentirct. 
nen 18 sind die auszer Arbeit gegangenen Becker-Gesellen im neiien Ge- 
fängnisz auf 14 Tage gesetzet worden 11. 
Den 28 ist die zum Bau des Rahthauszes und der Börse angestellete Lotterie 
auf der groszen Giilde zu ziehen angefangen. 
Den 29sten ward Ihro Käyserl. Hoheit des Grosz-Fürsten und ernandten 
Successoren des Russisch-Kayserlichen Thrones NahmensTag feyrlich begangen. 
Den lsten Julii !:lind die inhafftirte 30 Becker Gesellen, welche auf Waszer 
und Brodt geseszen ihres Arrestes erlaszen s. 
Den Sten Julii traf der König!. Polnische nnd Chur-Sachsische Envoyee 
Baron von Gersdorfl' hier ein und reisete den 11 ten ab nach St. Petersburg. 
Den 19 ward der neii ernandte Crohns Praefectus Portorii Christian Güntzel 
von dem Herren Ober-Inspectore von Bruningk im Portorio introduciret. 
H. 6 Augusti ist der Kncs Cherbatow alhier angekommen umb als Envoyee S. 119 
nach .l
ngelland zu gehen, welche Reise derselbe den 8 ten weiter antrat. 
Den 14 ejusd. publich.te der Herr Call1mer-Juncker Sievers als abgeschickter 
:Friedens Bohte alhier den zwischen RU8zland und Schweden getroffenen Frieden 
in der Ruszischen, St. Jacobi und St, Petri Kirchen und ward von der Ritter- 
schafl"t, der Stadt und Gülden reichlich beschencket abgelaszen. 
Den 23. Augusti bin mit denen respective Herren Alterleüten und Kasten- 
Bürgern zur Revision der Giither Kirchholm und U xkul ausgefahren, wobey 
dann dem Herren SeCl'etaire Andl'eas Stoever das o.uth Kirchholm als 6jähriegen 
Arrendatoren immittiret und die Streitigkeiten dcr Kirchholmischen und Dahl- 
holmschen Bauren wegen des Graszmähens ohiter untersuchet ward. 
Den 29 von U xkul zuriickgekoll1ll1en. 
Den 12 Septembris abermahl nach Kirchholm ausgefahren umb gewisze 
Streitigkeiten zwischen Kirchholm und Pixtensee in Richtigkeit zu setzen, so 
auch den 15ten ZUlll Stande gekolllmen. 
Den 16 ist im gantzen Lande ein Danck: Fest wegen des Friedens zwischen 
Ruszland und Schweden gefeyret und aus dem 147 Psallll der 12te hisz 14 vers 
zum Text der Predigten angesetzet und erkläret wordcn. 
Den 22ten wegen des Guhts Lemsal, so der Herr CämmerHerr Schifl'hausen 
annoch auf 6 Jahr zur Arrende hehalten wegen der unabgetragencn Baur- 
Schulden und schlechten Jahre eine liqvidation getroffen. 
Den 25 ten sind der Herr Ober-SeCl'etaire Georg Christopher Andreae und 
der Herr Georg Gottf'riecl ßrockhausen zu RahtHerren erkohren. 
Den 28 Sept: bisz den ;} Octobris zu Anhörung der Proh-Predigten des 
Herren Candidati Trenschel und Pastoris von Ascheraden Peter Piel nach U xkul 
ausgefahren und verblieben. 
1) Vgl. 18. Juni. 2) VgI. 6. Juni u. 1. .Juli. %I) Vgl. 18, JUI
i. Iu RA., PI. u. 
AP. nicht vermerkt; flur in AP. ist mn 15. Sept. 1743 bei anderer Veranlassung verschriebell, 
l1ass die Gesellen nach Entlassung aus dem Af'rest aus der Stadt ausgewielten worden ware". 
AP.v. 15. Sept. 1743.
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i40 


Scbievelbeins 


1743-44 


Imgleichen den 9ten und 16ten der Herren Candidaten Oxfort und Bilde 
Prob-Predigten beygewohnet. 
Den 19 ist der Herr Candidat .Tohann Wilhelm Oxfol't zum Uxkul und 
Kirchholmischen Prediger und den 21 der Herr Candidat Friedrich GotUieb 
Hilde zum Adjuncto bey JesusKirche erwählet worden und Priester der Bicker- 
schen Gemeine. 
S. 120 Hen 5ten Novembris ist Se. HochHräfliche BxceIJence der Herr General- 
FeldMarschall und General Gouverneur Graf Lacy alhie umh 2 Uhr ohne 
groszen Pomp aus 8t. Peten3hurg nach der Campagne und erfolgten Friedens- 
Schlusz mit Schweden allgekommell ulld mit 51 Canonen Schusz begrüszet worden. 
Den 24ten .\.bends umb halb 7 Uhr kahm alhie der Knes Wolodimer Dol- 
gorukow, General-)lajor und Vice-Gouvernenr an und wurde in Eltesten Detmar 
Eyssingk neüem Hausze arn Riesing, weilen das ordinaire W ohnhausz im Closter 1 
noch nicht gebauet, logiret. 
Den 25tell ist allhie Ihro KäyserIiche !I
jeste ErhehulIg zum 'frohn f'eyrlich 
hegangen und haben Ihro IJrIauchten HochGräfl. }1Jxcellence den Herrn General- 
FeldMarschall zu Mittage tractiret. 
Den 27 wurde der kurtz erwählte uud ordinirte Priester Johann Wilh. 
Uxfort in der Uxkullschen Kirche von dem Herren Praeposito Brunillgk 
introduciret. 
Den 30sten feyreten Se. ReichsIIochGräfl. Excellence der Herr General-Feld- 
)[al"t!chall das Ordens-Fest des heiligen Andreae. 
Den 9ten Tecembris ward alhier der 4te Beht-Tag iu diesem Jahre ge- 
wöhnlichermaaszen in allen Kirchen morgens um) Nachmittags gefeyret. 
Den 14ten Decembris ist der Herr Graf' Nicolaus Ludwig von Zintzendorf 
mit einem Secretair, zweyen Frauenzimmer und ein Paar Bedienten Übel' Duna 
hey Dumpe ItngekoIDlllen, von wannen derselbe übergebracht und durch den Herrn 
Platz-Majorell ill einem Stadt: Wagen nach der Citadelle gef'iihret worden I. Ist 
seit anno 1736 im Sept: nicht hier gewesen, wohl aber seine Gemahlin, so anno 
1742 im April von St. Petersburg kommende hier durchgereyset s . 
Den 18ten Dec: ward Ihro Kayserl. )lajeste Gebuhrts:Fest alhie gef'eyret. 
In diesem 1743 sten Jahre sind gebohren 229 Kinder copuliret 49 Paar und 
III dreyen Kirchen beerdiget 101 Leichen. 
Schiffe sind in diesem 174iHen Jahr angekommen ik:?2 und ausgegangen 321. 
hisz den 1 Decembris. 


1744. 
Deli tsten Janual'ii ist der Herr Graf ZintzendorJf, als derer Herrenhut8chen 
vOl'llehmster Bischof!' aus oer hiesigell Citadelle durch einen Lietltenant und etliche 
)1ann bis an uie GrelItze von Cuhrlaml begleitet, hinwiederumb nach Deütsch- 
land zu reysen erlaszen worden 4. 
Vide des HamlJllrgischen Corl'esl!0mlellten 44. Ht. woriDuell ein A U8zug 
eines Schreihens aus Uiga 5. 
Den 5teulangete der Herr geheimhte naht Carl von llolstein au!'! Dännemarck 
alhie an umb Beine Ueyse nach St. Petershul'g fortzusetzen ist bey Eckedahl 
logirt gewesell. 
s. Ul nen 17 ten umh halb 8 Uhr Morgens sind Se. ReichsHochGrät'l. Excellence 
der Herr General-Feldl\lar!:!chall und General-Gouverneur Graf La
y auf Ihro 


J) B. lf 717, 2 'tI. B. In Abteil. 4 nr. 32. I) V!/l. 1'i44 Jan. 1. 8) Ist seit 
anno 1736 7t. 11. IV. mIt Rand/'. 4) Vgl, 1743 Dez. 14. b) ville u. 11. w. um Rande.
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1144 


l.'agebuch. 


141 


Käyserliche l\lajeste Befehl von hier nach l\{oszcau abgereyset und sind 33 Ca- 
nonen von der Stadt und Citadelle abgesehoszen worden. Indeszen hat der 
Herr General Major und Vice-Gouvernellr Fiirst W olodimier Dolgorucky da:'! 
Commando angetreten. 
Den 26 Januarii umb halb 5 Uhr langeten Ihro Hoheit die FÜrstin yon Au- 
halt-Zerbst .Johallna I
liesabeth Gemahlin Christian August Fürsten zu Anhalt- 
Zm'hst, Königl. Preiiszischpn General- Feldmarschall, Obristen Über ein Re- 
giement zu Fusz, Gouverneur zu Stetin und Ritter des schwartzen Adlers Orden 
mit dero Princeszin Sophia Augusta Friderica mit einer kleinen Svite alhier an, 
welchen VOll 8t. Petersburg entgegen geschicket war der Herr Cammerherr 
Piirst Narriskin, der Herr StallRaht Neroni, vier CammerPagen ete. 
Den 29sten :Mittags umu halb 12 brachen diese hohe Herrschafft mit allen 
entgegen gekolllmenen von hier auf und wurden beym Einkommen so wohl als 
auch Herausfahren 101 Canonen von der Stadt und Citadelle augefeiiret. Ihro 
Fi"&rstl. DurchI. nehst dpro Svite hatten in RahtsHerren Heckers in der Sünder- 
Straasze helegellem Hausze und der Herr CammerHerr Narriskin bey Eltester 
Knauert logi:'!. Bin Capitain mit 1:30 Mann, Lieutenant, Fähndrich und die Fahne 
nebst Hoboiilten und rrrummeln pamdirten vor der Thiire und der Herr I..ieu- 
t.enant von 1\Iunchhausen 1 mit 20 Curassier und ein Trompeter standen im Hausze 
zur Wache, welche letztere Ihnen amI der Stadt zu Pferde begleitete. 
D. 31 Januarii al8 am Dienstage wurue die Fastnacht8 ZusaJIlll1enkunfft so 
wohl auf der groszen, als auch der kleinen G-iilde gehalten und auf erstere Bltester 
Peter Friedrich Kroeger zum Altermann und auf die k1. Giilde Stube Christian Kle- 
herg zum Altermann bestätiget. Die ueede Dockmänner gToszer Giilue aber nerulich 
Carl Wilhelm Brockhausen und Georg Weber sind in so lange bisz Sie das- 
jenige was sie bey Hm. WohlEdien Rahte unter ihrer Nahmen Unterschrifft 
eingegeben, wahrgemachet hahen, von ihrer Function suspelllliret 11 worden, in- 
zwischen ist Eltesten Brasch alsz den jüngsten in der Eltesten Banck, und der 
vorhin Dockmanll gewesen, solche Fuuction freÜndlich angemuhtet vorzustehen s. 
In der Nacht zwischen den 31sten Januarii und 1sten Februarii ist die hohe S. 122 
IIerrschafft' aus })ünamunde in Gefolge des Herren General en Chef und Ritters 
yon Andreas Orden Excell: Soltikoffs und seiner hey sich habenden Garde, mit 
:3
O Schiesz-Pferdcn abgeführet worden. 
Den 5ten Februarii alsz am Sonntage Qvinqvagesimae wurd Melchior Dahlpn, 
Altermann der löblichen Compagnie der schwartzen Rai'lpter vom neiien Rausze 
am Marckte, welches inwendig schwartz ausgeschhtgen und mit 4 meszingen 
Oronen worauf f)O schwartze 'VachsJ.ichter brandten ohne clie 3 grosze, welch(' 
hinter dem Sarge stunden ausgezieret war, von 12 der I
ltesten schwart.zen 
Haüpter getragen in St. Petri Kirche zur Erden hestattet. Her Sarg war mit 
schwartz-Tuch bpschlagen, und versilberten Klammern, Fi'tszen und Schildern am 
Kupff und zum }'i'I
zen mit piner Denck-Schrifi't versehen, jedoch ward solcher 
Sarg mit einer 8chwartzen He(
ke üherde(
ket, i'lher die Gaszen naeh dpr Kirchen 
i'lher den :Marckt das Rahthau:;z vorbey getra/.!:en. Sonsten waren die Ceremo- 
uien wie gewöhnlich. 


1) Vgl. Bue1l1wltz, SB. 1897 S. 80 ß: 2) Sie..1wtten darüber I

(/ge gefÜhrt, dass O1J 
Stelle des in den Rat gezogenen .4.UeI'II/UlIIIII VOll da Altelltellbnnk ein AUellter -mit d.er Yer- 
tretwllg beauftragt wonlen sei, (lIlstntt eille Ä'Uerlllnnllsu'ahl v01wehlll1'n z.u lassen. Sie wurden von 
der B'Ü1'gersclwft und Ältelltenbank ihf'es AII/tes enthoben, weil sie ill/ Nmnen der BÜ1'flerschaft 
(Jhne Auftmg geklagt ltatten. Vgl. RP. v, 2. Xov. u. 3. Dez. 1743 u. 17. Fern'. 1744, PI. B. 120 
S. 340 ff. u. B. 121 S. 26 ß'.. 161 H'" 166 ff. S) Vgl. 1744 Sept. 17. ') Vgl. 1743 Jan. 1.
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142 


Schievelbeini1 


1744 


Im vo..iegen Dccember, Januario und Pebruario hat !:Jich von {i bi!:Jz 8 Uhl' 
Ahends ein Comet im Gestirn des Pegasi, f:tst mitten zwischen den Stern Algenib 
und dem Haupt dm' Andromedae am Himmel sehen laszen. Wie der Herr 
Professo.. Astronomiae Heinsius in JIamhurg durch ein vortrefflich Gregoria- 
nisches FernGlasz von 4 Fusz denselben Cometen heb'achtet, welches so einge- 
..ichtet gewesen, dasz es ihn 110 mahl vergröszert. Hierdurch hat I
r gesehen, 
dasz der KoV ff mit einer 8tarcken A tmosphaere umbgeben. Der Kern zwar 
..und, aber übel terminiret und von überaus schwachen Lichte geschienen. Deszen 
Diameter I/S so grosz geschätzet, als der vom Disco Saturni, welcher jetzo von 
seinem Ringe fast gantz entblöszet. Der Semi Diameter Cometae hat 6 Diameter 
des Kerns und der Schweif eine Länge von 7 Grad betragen. 
In Breslau ist von dem Medailleur Kittle.. eine Medaille verfertiget, auf 
de.. einen Seiten einen Cometen übe.. eine Landschafft mit der Jahr Zahl 1744. 
auf der GegenSeite: Rom. XI. v. 34. Wer hat des He....en Sinn erkandt I. 
Den lOten wurde Ih..o Käyserl. Hoheit des G..osz-Fiirsten Peter FeodOl'owitz 
Gehuhrts-Tag alhie mit dem Gottes-Dienst, Music in de.. Kirchen und umb 11 
Uhr aufm Raht- und schwartzen-Haiipte..-Hausze, wie auch Abfeürnng 15 Ca- 
nonen und Ansteckung der Lampen und Lichter vor den Fenster solenniter ge- 
fey..et. Von Stadt Seiten auch die GeneralFeldMarschallin und Se. Dm'chI. der 
Herr Gene..al Majo.., Vice Gouverneur durch Deputil'te des 
{agistrats nehst 
denen resp. Alterleüten complelllenti..et. 
8. L?3 Den 11 ten als am Sonnabend wu..de allererst von denen Ruszen nach Ihro 
Käyserl. Majeste Ukase vom - 1743 der Nahmens-Tag Ihro Käyse..lichen Hoheit 
mit dem Glocken-Laüten, GottesDienst, Ahfeürung der Canonen, Illuminationen 
solemnisiret. Hie in der Stadt wurde Nachmittags vom Raht- und schwa..tzen 
Haüpter Hausze zwischen 3 und 4 Uh.. mit Paucken und T..ompeten musiciret und 
gegen 6 alle Fenstern illuminiret. Weil den vorigen Abend bey dem W o..t- 
fiih..enden He..ren Biirge..meister von Ihro DurchI. dem Herren Vice-Gouverneu.. 
Fürst Dolgorucki ein Rescript eingegangen, desmitte1st Ih..o KäyserI. Majeste 
Ukase, dasz wenn am Mittwochen, Donnerstag und Freytag in de.. Fasten-Zeit 
dieses Fest des hohen Gebuhrts 'l'ages auf solche Tage einfiel, es arn Sonn- 
abend darauf gefeyret werden solte. 
Den 15 in de.. Nacht reysete der Herr Ober-Hoff
{arschall Bestucheff hier 
du..ch nach Deütschland und die Frau G..äfin Bestucheff des Herren Vice-Cantzlers 
Gemahlin folgete den Nachmittag, wozu 29 Pferde zu schieszen hergegeben 
werden musten. 
Den 17 Feb..uarii wurde der neüe..wählte Altermann groszer GiHde Peter 
F..iedrich Kroeger mit denen Eltesten groszer Giilde ohne die nockmänoer 
Carl Wilhelm Brockhausen und JohaDll Georg Weber, welche beym Gene..al- 
Gouvernement schrifftlich mit eine.. protestation eingekommen und darüber ein 
Rescript an E. W ohIEdlen Raht ergangen, dasz die Auffiihrung nicht vor sich 
gehen möchte, nach geschehenen mündlichen Vorstellung dennoch aufgefiihret 
und bestätiget.. W obey dann die Eltesten kleiner Wilde ihren abermahlen cou- 
firmirten Altermann Christian Kleeberg zu Es. WohlE dien Rahts Bestätigung 
brachten. Eltister Johann Ludeloff2 als vicariirende Altermann fiihret das Wort 
und referirte, was auf der groszen GiHd-Stuben in dcr gewöhnlichen Fa!:Jtnachts 
Zusammenkunfft passiret und trat auch im Ausgehen dem Altermaun der kleinen 
Gülde vor. 


I} In Breslau u. B. w. am Rande. 


I) in O. Ludolpff. 


....
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1744 


Tagebuch. 


1,(3 


Den 4tün Martii am Sonntag Laetarc ward das auf der grm
zen Sand-Strasze 
in der Vorstadt bey Gerdruthen Kirchhoff belegene Hallsz zum Gottes-Dienst 
durch den neiierwehlten Hospitals Prediger Hilde eingeweihet und die erste 
Predigt darinnen gehalten. Seinen Introitum hat J
r aus dem 2 Buch !\Iosis 3 
Capittel 5 vers. Yon Stadt Seiten war gegenwärtig der Herr LandVogt Becker 
der Herr AmbtHerr v. Dreiling als lnspector und der Herr Secretaire v. 
Benckendorff. 
Den 20sten Martii kahm der Englische Ambassadeur Mylord Tyrawlai alhie S. 124 
umb 11 Uhr in der Stille an und logirte in D. Himsels neü erbaueten Hausze 
am !\Iarckte. 
Den 27 sten trat der Englische Ambassadeur mit seiner Tochter und Svite 
die Reyse nach Moscau an und nahm FuhrleiitePferde von hier aus. 
Zwischen den 28 und 29sten in der Nacht brach das Eisz in der Duna und 
hat etwas geriicket, umb halb 12 Uhr zu Mittage ging es starck vor der Stadt 
bisz 12 halb 1 Uhr, da das Waszer anfing allmählich zu wachsen und war be- 
reits bisz Rn den Schlag-Baum vor Schweins- und Sünder-Thor, den Nachmittag 
ungefehr muh 3 Uhr war das Waszer theils durch die Thoren an der DunR 
Seiten, theils durch die beyrn Riesings Mund vermaurte und mit Mist belegte 
Pforte eingedrungen dasz das 'Vaszer über die von der Weber-Straasze nach dem 
Walle gehende Briicke bey einer Elle hoch angeschwollen war. Die Hohne in der 
Duna stunden gantz blanck. Den 30sten zwischen 5 und 6 Uhr ist das Eisz 
stehen blieben und hat nns grosz Waszer in der Stadt veruhrsachet. In der 
Vorstadt war das Waszer sehr hoch und hatte alle Brücken die Jacobs- Sand- 
und Carls-Briicke gehoben, an der Duna Seite imegleichen, Schal-Thor ist vorn 
Bisze, da ein ziemlicher V orrath von 1\Iist vorgeleget gewesen, gleichsahm ge- 
sprenget, dasz ein Fluth 'Vaszer bis vor dem Rahthausze gedrungen und die 
von der Haupt: Wache sich nach der obersten etage alle hinbeg-eben miiszen. 
Den 31sten hatte das Waszer, so ein halb Elle höher als 1709 war, seinen 
cours unter Hintzendamm bey Ludwigs Gelegenheit genommen, sich über die 
gantze Lastadie bisz beynahe die Sand-Strasze in der V or8tadt dergestalt er- 
goszen, dasz die Ruszische Kirche und alle dahermub liegende Haiiszer bisz 
unter Dach nicht allein überschwemmet, sondern auch die Menschen mit Lebens- 
Gefahr mit gemachten Prahmen, Bohten, Balcken und Brettern in die Höhen zu 
flüchten veranlaszet worden. Den 1sten April fiel in etwas das so stal'ck ange- 
schwollene Waszer und das Eysz in der Duna fing gegen halb 4 Uhr Mittags 
an zu gehen, den 2 April bekahmen wir in der Stadt mäszige Linderung des 
Waszers und wurden die Schal-Pforte, Carls und Sand-Thor wieder geöffnet, 
dasz die l\Ienschen näher den winselden Armen in der Vorstadt mit ßrodt 
und Saltz zu HiUffe kommen konten. Was für SchalJe geschehen ist nicht zu 
beschreiben I. 
Den 27stcn April kahm der IiJxtraordinaire J
nglische Envoyee Herr Cyril S, 125 
Wich Ritter vom Annen-Orden aus Moscau alhier an und setzte seine Reisen 
den 28sten nach Mittag iiber der OUDa nach Deiitschland fort. 
Den 2 !\Iay starb der Herr Gebhard Christopher Tanck, Pastor aln Duhm 
umb 5 Uhr morgens und ward darauf den 6ten ejusdem Standmäszig begraben. 
Den 23 May ward der erste Wochen-Prediger M. Johann Nicolaus Wilhelm 
SchuItze zum P astore am Duhm und Assessori Consistoriali erwählet und 111. 
1) vide die 11istoriscbe Nacbricht von der zu Riga den 29 Martii 1744 uftd iu einigeIl 
darauf folgendeIl 'ragen durcb deu Eyszgang des Duna-Strohms sicb eraügneten überaus 
groszeIl Waszer-Fluth und Uberschwemmung, nebst Beylagen sub A & B. Vgl. B. III S, 75fT.
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144 


Hchievelbeills 


1744 


SkodeiHky zum 1 sten W oehen PI'ediger, Di1tCOlH18 Chri
tiall Sixtel zum zweyten 
Wochen-Prediger, JohallU Christoph Gericke zum Diacono an St. Peter und 
.Toachim Fan tel', Pastor von Pillcken- und Hulmhofl' zum niacono am 'l'hum er- 
wählet; imgleichen ]mmauuel Justus von Essen, Pa:itor zn Pernigel, Adiamnnd 
und St. Peter Kirche, zum Priester auf Pineken- und Hulmhoff elegiret \lnd vociret. 
Hen 17 Juuii ward die 'l'hulll-Kirche, nach dem groszen Waszer Schaden 
zum ersten mahl wieder gehraudlPt und der Gottes Dienst uarinnen gehalten, 
da dann Pastor SchuItz alsz ] )jaconns Fantel' ihre Ambts V prrichtnngen daseiLst 
angetreten. 
Hen 24ten Juuii ward tier Herr Illlmanuel .Tu
tus v. Esspn in dpr Holm- 
hofschen Johannis Kirche als Prediger von dem Herren Pastore Blvers, in Ge- 
genwart meiner, des Heuen LanuV ogts Bewehrt und Herrn Secretarii Zimmer- 
11Ianns introduciret. 
nen 2H .Tunii ward ues Grosz-FÜrsten Kayserliche Hoheit Kamens-Tag 
hieselbst feyrlichst begaugen und von Jhro Durchl. dem Herren Vice-GoU\-er- 
ne111' in 1hro Ma;jesteten Garten herlich tractiret und Ball gegehen. 
Den 4 
ulii kahm der frantzösische Amhassadeur Marquis Chetardie von 
Moscau ülJer Petersburg alllier umh 8 Uhr Allends an und setzte seine Hpise 
dps andern 'rages umh halb 5 Uhr nach Heütschland fort. 
Hen 6 und 7 den in der Nacht hatten wir ein schweres Gewitter mit Hagel 
und starckeu Regen, jedoch ohne somlprlichen Schaden: indem nur von der 
Feil-Stnbe etwas von der Giehel Spitze aLgeschlagen. 
Den 19ten kahm der Russisch Käyserliche Admiral Graf Gallowin nebst einem 
Secretair Lnders alhier aus l\foscau an lIInh nach neiitschlaud im Warmen Bade 
zu reysen, war bey Herrn J
1tndV ogt Bpcker logiret, den 25 friihe abgereiset. 
Hen 26sten kahm der KönigI. Ungarische Minister Graf von Rosenbprg 
al hier an, ward im SadtGastHausze logiret und reysete den 27 sten frühmorgens 
von hinnen Ulnb seine Reise nach l\[oszcau fortzusetzen. 
8. 126 Den 28sten hekahm Ihro Durchl. der Herr General Major und Vice Gou- 
verneur Fürst Oolgorucki den Ht. Annen Ordpu ausz !\foszcau worüber dieselben 
Tages darauf complimentiret wurden. 
Den 1 sten Augusti ist 1hro Käyserl. Majeste Befehl, dasz die im Russischen 
Reiche, in denen vorigen Jahren geprägte kupfferne 5 Cop ecken : Stücker, vun 
dem 1 sten Augusti des itzlauffenden 1744. Jahres an, überall vor 4 Copecku 
gehen lind angenommen werden sollen, in der Russischen Citadell-KirdlP in 
Uegenwart 1hro nm'chI. des Herren Vice-Uouvernenrs, derer lIprren Land- und 
Regierungs-Rähte, oes hiesigen Magistrats, .Militaire und Civil-Bedienten }Jllhli- 
cil'et worden, welche ordre längst vorhero suh occlu
o alhier eingekommeu. 
Rodem empfing der Herr Geheimner Raht VOll Vietinglloff den Rt. Anna 
Orueu aus 1\{oszcau. 
Den 21 Augusti traf Se: Reichs-HochGräfliche gxcellence der Herr General- 
FeldMarschall und General-Gouverneur Graf ],a;y al hier Abellds mub 8 Uhr 
ohne allen pompe in Uiga ein, da SeIhte den 12ten Allgusti auf sein Schlosz 
Roop in Liefland aus Moszcau angelal1get wal'. Zur Bewillkolllmung wurden 
[)l Canonen von den Wällen der Stadt und Citadelle hey dero Allkllnfft gelö
et, 
die Ehren Weine von der Stadt geschicket uud den 22 tell darauf von d(.JU 
Magistrat und denen respective [[crreu Alterleüten complimentiret. 
Den 26stcn Augusti reisete dcr Hprr Brigadier uud OLerCommalldaut Knees 
l\fiserskoy, weilen Heiu Hcrr Vater uud Bruder in l\loszcau verstorbcn, auf Er- 
laubnisz zu den Seinigen nach Hausze. 


.....
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1744 


Tagebuch. 


145 


Dcn 3 tcn Scptcmhris kahm der Herr General I.Jieutenant Ritter von St. 
AJexander Orden \lud CammerHerr Soltikoff alhier an und wurde von mir und 
dem Herren WäysenHerren Schiffhausen im Stal1ts Gasthausze nomine Magistratus 
complimentiret. 
Den 5ten wurdt! lhro Käyserl. Mayst. Nahmeus-Tag alhie feyrlich uegangen 
von Sr: Reiclls HochGräflichen Excellence dem Herren General FeldMarschall 
Graf de La
y zu Mittag tractiret, Gegen Abend BaU gegehen, vor dem Schlosz 
illuminiret, auch ein FeiirWerck abgebrandt und waren 7 Ritter damahlen mit 
zugegen. 
Den 8 ten Morgens umb 7 Uhr reisete der Herr GerichtsVogt Herbet.t von 
Ulrichen von hier nach St. Petersburg und so weiter nach Moscau umb wegen 
der auszgestelleten Postirungen angehende Gold \lnd Silber:Miintze eine V orstel- 
lung zuthun und in allllern Stadt Angelegenheiten zu sollicitiren 1. 
Den 17ten wurden vor der Dockmanns Wahl die beeden suspendirte Dock- S. 127 
männer Carl 'Vilhelm Rrockbausen und Georg Weber dergestalt restituiret, dasz 
Brockhauseu alsz Eltester der groszen Gitlde und Georg Weber als am W ort- 
seynder Dockmann auf der Güldestuben angenommen worden I, und Johann Georg 
Hchwartz nachgchüns zum neiien Dockmann erwählet. 
Den 22ten Septembris wurde Johann RUllolph Frantzius mit seiner Schwester 
nnd einer Magd am Pranger zn Staupcn geschlagen, weilen sie nicht allein ge- 
stohlen, sondern auch Schandthaten ausgeiibet, anbey darauf ewig der Stadt 
verwiesen. 
D. 25 Septemhris wurde per Rescriptum Regimillis bekant gemacht, dasz 
dem Herren Recognitions-Inspector Jost Wilbelm Reimers wegen seiner 40jah- 
rigen JHenste deszen Sohn Nahmens Jost Wilhelm Reimers adjungiret und der 
Eyd desfals abgenommen worden. 
Den t6ten Octobris ist der Herr Frantzösischer Envoyee Daillon iiher 
Deiitschland alllier ankommen umb weiter an Ihro Russisch Käyserlichen Maytt. 
zu gehen. Se: Excellence waren bey Ekendahl in Qvartier. 
Den 21 Novembris kahm umb 11 Uhr Morgens Se: Excellence der Grosz- 
Britannische .Minister Graf Jolm Hindford alhier an, war logiret in D. IJimsels 
Hausze am Marckte, brach den 23 sten auf umb nach Moszcau seine Reise 
fortzusetzen. 
Den 24sten wurde lhro Käyserl. Hoheit der Groszfürstin Catharina Alexewna 
Nahmel1sFest hochfeyrlich mit Predigen, Musique und Illuminationen auch Ab- 
feiirung der Cal10nenSchusz von denen Stadt- und Citadell- Wallen zum ersten 
mahl begangen. 
Den 25. 26 und 27 ist Ihro Kayserl. Maytt: Gelangung zum Thron gleich- 
fals mit Ahsingung des Te neum laudamus nach den Predigten in der Kirchen, 
l\fusique vom Raht und schwartzen HaUpter Hausz vor und Nachmittage und 
Illuminationen vor den Fenstern, mit Ausstreiiung vor den Thiiren mit Schujen 
und SägeSpän oder Sand feyrlichst celebriret worden. 
Den 13 Decembris sind Se: Excellence der Herr General Keit und General 
Lieutenant Lapuchin hier umh 11 Uhr Morgens an. 1 sterer stand in der 
Schweins-Strasze in Ebels und anderer in der Sandt Strasze im Zincken Hausze. 
Den 15 Decembris, wurde ein Kinder-1\Iorut'rin Nahmens Ureth, welche bey S, 128 
dem Herren CamIllerier Rosenberg gedienet, urauszen in der Vorstadt ('lIt- 
hauptet und der Cörpt'r verhrandt, nach IJlhalt des Kinder Mord!'! Placat. 


1) Vgl. 1745 Aug, 11. 


2) Tgl. 1744 Jan. 31. 


10 


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14ö 


Scbievelbeins 


1744-45 


Den HJ reysete des Abcnd8 8pät Se: I
xcclIencc dcr Ilcrr Gcncral cu Chef' 
Keit und der Herr General Major Lapllchin von hier wieder nach Reval. 
In diesem Jahre sind in heydcll teiitschen Kirchen getaufl"et 2i3 Kinder, 
copuliret 62 Paar, und in allen dreyen Kirchen der Stadt heel'di
et 131 Leichen. 
In diesem Jahre sind 379 Schiffe hier eingekommen. 


Ao: 1745. 
Den 8ten Januarii ward so wohl in der Dnhm- alsz auch Jacol,i Kirche 
die J ustice- Predigt gehalten, da in der ersteren der Text aus den Spriich W 01'- 
tern Salamonis am 8ten v. 15 & 1ß genommen war. 
Den 15ten traf der Holstein Gottorpsche Printz nno. Ritter des Andreen 
Ordens Friedricus August, ein Herr von ;33 Jahren Nachmittags umb 4 Uhr 
über 1\Iietau alhie ein und stand JJey dem Herren IJandV ogt Becker in dei' 
SÜnder-Straasze im Qvartier. 
Den 17 ten ward des Herren Obristen Heinrich Wilhebn von Stein Com- 
mandanten der Festung Dunamunde mit der Fraiilein Constantia Catharina Jo- 
sepha von Eysenberg, Sr: Erl. IIochGräflichen ExcelIence des Ruszischen Käy- 
serthums Grosz-Cantzelers Grafen von Bestouschef Rumin, Stief'- und der Frau 
Grosz-Cantzeleriu leibliche Tochter in der hiesigen Citadelle Hochzeit Fest ce- 
lehriret, wohey dann voriger Printz von Rolstein Gottorp mit gegenwärtig 
gewesen. 
Den 30sten Januarii sind Ihre Fürstl. nm'chl. der Printz von Holstein Got- 
torI' Friedericus Augustus von der Ritterschafrt in des Herren Presidenten 
Baron von Mengdens Hausze tractiret worden und des andern Tages als den 
l8ten Februarii mit einer kleinen Svite von hier nach St. Petershurg zu I'eisen 
aufgebrochen. 
Den 10 Februarii ward alhie Ihro Käyserl. Hoheit Petri Foederowitz Ge- 
buhrtsTag in allen Kirchen mit Absingung des Te neum laudamus solenniter 
gefeyret und von Sr. Reichs HochGräfi. Excellence dem Herren General Gou- 
verneur Grafen de Laf;y zu Mittage tractiret anhey gegen Abend ein Ball 
gegeben. 
S. 129 Den 5ten Martii wurde der Herr Obrister von Oeselischen Regiment Gott- 
fried von Böttiger, der Frau GroszCantzlel'in Gräfin von llestucheff Herr 
Bruder, aus der Citadelle nach Duhms Kirche zur standmäszigen Beerdigung 
gebracht. Vor den Leichen Wagen wurden die Insignia, als Helm, IIandschue, 
Degen, Sporen, Ring-Kragen und Echarpe auf rohtsamnete Küszen mit silbernen 
1'ressen besetzet, auch der Wapen getragen, die Leiche mit 6 Pferden geführet 
und über den mit schwartz Samt und silJJernen Tressen bekleideten Sarg, ein 
Himmel auch von schwartzen Samt mit silbernen Frangen und inwendig mit 
silber 1\Iohr gefi'tttert getragen. In dem Gefolge ging der Herr Vice-Gouver- 
neur FÜrst Dolgorucki mit dem Grafen Bestucheff zuerst. Die Procession ging 
durch die Schlosz- und Kauff-Strasze übel' den M:trckt und so von Baden- nach 
dem LicentHausze in die Iuhm Kirche. Daselhst wurde die IJeiche mitten im 
Chor zwischen einigen cheridons mit brennenden Lichten niedm'gesetzet und 
nachdem ein Lied abgesungen, hielt ein Churischer von Adel NahmeDs Krumnes 
die StandRede vor der Leiclle stehend von der Tugend der 'l'apfferkeitj wie 
solche gecndiget, wiederumb ein IJit'd gesungen und der Begen gesprochen. 
Der entseelte Cörper ward in des Wol1lseel. Herren Geueral-Superintendenten 
Bruningks Begräbnisz eingestecket.
>>>
1745 


Tagebuch. 


147 


Dcn 8 ten morgcns kahm 81': Grosz Brietanuischcn l\IajcstC cxtraordinair 
Ambassadeur l\Iylord Tirawley und deu 12 tell 
r: Kgl. Polnischen Majeste und 
Chur-Sächsische Gesandter 
'reyherr von Gersdorf aus St. Petersburg alhier an, 
umb ihre Rii.ck: Ueise nach ihren Höfen fortzusetzen. Ersterer stand in D. Him- 
sels Ilausz am l\Iarckte und reisete den 11 ten ah, der andere war in der 
Schweills-Strasze im l
ltesten Ernst Ebels Hausze. 
Den 26sten kahm der holländische Ambassadeur extraordinaire Herr de 
Dieu alhier an und ward in D. HirnseIs am 1\Iarckte gelegenem IIausze logiret. 
Den 20sten einige Minuten vor 12 Uhr fing das Eisz vor der Stadt in der 
Duna an zugehen und continuirte bisz halb 3 Uhr, da es stand, weil gegen 
]. Majestäten GartenJIausz das Eisz an einem Holm und Sand-Bancke sich ge- 
setzet, welches voruhrsachte, dasz die gantze Weyde unter 'Vaszer gerahten. 
Den 30sten nahm es wieder umb 12 Uhr einen Ruck, doch nicht lange, umh 
halb 4 Uhr aber ging das Eisz recht starck die Stadt vorhey bisz nach nnten zu. 
nen 2ten l"eysete Se: ExcelI. der Herr Holländische Ambassadem' de Dieu 
von bier nach St. Petersburg. Er ist Raht und Haupt Officier der Stadt Am- 
sterdam, Ambtmann des IJandes Hlois ulld IIauptSchultheisz der Stadt ßeverwyk, 
wie auch Deputirter hey der Versamlullg ]hro Hochmögenden von denen 1'1'0- 
vintzen Holland und WestFrieszland. 
.. sten Julii sind Se. ReichsGräfI: l
xcellence der Herr General Feldl\Iar- S. 130 
schall Graf Lacy zur Vermählung 1hro KaysCl'l. Hoheit des Groszfürsten nach 
St. Petersburg von hier abgereiset, da vorher am 19 seine beede angenom- 
mene Pagen Johallll August und Diedrich Christian von Vegesack mit dem 
Herren :Major l'Bstocq voraus gegangen. 
Hen 11 A ugusti kahm der TIerr Gerichts Vogt von Ulrichen alhie aus St. 
Petersburg an 1. 
Den 30sten Augusti trafen umb balh 12 Uhr Ihro Bochf'ii.rstl. Durchl. der 
Printz von IIeszen-Homburg aus 8t. Petersburg kommende hier ein. Selbe 
hatten den Herren CammerIIerren Petzkoi und den Herren SeCl'etaire Dehn 
bey sich. 
nen :3 Sept: fand sich auch die Fii.rstin von Heszen Homburg nebst ihrer 
Pl'inceszin Tochter, die Princeszin Catimir alhier ein, welche alle zusammen 
den oten Ulnh 3 Uhr nach Teütschland ihre Reise fortsetzeten. 
Den loten 11mb halb 12 Uhr kahm Se. Excell. der Reichs Vice-Cantzler 
Graf W oronzow mit seiner Gemahlin und Familie albier an, bekahm 21 Canonen 
Schiisze zur Salutation, war bey RahtsHerr Fellmann in Qvartier und proseqvirte 
seine Reise d. 17 ten umb halb 12 Uhr nach Teütschland mit hiesigen Fuhrleiiten. 
Den 30 Sept: langeten die Pagen Sr. ReichsGräfl. Excellence des Herren 
General FeldMarschalls Joh. August und Diedrich Cbristian v. Vegesack hie an. 
Den 9ten October umu 3 Uhr Nachmittags kahm die Fürstin von Anhalt- 
Zerbst Johallna Elisabeth aus St. Petersburg mit ihrer svite alhier an. Dieselbe 
wurden mit 129 Canonen Schiisze, so 3 mahl umb die Stadt von den Wällen 
geschahe, salutiret und unter Anfiihrung des Herren Biirgedleister Schwartz, 
des Herren LandV ogts Becker
 und des Herren Secretaire von Benckendorff 
von der griinen und blauen Garde der Bflrgerschafft ein halb l\Ieil vor der Stadt 
entgegen genommen und hier in I. K. Maytt. Palais von dem W orthfiihrenden 
Herren Bflrgermeister, Herren GerichtH Vogt von Ulrichen, dem Oher-Secrf'taire 
Stöver und beeden respoctive Herren Alterleiiten cOlllpleruelltiret. 


1 Ygl. 1744 Sept. B. 


10* 


I...
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148 


SchievelbeUlS 


1745-46 


nen 14ten Octobris um1) 1
 Uhr, da die narni
on von 1. l\L Palais durch 
die Kramer Strasze vorm Rahthausze hisz am Schal-Thor en parade gestellet, 
von vorigen bisz über Duna bey Dumpe hegleitet und geschahe c\JPn die Canonade. 
Den 28sten Oct01Jl'is kahm Ihro ReichsOräfl. I
xcell. der Herr Gencral- 
FeldMarschall und General-Gouverneur Graf Laf,"y aus Rt. Petershul'g mllh 3 
Uhr Mittags gantz in der Stille alhier an. 
Den 15sten Novembris ist der Herr Vice-Cantzler vom IIolsteinischen Hoff' 
Pfenning mit seinen Söhnen hier durch nach St. Petersburg gereiset, allwo dtr 
Herr CantzIer Pechlien sich Lereits eingefunden. 
S. 131 Den 19 Nov. Iangete umb halL 3 Uhr der Herr General und S. Andl'eas 
Orden Ritter Keint an und trat bey Bessien in der Sand-Rtl'aaszen ab. 
Den 21 ejusd. ist der Herr General-Major lind Ritter vom Alexander Orden 
Lapuchin ankommen. 
Von 24sten bisz '27 sten wurde 1. KaysCl'1. Maytt. Gelallgung zum 'l'hrone 
vor und Nachmittags gefeyret und des Ahends aUe Fenstern in der Stadt 
illuminiret. 
Den 3ten Decemhris ist der Römisch-Käyserl. Minister General-Lieutenallt 
Breitlach alhier eingetroffen und hat den andern Tag seint' Uehm nach S. Pe- 
tersburg fortgesetzet. 
In diesem Jahr sinu in den dreyen Staut-Kirchen 228 Kinder getaufl"t, 
43 Paar copuliret und 98 Leichen begraben. In diescm .fahl' sind 423 Schilfe 
eingekommen. 


Ao: 1746. 
D. 7 Januarii ist von uem Herren Ober-Pastore 1 die Justitz-Pl'edigt gehalten 
Rom. XIII. v. 6. 
D. 28 Januarii umb 4 Uhr langete die verwittiebte LandGräfin von Heszen- 
JIomburg mit ihrer Princeszin 'fochter die von Cahtimir aus Berlin hier an und 
setzte ihre Reise Tages darauf umb 3 Uhr Nachmittags nach St. Peterslmrg fort. 
Den 8 FeLl'. wurde Ihro Kayserl. Hoheit des GroszFürsten Peter Foedero- 
witz Gebuhrts Tag solenniter gefeyret und von dem Herren General-FeldMar- 
schall zu Schlosze Mittags tractiret. 
Den 26 Febr. sind die letzten 10000 Rth. von 1. K. 1\1: Anna Iwanowna 
der Stadt allergnädigsten Dahrlehn von 100000 Rthlr. abgetragen und die dar- 
iiber ausgestellete Ver1)indungs Schrifft retradiret I. 
Den 28 Fehl'. haben Se. Bxcellence der Herr GeneralLieutenant und Ritter 
des St. Alexander Ordens Baron v. Campenhausen mitte1st einer Donations- 
Schrifl't, welche Sie Ern. 'V ohIBdlen Rahte den 28 PeLl'. zuschickten, zur Repa- 
ration und beszerer Verpflegung der Armen in Campenhausens I
lend 2000 Rth. 
Alb: zu schencken beliebet dergestalt, dasz aus deszelIJen ErLGuhte Neu Ten- 
nasilm die Interessen a ü pCto jäbrl. ausgezahlet wenleu sollen. Und wie nach 
genauer Besichtigung des Campenhausens mend-Hausz s die Rep:tration mit 
120 Rth., als des erstell Jalll'es Interessen nicht bestrittf'n werden konten, so 
legten vorgedachte Se. I'
xcellce noch 100 u. der Herr RegierungHaht sein Herr 
Hohn gleichfals 80 Rthl. noch hinzu 4. 
Den 30sten l\[artii Uluh 1'2 halb ] Uhr .Mittags ling das Eisz in der fluna 
an zu gehen llnd haben wir GottIobl kein Hoch-'Vaszer od,'r Relmden gebaLt, 
weilen es seinen ordentlichen COUl'S gehalten. 


1) DepJ..in. 
S. 55 If. 


") B. lT 548. 559. S) Ygl. 1749 Juli 7 und Buchholtz, SB. 1898 
4) lien 26 Febr. u. 8. w. am Rande. 


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1746 


Tagebuch. 


149 


Den 16sten April ist der Herr Secretaire Melchior von Wiedau nach er- 
behtener Erlaubnisz bey Em. W ohm dien Raht von hier nach dem warmen Bade 
zu Aaken abgereiset I. 
Den 21sten wurde Ihro KäyserI. Hoheit der regierenden Hertzogin von 
lIolstein Catharina Alexewna Gelmhrts-Tag a.Ihier gefeyret und zu Schlosz 
tractiret. 
Den 25sten ward Ihro KäyserI. Majeste Krönungs Fest, da mit dem Herren 
W ortfiihrenden Herren BürgerMeister und denen AIterleiiten zu Schlosze com- 
plementiret und die Bürger: und Gesellschafft zu Pferde so wohl im Burg-Garten 
alsz auch in der CitadeIle vor der Russischen Kirche in Gegenwart der Gene- 
ralite paradiret, auch aus der CitadeIle Pforte aus- und in der Sand-Pforte ein- 
marchiret und so behörig ihren Rittmeister und Officires begleitet. 
Zwischen den 2ten und 3ten May ist im Zuchthausze ein Feür ausgekommen, 
welches aber Gott sey Danck bald gelöschet und ohne groszen Schaden abge- 
gangen. 
Den 5 .Tulii kahm der Sachsische .Minister Graf von Vitzthum alhier an 
und ward bey Gottfried Berens einlogiret. 
Den 7 kahm der Herr CltmmerHerr Graf und Ritter von Danncnbrockschen 
Orden ChochIikoff aus Deiitschland hier an und ward bey Hinrich Berens ab- 
getreten. 
Den 11 ten Augusti langten He. HxceIl. der Herr Vice-Cantzler W oron- 
zow mit seiner Gemahlin und Tochter aus Franckreich übel' Deutschland neml. 
Dresden, Berlin alhier umb 2 Uhr Mittags an und brachen den 13 ten wieder 
nach Petersburg zu reysen auf, bey Fellmann in Qvartier gestanden. 
nen 6 Septemlris sind Se. ExceIl: der Herr Baron Neuhausen Chur- Bayersche S. 13.2 

£inister aus St. Petersburg hier ankommen und den 9ten von hinnen nach 
Konigsbel'g wieder aufgebrochen. 
Den 12 ejusd. hmgete der Herr Gotthard von Vegesack zur See iiler Co- 
penhagen kommende umb 4 Uhr Nachmittags hier an. 
nen 6 Octobris hat die Commission in des Herren CammerHerren Brock- 
hausens seiner Sache mit dem Herrn Recognitions-lnspectore Reimers seinen 
Anfang genommen. 
nen 9 Octobris ist der Herr GerichtsVogt von Ulrich alsz Ieputi11er nach 
S1. Petersburg algereY8et M uud 
Her verguldete Hahn auf St. Peters-Kirchen-Thurm von dem ZimmerMeister 
Wilbeer gIiickIich aufgesetzet s. 
Den 17ten ist die CantzeIley Besetzung geschehen und haben wir 9 SeCl'e- 
tarien erwählet. 
Eodem ist Eltester Elerhard Krnger zum Altermann der groszeu Gülde 
erkohren. 
Den 24 Novemhris ist 1111'0 KayserI. Hoheit der Groszfürstin Nahmens-Tag 
Catharina und 
Den 25. 26 & 27 sten Ihro Käyserl. Maytt. Gelangung zum Thron feyrIichst 
begangen. 
Hen 16 ])ecemlJer umb halb 9 Uhr morgens reyseten Se. ReichshochGräfl. 
Exc: der Herr General-Feld
larschaIl uud General-Gouverneur Graf La(jY nach 
St. Petersburg. 


I) Vgl. 1748 ltlä,.z 7. 


2) Vgl. 1';47 Dez. 23. 


S) VgI. B, III S. 58. 


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150 


Schievelbeins 


1746-47 


D. 18 Decembris wurde von Sc: Excell: dem Herren Gcneral nnd Ritter 
des Andreae Ordens Keit auf 1hro Kayserl. l\bytt: Gelmhrts-li'est tractiret und 
in der Stadt gewöhnlicbermaaszen gefeyret. 
In diesem Jabr sind in den 3 Stadt Kirchen 200 und 1 Kind getauffet, 53 Paar 
copuliret und tal Leichen beerdiget. 
Einkommende Scbiffe sind 450 und ausgebende 454 gewesen, woruntel. 4: so 
1745 Winterlager alhier gebalten. 


Ao: 1747. 
Den 13 Januarii ist alhie die Justitz-Predigt von dem Herren Ober-Pastore 
M. Schultz 1 gehalten. 
Den 4 Februarii sind Se: Excell: der erste Sacbsiscbe CanlluerHerr von 
Dieskau bier angelanget und den 6ten nach St. Petersburg abgereyset. 
nen 10 ward Sr. Kayser!. Hobeit des 'fhron-Folgers Pctri Feodorowits 
Gebuhrts-Fest solenniter gefeyret. 
Den 23sten sind zu Eltesten gr. Gülde erkohren Berend Jobmm Niemann, 
Thomas Reimers und Diedrich Christiani und waren auf der Mahlzeit fast alle 
aus dem Raht und der Ober-Cantzelley gegenwärtig gewesen. 
S. 133 Den 4 Martii gaben die mtesten der schwartzen Haüpter auf ihrem am 
l\larckte gelegenen Hausze einen prächtigen Ball. 
D. 9 Martii kahmen Se: HochReicbsGräfliche J
xcell: der Herr General- 
:[i'eld-Marschall und vieler Orden Ritter Graf Lacy Ulub 9 Uhr Abends alhie an. 
Den 24 ten retournirten der Sächsische CammerIIerr Baron von Dieskau 
von St. Pctersburg und setzten des andern Tages die Reise nach Sachsen fort. 

wischen den 30 und 31sten in der Nacht bat das Eis in der Duna hey 
stillen und niedrigen Wasser zu gehen angefangen. , 
Den 10 April sind Ihro Durch!. der Herr General Feltl-Zellgmeister Fiirst 
Repnin umb 4 Uhr in des see!. Herren Biirgermeisters VOll SchuItzen in der 
Sand-Strasze helegenem Hausze abgetreten. 
Den 18 brandte Siedenburg Schorstein, so aber halde gedämpfl"et wurue. 
nen 21 wurde Ihro Kayserl. Hoheit der GroszFÜrstin Gelmhrts Fest uUlI 
Dcn 25 Ihro Kayserl. Maytt. Krönungs Fest solennissime celebriret. 
D. 6 May wurde Eltester Matthies Ulrich Poorten auf dem Rahthausze 
wegen starck gefi1hrten Reden auf der GiHde-Stubc arretiret t und den 8 auf 
V orhitte der I
[testen Banck wieder erlaszen. 
Den 29 May lmhm der Herr Regiernn
8 Rabt von l
ayer, dcr als Ohrister vom 
Wendisclien Regiement von hier nach St. Peter8bur
 verreyset, alhier, welchen 
ich nebst dem Herrn GesetzHerrn von Dreiling so gleich bewillkommet und no- 
mine Magistratus gratuHret. 
Den 31 May starb JOhaJlll (jeorg KrUlllnau Hoct. }Icdicinae ullll ward von 
vielen wegen seiner guten Wiszenschafl'ten und Gefälligkeit scbr beklaget. 
Den 4 Junii wurde sein IJeichnam von Stadt-Dienern iu Begleitung 4 Stadt- 
Secretarien umh halh !) Uhr mit l\Jusi'llle in der Kirchen zur I
rden hestattet. 


1) An des 1('46 gl'lJtorbenClt IJ/'lJkbllJ 8telle wurde am 4. ""')Jt. 1746 PalJtor &hultz zUln 
Ober pastor ge/l,jihlt. Pl. B. 125 S. 240. t) Ältcster GO, Poorten hatte in der Gilde auf 
der Biirgerschaft- Versammlung ungebüllrlich über die ÄltelJtenbauk gesprochen und u'ar des- 
wegen bei.nt Rat vom Ältel"1nann verklagt worden. Zu 100 Rtll. vom Rat verurteilt, hatte er die 
Zahlung verweigert, weil er kein UnrecJtl getan lIabe, worauf er wegen Ungellorsam im Rathause 
zUI'iickgehalten wurde, bis er sich besonnen lIabe. Vgl, lll', v. 29. April, 6., 7. u. 8. MCli 1747, 
1'1. B. 127 S. 74 ff., S. 119-144. 


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1747 


Tagebuch. 


151 


Den 12 Junii nahm der ausgeschriebene Land-Tag seinen Anfang. 
Den 29 wurde 1. K. Hoheit des Grosz
-'iirsten Nahmens-Tag alhie gefeyret. 
Den 15 Julii wlll'de der Land-Tag geschloszen, worauf der Adels Matrikul 
endlich zum Stande gebracht worden 1 . 
Den 25 J ulii reiseten Se: Excellence der Herr General en Chef und Ritter 
vom Andreae Orden Keit Zll Schiffe nach Copenhagen. 
Den 10 Augusti wurde die von der Feld Artillerie Über Duna unweit Maden- 

Iiihle aufgeworffene Schantze beschoszen, und bombardiret wobey Fiirst Repllin 
tmctirte. 
Den 16 Augusti ging der Herr Ober-CammerHerr Johann Friedrich Schick S. 134 
nach einer langwierigen Kranckheit mit Tode ab. 
Den 19 ejusd. ward ein Senatus COllsultum eingebracht, dasz so lange ein 
Herr des Rahts nach seinem Absterben unbegraben wäre, die Übrigen schwartz 
gekleidet gehen solten. 
Den 24sten bralldten die meisten Haiiszer in dem Städtgen Lemsal ab und 
der KirchenThurm hat gIeichfaIs ein vieles dabey gelitten. 
Den 1sten Septembris passirte alhier der Schwedische Envoyee Wulffen- 
stierna nach St. Petersbu
. 
Den 5 ten celehrirte man feyrlichst 1. Kayserl. Maytt: NahmensFest. 
Eodem ging der Cantzelley-Verwandter Gottfried Berens als Sollicitant von 
der St1tdt umh die liqvidirte Forderung zu impetriren per mare nach Stockholm ab \I. 
Den 12ten Octobris entstand al hier ein starcker Sturm-Wind, und ward die 
.Flosz-ßrücke gantz unter Waszer gesetzet, irngleichen die Spilwische Heuschläge. 
Den 12 Nov. ist bey Daniel Haffstein, einen Bin'ger ein Schwein geschlachtet, 
welches in der Wage gewogen 534 W und hat 5 Zoll Ho]]: dick Speck gehaht s . 
Den 21 Novembris schickte Eltester I
udeloft. seinen Sohn Johann Caspar 
Ludeloff, welcher schon sein eigen IIausz, Bediente und Gewiirtz-Lade gehabt, 
weil Er ein Verpraszer seiner G iiter war, nach Königsberg, nachdem .gr beyrn 
V ogtl. Gericht beynahe 14 'rage in Verhaft't gewesen, weg. 
Den 24 war 1. K. Hoheit der Grosz-1'ürstin Nahmens-Fest und 
Den 25.26. und 27 w:u'd 1. Kayserl. 
Iaytt: Gelangung zum Thron gefeyret. 
Den 23 Decembris morgens Ulub 9 Uhr arrivirte der Herr Ober-AmbtHerr 
von Ulrich aus St. Petersburg gesund und frisch 4 und 
Den 24 ejusd. traft' der Herr CammerHerr Graf von Bestucheft' mit Beiner 
Gemahlin hier ein und ward bey Joachim .Ernst Schroeder oben mit seiner svite 
Iogiret, die Gebriider IJudendorp musten in so lange ihre Zimmern seinent- 
halben räumen. 
In diesem Jahr sind 2
1 Kinder getaufrt 56 Paar copuliret und 107 Leichen 
in den 3 Stadt Kirchen begraben worden. 
Schiffe sind 459 eingekommen und 448 ausgegangen worunter U Schifl'e von 
lUG so Winterlager gehalten. 
.Am 31 Decembris zwischen t.i und 7 Uhr des Abends erschien eine dicke 
schwartze W olcke, dasz man den :Monden-Schein kaum wahrnehmen konte, bald 
aber theHte sich die finstere W olcke und wurde Feür roht, worauf auch ein 
groszer Klumpen Fern' zur ]
l'llen niederfiel ohngefehr hinter Joachims Schroe- 
ders Hausz, welches viele 
renschen am l\£arckte gesehen haben, und auf harte 
Kälte deüteten, womit sich auch das neüe Jahr angefangen hat. 


1) B. 11441. 454, 595. 2) Vgl. B. 11 384,8 tl. 1149 Nov. 1. 
U. 8. W. am Rande. 4) Vgl. 1746 Okt. 9. 


S) Den 12. Nov. 


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152 


Schievelbeins 


1748 


S. 135 Anno 1748. 
Den !sten und andern Janu:trii wal' eine starcke Kälte u. grosze .Aufwar- 
tung bey Se: Ex: dem Herrn General FeldMarschall unsern Herren General- 
Gouverneur ReichsGraf Lacy. 
Den 12 wurde die Justice-Predigt so wohl im Duhm alsz auch Jacobi:Kirche 
gehalten. Im Dohm von dem Herren Ober-Pastore Schultze über den 6 vers 
des 19 Capittels des 2ten Buches der Chronick und in Jacohi von dem Herren 
Pastore Loder über den 16 u&d 17 vers des 1 ten Capittels des 5ten Buch Mosis. 
Den 1 Febr. sind die Herren General-Majors Golowin, Soltikow und Zare- 
witz Prilltz von Georgien alhier angekommen, imgleichen der Herr General- 
)Iajor Orlow, welche alle in der Stadt Qvartier verschaffet werden müszen. 
Den 2ten ist der Herr CammerHerr Graf Bestucheff mit seiner Gemahlin von 
hier nach Wien abgereiset, welcher seiner Unpäszlichkeit halben sich alhier bey 
Joachim Schroeder lange aufgehalten I. 
Den 5 Febr. kahm Se: Excellence der Herr CallnnerlIerr Graf Puschkin 
aus Dännemarck alhier an. 
Den 10 ten wurde 1. K. Hoheit des Grosz-!'ürsten Gebuhrts-Tag solenniter 
alhie gefeyret. 
Den 22sten Febr: wurde auf den schwartzen Haiipter-Hausze, da sie 8 neüe 
EItesten erwählet hatten, Ball gegeben, wozu auch einige Adelichen genöh- 
tiget waren. 
Den 24sten reiseten Jhro Dm'chl: der Herr General-Feld-Zeügmeister Fürst 
Repnin als General en Chef übel' die nach Deütschland gehende Ruszische 
auxiliair-Trouppen, so in 35000 Mann bestehen sollen, von hier in kräncklichen 
Umbständen 2 über Cuhrland nach der Armee, wobey 2ne General-Lieutenants 
nem!. Lieven und Lapuchin, wie auch 6 General-Majors nemJ. Stuart, Soltikow, 
Branne, Gollowin und Woyekow commandiren, General-.Major. Orloff als General 
Kriegs: Commissair die Cassa besorget. 
Den 7 den l\fartii ist der Herr SeCl'etair von Wiedau aus den Bädern über 
Leipzig, Berlin, Königsberg, Gottlob ! ziemlich munter, aber doch noch Krafft- 
losz zurücke kommen s. 
In diesem Monahte haben wir den Herren General-IJieutenant Brilli und 
den Herren General Majoren Friderici zur Eillllvartirung in der Stadt empfangen, 
welche in einer gewiszen Commission zwischen Sr: Durchi : dem IJ erren Vice- 
Gouverneur uud General-Majoren Fih'sten Dolgorucki und dem Herren Assessoren 
Danielofl' zu sitzen anhero gesandt worden 4 , 
Den 6 ten April zwischen 1 und 2 Uhr Mittags hat das l
is in der Duna 
mit Süd-Westen Wind zu gehen angefangen und derge8talt mit kleinem Waszer 
coutinuiret, dasz das Was zer nicht mahl mit dem Bollwerck gleich gewesen ist, 
des andern Tages alsz am 7 den ist zwar das Waszer gestiegen, welches aber 
gegen Mittage wieder in seiner vorigen Höhe abgefallen, dasz wir also einen 
glücklichen Eiszgang IJey schönem klaren Wetter gehalJt. 
Hen 11 ten und 12ten hat es mit - 5 Winde zu regneu angefangen. 
nen 12t;n ist die Prau Ober-SeCl'etairin von Benckendorff in St Petri-Kirche 
vor deren mittelsten Thüre die Stal1t- Wache nem!. 1 U nterOf'ficier und 8 Ge- 
S. 136 meine paradirte öffpntlich zu l
rden hestattet, und sind 4 Stadt-Secretaire nemlich 
der Herr Ober-Secretairc J!.:Jvers, Weyer, Schick und Depkin bey der Leiche 


1) Vgl. 1747 Dez. 24. 
April 18. 6) Lücke. 


2) Vgl. 1748 Okt, 26. 


S) 1746 .lprill6. 


4) Vgl. 


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1748 


Tagebuch. 


153 


hergegangen, auch in der Kirche von dem Cantore eine 1'rauer )Iusique auf- 
geführet und zuletzt von dem Di:tcono von Essen die Dancksagungs Rede ge- 
halten worden. 
Den 18 April ist der Herr Assessor Danilow bey der hier yerordneten 
Commission vorgewesen und ihm durch den General-Provos der Degen abge- 
nommen, auch darauf mit der Wache nach der Citadelle in engern Verhafft ge- 
bracht worden I. 
Den 19 ejusd. reiseten 1hro Excell. der Herr Graf Puschkin, so als Envoye 
in Copenhagen gewesen, mit seiner Gemahlin und svite von hier ab nach St. 
Petersburg. 
Den 21sten ward!. Käyserl. Hoheit der Groszfiirstin Catharina Alexewna Ge- 
buhrt!'1-Tag alhie mit gewöhnlichem GottesDienst, Musique in der Kirchen und 
Schlieszung der Wage und Kmhm- Buden gefeyret. 
Den 25sten feyrete man Ihro Käyserl. 
Iajeste Krönungs Fest in der Kirchen 
mit Absingung des Te Deum lamlamus, die Biirgerschafft und Gesellen waren zu 
Pferde in schönster Mondur und wurden vom Eltesten Gerrengross bey Unpäsz- 
lichkeit des Herren Rittmeisters RahtsHerren Felmann nach der Citadelle an- 
gefiihret, allwo sie vor der Ruszischen Kirche auf beyden Seiten des Einganges 
vor und unter währendem GottesDienst von 10 bisz halb 12 Uhr paradirten, 
da dann 1hro ReichsGräft. Excellence unser Herr Genel'al-GouveI'neur Graf La
y 
mit dem Herren GeneralLieutenant Brilli, General Major und Vice Gouverneur 
Fürst J)olgorucki, General :Major Friderici, General :Major Lieven in Beyseyn 
des W ortfiihrenden Herren Bürgermeisters in starcker Gefolg von andern 
Officirs sie passirten und die Ordre ertheilten wieder vor das Schlosz zuriick 
zu passiren, welches sie auch thaten, aber ihre 'foul' dergestalt einrichteten, 
dasz sie auf dem Schlosz: Platz sich stelleten uud nachdem sie ihr CompHment 
gemachet, zum Jacobs Thor hinnaus und zum SandThol' in die Stadt hinnein durch 
die Sand-Strasze Kauff- und Herren Strasze bisz nach Fellmanns Hausz, von 
wannen sie auch ausgeritten, und sich frühe versamlet hatten, wieder einfun- 
den, folglich gegen 1 Vh.' zu JIausze ritten. Zu JIittage ward zu Schlosze 
tractiret und gegen Abend in der gantzen Stadt ilIuminiret, auch bey dem Cornet 
von der hlauen Compagnie Diefeldt geschmauszet und ein Ball gegeben. 
Den 27 sten April traf ]hro Excellence der Kayserl. Ambassadeur extra 
ordinair, der Herr General-]
eld
larschallLieutenallt Urat' Bernes mit seinen bey 
sich habenden Cavaliers und suite alhie Nachmittags ein und proseqvirte seine 
Heise den 29sten frühe umb 7 Uhr nach St. Petersbl1rg. Stand bey dem Herren 
LandVogt Brockhausen in Qvartier und speisete den 27 sten bey Sr: Reichs- 
HochGräft. l
xceIlence dem Herren General Feltl Marschall Graf IJacy zu Mittage 
auffm Schlosze. 
nen 12ten .Junii kahmen lhro Excell: der Herr Oeneral J
aron llreit1ach, H. IJ'l 
Käyserl. Ambassadeur VOll St. Peterslmrg, traten bey dem Herren LandVogt 
von Brockhausen ab und nachdem Selbige den m ten dorten zu Mittage ge- 
speiset, setzten sie ihre Ueise iiber Duna weiter fort. 
nen 2!Jstell ward Ihro Kayserl. Hoheit des Orosz

i'tr8ten und Hertzogs von 
Ho1stein N'ahmens1'ag alhie feyrlich und von Sr: IIochGräß. Excellence unsern 
Herren General-Gouverneur Grafen Lat;y zu Mittag herlieh tractiret. 
Den 1 Julii wurde von der Kayserl. verordneten Commissioll das Heg1e- 
ment für die Brauer-Compagnie Verwandte in Gegenwart der AIterleüte und 


I) Vgl. Ende Miirz. 


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154 


Sehievelbeins 


1748 


Beysitzere zu Schlosze ihnen vorgelesen, und der Eyd für die Brauer-Knechte, 
welchen sie bey dem Recognitions-Gerichte abzuschwercIl haben, mitgcthcilet. 
Den 4 Julii wurde wegen Riga Ubergabe zu Schlosze das compliment ab- 
gestattet, aber nicht tractiret. 
Den 14 Julii ward 11 Uhr 54 Minuten bisz 1 Uhr 50 Minuten von dem 
Monde bedecket und schiene die Sonne bisz auf 1/ 12 'fheil verfinstert zu seyn. 
D. 3 August ist die Stadt Wenden in IJiefland durch Unvorsichtigkeit eines 
Böttchers, wo das Feur ausgekommen, gantz eingeäschert und sind tlber 30 
lIfenschen umgekommen, die Wendische IJaudGerichts Acta, Protocolla und Do- 
cumenta nebst dem GerichtsNotair Georg Albrecht Pegau; wie auch des Wen- 
dischen Ordnungs Gerichts Documenta alle verbrandt. 
Den 5 August llIub halb 11 Uhr in der Nacht entstand hier ein starckes 
Gewitter von nonner llIal Blitz, davon 2 SchiltlWachten auf Sand-Rondel und 
ein in der Citadelle auf den Wallen erschlagen, aber sonst Gott lob kein Schade 
geschehen. 
D. 6 und 8ten sind in der Stadt und V ori:!tadt alle Badstuben-Ofen versie- 
g(
lt worden auf eingegangene Rescripta vom General-Gouvernement, welche 
hisz den 10 Septembris in statu qvo bleiben sollen 1. 
Den 11 ten aber sind auf Bewilligung Ihro ReichsGräß. Excellence des 
Herren General-Feld-Marschall und General-Gouverneuren Graf Lac;y die beede 
]Jublique Badstuben bey Erxleben und Stegelin Wittiben wieder in der Stadt 
geöffnet und 2 in der Vorstadt gleichfals zu gebrauchen nachgegeben worden. 
1). 19 Augusti hat der Herr SeCl'etaire von Wiedau, nachdem Er seine 
Gesundheit wieder erhalten, den V ogteyl. Gerichts SecretariatsEyd in Senatu 
geleii:!tet auch den folgenden T1tg sein officium ordentlich abzuwarten den An- 
fang gemachetl!. 
Den 28sten ist der neüe Altar in der Duhm Kirchen zuerst gebrauchet 
und durch den Herren Pastoren Skodeiski ordentlich eingeweihet. Seinen In- 
troitum hatte I
r aus dem 20sten und 27 sten Capittel des 2 Buches Mosis ge- 
nommen und in der Tractation übel' das Sonntägliche l
vangelium stellete EI' 
den geistlichen Altar Christi und den Gebrauch des irdischen Altars vor. 
S. 138 Hen 4 ten Hertem bris ist Rahts und CaJllmerH err Samuel Fellmann, welcher 
den 28sten Augusti gestorben, als Kayserl. bestallter Rittmeister der beeden 
nürger-Compagnien zu Pferdes mit seinem befederten Huht und hlancken Degen 
auf dem Sarge, von 8 Cor]Jorals in voller mondur, Federn auf den Hühten und 
schwartzen ManteIn umgehaugen au::! seinem Hausze umL halb 11 Uhr mit V 01'- 
gehung der Schul und Priesterschafft nach der 8t. Petri Kirclle getragen, hinter 
denen Traurigen und mit langen Mantelll folgenden, traten die beeden Com- 
pagnien der Biirgeri:!chafl't mit ihren Officires. In der Kirche wurde heyrn Bin- 
gang wo die Stadt Wache von 2 Unter-Officires uud 8 Manne im Gewehr stundeu, 
mUi:!iciret, 2 'l'odten- Lieder gesungen und zulctz eine parentatioll im Rahtsstllhl 
vor denen im 'l'rauer gefolbrten von dem Herren lJiacono VOll Bssen erbaulich 
gehalten. Sein Hegen und Huht ahcr hei Niedersetzung des Sarges VOll zwenen 
Officim'es der BÜ1'gerschafl't nemlich IJieutenant EItesten JohaJIl1 Adolph Holst 
und Cornet Hiefeld abgenommen, d1t sie, die zur reitenden Bürgerschafft gehö- 
reten, durch die Kirche den Traurigen vorLey ihren Abmarsch nach des W ohl- 
Beel. 'l'rauerHausz nahmen und dOl.ten auseinander gingen. 


J) Wegen BClufiilligkeit. Vgl, RP. v. 8. Aug. u. 12. St'.pt, 1748, PI. B. 130 S. B If., S. 133. 
I) Vgl. 1748 März 7. S) B. II 401. 


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1748 


Tagebuch. 


155 


Den 5ten wurde alhie Ihro Kayserl. Maytt. Nahmclls-Fest solcllniter gefeyret 
und zu Schlosz von Sr. ReichsHochGräfl. Excell: dem Herren General Feld- 
)Iarechall und General-Gouverneuren Graf de La«;y zu Mittag tractiret. 
Den 20 Septembris kahm der Herr Oberster Baron Gustav von Höpken 
al8z Schwedischer Envoyee von Bedinschen Hofe alhier an und giug in selbiger 
qvalite den 22steu weiter nach St. Petersburg. 
Deu 8 Octobris kahm alhie der Herr CammerHerr Graf Gollofkiu mit dem 
Hcrrn Professore l\[ula aus Bediu, nachdem Er in Eugell- HoHand und Franck- 
reich über 4 Jahr sich aufgehalten in Riga an und setzte den 15. ejusdem seine 
Reise nach St. Petersburg zu retourniren fort. gr war den 14 mit auf dem 
schwartzen Haüpter- Hausze, das Concert mit anzuhören, welches alle Freytage 
aldorten gehalten wird und den 30 Sept. angefangen ist. 
Den 3ten traft' der Herr Rahts- und AmbtHerr Carl Johann von Zimmermann 
aus 'I'eütschland aus der Bade-Cur hier wiederumb ein. 
Dcn 268ten wal'd der Herr RahtsHerr v. Zimmermann VOll den Herrn Land- 
Vogt v. Bcnckendorff auf das Rahthausz gefiihret, allwo ersterer den Rahtl\lann 
Byd in pleno consessu Scnatlls geleistet hat und seinen Sitz genommen. 
Den 26sten Octobris Abends umb halb 7 Uhr ist die
'ürstl. Leiche des S. 139 
General Feld-Zeugmeisters, General en Chef der in Dei'ltschland rnarchirenden 
Uuszisch KaysCl.I. armee von 35000 l\Iann" wie auch General Directeur des 
Ingenieur und Cadetten Corps, Ritter vom Alexander Newsky Orden Fii.rsten 
Wasili Repnins Leiche in der Still alhie eingebracht und den 29sten in der 
neiierbauetell Ruszischen Kirche eingesencket worden. 
Den 19 Novembris hlngte der Herr CarnmerHerr und Schwedische Envoyee 
Wulffenstierna aus St. Petersburg alhie an und 
den 22sten 
jusd. wurde von Spencer, .Wale & Compagnie auf dem schwartzen 
Haii.pter Hausze Ball gegeben, woselbst Se: ReichsGräfI. Excellence der Herr 
Gcneral FeldMarschall Graf Lacy nebst seinem Herren Sohn, der Herr General 
Lieutenant vou Call1}Jenhausen, dm' Herr schwedische Bnvoyee, die Herren 
RegierungsRähte, LandRaht von Krudner, f) aus dem Raht etc: etc. nebst 
Dames u. Fraiilein zugegen gewe8en. 
Den 22stcn morgens frühe reisete der schwedh!Che Envoyee 'Vul1l'enl:!tierna 
,'on hier ab Ulub seine Tour nach Rerlin fortzusetzen. 
Den i4 wurde Ihro KaY8erI. Hoheit Nahmens-Tag Catharina in der Kirchen 
und auf dem Rahthause mit MUl:!ic gefeyret, 15 SchüRze von den Wällen abge- 
fcih'et und am Abend iiberall i1luminiret. 
De8g1eirhen geschahc den 25. 26 und 27 als 1. h. 
1. Gelangung zum 'I'hron 
einfiel u. des }[ittags aurm Schlosze tractiret und ulllb 5 Uhr ging das Concert 
auf dem schwartzell lIaiipter Hausze an, 80 den 20stCll Lisz halb 9 Uhr hey 
ziemlich zahlreicher Ver:,Jamhmg VOll Harnes und Cavallieres wührete. 
Dcn 2 Hecemhris kahm der Herr Caullned[crr und Ritter (]es Alexander 

ew:,Jky Ordl'n8 l
raff Bestucheff mit seiner Gemablill und svite Ulub 12 Uhr 
}[ittag8 aus Dcutschlanll hier an, kehrete bcy Joachim Schroeder in sein vorhin 
gewesenes Qvartier ein, spcisete zu Mittage auffm Sclllosze, von dannen kahm 
S. BxceU. im Concert auf dem schwartzen Haiipter Hausze, allwo Selbige bisz 
7 Uhr verweileten uud hey dem Herren RegierungsRath 2 von Bayer auf ein 
souper .verfügten und Uluh )[itternacht die Reise nach St. Peterslmrg fort- 
setzten. 


1) Vy1. 1748 Febr. 24. 


!) Rntb feltlt. 


Il1o...-
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156 


Schievelbeins 


1748-49 


Den 31 Decemhris langeten Se. Excell. der Preiiszische Envoy
e Graf Finck 
vou Finckeustein aus St. Petersburg hier an und proseqvirten ihre Reise den 
folgenden Tag gegen Ahend. 
1u diesem .Jahr sind 375 Schiffe eingekommen, uud 383 Schiffe mit denell 
H3, 80 1747 Winterlage gehalten, ausgegangen. 
218 Kinder getaufft, 130 Leichen in den 3 
tadt-Kirchen beerdiget uud 
5
 Paar copuliret worden. 
174H. 
Den 10 Januarii wurde VOll dem Herren Ober-Pastore Schultz die JU8tice- 
Predigt üher die Worte des 1 Capittels des 5 teu Buches Mosis im 17 vers die 
Furcht des Herrn dem Ohrigkeitl. Staude hauptsächlich eingeschärfret. Keine 
Person sollt ihr im Hericht ansehen - deml das Gericht-Ampt ist Gottes. 
S. 140 Rodem ward am Tage der Eröffnung des Kayserlichen HofGerichts ordi- 
uairer Gerichtshegullg in der St. Jacohi Kirche gehalten die Gerichts Predigt 
von dem Herren Sielmann , Pastore zu Dahlen über die Worte Il Corinth. V. 
v. 10. Wir müssen alle offellbar werden, vor dem Richter-Stuhl Christi, damit 
ein jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat, bey Leibe8Leben, es sey gut 
oller böse. Woraus zn betrachten vorgestellet wOl'(lcn: das allcrvollkommenste 
Gericht am Bnlle ller Welt. 1) auf deszen lleschaffclIheit uud 2) auf den End- 
zweck deszelben. Der Schlu8z: lIerr Jesu! wenn ich vor Gericht soll treten, 
da man nicht entfliehen kann, ach so wollest du mich retten, uud dich meiner 
nehmen an, du allein Herr kanst es stöhren, dasz ich nicht den Fluch darf 
hören: IIn' zu meiner lincken Hand, 8cyd von mir noch nie erkandt. 
Den 24::!ten Jannarii wurde die Hochzeit des Herrn Capitain Friedrich 
Wilhelm Patkul mit der :Fraülein Ulrica Eleonora lle la Barre anf dem Schlosze 
zu Riga gehalten, woselbst der Herr Sielmann, Pastor zu Dahlen die copulatioll 
mit einer Stand-Rede verrichtet. 
Den 7 Februarii wurden 7 neü erwehlte Eltel!ten der schwartzen Haüpter 
auf dem Neüen Hausze morgens aufgeführet und gegen 5 Uhr ein prachtigel' 
Ball gegeben woselbst sie hisz 5 Uhr des andern Morgens getantzet und lustig 
gewesen sind. 
D. 14 Martii ist von der verordneten Commission, worin die beede Hcrren 
Hegierullgs-Rähte, ich und der Herr OberCammerHerr Grave geseszen und der 
Herr GouvernementsSecretair D. Hausdortl" das ProtocolI geführet, das gefäIlete 
Urtheil zwischen dem Herren LandVogt von llrockhausen und dem Herren In- 
spectori Reimers etc., zu Schlosz publicil'et worden I. 
Den 25 :Martii kahm der Chur-Sächsische Residellt und Cantzelley Raht 
Petzold aus St. Petershurg alhiel' an und setzte des andern Tages nach Sachsen 
seine Reise fort. 
DenseIhen 25sten Tag dieses l\Ionahts solte Ulan :Nlariae Verkiindigungs }'est 
gefeyret haben, aher, weiIell die )larter-'Voche war, wurde die Begehung des 
Festes auf den 28sten als am Oster Dienstag, nach der KircIICn Ordnung verlegt. 
D. 8 April fing 11mb 8 Uhr Abends das gis in der nuna an zu gehen. 
D. 10 ejusd. halJe in den Buden Maasz nnd Gewicht übersehen 11. 
n. 1 .Jnnii hat man den Rahtshaul!zThurm ahzureiszen angefangen und damit 
10 T age contiun iret, dasz nicht:-J mehr d:tvon zn sehen gewesen 3. 
I) Vgl. Ja'. v. 28. April 1749, Pl. B. 131 S. 294 n: 11) Vgl. B. 1L 545. S) Vgl. 17'50 
April 27. BHtR., 
\{anll,jJkril)te, Rigensia 30 (2590) 40: "Dus alte Ruthhausz ist 1749 abgeriszen 
und Anno t 750 nach dem gemachten Risze des Herrn Ingenienr ObristLieutenallt von Ottinger 
wieder VOll neüem aufzubauen angefangen, nachdem die Grunupfähle dazu gescblagen worden."
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1749 


'l'agebuch. 


1M 


D. 7 .Junii kahm der Herr Geheimhte Raht, Ritter von St. Alexander und 
Audreae Orden Baron von Munnich von seinen Gühtern ans Liefland seiner 
Gemahlin nebst Frnült'in Toehter so per mare aus Lii.heck ankahmen, entgegen, 
besahe den 9ten das Rahthau::!z, beydt' Güllle-Stuhen, wie auch den lOten das 
schwartze Hai'lpter Hal1sz, allwo seine Gemahlin FraiHein '1'ochter und andere 
Standes Persohnen sich auf ein nall hisz 10 Uhr Abendes divertiret und trac- 
tiret wurden. 
D. 7 Julii uieses 1749sten Jahres ist die I
inweyhung des Campenhausischen S. 141 
Convents 1 durch eine Hede von dem Herrn Joachim Fanter Diacono bey der 
St. Petri Kirche unu Prediger hey diesem Convent in Gegenwart der Herren 
Inspectoren und Vorstehern, auch vieler ansehnlichen MitGlieder heyder Stände 
geschehen und zum Introitu genommen die Liehe gegen Gott und die Liehe 
gegen den Nächsten aus dem Matth: xxn. v. 37. 38 & 39. Der Text aus 
.Jesaiae LVIII. woraus zur Betrachtung vorgestellet: die wahre Liebe gegen die 
Arme, alM ein Kennzeichen der wahren Religion. Ehrstlich worin diese wahre 
J .iehe gegen llie Arme lJestehe und zweytens: "'ie die::!elbe ein Kennzeichen der 
wahren Religion sey. 
D. 27 Julii hat der Herr Artillerie-Major J
uka Wnukow, der in der Cita- 
dclle bey der Cron-Artillerie in Diensten gestanden, und der Herr Corneliu::! 
Borosdin zum OhristLieutenant avanciret worden, anch bey der Crone in der 
Rigischen Citadelle das COIßmamlo erhalten, seine function angetreten und 
ordentlich den vorgeschriehenen I
Yll in Gegenwart der Herren MunsterHerren 
und Herrn Secretarii geleistet. 
Den 1 sten Augusti ist des Herren Stadt-Physici H. Himsels bewohntes 
Hausz nebst Apotheke, wie auch die andere Haüszer' neben dem Rahthausze 
abzubrechen ein Beginn gemachet und damit bisz auf den Grund einzureiszen 
continuiret I. 
D. 25sten ward der Grundstein zu einer steinernen Kirche in der Olein 
geleget, wobey der Herr LandVogt von Brockhausen, der Herr Ober-Wettherr 
Bewehrt alsz Inspector der Patt'imonial-Giiter, der Herr LamlV ogteyl. Gerichts 
Secretair Schick nebst beeden respective Herren Alterleüten zugegen gewesen. 
D. 29 Augusti ist ein bekehrter Jude in der Thmu Kirche von dem Herrn 
Oher-Pastore SchuItz getauffet, da der Herr Pastor Gösche aus der Vorstadt 
die f'riihe Predigt gehalten. 
Diesen Sommer haben wir eine extraordinaire Diirre gehabt, dasz alle 1110- 
rüste und Graben ausgetrucknet und die meisten l\1iihlen wegen Mangel des 
\Vaszers stille stehen müszen. 
Von den 19sten Augusti hisz an den 1 sten Septembris sind in der Stadt 
50 Stiick Kühe umgefallen ohne die in der Vorstadt: auf Jungfern-lIof und iiht'r 
nuna mitzurechnen. 
Von den 1 sten Septemhris bisz ultimo sind abermahl 55 .Kiihe an eiuer 
Seii.che umgefallen, welche im October M:onaht noch contiuuiret hat s. 
D. 14 Octobris ist die Flosz-Bri'lCke wegen der eingetretenen Külte nhgp- 
nommen uud nach dem Graben in Sicherheit gebracht worden. 
n. ao Oetobris bahe die Kellern alle, worimwn die Ruszen ihre Apfl'eln 
halten, wegen Verwahrlmmng des Feih's, versiegeln lnszen, hierauf haben sich 


1) Vgl. 1746 Fefyr. 28. ,) Am Rande: Auno 1749 mn lsten Juuii Ist der Aufang 
zum neiien Rabtbausz mit AhbrechunK der daneben stehenden alten Haüszer gemachet, welchelil 
vom Jahr 1596 an gestanden hatte. S) Vgl. 1750 Aug. 14.
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158 


Schievelbeins 


1749-50 


5 derliclhcn per supl'lieun :tn d.u:I General-Gouvcrncmcnt gcwandt und dic ]'-'rey- 
heit d. 3 Novemhris per Heseriptum crhalten, noch dieses Jahr ihre Äl'fl'eln 
hisz zum Thor-Sehlusze darin feil bietheu zu können, ahm' forthin nicht mehr 
in der Stadt sich in deuen Kellern auffzulmlten gehohten. 
S. 142 D. 1 sten Novemhris ist der Cautzelley Yerwandter Gottfried Berens iiher 
J!'innland und St. Petersbnrg aus Stockholm nach ahgelegter Deputation alhier 
angekommen 1. 
D. 4ten Novembris kahm der Englische l\Iinister Melchior Guydicken iiher 
Dresden und Berlin, Uluh den Mylord 
rollIl HilHlfol'l1 am Ruszischen Hofe alsz 


nvoy
e ahzulösen, alhier an und setzte spine Reise hald nach St. Peters- 
hurg fort. 
Desgleichen der Herr Baron Joha11l1 August Greifenheim aus Schweden 
des Herren Baron JIol'kenli Stelle, der in l\Ioszcau Todes verhlichen, am Ruszi- 
schen Hofe zu vertreten, alhier eingetroffen. 
D. 13. Abends langete der Englische Amhassadeur Mylord EIindfort, Ritter 
vom Diiszeln Orden tiber St. Petershurg aug l\Ioscau vom Rl1szischen Hofe, allwo 
Se: Excellence sich 5 .Jahr aufgehalten hatte, alhie an und war hey dem Meckler 
Godfried Berens in der l\brstall-Strasze logiret. 
D. 20sten Novembris stattete Godfried Berens von seiner schwedischen 
Negotiation in Stadt affaires schrifftliche Relation im sitzenden Rahte ah, nach- 
dem solche verlesen und bepriifet, ward Ihm der 'ritel eines Secretarii wegen 
seines guten Betragens und angewandten Fleiszes yon Em. W ohmdien Raht 
unanimi consensu conferiret 2. 
D. 12 Decembris ist deszen Bruder HomiIlUs Advocatus Gustav Berens, 
wegen seines Vergehens' gegen seinen Herren Sc1nvager den lJ erren Gerichts- 
Vogt Stöver und seinen BrLldern den Herren Secretair und Hans Hinrieh Berem:l 
Eltisten der schwartzen Haiipter mit 2 Stadt-Soldaten anfänglich auf seiner 
Stuben und auf weitere instance IJeym V ogteyl. Gerichte arrestirt s. 
nen 15ten auf geschehene Vorbitte gedachter seiner l'reimde gegen Jurato- 
risehe Caution de non ofl'endendo seines Arrestes entschlagen. 
In diesem 1749sten Jahr sind in denen Stadt Kirchen getaufft 217 Kinder 
beerdiget 124 Leichen und öl Paar copuliret. 
Einkommende Schiffe dieses 1749sten Jahres sinu 458 und ausgehende cla- 
riret 460, worunter Winterlagere von Ao: 1748 8. Bleiben annoch auf das 
Jahr 1750 Winterlagere 6 Schiß'e. 
Seit August Monaht haben in der Stadt alhier Qvartier gehabt der Herr 
General Major Braun, Streggeneff und IJieven, so sonst mit in der Campagne 
gewesen sind. 


1750. 
Ao: 1750 d. 9 Januarii hielte der Herr Ober-Pastor l\L SchuItz die Gt'setz- 
Predigt und hatte zum Introito den 10 v. aus dem Propheten Jeremiae am 
48sten Cap. dpn Text aus dem 82 Psalm und sein Bxordium aus dem Rom. 12 v. 8. 
S. 143 n. 17. kahm der. dänische Minister Graf LYlIar Cammel'lIel'r und Ritter 
des Dannenbrockschen Ordens alhier an und war im Stadt-Gasthausze logiret; 
hatte seinen Sohn, der Cammer-Juncker seyn soll, mit sich und ging den HI Ja- 
nuarii nach St: Petersburg. 


1) Vgl. 1747 &l)t. 5. 2) Vgl. 1749 Nov. 1. 
Seiten mit der RlIndbtmti:rku1Ig: wegell Auv. Bereus. 
desperate Bändel betreffend. 


9) In PI. B, 132 S. 392-396 leere 
1m BegilSter: AdvQcat Gustav Derens 


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1750 


Tagebuch. 


159 


Den 20 Janual"ii ist dcr IIcn' Gmf 8anty Obcr - Cercmunicn- Mci8ter aus 
8t. Petersburg wegen eines habenden Processes beym KaY8el'l. HofGericht mit 
dem Herrn CammerHerrn Sievers hier eingetroffen und den 22sten im Stadt- 
Gasthausze complementiret worden. 
Den 21 Februarii ist das Eisz in der Duna gebrochen und df'n 26sten 
darauf mit schneller Fluht vollends ausgegangen. 
Den 12 Martii ist der Preiiszische Minister Baron GoItz alhier angelanget 
und im StadtGasthausze logiret gewesen, auch bald darauf nach Berlin vom 
Ruszisch-Kayserl. Hofe zurückgegangen. 
D. 16 l\Iartii ist der Kgl. Dänische Minister, CammerHerr und Oberster 
Herr Cheuse von St. Petersburg alhier eingetroffen und den 20sten wiederum 
ahgereiset und bey EItester Paul Wa.gler in der 2ten Etage logiret gewesen. 
D. 20sten ist der Sächsische Minister Aruim mit seiner Gemahlin alhie an- 
gelanget umb nach St. Petersburg abgehen zu können, sind bey Gottfried Bereus 
logiret gewesen und den 26 l\lartii aufgebrochen, 
Den 30Hten l\{artii ging bey Ern. HochEdlen Raht eine Ordre ein, dasz der 
Herr Artillerie l\Iajor I.uca Wnukow in der Citadelle und der Herr Capitain 
l\1iron Galidow aus Narva hier nach Riga bey der Stadt Artillerie conllllandiren 
solle und von den 1 sten Martii seine gage zu empfangen hat. Der Herr Obrist 
Lieutenant llorosdin, weil der Herr Obristl..ieutenant Caro gestorben, bey dem 
Feld-Etat employiret worden sey. 
Den 27 April sind die respective Herren Altermäuner und EItesten groszer 
und kleiuer Wilde wegen Ubergebung ihrer Gravaminum und Relation von 
ihrer gehaltenen Fastnachts Zusanlluenkunfft auf den neii aptirten Rahthausz 
zusammen gekommen!. 
Den 30sten April ist der neüe Stadt Artillerie Major Herr Simon Wurzow 
aus Narva alhier angekommeu, 
Den - May in Gegenwart des Herren Blll"gerMeister Berens des Herl'en 
Muster-Herren Theodor Hinrich von Dreiling und des Herren Secretarii Schick 
in Eyd genommen und zur Commando der Stadt Artillerie Bediente vorgestellet 
worden. 
Den 14 Augusti ist das Vieh sterben in der Stadt und Vorstadt wieder 
angegangen und bisz an den 25 h. m. 17 in der Stadt crepiretl!. 
Den 23 Septembris sind die willkiihrliche Gesetze zum ersten mahl aus der 
neü über die Duhm Schule aptirten GerichtsStubenFenster an der Ecken abge- 
lesen und übel' derselben nach Verlesung musiciret worden. 
Den 20sten Octobris ist die Flosz-Brücke abgenommen und in Sicherheit s. 144 
gebracht worden. 
D. 6 Novembris ist in seel. Christian Thomae Hausz bey der Kii.ter-Pforte 
umb 5 Uhr Abends in Brand gerahten und inwendig ausgebrandt, doch hat das 
Peiir GottIob wegen der guten Anstalten nicht weiter umb sich ge
riffen. 
Den 18sten ejusd. i8t das Rennekampffsche Hausz worinnen Gotthard Chri- 
stian Hartmann zur l\1iethe wohnete, umb 6 Uhr Abends im dritten Hoden 
mit Feür heimgesuchet, und der Giebel nach der kleinen Strasze zu einge- 
schlagen, aber Gott sey Danck! kein Mensch dabey sonderlich zu Schaden ge- 
kommen. 
Von den 4 Angusti bisz den 3 ten N ovembris sind in der Stadt HO und 2G 
Stiick Horn-Vieh umgefallen und crepiret, davon del' mehreste 'l'heil Kiihe 


1) Vgl. 1749 Juni 1. 


11) Vgl. 1749 Sept. 1. 


--
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160 


Schievelbeins 


1750-51 


gewe8en, uoch sind bisz den 19 .Junuarii 1751 in der Stadt umgcfallen 11 und 
in der Vorstadt 1 Stiick also in der Stadt 121 und in der Vorstadt 27 Stiick I. 
Den 20sten Decem\Jl'is ist dcr Ruszisch Kaysel'], Minister Herr Gross aus 
Rerlin und bald darauf del' Pl'eiiszische l\Iinister Herr \VarendOl'p aus St. Peters- 
burg alhier passiret und so eil\jeder wieder nach seillClll Hofe zuriickgegangeu. 
Den 30 ist der Römi8ch Kayserl. gevollmächtigte Dohtscbaffter alhier mit 
dem Grafen CoUoredo hier ankommen und hat der Herr LandVogt von Brock- 
hauscn den Herreu General Breitlach hey sich in Qvartier genommen, Colloredo 
aber hat bey Bessien gestauden. 
Iu diesem Jahre sind 448 Schiffe eingekommen und 445 ausgegangen. 
Winterlage aber werden 7 Schiffe aUlier halten. 
Im znriickgelegten 1750sten Jahre sind HJ7 Kinder getaufft, 51) Paar copu- 
liret und in dreyen StadtsKirchen 117 I..eicheu heerdiget worden. 


1751. 
Den Sten Januarii ist von dem Herren Oher-Pastore SchuItz die Justice- 
Predigt iiber den 3. 4 und Gten vers des 11 ten Capittels Jesaiae, woraus Er 
die Nachfolge Christi vorgestellet 1. im Wandel, und 2 im Thun. 
Den 19 Januarii wurde des seel. Brocks BÜrgers und Meisters im Loh-Gärber 
Ambt J
he-Frau mit ihrem Sohne wegen Diebstahl am Pranger gestrichen und 
der Stadt verwiesen. Die Töchter aber weil sie noch nicht 20 Jahreu auf 2 
Jahren im Zuchthau8ze gesetzet umh sich zu beszern und hernach die Stadt zu 
meiden. Im gleichen ein altes Weib, so da in Diensten gewesen, auf 1 Jahr 
im Zuchthausz ihr Brodt mit Arheit zu verdienen, condemniret. Und dieses 
alles nach gehaltener weitläuftigen Inqvisition beym LandV ogteyl. Gerichte. 
Den 17 Februarii ist des seel. Proto-Notarii Johann Urave hinterlaszene 
Frau Wittibe, gebohrne Anna Maria Fuchs begraben, so 90 Jahr 1 Monaht und 
20 Tage erlebet. 
Den 21 sten ist der Herr Stadt-Physicus Doctor HimseI mit seiner Frauen, 
umb seine Gesundheit im beszerm Stande zu setzen, nach dem Emser warmen 
Bad gereyset t. 
S. 145 Zwischen den 15 und 16sten Martii ist das Eis in der Duna bey der Stadt 
gebrochen und hat ohne groszes 'Vasser seinen Fortgang nach unten genommen 
ob wohl wir für sehr groszen Schaden besorgt gewesen. 
Den 16sten April ist das Commissions-Urtheil zwischen E. lohl. Stadt Cassa 
CoUegio und dem Herrn LandVogt von Brockhausen wegen J ungfel'll Hof 
aufm Schlosze publiciret und den 19 ten der Stadt die Immission von selbem 
Guht geschehen s. 
Den 19sten April sind Ihro ReichsHochGräft. Excellence der Herr General- 
Feld - Marschall, General - Gouverneur Über Lief'land Ritter vom S. Andreas, 
Weiszen Adlers und Alexander Newski Orden Graf Peter Lac;y4 zwischen 4 und 
5 Uhr morgens 'l'odes verhlichen, welcher Ao: 1678 d. 29 Septembris gebohren. 
Es ward vou G lJisz 7 Uhr Murgens gleich mit alleu Glocken gelaiitet, des Mit- 
tags aber von 12 bisz 1 Uhr alle 'l'age so wohl in der Stadt, alsz auch auf dem 
[..ande in allen Kirchen 3 Wochen lang bisz an den 3 May gelaiitet. 
Den 20sten ist Se. HxceIlence der Käyserl. Ambassadeur Graf Hernes ans 
St. Petersburg alhie angekommen bey dem lIen'en I
andV ogt von Brockhausen 
I) noch sind u. s. 'w. UIIl Ramie. Vgl. 1749 I:1ept. 1. 2) YgI. 1751 Mai 14. 8) Den 
16sten April U. 8. w. um Rande. Das Urteil fehlt im RP. v. 22. April 1751, PI. B. 135 S. 186, 
4) B. 11 268. 681. 


....
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1751 


Tagebucb. 


HIt 


abgetreten und biHZ dt'n :.m sten gebliehen, da dieselbe ihre ReiHe nach DcütHch- 
land weiter fortgesetzet. 
Zwischen den 2ten und 3ten May in der Nacht ist die Leiche Sr: Hoch- 
ReichsGräflichen I
xcelleuce des Herren General-Feldl\farschalls, GeneralGou- 
verneur des Hertzogthumbs J.iefland, Obristen iiher ein Regiment-Cuirassiers, 
des n. Andreas, 'Veissen Adlers- und H. Alexander-Newsky-Ordens Ritters des 
Heil. Römischen Reichs Grafen Peter von La
y in der Stille iiber Duna nach 
ScllOenberg ahgefiihret worden ohne dasz Selbte alhier zur parade auffm Schlosze 
auszgesetzet gewesen und hat die Frau Wittibe erst den 29sten April die con- 
doleance angenommen. 
Den 11 May hat Anna Catharina Krahn in pto. denunciati Infanticidii ihr 
Urtheil dergestalt empfangen, dasz sie 6 Jahren ins Zuchthausz ihr Brodt mit ar- 
beiten verdienen und nach Verflieszung derseihen die Stadt und deren Terri- 
torium meiden soll, ihr Oheim Gottfried Groskreutz, bey dem sie im Bausze 
gewesen, 50 Rthlr. Alherts dem Hospital zum Besten erlegen und die Ring- 
muthsche hinkünfftig sich aller Weibercuren bey Strafe scharffer Ahndung ent- 
halten solle, aber weil sie bereits lauge inhafftiret gewesen, nunmehro mit fer- 
nerer Strafe übersehen und loszgelaszen worden. 
Den 14 May kahm hier die Nachricht, dasz der Herr n. und erster Stadt- 
Physicus Gebhard Himsel auf seiner Reise nach dem warmen Bade in Franck- 
fm'th am Mayn den 14 May st. n. zwischen 2 und 3 Uhr morgens mit Tode ab- 
gangen und seine mit sich habende Frau in den hetriihten WittwenStand 
gesetzet 1. 
Oen 15 Juuii ist Conrad Stills Eltisten der klo Wilde Ehe-Frau gebohrne 
Riegerin Urtheil wegen des gröblichen Attentati wieder ihren Ehemann publi- 
ciret, dasz sie auf ein halb Jahr im Gefängnisz die erste und letzte 14 Tage 
auf Wasser und Brodt sitzen und hernach Kirchen-Sühne thun solle'. 
Den 1 sten Augusti ist der Herr General-Major und OherCommendant von 
Saltza in der Citadelle am Stückflusz gestorben und gantz in der Stille bald da- 
rauf begraben worden. 
Den 25sten 
ept. zwischen 8 und 9 Uhr Ahend ist ein Stuhlmacher-Gesell 
Pohlmaun von einem BaderGesellen Michael Petersohn hey Neustädts Convent 
durch einem Degen Stich zur Erden niedergefallen 9. 
Den 30 sten Octobris ist die Flosz Briicke abgenommen und nach den 
Graben gebracht. 
D. 25 Novembris ist I. K. M. Gelangung zum Thron solenniter gefeyret 
und der Herr General Brilli hat den Tag tractiret. 
n. 14 Decembris hat der hiesige Scharf-Richter Michael Cardiual ein Ur- 
theil bekommen, dasz er 200 Rthlr. an das Hospital zu St. Georg, 25 Rthlr. au 
Joh. Friedr. Langerhans und 10 Rthlr. an Andres Oseling zahlen, seines Diensts 
entsetzet und der Stadt Bohtmäszigkeit meiden solle. 
Den 20 Decembris kahm der Kgl. Dänische Minister Graf Lynar umb 8 Uhr S. 146 
hier an und wnrde bey der verwittiebten LandVogtin von Benckendorff logiret, 
woselbst derselbe auch gespeiset. 
Den 21 ejusd. bekahmen!) Persolmen wegen Diebstahls ihr Urtheil. 1. Ursula 
Johannsohn mit 15 Paar Ruhten und .Anna Luppmann mit 12 Paar Ruhten am 
Pranger gestrichen zu werdeu und der Stadt Bohtmäszigkeit auf ewig zu raiimen, 
Anna Gaile auf ein Jahr im Zuchthausze zn sitzen und mit !) Paar Ruhten vor 


1) Vgl. 1751 .l!'ebr, 21. 


11) Vgl. 1752 Juli 1? 


8) Den 25 Sept. u. 8. W. mn Rande. 
11
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162 


8chievelbeills 


1751-52 


der Thür empfangen zu werden, Anne Kalning gleichfal! 5 Paar Ruhten und ein 
viertel Jahr, wie auch Eliesaueth Andresen auf 1/4 Jahr im Zuchthausz zu sitzen 
ulld ihr Brodt daselbst zu verdienen. Die Execution am Pranger wurde durch 
den Scharf- und Nach-Richter von Mietau Christian Nicolaus Fischer bestellet. 
Den 24sten sind Se: Excellence der KgI. Dännemarcksche Envoye Graf 
Lynar Ritter des Dannenbrokischen Orden und Cammerherr 11mb 9 Uhr Morgens 
von hier ab nach Deütschland abgereiset, weil der Envoye Maltzahn Ihm in 8t. 
Peterslmrg abgelöset und bereits vor seiner Abreise angekommen gewesen. 
In diesem 1751sten Jahr sind 4:20 Schiffe eingekommen und 4:21 ausgehende 
clariret, worunter 8 WinterLager hier halten werden. 
Vom 3ten Septembris bisz den lsten Octouris sind 22 Kühe und 1 Ochse . I 
in der Stadt umgefallen. Vom lsten OctohriFl bisz den 15tcn Octouris 8 Kiihe 
und 1 Ochse und vom 15 Octobris bisz den 17 Nov. 5 Kühe in der Stadt cre- 
piret, also in a7 Stück Vieh ausgeführet worden. 
In dem zm;iick gelegten 1751sten Jahre sind der getauften Kinder gewesen 
217, der Copulirten 60 Paar und in dreyen StadtKirchen beerdiget worden 
109 Leichen. 
In der Gemeine zu St. Georg und Gerdruht 90 Kinder getaufl't 19 Paar 
ehelich zusammen gegeben und 184 Leichen auf beyden Grab-Stellen beerdiget. 


Ao: 1752. 
Den 7 den Januarii wurde von dem Herren Ober-Pastore M. Schultze die 
Justice Predigt gehalten und zum Texte der 12te vers des 14 Capittels an die 
Römer geleget: EiDjeglicher wird für sich selbst Gott RechenschafU geben. 
Der Eingang war aus dem Mattheo am 12ten v. 36 genommen. 
Den 12ten wurde die Frau Rahts- und Wettherrin llarcIai de ToIli ge- 
bohrne Anna Stein üblicher maaszen alsz eine Rahtsherren Wittwe begraben. 
Den 8 Februarii ward Ihro Kayser!. Hoheit Gebuhrts Fest ordentlich gefeyret. 
Den 9ten gab der Herr Oberster von Vietinghoff ein Ball en Masque. 
Den 11 war Ball auf dem schwartzen H,tüpter Hausze. 
Den 20sten Martii fing das Eisz umb halb 3 Uhr Nachmittags vor der 
Stadt an zu gehen und continuirte so ohne groszes Waszer zu haben, welches 
nicht mahl bisz an den Bollwerck reichte. 
Den 21 sten :\'Iartii wurde das Fest Mariae Verkündigung, welches am 25sten 
einfiel, nach Anweisung der Kirchen-Ordnung alhie in allen Kirchen ordentlich 
gefeyret und dazu vorher am Sonntage die lntimation von denen CantzeIn nach 
der Predigt abgelesen. 
S. 14'1 Den 30 sten Martii als am zweyten Oster-Tage ist vor einen glücklichen 
Eisgang dem Allerhöchsten, da wir keinen Schaden in der Stadt und auf den 
lJölmen verspiiret, Preisz und Danck gesaget. 
Den Gten May ist die Flosz-Brücke über die Duna fertig geworden. 
Den 29sten Juuii hat der Herr General-Lieutenant und Ritter des Alexander 
Orden Lapuchin zu Schlosz tractiret und Ball gegeben. 
Den 17 Julii ist Conrad StiIIs Ehe-Frau, nachdem sie auf 10 Jahl' von Tisch 
und Bett beym Consistorio geschieden und Er ihr 60 Uthlr. ZUlU Unterhalt 
jährlich zukommen zu laszen vertheiIet worden, VOlU Uahthausze durch ihren 
ältesten Bruder lUOl'geus frühe nach des Kirsners Jacobi lIausz, allwo ]
l' eine 
Kammer für sie gemietet, mit der Wache abgefüLret I. 


I) Vgl. 1751 Juni 15. 


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1762 


Tagebuch. 


lß3 


D. 288ten .Julii i8t Kluge Altermann der kl. Giilde zur Leiche mit dem 
Liede: Ich hab mein Sach Gott heimge8tellet, besungen. 
Den 2 ten Allgllsti ist mtester Gerngross mit dem Liede : Wann mein 
Stiindchen vorhanden ist besungen und von 4 Eltesten beym Sarge begleitet, 
begraben. 
Den 9ten ist .Jungfer Knauert, alsz verlobte Braut des HerreIl Secretarii 
Depkin8 und Jungfer Diefeld mit dem Liede: Mit Pried und Freiid ich fahl' 
dahin, be8ungen hegraben worden. 
D. 1ü ist EItisten Magnus DOlllligers nachgelaszene Frau Wittibe eben wie 
Eltister Gerngross mit 4 Eltisten beym Sarge begleitet und mit dem Liede: 
Wenn mein StÜndlein vorhanden ist, besungen worden. 
D. 26sten AUl!llsti kahm gegen 10 Uhr Ahends in der Y orstadt unweit der 
Jesus Kirche Feür aus welches in der Nacht 25 Haüszer verzehrete und viel 
arme Leüte machete 1. 
D. 2 Septembris ging EItester Johallll Georg Schwartz von der groszen 
und Johaml Christopher Kleberg 1 Altermann der kl. Giilde als Deputirte der 
Biirgerschafft in Daniel Steinhauers Sache, welcher das Bürger-Recht zu erhalten 
suchet nach St. Petershurg ah, welche den 23. Novembris vom dirigirenden Senat 
eine erwünschte Ukase erhielten s. 
D. 3 Sept. hat Ursula Jaunsem eilles Liggers Jurre Kruse Ehe-Weib Nah- 
mens Margareth Stoeckel mit Gift'! oder Arsenico alho vergeben ulld ist den 
7 den zur Inqvisition vorgewesen 40. 
Den 18 Octohris ist Doctor und Ritter Johann Taylor 5 hier gewesen und 
den 20sten aus dem Stadt Gasthausze, allwo er logiret war, nach St. Peters- 
burg abgereiset. 
D. 24. und 25sten Novemhris haben Se. I
xcell. der Herr General Lieute- 
nant und Ritter von St. Alexander und Allllen-Orden Lapuchin zu Schlosz 
tractiret und Ball gegeben und zwar den letzten Tag en :Masque, da über 100 
Persohnen bisz in die MorgenStunden getantzet und gespielet. 
Carl Fellmann hat laut sein am 17 Dec. öffentl. verlesenes Testament 3000 
Rthlr. zum Glockenspiel auf S. Petri K. vermachet. 
n. 19 Decembris laut Senats Ukase ist der Capitain von der See-Flotte 
Stephan v. l\laelygin zum Capitaine von der Porte ernennet 6 . 
Den 20sten Decembris hat ein BaderGesell Michael Peters
ohn in der St. 
Petri-Kirche am Sonntage Kirchen-Sühne vorm Cohr stehend gethan, da der Herr 
Ober-Pastor Schultz zum Grunde seiner Rede den 24 v. aus dem 1
ten Capittel 
an die Ifebraer genommen und vorher das Lied: Erbarm Dich meill Ö Herre 
Gott und zum Heschlusz: Dein mut der edle Safft etc. gesnngen ward, ehe der 
Siinder mit den andern zur communion ging 7. 
In diesem Jahre sind 54
 Schiffe eingekommen, 543 ausgehende clariret und 
7 von 1751 Winterlage zu halten, nachgeblieben. 
215 Rinder getaufft, 52 Paar copuliret und 116 LeicheIl in 3 Kirchen 
begrabeIl. 


1) Den 26sten Augusti u. s. w. am Rande. I) i. O. Klebeck. S) VgI. 1753 
Jan. 17, 
"'Iastem(,1"IlkCl' Johcmn (nicht Danic1) Steinlwuer, ein Lette von Gebu?"t, hatte beim 
Senat geklagt, weil ihm die Aufnahme in die BÜrgerschaft verweigert worden U'Q1'. Um dagegelJ 
zu wirken, fL"ltrden Sc1twartz und KlebCl'g /tC/ch petersburg unter Zustim1llung des Rats gesandt. 
Vgl. HP. v. 19, u, 26. Aug. u. 2, Dt'z. 1752, PI. B. 137 S. 256 n:, S. 274 n: u. B. 138 S. 24 0'. 
4) VgI. 1753 Jun. 16. ti) Ein Augencl1'zt. ÜbCl' ihn eil£ BerMtt &1tievelbeina in BLR. 
Ms. 166 S. 617. 6) (jarl Fellmanu u. 8. w. a
1I Runde. 1) VgI. 17/51 Sept. 25. 
11* 


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164 


Schievelbeinil 


1752-53 


Der Herr Reinhold Johann Baron Meyendorft. ist Brigadier und Oher-Com- 
mendant in der Citadelle geworden den 25 April 1752 und hat im August alhie 
sein Dienst angetreten. 
S. 148 Anno 1753. 
Dieses 1753ste Jahr ist Gott Loh und Danck in gut!'r Gesundheit ange- 
fangen, der Höchste wolle ferner seinen Segen verleihen, dasz alle meine Ge- 
schäffte gli'lcklich von statten gehen und mein Gewiszen his an mein seeliges 
Ende rein behalten möge I 
Den Isten Januarii waren die gewöhnliche Curialien so wohl bey Sr: .Ex- 
cellence dem Herren General-Lieutenant und Ritter Lapuchiu zu Schlosze alsz 
auch bey Sr: DIll'chl. dem Herren General M:1:ior und Vi('p-Gouverneur Fiirsten 
Dolgorucki im Kloster observiret. 
Den 12ten wurde die Justitz-Predigt von dem Herren Oher-Pastore Schultz 
rlber die Worte Jeremiae am XXIX v. 7. Wenns ihn wohl gehet, so gehts eii.ch 
auch wohl, im Dohm gehalten. 
Den 16 ist der Ursula Jaunsem Todes Urtheil puhliciret, welche Jurre Kruse 
Eheweib mit Gift't vergeben und Er der Stadt zu meiden gerichtlich angewiesen. 
Den 17 kahmen Eltister Johann Georg Schwartz und Johann Christopher 
Kleeherg Alterrnanu der kleinen Gii.lrle aus St. Petersburg zurii.ck und brachten 
die Resolution, dasz der MastenWraker Steinhauer nicht zu Biirger ange- 
nommen noch giildefähig erkant worden, mit I. \ 
Den 11 Martii Nachmittags umh 
 Uhr ging das Eisz in der Duna vor der 
Stadt hey kleinem Wasser, die Nacht darauf frohr es und den 13 fiel starcker 
Schnee. 
Eodem den 13 starh der Herr Rahts- und Qvartier-Herr Diedrich Chri- 
stians und ward den 21 sten more solito & solenni mit einen schwartz Sammt 
ii.berzogellen Sarg in der Dom-Kirchen begrahen. 
Den 14sten April kahm von Witepski die erste Struse an, worauf den 16 
und 17 mehrere folgeten. 
Den 19 April ist die Flosz-Brii.cke ii.her die IHiua geleget und fertig geworden. 
Den 29 und 30sten hat es die Nacht starck geschneiiet. 
Deu 3ten May ist ein Examen publicum in der Cathedral-Schule angefangen, 
dabey Dominus Sub-Con-Rector Klemke und Collega Stegmann puhlice intro- 
duciret sind und den 7 den 4 Primaner ad altiora zu gehen dimittiret, da J!'röhlig 
sein Sohn die V alet- Rede gehalten hat. 
Den 3ten .Junii bin auf Jungfernhof gewesen., umb das Torfstecken in 
Augenschein zu nehmen. 
Den 29sten Junii wurde Ihr-Kayserl: Hoheit des Grosz Fii.rsten Nahmens- 
Tag gefeyret, wobey dann die Zeitung erscholl, dasz der Herr General-Major 
}'oedor W oyekow alhie Vice-Gouverneur geworden und der Fii.rst Dolgorucky 
ZUlU Gouverneur nach Reval ernennet wäre. 
Den 21 Julii reiseten Se. Dm'chl. der Herr General-M:1:10r FÜrst Holgorucki 
von hier nach Reval und den 24sten folgete seiI!e Gemahlin nebst Princeszinuen 
und gantzer svite. 
Den 23 Julii kahm der Römisch-Kayserl. Ambassadeur Graf Esterhasi alhie 
an und hat beyrn Stallmeister Gamper Qvartier genollllUen. 
Den 25sten Julii ist die neii erhauete Kirche in der Olein, welche Elisa- 
beth genannt wird, solem1iter bey groszer Venmmluug in Uegenwal't des Herren 


1) 1752 Sept. 2. 


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1753 


Tagebuch. 


165 


BÜrgerMeister und OberLandVoigts Berens, des Herren MunsterHerrn und 
LamlV ogts v. Dreiling, des LandVogts und Im;pectoris Stoevers nebst dem 
Herrn Gerichts Secl'l'tario Schwartz wie auch beeden Stadt Alterleiiten VOll dem 
Herren Ober-Pastore Schultz und dem Herren Pastore Johannitico Sehdens ein- 
geweihet worden. nie Rede des Herrn Ober-Pastoris ist aus dem 15 v. des 
f7 Cap. Esaiae genommen gewesen. 
Den 3. Augusti wurde der Herr Oberster Zittmann mit aller honneur in S. 14fJ 
Jacobi begraben. 
Den 4 starb der Herr P.u;tor Sixtel auf Lemsal und liesz eine Wittwe und 
Söhne nach. 
Den 5ten sind Ihro Excellence der Herr Vice-Gouverneur General-)lajor 
W oyekoff in seine neÜe Wohnung in der SÜnder-Strasze eingezogen, welches 
von des W ohlseel. Herren ()berCammerHerren Zimmermanns Erben von der 
Ritterschafft erkaufft, ausgebauet und gegen das Palais im Kloster vertauschet 
worden ist 1. 
Den 24sten Augusti ist der Altermann von der Krahmer Compagnie l
ltister 
V 01313 nebst deszen ßeysitzern wegen 5810 Rth., so selbige an den Tobacks- 
Pachtel' schuldig geblieben, aufm Rahthausze trretiret worden. 
Den 30sten ist der alte Accise Notaire Philip Böjer gestorben und Ger- 
hard Friedrich Bormann an seine Stelle beym Accise-Kasten erwählet und ein- 
gesetzet. 
Von dem [)ten Julii dieses sind in der Stadt 82 KÜhe und in der Vorstadt 
32 KÜhe bisz den 4ten SeptemlJl'is crepiret und durch den Scharf-Richter aus- 
gefiihret und verscharret. 
Das Raht-Hausz, so neÜ erbauet wird, ist bisz über die untcrl:\te }'enstern 
mit denen Gewölbern und der Börse, darinnen 12 Pfeilern angehracht, so weit 
fertig geworden und diirft'en zukiinfftig Jahr die Fenster-Schlengen von der 
andern etage geleget werden. 
An dem Thurm der St. Petri Kirchen sind die 4 UhrScheihen mit Rahmen 
eingefaszet, gemachet und die grosze SchlagGlocke , so 18 Schiffund auf der 
Wage netto gewogen, ist im Thurm nebst einer Glocke, welche die viertel 
Stunden schlagen soll aufgehangen, dasz sie gebrauchet werden können. 
Das neÜgebauete Hospital, da der Ritter St. Georg in dem Frontisspice 
gesetzet, ist auf der rechten Seite angefertiget, dasz die Armen darin gebracht 
werden können. 
D. 26 Septembris sind mnff' neü erwählte Herren des Rahts öffentlich 
nach Verlesung der Willkiihrlichen Gesetze, proc1amiret worden, nemlich Melchior 
von Wiedau, Johann Hinrich Schick, Lihorius Depkin, )Iatthies Ulrich Poorten, 
und :Michael Schilder. 
D. 25sten hat der Ritter 'l'aylor, welcher aus :\loscau all\ier an gelanget, 
aufm Schlosze mub 5 Uhr Nachmittags in Gegenwart Sr: Excellence des Herren 
General- LieutenantsLapuchin, des Herren Vit'e-Gouverneur 'V oyakoffs, vieler 
Staabs-Officiers und anderer Standes1'ersohnell aus der Stadt, seine kosthahre 
lnstrumenta gezeiget, unterschiedliche von ElfI"enbein und Porcelain kiinstlich 
verfertigte Augen vorgewiesen und die structur deszelben dernonstriret'. 
Zwischen den 8 und 9ten Octobris ist der Herr General Directeur VOll 
Bayer mit Tode ahgangen, nachdem I
r ('tliche Wochen lang am Stein, 'Vaszer- 
sucht etc. kranck gelegen. 


1) Vgl. v. Gutzeit, Mitteilungen B. XI S. 539 (f, 


I) Vgl. 1752 Ukt. 18, 


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166 


Schievelbeins 


1753-64 


Den 16 Octobris l am GaUus Tage ist der verguldete Halm und Knopf auf 
den Thurm des in der groszcn SandStrasze neü erbaueten Gnttes- Hausz gesetzet 
und dabey von dem ZimmerGesellen eine Rede gehalten worden. Da viele aus 
dem Rahte gegenwärtig gewesen 2. 
Den 29sten Octobris ist Johann Georg Schwartz Eltester, als erwählter 
Altermann von der Eltesten Banck groszer milde, Ern. W ohlEdl. Raht zur Con- 
firmation vorgestellet, bestätiget und in Eyd genommen. 
Eodem wurde die Flosz-Briicke wegen eindringender Kälte, abgenommen 
und in den Graben zur Sicherheit gebracht. 
Nach I
8. Erl. Dirigirenden Senats Ukase unter dem 6ten Septembris a. c. 
ist dem Herrn LandRaht Carl Gustav von Buddenhrook die Verwaltung der 
General Oeconomie aufgetragen. 
s, 150 In diesem ]753sten Jahre sind 520 Schiffe eingekommen 513 ausgehende 
clariret und von 1752 annoch 2 Schiffe Winterlager zu halten nachgeblieben. 
Die Anzahl der in diesem 1753sten Jahre getaufIten Kinder sind 23], Co- 
pulirten 57 Paar, und in dreyen Stadts-Kirchen 142 beerdiget worden. 
Zu St: Georg und Gerdruth 8ind in abgewichen 1753sten Jahr 110 Kinder 
getaufft, 18 Paar copuliret und 204 beerdiget worden. 
In der Jesu8Kirche 75 Kinder getaufft 21 Paar copulirt und 41 Leichen 
zur Erden gebracht worden. 
In der St. Johannis Kirche sind 54 Paar 
etrauet und 264 Kinder getauft. 
Bey der St. Jacobi Kirche sind 35 Paar copuliret 44 Kinder getauffet und 
49 Leichen begraben worunter 22 erwachsene und 27 Kinder. 


Anno 1754. 
Den 2ten hat der Pinckenhoffsche Glocken-Lai'tter Nahmens )Iickel sich mit 
einem Me8zer sellJst ermordet und umhs Leben gebracht. 
Den 6ten sind Se: Excellence der Römisch Käyserliche Amhassadeur und 
General Bretlach mit seiner Svite aus Moszcau hier Ulnb !l Uhr zu )littag ein- 
getroffen bey dem Herren OberBalIherr von Hecker in der Siinder Strasze ein- 
gekehret und logiret gewesen, deu lOten abm' wieder umb MittagsZeit von hier 
mit Fuhrleiite Pferde, wofiir sie aoo Ducaten gezahlet, nach Warschau abgereiset. 
Den 1] ten Januarii ist von dem Herren Ober-Pastore die Justice-Predigt 
über die Worte des Gten Capittels des Buches der Wei8zheit und zwar 4ten 
vers gehalten worden, da der :gingang aus der Apostel-Geschichte am 24 v. 25 
genommen. 
Den 2ten April, da den vorigen Abend muh n oder 10 Uhr das Waszer 
der Duna sich gehoben, das ]
i8z gebrochen und in gro8ze Stiicke ZU8arnmen- 
getrieben gehabt, i8t das .Eisz muh 3 Uhr Nachmittags von oben herltb zugehen 
angefangen, welche starcke Fluth bisz einviertel auf 5 Uhr fortgewähret, da 
das Bisz sich wieder gesetzet, das Waszer angewach1:len und die Pforten an der 
Duna zugemachet und mit Mist gut verwahret werden miiszen. 
Den 3ten ist Johannis Damm wegen des Eiszganges und dauey angeschwol- 
lenen Waszers in Gefahr gewesen, den 4ten gegen 4 Uhr Nachmittags ging 
das ]
isz starck und fiihrte viele Haüszer unten am Daullne mit sich fort. nen 
5ten fiel das Waszer bey der Stadt und wurde ziemlich klar von ]';i8e. 
Hen 8ten gingen von der Rehde 5 Schiffe in die See und den 9ten hatten 
wir das erl:lte Schiff mit Saltz. 


1) i. O. 16 Octobris. 


11) in der Vorstadt. Vgl. 1754 Juli 31. 


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1754 


Tagebuch. 


167 


Den 11 ten sind 26 bisz 30 Schiffe alhier angekommen. 
Den 12ten ist die Frau Vice-Gouverneurin W oyekoff von einer Tochter 
cntbunden und ihr Presente gemachet worden. 
Hen ] sten l\Iay ist ein Gesell Michelsen, weil die blaue Garde die Leiche 
ohne Bedeckung des Sarges tragen wollen, ohne Schule zu Grabe gebmcht worden. 
Den 5 ist die Orgel in der St. Petri Kirche, nachdem solche ausgebeszert 
worden, probiret. 
Den 15 ist der Herr Lado auf JungfernHof als Bickerscher Prediger 
introduciret von dem Herren Pastore Sehdens in Gegenwart des LandV ogteyl. 
Gerichts, des Herrn lnspectoris Stoever und beeder respective Herren Alter- 
leüte. Ezech. BI. v. 4. 
Den 10 Junii hat Swen Kruse ein Stadt Soldat sich selbst erhangen und S. 11S1 
ist durch den Scharfrichter geschleifft und in den Sand Bergen begraben worden. 
Den 2 Julii starb der Herr Secretair beym LandV ogteyl. und )lunsterey 
Gericht Secretarius Valentin Grave und wurde solenniter in der DuhmKirche 
mit 
Iusique und vorstehender Wache zur I
rden bestattet den 7 Julii. 
D. 15 Julii ist Gottlieb Bva Berg mit 3 Kinder entbunden, so aber bald 
gestorben 1. 
Den 31 Julii trat Christianus Ravensberg als Diaconus in der St. Johannis 
Kirche sein Ambt an und Gottfried Albrecht Lado, gewesener Adjunctus und 
Priester der Bickkerschen Gemeine wurde von dem Herren Ober-Pastore 1\L 
SchuItz in dem Vorstadtscheu Gotte::lHausze auf der groszen SandStrasze in 
Gegenwart E. Edlen LandV ogteylichen Gerichts und beeder respective Herren 
Alterleiite bey starcker Versammhmg der deütschen Gemeine introduciret und 
von dem Herrn Lado die erste Predigt daselbst gehalten. 
Den 26 Augusti ist der Proto-Notarius Johann Justinus Schmalenhergk 
nach einer 7 wochentlichen Krauckheit früh Morgens Todes verblichen. 
Den 28 war der Königl. dänische Justitz-Raht Jacob Langeheck mit einem 
Magister Brockmann und einem Zeichenmeister Severinus Abildg1tard hey mir, 
welcher iiber Stockholm, St. Petersburg, Narva, Reval, Wenden den 25sten hier 
angekommen und im StadtGastHausze sich logiret, Curiosa, Antillvitaeten, 
Grabmähler und Siegeln zu sammlen, wo vou derselbe bereits einen groszen 
V orraht sich angeschaffet und mir davon einige Abrisze gewiesen, so sehr nett 
und sauber gezeichnet waren. 
Den 3ten Septemhris ist des l\IarienMiillers Knecht Jacob, so Ihm bestohlen 
uud entloffen, aber an der Postirung bey der Olein angehalten und eingelieffert 
worden, condemniret mit 10 Paar Ruhten vorm Zuchthause gestrichen, ein Jahr 
im Zuchthause sein Brodt zu verdienen und zum Austritt wieder mit 10 Paar 
am Pfosten gestrichen zu werden, und so dann dem GeneralGouvernement 
seinem ErbHerren von Tiesenhusen zu übergeben, durch Urtheil und Recht 
condemniret worden. 
Den 8 ten wurde das neii von Stein erbaue te Hospital in der Stadt 11 durch 
einen öffentlichen Gottes-Dienst durch den Pastorem Gottfried Albrecht Lado 
in Gegenwart der Herren lnspectoren und Vorsteher ordentlich Nachmittags 
aus dem XL Psalm v. ]8. Ich bin arm und elend, der Herr aher sorget für 
mich eingeweihet. 
Den ]2 Sept. reisete der Herr JustitzRaht Jacob Langeheck, mit dem Mag: 
Nicolao Reillhold Brockmann, und dem Zeichellmeister Severino Abildgaard 


1) Deli 10 Julii u. B. w. am Rande. 


11) St. Georg Hospital. 


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168 


Schievelbeins 


1754-55 


und einem Bedienten Christian Klarup von hier über 
[itau, Konigsberg, Dantzig 
nach Copenhagen wieder nach Hausze. 
nen 18 Sept: hat sich Balthasar Oseling: ein Klapholtz-Wracker auf Lutzaul:!- 
holm wohnhafft mit einer Pistohle umb 12 Uhr in der Nacht sich selbst erschoszen. 
S. 152 Den 20 Sept: sind 1hro Kayserl. Hoheit Catharina Alexevna mit einem 
Prilltzen niedergekommen. Hierüher ist in allen Stadt-Kirchen nach eingegan- 
genem Rescript von der Käyserl. Regierung den 9 Oetobris ein Danck:Fe8t 
gehalten und zum Text aus dem Buch Ruth am IV. 14. 15. Gelobet sey der 
Herr - und dein Altei' versorgen, genommen worden. 
Deli 14 Octohris kahm ein Courier vom Senat, der da J. K. H. des Grosz- 
Fürsten Paul Petrowitz glückliche Gehuhrt ankündigte, welcher Tag mit 101 
Canonen Schüsze VOll den Wällen und Illuminationen vor allen Fenstern des 
Abends, auch hey Sr. Excell. dem Renen General-Lieutenant Lapuchin auffm 
8chlosze mit einer 
Iasquerade gefeyret wurde. Die übrige Lustbahrkeiten und 
wie die hohe Gebuhrt Sr. Käyserl. Hoheit des GroszFiirsten Paul Petrowitz in 
der Stadt aIhie gefeyret und begangen worden, ist in einem Schreiben an einell 
}'reund zur Nachricht ertheilet zu Riga gedruckt den 3 Novembris zu haben in 
dem Frölichschen Buchladen. 
nen 18 Novemhris ist die FIosz Brücke zwar abgenommen umh nach den 
Graben gebracht zu werden, allein die starcke eingefallene Kälte hat verhindert, 
dasz die Uber8etzer, Fischer, Anckernecken und Masten Wraker damit nicht 
weiter aller angewandten Mühe ungeachtet aIsz bis ans N eüThor heym Caponier 
kommen können. Wie das Wetter aber sich entIaszen, sind vorbeschriebene 
ÄmLter mit denen ArheitsLeüten über Duna wieder an die Arbeit gegangen 
und haben vom 30sten Novembris bisz den 3ten Decembr. die Brücke in den 
Graben, wo solche alle Jahr im Winter gelegen, gliicklich hingebracht. Dafiir 
sie eine VergeItung von 200 Rthl. courant bekommen hahen. 
Den Gsten August ist die Waszer-Kunst wegen seiner Baufälligkeit und 
schlechten Zustandes abgeschloszen und gantz neii zu bauen angefangen und ist 
dies Werck allererst den 26sten Novembris da die Waszer-Röhren wieder zu 
lauft'en augefangen, zum Stande gebracht. 
In diesem 1754 Jahre sind einkommende Schift'e 618 ausgehende 622 worullter 
6 von 1753 und 2 von diesem Jahre gebliehen. 
211 Kinder getaufrt 52 Paar copuliret und iu 3 Kirchen 118 Leichen 
beerdiget. 
Sonst ist in diesem letzten Monahte ein kÜnstlich ausgelernetel' Hund ge. 
zeiget worden, der auf alle Fragen, welche JIlan an ihn aus der Historie thut, 
schrifftlich geantwortet, die Nahmen derer Städte und Persohnen, die Stunden 
und Minuten auf denen Uhren :lngezeiget. Die 4 Species der Rechenkunst gc- 
WUl:!t und die Farben gekannt etc. 


Anno 1755. 
n. lOten Januarii ist die Justitz-Predigt im Dohm von dem Herren Ober- 
Pastor SchuItze gehalten und den 12ten in der Jacohi-Kirche vor das Käyserl. 
HofGericht von Past: IIerwagen. 
Den aOsten .ranuarii ist des Herren Regierungs-Raht Baron von Campen- 
hausen Frau Gemahlin J gehohrne Catharina Bliesaheth von Zimmermann umh 
2 Uhr Nachmittags Todes verblichen. 


J) Frau Gemahlin fehlt i. O. 


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1755 


Tagebuch. 


169 


Den 9ten Martii 1755 ist des Herren Regierungs-Rahts Baron von Campen- S. 159 
hausens Frau Gemahlin in der St. Petri Kirche mit einer StandRede von dem 
Herren Ober-Pastore SchuItz und einer AhdanckungsRede von ihrem Sohne 
801enniter zur I
rden bestattet worden. 
Den 13 l\lartii ist der Herr CammerHerr SoItikoff von Petersburg gekom- 
men, im StadtGasthausze logiret gewesen und folglich nach lIamhurg gegangen. 
Den 15 kahm der Römisch-KayserI. Minister Graf Sinsendorff alhier an, 
war im WirthHausze Schiffhauszen logiret und ging nach St. Petersburg l . 
Den 21sten ward der Herr M. Lindner als Rector Scholae Cathedralis in 
dcr Schule privatim introduciret. 
Den 31 gegen Abend umb 8 Uhr ist das Eisz bey der Stadt gebrochcn 
und längst dem Ufer bey nierlriegen Waszer nach und nach fortgegangen. 
Den Isten May zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittags schlug das Gewittcr in 
ThumsKirchenThurm zerschmoItz einige Pfeiffen von der Orgel und hatte bey 
des Schul-ColIegen Josephi Thiir in der Kirchen einigen Schaden so wohl an 
den Fenstern als der Maul' gethan. 
Den 8 l\Iay hielt der neüe Rector 
I. Lindncr scine Inaugurations Rede 
öffentl. in der Cathedral-Schule, so gedruckt worden. 
Den lOten war nach des Herren Ober-Pastoris SclmItze Absterben die 
Priester Wahl vorgenommen und der Herr Pastor M. Skodeisky zum Ober- 
Pastore, der Herr WochenPrediger Sixt el zum Pastore am Dohm, der Herr 
Gercken zum 1 sten und der Herr I!'anter zum 2 ten WochenPrediger, der Herr 
Diaconus v. Essen in St. Petri und l\lartin Andreas Reusner zum Diacono am 
Dohm erwählet, welcher letzterer von Lemsal in die Stadt heruffen. 
Den 12 ist des mit Tode abgegangenen Schul-Meisters Plemlers Stelle bey 
Jacobi mit Flor aus dem Wayscnhausze und seine mit Klein wiederumh besetzet. 
D. 26sten ist der Englische :Minister Williams angekommen und bey des 
Sehiffsclarirers Welsen Wittibe logiret gewesen und bald darauf nach St. Petersb. 
abgereiset. 
Den 10 JUllii ist der Herr Graf llestuchef, so am Käyserl. und Dresden- 
schen Hofe Ambassadeur gewesen, hier angekommen und den 15 wieder nach 
Petersburg abgereiset, da S. I
xc: bey dem Herren OberCammerHerrn von 
Becker in Qvartier gestanden. 
Den 29sten tractirte Se. Excell. der Herr Gcneral I.ieutenant nnd Ritter 
Lapuchin zu Mittag und gab baI pare am Abend. 
Den 19 JuIii sind Se. ExcelI. der Herr Cammerherr und Ritter Baron 
Sie vers mit dero svite von der Reise aus Wien, Italien, Franckreich, und 
Dcutschland hier angelanget bey dem Hcrrn OberCammerer von Becker in 
Qvartier gestanden und zwischen dem 23 und 24stcn wieder nach 8t. Peters- 
hurg abgereiset. 
Den 1) Augusti sind 3 Kinder-Mörderinnell .tm Pranger mit 20 Paar Ruhten 
gestrichen und so weiter nach Siberien transportiret. 
Den 5 Sept: ist dcr Candidatus Gercken zum Bickerschen Prediger und 
AdjUllcto der JesusKirchen erwählet und dcn lOten ejusd. auf JungfernlIofl' 
introduciret. 
Den 2nsten 
epteJllhris sind seine Bxcell. dcr Herr Graf Czernikow mit s, 154 
seiner Gcmahlin aus T
ngelland iiher Hannover hier angekommen, im StadtGast- 
hause hey Btl'uck logiret geweselJ und den 28sten nach 8t. Petel'sburg ahgereiset. 


I) Vgl. 1755 Okt. 11. 


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170 


Schievelbeins 


1765-56 


Den 11 ten Octohris kahmen Ihl'o RxceIl. der Graf Zinsendorf aus Wien 
alhier an umb in St: Petersburg den Herren Grafcn Bsterhasic uaselhst ab- 
zulösen I. 
Den 25 ist die Frau General-l\Iajorin und Vice - Gouverneurin W oyekoff 
von einer Fraiilein gli'1cldich entbunden und hat lllan Sie vor der Taufe dieser- 
wegen gratuliret. 
Der 27 Octobris ist die Flosz-Rrücke abzunehmen angefangen und auch 
gegen den 30sten wohl behalten in den Graben gebracht. 
In diesem 1755sten Jahr sind 498 Schiffe ausgegangen und 502 Schiffe 
eingekommen. 
194 Kinder getaufft 50 Paar copnliret und 106 Leichen in den 3 Stadt- 
Kirchen beerdiget. 


Ao: 1756. 
Den 25 Decembris des vorigen Jahres ist unser Herr Vice-Gouverneur 
Fedor 'V ojeikow zum GeneralLieutenant: der Brigadier Baron }\Icyendorff zum 
General
lajor und OberCommendallt in Riga avanciret, welche in diesem Jahre 
dazu gratuliret worden. 
Den 9ten Januarii ist die Justitz-Predigt aus uem Römere am XUl. v. 1-3 
von dem Ober-Pastore Skoueisky im Dohm gehalten, worauf er etliche Tage 
darnach vorn Schlage auf der rechten Seite gerühret, die Sprache und sein 
Gedächtnisz verlohren. 
Den 12ten hat Pastor J [eerwagen in Jacobi Kirche aus dem 11 Buch der 
Chronica v. 5 bisz 7 vorm HofGerichte die Justiiz-Predigt gehalten. 
Den 20 hat llarbara Sachsin, die den Herrn Doct: Gerding bestohlen, ihre 
Strafe am Pranger mit 15 Paar Ruhten ausgestanden und ist der Stadt verwiesen. 
Den 24sten hat der Herr Regierungs-Raht ßaron VOll Campenhausen den 
St. Annen Orden von I. K..M. erhalten und ist Ihm solcher von Sr. Bxcell: 
dem Herren GeneralLieutenant Lapuchin zu Schlosze angeleget worden. 
Den 1!)ten Februarii sind beede Stadt-AIterleüte neml. Herr Johallll Georg 
Schwartz von der groszen und Johann Christop Kleberg von der kleinen Wilde 
bestätiget und 4 Altesten groszer und ;J Altesten kleiner Gülde nebst einem 
Dockmann erwählet. 
Imgleichen haben die Altesten der 8chwartzen Haüpter einen neücn Alter- 
mann Zacharias BarteIs und 6 Altesten gewählet. 
Den 23 Febr. ist ein Flensburger Galliot mit A ustel'll in der llulderaa 
angekommen. 
Den 7 den Martii umb 12 Uhr zu Mittage hat das Eis in uer ])una zu gehen 
angefangen und zwar ganz still und bey niedrigem Wasser. 
Den 11 tell ist der Sachsische }Jnvoyce Funck von St. Peter::!bm'g alhier an- 
gekommen und hey Struv im StadtGasthausze logirt gewesen. 
Den 26 sten A l'ril sind die Feyrlichkeiten in der Dnhm Schulen, wegcn 
]hro Kay::!crl. Majeste KrönungsFest, mit 6 Orationen gehalten. 
Den 6 ten 
I:ty i::!t ein Examen puhlicum in Schola cathedrali gch:tltcn unu 
drey Primaner daraus dimittiret, welche allc 3 ihre Valedictions Rcden öffent- 
lich am 10 ten abgeleget. 
nen 13 :May ist die 'I'hum Kirche wegen der vielen darinnen sich aufhal- 
tenden Ratzen geschloszen 2 und in der St. Petri Kirchc allein der Gottes- 
Dienst gehalten worden. 


1) Vgl. aber 1755 Miirz lä. 


2) Vgl. Juni 9.
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17!6 


Tagebuch. 


171 


Den 15ton ist in des Kron-Gieszors lbusz umh 11 Uhr )[ittags auf dem 
Hoden ßrandt gewesen. 
Den 16 l\Iay bat sieb der Frau Rahtsverwandtin Cbristiani Bedienter im S. 155 
neiien Gefängnisz erhängt. 
Den !)ten Junii hat man den GottesDienst in der DohruKirche wiederum zu 
balten angefangen und hat die Reparation und Vertreibung der Ratzen 150 Rthlr. 
gekostet 1. 
Den 13 Augusti sind die HOlTen CarumerHerren Fiirst Gallizin und Petzoi 
beyde Ritter vom rohten Bande hier von St. Petersburg angelanget und den 
16 ejusderu nach DeÜtschland !:Iicb des Bades zu bedienen abgereiset. 
Den 16ten Sept. ist der Herr GeneralLieutenant und Ritter von beyden 
rohten Orden Lapuchin zu Schlosz von der Stadt zum General en Chef gra- 
tuHret worden. 
Den 20sten Septembris wurde zu Schlosze von Sr. Excell: dem Herren 
General en Cbef und Ritter Lapucbin zu Mittag tractiret, von den Wällen ge- 
scboszen und des Abends Masquerade gegeben und in der gautzen Stadt i11uminiret. 
Den 25sten bezogen Se: Excell: der Herr General en Chef Lapuchin des 
Herren IJandRabts und GeneralOeconomieDirecteur von Bmldenhrocks Hausz 
in der JacobsStraaszen, weilen das Schlosz vor Se. Excell: dem Herrn General- 
:FeldMarschall Graf A praxin ausmeubliret fertig gehalten werden solte. 
Zwey Regimenter nemlich das erste Peterscbantzsche 9 und ein Grenadier- 
Regiment wie aucb die Feld Artillm"ie Puscarden mit denen Officiren sind in 
der Vorstadt und zwey Regimenter als das W oronscbe und - S iiber Di.'llla mit 
AnUllunition, )Iagazin und Bagage Wagen verleget. 
In der Stadt kommen zu steben Se: Excell: der Herr General en Cbef von 
IJieven, der Herr General-Lieutenant Knees Gallitzin, die Herren General-Majors 
Romanzoff, Graf Czernicbeff, von Albedyl, Knäsz Lubomirsky, Palmbach, Panin, 
und Chomakow. Bri
adiers Brachwald, Nummers, Dietz und Hartwiss. 
Den 4ten Octobris ist auf den neiien RabthallszThul'm die Wind-Pahne auf- 

esetzet, davon die Ziembtf'Il mit !)O Ducaten von zwcnen GÜrtlern Jenger und 
Kettermann verguldet worden. 
Das neue Uabthausz ist nacb des Illventoris des Herren In
elliellr Obrist- 
Lielltenant .J. Ii'. v. OettiIJger anno 1752 aufgemachten Risz 11 geometrische 
Rubten lang und mit dem Thurm 10 1 /1 Rubten hoch 4. Oben auf den Fronton 
stehet die Gerechtigkeit in der einen Hand ein bloszes Schwert und in der 
andern eine Waags('hale haltend. Nach Rheinländischen Maasz um Pusz lang 
52 Fusz breit, jede etage 18 Fusz, die Kellern sind 4 J'usz aus der Erde, die 
Fenstern 10 FlIsz hoch f) Pusz breit, die mitt1pre ,ther und Fjck-Fenstern 8ind 
6 :FuRz breit 5. 
Den 21steIl Octohris i8t uer holländische I
uvoyee 
cLwartz aus dem C,trls- 
hau hier angelanget und lmt den 22 ten seine Heise nach 
t. Petcl'sburg weiter 
f ortgesetzet. 
nen 28 iing es scbarf an zufrieren. 
Dcn 28sten kahmen des an den König!. j'ranzösischell Hof hestimmten 
auszerordentlichen Ambassadeurs, Oher-Hof-
larschaIl8, wiireklichen Geheimen 
!taths und Ritters, Grafen .Miclmila Petrowitsch llestl1schew-Rumills l
rlaucbten 
l)bier in Biga an. In dero suite fanden sich der Ueutenant VOll der Garde zu 


1) Vgl. .'Ilai 13. 2) burgiscl1e über geschrieben. 
Juni 1. 5) N acl1 Rheinländischen u. 8. w. um Rande. 


5) Lücke. 


4) Vgl. 1749 


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172 


Schievelbeins 


1766 


Pferde, Graf Andrei Petrowitsch Schuwalow, uer Fähnrich von dem Adel. Ca- 
detten Corps, Graf Alexander Jefimowskoi, der Sergeant von Semonowskischell 
Leib-Garue Talisin, ein Sohn des GelleralLieutenants und Ritter dieses Nahmens 
und der KanzeleyR:tth Tschernen, als Gesandtschafi'ts Secretair. 
Den 1steIl Novembris umb 10 Uhr morgens brachen Se: }
rlauchten nebst 
dero gantzen suite auf und sezten mit 45 FuhrleütePferde nach Warschau die 
neise furt. Waren bey BIsten A rend Berens in der )Iarstall-Straasze logiret. 
Den 2ten ist ein nieb so sich nach ge8chehener Relegation, wieuer einge- 
funden, am Pranger gestrichen und gebrandmarket woruen. 
S. 156 Den 5ten Novembris ist die FloszBrücke vor der Stadt abgenommen und 
auch gHicklich nach den Graben gebracht. 
Den lOten Novembris kahmen Se: Excell: der Herr General-Feld
larschall 
Stephan Petrowitz Ritter Apraxin umb 10 Uhr morgens in die Stadt, allwo das 
Granadier Regiment von Rauens Thor an bi8z 1hro Käyserl. 
Iajestät Palais 
aufgestellet war. Die Stadt Deputirten der Herr GerichtsVogt von Wiedau, 
der Herr LanuV ogt Schick und der Herr Secretair Buhnering seyn Sr: Excell. 
uen 9ten bisz an die erste Postirung bey Riep entgegengefahren unu haben nach 
gehaltener AbendMahlzeit sich nach Frasers Höfgen begeben, den Morgen aber 
wieder gegen 8 Uhr bey Sr: Excell: die Aufwartung gemacht und ein Stadt- 
\Vagen zur Einfahrt presentiret, worin Se. Excell. sich mit dem bey sich h:t- 
henden Herren General-Major Panin gesetzet unu denen Deputirten nach der 
Stadt gefolget. U ngefehr zwey Würste vorm RauensThor sind beyde Corn- 
pagnien der Bürger Reiiterey S. Excell. entgegen zu nehmen gestanden und da 
R Bxcell. seIhe gegriiszet und in Augenschein genommen, sind sie voran ge- 
ritten, die StadtDeputirte ihnen gefolget, da denn Se: Excell: mit dem S1;tdt- 
'Vagen und seine gantze svite nachgekommen und unter dem StautSandThor mit 
al Canonen Schusz von den Wällen bewillkommet, in I. Käyserl. Majestät Palais 
aber durch den Wortführenden Herren Bürgermeister von Vegesack, den Herrn 
Ober-CämmerHerren von Ulrich und den beyden Stadt Alterleüten Joh. Georg 
Schwartz und Kleherg complementiret und empfangen worden. 
Denselben Tag haben Se. Excell: uer Herr General en Chef und Ritter 
Lapuchin zu Mittag S: Excell: den Herren General-Feldl\larschall uml Ritter 
A praxin zusamht der ganzen Generalite aufm Schlosze tractiret hisz nach 5 Uhr 
Abends. 
Den 11 ten 8ind viele Herren des Rahts und die Of'ficires der reitenden 
Bürgerschafft oben bey Sr: Excellence dem Herrn GeneralFeldMarschall ihre 
schuldige devotion zu bezeigen gewesen und hahen ein vergniigtes Accueille gehabt. 
Den 12 war die Duna wieder zugefrohl'en 1. 
Den 12 ten haben der Herr Regierung8R:tht von Vietinghofl' zu )littage auf 
dem Ritterhausze ein Tractament und 
den 14ten der Herr Regierungs Raht und Ritter Baron von Campenhausen 
in seinem in der SchloszStrasze belegenem lJausze die Generalite bewirtet. 
Den 16 ten hatte der Herr GeneralLientellant und Vice-Gouverneur W oye- 
koff Se: Excell. den Herren GeneralJ"eldl\Iarschall nebst denen Ühriegen Herren 
Generalen zum Eszen zu .Mittage. 
Den 18 Nov. wurde die Duna Flosz-Brikke weggebracht\!. 
Hen 24steu als auf ]hro Käyserl. Hoheit der GroszFiirstin Nahmonsrragt: 
gahen Se: Excell: der Herr GeneralPeldMarschall und Ritter Apraxin zn Mittage 


1) Den 12 u. 11. w. am lltmde. 


2) Deli 11:! Nov. u. 8. w. mn lltmde. 


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1756-51 


'ragebuch. 


173 


ein prächtiges Mahl wozu nicht allein die Generalite und ihre Dames, sondern 
auch alle Obersten, die Ritterschaft, Magistrat und andere Civil-Bediente ein- 
geladen waren. 
Den 25sten wal' die Mannschaft von 5 Regimentern in denen Gaszen von 
Ihro Majestaeten Palais bisz nach der Ruszischen Kirche im Citadelle en haye 
aufgestellet, und wie die Generalite und Harnes aus der Kirche kahmen, wurde 
von den 'Vällen 31 Canonen gelöset und von der aufgestelleten Infanterie drey 
mahl KettenFeiir gegeben. Zu Mittage wurde gleich den vorigen 'l'ag tractiret 
und darauf BaI gegeben. 
Den 28sten wurde in der Stadt DomSchule eine RedeUbung zum Feyer 8. 157 
der hohen Gelangung zum Throne unserer allergnädigsten Käyserin und Groszen 
Frauen J
lisabeth Petrowna gehalten, welche Se: Excell: der Herr General- 
FeldMarschall, Fürst Gallizin, General Romanzoff, Panin, Czernicheff und viele 
andere Vornehme beywohneten und die viel' junge Redner aufmercksahm an- 
gehöret haben. 
Den 28sten haben der Herr Regierungs-RatIl Otto Hermann von Vietinghoff 
den St. Amten Orden aus St. Petersburg erhalten, welchen Se: Excell. der Herr 
General Feld-Marschall Ihn umgehangen. 
Den 30 wurden Se: Excell: der Herr General-FeldMarschall wegen des 
St. Andreas Orden in Nahmen der Stadt durch den Herren BiirgerMeister 
Schwartz, den Herrn Ober -WettHerren Andreae und Leyden Stadt AIterleiiten 
gratuliret und ersterer zu Mittage zur Tafel zu kommen genöhtiget, welcher auch 
alda mit den Herren Generalen und hier seynden Obristen auch Dames gespeiset. 
Den 8 December reiseten Se: Excell: der Herr GeneralFeld
brschall mit 
den Herren GeneralMajoren Romanzow, Czernichof und Panin nach Mietau, 
von wannen SeILte den 12 ten wieder hier eintrafen. 
nen 16ten kahm der Herr Starost von Littewsky und Ritter vom weiszen 
Adlers Orden der Herr Graf I'oniatowsky in Biga aus Warschau an, logirte 
bey dem Herren OLerBauherr von Becker und setzte seine Reise den 19 nach 
St. Petersburg fort. 
Den 18 wurde I. Käyserl. Majeste GebuhrtsFest von S. E. dem Herrn 
General-FeldMarschall solenniter gefeyret und zu Mittage mit einigen 70 Couverts 
tractiret, zu Abend aber Ball gegehen. 
Den 22 wal' BaI en masque auf dem schwartzen Haiipter Hausze, und die 
BiImahme für den entree an IIelfferding den Comoedianten gelaszen. 
In diesem Jahre haben wir 635 einkommende und weggegangene Schiffe 
gehabt, davon 33 aus St. Petersburg mit Proviant und AmIDonition beladen ge- 
wesen, so Zollfrey passiret. 
In diesem zuriickgelegtem Jahre sind in den drey Stadt Kirchen 196 Kinder 
getauffet, 57 Paar copuliret und 174 Leichen beerdiget. 
Zu 8t. Georg und Gerdruthen 114 Kinder getauft 23 Paar copuliret und 
2li1 Leichen beerdiget. Bey der St. Jesus Kir('he 72 Kindpr gt.tauft. f8 JJeicht'n 
ht'erdiget und 31 Paar copuliret. 


Ao: 17:)7. 
nen 7 den Januarii ist von Pa8tor Sixtel bey anhaltender Unpäszlichkeit 
dt's Herrn Oher-Pastoris Skodei8ky die GesetzJredigt gehalten aus dem 82 Psalm 
v. (i. 7. Ihr seyu Götter etc. 
Den lOten wurde von dem Herrn Pas tore Herrwagen in uer Jacohi Kirche 
die Justice Predigt über die W ortt' dt's Prediger Salamonis im 3ten Capittel 


.....
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174 


Sc1lievelbeins 


1757 


17 vcrs: Gott musz richtcn den Gerechten und Gottloscn etc. gehaltpn. Das 
Lied: Ich dancke dir mein Gutt I dasz du mir hast gegeben. 
D. lG Januarii geschahe vom LandV ogteylichen Gerichte an 3 Delin!}venten, 
die alle 3 den Staup Besen bekommen, vor den Kopf und auf heyden Backen 
gebrandtmercket und so nach Rogerwick auf die Galeren zur Arheit geschicket 
worden. 
Den 22 .Januarii morgens umb 10 Uhr ist der Herr General en Chef von 
Lieven Bx('ellcnce al hier eingetroffen und im ReUterschen Hausze an der 1\Iar- 
stall Strasze abgetreten. 
S. /58 Den Sten Februarii wurde lhro KaysCl'1. Hoheit des GroszFiirsten Ge- 
Imhrts-Tag alhie gefeyret, weil den lOten die Fasteu Woche eintrat und von 
dem PeldMarschall A praxin tractiret. 
Zwischen den 19 und 
Osten ist das Eisz hey der Stadt gehrochen und bey 
kleinem Waszer, weilen unten offen gewesen, im Martii l'vlonahte nach und nach 
ausgegangen. 
D. 21sten l\Iartii kahm ein Schiff von Hantzig mit Spanisch Saltz al hier auf 
der Rhede an. 
D. 22sten Martii wurde das Fest Mariae VerkUndigung alhie wie gewöhn- 
lich in allen 3 Kirchen gefeyret, weilen es am Dienstag in der stillen Woche, 
da die Passion abgesungen wird, einfiel. 
D. 21sten April war die PloszBi"Ucke gantz über die Diina geschlagen und 
nur hin und wieder zur Uberfahrt ausgebeszert, auch mit I
ehnen versehen. 
D. 25sten geschahe auf Ihro Kayser!. Majeste KrönungsFest die Calvalcade 
von der Biirgerschafft und Gesellen vor Ihro Majeste Palais, wo lhro Excell: 
der Herr GeneralPeld.l\larschall von A praxin, durch die Kauff- und Kramer- 
Strasze und so nach der Citadelle fiir das Licellt-Hausz vorhey, woselbst sie vor 
der Kirche währendem GottesDienste die parade machten. 
Den 27 April war auf dem Posthause angeschlagen, dasz die Briefe fernerhin 
nicht nach l'reüszen sondern über St. Petersburg, Fillland, Schweden nach 
Deiitsch- und Holland gehen soIten. 
D. 29sten wurden in der DomSchule in Gegenwart Sr. Excell. des Herren 
GeneralFeldmarschalls von Apraxin nehst den Ubriegen Herren Generalen und 
anderen vornehmen Zuhörern 4 Reden von denen Schul Knaben auf Ihro Käyserl. 
Majeste KrönungPest öfl'entlich gt'haIten. 
Den 30sten ward Herr Johallll Gottlieb Ludwig, Sub-Con-Rector beym 
Lyceo in Stelle des abgestorbenen Sub-Con-Rectoris Klemke erwählet. 
Den 3 l\Iay ritten Se: Excell: der Herr General- PeldMarschall und Uitter 
von Apraxin, da etliche Regimenter vorher über Duna marchiret und SeIhte in 
Augenschein genommen worden, mit denen Curassiers, so (Jer Knäs DoIgorucki 
anfiihrete, aus der Stadt nach des Herren CommerceRahts Berens von Rauten- 
fels Hofe, daseIhst Sie den 7 den die MagistratsPersohnen zum Eszen genöhtiget 
und im Ol'angerieHausze mit der GeneraIite und Dames gespeiset haben. 
Den B )Iay silld sie dal:!elbst vom Hofe morgens friihe aufgehrochcn, hey 
dem Rittmeister auf dem Wege nach )lietall zu 
Iittage gespeiset und umb 4 
Uhr von dannen abgefahren, woselbst der Herr LandVogt Holst, von Wiedau 
uud Secretair Bulmeringk frÜh morgens umb nomine der Stadt das Ahschieds- 
CompIiment zu machen, sich eingefunden, beym Eszen hehalten und bisz zur 
1\ Lreise gebliehen sind. 
Den ;31 sten kahmen Se: Excellence der Fralltzösische Ambassadeur de 
I'Hopital umb 12 Uhr ohne Cel'emonien uud bl'uit mit gl'oszem Gefolge im 


....
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1757 


Tagebuch. 


175 


SchaalThor ein und stiegen hcy Friedrich Thicring in der Ruszischcn Straasze 
a]:i ein fi'lr Ihm gemachtes Qvartier ab. Seine suite als der Baron "on Hopital, 
der :Marquis von Yermont, der Graf von Suze, der Baron von Viettinghoff, der 
Boy de Tillins, Stancelin und Bertin, alle verdiente Officiers in Königliche 
Dienste wurden auf der Kachhahrschafft mit seinen Leüten verleget. 
Den 12ten J unii reisete wohlgemelter Ambassadeur und Ritter mit seiner 
suite muh 2 Uhr Nachmittags in der Stille von hier nach St. Petersburg. 
Den 15 ward der erwählte Prediger auf lIolmhoft' von dem Herren Land- 
Y ogt Holst und Secretair Buhn,ringk und Pastor Sehdens introduciret. 
Den 22 ist der Adjunctus und Bickersche Prediger Georg Poorten, so in 
Gercken gehabte Function erwählet, in Jesus Kirche introduciret. 
Den 2!)sten Junii ward Ihro Kayset'I. Hoheit des GroszFÜrsten Nahmens- 8, 159 
Fest gefeyret und S: Excell. der Herr General Lieutenant und Vice-Gouverneur 
W oyekoff tractirten zu Mittage. 
Den 17 Julii ist die GeneraIFeld
(arschallin Apraxin von den Stadt Depu- 
tirten zum jungen Sohn gratuliret worden, dahey ein Geschenck iiherreichet 
von 500 Ducaten. 
Hen 20 Junii ist Herr Georg Poorten auf JungferHof zum Prediger auf 
Bickern gewöhnlichermaaszen introduciret. 
Den 28sten Junii ist die Frau OberPastorin Skodeisky Anna Kroeger ge- 
storben und den 29sten von 12 bisz 1 Uhr belaütet worden. 
Den l1sten Augusti starb der Herr Camlidat Johann Hinrich von Dreiling 
der in der Stadt Cantzelley den aditum erhalten. 
Den 17 Augnsti starb der Herr BÜrgerMeister Gothan und den 21 A ugusti 
ward Herr Hinrich Bewehrt Bi'u'gerMeister 1. 
Den 4 ten Septembris kahm der Sächsische General 
rajor Baron le Fort 
mit dem Herren Lieutenant von PoIl aus Warschau hier an. 
Eodem ward nach Absterben des Herren Pastoris Schroeder bey der Jesul! 
Kirchen, Pastor Hulst von Kattelkall und Olein, erwählet, in deszen Stelle der 
Pastor von Holmho1Y Gercken und Po orten der gewesene Adjunctus wieder dahin 
vociret. Der Candidat Baernhoff zum Adjuncto und Priester auf Bickern ge wählet. 
Hen 6ten Septembris sind zu Mittage die Leichen Sr: Excellence des Herren 
General en Chef und Ritter Wasili Abramowitsch Lapuchin und des General- 
Lieutenant Sybin, welche den H} A ugusti in der Bataille bey dem Dorfe Grosz- 
jägersdorf, so gegen die Preüszen von dem FeldMarschall A praxin gewonnen, ge- 
tödtet worden, alhier in der Ruszischen Kirche eingebracht und niedergesetzet. 
D. 11 Septembris ward alllier wegen glücklicher Bataille in Preüszen ein 
Danckfest in allen Kirchen gehalten und der ofl'enbahre Recht:iTag, der vor 
sich gehen sollen von Em. WohlE dien Raht, weil den morgenden 'rag als Fast- 
ßusz- und Beht-Tag zu feyren durch Patente anbefohlen, bisz am Sonnabend 
aufgeschoben und also den 13ten offenbahrer Rechts-Tag gehalten. 
H. 30sten Sept: ist Se: Excellence der Herr OeneralLieutenant und VicI'. 
Gouverneur 'V oiewkow mit einem Sohn erfreiiet. 
D. 4ten Octobris sind 3 Diebe am Pranger gestrichen und vor der Stirn 
und beyden Backen gebrandtmercket und so nach Rogerwieck geschicket worden. 
D. 2G OctoLer kahm der GeneralPeldmarschall lind Ritter Apraxin umL 
10 Uhr aUder an und den 27 reiseten Se: Excellellce Ulllb halL 12 Uhr unter 
ALfeiirung 3;3 Callonen Schiisze naeh St. PetersLurg. 


1) Den 17 Augnsti u. 8. W. um Rande. 


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176 


Schievelbeins 


1751-58 


D. 2 Novembris reiseten die General-Feldmarschallin Apraxin gleichfal
 von 
hinnen nach 8t. Petersburg. 
D. 18 fing es starck an zufrieren und wurde die Flosz-Brücke den Mittag' 
über abgenommen und weggeführet, welche aher nicht weiter als his ]hro Ma- 
jestät Garten wegen hefftig anhaltender Kälte gehraeht werden könnte. 
D. 22sten Uluh 5 Uhr Ahends kahm hey einem Ruszischen I.ichtgieszer 
Feiir aus, welches hey Süd-Westen Wind immer zunahm und bisz halh 2 Uhr 
in der Nacht wehrete, da 2iJ Haiiser ahbrandten. 
D. 2H Nov: wurde ein Dieh, der vielmahlen gestohlen, am Pranger mit 
Ruhten gestrichen und auf den Riicken gebrandmercket, auch so der Stadt 
verwiesen. 
In dem zurückgelegten Jahr 1757 sind 183 Kinder getauft 56 Paar copu- 
liret und 162 Leichen beerdiget. 
An Schiß'en ausgegangen 533 davon 7 wegen gehabten Schadens zurück 
gekommen sind und 13 Wintterlag:e gehalten. 


S, 160 


Ao: 1758. 
Den Isten Januarii wurde in der Stadt wegen der am 9ten Decembris 
anno }lraet. beglückten Gebuhrt der GroszFürstin, welche in der Taufe den 
Namen Anna Petl'owna erhalten, das Danckfest gefeyret, und üher den 1. 2. 3 
und 4 ten Vers des 66 Psalms im ganzen Lande geprediget. 
Den 26 ward wegen Einnahme Königsberg8 ein Danck-Fest gehalten, auch 
von den Wällen geschoszen. 
Umb halb 11 Uhr in der Nacht brandte ein groszes höltzernes Hausz in 
der Vorstadt ab, darüber in der Stadt und Vorstadt die Glocken angezogen und 
die Trommeln geriihret worden. 
nen 13 Febr. ging der Chevalier Keith ein J
nglischer Minister, der im 
Stadt Gasthause logiret war, nach St. Petersburg. 
Den 25 ist des FeldMarschalls Apraxin Sohn von hier abgereiset und nach 
St. Petersburg gebracht. 
Den 5 l\Iartii ist das Käyserl. Hof-Gericht eröfnet und die erste Session 
in diesem Jahr gehalten worden. 
Den 6ten kahm des Sächsischen PremierMinisters Herr Sohn mit dem 
Obersten und CammerfIerrn Perlebs und einem Abbe Nahmens Victor einem 
Italiäner hier an und reiseten den 7 den nach St. Peterslmrg. 
Den 18 Martii trafen Se: Königl. Hoheit der Chl1rsächsische Prinz Carl 
unter Losung der Canonen von 31 Schusz umb halb 5 Uhr al hier ein, und wur- 
den von denen Herren Deputirten I
ines HochEdlen nahts in der Olein em- 
pfangen, auch zugleich durch die beyde reitenden BürgerCompagnien von 
Dl1mpen Gelegenheit eingeführet, höchst dieselben traten in Ihro Kayserl: 1\fa- 
jestät Palais aJJ, und erhoben sich den 23ten wiederum nach St: Peterslmrg, 
wurden auch in obiger Ordllllllg his zwey Werste wieder begleitet. 
Den 21. kamen Se: Durchi : der Herr General J.ieutenant und Ritter Fürst 
W olodimir Dolgoruki als unser gnädiger Gouverneur glücklich alhier an. 
Den Hten April ging das Eis in der Duna umb 1 Uhr bey der Stadt ganz 
stille bis an der Citadelle. Das I
is war oberwärts bey JohannisDamm und hin 
und wieder zwischen den Höhnen zwar gestauet lind das "rassel' all8 denen 
Ufel'll getreten, welches aber zwischen G und 7 Uhr sich glücklich gehoben und 
starck weggegangen. 


L.
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1758--59 


Tagebuch. 


177 


Den H
 sind die ersten Strusen, von welchen eme ohnweit Jungfernhof 
verunglücket ist, angekommen. 
Den 22 kamen die ersten Schiffe 1t) an der Zahl mit einmahl an, sie haben 
sich mit vieler Gefahr durch das I
is, womit die ganze Rhede voll getrieben 
war, durch gearbeitet, eines aber, als das 17 te wurde von dem Eis aufm Strande 

esetzt. 
Den 27 April wurde mit Legung der Brücke der Anfang gemachet und den 
6 .l\Iay konte man zu Mittage dariiber ganz überfahren. 
Deli 3ten Junii donnerte es zum ersten mahl in der Gegend der Stadt. 
Den 7. Junii kam der Herr General Lieutenant und CammerHerr von KOl.ff 
umb 10 Uhr alhier an, und reisete den 10 von hier nach Königsberg als dasiger 
Gouverneur. 
Den 6. JuIii kahmen Sr: Königl: Hoheit der Poln- und Chursachsische Prinz 
Carl von 8t. Petershurg zurllCk und gingen nachdem Sie sich eine Stunde alhier 
aufgehalten, weiter [Iber Mitau zu lhro Käyserl: Majestät Armee. 
Den 11 August Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr geschahe bey klarem 
Himmel und hellem Sonnenscheine auf ein mahl ein so starcker Schlag in der 
Lufft, der dem Schusz einer Cartaune gleichte, dasz davon die Haüszer schüt- 
tm.ten, nach dem KnaIIe hörete man eine his 2 Minuten in der Lufft ein Ge- 
raszel, als wann Granaten crevirten. 
Den 8 Se}.Jtemhris feyrten wir das Danckfest wegen der glücklichen Bataille 
wieder die Preüszen bey Fürstenfeld ohnweit ZorndOl'ff im Brandenburgischen. 
Den 3 N ovembris wurde die Flosz- Brücke abgenommen und bisz nach Ihro 
M.tjestäten Garten gebracht. Wegen Veränderung des Wetters blieb sie da liegen, 
bisz sie den 16 wieder an der Arbeit gingen und endlich die Brikke in die 
Sode Graben brachten. 
Im November und December ist alhier ein Englischer LuftSpringer und S. 161 
PositurenMeister mit seiner Frauen gewesen, welche ihre besondere Geschick- 
lichkeit alhier sehen laszen. lmgleichen haben Operisten, so nach St. Peters- 
burg gehen wollen, Concerten auf dem schwartzen lIaüpterHausze gehaIten, zu- 
letzt aber l\Iasqueraden daselbst angestellet, wobey viele vornehme Dames und 
CavaIlim'es mit masqviret zugegen gewesen, getanzet und gespielet. 
D. 9 Decembris wurde Ihro Käyserl. Hoheit der Princeszin Anna Petrowna 
GebubrtsTag alhier solenniter gefeyret und von den WäIIen - Schusz mit 
denen Canonen gegeben. 
In diesem Jahr sind in allen 502 Schiffe eingekommen und ausgegangen 
4137. In geheimer lJxpedition, welche keine Lotz-Gelder 1 bezahlt haben, sind aUB- 
gegangen 47. Die WinterLage alhier halten 8. 
In diesem 1758sten Jahre sind 190 Kinder getaufl1:, 77 Paar copl1liret und 
in dreyen Kirchen beerdiget 150 Leichen. 
Zu 8t. Georg und Gerdruth sind 116 Kinder getaufft 36 Paar copuliret 
und 243 Leichen beerdiget. 
In der .Jesus Kirche sind 69 Kinder getauft't 26 Paar copuliret und 62 Leichen 
beerdiget. 
Anno 1759. 
D. 12 Januarii ist die Justiz: Predigt über dpn Text aus dem !sten Petri 
am 2 versu 17 VOll dem Hf'rrell Pastore Clu'istian Sixtel in der Thum-Kirche 
gehalten worden. 


1) Lotsen-Gelder. 


12
>>>
178 


Schievelbeins 


1759 


J. 3 Fchruarii kahm Sc: l'
xccll: 11m' Herr General ]'m'mor in der Vor- 
l:itadt hey dem Herren General l\lajor Nuhthelfi'er in deszen Hau:ze an Ilnd rei- 
sete llIuh 1 Uhr in der Nacht nach St: Peterslmrg wieder ab. 
D. 4 kahm der Herr Gcneral Broun gegen 12 Uhr zu Mittag in Holhnanns 
Hausze an und ist }Jey den Engellander FraseI' logiret gewI'sen, den (Hen ejnl:id. 
fdih lUnb halb 7 Uhr nach St. Petersburg zu reisen aufgehrochcn. 
D. 9 Februarii sind Se: Excellence der GeneralLieutenant und Ritter W oye- 
kofi' von hier nach Warschau abgereiset. 
D. 18 Febr: ist der Herr Gencral Lieutenant Graf Romanzoff hier ange- 
kommen und gleichfals nach St. Petershurg gezogen. 
D. 1 sten 1Iartii ist Graf Fermor General en Chef umh 10 Uhr in dcr Kacht 
in sein voriges Qvartier angekommen und gleil'h den 2ten um 12 Uhr zu Mittag 
nach der Armee aufgebrochen und verreiset. 
D. 3 Martii langte der Graf und GeneralLieutenant Romanzoff llInh 1 t Uhr 
in der Nacht hier an. 
D. 4 Martii kahm der Schiffer Dolhoft' von Lübeck hier an und in der 
Nacht war das Eis vor der Stadt weggegangen his an die Bolderaa. 
D. 7 kahm der Herr GeneraUJieutenant Fürst Dolgorul'ki von der Armee 
und ging nach St: Petersburg. 
D. 11 ten reiseten Se: Excellence der Herr General Broun nach seinen 
Giitern. 
D. 11 ten und 12 war ein starcker I
isgang von oben, welches Eis wegen 
contrairen .Windes nicht nach der See gehen konte, sondern sich in der Duna 
hin und wieder setzte. 
D. 18 sind Ihro KönigI. Huheit der DIll'chI. Herzog Carl von Curland und 
Selllgallen in Mietau aus Warschau angekommen. 
S. 162 D. 24 Martii wurden die Fischer und Ubersetzer nach der Flosz-Briicke 
gesandt umb solche aus den Graben zu bringen, welche sie auch den 27 an die 
Stadt gebracht und den 29 nach den andern Theil abgegangen. 
D. 12ten April sind Ihro Königliche Hoheit der Durl'hl: Herzog von Cur- 
land umb halb ein Uhr alhier angekommen und 1/." auf 4 Uhr wieder nach 8t. 
Jetersburg aufgebrochen. 
D. 23 April ist die FloszBrücke zur Uberfahrt gantz fertig gewesen. 
D. 26 April wurde in der Stadt DuhmSchule Ihro KäyserI. Majestät Krö- 
nungsFest gefeyret und d. 27 wurden die neü erwählte SchulLehrer der Sub- 
ConRector Wedel, der Collega 5tae Classis Fleischmann und der CollabOl'ator 
Hamann bey dem Anfange des l
xaminis publici von dem Herrn Rectore Lindner 
solenniter introdnciret. 
H. 2 May ward Pastor Gercken ,"on dem Herren OberPastore Sixtel in 
Ht. Gerdruth und Pastor Puortcn auf Kattelkaln von dem Herrn Pastore Ra- 
venSherg introduciret. Juhallll Christoph Uericke am 
onntage Juhilate seine 
AlltritsPredigt iiber das EvangeliulIl 
ehalten, uabey den Sieg eines recht- 
l:ichafl'ellell Lehrers iiLer die Beschwerlichkeiten seines Aml.ts vorgestpllet hat I. 
n. ](; May ist der Candiuat Willi:'JCh auf Jfohuhoft. als Prediger von dt'lll 
Herrn Pastore Ravenl:iherg introduciret worden. 
]). 23 .l\Iay wurde l'recht 
Ils AIljunctu: in der JesnsKirche von dem Herren 
OlJerPastore Sixtel introuuciret. 
0. 30 MaJ' kahm der Herr Ot'nt'l'al 
oItikofl' au!::! 
t. Pt
tel'shurg alhier an. 


1) JohlLnn Christoph t4. B. w. am Rande.
>>>
1759-60 


Tagebuch. 


t7!} 


I. 5 Jlllii wal' dCI' dic:! convclliondi 
tlIf don LandTag, so don 30sten 
1\larl.ii ausgescl..ll'ichclJ uml tlcn (j tell g-ingen tlie VOll Adel, nachdem 
ie auf dem 
Ritterhausze sich v('rsammlet hatten, zur Kirche allwo der Herr GeneralSuper- 
intendens Zimmermann iiber den 9. 10. 11 versen des 85 Psalm vredigte. Wie 
der GottesJ)ienst in JacoLi Kirche geendiget und die Ritterschaft sich auf den 
Ritterhausze hegelwll, gingen dieselbe in Procession zu Schlosz Ihro Durchlauchten 
dem FÜrsten Dolgorucky als unseren Herren Gouverneuren die Aufwartung zu 
machen. Herr Gerichts- V oigt von Wiedau und Herr LandV oigt Schick sind 
d. 17 Junii als Deputirte nomine l\fagistratus erwählet 1. 
D. 22 JuIii kahm der Herr Altermann Schwartz von St. Petersburg von 
seiner Deputation zuriick I. 
D. 29 .fuIii trafen Ihro Königliche Hoheit der Hertzog von Curland und 

emgallen Ulnb halh 8 Uhr gegen Abend hier auf ihr l\Iajeste Palais ein und 
den 30sten morgens gegen halL 7 Uhr brachen dieselbe hier wieder auf und 
setzten ihre Reise nach 
[jetau fort. 
D. 5 Augusti ward der LandTag geschloszen und bey Sr. Durchlauchten 
UDseren Herren Gouverueur, GeneralLieutenant und Ritter von St. Annen Orden 
Fiirsten Dolgorucki die AhschiedsAudience gesuchet. 
D. 22 Octohris wurde die FloszBriicke abgenommen und den 23 sten in den 
Graben gebracht. 
D. 25 wurde die neU illventirte WaszerMachine, womit die Diina von den 

andBäncken zu reilligen wäre, probiret. 
D. 28sten Novembris ging die verwittibte General FeldMarschallin Gräfin 
Lacy gebohrne Ma.rtha von 

unck mit Tode ab. 
U. 17 Uecembris geschahe die PriesterW*hl und Immannel JU8tus v. Essen 
OberPastor. 
In diesem Jahre sind 674 Schiffe eingekommen 667 ausgegangen 5 Winter- 
Lage zu halten 2 geheime Expedition. 
208 Kinder getauft, 122 Leiclien begraben und 71 Paar copuliret worden. 


I 


Anno 1760. S. 163 
D. 9 Januarii reiseten Se: Durchlauchten der Herr GeneralLieutenant und 
Ritter Czarewitz mit seiner Gemahlin von hier ab, welcher in des Vice-Gouver- 
neuren in der Sünder-Strasze belegenen Hausze gestanden. 
D. 11 Januarii geschahe die JustitzPredigt von dem OberPastore von Essen 
nber das 1 ste Buch der Könige am 3 Capittel 28 vers. 
D. 18 und 1!1 fing es starck an zu dauen, nachdem sehr viel Schnee gefallen. 
D. 26 fing es wieder heftig an zu frieren. 
D. 31 waren die GÜlden auf ihren Stuben zusammen und bestätigten ihreu 
A1termaun und erwählten 4 nei'le E1testen der groszen GiHde AHn.echt Kruse, 
Georg BerckhoItz, Josua Stegemann und David Pohrten, die kleine GiUde Niclas 
)lüller Eltester und Jacob SeeleI' Dockmann. 
D. 8 Februarii sind Se: }1
xcell: der Herr General Villbois ankommen und 
haben des Vice-Gouverneuren Hausz bezogen. 
D. 15 FeLr. trafen Se: Excell: der Herr GeneralFeldMarschall Graf Solti- 
koff hier ein un d reiseten den 16 wieder weg. 
1) Herr Gericbts-Voigt u. /I, 111. am Ramie. I) Der USo SchwUI.tz und der Ältermann 
GG. Schwartz waren netc!, Peter/lburg i1ll August 1757 ge/lanclt u'orden, U1II den Handel gegen 
{rett,de Eindritlglingl' zu /I('hützen. Vgl. RP. v. 22. U. 29. Ai/g. 1757, PI. B. 145 S. 213 ff. u. 
23415. Vgl. 1760 April 8. 


12*
>>>
180 


Schievelbeins 


1760 


D. 
8 ist der Englische Con:,lul Herr Wroughtoll hier ankommen und nach 

t. Petersburg abgereiset. 
D. 25sten Martii ward von denen Ruszen l\Iariae Verkiindigung ordentlich 
gefeyret, von den Teütschen und Letten aber d. 28sten l\lartii in den Stadt- 
Kirchen nach der Schwedischen Kirchen: Ordnung, weilen das Mariae Verkiin- 
digungs:Fest in der MarterWoche einfiele. Sonst ist auf Allerhöchsten Befehl 
in der OsterWoche alle publique Arheit unterlaszell. 
D. 10 April ist das Examen privatum in Schola cathedrali angefangen und 
den 12 geendiget. 
n. 16 April ist das extraordinaire dicke Eis in der Duna zwar gebrochen, 
aber den 17 ten und 18 ten allererst nach unten weggeganp.'pn, dasz wir auf der 
Stadt Weyde grosz Waszer jedoch ohne mercklichen Schaden gehaht auszer 
was auf der Spilwe das Eis daselbst verursachet, weil es dariiher seinen Gang 
genommen hat. 
D. 25 April um halb zwey Uhr ka.hm der Herr OherSecreta.ir Schwartz 
von seiner Deputation aus St: Petersburg all,ier an I. 
D. 4 May sind 19 Schift'e angekommen. 
D. 16 May gingen die Fischer, Ubersetzer und Anckerneken nach dei. 
FloszBrücke, davon d. 24 May alle drey Stücke hieher gebracht waren. 
Eodem langte Se: Excellence der Herr GeneralFeldMarschall Graf Solti- 
kow aus St. Petersburg alhier an, und d. 26sten umh halh 8 Uhr Morgens rey- 
seten Dieselbe von hier ab. 
D. 8 Junii trafen der Französische l\1inistre der Herr Baron Breteviel hier 
ein und gingen bald darauf nach St. Petersburg. 
D. 10 Julii hat es angefangen zu regen und so immer continuiret. 
Zwischen den 19 und 20sten Augusti in der Nacht ist Eltester Hass seine 
Maltzerey, so unweit SIegvogts gewesenen Garten gelegen, ganz abgehrandt, ab pr 
nicht auszufinden gewesen, wodurch das Feru' ausgekommen. 
n. 28sten Augusti hat man die Nachricht bekommen, dasz der Herr Regie- 
rungs Baron von Campen hausen zum Geheimen R.ath von ]hro Kayser!. Maje- 
stät erklähret und ernannt worden. 
S. 164 D. 29sten Septembris trafen Ihro j1]xcellence der Herr FeldMarschall Graf 
Alexander Buterlin aus St: Petersburg gegen ]2 Uhr zu Mittag hier ein, nach- 
dem Selbte durch den Herrn Biirger-:Meister Bewehrt, Herren LandV oigt Schick 
und den Herren Secretaire Bulmerincq nebst der reitenden Bürgerschafft zu 
Pferde auszer dem RauensTllOr entgegengenommen worden und in ]hro Ma:jeste 
Palais abgetreten waren, von dem Herrn \V ortfiihrenden Herren BürgerMeister, 
einen Herren des R1tths und beeden Alterleiiten cOlllplimentiret. 
D. hten Octobris reiseten Se: IIochgräfliche ]
xcell: der Herr FeldMar- 
schall von hipr Ulllh halb 3 Uhr olme Gefolge nach der R.uszischen Armee in 
Preiiszen. 
J. 20sten Octobris kahm der Graf Peter Czernischef hier an, welcher als 
Ruszischer Amhassadeur Rm 1,'ranzösischen Hofe ernennet worden. 
D. 2 ten N ovembris ist uel' Herr Oenerall\f1\jor und CaUllllerIIt'rl' (;l'af 
lIamilton von 'Vien hier alJgelanget lind d. 3ten nach St. Petersburg wiedpr 
ahgereiset. 
u. 3 tell Novembris arrivirte der !'iil'st Repnin, welcher als Gesandtt'r nach 
Spanien zu reisen ernennet und verfolgte seine Reise d. 9ten ejllsdem. 


1) Vgl. 1759 Juli 22.
>>>
1760 


Tagebuch. 


181 


D. 1i1t!ten ist die FloszBrücke abgenommen und nach dem SodeGraben 
gebracht worden. 
D. 25sten it!t dl'r IlolIändi::!cllC I
nvoye Meinert!hagen alhier angekommen 
und den 7 den Decemhris vou hinnen nal.h St: Petersburg aufgebrochen. 
Zwischen den 22 und 23sten in der Nacht Ulnb 2 Uhr it!t das gefrorne git! 
iu der DunR aufgehrochen und gegen Morgen umb 9 Uhr ganz klahr Waszer 
vor der Stadt zu sehen gewesen. 
n. 25 und 26sten hat es starck gefrohren und dic Buna wieder mit Eis 
belcgct, dasz man am 27 und 28steu dariiher fahren können, aber Schnee hat 
gefehlet. 
Dis Jahr sind 6
2 Schiffe hier angekommeu, davon nur 492 clariret hahen 
und la5 1 WinterIage halten werden. 
In den bey den StadtKirchen sind 198 Kinder getauft'et, 64 Paar copuliret 
und 108 Leichen begraben. 
In der Reformirten 12 Kinder getauft, 6 Paar copuliret und 8 Leichen 
beerdiget. 
ln der St: Johanni::! Kirche 285 Kinder getauft'et, 103 Paar copuliret und 
14 IJeichen zur I
rden bestattet. 
In der zu St. Georg und Gerdruth 123 Kinder getaufet 35 Paar copuliret 
und 166 Leichen begraben. 
In der JesusKirche sind 74 Kinder getautl"et, 20 Paar copuliret und 42 
IJeichen zu Grabe getragen. 


1) i. O. 191.
>>>
. 


L
>>>
Erste Abteilung: 
Chroni ke n. 


6. 
Die ehronik des Attesten :1oachim Hartwich 
1719-1724-. 


-- . ---- ; 1 J(1'€: J '! 


.
>>>

>>>
Die Chronik 
des Ältesten J oachim Hartwich 
1719-1724. 


r 


1719. 
Kleinere Nachricht von 1719 Fastnacht, was sich auf der Gylldestuben zu- S. 1 
getragen und aueh . . . . . . . pactiret worden, in dieser Zeit. 1. Erstlich seynd 
nachfolgende EIsten in der Bank gewesen in diesen Jahr, dabey ich Joachim 
Hartwich bin Bruder geworden, alsz Alterman Johann Hollander, worthhaben- 
der, den 23. Septembr. 1719 zum Rahtherrn erkohren, Alterman Joachim Kordes, 
gestorben 1721, Elster Meiners, uen 1. Septhr. 1720 gestorben, EIst. }Iathias 
Marquat, MichaelI v. Malmen, Johann Damm, Joehim Donniger, Ao. 1724 den 
5. May gestorben, Johann Eelvers, Hinrieh Kahl, Wielhelm IJudeloff, Thor- 
avest, Georg Krumnau, Johann TTinrichsen, Johann Koht, Claus Krüger, 1720 
den 14 Decembr. gestorben, I
lst. Friedrich Schiffhausen, EIst. Johann Gösche, 
worden Alterman 1720 den 21. Februari, Wilhelm v. Ostho11', Hermann Bewer- 
man, Reymers, Johan Fried. Schick, Jochilll Hinrich Voigt, Adam Hinrich 
Swartz, Dockman, zum Rahtmann erkohren den 
m Sel'tembr. 17 w. 
1719 den 26. January kahm die Bürgerschaft't auf der grosen Giildestuben 
zusammen, um 4 }JIsten zu erwehlcn und muste Elster Joachim Voigt das Wort 
fiihren, weill dpr Dockman Adam Hinrich Hwartz nach Petersburg verreyset 
war. Nach Einsammlung der Stimmen wurden in den Kammer nachfolgende 
gesandt: 
1. Antohny Thyring, Arendt Johan Bade, MichaelI Kesseler, Reinholut GraB'. 
2. Hinrieb Neumann, Johann Ludeloff, .Eberhardt Bolmering, JohalUl Heidvogell. 
3. And. Rayne, Alb. Eysing, Amires Guthan, Andl'eas 'fhohren. 
4. Eberhardt Rademacher, Samuell Pelmalln, Jacob Gasseus, Erich Harmsohn. 
Von diesen eingeschickten Bürger worden von der EIstenbanck nachfol- 8. 2 
gende erwehlet: Anthoni Thyring, ein Reformirter, JohaJ1ll Ludeloff, Andreas 
Rayne, ein Reformierter, und }Jberhardt Rademacher, und also dies .Jahr zum 
erstenmahl, solange Riga gestanden hat, die Reformirten in den Hlstenbanck 
genommen sinut I. Der Höchste lase es nicht uns zum Ungliik gedeien. Nach 
diesen wurde ein Alterman erwehlet und wurde bestattieget Herr AltermanlJ 
Hollander heym Wort. 
Diesz J 719. Jahr in }[aymonat ist hier in Riga ein liehr groszer unerhörter 
Sturm gewesen, dasz mehr alsz 100 Strusen mit \Vahren, alsz Henpf schlach und 
Henpfsahmen zu Schaden kommen. 
1719 Septembr. wurde auf der Guldestuben erwehlet, nachdem der Herr 
Dockmann Swartz von der Bürgerscbafft die Stimmen eingefordert und in den 


1) B. I 474. 590. 


--
>>>
186 


Hartwichs 


1719 


Kammer gehracht ward, welche dan waren: Arendt Johann Bade, Reinholdt 
Oraffe und Samuell Felhnanu. Von diesen wurde Dockmann Johan Arendt 
Baade vom Raht uud I%;tenbanck erwehlet. 
1719 1lichaelis, wurden von Einem HochF.:deln und Weysen Raht nachfol- 
gende erkohren, und zwar erstlich zu gedencken, wer jetzieger Zeit im Raht 
seyndt. 
Herr .Johann von Benckendorft' Burgraff und eintzieger Burgermeister, den 
18. Augusty muste er nach Peterburg 1 . 
Herr Hans Kleiss Oberamtsherr, gi eng ab 171!} in }Iichaely. 
Herr Johann Groht Oberwettherr. 
Herr Christian Zimmermann IJandvoigt. 
Herr )Ielchior 
 Wiedau Gerichtsvoigt. 
Herr JohaIlIl S SchuItzen Gerichtsvogt. 
lIerr Peter Weyer Quartierherr. 
Herr Christoph' Löwenstern Quartierherr. 
Herr Hermann Witte von Nordeck Quartierherr. 
Herr Georg Beyer Quartierherr, gestorben 1721 den 12 August, alt 52 Jahr. 
8. 3 Von diesen Herrn des Raths wurden nacbfolgende zu dero Mitglieder er- 
wehlet, alsz H. Secretaire Georg Raes, H. 
ecretaire Georg Berens, H. Alter- 
mann Johann H ollaIHler, 11. Hockmann Adam Hinrich Schwm'tz, II. Dicdrich 
Zimmermann, ein Kauft'mann 5. 
Von diesen letztern, weill er weder Biirger, Bruder und BIster gewesen, 
hat dasz Elstenbanck wieder den Wahl wegen Zimmermann protestiret 6 und 
auch bey Generallgouverneur Fursten Herrn Repenin gesuchet, die gewöhnlicbe 
Aufführung auf Rahthause uen I L Zimmermann zu inhibiren 7, welches aber von 
Einem Edlen Raht mit genauer Noht ist abgehalten worden unu es hat his nacb 
11 Uhr gewehret, bis der H. Burgraff von Benckendorft' von Schlosze gekommen 
und die Aufführung der neuerwehltell Herren hat frey bekommen. Was nun 
die EIsten werden in dieser Sache ferner ausrichten oder wo es ihn bekommen 
wirdt, dasz sie protestil'et haben, wird die Zeit lehren, welcbes dan, wo ich 
leben werde, notiren will. lndesen haben nachfolgende Herren des Raths fol- 
gende Ampter bekommen: 
TL JohallJl ßenckendorft' Burggraff und Uberwaysenherr. 
H. Johann Orott Bllrgemeister und Oberlandvoigt. 
H. Christ. Zimmermann wohrtfiihrender Burgemeister und UlJercassaherr. 
H. }lelchior 8 Wiedau Ohervoigt, ward Bllrgermeister den 11. May 1722. 
H. Jobaun 0 Bchultzen Uheramtsherr und Inspector beye Peterkirche, wardt 
OLervoigt 1722 den 18 Aug. 
H. Peter Weyer Oherkammerherr und Kastenherr. 
H. Christopber Lewenstern Oberwettherr. 
H. Hermann Witte von Nordeck Oher1Jauherr. 
H. Georg Beyer Obergesetzherr und Wettherr, ger;torben den 12. August 1721, 
alt 52 Jahr. 
H. Geol'g Raaes Gerichtsvoigt. 


, 


1) Benke1
dorff wurde von Peter dem Gro88en in den Reiclt8magistmt b/J'rufen und reiste im 
Augu8t 1721 ab. B. I 616. 619. 11) i. O. Niclaus. S) Johunn feltlt. 4) Christoph 
fehlt. 1\) Am Rande: Nuchdem H. Hollallder in Raht gezogen worden, wurde Altermallll 
Kordes das \Vort aufgeleget, weill er aber alt war, so wurde ihm adjungiret Elster Schiff- 
hausen Ilnd };ll!ter O
thoff. G) n. T 514. 517. 7) B. I 5.00. 8) i. O. Niclall8. 
9) Jobnnn fehlt.
>>>
1719-20 


Chronik. 


187 


, 


H. Georg Berens, Quart.ier- und Waysenherr, wie auch Inspector beye Duhm- 
kirchen und Port.orienherr. 
11. Johann Hollander, Quartier-, Amtsherr und lnspector bey Johanskirchen. 
H. Adam Hinrich Swartz, Quartier- und Unterkämmerherr. 
H. Diedrich Zimmermann, Quartierherr und Recognitioninspector wie auch 
vom Zuchthaus Inspector. 
1719 Noverubr. den 15. wurde ich von EIsten und Bi"lrgerschafl't erwehlet S. 4 
zum Beysitzer uey der Taffelgülde und wurde mir angesagt 23 Decembr. auf 
Giildestuben zu erscheiniegen und stelten sich nachfolgende, die hiezu gehörten, 
ein, alsz H. Christian Zimmermann, wohrtführender H. Bürgermeister, II. Ober- 
kammerer Peter Weyer als Calcl1lator von dieser Stifttung, H. Altermann .Joachim 
Kordes hatte das Wort, EIst. Johann Hinrichsen, Reinhol1 Graft. und Joachim 
Hartwich. Hier wurde ein ziemliches den supplicierten Wittiehen veruesert und 
empfingen sie in allen COl1rant Rthl. 320. 
Um diese 
eit hat die ßrauercompagnie, ...
lterman und Beysitzers, worunter 
ich auch wal', mit denen H. ßaurhälldelern einen Pro ces, und zwar des Hopfens 
halber, weilI hier der V orraht klein war und täglich ein vieles nach Curlandt 
verschikt ward. Als ersuchte die Hrauercompagnie Binen HochJ
lnen Raht, 
wie auch den Recognitiongericht, dasz das Wegschickennd ihnen möcht inhibiret 
werden. nie ßaurhändeler waren damals die Principalsten, so den Verkehr 
mit Hopfen hatten, BIster Schick, Reinholdt Grafl'e, Caspar Gerngros und Fr. 
]
Isterin Elsing. Die Brauercompagnie wurde nicht in ihrem Begehren gefügt, 
worüher sie eine Bewahrung hey der Recognitiongericht einlegten, um vor kiinft.- 
tiegen daraus entstehenden )[angell keine Schuldt zu hauen. Diese Bewahrung 
veranlaset einen WB. Raht, dasz das Wetgericht committiret worden, beede 
Parteyen zu vergleichen, worzu ihnen die Zusammenkunft"t auf der Giildestuuen 
angewiesen wardt, welches auer ohne l
frect, und die Hache noch in kein Endt- 
schafft gerieht. 
1720. 
Ao. 1720 den 21. Fehruary kahm die Biirgerschaft"t auf !l0 Persohn auf der s. 5 
Giildestuben zusammen und ward ihnen von den 1
lte1'man Kordes und 17 EIsten 
vorgebracht, dasz sie zur Wahl schreiten solten, Z\U' 3 EIsten und einen Alter- 
mann. Und der Altermaun iHJe1'1'eichte den jetziegen Dockmann Arendt Johann 
Baade eine von ]hro Königliche )[ajestät Carolo den XI. gegebenes Befehl, wie 
dasz keiner zum Altcrmann, alsz ausz der Banck soll erkohren werden, welches 
die Bürgerschaft't annahm, jedoch AI1H'echt Eysing hrachte heym Dock an, dasz 
die EIsten hil1r1'lh1'o, weilI esz eine uose N achf'rage geben koute, keiu{,ll Refor- 
mirten zum 1
lsten nehmen 1Il0chteu, worauf die EIsten antworten liesen, dasz 
wan sie keinen einsend"ll werden, sie keinen Ref'ormirten llehmell könten, wor- 
auf sie zum BIstenwahl schritten nnd ward eingesandt 
dasz erste Mahl: )Iichell KesseIer , Reinholt Oraft'e, Albrecht Eysing, 
Joachim W olck. 
las ander Mahl: :::;amuell Pelllllann, Eherhardt Bollmering, Andreas Guthann, 
Jacoh Gassens. 
das 3te .Mahl: Hermann Harms, Philip Böger, Titus Titussen ein Calviner, 
Johalll1 Heidvogell. 
Ohngeachtet, dasz die Biirgerschafl't keine Calviner in Kammer senden 
woltell, so fandt sich doch, dasz Titussen mit 27 Stimmen, so seyne Favoriten 
waren, einkamm, doch dieszma,hl, weill die meisten Bürgere murmeln und die 
BIstenbank, fals sie 'l'itussen nehmen wiirden, einen wiedriegen AItermannwahl 


l
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188 


H Rrtwlche 


1720 


vermuhten waren, ihm wieder aussaunten, und wurden zur BIstenbank erwehlet aus 
obiegen Subjeeta .!\fichaell Kesseler, Hermann IIarmens uud I%erhard Bulmering. 
S, 6 Zum Blterman wurde erwehlet EIst. Johaml Göosche mit 83 Stimmen, und 
hiemit nach Gewohnheit die Fastnachtklagen eingegeben und friedlich geendiget 
worden. Dieses ist uur noch zu gedenken, dasz die Nacht vor den \Vahl dasz 
grosze Meszingszarm auf der Giildestuben, wo der Alterman pflegt zu 8itzten, ab- 
gefallen und zerbrochen worden, und den Abendt darauf einen groszen schweren 
eisern Bratspiesz mit Braten am Peur mitten von ihm gebrochen und abgefallen. 
Den 11. l\farty war der neue Altet'maun mit die neue Eltesten bey gantzeu 
Raht vorgestellet und wurde von dem H. Altermann Göschen eine vortreffliche 
Rede gehalten t, welches von vielen Jahren nicht von jemanden gescheen worden. 
Den 15. ditto er8chien der B. Altermau zum erstenmahl auf der Gülde- 
stuben mit die gautze Hürgerschafft, uud wurde die Hürgerschafft zur Kasten- 
eIsten und Kasteubiirger Wahl angemalmet. 
1. wurde .BIster Johann Hilll'ich:-;en zu ordinaireu Kasteuelsten von EIsten 
und Hürgerschafft zugleich erwehlet. 
2. wUl'den Elster Johann Friedrich Schyck und JJl8ter Antony Thyrinck zu 
extraordinairen KasteneIsten erwehlet wie ohiegen. 
3. wurden zu ordinairen Kastenbürger erwehlet Jacob Gasseus und 1'itus 
l'itussen von EIsten und Bürgerschafft zusammen. 
NB. wogegen Gasseus protestirete und berief sich auf seine Privelia und 
Apoteker Ordnungen I, darauf wurde Melchert Schroeder alsz welcher nechst ihm 
die meisten Stimmen hätte, insoweit erwehJet, wogegen Gasseus, wie er sich 
rühmet, davon befreyet wirdt, welcher dan beym Altermann sich fre)"machte und 
Melcherdt Schroeder die Stelle wieder betreten müsze. 
NB. Weill Gasseus von der Kasten sich hefreyet hat, so haben die itziege 
EIsten unter sich abgehandelt, keinen Apoteker mehr in die Banck zu 
nehmen. Ob solches wirdt gehalten werden, wirdt die Zeit lehren. 
8. i 4 ten wurden.3 extraordinaire Kastenhürgere erwehlet, welche wahr Albrecht 
Eysing, Daniell Obelich und Johann Heidvogell. 
NB. hie hey diesen gantzen Wahl bemerkte, dasz die Stimmen aufn Taftel 
von die beyden jüngsten EIsten wurden aufgezeichnet und von Dockman Arendt 
Johann Baade nebst die jüngsten Brüder Obelieh und Mindell begleitet. 
ND. Die jiingsten Imsten waren Harmen Harms und Eberhardt Bullmering. 
5tells wurde ich von die Bürgerschafft durch die meiste Stimmen zue Bey- 
sitzer zue die Weyde genommen. 
Dieses 1720te Jahr im Febr. wurde der polniesche Ambassadeur, der vierte 
Palatin im Reiche nnd W oiwod von Masuren seiuer Charge nach, sein Nahme 
war Chamantoffsky in Riga eingelJracht und nach 8 Tagen wieder ausgebracht 
nach Petersburg. Im Augusty den 7. 9 kam er wieder zurück und wurde von 
der Bürgerschafft und Gesellen wieder ein- und ausgehracht. Um diese Zeit 
wal' der Ritmeister H. Elster Marquat, welcher die Bürgerschafl't anführte, wor- 
unter 25 Persohnen mit rohten Röcken und Colleten sich mundiret hatten. 
Die Corporals waren Elster Wilhelm v. Osthoff, Johann Koningfels. Das erste 
Mahl war Harmen Harms Adjudtant, dasz letzte Mahl war Samuell Fellmanll. 
Der H. Elster Thoravest war Leutnandt und fÜhrte die Gesellen an, welche 


I) B. I 538. 2) B. 11 605. 606. Nach der Apothekerordnu1l9 Art. 36 waren Apo- 
theker von Vormnndschafften und andern Bürgerlichen Aembtern hefreyet. S) 7 ergänzt 
nach B. III S. 92.
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1720 


Ohronik. 


18ft 


. 


alle hlau gekleidet waren u. Colleten, Ihr fIiite mit Goldt besetztet und mit 
einer 'Vey:!en Rose von tafrten Bandt auf jede seyn Hut. 
Den 1. Septbr. kam der Fiirst Menschikoff hier und den 5. gieng er wieder 
nach Petersburg 1. 
Den 1. Septbr. starll der hiesiege Stadtkastennotary BIst. Georg l\feyners, S. 8 
welche!' 26 Jahr diesen Hienst verwaltet hat und gantz Alter auf 64 Jahr gebracht. 
Den 13. SeptbI'. wurde IJeym dem K.ack auf dem Markte ein Anfang ge- 
macht zu repariren, da dan dasz Vogteichliehe Gericht erschien, nachdem zuvor 
HoItz, Steine und Kalck angefnhret ward, welche waren H. Melchior Wiedau, 
Obervoigt, H. Georg Raas, Gerichtsvoigt, H. Justus Johannes Haltermann, V oigtl. 
Secretary, PoppalI, V oigtl. Notary.11. Ohervoigt l.edete und sagte, dieser 
Actus geschehe deswegen, dasz denen daran arbeitenten lIandtwerker von Nie- 
manden solte in Schimpft' \'orriicken, deswegen er selLsten am ersten seyn Handt 
anlegte und 1 paar neue weyse Handschue, zog dieselben an und nahm ein Steyn 
und legte es auf den Gl'lllldt. Hernach nahm er eine Kelle und warff Kalk da- 
rauf und !:!chlug mit einen neuen Hammer 3 mahl auf Steyn, zog die Handschue 
ab und legte es hey dem Hammel' und Kelle bey, worauf die Maurer ihm 
folgten und jeglicher !:!eyn Stein darauf maurte. Hernach zog der H. Oher- 
voig't wieder ein paar lleue H1tndschue an und nahm ein neu Zimmel'Dlansbeil 
und hieb 3 mahl in den ßalcken, sodasz das 3te mahl in lLoltz bestehen blieb, 
worauf die Meister der Zimmerleute ein jeder im Hauen folgte, und also wieder 
die Handschue ausgezogen und beyrn tlalcken liegen laszeu, und hiemit endichte 
sich dieser Handel!. 
1720 den 19. Septembr. erschien die ßiirgerschaft"t auf der grosze Giilde, da S. 9 
dan der H. Altermann Gösche folgende Rede hielte: WohlEdeI, GroszAchtbahre, 
HochgeEhrte Herrn, Brüdere und Biirgere. Die Ursach, warum gestern die 
Zetteln umgeschickt worden, ist wegen Besetzung die Stelle des verstorbenen 
Kastennotary EIsten Georgi .l\Ieyners, und ist die Ehrliebende Biirgerschaft"t zu 
wisen ausz denen aIten Documenten, dasz die Elstenbanck samt die Bürger- 
schafft zusammen 3 auf einen Zettell guhte redliche und in Peder capablC :Männer 
aufsetzten, die es mit dem Publicum guht meinen, welches dan eingesammlet 
werden ruusz, und die drey die da die meisten Stimmen haben, ausgesetzt. 
Hernacher musz von der Kleinen Giilde, welche auf die Art wehlen, Ihre drey, 
so die meisten Stiluruen haben, zu UDS auf dieser Giilde-Stuben gebracht wer- 
den; von diesen sechs miissen drey, so die meisten vota haben, nach Einem Hoch- 
I
dleD und Weisen Raht gebracht werden, von welchen Sie den Ausschlag 
machen. Ihr Herrn ich habe billig zu erinnern, das sie auf ehrliche und fertige 
Männer sehen und nicht auf Verwantschafl't, den es dem Publicum sehr daran 
gelegen ist. Noch eins. Bs hat Ein Edler Raht sich vorbehalten aus der EIsten- 
Bank der Grosen Gilde zu wählen, welches ich aber nicht billige sondern wohl 
ehrliche und fertige Männer aus der Bürgerschafl't ebenfalls vorgeschlagen 
werden können. Letztlich übergab der Herr Altel'mann Johann Gösche dem 
nock mann Arendt Johann naade eint'n neuen Staft" weill der voriege weggestohlen 
se)'ll soll und hiermit trat der Eltermalln mit den l
lsten ah in der Kammer. 
Illdesell machte die Biirgerschaft"t ihre Zetteln fertig, welches dan die Bank S. 10 
durch den l)ockmann kundt gemacht worden, worüber der Alterman mit die 
BIsten au!:!trat und setzte sich der Alterman mit die heeden Beysitzter hinter 
den Tisch, welche wahren 1
lster Krumnau lIJu] J;
lster Hinrichsohll, die 4 jiingstell 


1) Vgl. B. I 572. 


i) Vql. B. III Abteil. 4 nr. 8 u. Buchholtz in SB. 1899 S. 
 ff.
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190 


Hnrtwichs 


1720 


Ael
ten aher 
tunden VOl' den Ti8Ch. ITiel"auf tI'at m:,jt..r rrhomve8t aldz Unter- 
Cämmerer mit den silherll Tell Cl' ;IUS ICl' Bank und forderte in Begleitung die 
211e ji'lng8te Ebten al8z Hal'ln::! Ulltl HoIlmering, den j)ockman und die z\vo 
ji'mgste Briidf'r dip l'.:ettell1 ah, welches von dem Oher-Cämll1erer Elster Hinrieh 
Kahl verlesen, von dem Herrn Altel"lllann auf 'rall'eln gezeuclmet und von den 
Heysitzter }
lster Hinrichssohn die annotirte Zetteln aufgehohen. Auf df'n 
Zetteln wurden befunden: 
I
lster J Iim'ich Kahl gehabt zu haben 78 Stimmen 
WiIIhelm von Ostboff" " 54 Stimmen 
Jodlim Hinrieh V oigt " " 48 Stimmen. 
Naeh Einsammlung und Auszziehung diesel' Stimmen wurde die Bürger8chafft 
genöhtieget zn sitzten his der Verlauft' der J
iusanllnhlllg hey der Kleinen Wlde 
vorhey were, worbey dan deputiert wurden oben genandte beede jiingsten glsten 
von dem Herrn Alterman nach der Kleinen Gilde den Alterman nebst glsten 
nnd gantzen Briiderschaftt den Grus und Freundschafft zu entbiehten und zu 
vernehmen, ob sie von ihrer Seite mit der Wahl fertig währen und dieselIJen 
auszgehen möchten, worauff sie zur A utwort hmchten, dasz sie solches wollen 
alszbaldt zusenden; iiher eine halhe Stunde erschicnen t ne deputierte von der 
.s. 11 Kleinen G-iilde, welche waren }
18ter Hraunzweieh und ßlstel' l\leyel' der .l\leser- 
schmidt und da sie in der Giilde-StulJen autraten, wurden sie vou den beeden 
jÜngsten Eisten entgegen genommen und his an den Alterman begleitet, welchem 
die deputierten den Grus und Freundscbafft von ibrer Gülden unsere Giilde 
enthohten und iiberreichten den Herrn Altermann die erwehlten, welche waren: 
Elster Hilll'ich Kahl mit 28 Stimmen 
JJIster Ambrosius rJ'eichmaun mit 33 Stimmen 
J
lster Christian Kluge mit HO Stimmen. 
Nachdem Übergah der Herr Altermann die notice von unseren Erwehlteu 
und fertigte sie mit einer gar feinen und freundlichen Rede ab, womit sie 
wieder unter derselben Begleitlmg davon gingen. Indesen wurden K W. Raht 
in Vorschlag gebracbt alsz: 
Elster Hinrich Kahl mit 106 Stimmen 
Elster Wilhelm von Osthoff 54 Stimmen 
BIster Jocllim H. V oigt 48 Stimmen. 
Anno 1720 den 22 Septembris am Donnerstage wurde auf der GiUde-Stuhen 
VOll 3iJ Biirgern eingesammlet die Stimmen von Hockmanll Arendt Johann Baade 
zue einem neuen Dockman und wurden von der Biirgersehafft vorgesl'hlagen 
Reinhold Graff mit 17 Stimmen 
SaulUell 
'eIlmann mit 15 Stimmen und 
'ritus Titussen, ein Calviner mit 13 Stimmen. 
\r on diesen wurde von einem Hochl
dlen und - Weysen Raht uebst dip 
Eisten-Bank erwehlet zllm Dockruann Reinhoh1t Grafl"e mit 17 Stimmen in der 
Kammer; 9 Stimmen hatte Fellmann und 4 Stimmen bät 'ritussen in der Bank. 

. 12 1720 den 23 Septembris wurde Elster Kabl von Ho K Raht zum Kasten- 
Notarius erwehlet; den 2fi. der J
idt in Be)'seyn der IJeede Älterleute ah- 
geleget. 
Den G. ,Juuy dieses 1720ten Jahl'es starb der Ober-Pastor Herr CLristian 
Lauterbach uud wurde in der Stadt erwehlet der Priester von Lemsel Schoen. 
landt geualldt und an desen Stelle auf Lel1lscl wieder Pastor Vick auszell Dörp- 
schen von K K Raht, wogegen uer Generall Supcriutendeute ilJ Uef'lamlt IIUU 
Ober-Pastor von Riga Brüning dawieder heym }'ürsten Repenin pl'otestiel'te. 


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1720-21 


Chronik. 


HH 


In Vorschlag wal' Pa::!tor I"ick, 1'11;1.01' Parisiu8 becue au::! dcm Lande auf Krons- 
UiHeru und Call1liuatus A ntoniu8 Bernhoft. eiu R.igi8cher. 
Den 5. Decembris in der Nacht erstanu ein groses Fpur bey Herlllall1l 
Re)'lllers welcher dan :luch sein halbes Haus ycrlühr und endlich den andel'll 

forgen durch Gottes Gnade glöschet. 


1721. 
1721 den ta Februarii wal' die Rurgerschafft zusammen und von dem Herrn 
AIterlllann Johann Goesche angemahnet zu 4 I
lsten zu wählen und die Fast- 
nacht-Klage anzustellen, welche dann in Vorschlag in die 1 Banke von die Biir- 
gerschafft kahmen: 
1. Samuell FellmannEIst. !!, Albrecht Eysing, Lorentz Holtz, I\Ielchert Scroder, 
2. Andreas Gothann Bist. 11, Johallll Heidvogele, Clas Busch, Jochilll W olek, 
iJ. Johann Weyer Eist.!!, DanielObelich, Philip Beyer, Jurgen Busch, 
4. Jocllim Steglllann Eist.!!, Jacoh Gasseus, Alld. Thoren, Joachilll Hartwich, 
von diesen wurden die in jedem Zettell die Obersten zue .Elsten von der Bancke 
erwehlet. 
Den 21 Februarii 1721 wurde der Candidatus Bernhoff ZUlU Adjunctus erwehlet S. 13 
und den 7. Maii am Sontage in Gegenwart Ihrer Gros Czarischen Majestät in 
Sanct Peters Kirche ordoniret 3 , wo sonsten die Priester nicht pflegten ordoniret 
zu werden 4 . 
In diesem 1721 .Jahr wahren in Riga beydes viele Unheyls- und Verdries- 
lichkeiten, worunter der groste wahl', dasz unsere schene Sanct Peters Kirche 
durch Gewitter den 10 May des Morgens um 4 Uhr in Brandt gerieht und der 
Thorn durch Gottes Gnade in der Kirchen viel, wovor Gott preys sey, dasz 
also auser dieser schönen Kirche kein lllehrer Unglick geschehn 6. 
Den 22. Augusti wal' es mit der neue llau soweit gekommen, dasz an 
uiesem Tage die Zimmerleuthe einen Krantz auf das neu gebauete verfertigt 
Sparn und Bretter legten, wor aber der Praeses von den Zimmerleuten Nahmens 
_ 6 eine gar nach seiner Art hiibsche Rede machte und die Gesundheit von 
allen Ständen tranck auf der Spitze des Daches. Dieses wal' zu bereden, da 
er das Glas auf Gesundheit der Sehwartzen Häuptel' tranck, und es abwarft., so 
traft' csz einen Kerl im Gesichte, dasz er davon sehr blutig worden. 
SeptemLris den 16. wurde zum Dockmann erwehlet aus den dreyen einge- 
schickten Suhjecta als Jacob Gasseus, Melchert Schroder und Hel1l'ich Ahusen 
der erstere Gasseus erwehlet 7. 
28. wurde zu jedermans Freude der Friede 8 ausgeblasen und sieben Tage 
gefeyret und hernachmals den 22. Octobris und den 28 Januarii 1722 ebenfals 
siehen Tage zu feyren, anbefohlen, worzu viele Illuminationes verfertieget wordcn. 
Octobris 18 wurde die Bürgerschafft auf der Grosen Giilde durch den 8. 14 
Alterman Gösche vorgetragen, wie das E. E. Raht beschlüsen hätten eine De- 
Imtation an Ihre Gros. Czar. 9 May. Unser Gnädig8ten Kayser und Herr gpht'\I 
zu lasen nach Sanct. Petersburg, um den erlangten Frieden zu gratulieren uud 
wären tlarzu ernennet worden llerr \V ortfiihrentler 13iirgerMci8ter Christian 
Zimmermann Herr Seeret. Sj
hievelbein und Aelterleute beedel' Gülden als 
Gösche und Joh allll Oltmaun lO , worhey der Altermann seinen Abscheitlt nahm 
1) i. O. eine statt in die. I) Eist. nacligetragen. S) Vgl. B. III Abteil. 4 m'. 11, 
4) Dell 8 Mni u. s. 11'. (/111 RlIIuk r.) B. I 605. B. III S. 56. 6) eine LÜcl'c. 
7) Am Rartdti: vide pug. 6. 8) },'YlJtiidter Friede v. 30. A11gulJt 1721. B, I 624. 629, 63:J. 
9) Czar, fehlt. 10) B. 1 633. 


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192 


Hllrtwichs 


1721 


und deMen Ampt Blstcr Mattl1ias Mar'quardt auftrug. Hierauf wurde dem Alter- 
man nebMt die Banke von die Hriiderschafft durch den W ortfiihrenden Dock- 
mann Reinholdt G raft' nachfolgendes beantwortet: 
Die Briiderschafft verlangte, dasz der Altermann jemandt aUMZ der EIsten- 
Bank I oder ßriiderschafft zur Hiilft'e mitnehmen solte, weill die n£'plltation in 
vorigen Zeiten von jedem Stande in 2 Persolmen hestanden indesen konte E. E. 
Raht, wasz ihre Deputirte angimJge thun, wasz sie \Volten. 
Hierauft. traten ausz der Kammer EI:;ter Georg Krumnau und l
lster Hin- 
richsSohn und referirten, dasz sie auf der Burgerschafrt .Begehren zum Depu- 
tirten ausz der Banke erwehlet hätten Elster Samuell Fellman und fragten oh 
es die ßurgerschafft dem consentirte, womit sie vergnügt waren. 
S. 15 Octobris den 11 kam die Bnrgerschafft auf der Guldestuben und wurde von 
dem Altermann proponiret, wie dasz E. E. Raht nicht vor rahtsahm hielte, eine 
so starcke Deputation ahgehen zu lasen, sondern hettcn es beschlosen mit Zu- 
stimmung des Herrn Altermanns der Kleinen Giilde, dasz die Deputation nur 
von denen Hauptern dcr Stände gescheen soll 11, worauft. geantwortet ward. 
Auf die von dem fIerm Altcrmann der I%rliehenden Bi'n'gerschafft ge- 
thanen Proposition, oh solte E. K Raht mit Zustimmung des A ltm'manns der 
Kleinen GiiIde beschlossen haben, dasz die Deputation nur von denen Häuptern 
der SUlnde vorgenommen werden solte, worauf aher die Biirgerschaft't hey der 
eynmahl gefasten .Meinung heständig, anerwogen diese Sachen keine Disputen 
ausmachten, zumahl die ßiirgerschafft in Ansehung ihres Herrn Altermanns 
Alter und zustosender Krankheit halber wie besorgender Anfällen der bürger- 
lichen Freyheiten und Rechten eine Assistence beliebet. Weill nun die Ehr- 
liebende Burgerschaft't von der Meinung das sie in diesem Fall nicht zu weit 
s. 16 gegangen, zumahl schon bey der dahmaligen Deputation de 1711 nebst dem 
Herrn vice Altermann Cordes der dahmalige Herr BIster Georg Beyer ZIU' 
Assistance desselben zugefiiget worden s, als versiehet sich die Bhrliebende 
Biirgerschafl't, das sowohl der Herr Altermann als samhtliche Herrn 1
lsten diese 
Sache reifflich erwegen und bey ihrem vorgestern gefasten Schlus ebenfals Le- 
stendig verbleiben werden. 
Es traten nach diesem Elster Schiffhausen und Elster Bullmering aus der 
Kammer und thaten einige Vorschläge wegen der Deputation, oh es nicht mög- 
lich wäre mit dem von E. E. Raht gemachten Schlus zu vereinigen. 
Esz hlieb aber die Bürgerschaft't beyrn Vorigen. 
Den 15 und 17 Decemhris arrevirten die Herrn Deplltirten vom Raht und 
GrosseI' Gilde glücklieh wieder an, nachdcme sie bey Ihre Kayserin Audience 
hatten und waren selbe Herr Christian Zimmermann W ortfiihrcuder Burger- 
Meister, Herr Quartierherr Adam H. Schwartz, Herr Secret. Schievelhein, Herr 
Altermann Johann Gösche, Herr Elster Samuell Fellmann 4 . Der Altermaun 
Johann OItmann und Elster Christian Kluge von der Kleinen Gilde hlieben noch 
in Petershurg. Diese gelangten den 14 Januarii 1722 hier auch anti. 
&. 17 Den 13. Octohris war die Biirgerschafft wieder zusammen auf' der WHde- 
Stuben, um sich zu vereinigen. wo die Mittel zur Deputation herkommen sollten. 
worauf beschlossen ward, das die ßiirger und Kaufl"Leute wollten Assignationen 
auf den Stadts-Kasten nehmen, und, was sie frey zu machen hätten, davon zu 
uecourtiercn. B ey uiescr Zusamlllenkunfl't kam 
achricht, wie das der Fis(';t1 
1) Bank fe!llt. 11) B. J 633, 1. S) B. J 175. 4) Bericht iibel' die Reist' 
B. 1 657. 6) Sie blieben noch, 'U?I, den Titel Herr für den Ältet"'nlUnn durchzusetze1l. B. I 
S. 463 u. I 654. 


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1721--22 


Ohronik. 


193 


Johann I1arm::! wäre .auf Rahth;ms gekommen, da der Raht gesesen ein halb 
10 Uhr uud Hich auf dic Pracse::!-Stclle gc::!ctzct und einen Haht t:;itzen heisen, 
welcher ihm abcr geantwortet habe, wen er wat:; zu l'roponiren hätte, so wollten 
sie ihme eine Stelle anweit:;en, wor ihm gehörte zu sitzen, worauff er aufge:3tanden 
und von der J lauptwache, wor vor dieses mahl der Herr 
Iajor König die 'Vache 
gehabt, \(i 1\[ann genommen und das Rahthaus besetzet und Einen Raht arre- 
tiel'et, weIchet:; aher nicht lange dauerte, sondern um 11 Uhr die 'V acht abge- 
nommen und (1', Harll1::!, wieder auf die Halll'twache gebracht worden, weill 
weder der Herr vice Ouhernator noch jemandes davon gewust haben '. 
Den 26. Octohri::; ge::!chahe alhier wied,r ein grosz Ungliick, indem der S. 18 
Pulver-Thurm in dpr Kuter-Gat:;e heym Thor diesen gantzen Sommer durch 
miihsam mit 75 Arht:'itel'll his auf' 2 'l'ag Arheit verfertiget worden, ist am 
obiegen dato, da die Leute nach dem Esen halh 1 Uhr zur Arbeit gegangen, 
(Oott weisz auf was vor eine Weyse) gesprulJgen nnd gefallen, so das über 50 
Men::!chen zu Tode gekommen, worunter der Herr Conrector Schroeder, welcher 
zu besehen gegangen, auch den Tod davongelJracht, wie den auch das nahe 
dalJey stehende Haus, welehes Hcrr Doctor Dahlcn gehörig, gantz ruiniret 
worden nebst aJlllm"n Häuser und viele darin seycnde Men::!chen umkamen. Und 
heschlos dieses Jahr sich mit Sturm, Schneidt- oder 'l'reib-Eis, worunter viele 
Schiffe zu Schaden gekommen sind und andere Fatalitäten mehr. Gott gebe 
ki'mfl'tiges Jahr ein verguntes und glilckliches Jahr. Amen. 


1722. S. 19 
1722 den 2. Februarii wurden auf Rahthause als in der 3ten und letzten 
Friedesfeirtagen 2 tractiret die Hprrn Generalls und anwesenden Adel, worbey 
auch unter dem Rahthaus rohten Weyn aus d0l-'peltem Adlere-Munde lieszen vor 
den gemeinen :Man, welches ziemlich friedlich ablief. 
Den 5. Februarii wurde die BÜrgerschafl't zur Altermanns- und Eisten-Wahl 
auf der Giilde-Stuben genöhtieget und wurden noch folgende von d('r Biirger- 
schafft in die Kammer gesandt zu drey EIsten als: 
1. Lorentz Holtz
 David Poort, Jochim Wolck, Melch. Schroeder. 
2. Berent Smeell, Alb. Eysing, Joh. Heidvogel, Hans Evers. 
n. Joachim Hartwich, Wilhelm Barclay, DanielObelich, Adrian Grevc. 
Von diesen wurden zu EIsten erwehlet von der Banke Lorentz Holtz, AI- 
brecht Eysing und Wilhelm Barclay; der Altermann Johann Gösche wieder be- 
stättieget, welcher aber dagegen protestirte. Zuletzt aber selbstens den 20. Fe- 
hruarii die Biirgerschafft auf der grosen Gülde-Stuben erscheinen lies und zeugte 
die Biirgerschafft ein protocoll, wie das er beym Raht umb Erlasung S seines 
Alters wegen gebeten hat, welcher aber ihm nicht darin gewilliget, sondern 
vielmehr selbieges anzunehmen resolviret, als wolte er von E. Ehrliebenden 
nürgerschafft vernommen haben, ob sie noch gesonnen wären, ihm beyzubebalten, 
welches von der ßi'lrgerschafft beliebet wurde. 
1722 im Juny ward der Galgen drausen Rauns-Pforten von neuem gebauet, S. 20 
worhey der erste Schlag Herr Landvoigt Kordeck gethan hat. Hierzu wurde 
uun des Herrn Biirgerl\Ipisters Zimmermann Knecht, welchcr den Herrn Pastor 
Steyding zu 2en mahlen sehr bestohlen condemniret, er aber d('n Diehsta.hl 
nicht gestanden, ist auch bis olwll am Galgen gezogen worden, er aher allezeit 
gerufl'en, das er unschuldig wer. 'Vie er dan auch aut' Begehren des Herrn 


1) B. I 635. 638, 1I 737. 


2) 1'.Ylltädtel' Friede. 


S) A11l Rande: Ambt. 
13 


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194 


HlLrtwichs 


1722 


Assessoris Samson heruntergelasen und zuriick gefiihret 'worden, hernachmalsz 
in schwerer Inquisition gerahten und letzIich in Kptten gesdnniedet und auf die 
Galeere verwiesen. 
1722 den 16. Septembris wurde der alte Y orstadtsz-Capitein Baumann von 
7G Jahren alt hegraben und hatte dasz Geläut zum erstplI mahle von dpr 8t. 
Petri Glocken, so neu gegoRen ist, zu Anhörung gros pr Freude derer A nhö- 
rpndpl1. Gott der Höchste wolle ferner seine Gnade gebpn, dasz dieser K irchen- 
Bau zum Stande gerahten mag um seinem heiligen Worte anzuhören. 
Septemhris 17. wurde die BÜrgerschafrt auf der grosen GiHde-Stuhen zu- 
S. 21 sanmlen beruffen zur Dockmanns-Wahl und kahmen in die Kammer Johall11 
lIeidvogell mit 31 Stimmen, Johaml Kohl mit 9 Stimmen lind Claus Busch mit 
11 Stimmen. Von diesen wurde zum Dockmann von W. E. Raht und EIsten- 
Bank erwehlet mit 30 Stimmen Johann Heidvogell. 
1722. den 23. Septembris wurde die Baur Sprach vom Hahthause abgelesen 
von dem Herrn Oher-Secretarius l'lelchior Caspary, wohey der Herr Bürger- 
Meister Groth und der Herr BürgerMeister Zimmermann gestanden, hernach 
von Herrn Grothen die neu gewehlten Rahtsherren ahgerufi'en, welche wahren 
der J lerr Ober-Secretarius l\Ielchior Caspary, der Herr "ogteiliche Gericbts- 
Secret. Johann Justus Ha1terlIlanll der Herr Elster .Johalln Elvers der fIelT 
Elster Wilhelm LudIoff. 
Hen 7. Octobris wurden die Ämpter im Rabt versetzt I. 
Der Herr Burgermeister Joballll Grothe blieb OherVoigt umt OLer-Kastenberr ll . 
Herr Christiall Zimmermann Ober LandV oigt und Oher Oesetztherr s . 
Herr Melchior Wiedau, Wortfflhrender BflrgerMeister 4 . 
S.22 Herr Johann 5 Schultz Ober-Voigt 6 . 
Herr Peter Weyer Ober Kämmerherr und Kastenherr 7. 
Berr Christoffer von IJoewensteru Ober Wetther und Insl'eetor von Üxkull und 
Kerkeholm 8. 
Herr Hermann Witte von Nordeck Ober Amptsherr und Im;pector von .Jung- 
fernhoff, Pincken- und IIolmhoff und Peter Kirche 9. 
Herr Georg Raes, Ober Hauherr und Gerichtsvoigt Assessor im Consistorium 10 . 
Herr Georg llerens, Munster- und Ubersetzterherr wie auch vice Syndicus 11. 
lien Johann Hollander Assessor im Lnndt-V oigteylichen Gerichte und Jnspector 
vor Sant Thum Kirchen u. 
Herr Adam Heinrich Schwartz Amptsherr und Inspector von Johanns Kirchen ls . 
Herr Diedrich Zimmermann Kämmerherr l4 . 
Herr Melchior Caspary Quartierherr und Landvoigt 15. 
Herr Justus Johannes l-Ialtermanll Quartierherr Profectus portoJ'ii und "'aysen- 
herr 16. 
I 1 err J ohann Elvers Quartierherr und 'Vetthf'rr 17. 
I ferr Willhelm IJudeloff Qnartierherr und Assessor heym Rf'cognitioll wie auch 
In8pector heym JeAus Kirchen 18. 


1) Die folgenden BL'lIIel'kungen bezidwll tt;eh auf das Jall.,. 1724, Am Rande: 1724 uen 
16. Octobris wurde diese im Ral1t versetzt. 2) deli 16. Octobris hlieb Burggrnll' und Ober 
Kastenherr. S) behielt sein Ampt. 4) uen 16. OctobriR Oher Waysenherr. r.) JobRun 
(t'''lI. G) 1724.deu l(i. Octohris wurde er ßurgerMeister Rln W ort1t. 7) OLervoigt 
den 16. Octobris 1724. 8) sturb 1724 uen -. 9) OberKämmerl1err. 10) Ober 
\'VetthelT. 11) OherAIII}ltsl1err. 12) Oherbuuherr. 13) J\blllf:lterherr UllU In- 
spector uer Güter. 14) Gesetzl1err. 15) GerichtsVoigt. 16) behielt seine 
functionen (f). 17) behielt sein Ampt. 18) Kämmerherr. 


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>>>
17:2
. Octobri
. Die I
lsten-Bank he
tand in nachfolgenden Persohnen 
1. Herr AItermann Johann Gösche 
2. Herr Elster MichaelI von )falen 

." "l\fathias Marquart bey Milde Gißt Vorsteher wie auch heym 
Sanct Pctri-Kirchen 
" .Julmnn Oam Kayserlicher Notariu8 beym portorii 
" Heinrich Kahl Stadts-Kasten Notarius 
" Arendt 'l'horavest Administrator von dem Waysenhause 
" Georg Krumnau Y orsteher von Johal1s Kirchen 
" J ohann Hinrichssohn Vorsteher von dem Waysenhause und 
Convent des Heilgen Geistes. Assessor beym Kasten und Ahoff 
" .Tohann Koht, Vorsteher von Johans-Kirchen 
,. Friedrich Schiffhausen, Vorsteher von Dnhm-Kirchen 
" Wielhelrn Osthoff Inspector hey Ahoff 
" Herrnann Hevermann in Mietau wohnhafft 
" Hermal1n Reimers bey Ecken-Col1vent V orl:!teher 
" Johaml Pricderich Schyck Vorsteher heym Duhm-Kirchen 
" .rochim Heinrich V oigt jetzt Vorsteher heym Sanet Georg 
" Antony Thyril1gk Administrator von der Weyde und Assessor 
heyrn Kasten 
" Andreas Rayne Vorsteher heyrn Convel1t des lIeilgen Geistes J 
" Johann Ludeloffll 
Elster Eherhard Rademacher Vorsteher von Sanct Georg. Künfftige S. 24 
Ostern. 
" MichaelI Kesseier Vorsteher bey Ecken Convent 
" lIarrnan Harms StadtsN otarius beym Portorio. 
" Eberhard Bullmering Assessor heym Schiffs-ColIegio 
" Johann Arend Baado Assessor beym obiegel1 Collegio 
" SarnuelI FelIrnann 
" J osua Stegrnann S 
" Johann Weyer 
" Andreas Gothallll, Gülde-Stuben Sf'cretarius geworden den 11. 
Februarii 4. 
" Reinhold Grafi'C 
" Lorentz Holst. 
" Albrecht 
Jysillg. 
" Wilhelrn Barclay 
" Jacob Gasseus 5 
Johann HeidvogelI Dockmann 
" DanielI Obelich 
" Adrian Greve 
" Johann IIeidvogelI G 
" David Poort 
" Valentin Graff 
Joachim Hal'twich, Dockmanll. 


1722 


2f). 
2(j. 
27. 


33. 
34. 
35. 
36. 
37. 


4. 
5. 
fi. 
7. 
8. 


9. 
10. 
It. 
12. 
13. 
14. 
Ir). 
w. 


17. " 
18. " 
19. Herr 


20. 
:21. 
22. 


23. 


24. 


28. 
29. 
30. 
31. 
32. 


Chronik. 


195 


S.23 


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1) 1723 geworden. 11) Vorsteber bey Petri-Kir('ben 1723 geworuell. S) Kasten 
BIster 1723 geworuen. extraordiner 1724 den 4, Martii. 4) deli 16, Octobris in Ruht ge- 
zogen zum Quartierherrn nlld Amptsherrn. 6) Eltester IJockmann 1723 Elster geworden. 
6) 1724 d, 10 Februarii geworden als Dockmalln. 


-- 


13*
>>>
19ß 


Hortwichs 


1723 


172.1. 
6 25 Anno 1723 den 11:1 Pel.Jruarii wal' uie BurgerscLafi"t versamlJllet auf df'r 
Grosen Gulde-Stuhen und wurden 2ne Eisten f'rwehlet uml zwar von dem 1 Rten 
Zettel: 
Hinrich Neumann, 1\Ielchert Schroeder, Adrian Grevo, Jodlim Hartwich, ward 
Adrian Greve von den 1
lsten zum 1
lsten erwehlet. 
von dem andern Zettel: 
Detmer Hysingk, Daniell Obelich, A rem1t Rauert, Havid Port, ward Daniell 
Obelich zum Eisten erwehlet. 

"'fartii - ging das Eisz ausz der Duna und hatten keine a Wochen \Vinter- 
Wetter und guht Schlittenbaan gehaht. 
Martii 26. Ergieng ein Urtheil von K K Raht Hber uenen beede Wrakers 
Oldenborg und W olck, weill sie im Hempffwracken sieh Hbel verhalten, 80 sie 
selbsten an Brantjew verkauft'et hatten und nicht vor Rein-Hpll1pff passieren 
könte, so ward Oldenhorg, weill er sich in \Vorten sehr unhöft1ich gegen Bl'antjew 
noch darzu au fgefiihret, von seinem Dienst gelmtzet, W oIck aber mit 150 Reichs- 
thaleI' gestrafIet und der Bund lIempfl' confiscieret, Die heede lJempff-Schwinger 
so den Bundt gebunden hahen, wurden in der Waage von den \Valhooten jeder 
mit 20 Par Struncke-Schlagen auf den Hintern regalieret l . 
S. 26 Hen 9. Iecemhris am Sontage geschage ein Ungluck, dasz zwene leibliclw 
Schwestern mit ihren Männern in einem lIauRe wohnten und hiesen ihre l\länner 
der Iste Bentfelt I und der ander Bierling. Hie beede geriethen wegen Rauch S 
in Streit, so das der alte Hentfeldt von HO Jahren seinen Schwager von 34 
Jahren mit einem Degen stach, welcher auch den andern )fOl'gen starI). Der 
Thäter aber aufm Rahthause verwahret worden. 
1724( den 19 Junii wardt ßentfeldt, weill er beständig negierte, die Tbat 
nicht gethan zu haben, sondern derselbe 1\fann sich in den Degen eingerannt 
hat, auf 5jähriege Gefangenschafi't und Kirchen-Busze gestraft'et. 
Den 20 Decembris wurde zu Sanct Petri Kirchen die andere Glocke von 
21 I SB gros gegosen, welches aber leider nicht gerieht. 
1m iibriegen heschlosz das Jahr bisz Heil. nrey-Königen 'rag mit Regf'n, 
Windt und Schlaggen. 
In diesen Jahr Boll vor Sanct Peters Kirchen eingekommen seyn: 
in der Schale bey Collecteu Rth. 2400 . - 
in den Blocke oder Buchse 400 . - 
aus der Lotterie kein Gehl 
S. f!i 172a den 23. Septembris wardt von K K Raht und :Elstenbanck, nach vor- 
gehender Vorschlag der Biirgerschafl't als Hwert Kriiger mit 17 Stimmen, Ya- 
lentin GrafI mit 11 Stimmen und .Joachim lIartwich mit 9 Stimmen, zum Ioek- 
Illaun mit 27 Stimmen in der Kammer erwehlet Joachim Hartwich. 
NB. in Polio iJ ist wegen des Herrn Hahtsverwandten n. Zimmermann ge- 
dacht woruen der Streitt seinetwegen zwis('hen E. K Raht und ]
Isten Bauck, 
dil'sZ Jahr Imbf'n sie sich verglichen, so lias K K R,tht in ihrem geheimen 
Rahts-Buch verschrieben hallen, das Sie kunfl'tich niemandt auders, alsz ausz der 
HIsten Bank Groser Gulde jemandt in den Haht erkuhren wollen\ worauf der 
lJprr Zimmermann zum ersten ma.hl sich eingefunden hat auf der Wilden-Stube 
beym Dockmallnswahl diesen 172a den 23 Septembris 6. 


1) B. 1 721, fP. 722, ff!. 
() i. O. 1723. 6) B. I 712. 


11) i. U. ßentfet. 
6) B. I 712. 2. 


H) geBlrichen: so in der Stuben. 


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>>>
1723-24 


Chronik. 


197 


28. Septemhris wurde die grose Glocke glucklich und rechte schone gegosen 
zu Sanct Petri-Kirchen, welche 27 SlI -- LlI gewogen. 
Den 21 Octohris fiel viel Schnec mit Frost und blieb 14 Tage auf dem 
Landc recht gute Schlittenbahn. 
Den 10 Novcmhris am Sontage und Martini Tag wurde von dpn ange- 
kOUlmen ersten Reformirten Priester Johallll Heinrich 'l'ohrvart uie erste Pre- 
digt in secI. Majorin Holsten Wittibhe Vorhause gepredieget. 

ovemhris 2H der Winter hat sich verenuert in continuirlichen Winut und 
Regen, auch so das 172-1 dcn 10 Janulrii angefangen hat das Eysz mit erschreck- 
lichcm hohen Wai:!er in der Buna zu gehcn, welches Niemandt solches erlebet 
noch von uenen Alten gehöret zu haben, das in uie Zeit das Eys aus der Duna 
gegangen. 
Decembris 9 wurue eine ehrbare alte Frau - begraben, welche die Ehre 
hatte zum ersten mahle mit der grosen Glocke belautet zu werden. 


1724. 
17:24 uen 11. Januarii alll Sunnabellllt geschahe, das der Bürgerschaft't kundt S. 28 
gethan worden auf uem 
larkte, wie uas ihres I :Mittbiirgers Frau mit Nahmen 
_ Haan' seine LiebsteS, von dem WachtMeister Luther (welcher ohn dieses. 
viel GrolJ- und Bosheit an denen Bürgern verübet hatte) indem er von ihr () 
Ellcn Tafft gekaufl'et aus freyen Stücken ohne ein einige Raison ihr mit der linckell 
Hand in Gegenwart des .Jungen 1 paar Ohrfeygen gegeben und also fort ge- 
gangen, worüber die Bürgerschafi't erbittert den Dockmann nach dem Altermann 
gesandt und solches dem Wortfiihrenden Herrn BürgerMeister Herrn l\Ielchior 
Wiedau dieses ihnen notifiecieren lasen, dabey gebeten ihr gehörige und biIliege 
Satisfaction zu geben, welches der BiirgerMeister versprach. Sie solten nur 1 
Stunde patientieren, so solten sie sehen, was vor! ein Quartier er besitzen solte. 
Darauf er seinen Diener mit 4 :Man nach uer Wache aussendet, ihm zu 6 suchen. 
Nach einer halben Stunde k1tlll uer Burger}lcister-IHener zurück und konte ihn 
nicht finden. .Endlich traft. sich, das sie den Luther bey dem grosen Waser- 
Balge beym Rahthaul!e gewahr wlU'den, worauf gleich der BürgerMeister Diener 
mit 1 }Ian und die Biirgerschafft ihnen begleite?, dem Luther den Arrest an- S. 31 
kiindigte, dieser aber den Soldaten importnner Weyse angreiffen und sich von 
Ihm nicht nehmen lassen wolte, worauf einige von denen Bin'gern Ihme mit 
einiegen Stockschlägen nach der Courtegaarde 8 transportirten. Nun war die 
Biirgerschafft mit dem Arrest gar nicht zufrieden sondern schickte nach dem 
Dockmann 9, welcher stante pede mit Ihnen über öO Persohnen nach den Bürger- 
meister hin und praetendirten, er solte ihm ill einer härteren Arrest geschlosen 
verwahren lasen, welcher Ihnen hochstells versicherte, das sie übermorgen alle 
Satisfaction, die sie praetemlirten konten, haben solten 10, dahey den Unter- 
Officierer holen lai:!en unll in dero Oe
enwart ihm hart hefohlen dem Luther 
hart zu bewachen hey Ruten uud seynen Bienst zu verlieren, wo mit sich end- 
lich die Bürgerl5chafJ't vor diei:!mahl begniigen lies l1 . 
Nach diesem llCgehrte die Hi'Il'gerschafi't, lias der J)ockmann' iu der Kammer .'3, 2'J 
treten solte, den Herrn AltermallU 111 zu ersuchen und die EIsten, das sie sich mit 


1) ihr. 11) SeÜlenk1'ämer Jultlllln Rinl'ieh Halm. S) seille Liebste iiber der Zeile. 
4) 8011 dieses. 1» gestrichelt: Strulfe. 11) zu fehlt. 7) Fortsetzung: S. 31, 
Zeile 1-17. 8) wohl: Corps des Gart/es, 9) Joh. HeÜlvogel. 10) VgI. RP. 
v.12. Jlln, 1124, PI. 11. 87 S. 2(}{j. 11) Lutter umnle dem Vogteigericltt zur Aburteilung 
übergeben. RP, v. 12. u. 31. JelU. 1724, PI. B. 87 S. ZJ6, 276. 111) Jult. Gösche. 


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198 


Hartwichs 


1724 


ihnen vereiniegen soIte, umb den WachtMeister Luther bey E. E. Raht wegen 
seines groben Verbrechen ernstlich zu bestraffen. 
Der Herr Altermann lies durch den Dockmann sagen, das die Affaire auf 
dem Markte und nicht auf' der Gulde Stuben gehörte. 
Worauf die Bürgerschafft mit den grosen Eyfer den Dockmann einsandten 
und liesen den Altermann sagen, das wan sie nicht ihrer annehmen wolten und 
es dahin bringen, das heute der Luther nocb auf dem Rahthause in Ketten ge. 
bracht und geschlossen würde, sie gleich allesamptligen Ihre Durchlaucht hin- 
eilen wolten und dorten Satisfaction suchen. 
Lies der Herr Altermann durch den Dockmann sagen, er hätte es nicht 
so böse gemeinet, sondern wen sie es verlangten, wolte er gleich nach 
dem W ortfiihrenden Herrn Burgermeister mit dem HockmanIl gehen. 
Womit die Biirgerschaft't zufrieden und liesen sagen, das sie alle nuch Mittage 
auf dem )Iarkt seyn wolten und also der Herr Altermann mit dem Dockmann, 
S. 30 was sie ausrichten werden, abmachen. Um 3 Uhr versammlcte sich die Bürger- 
schafft und erwarten Antwort. Worauf der Dockmann ihnen E. E. Rahts Mei- 
nung sagte, das sie Satisfaction haben solten, sie könten den Diener aber nicht 1 
bringen, weill die schlechten Örter von 
Iollfecantz 2 besetzte worden, die übriegen 
aher vor Ihme zu gut wären. J)je Bürgerschafft lies sich damit nicht begnül(en, 
sondern S sandten ibm wieder aufs Rahthaus und liesen bitten K E. Raht, sie 
wolten nicht ebe vom Markte gehen, bis er oben gefiihret worden, worauf E. E. 
Rabt den Dockmanll abtreten lies und sich mit dem Altermann beredete unu 
wardt beschlossen, es solte der WachtMeister aufm Rabtbause verwahret werden. 
Indem der Dockmann mit dem Altermann vom Rahthause abkam, so gieng der 
Dockmann bei uem neuen Wage und rufl'te die Burgerschafl't zu sich, des Rahts 
Resolution zu communicieren, so wurde indesen mit der Wache der Luther auf
 
geführet und beser verwahret, welches jedoch von einigen nicht geglaubet und 
muste der Dockmann mit 2en Bürgern aufgehen um zu sehen, wo er sese. 
Den 14. Januarii forum.te Ihre Durchlauchten der Fürst Repenin den Alter- 
mann Groser milde .Johann Gösche auf dem Schlose auf und woIte vernehmen 
von ihm, wie das er gehöret hätte, das die Biirgerschafrt ein Tumult gestern 
S, 34 vor dem Rahthaus gemachet auch wären sie in groser Menge am Sonnabendt 
den ] 1 Januarii bey dem W ortfiihrenden Herrn ßiirgermeister Herrn Bürger- 
)[eister Melchior' Wiedau gewesen, worauf' der Altermann sich explecierte, das 
es gar kein Tumult gewesen wäre, sondern die Bürgerschafft gebeten hätte ein- 
miihtig, das E. E. Raht den gar zu hösen Buben, der sowohl in RewaIl als hier 
viele böse Thaten und Gewaltthätigkeiten verübet hätte, in sicherer und böser 
Gefängsnis setzen solte, umb nicht davon zu kommen, sondern seynen verdienten 
Lohn an ihm ab straffen soIte. Nachdem sandte Ihro Hurchlaucht ein Rescript 
an E. E. Raht und wolte wiHell, was vor Lermen in diesen Tagen von der 
Riirgerschafft gegen K E. Raht anfm Markte gewesen wäre, welcher es auf' 
heste und von keinem Lermen wüste, heantwortete. 
S. 31 Hen 12. Januarii erlebeten wir durch Gottes Gnade den 'rag, dasz unsere 
Petri- Kirchen wurde wieder eingeweyhet 5 und die Predigt des Morgens vom 
Herrn GeneraJl-Snperintendenten und des Mittags von dem neuen Predieger 
Georgi Caspari gehalten worden. Uey angehender Kirche wurde zuerst ge- 
sungen: 1. Ich dancke dem Herren, das Du zornig iiher mich gewesen bist. 


I) aufs Rathaus. 
5) B. I 736. 


2) ? 


I 
S) badten über der Zeile gesclwiebeu. 4) i. U. Nicolaus. 


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>>>
1724 


Chronik. 


199 


2. Nun dancket alle Gott. 3. In dieser Morgenstunde; nach der Predigt das 
Te deum laudamus, dazwischen schön musiciert. 
Den 13. Januarii fandt die Biirgerschafft sich ein auf der Grosen Gülde- S 32 
Stuben und wardt von dem Herrn A ltf'rmann proponiert, dasz nunmehro un- 
möglich fernerhin, die Schifl'e, welche von Ihro Kayserliche 
Iaygestät die Stadt 
geschenket worden t, könten unterhalten und fortgepflanzet werdens, sondern es 
miiste die Ehrliebende Biirgerschafft hedacht seyn, auf was Art und Weyse sie 
eine fons erfinden möge, wie kiinfl'tig die Schiffe unter Bau, als auch die Leute 
erhalten werden köuten. Es wäre in der Kämmerey zwar ein project, wie wen 
10 bis 20 Persolmen sich als Redet'e in denen Schiffen begeben, da den, wen 
der Höchste es gesegnen wolte, ein ziemlicher Nutzen denenjenigen daraus er- 
wachsen könte, wie den Hollandt und Englandt durch Schiff-Faart ihr meiste 
Reichthum erworben hat; es deuchte etlichen dieses vor was schweres und 
groses zu seyn, welches doch in der Th,tt nicht so schwer ist, wiewohl es auch, 
wen sie bleiben solten, daran zu verlieren ist. 
Die Antwort i:t, das die Ehrliehende Biirgerschafl't bey Übergebung der 
Schiffe nichts damals wisent gewesen, sondern wundert ihnen, das E. K Raht 
sich im Nahmen der Stadt bedanket h,then; den wans ihnen kundt 
ethan wor- 
den, so hätte die Biirgerschafft gesuchet, gleich wie Rewall und Pernau sich 
davon zu befreuen; was aber der Herr Altermann wegen der Rederey, das sel- 
bieges in 10 bis 20 Persohnen könte erhalten werden, überliesen sie gerne 
denen, die hierin Liebhaber weren, sie aber miistens leider E'rfahren oder we- 
nigsten die Herrn nirectores und Disponenten von der Stadt zeigen s, wieviel 
es in dieser kurtzen Zeit gekostet hat 4, sie aber wiisten von keinem aD(lern 
Experiens, umb sich zu bemiihen, dan sie sich davon befreien können. 
Den 24 Januarii kalll abermahl ein Rescript an den Raht und verlangte, das S. 34 
sogleich der AItermann Johaml Gösche und der Dockmann in Arrest gezogen 
werden solte, wovon der Letztere, weill der Altermann krank geblieben, auf 
dem Rahthause gefordert, des Fiirsts 5 Wille vorgelesen, worauf ihm des Abends 
GJocke 5 die Stadt:-J Wache durch den Leutmtut Born in seinem Hause 1tbgeliefert 
und also wardt auf die WeYHe iu :'1eillem Hause der Altermann auch arretieret. 
Den 25 Januarii 
ieng der W orthahellller Herr BurgerMeister mit dem Ampts- S. 33 
Herrn Adam Heinrich Schwartz auf bey dem Fiirsten und batt, weiII der Alter- 
mann und Dockmann nohtwendige Persolmen wären bey der Biirgerschafl't, das 
Ihro Durchlaucht rhnen lUochte auf Cautioll 10Hlasen, welches Ihro Durchlaucht 
nicht nachgaben, sondern vel'l,tlIgten das l
in Raht solte eine incluisition an- 
stellen, welche heym Biirger)-[ei8tel' im Hanse gewesen, als auch welche prae- 
teDlJirt hatteu, das Luther solte auf Rahthaus gebracht werden, welches den 
Montag seyn A ufallg nalun 6 und wurden hierzu erstlich citirt von den V oigtey- 
lichen Gericht der Altermann und Hockmallu; der Uockmann erschien vors 
Gericht den Montag friih um seine Au,mgen zu 7 thuu, wer ihm zu der obiegen 
Praetension Anlas gegehen und l)l"aetendieret hätte; der Altermann, weiH er 
noch krank war, uUl'ch dcu Notarium Pnhlieum PoppalI hefraget, worauf der 
Dockmann wieder zn Hanse in Arrest sitzen muste. Nach diesem wurden vor- 
gefordert nachfolgende Biirgere alsz Haan, Melchert Schroeder, Jacob EbeIl, 
}1
ried. Kiihn, Hporwat, l\lindell, 'l'itu8sen, Roloffsen, AIJllsen, Wayler zur Inqui- 
sition, welche aber gegen Caution loskamen. 


1) B. 1 647. 735. 2) B. I 698. S) B. J 697, 24. 
ö) Repnin. 8) nahm fehlt. 7) zu fehlt. 


4) B. 11 26. 251. 


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200 


Rartwiche Chronik. 


1724 


Den Tag zuvor wurde, nachdem der wachthabende Offecier 2 Tage in 
Arrest gewesen, befragt, wal:! die ßurgerschatrt vor ein Tllllmlt auf dcm }Iarkt 
gehabt, welcher von der Sache nichts wUl:!te, sondern sie unter sich beredet 
hätten 1. 
Den 25 J anuarii wardt aber der \V achtmeister Luther geurtheilet von einem 
WohlEdlen Raht, dasz er seines Dienst entlediget würde und niemahls fähig 
seyn solte in der Stadt Dienste aufgenommen zu werden und dabey auf dem 
Rahthause 6 Wochen auf Brodt und Waser und nachdem noch 6 W ochcn in 
der Verhafft auf seyn eigen Tractament verbleiben 2. 
S. 35 Nach diesem verlangte der AItermann die Inquisitions-Acta, worüber ein 
Suppliquen in seinem und des Dockmanns Nahmen \Terfertieget worden nebst 
einem Begleit von E. E. Raht den 31 Januarii iibergebeJl. 
Den 1. Februarii giengen ahermahls der Herr Burgerl\1eister Wiedau und 
Herr Schwartz hey Fiirsten, umh zu hitten, das die Arrestanten loskommen 
möchten, worauf sie den Abendt Glocke 7 Uhr von dem Arrest befreyet wur- 
den, nachdem zuvor Ihro Durchlauchten von obiegen Hcrren Abschied genommen 
undt folglich den 2. Februarii umh 3 Uhr unter Losung der Stücke von hier 
nach Petershurg verreiszet. 
Den 4. Februarii wurden die in Inquisition gewesene Burger gegen den 
5ten vor E. E. Raht citiret, welchen, da sie erschienen von E. E. Raht ange- 
deutet wurde, das sie durch viele Miihe es dahin gebracht hätten, das die Affaire 
bey Ihro Durchlaucht annulieret worden und gäntzlich davon hefreyet seyn 
solten. Hinfiihro aber, wan Ihnen solcher Zufall vorkommen solte, I:!ie ordentlich 
ihre Sache klagbar anbringen, da dan alle Satisfaction ihnen geschehen 80lte; 
und also dieses sich S endigte, aller das böse 'Vetter mit täglichen Winde Regen 
midt Schnee hörete noch nicht auf zur jedermanns Betriibnusz, den niemandt 
passieren konte, das HoItz wurde über die M:tsen theucr, so dasz ein gantz 
kleines Fuder 60 Fm'dinge kostete. 
S. 36 Den 10 Febrllarii erschien die Burgerschallt auf der Wilde-Stube und wurde 
von ihnen in die Kammer zur EJstenWahl nachfolgende eingesandt: 
Zum ersten Melchert Schroeder, Heinrich Niemann, Jobann Raes, David Port, 
David Port wurde BIster. 
Zum andern Detmer Eysing, Julius Mimer, Valentin Graf!', Johallll Gösche, 
wurde Valentin Graff Elster. 
Nachdem diese EIsten nebst Dockmann Heidevogell erwehlet worden, wurde 
der Herr AItermann Göscbe abermahlen undt zum 3 ten mahle erwehlet zum 
W ohrt habenden Herrn Altermann. 
Den 4. Martii wurde auf der Gülde-Stuben erwehlet mster Wilhelm von 
Osthoff zum ordinären Kasten-EIsten und Elster Andreas Rayne und Josua 
Stegmann zu extraordinaire Kasten-EIsten wie auch Johann Kohl zum extra- 
ordinairen Kasten-Biirger. 
Noch wurde Friedrich Briimmer zum Beysitzer beym Tafl'el-Giilde und Peter 
Zinck zum Beysitzer bey der Weyde erwehlet. 


1) Dieser Absatz auf S. 34 um Rande. 
S) i. O. sich nicht. 


11) Dieser Absatz auf H. 33 am Rande. 


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>>>
\ 


Erste Abteilung: 


C h r 0 n i k e n. 


7. 
Das Tagebuch Oberpastor Bartholomeus Depklns 
1709-1716. 


----.JVV\M.N'JV .f\.tIfVvv--- 


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i
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Vita 
post reditum III patriam ab ADno 1709. 


S.22 


170H. 
Sobald ich ins Land gekommen wal' 1 und erfuhr, dasz des seel. Vaters und 
Grünwaldts Stclle schon besezzet, aber zu S. Georg durch M. Andreae Absterben 
eine ncue Vacantze geworden war, ward mir der Kopf sehr melancholisch, dasz 
ich um die eon- Rectoratur hatte angehalten t und hatte doch hierzu mehr Lust 
alsz zum Predigtampt, weil ich mich in dem letzten Jar nicht geübet hatte. 
Summa es kam dazu, dasz ich eilJs wehlen muste zu ambiren. Da mich Herr 
I.Jauterbach auf die Seite kriegte und sagete, man wolte mich fangen, warum 
ich Dammen seinetwegen mich wolte zur Schularbeit adpliciren, da das doch 
nie mein Sinn prim arie gewäsen, wie ich schon mich hätte verlauten lassen 
gegen Herrn Superintendenten, esz wäre mir gleich ect., ich solte rund ab- 
sagen, mein Schreiben wäre ohnedem so dunckel gewäsen, dasz man mich 
nicht recht verstanden. Es hielte hart, zumahl hei Herrn Nordekk s, dasz 
er mir was wolte promittiren, es wäre denn zu eben dem Con- Rectorat. 
Die andern Herren aber waren wenig ausseI' einige Gelelu.te, die davon 
Rede macheten, nachdem ich per tertios schon meine Ur8achen hatte eröfnet 
alsz zum Exempel, dasz mein studium eben dieses nicht gewäsen, darauff aber 
Herr Nordeck antwortete: Griechi
che Verse machen, Authores expliciren etc, 
das hat er doch noch nicht vergessen und das wird fest alles sein etc. 2.) Ich 
vor mir '2 Vacant
n sehe, davon die erste lieher izzo alz hernach ut Con-Rector 
ambiren wolte. a.) Herr Miiller wäre nur 2 Jahr gewäsenj izzo hörete ich, dasz 
der Professor und Inspektor 4 Eberhard keinen anderen verlangete, alsz der be- 
ständig bleiben sone oder doch ein Jahr 10, worzu weder ich noch meine Eltern 
mich gewidmet, ich auch kein Belieben trüge, weszwegen ich der letzten Va- 
cantze, die mir presentiret wal', ganz renuncirete und zwar mit Pleisz und nach 
der Lehre meines Preceptoris, welcher sagete: wir werden seheu, was Hott be- 
liehet. Solten dem aber 
[enscbeu dawieder sein, so ist gut rabteIl, Er kan 
wieder hinaus gehen lehen. Es komt wob I eine Zeit, dasz seine Wahre wieder 
gilt. Dagegen hatte meine )hItter schon condition(s aufgesuchet, mich hie zu 
halten und fingen auch gar einige naseweisen Prauen zu fragen, warum ich so 
hoft"äl"tig wäre, und wenn ich das eine nicht kriegte, lieher doch das anderc 
nehmen, das Con-Rectorat versuchen etc. 'Voran ich mich I]icht zu kehren 
hatte, allel' Gott walten liesz, schon freien Muht hatte, indem ich wohl wuste, 
dasz wenn ich von dem letzten erst frei wiirde, Hott schon vor mich sorgen 
wiirde entweder hie, oder wie ich die Hofnung hatte, anderwerts. Hie siehe 
auch .Menschen WiUe und Gottes Wille daran nun bald. 


1) tl. 28. .1-fai 1709. 
einer Familie Ro8enkrwJz. 


I) 8('hon von Schollelt CI1IS, wo er rTamals Hau8lehl'eJ' wal' bei 
S) Bürgermei8ter. 4) am Gymnasium. 


.L
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204 


Depkins 


1709 


S. 2.'/ Den 29 JUllii that ich meine Probe-Predigt oie Petri Pauli über das Hvan- 
gelium zu S. Peter, dcnn dcr Duhm war noch vom 'Vasser verderbet 1. Darnach 
concionatus sum zu S. Ueorg 3 Mittwochc 3. G. und 8 p. Trin. 7 und 28 .Juli 
11 August 2. Selbigen 11. August führete mich der Herr Ober8t Clood 3, so in 
dcr Predigt war gewä8cn, vors Hahthausz und mU8te ich mich dahin setzen, ill 
loco commuui, wie er ihn nandte, da die Biirgenllci8ter stundelI. Bndlich aber 
kam ich von ihm, da8z keiner vom Hahte esz sahe, auch nicht sehen woIte, aber 
dem folgenden kam ich gar darauf denn 
Den 12 Augusti ward ich erwehlet zum A(ljuncto generali et Pastori zu 
Bikkern. Esz war mit mir auf der Wahl Mag. Elsing, sollen gleiche Stimmen 
gehaht hahen, da Herr Dreilingk :tlsz Praeses den Ausschlag gethan. El8ingk 
ging mit einem Mantel. Ich aher in meinem ordinairen Hahit, dasz ich mir 
machen liesz und mit einem Degen. })arulll ein Bürger zu Elsing gesagt: Er 
soIte auch mit einem Degen gegang'en sein und an8ehnlicher parucque ect. 
Darauff Elsing, alsz mein guter Freund, sol geantwortet haben: Ihr Hen'eu esz 
/(ehet weder nach Eurem noch nach seinem Willen also, sondern nach Gottes 
Willen. Damm rueiIi. anderer Rivalis und Competent mit Rigemann zu S. Georg 
hat mich sehr verkleinert mit groszer I!'alschheit sallllnt seinem gantzen Anhange, 
welches der Liebesdienst ist, dasz ich seinetwegen auf den Boden habe kriechen 
müssen in meiner Mutter Hause, zur Zeit seiner Hochzeit, schöne logis für einen 
zu Hause kommenden. Erschrekkten aber hald derma8sen, dasz sie alle in Un- 
muht davon reiseten. 
Nota: nach mir haben alle Candidati Degen getragen, auch hat 1tl:tg. Elsing 
seinen :Mantel abgeleget. 
Den H). Augusti ward mir die V ocation 1I0tificiret und ich ZU8ammt Herrn 
)1. Rigemann, Pastor zu Pinkenhof und Babet vocato ad S. Georg und Herrn 
)1. Vogt Adjunct. und Pastor zu Pinckenhof und Babet vocato an seine Stelle, 
dem Consistorio praesentiret. Zugleich ward mir der Locus zu elaboriren de 
Liber. Arbitr. gegeben. 
Den 24 Augusti, die J
arthoIomaei gab ich (über die8en Artikel et alio 
dei'gI.) die Confession, ward den 30 examiniret a toto 
Iiuisterio und den 31 
Augusti zu S. Peter in sehr volckreicher Versammlung ordiniret. Wird in vielen 
Jahren in dieser Kirchen nicht geschehen sein. 
Die damahligen ordinantes waren: 
M. Liborius Depkin, Superintendent 
M. Amold Fuhrmann Pastor Cathedrali8 
Dn. Erhard Schnee Ecclesiasticus 
M. Johann Brockhau8en, Ecclesiasticus 
Dn. JohaJlJl von Tieffenbrock, Archidiaconus 
M. AlItonius GiHclenstedt Paf:!tOl' Johannis 
/)n. Christian Lautel'bach Diaconus Cathedralis 

1. Georg l..udovici Hiacollus Johannis. 
Xln p. '{'rin. 4 that ich die erste A nfwartung iu Jesu:'! Kirche uud auch in 
cler Woche zu S. Georg. Hen I!) September XJV p. 'l'rin. that die Antritts- 
predigt in Jesus-Kirche hei den Unteut:'!chen, IJonller8tag p. Xl V Trin. bei den 
Teutschen ex Es . VI, 5 seq. Nach Bikkern alJer kam ich nicht hin, weil theil8 
1) von der Überschwemmung im Frühjahr 1109. B. III S. 12. 11) 7. u. 28. Juli u. 
11, Aug. fielen i. J. 1709 auf den 3., 6. u. 8. Donnerstag p. Trin. nach Jul. Kai" (llso hier n. 
Schwed. K(ll. gerechnet. 3) B. I 6. 130. 4) 12. Sept. nach Sell/ud. ](al.; IR. SC1)!. 
nach Jul. Kai.
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1709 


1'agebucl1. 


205 


damit traillirct, thcils cndlich mil' die Kirchen-Verwaltung in Jesus-Kirche allcin 
zufiel wegcn M.. Fuhrmann
 des Pa::!toris Unpä8zlichkeit. 
XV 1" '1'rin. ward 1\L Fuhrmann Lei Jesus Kirche kranck, wie er denn an S. 21 
diesem Tage die letzte Predigt that. Yon da an ging meine Aulfwartung auch 
vor ihn an. 
Dienstag p. Xl X '1'rin.1, nachdem Herr Fuhrmann wegen seiner Besch we- 
rung an den Fii::!sen, die ihm von Schrekken geschwollen warcn, sich mit aU 
seiner Haabe auch 
'rau und Kindern in die Stadt begehen hatte, Herr Rige- 
mann auch nicht eher hinaus \Volte hisz man ihm ein Hausz gälte, ward ich vom 
Ministerio beordert, draussen zu sein, dazu Herr Fuhrmann vor die::!es Mahl 
auf seinem ledigen Pastorate mir Wärmbde und seine Pferde gehen solte. Has 
letzte wal' nicht Sinnen8 zu gebrauchen wie auch kein Bette; die Wärmltde 
muste ohnedem das V olck hahen, al
o war esz ja leicht, doch deuchte ihm, esz 
wiirde consequentien setzen und dgl. ' . l
lll1Iich al::!z er sich dazn resolvirete, zog 
ich hinaus, muste aher in dem grossen FlÜchten den 4 ten S A hends wieder 
hinein, indem sich allch in der TImt die Moscowitische Armee nahete. 
Den 20. '1'rin. hielte ich annoch Predigt, aber nachdem keine Leute mehl' 
kamen in der Wochen, liesz ich auf ordre des Superintendenten die Kirche 
schliessen. Bekam hingegen Ht. Johann in l1er Woche zur Communion, woLei 
denn zugleich eine Buszrede mahl3that, a1:;z ich aher sahe, dasz Niemand 
hineinkame auch die Gef.thr grosz genug wegen der Bomben wal', liesz ich esz 
nach und fing den Gottesdienst wieder an draussen zu halten, wie ich solches 
Fuhrmann See!. auch vedliesz, da ich ihm da8 Heil. Ahel1l1mahl t consecrirte t 
das letzte Mahl. 
Den 1. Advent starh M. IIennig Fuhrmann Pastor zu Je8u
 Kirchen. 
Den 2. Advent fing ich in der Belagerung wieder an draus8en zu predigen 
in Jesus-Kirche; auch lIen Rigemanu vor der Unteut8chen Gemeinde zu S. Georg. 
Wegen des Deutschen Gottesdienstes doch, der nicht gehalt eu wÜrde von ihm 
an einem so sicheren Orte wegen der Bomben, klageten er und seine Zuhörel. 
eines Über dem anderen. 
Den 3. Advent wal' Deutscher Gottesdienst und viele aus der Stadt draussen 
in Jesus Kirche, weil es hie sicherer schiene zu sein. Indem wiesen sich mitten 
in der Predigt etliche Cosaken, dahero Lermen mit Stiicken und Trommeln 
gemachet ward, darüber einige Ofticire hinausgingen. Die übrigen liessen sich 
mit lIandwincken abhalten, saszen aber alsz schiichterne Schaafe und wolten 
nichts hören alsz Amen. So bald nun dieses erfolgete, liessen sie eben durch 
eine neue Bohtschatft gescbrecket sich wieder bethören und drungen durch alle 
rrhüren hinaus. .Ich hatte das Gebät in der Band uud wie ich sahe, dasz keiner 
bleiben wolte, rief ich vou der Cantzel: Nehmet doch den Segen mit auf Euren 
Wegen. Da liesz keiner den andern hinaus und stunden gantz stille. Alsz ich s, 2:) 
uun denselbigen gesprochen hatte, waren sie sämmtlich sofort iiber alle Berge, 
nullo persequente, geeilet, dasz keiner zu sehen war, einige mit Hinterlassung 
VOll Hegen, spanischen Röhren, Büchern etc. Ich stund indesz in der Pa8toreu- 
Kammer und redete mit dem KÜster, da einer gelaufen kam, sagend, der 
ros- 
l}uiter stiilllle schon beim Pastorate. lndem ergriff ich geschwiud meiueu Kelch 
und nibel und ging heraus, zu 8ehen, ob denn solches wahr wäre. Da nach 
eiuer Weile die Commuuicanten heran kamen und baten, Ulan möchte ihnen 


1) .26. O/.:t. 2) Am Runde: Resp. ])n. Superintendens: };sz wäre des RlLhts Hausz. 
Ich hätte so viel theil daran alsz er; was vor consequentien. S) November. 


.....
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206 


Depkiu!I 


1709-10 


doch das Heilige Abendmahl verreichen, man sühe den Feind nicht weiter altiz 
Russer den Stacqueten, da war ich dazu bereit. J
H muste aber der Küster eine 
Weile gesuchet werden mit der Weinftaschen. Da siehet man, was die Augst 
dmt. Ha so viele andere Sachen zu salvi1'en waren, hatte er uicht gewust, was 
er erg1.ifren hatte. !'lach der Zeit hielte in Gottes Namen weiter Gottesdienst 
in guter Ruhe hisz Septuagesimae. Davon in folgendem. 
Herrn Rigemann ist es auch hegegnet, dasz seine Unteutschen durch einen 
Le1'men geschrecket, einige zum Fenster heraus gesprungen, dasz er kaum 
coepta concione hat schlie8sen miissen. 
Herr ich bin zu gering allel' Barmherzigkeit, die Du an Heint'Ul Knecht 
erwiesen hast. 


Anno l\WUCX. 
Votum: Der Herr wird seinen 
Jngeln über mir Befehl thun dasz sie mich 
hehiiten auff meinen 'Vegen und ich meinen Fusz an keinen Stein stosse. 
Heilige 1)l.ei Könige I liesz ich die DonnerstagsPredigt wieder angehen, 
dauerten bis Sexagesimae 11 wegen folgenden Zufalls. 
Septuagesimae liesz der Moscowiter aus Cobron 7 Bomben wehrenden Got- 
tesdienstes nach Jesus-Kirche gehen, welche, ob sie gleich sehr nahe, doch Gott 
sei Danck keine hiuein kamen. 
Es waren schon 2 Bomben nehen dem Kirchhofe gesprungen, als der U n- 
deutsche Sänger Gorries in die Pastoren-Kammer kam und bekräfftigte, was der 
8, 26 Küster iu der Kammer gehört hatte, uemlich das Sausen 2 Bomben iiber die 
Kirche. Die I.eute, welche hievon uichts wU8zten, sungen andächtig fort das 
Lied: Kommt her zu mir. Der Schulmeister aber lieff in die Kammer hinein 
fragend, was zu thun, ich sagete, mau solte die I.eute nicht stören, bisz sie 
ausgesungen. Als solches geschehen, solte ich das Evangelium lesen, trat aber 
dagegen vor die Gemeinde und bat, sie möchten sich auf ein Stündlein lieber 
retiriren, in Ansehung es auff unsere Kirche itzo anfinge zu wittern. Die I.eute 
das hörend gingeu stracks hinaus, da eben die 3te uns über der Kopf her- 
sausete und in W oUen Garten crepirte, Gott Lob, aber keinen Menschen, deren 
einige sehr nahe waren, heschädigte. Nachdem esz wieder vorbei war, liesz 
ich: Wir glauben singen und hielt Predigt, Communion und Tauffe. Von der 
Zeit an aber wurden die I.eute sehr furchtsam. 
IV. p. Epiphan. S starb 
I. Rotger Rigemann, Pastor zu S. Georg, und 
wurden verordnet zu administriren wöchentlich Herr Rhode, M. Müller, M. Vogt, 
die zu Gehülfen nahmen im predigen die 4 Candidati Mag. 

lsingk, stnd. Pins- 
dörffer, Blvers, annoch die Herren PaHtores Mittelpforten, Sehlmanll, Grue- 
ligen etc. 
Grii.ndonnerstag t wie ich sahe, dasz die Versammlung in Jesus Kirchen so 
grosz wurde, dasz die Frauen keinen Raum offt fanden, auch der Männer Gänge ! I 
und Stühle alle zn voll waren, insonderheit an den Festtagen, (wie denn 1. Ostern 
30 Mark Schillinger in den Klingbeutel kommen, so was rares) liesz ich die 
Donnerstags-Predigten wieder angehen, und ob ich wohl von dem Herl'll Super- 
intendenten und aIiis ermahnet wurde, mich zu schonen, weil ich der Arbeit 
ohnedem mit den Patienten gnug hätte, znmahl zu einer solchen Zeit, da lllau 
nicht alle Zeit sicher war, habe ich sie doch, Gott lob, bisz auf die letzte 
Htunue, auch alles andere ol'llentIich wie im Frieden gehalten, welches die I.eute 


1) 6. Januar. 


I) 27, Pebruar. 


S) 30. Jan1Ulr. 


() 21. April. 


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1710 


Tagebuch. 


201 


so beliebet, dasz sie so häuffig Werckeltags als Sonntags mit Freuden und 
Seutfzen (wegen der vorigen Zeit) hinaus gegangen und daselbst ihren Gottes- 
dienst gehalten haben, wozu denn Gott immer dic Gnade gegehen, dasz alle 
Zeit sicher gewäsen. 
Domin. Rogate 1 hat der Herr Superintendent die Verordnllng gemadlt, s. 2i 
dasz nunmehro die Wittibe 2 ihre 2 portiones nicht mehr genieszen solte, naeh- 
dem ich schon 8 Mohnaht aufgewartet hätte, sondern ich solte alle des Pastoris 
accidentia (meine von der Adjunctllr it part) zu geniessen haben. 
I1iegegen protestireten alsobald Pastor Rhode mit den andern beiden s. 
Da.s könte nicht angehcn. Es müste per circulum gehen und alle 4 gleich ge- 
niessen. Resp. Superintendens, sie solten noch 8 Wochen vor die Wittibe bei 
S. Georg arheiten, so solten sie auch ein iglicher wöchentlich die accidentien 
zu heben haben. Er thäte es nicht für seinen Kopf, sondern cum consensu 
presidis consistorii. Rhode war damit nicht zufrieden, kam adpellando ein ad 
tolllm Ministerium. Da traten ab a, Dn. Sllperintendens, Herr Pastor GiHden- 
stedt und Herr Lauterbach alsz VerwRndte, die 4 ii brigen Herren des l\linisterii 
aber gaben zur Antwort: Esz solte dabei hlciben. Ich hätte mehr Gefahr ge- 
habt, länger gearbeitet, könte die Arbeit allein verrichten, wäre nicht scheurig ek. 
Darum müste man auch mich mehr davor geniessen lasi:!en. Ad aliud, wegen 
des genossenen Tertials, man solte bedencken wie grol:!z das sein könte; die 
Wittibe wäre damit zufi"ieden etc. Esz würde ja auch nicht lange wehren, so 
wüste ein ider, woran er wäre etc. Indesz schlossen sie unter sich, wi1rde 
Rhode nicht zufrieden, solte der Herr Superintendens dringen auf eine Wahl, 
da man sehen wiirde, wer denn würde den Vorgang haben. 
Rhode drang noch immer auf circuluru und wolte alles schritftIich hauen. 
Aher unser Herr Gott kam ins Spiel, indem heide Kirchen im Fener aufgehen 
musten, und hätte die Jesuskirche mit Thränen der Zuschauer können ausge- 
löschet werden, so wäre es geschehen. 
Abermahl kam Rhode zum Herrn Superintendenti und saget: da hat mans, 
da siehet mans, was Gott vor einen Gefallen gehabt an dem ungerechten thun. 
Nun wären beide Kirchen hin. Resp.: Her Herr hi1te sich auch vor diesem 
grossen Gotte, der eben wohl bald ein Ende von ::Jeiner zerbrechlichen Hiitte 
machen kan. BI' suchte unterdessen einen Ort vor die Hospital-Leute zur Com- 
muni on; bekam nr. 1. von den Baraquen; stund ihm nicht an. Mir gab der S. J.Ni 
Herr Superintendens frei Sontags von 9-10 a 11 in nr. 5 nach der Teutschen 
Predigt. 
Izzo gingen die schweresten Wochen Rn, wegen der continuirlichen BolU- 
bardirung von allen Seiten und doch haüffigen Krancken, indern auch die Pest 
sich hervorthat'. Doch endigte jene sich bald, indem wir uns unter die De- 
votion Ihr. Czarischen Majest. von Moscovien samt unser Stadt ergaben, dagegen 
aher begonte sehr zu grassiren die Pes t, ging an medio Majo. 
Den 9 Julii. Muste ich mich auch an der Pest niederlegen, hatte a Ge- 
schwiir und ein schweres Lager. Gott aber gah Gnade, dasz ich nach 10 
Wochen, den XV. p. 'l'rinit. 5 , anfing wieder auszugehen. Gott gebe darzu ferner 
Gnade zu seiner Ehre und der ÜberbliebeneIl Erbauung und ewigem Heil. Den 
Verlauft" dieser 10 wöchentlichen PestKranckheit (wie nernlich 2 G-eschwiil'e aus- 


1) 29. Mai. ') Dcs friiheren. den 28. November 1709 gCl/torbcnen Pastors FulI1'JIIUlUt, 
den Depkin schon seit Anfang Oktober 1709 t'atreten hatte. S) Miiller tnul Vogt. 4) Am 
Rande: Belägeruug ist a part beschrieben, uaurete 9 Mohllabt. BLR. Ms. 166. Übet' die 
Belagerung: Buchholtz, Mitteilunget
 B. 15 S. 2ID ff. 0) 18. Sept. 


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208 


Depkins 


1710 


gelauft'en, das 3te aller nicht wonen aufbrechcn, wie ich erst 5 Wochen, dar- 
nach wieuer 3 und aberlllahl 8 Tage mit dem OurchlauJr, Bangigkeit, Schiittern, 
in appetelltia sibi etc. \'on neuen gelegen) due a part aufgezeichnet in Phar- 
maceuticis 1 . 
Der Verstorbenen aus dem Uahtp, vom Staat, Predigern, "
ltesten etc. 
Lista item apart suo loco. 
Unsere Familie Depkin 2 hat auch sehr abgenommen, und musz ich (sofern 
Jlieronymlls aus Schweden nicht wiederkomt oder tout istS) auch disz anmercken, 
dasz der groBse Gott eben an mir seine Gnade hat heweisen wollen, in diesem 
Fall, uasz ich der einzige Del'kin von .M:ännern hahe überbleiben miissen. Er 
gehe zu seiner Ehre. 
I
ista der Verstorbenen 4 . 
Der H. Superintendent 1\1. I.ibor. Depkin et Frau, 2 Söhne von der vorigen 
Frauen, eine Tochter an Pogken vorher von dieser letzten vormahls Wittibe 
von Nageln: und ihr Sohn. 
ElstCl'in Horris Depkin, die Mutter dito ihre übrigen. 
/): J oh. Depkin Guarnisons Physicus et Töchterchen. 
M. Anth. Giildenstedt, Past. Joh., et Frau Dorothea Depkin. 
Professor .Miillers Frau Helena Hepkin, 2 Höhne et der Stiefsohn Paul Miiller. 
S. 29 Rchweinstrasse: Pranz Wese et }'rau Oatharina Elisaheth Depkill et Söhn- 
lein Hieronymus. 
Jn unserem Ilause: Georg Depkin, Uegimentsadjutant (starb den 26. Juli 
Morgens Glocke :2 a 3), mein Bruder aetat. -. Barbara Depkil1 (starb den 
20. Jul.) posthuma soror aetat. -. H. Lauterbachs Schwester Jfr. et Catharina 
Tochter von der Behrens aet. - (starb den 26. Jul. zu gleicher Zeit mit 
Georgen). 
In Pernau: Past. Georg v. Darn et neugebohrnes Söhnlein Nahmens Ueorg 
(Pastor erat zu W olfahrt), meiner Schwester An. Catharina Bhemann. 
Gestorben Depkins Nahmen männlichen Geschlechts 5 Personen, weihlichen 
Geschlechts 6 Personen. 
Lebende sind: 
1) Professor Miiller, ausgelegen. 
Jgfr. Helena Depkin, Superint. Tochter, ausgelegen, verheirathet an Ir. 
Schrader 5 . 
Jgfr. IIelena Güldenstedt, ausgelegen, yerhcirahtet an II. Cappel5. 
Anthonius Güldeustedt, reisete gesund im Herbst weg, seine Rtudia zn 
prosequiren. 
2) IIieronymi Depkin Patrui vidua et lleptis C filia Hnsannula, beide gelegen. 
tl) Meine Mutter, noch durch Gottes Gnade gesund. Gott t'rhalte sie ferner 
und sei nach seiner Gnade eingedenck ihrer PfIep;e und Lieheswercke, so 
sie beständig gegen ihre krancke Kinder erwiesen. 
Üheruliebene Kinder: 
1 r. Christianus Lauterbach, einziger e 
[jnisterio Rigensi, lag eht'nso langt. 
alsz ich mit Durchlautf. Esz zeigete sich auch schon eine Hriise, so wiedm' 
verschwand. Gott stärcke ihn ferner et Frau Oerdrnt Elisab. Df'pkill, ansgel('gl'n. 


1) lJ. Il [ Abteil. 4 m'. 2. 11) Hepkin am Rande. S) Am Rande: kum wieder, aher 
ging wieuer weg unu lebet so wie vorhin. 4) Am Runde: Hube nuf uem Rette mit solchen 
und alldern Verzeichnissen die Zeit zugebracht und Meher dieses gescltrieben iu futuram me- 
moriam. Ii) verheiruhtet u. 8. w. nachgetragen. 


-
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1710 


Tagebuch. 


209 


Ich, Dorothea et Au. Cathriucheu in Pcrnau. Beide erstcre gclcgcD, auch 
A. Catrienchen in I'crnau gelegen I. 


IJchen Depkins N ahmeu: 
Mäl1Dlichel1 Geschlechts: Ich et Hieronymus. . 
Weiblichen: n erdr. }1jlisabeth, A nua Cathari 11 , 
lena Superiutendentis . . . . 


2 


Dorothea, sorores, He- 


4 


Mutter Freuudschafft Lilius, lebende und sterl}('nde: S. 30 
Alte Frau JJilius ihr Sohu Joh. Paul et Tocl1ter Ann. Wendela. Tochter 
starb in GiUdenstedts Keller, darnach der Rohn, an schwartzen Flpkken, zuletzt 
uie Mutter am SC'hlage. Zum }1jrhen setzte sie ein uuserc Mutter (allel' ihrer 
Verlassen schafft uud ues Sohnes) zur Dauckhahrkeit vor die W ohlthateD, so sie 
bei ihrer Schwester Mann, unserem Groszvater Bartholomaeo Stübner 14 Jahr 
und uarnach bei seel. Vab'rs Zeit genossen (starb hier in Helmes Hausz mit 
ihrem Sohn). nariiher fingen Agueta 'Vitgow der anuern Schwester Agneta 
Tochter au, gewaltig zu heulen lind zu lamentiren, praesente H. ):Iag. Brockhausen. 
Endlich vermochte unsere Mutter seIl Ist die !!eeI. Frau, esz zuzulaszen, dasz sie 
sich theilete nach ihrem Tode mit Frau Agneta, damahliger Hofmannin, izzo 
Wittihe, ausgenommen Gold, Silber, R leinodien (welche letztere Dorotheae 
sorori vermachet wurden) und seel. Pauls 'Vahren an Saltz etc., so ein 7 cl 
SOO Rthl. machet, von welchen letzteren sie doch 20ü Rthl. ausgekehret an ihres 
Solllles und ihren Paten Agnctae Witgow Kinder. 
Agnetae Witgow Mann IIoffmann. Sic Ipbet mit 2 Kindern, 3tes sol kommen. 
CIaes Nizhand (de!' znr crsten Frauen hatte WendnIa Witgaw) mit Frau und 
Kindern. 
Von Wiseners Familie (Praepos. zu Tricaten) sind gestorben auf dem JJandf' 
Soph. EIis. Heibel et G-rete. Liesgen Wiesener etc. HeiheI lebt hier. 
ThieI lIelmesings Wittibe hat verlohren Kinder. S. 31 
Ludioft. (noch gesund) et Frau IIeIena Stein haben verlohren Kinder 4 nnd 
4 behalten. 
Anthoni Stein Eist. g. G. tod, Frau Ieht et Tochter Anna, die Doroth. tod, 
Libor. lebt, starb auch A. 17. 
Philipp Pape et andere Frau, item 5 Kinder. Dieser Pape liesz grosz Guht 
nach. AIsz er sterben solte, gab er etliehen armen Wittiben einen gantzen 
Tisch voll Pfande ohne }1
ntgeld wieder. Solches hat auch Otto Fahius der 
Apotheker gethan et aIii. 
Giesbrecht v. Damm EIst. der g. G., Frau ist noch gesund. 
Joh. v. Damm EIst. der g. G. ausgelegen, hat verlohren seine Frau et 
einen Sohn. 
Auna von Dam, die Meiersche, ihre Tochter, die An. Liesgen et Cathrin 
ihr Mann Sakken in Pernau. fIier starb ihr der eine Sohn Georg auf AallOff 
und ward zu NeuermiihIen begraben, Primaner. 
Blisabeth v. Ham. Die Radebantsche. Den 1. May. 
Ueorg v. Dam. Past. zu W olfahrt in Pernau, supra et Kind. 
Rahtsllerr nammen Wittibe IeLet. 
Catharina v. Dam in Pel'llau tod, Zilllmerwans 'Frau. 
bei Bolmeringk 2: 


1) Ruch .A. 'U. B. w, spüterer Zusatz. 


11) nichts weiter vermerkt. 


14 


--
>>>
210 


Depkins 


1710 


bei den Fellmänllel'l1 l : 
bei Pascow 1 : 
S. 32 Adjunctur Aufwartung vor meiner V ocation 2. 
Wie die Pestliste ausweiset, so silld alhie schI' viel Prediger gestorhen. 
lias StadtMinisteriulll starb hisz auf H. Lauterbachcn aus s . Yon den vorstädt- 
schen und lamlschen unter der Stadt gehörenden G Predigern blieb ieh naeh, 
und also von 14 nur 2. Die Aufwartung haben g-ethan auf der grossen und 
kleincn GiildestuLen 4 : dort bei den Teutschen und hier hei den Unteutschen, 
anfänglich 1\1. WilleLrand et Pastor )Iertz von Dahlen, itelll Sehlmann und die 
Camliuaten, Leständigst aber H. Willbrand et l\fertz, item deI. H. Canu. .Ij:Ivers, 
so verschonet hlieben. Oarnach trat auch H. Meier zu nach seiner Genesung. 
Wie wir beide aber, ich et 11. Lauterbach wieder ausgehen konten, cedireten 
H. Lauterbach die beiden Pastores vicariantes H. Mertz et Willebrand. H. Meier 
predigte aber noch immer am Freitage den Teutschen und 2 mahl des Sontage8 
den Unteutschen. Bei den Teutschen ward er bedancket, bei den Unteutschen 
aber wolte er es mir nicht allein lassen, sondern erhielt das Vicariat zugleich 
mit mir, welches wir also hielten, dasz ein idweder seine Woche predigte, alsz 
2 mahl des Sontags et Mittwoch wieder, ein idweder Zuhörer aber konte gehen, 
wohin er wolte, da denn die Unteutschen mir alle zufielen und jenen gern weg 
wolten haben. Aber er hatte noch immer Hoffnung, Pastor Johan. zu werden, 
also wartete mit ihm bei den U nteutschen . solange auf, bisz der neue Pastor 
1. fer. Nat. antrat, waren 3 }\[ohnahten. Habe auch aUe Accidentien genossen, 
gleichwie H. Lauterbach solus bei den Teutschen. Bei dieser letzten Gemeine 
aber hatte die Aufwartung diese Bewandnisz, dasz ich und H. Elvers alternatim 
aufwarteten. Montags und Donnerstags hielt ich, und er Diensttags et Freitags 
Rät8tunden, Mittwochens aber (da auch Predigt war) und SOllnaLend8 H. I
au- 
terLach (frllh Morgends, Mittags keine). Suntag Morgens predigte H. Lauter- 
IJach alsz Pastor und wir beide des Mittags einen Sontag um den andern. 
Meine fata, ehe ich ins Ministerium Rigense kommen;;. 
f:J. 33 Freitag vor den 4. Advent 6 geschahe die Wahl der PI.ediger, davon man 
mit Characteren schreiben musz. Ich wiI aber das an seinem geheimen Orte 
notiren, olme was mich betrifft. V ocati waren: 
Christ
anus Lauterbach, Diac. Cathedr. , I hei der teutschen Gemeine. 
M. WIllebrand, Past. Dorpat., trat an Sept, , 
Kathanael Skodeiski, Past. zu Saaten in Curland, zum Past. zu S. Joh., 
trat stracks an, in seinem alten Habite. 
Casp. Elvers, Theol. St., zum Past. nach Pinkenhoff et JIolmhoff, ordinirt 
den 7. Febr. 
.Ich, praesentatus praesente Lauterbachio mit den amiern zum Diacono bei der 
'l'm1t8chen Gemeine, werde vonller Wahl ausgeschlussen 7. Nam dixit Director in 
Henatu: Lasz anstehen, bisz er sich meldet, er hat sich nicht angegeben. Dom. 2. 
Nativ., wie ieh erfuhr, was vorgelauffen war, mUHte ich nochmahls die Herren 
allhie complimcntiren. Da 11. v. 0. 8 sich niehts merckcn liesz, und wie ich mich 
recommendirete, alsobald das noch offene Diaconat anpraesentirete. IL v. IV' 
ab,r nahm mich sehr sonuerbahr entgegen, womit er das verdienet hätte das 


1) nic1!t8 weiter venl/erkt. 2) Adjunctur 11. 8. w. mit Rande. S) B. I 29. 4) B. I 
25. 28. 5) .Meine futa u. 8. w. a9lt Rande. 6) 22. Dezember. 7) Am Rande: 
Gott sei lJlLuck, URSS icb ILlso seiner Ehre wegen leidelI müssen. HilB sol eben mein sanlltes 
Haul'tküssen seiu auf meiuem 'I'odbette. Dico cum Stoltz Neujallrspr, p. 31, 8) Uetlingen. 
9) Benckeru1Qrlf. 


--
>>>
1710-11 


1'agebuch. 


ich ihn vorheiginge, nicht vor die vorige Wahl danckete, nicht eher ihm und 
Heinem Sohn etc. Resp. omnia facta jam etc. Meinetwegen wolte er sich nicht 
grosz hemiihen, allein des seel. Vaters wegen etc. (da ich aber nach der Wahl 
kam, hiesz esz, meine Meriten verdienten esz) wasz ich denn gedächte. Resp. 
Das könte mau wohl selbst schliessell, ich wäre ja ihr Stipendiat, hätte hiszhero 
tleissig genug aufgewartet, hätte mich ja auch nicht mercken lasi:!en, dasz ich 
von der Stadt ahgiuge. Was ich denn ambirte, man wolte mir nach meiner 
Intention helfen. Resp. Ich verlange nichts, alsz meine Verbässerung. Ich 
schreibe auch unsrem Herr Gott nichts vor und, käme esz auf meine Intention 
nicht an etc. Da kam esz heraus: Ob ich das offene Diaconat bei der teutschen 
Gemeine wolte LalJen. Resp. Ich erkenne esz vor eine Fügung des Höchsten 
und dancke, denn hei S. Johan hat H. Skodeiski schon öffentlich von der Cantzel 
gesaget, dasz er Pa8tor und Diaconus sein sol. Da war alles wieder gut. 
Nach den Ferien trägt H. Henk. 1 solches vor, wird aufgeschoben. Donners- 
tagl p. 2. Bpiph. werden sie zum Consistorio vociret. Da verlangete H. Lau- 
terbach einen Jiaconum. nen andern Tag ward ich gewehlet. H. Benkendorff 
gab frei anzutreten ah-!ohald, H. Ötting aber wolt, ich solte erst vors Consisto- 
rium more recepto. 
NB. Unseres Rahtes Principium ist: Man musz sich anmelden, nicht ein- 
mahl, sondern vielmahl. damit esz darnach heisse: auf sein inständiges Suchen. 
Honst mag man sizzeu. Judicire nun ein MPllsch. Aber Gott sei Dallck, dasz 
mein Gewissen desto hesser salvirt war. 


Ao. MDCCXI. 
Votum.. Lasz dich an meiner Gnade gniigen. Ja H. Jesu. 
V ocation zum Diaconat. 
D. 19. Januar. ward ich vociret zum Diacono bei der Teutschen Gemeine 
(es erfuhr aber solches fast keiner, ward mir auch nicht notificiret per famnlum). 
D. 1. Febr. ward mir solches vorm Consistorio notificirt, praesentibus Do- 
minis Consulibus Ottingen et JJenckendorff ac tribus Ecclesiasticis. 
D. 2. Febr. Fest. Purificat. that ich meine Antritspredigt anf der Gülde- 
stuben und hiemit ward das Ministerium Rigense auf 4 Personen besetzet, 3 bei 
den Teutschen, 1 hei den Unteutschen. 
Die Auffwartung pro tempore ist diese: H. Lauterbach et Willebrand alter- 
niren im Predigen Sontages et Mittwochens, ich predige an Sonn- und Festtagen 
in der Vesper und halte 5 Tage friihmorgends Bätstunden, nemlich die gantze 
Woche ausser Mittwochen (darnach auch Freitag). Hiermit höret die Adjunctur 
auf, die ich beinahe 1 1 /2 Jahr verwaltet haben, glaube nicht, dasz Jemand so 
gIncklich darinnen gewäsen, alsz ich der ultimus. Über den Segen des lieben 
Gottes kan auch nicht klagen, indem ich darin bald 400 Rthl. gehoben, ohne 
was mir von der S. Joh. Kirc.hen ins Hausz ist getzogen worden. 
H. 7. Febr. ward H. Blvers auf der grossen Giildestuben ordiniret, Direc- 
tore Lauterbac.hio, adsistentihus nobis reliquis 3. 
D. 1. April. 1. fer. Pasch. hegonte man wieder im nuhm zu predigen, alla- 
borante Brockhausen (der die Kirche mit Schuien ausstreienliesz und das galltze 
Altar mit Lacken unten bezog). Gott lasse uns nicht wieder von dannen ge- 
störet werden, sind 16 Mohnaht, dasz drin nicht geprediget worden. Alles 


1) Benckendorff. 


11) 18. Januar 1711 a. St. 


14* 


..... 


211 


S.34
>>>
212 


Depkins 


1711 


blieb wie vor, nm' dasz der Dienstag pro Mittwochen beliehet ward, quo die 
conciones hahet Lauterbach, die Freitag von Willebrand. 
n. 19. Aprilis liesz ich durch H. G. Herens bei Jgft.. Elisab. Dreiling, 
EItesten Melchioris v. Dreiling und Frau Elis. Bel'ens nachgelassenen ältesten 
J. 'fochter, so izzo bei dem H. D. Martini ist und ihren ]lf'Chstell Verwandten, 
werben, erlaugte auch selLigen Tag das .Jawort. Den 2
. Apr. Dom. Juhil. ver- 
lobeten wir uus in des H. Doctoris Hause sonder einige Ceremonie. Der grund- 
gütige Gott, dessen Fügung esz allein gewäsen, gebe uns seinen Segen und 
Gnade, so baben wir genug! 
Jam 10. Jan. 1711 ad natas salutaveram per meulll prokulum, die Antwort 
aber war: patientia. 1. Mart. begonte esz iiher alle zu gehen. 15. Aprilis 
prima vice utehatur .....1 aetatis 15 an. 3 mens., hinc illa patientia. l\[ich 
folgeten in derselben Woche 2 exspect. vidua et vil'go. 
S. 35 Die 9. Julii (NB. supra 9. Jul. MnCCX, da ich mich an der Pest nieder- 
legete), am Montage p. 6. Trinitatis war unsere Hochzeit. Vom Rahte war 
keiner aIsz H. Gerichtsvogt Hl'ockhausen und die beiden Secretarii agnat i Raes 
et Schrader, qui omnes scriptotenul:! oretenus invitati, des Ranges wegen. Sonst 
war das gantze Ministerium zusammen. Gebäten ausser Uaht et Ministerio 
waren (notati * erant praesentes)l: * H. OLerCommissarius VöIckersam, Post- 
meister Wesseling, Frau Majorin niederichl:!z et * Jgfr., H. Capitain Nierodt.. 
et * Frau, * * H. Doctor Martini et Frau, * heide Gesellen J urge et SchuIz, 
H. Capitain CIoodt et Frau, * Frau Adsess. v. Tiefrenbrock, * * IIoffgerichts- 
Secret. Widau et Braut, Madern. IIastfer, * Madem. Hammerschrnid, * * EIsterin 
Fligg et Jgfr., Frau M. Ludwigsche, * H. mtermann Weyher ct Frau et * Tochter, 
* Jgfr. Hereus, Monsr. Weyher, Frau Helmesingsche, mazzen, Baumgardt, Frau 
Widausche, Frau FeItmannsche, Frau Rahtsverwandte DreiIingsche, * Jgfr. 
'l'rudgen Dreiling, * * 3 Messieurs Berens, H. Adsess. Richter et * Prau, * H. 
Adsess. v. Schwanenberg senior, H. Adsess. v. Schwanenberg junior, * Borstedt 
und Frau, EItester Meiners et Frau et Sohn, Frau Marg. Rigemann, SeCl'etar. 
Ludowig, EIst. Mehsters, Eist. Gothan, * Candidat Vegesa('k, Mr. ßade Reva- 
Iieusis, Schwartz et * Frau, * l\[r. Barclay, * :\Ir. M:oIwo Lubecensis, * Mr. Joh. 
Weyher, Mr. Kreihe. 
S. 36 Von Meiner Seitte waren: 
* * * * * Fraueu Fr. Brockhausen et Tochter, Fr. KIeische, Fr. Grootsche, 
Fr. Skodeiskische, * Fr. Scbradersche, H. D. Faber et Prau, Praefectus Ötting 
et Frau, * * 11. ProviantMeister v. Lindenstern et Jgfr. Sehwester, * * Pastor 
Lauterbach et Frau, * Mater, Pastor Mei et * Frau, * * Hal'mes et Prau, Frau 
Damsche Rahtsh., * * Capit. Calman et Prau, Frau 11. Depkinsche, * * glst. 
v. Dam et Tochter, EIst. Hier. Depkill absens est, * * EIst. Ludeloft' et Prau 
et Jgfr., * Jgfr. Giildenstedt, * * Keiheli et Frall, * * Hofmal1sche et Tochter, 
Frau PibIsche, Frau Steinsche et * 'fochter, * H. Capit. Schotto Vahl. 
1 rochzeitgeschenke: 
H. Hecretar. Widau Becher 22 1 /1 Loht. 
H. Pastor Lauterbach Becher 31)1/1 Loht. 
11. Secretar. Schrader Schale 15 Loht. 
.Fr. Rahtsverw. Dreilingen 'l'eller 11 .Loht Heel. HOCCl'i Stiefbruder Prau. 
.Fr. Hicronym. Depkin SchaUchen 7 1 /1 Loht. 


1) ein nicht 2'U teilendes Wort. 


11) Braut. 


--
>>>
1711 


Tagebuch. 


213 


Fr. Hofmanscbe Becber 8 1 /11 Lobt. 
H. EItest. Ludeloff Toller 15 1 /2 Loht. 
Fr. Adsessor. v. Tictrenbrock Schale 30 Loht. 
.Pr. I
Itest. Steinscbe 3 Löffel 
H. Eltest. v. Damm 2 
H. Capit. Calman 2- 
H. Keibel 2 - 
Fr. 
Iutter verguldete Kanne. 
H. D. Jlartini eine OLligation, so er auch mit einer Schale etc. eingelöset und 
die OLligation zurück empfangen bat '. 
Bin beordert worden, die Bätstunden in Leiden Kireben zu halten, darüber 
mich höfflich beschwerete. Dar:tuf Antwort erlangete: soIte nur solange auf- 
warten, Lisz Ihr. C'z. Maj.2 aLreiseten. Nimirum verentur, ut hancce Aedem Pe- 
trinam Petri faciat, 'luod () Heus ne permittas sec und um tuam misericordiam. 
Als Ihr. Maj. aufm 'J'hurm gewesen wal'en, ersahen Sie mich et H. P. L.3, stunden 
mit Verwundern still, wir aher gingen zu und macheten ein f1.1szfäIlig Bücken. 
Darauf liesz er von Ir. L. Kragen und Baret holen und fragen, was davor sein 
solte'l Resp. nichts dt'nn Ihr. )1. Gnade.. Sex secum adportavit, hic consulam, 
quo fine Deum non latet. 
Bei diesem Arrivement logirten 2 Conrirer in meiner Stuben, die sich mit 
Ungestüm einquartirt hatten, darnach a}Jer, wie sie saben, dasz ich ein Prediger 
war, höft'Iich genug waren. Der eine hiesz Simen Kischkin, Fähnricb von der 
Guarde, drohete mit. Vvache uml weisz nicht was, machete gegen Abeml aLer 
ein Hauffen Complimenten, zog nach 3 Tagen weg. Der andere, Lieutenant 
von der Gnarde Sclmscberin, der },Iieh 2 Wochen, war allezeit extraordinair 
höfflieb und verstand zu rechnen pro gentis more. Als er wegreisen solte, gab 
er mir sein Schnupftuch ex serica und meiner Frau 1 Rtb1., so wir annehmen 
musten, wolten wir ihn nicht schimpfen. 
Die AndreeIl. Da Ihr. M:i:j. ungnädig es aufgenommen hatten wegen 
der LichteS, war mein Hausz das erste, das doch keine Fenster nacb der 
Gassen hat. Hariiber war die gantze Stadt consternirt. Dieser tröstete uns, 
Prediger müsten nicht gestrafl'et werden. 1) es Tages über war er nicbt zu 
Hause, um nicht molest zu machen, ging doch nicht obne ab, weil meine 
Stube als ein Taubenhausz war, auch bald disz, bald jenes muste geschafl'et 
werden, ja das Hansz hiszweilen voller Pferde war. Nach diesen kam ein 
Teutscher, der war gar raisonahle und excusirete seine almse, man hätte 
ihn hier eingewiesen, esz wäre aUel' keine Mode in aller Welt, Prediger be- 
schwerlich zu sein, wolte aueh nicht bleiben. Der 4te kam auch, ou er wohl 
von dem Schuscherin war persuadiret worden, nUI" nh:ht Ungelegenheit zu machen, 
mit Ungestiim nnd I Jist, ried fralldelU [raude elusimlls, tlenn, da meine Dirne im 
Schweisz lag, sagete ich, sie läge in groszer Hitze. Dieser, das hörend, liesz 
geschwinde seine Sachen wieder wegholen und danckte vor meinen guten Willen. 
Dagegen haben wir Liszhero, Raht et Prediger, die Freiheit erlanget, frei zu 
sein von allen Einquartil'ungen 7. Rei Arrivement ID. Mart. Fürsten Alex. .Men- 
zikoff waren welche, die hier !:Iich einquartiren wolten, die aber H. Lieutnant 
Harmes scbon intimidiret hatt, weszwegen sie !:Iich wieder auf remonstration her- 
ausbegaben. Sonst ist es sehr schwer!!. 


9 Löffel sind 34 Loht. 


S,37 


2) Zar Peter war im November in Riga. B. I 1640'. 
11) 30. Nov. 11) B. I 166. 7) B. I 186. 


1) so er u. B. w. nachgetragen. 
') Pastor Lauterba('h. .) B. I 169. 
11) Bei Arrivemel1t u. B. w, Bpäterer ZU8ate.
>>>
214 


Depkinl 


1711-12 


Not. wegen der Kirche. An Sontagen: ich et P. Willebrand warten im 
Duhm auf, da auch die Communion gehalten wird, H. P. IJauterbach im Peter, 
und predigen die beiden Candidaten Stockfisch et Tanck zu .Mittage umschichtig. 


S. 38 Ao. MDCCXII. 
Fürchte dich nicht, ich bin bei dir. 
Mit 1 diesem neuen Jahr that sich von der Lufft eine gehlinge Kranckheit 
hervor. Die Leute befielen eiligst mit Hauptschmertzen, Kälte, Hitze als ein starck 
Fluszfieber, lagen 2. 3. 4 Tage, und, wenn sie genesen, waren sie etliche Tage 
matt. In einem Hause 2. 3. 4. 6. 10, auch offt alle. Alsz eine Pest, doch Gott 
Lob ohne Merckzeichen. Medici gaben Schuld der dicken Luft't. 25. Jan. befiel 
mit H. P. Willebrand, auf einen Tag, ging aber Gott I.ob 2. Febr. wieder an 
unsere Arbeit. Die l Moscowitische Guarnison ist in den BaraC(lUen haüffig hin- 
gefallen an Pestbeulen, auch einige Officirer et 
'rau Helmesing ihr Junge. Not. 
zumahl die in der Luft't waren gewesen, sind nicht frei gewesen. Es sind 
auch gar viele Menschen in diesem Jahr an der Pest gestorben. Vide apart 
neue Pestobservationes s . 
Den 9. Maj. wurden vociret der Oberpastor H. ßrüningk, H. Elvers, Tanck, 
Stockfisch. - Hornick et Schroederus, de quo vid. suo loco. 
D. 19. Juni Donnerstag p. Fest. Trinit. hat uns Gott den ersten Ehesegen 
gegeben und ist meine Tochter Anna Elisabeth unter dem GIockengeleute zur 
Vesper just GI. 2 gebohren. Gott der Allerhöchste lasse sie ein Kind guter 
Art werden, in seiner Furcht wachsen und zunehmen, auf Christe Verdienst, 
darauf sie getauft ist, seelig sterben und mit uns in sein erworbenes ewiges 
Himmelreich eingehen. Amen I 
Den 22. Junii, d. 1 p. Trin. ist sie im Duhm von H. Pastor WiIJebrandt 
getauffet worden. Ihre Paten waren: Meine Mutter, meine Schwester Lauter- 
bachin, meine Schwäger H. Paulus Mey, Pastor zu Ermes und Wolfahrt, ejusque 
loco H. Liborius Stockfisch, Pastor zu Pinken- und Holruhof, und H. Hermann 
Harmes, Frau Anna Behrens verwittibete Adsess. v. 'l'ieft'enurock, Frau Catharina 
v. Dreiling verwittibete Rahtsverw. Widauen, Fr. }Iargaretha v. Dreiling, H. 
Capit. Ernst WiIhelm Nieroth Hheliebste (in 
'rau Widauen Stelle stund Frau 
Qual'tirherrin Dreiling, vor Frau IJauterbachsche Frau Pihlen), Jgfr. Anna Mal'- 
gareta Bebrens Dr. Baden sponsa, H. D. Nicolaus Martini Oberphysicus, H. 
Secretarius Georg Behrens, H. Joh. Gösche I
lterm. eIer schwartzen Häupter, 
Xl Personen 
8. 39 9. Maj. geschahe die Predigerwahl zum Oherpastorat und so weiter bisz 
dasz das Ministerium 7 würden 4 . Vid. quae acta Partie. vom Ministerio, item 
jam notavi ad latus. 
XV. p. T., den 28. Sept. am Michaelis Abend, trat ich das Archidiaconat 
an zu Peter, nachdem ich beide Kirchen als Diaconus verwaltet hatte. Hierbei 
hat E. H. Raht mir gerne gratificiren wollen mit einer W ochenpredibrt, welcher- 
gestalt solches aLer H. Tancke verwehret, viel. quae pecuIiariter. Gott wird 
mir wohl geben, was ich nöhtig habe. Er aber hat Unrecht gethan, dasz er 
Gottes Ehre gehindert und mir auch das wenige Htücklein Brod, so Gott und 
Obrigkeit mir geben wollen, auch meine Collegen reIiqui omnes gerne gegönnet, 
abgeschnitten Ich habe und finde Gott Lob allerorten Liebe, die wird er noch 


1) Am Rande: Morbus novus. I) Am Rande: Pestis iterum. 
aber hier nicht gedruckt. 4) B. I 202. 


S) am Schlu88e, 


.....
>>>
1712-13 


'I'agebuch. 


215 


lange müssen suchen. Das ist auch die einzige Ursache, warum ich nachgegeben. 
)[ein Gott, waren e8 nicht Deine Wege, so halte ich Unrecht gethan. Sind es 
aber Deine Wege gewesen, und ich bin zu lässig gewesen, vor Deine Ehre zu 
reden und darauf zu dringen, so vergiu mirs. Lässest Du mich leben, vielleicht 
dasz Deine Führung un8 solches belehren musz. 


MDCCXIII. 
l\lense Febr. habe meine Plage wieder g-ehaut mit Einquartirung. Den 2l. 
.FebI'. legte man mir ins Hausz 6 £l 7 
rann, 2 Rii.stwagen mit 7 Pferden, sam- 
leten sich darnach auf 18 Pferde, gingen fort den 27. FeLl'. General Polonski 
antwortete, wo solt er sie lassen. 
3. Mart. von neuen 1 
Iajor UlJd seine .Prau, I Kind, 2 Megde, 4 Knechte, 
1 Lieutnant, 1 KihJter, 1 Cornet, 20 bisz 25 Pferde. Hausz und Hoft' voll, dasz 
man nicht einen 1'rit thUlJ konte. Jtem 7 Wagen, 1 Kuje Heu bisz oben zu. 
Gingen den 12. Mart. fort. 
23. Mart. De8 Czaren Hoß'prediger, uem auer meine 8tuue noch nicht gut 
genug war, befahl selbst, ein Quartir zu suchen, und kam zu logiren im I.icent- 
hause, Wagen uml Wache blieb doch hier, künte nicht mehr als seine eigene 
Sprache. Polonski Hesz ihn hitten, möchte vergnügt sein etc. Er sahe aher 
seinen Vater, den Majoren, nicht mit dem Ri'lcken an, ja, nahm das Licht und 
besahe die Conterfaiten, wie der andere Abschied nahm. Die andern Legati 
duriften nicht einmahl über die Stube kommen. Sagete nicht guten Tag, nicht 
guten Weg, da er kam und wegging. 
Erst liesz Polonski befehlen und braucbten seine nomestiquen das Maul, 
da ich mich aber mit Cz. 
[aj. Gnade schiizzete, liesz er mich grii.szen, es solte 
das letzte Mahl sein. Von ihm nun wohl, denn er starb disz Jahr an der Pest1. 
4. Jul. permisi, ut uxor abiret cum cognatis Neo-Salisam, sed immites ex- 
perta non viales, dum emu peri('ulo vitae, jam bis submersa, tanuem extrahitur 
ex undis, quae tunc mirum in modum excrevprunt plnviis et vento, ab afine Ar- 
noldo in undas prosiliente, Vidavio j1tlll desperalJllndo et ah aestro percito. Zu 
der Zeit sind 2 Bauren vom Strom weggetriehen worden, quod et hinc evenis- 
set, cum oIDnipotentissimi Dei mal1l1S intuta fuisset. 
Den 4. Aug. Habe hier im Hofte graben und den noch übrigen Musqui- S. 40 
tischen :Mist vergraben lassen, mit der ausgegrabenen Erde aber den nassen 
Holtzkeller gefii.11et. Esz geschahe nach der Hoff-Maul' hin, wo die Steine auf- 
genommen sein, in der Mitte auf ein PadelJ :2 a 11/» in die Lenge zu reichen, 
ein paar Ellen in die Breitf' oder it Eine 1,'2 Elle tieff unter dem Pflaster wal' 
ein ander Pflaster und Gasse. 2. Ein Viertel Elle tieffer Tannen- ulJd Eichen- 
hrette.. über einander u. 3. balU ein Pflastm. von denselben grossen Ziegeln, 
davon das Hausz geLauet ist
 doppelt auf einander mit Kalck gemauret, wieder 
Sand und 4. Ducksteinenpflaster. 'V Rr nUl1 mehr als ein Mann, liesz noch einen 
1/ 2 l\lann tief graben und eiserne Rtangen bineinstm!sen, da sich eine reine Ader 
öfllete. So ist es nnter dem gantzen Hofl". Einmahl stiesz die Stange auf Holtz, 
war aber ein alt Brett. nie Ziegel geben an von der Maul' nach der Stuben- 
wand, Mllhtmasse, dasz man einen Grund zum Hause ohne Keller da anlegen 
wollen, oder dasz der Grund nasz gewesen und man ibn also zur Conservation 
des Hauses, der Keller und des Hoft'es also gedämmet, oder dasz gar in der 
:Mitten noch ein Gewölbe müsse sein etc. 


1) Erst liesz Polonski U. 8. w. am R.ande. 


.....
>>>
216 


Depkinl! 


1713-15 


Gott hat mich wohl bewahret, wie dort, also auch mächtig hier, wie BO 
viele Jahre, alHo auch biszhero. 


.MDCCXJ V. 
Eile mir beizustehen, Herr, meine Hii.lffe, anch dieses Jahr. 
A. 1714 den 31. Maj. :Morgends GI. 5 nach 5 Minuten, war Montag nach 1. 
Trinit., ist meine andere 'l'ochter Catharina l\laria jung worden und im Dohm 
am Donnerstage oder den 3. Junii durch H. Willebrand getaufft worden. Wir 
haben sie nennen lassen nach meiner Prauen Groszmutter Catharina Gottleben 
und nach meiner Groszmutter Catharina v. Damm, auch Maria nach der Stief- 
groszmutter, der Frau Doctorin Martini. Gott und der Vatet unseres Herrn Jesu 
Christi, der sie um desselbigen seinen lieben Kindes unseres Heilandes willen 
durch das Bad der Wiedergeburt und Erneurung des Heiligen Geistes zum 
ewigen Lehen nach ihrer sii.ndlichen Geburt hat wiedergebohren lassen werden
 
der stercke sie in diesem JammerLeben und erhalte sie in seiner Brkentnisz und 
Furcht samt uns zu demselbigen ewigen FreudenLeben. Di8z bitten wir einzig, 
das ührige aber wollest Du ihr, barmherziger Gott, nach Deinem H. Willen 
geben. Amen. 
Ihre Paten waren XV: 
Fr. Elisab. v. Schultzen, seel. Bau-, Gewedd- und QuartiI'herrn Theodori Drei- 
lings Wittibe, so sie gehalten. 
Fr. Maria Behrens, H. n. Nie. Martini l
helieb8te. 
Fr. Catharina Osthoff, see!. H. Jii.rgen v. Damm Wittibe, absens, Fr. Anna 
Osthoff, Elt. Cord lJanues Wittibe, aber an ihrer Stelle, die wir auch 
mitgebeten. 
Fr. Catharina Dreiling, see!. Eltest. Gerhard Bojerts Wittihe. 
Fr. Susanne Johansen, seel. H. Hieron. Depkin Wittibe. 
Pr. HeIena Stein, H. Eltest. Wilhelm Ludeloffs Eheliehste. 
Jgfr. Anna Regina Hammerschmid. 
H. Praepositus Joh. Christoph Wisener absens, 11. Capit. Joach. v. Öttingen, H. 
Quartierherr Melchior Widau, H. Joh. Schradel' Hoffgel'. Becret., H. 
Eltest. Georg Meiners, Bltest. Johallll Hendrichs, 
h-. Arend Hehrens. 
Vor Fr. Bojerts stand Jgfr. Dreiling, H. Capt. Üttings Braut. H. Widau 1 
ist weggangen, weil H. Schrader 2 ihm seine Freundschafft a 
lahl aufgekii.ndiget 
wegen des Ranges. Hat gesaget, er habe Order vom Hoffgericht. Alter, er 
wolle hingehen und vom Raht Order holen. Widau wal' vor ihm Hoffgerichts- 
secretarius s . 
Fr. Depkinsch hat sich oben an stracks bei Rahtsherr Ireilingscllt? gestellet. 


S.41 


Ao. 1715. 


Votum
. 
5. Jan. befiel Heinrich Dreiling an uen Pogken, lag gar schwer 4 Wochen 
und ist genesen. 
Den 21. Januar befiel Uathrin 1\1 5. und starb an den Pogken, die gar gifftig 
und klein waren in ungemeiner 
Ienge, den 28. Jan. an einem Freitage die 
Nacht darauff GI. 121/4. Liesz sie des Sontages darauf beisetzen am Abend. Liegt 
im Dohm im Cohr unter dem kleinen Stein in Dreilings Hegräbnisz. Animula 


1) Früherer Hofgerichtssekretiir Ratsherr Melchior Wiedau. B. 1 152, 
Obernotär Johann Schracler. S) Hat gesaget u. B. "" tim Rmu!t'. 
fel
lt. 6) Maria. 


2) Frühe,'er 
4) Das VotUtll 


.......
>>>
1715-16 


Tagebuch. 


217 


dulcit!simae blandulae requiescat in pace. Non amissa, sed praemissa es filiolal 
Nata est 1714. 31. Maj. hol'. mat. 5, Min. 5. Denata ut supra aetatis, hebdom. 
34, dies 5 sine horis 5 et 10 min. 
Den 23. ward AnLisgen kranck, hefiel so starck, dasz ihr die Augen des 
andern 'l'ages gantz starr wurden und keinen mehr kandte. J
ssig verschlug 
nichts. I
rmunterte sie mit ungar. Wasser, drauf brach sie sich und hatte nicht 
viel, war auch gantz frisch und gesund dabei, fing an zu gehen nach 14 Tagen 
ausseI' dem Bette. Diese;} Kinder haben alle 3 diverse Pogken gehabt, Ann- 
Lisgen aber Gott Lob am leichtesten. Gott, Du legest doch auf einmahl nicht 
zu viel auf. Disz ist eine schwere Pogkenzeit vor Kinder gewesen. Vid. weiter 
Observationes. 
Mense Jun. fingen junge Bienen an zu schwermen aus dem aIten vergan- 
genem Schorsteine iiber meiner Studirstuben. Liesz es besichtigen, schien bisz 
oben voll zu seyn. Nachgehends fand den Ausgang im Winckel in der Neben- 
kammer, da al1es hinfiel, waren lauter Wahen und alte Immen, von Wasser gantz 
matt und wenig kriegte kaum 1 .rl. 
Disz selbe Jahr hat meine Frau ein schweres und dem 'l'ode sehr nahes 
Lager gehabt, ist aber durch Gottes wunderbare Hiilfe genesen. 


A. MDCCXVI. S. 42 
A. 1716 den 17. Julii gegen Abend GI. halb sieben an einem Dienstage 
ward Liborius jung. Herr Gott Vater, lasz denselben nach Deinem gnädigen 
Willen aufwachsen, zu neiner göttlichen I%re und Dienst, uns aber, solange 
wir leben, zur Freude, damit er neben uns durch unsren Gott samt Deinem 
Sohne J. C. und dem H. Geiste im Leben und Sterben, ja in Ewigkeit preisen 
und loben möge. A menl 
Seine Paten waren, da er getaufft ward am SOllnabend darauff den 21. Julii 
von H. Pastor Willebrand : 
1. H. P. IJauterbach, der ihn gehalten. 
2. H. SeCl.et. Georg Raes. 
3. H. Bltest. Joh. v. Damm. 
4. H. BItest. Wilhehn Ludeloß'. 

). H. Candidat Anton GiUdensted. 
ti. 11. Sanmel Felmann. 
7. H. Ar. Joh. Rade. 
8. H. Andr. Gothan. 
Dit
. 
1. Fr. Majorin v. Diderich8 gebohl'lle v. Dunten. An ihrer statt stand, die- 
weil sie gar kranck daniederlag, Fr. Capitain Nieroth. 
2. Fr. Adsess. Richter geb. v. Schwanenberg. 
3. Fr. Secl"etar. Behrens geb. Weyhern. 
4. :Fr. Gösa Josten EIt. A. Stein W. 
5. Fr. Pastorin Mei Sorol" absens. 
6. Fr. EIt. Gösche geborne Gottleben. 
7. Fr. Harmes Soror. 
8. Jgfr. 
[aria }'eldmann.
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Erste Abteilung: 


ehron ike n. 


8. 
Das Diarium Oberpastor Bartholomeus Depklns 
1716-1720. 



'\.r\r'JV'J'JVvo- 


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1
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Diarium S. 49 1 
1Il Politicis et Publicis. 


1716. 
Den 30. Jan. gelangete hier an J. n. F. Menzikoff und mit deroselben 
1. D. F. de Gallizin, der Gubernator, welcher etliche Tage vorher, 25. oder 26. 
Jan., nach Reval ging, ohne dasz man ge wust , aus was Ursachen, doch dasz 
man muhtmassete, er müste gewust hahen, dasz 1. 
l. daselhst schon eingetroffen 
und wie man lange gellOffet hierauft. anch zugehen \Viii'den 2. I
sz ward nicht 
geschossen. 
Zu gedachten Reval haben Ihro M. Possess nehmen lassen von der schwe- 
dischen Kirchen und einigen Haiisern. Zum Hafen hat die Stadt dip GO 
'aden 
Feldsteine vom vorigen Jahre noch nicht völlig erleget, miisspn die Reatantien 
erlegen samt vor dieses Jahr 100 Faden. Die Balcken werden auch noch immer 
zu Reparirul1g des zerrissenen Hafens aus dem gantzen Lieflande hinzugeführet. 
Unsere Stadt hat wegen der Giihter accordiret und Balcken in Reval gekauft't, 
auch hat die ßiirgerschalTt VOll Riga an Eisen geliefert voriges Jahr 100 3 SchN: 
dieses Jahr 300 4 S 11. 
Den 1. Febr. arrivirten 1. Gr. Cz. M. unter dem Geleute aller Glocken und 
den übrigen gewöhnlichen Ceremonien 5 und wurden aus ihrem Hause alsobald 
na(.h dem Schlosse abgeholet, auch da von dem Gubernatoren h'actiret. 
Den 2. Feur. am Tage der Reinigung Mariae hauen 1. Maj. bei I. F. H. 
Prince Alex. Menzikoft' zu Mittage in dero Logis uei Arend Johan Bade in 
Palmbergs Hause gespeiset. Zu Mittage unter der Predigt wolten sie zu S. 
Feter auf den Thurm gehen, wie sie auer sahen, dasz geprediget ward, gingen 
sie hinautf in einer grossen Suite bisz zu dem Rahtsstuhl, stunden da eine 8. fjO 
Weile, weil sie aber mercketen, dasz die Leute theils aufstunden, theils hin und 
her schaueten, winckten sie mit der Hand, solten stille bleiben, gingen darnach 
ins Cohr vor den Altar und abermahl über eine \Veile ZUl' lincken hinau, sodasz 
Niemand in den mittlern Gang kam, und wieder hinaus. 1m Vorbeigehen vor 
der Cantzelthüre nahmen sie Ihre Mütze au. GI. 3 sind Ihr. Maj. in die Comedie 
gangen, invitirt von den Sächsischen Comoedianten. Vide den gedruckten 
Bogen!;. Ihr. Maj. sollen zuvor 15 und der Fiirst Menzikoff 10 Ducaten gesandt 
hauen. Ihr. Maj. haben anfänglich es nicht permittiren wollen, sollen au er dar- 
nach gesagt hahen, weil es kein Sontag sei, wolten Sie hineingehen. 
Als Ihr Maj. etwa 2 a mehl' l\leilen von Riga gewäsen, ist Johaun HarIlles 7 
mit einer Schrift"! derselben entgegen gekommen, so sie anfänglich nicht. an- 
nehmen wollen, eher denn in der Stadt. Wie er aber gesagt, esz liege Ihr 1\1. 


1) S. 43-48 Bind nic1tt beschrieben. 11) B. I 347. 
320a. 321. 4) 300 ergänzt nach B. 1346. 347. 366. 
') B. I 319. 


11) 100 ergünzt nach B. I 
6) B. I 34'/. 6) fehlt. 


-..
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222 


DepkillS 


1716 


interesse daran, haben sie die Hand :tusgestreckt. Sol offt hinter Ihr 1\1. 
stehen und gehen. 
Esz haLell Ihr 1\1. gesaget, wie kommt::!, dasz die Postirungspferde so 
schlecht? Resp. Ha sehen Ihre 
[ajst., was sie vor Unterthancn haben. Bei dem 
Guhernator habeIl I. M. sich dcszen auch hei!chweret, der die Landrähte dcnn 
reprimandiret und ihnen hefohlen, lJe::!sere zn schaffen. Wie auch Ihr. IV1., damit 
Ih1'O Gmllalin nicht gehilldert wi'u'de. nie heiden COlllmissRrien aLer, StieL und 
Zekel, sinu hereingefodert und heschllldiget worden, dasz sie auf der Postil'llng 
keine bässere Pferde parat gehalten. Bsz wären keinc andere gesalldt worden. 
Darauf Ihr. }Iaj. geantwortet, sie solten hinfiihro solche nicht annehmen. 
Den 2. Febr. waren 1. 1\£. in der Comedie. Am Sonllahend ward auch ge- 
spielet, nicht aLer am Sontage, da auch Ihro 1\L in nrmamund waren 1. 
2. FeLl'. Haben Ihr Maj. gespeiset mit viel vornehmen Herren in ihrem 
Hause, da der OherLanuVogt Brockhausen gerade hineingekommen und sich 
heschwehret hat iiber den H. General Weide, dasz er bei ihm wolte Quartir 
nehmen. Darauf Ihr M. geboten, er 80lte es nur thun. Ad qllae ille, quod nec 
veIlet nec posset se frui priviligiis consulis, er hätte keine Gelegenheit, er mUste 
aus seinem Hause. Sol mit dem Fusz gestossen hahen auf die Erde, gantz 
feurig Ihr Maj. angesehen, die Thiire geworffen hahen, den Kopf geschiittelt, 
und dixit, esz sei wieder Accord und Versprechen, man habe esz gleichwohl 
verheissen und nicht esse etc. et quid graviora. Resp. Sacerr. Maj. Caes.: 
Solle keine Inqllartirung haben, wolle esz ihm aber gedencken. Femnt, dasz 
Ihr Maj. also alteriret worden, dasz Sie I. Maj. hefahlen, die Hand auf ihl. 
IIertze zu legen, wie es schlage und wenig gefehlet haben, dasz, wo Prince Ihr 
Maj. Minister esz nicht verhindert hätte, Sie ihn in der Stuben niedergestossen 
hätten. GI. 2 gahen Ihr. M. Befehl an den Guhernator, das Hausz mit 10 Mann 
zu besetzen, (die Verpffegllng geniessen,) und ihu nach der Schlosz-lIauptWache 
wegzubringen, da er mit 6 Mann bewachet wird. Dito unterschrieben Il1ro Maj. 
des I'iscals Anklage und ward der gantze Raht gegen GI. 3 friih des andern 
Tages saIllt allen Secretarien und Vice-Secretarien beruffen, in der Sache zu 
sondiren. Esz haben :tlle Uahti:lherreu eiuen Schein, ferullt, von sich geben 
lIli"lssen, dasz es ihnen angesaget sei. Die denn alle (ausseI' den Secretarieu) 
ihre Meinung Ihr Maj. versiegelt iiberreichen lassen'. :Man sagt, dasz auch 
dieses seiner ColIegen oder des gantzen Rahts in diversen Meinungen bestehendes 
Urtheil ihm communiciret worden, sed muIta dicuut, die nachfolgenden Umstände 
heweisen es auders. Speise läst lllan ihm einbringen, aher kein Betzeug. J n8 
Hausz wird Niemand gelassen ohne Ihr. Maj. Vorwissen. 
ie, die Frau, sol 
vom Schlage gerühret sein, er aber gantz verwirret sein und reden. Hat sich 
darnach ganz gelassen uezeuget. }Jsz geschehen viele Vorbitten, darauf Lisz- 
hero Ihr l\Iaj. nicht reflectiret. Am Montage verlangete er seinen Beichtvater, 
qui etc. Darauf der H. Generalsuperintendent S auf Befehl des Gouverneurs zu 
ihm gekommen und ihm d:ts Allendmahl verreichet. Sol damahls nichts begeh.'et 
haben, denu Wasser uud Brod uud auch kaum etwai:l geniessen. Gott der Herr 
hehiite einen jeden vor solcher Übereilung unu lasse ihm Gnade fiuden bei Gott 
und seinem Gesalbeten. 
3. I'ebr. Zwischen GI. 6 et 7 frühmorgends, da Ihr. l\f1\j. hinausfuhren nach 
der Reperbahn und Tauen bestellen liesz, ward das Glockenspiel gerUhret, auch 
allezeit zu Mittage. Dcn 7. aller gantzen 'l'agcs nicht. 


1) Den 2. Febr. u. s. W. Uni Rande. 


') B. I 348-351. 


S) Bruiningk. B. I 202. 


--
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1716 


Diarium. 


223 


4. FeLl'. Gegen Abend arrivirten Ihr Maj. die Czarin gegen GI. 6 und S. 51 
wurden mit denselbigen Ceremonien entgegengenommen, damit man Ihr 1\1. den 
Czaren empfing, nur dasz die Biirger "diszmahl vigilanter waren denn zuvor 
(denn wie Ihr Maj. ins Thor kommen, schreien sie erst ins Gewehr, darauf Sie 
gesaget: Gude Lude, Ick bin schon hier), auch schon 2 .r\acht in Kleidern ge- 
legen und dieses gantzen Tages parat gestanden. 
nie Nacht darauft' wurden die hästen Pferde und Schlitten auf dem Conerts 
Freithoft'e gesamlet, da denn den 5. FeIn'. mit 12 Pferdell Ihre Maj. nach Du- 
nemullll sich erhoben, des Abends aber GI. 8 wiederkommen sind. 
6. Fehl'. liessen sich I. M. nicht sprechen, weil Sie von der Colic incom- 
modiret waren. Zu Mittage GI. 5 folgeten Sie in hoher Person gantz alleine 
seIher im langen Traurmantel und mit einem langen krausen Flor von der 
l\Hitze bisz auf die Erde herab der Leiche Ihro gewesenen Schiffs- und hiesigen 
Wasser-Capitains Petri Loheck " also auch im Traur die Fiirsten und andere 
grosse Herren samt dem gantzen StadtSenat iiher die Gasse aus Königsfels 
Hause bei Peterskirche nach Duhm. 
Particularia. 1. Solange der Process daurete, ward gelaiitet, erst mit der 
grossen, darnach mit allen Glocken. 2. Waren die Comoedianten in der Kirchell 
hestellet zu singen, wurden aber schleunigst befehliget, nach der COIlloedie zu 
gehen und da zu singen vor Ihr. Cz. l\laj. 3. Der Generalsuperintendent (der 
die Rede that NB im ordinairen GeneralSuperintendenten Habit), deszgleichen, 
esz km.tz zu machen, deszwegen auch nur ein Lied: 'Venn mein StÜndlein vor- 
handen ist, gesungen ward vor der Sermon. 4. Als der H. Generalsuperinten- 
dent das Vater unser bätete, haben Ihr Maj. mit entblösseten Haupte gestanden. 
5. AIH die Leiche in die Capelle getragen worden, sind Ihr. Maj. nachgangen. 
6. Im 'l'raurhause hahen Sie den Sarg öfnen lassen, das Haupt des Verstorbenen 
heriihret und gesegnet. 6. Bei der Einsenckung wurden a schwere Canons ge- 
löset. (Die Kirche ist ungemein voll gewesen. P. L.2 incitatus trat auf dt'r 
Gasse an und in der Kirche ah ins Cohr.) 
7. Febr. Ward kein Glockenspiel gerÜhrt, war auch gantz still in der 
Stadt. Zu Mittage speiseten S. M. bei Inspector Dannenstern. Wurden auch 
vermuhtet Lei H. Biirgermeister Benkellllorft., abermahl gegen des andern Tages. 
Dixit Benkendorfio, wolle esz annehmen als geschehen s. nie Nacht aber wurden 
eine Menge Pferde zusammengebracht, ohne dasz man wissen konte, zu. was ,[jllde. 
Den 8. Febr. friihe GI. 7 gingen Ihro 
L gantz unvermuhtet unter der 
bIossen Lösung der Canonen durch die N eupfOl,te weg. Der Schlitten ist zu 6 
Personen mit fj Pferden gel'lpannet. HaLen 2 Zwerge bei sich. Zu 
Iittage 
m. XII ward wegen Brockhausen I. 
Iaj. verschlossen Urtheil 4 verlesen, ihm 
auf caution freigelassen, mit der Wache in sein Hausz zu gehen, das VOll der 
Wache liberiret ward, von dannen er aber bald wieder zuriick in seine Custodie 
gekehret, aber dabei angedeutet, dasz er gegen Freitag samt seiner Frauen nnd 
Tochter sich fertig halten so1te, um nach 8iherien gesandt zu werden, dazu 8it' 
alsohald ihnen schlechte Reisekleider!i machen lie:sen und di(' Schiesse Leur- 
dert ward 6 . 
Desselben Mittages speiseteIl Ihr. 1\1. die Kaiserin hei dem H. GuLernatore 
samt etlichen Polnischen Herren. 


J) Seine Be/Jfallung B. I 98. 11) Pasfo1' Lauterbach, S) Iixit u. s. w. alll Rande. 
4) B, J 353. 357. !J) gestrichen: als gefangene. 6) Über die ReiBt vgl. Bu('hholtz, 
SB. 1897 S. 12 If. 


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224 


Depkins 


1716 


S. 52 Man sagt, dasz der Secretarius Rederanck die vorige Nacht zu ihm gesandt 
worden nomine Senatus, den er nicht gekamlt vor Vergrämung, und ihm ange- 
deutet, dasz des folgenden 1'ages sein Urtheil ihm würde vorgelesen werden 1, 
so er aber mit aller Gelassenheit annehmen solte, dasz er es nicht noch mehr 
verderbes. 
Der Raht hat (dicebat mihi quidam ex :Magnatibus) auch der Prau und 
Tochter solches ankündigen lassen ex reRcripto Gubernatoris 3 , dasz sie mit 
solten, esz sind aber bei Erbrechung Ihr. l\iaj. hinterlassenen Befehls und da es 
von Ihr D. dem H. Gubernatore gelesen worden, dieselbe nicht in specie mit 
benennet geworden, wie esz etliche vornehme Herren observiret. 
Die folgende Nacht wurden wieder Pferde ge
mchet, nachdem ein Expresser 
an Ihr. Maj. die KaiseriIl von r. M. dem Kaiser ankommen Vormittag des Tages, 
da Sie waren ahgereiset, und gedachten I. M. die KaisCl'in die Nacht zu reisen. 
Sie verweilcten aher noch bisz 12 mehrentheils den 9. Fehl'. 
Zuvor gegen GI. !) haben etliche der Verwand ten "on der ßrockhausischen 
Familie die Frau und 'l'ochter mit hingehracht, da der Ra.ht und andere die 
Ahschiedsaudience t'rwa, rteten die Ihr. n. dem Fiirsten Menzikoff einen Fuszfall 
gethan, welcher sie aufgehoben und vertrö8tet, Ihr. )Iaj. wiirde ihnen auf Be- 
gehren auch einen Zutrit zulassen. Um die GI. II haben Ihr. M. befohlen, dasz 
wer Abschied nehmen wolte, sich bei lJeroselben einfinden solte, da diese die 
ersten den Fuszfall im schlechten Hahit" gethan, worauf Ihr. M. sie geheissen 
aufzustehen und gesageten, Ihr. M. der Keiser hätte nur solch Urtheil iiber ihren 
Vater und Mann gesprochen. Sie wolte auch an den Gubernator Ordet. stellen, 
dasz solchem Befehl ferner nicht solte nachgelehet werden. J
r solte aber so 
lange noch hier im Arrest }'leiben, bisz Sie Ihr. Maj. ReIbst gesprochen, da 
denn ferner nach Ihr. 
I. Befehl solte verfahren werden li . 
Bei Ihr. Maj. AIJzug stunden die Biirger im Gewehr von Neupforte ab bisz 
an die Schalpforte, Sie gingen aber durch die Neupforte hinaus, doch wurden 
die Glocken alsobald gezogen, sobald die Stücke gelöset wurden. Der Fürst 
Menzikoff reisete 1 a 2 Stunden darnach unter der Lösung der Canonen auch 
ab und wal' die Bürgerschafft schon auseinander, so nicht wohl sol aufgenom- 
men worden sein. 


Nach Ihro Czarische Maj. des Keisers Abreise sind diese Verordnungen 
kund worden: 
1. An Lobeehs Stelle haben Sie einen Schotten 6 eingesezt. 

. Alle die hiszhero Pfandgiiter gehabt und zu 8wedischen Zeiten als 
solche besessen, auch biszhero die interessen genossen, solten sie quitiren, so 
Adel als Bürger. Ansam dedit ipsa Nohilitas, die keine Biirger als Nebenan- 
gesessene leiden wollen, auch die alten gern heraus hätten, auf dasz sie das 
r
and alleine besizzen. In specie V.7, der biszher nach dem Guhte der Strand- 
mauschen Ji::rben gestanden, um es einzunehmen und 3 Procent auszukehren statt 
der 6. Der n. Geh. Bath I
ewenwolde 8 hat esz auch also vergönnet auf 3 Jahr. 
8. 53 Jezt da der Termin zu Bnde, wird ein Pro ces daraus. Der FLlrst Uuhernator 
lästs beim alten, Vitinghoff geht zum Czaren und hat sich bisz hieber da aufge- 
halten, da denn diese Resolution gefallen. 
1) B. I 353. Bericht iiber die VerleBt/ng: PI. B. 71 S. 220-2:'1fi. 2) Am RlInde: 
nFecit id proprio MUSU." S) Am Rande: "Nota: Esz ist Ihr MI\j,.münulicher Befehl ge- 
wäRel1 al1 den Guberl1atorell." 4) gl'lJtrif1len: IIls Gefungel1e. 0) B. 1 357. 6) Jo1l. 
Papegaey. 7) VictinghQff. 8) Vgl. B. I 155. 195.
>>>
1116 


Oiarium. 


225 


3. Sind die Tauen von der Reperhahn geliefert worden, 80 naeh Denne- 
rual'ck gehen Bollen I. 
4. Ist den 15. Fein'. der Gottorfische G1oLus', der biszhero in Dunamund 
gewäsen, durch 300 Mann, die die Wege aushauen solten, weil sie eng, und 
den behörigen Schiesspferden, von Riga aus der Vorstadt abgefiihret worden. 
5. Ist der GulJernator den 19. Febr. nach Reval gereiset, quo die er die 
Order von Ihr. M. wegen Brockhausen an den Raht gesandt, die ihm folgendes 
Tages durch den Beeret. Rederanek communiciret ward, mit diesen Formalien: 
esz wäre zwar Ihr. M. Befehl anfanglieh gewäsen, dasz der BürgerMeister Brock- 
hausen mit seiner Familie nach Siberien verreisen Bolte, nachdem aber Ihr. Maj. 
allergnädigste jüngC1'e Order deszwegen eingelauffen, solte er, der Brockhausen, 
vor seine Person alleine sich darzu anschicken etc. Den 25. Febr. gegen die 
Nacht ist er mit 4 Reutern abgef'iihret worden. Hat einen Kerl hier mitge- 
nommen, wegen der Sprache, der schon eher da gewäsen, der jährlich 100 Rthl. 
kriegt 11. 
Wegen der Comoedien ist zu notiren, dasz unser Raht sie freigegeben, die 
erste l\Iarterwoche alle Tage bisz Sonnabend, in der andern am Mittwochen et 
Donnerstag, und zwar am Mittwochen wegen, wie die Comedianten invitirt, Ihr. 
Cz. M. Nahmensfest. 

rat dies festi Cathedr. Petri: Petl'i Stuhlfeier. Vid. de 
hoc festo Gavanto p. Ill. 126. 128. 212. 313. 

 C. Das Ministerium wolte dem Raht eine Erinnerung geben, quod factum 
fuisset sed aegrotasset Primarius. Ist dennoch aber geschehen per Wille- 
brandum etc. s. 
H. Bürgermeister v. B. 4. hat diese Leute einst lassen tractiren, ist täglich 
da. Wer speiset und träncket die armen Glieder Christi sed quid dixeris. 
Des Miillers, qui non caput horum moriorum, Tochter hat schon wohl 30 zu 
Gaste gehabt etc. A. B. C. etc. nominandi. Sol nicht wissen, wie sie sich ver- 
stellen und wie sie sich excusiren soll. Etliche haben ihrentwegen Gastmahle 
umsonst angestellet. Mundus vult decipi. E-. 
B. fit sine causa. Diese war 
neulich die nackete Eva und hat da wohl gefallen. Ein muscowitischer Officir, 
ein Deudscher, hat gesaget, esz sei nicht zu glauben, dasz sich auch Eheleute 
nach der Zeit in sie so verliebet, dasz sie diese Evam alle Tage einer nach 
dem andern zu Gaste laden. Nonne divinari? T. gewöhne dich nicht zu 
Sängerin etc. r; 
B. B., der SUp.6 und W.7 wären verniinfftig, redeten nicht davon. Aber dom. S. 54 
Laetare, da höreten sie '!:leine Hauptmeinung, nemlich des H. Superintendenten, 
da er die I/i Predigt gehandelt von Kirch und Comediengehen. Die Comedien 
sein voll, Kirchen leer. Dasz sie in die Comedien können gehen, versetzen sie 
ihr Silber, aber zu Kirchen Schulen etc. haben sie nichts et ita 1'01'1'0. nie es 
in der Fastenzeit hätten freigegeben, solten es vor Gott verantworten. Haben 
etliche gelachet, geplaudert. nixit: irret euch nicht, Gott läst sich nicht 
spotten. 
Den 18. Febr. Ist des Beckel's Magd, die nach dem )Iord des ersten noch S. 53 
2 Kinder gezeuget im Zuchthause und 3 Jahr gesessen, gerichtet worden. Der 
Büttel hat 3 Hiebe gethan. Vid. Not. Cap. Tragic. 


1) Am Rande: dito etl. schlitten geld, fenlllt. (?) 2) Über BrockllQusl'n8 Reisc und Tod 
11g1. Buch/wltz, SB. 1891 S. 12 n: S) NB. u. 1/. f(J, (/111 Rande. 4.) BenckentlOl'n: r.) liese 
wßr neulich u. 8, w. um Rande. Die folgende kurze Bemerkung nicld zu lesen, 6) Bl'uiningk. 
7) PlUWt. Willel;rand. 


lö
>>>
226 


Depkilll 


1716 


Den 4. Martii. Ist des Czaren Stiefschwester Prillcessin Maria angekommen, 
vor die man 5 Tage Schiesz gesamlet. Ist aber erst abgangen den 10. Martii. 
Wurden etliche Canonen gelöset. Gehet nach dem warmen Badei. 
6. Martii. Hat man 1. eine Liste verlanget aller und jeder Personen in 
einem iglichen Hause, 2. Nachricht von allen wüsten Plätzen, bewohnten und 
unbewohnten IIaüssern, quo jure es ein iglicher nütze oder besitze '. 
7. Martii. Ist die Bürgerschafft versamlet gewäsen wegen Foderung 200 SN 
Eisen, die schon gekauffet worden in Cuhrland, hier aber sollen gezahlet werden. 
Alii in Reval ist a SN 15 Rthl. Haben vor schon gegeben 100 SN und hier 
Excusen gemacht, aber der Fürst l\lenzikof schicket dieser Tagen einen Expressen, 
cito cito zu zahlen. Müssen izzo 2, 3 a 4 Rthl. mehl' geben, also ein 1000 Thaler 
4 und drüber. 
S. 54 V er
angen Jahr hat der Candidat Caspari bei dem Kirchengerichte zu S. 
Peter vorgetragen, wie er gesollnen wäre, des Kleinschmid Jürgen SchnItz sein 
gemauretes Begrälmisz zu verkauffen, liegt vor dem Pult wenn man auftrit zm' 
rechten, sintemahl es seinem seeligen Vater als I.andsmann und Beichtvater 
vermachet wäre laut Testament, doch mit der condition, dasz seine und seiner 
Frau Gebeine nicht solten geriihret werden, liesz _5 Jahre verstreichen. Weil 
daran aber ein Jahr ohngefehr oder mehr fehleten, fragete er, 01) sies ihm ge- 
statteten. Resp. Wegen des Testaments könten sie nichts drin sprechen, weil 
der Termin nicht verflossen, es wäre dasselbe heim Raht verlesen und bei Macht 
erkant. - Sed concessit Senatus und hat er also das Grab verkaufft und die 
Leichen gesencket. 
Höc anno hat auch Adsess. Kazzer Soxo, der Capitaiulieutenallt Lilienauen 
Wittihe kriegete, das Lilienausche gelliam.ete Grah zu S. Peter verkaufft an Lu- 
deloff Juniorem, mit der Condition, dasz 12 Leichen herausgenommen und ander- 
weitig solten vergraben, 3 a 4 aber gesencket werden. Ludelof läst einen grossen 
Kasten machen und, da etliche Leichen noch frisch, quetschen und stampfen, 
weil der Kasten zu klein gewäsen. 0 inhumana pectora et ö ingrata etc. 
Ao. 1716 med. Jun. sind hier sehr viel Leute aus der Lissa, als Tuchmacher, 
Schäff'er etc. durchgangen. Sollen auf 3 Jahr da bei Kiow, oder wo es ihnen 
gefallet, Schäfereien, Tuchkaramansereien anlegen, darnach dimittirt werden. 
8. 55 Ao. 1716 die Woche vor V. p. Trinit. und so die folgende hat der Strom in 
der Duna bei stillem und warmen Wetter sich sehr erhoben, also dasz das 
Wasser ziemlich gestiegen und die ordinaire Brücke über der Duna zerrissen 
und überschwemmet worden. Den V. p. Trin., da die Brücke war losz gewor- 
den, solten etliche Mann sie hefestigen, aber der Strom risz BrllCke und 
Leute weg, die endlich bei V ossenholm zu stehen gekommen .. Aus Moscow und 
von Lemberg schreibt man, dasz ein ungemein grosseI' Hagel wie Hünereier 
gefallen, aus Muscov, dasz auch Stücke Eisz aus der Lufft gefallen, aus Lem- 
berg, dasz der Hagel etliche Kinder erschlagen, aus Polen, dasz grosser Regen 
gewäsen. Daher die Auffschwellung. 
Den 6. Julii. Ist ein Schüler, N. Coskel classis ]n. beim Capponier ver- 
soff'en, der mit einem Russen schwimmen wollen und in den starcken Strom ge- 
rahten. Der Russe hat sich gerettet, aber den Knaben hat er nicht retten 
können. Ist sehr wilde gewäsen, hat mit einen Sprung sich hineingeworffen und 


1) Gehet u. B. w. über gestrichenem: Soll vermählet werden an den regierenden Herzog 
von Meklenburg. 11) B. I 358 0'. 9) in O. Lücke. t) Den V. p. Trin. u. B. w. 
am Rande. 


....
>>>
1716 


Diarium. 


227 


ist auch stracks weggerissen worden. Man hat nach dem CörJ!er lange suchen 
lassen durch Taucher, ist aber nicht gefunden worden, endlich ist er bei dem 
Capponier, da er unter den Flösscn gelegen, hervorkommen, und hat der H. 
RegierungsRath Vietinghoff einen Sarg dahin gesandt, denn er war bei ihm als 

futterßruder, und nach S. .Tacob gcbracht worden. 
msz Jahr wegen der geschwinden Befrachtung hat man gefuhrwercket mit 

80 Sunnisch und 150 Fuhrwagen. 
Ao. 1716 m. Jul. Hat der H. OLerstadtphysicus D. Nic. Martini eine Klage 
eingebracht wieder die Barbirer, dasz sie interna gebrauchen 1. Gravamina: 
t Eine Jungfrau (Stegmann) in der Salivation gestorben, weil es Geier 
gewaget. 
t Einem Kinde (H. Rahtsherrn Leuenstern) soviel verordnet, in einem Re- 
cept, dasz es augenblicklich hatte miissen sterben. 
t Ein Kind (Ruttm'au) dito, da er das Gläslein versiegelt. 
t Einem Weibe hat Geiers Geselle, gravidae, was eingegeben, davon die 
Frucht abgangen. 
t Harm bey Eltermann Hollender eingegeben purgationem, davon er über 
40 Mahl sedes gehabt, dasz kaum zu stillen gewäsen. 
E. HEdl. Raht hat die Schrifft den Barbirern zur Antwort iibergeben. 
Geiern Gegengravamina: dasz der junge Doctor Apotheken halte, seine Apo- 
theken visitire, weil seine die erste müsse sein, reise aus, wenn er Krancken 
habe, dasz die Barhirer ihre Stelle vertreten miisten und manchm'llei Chicanes 
mehr. NB. Der Geier ist Cos. v. B. I Leibmedicus und Hofn. s. 
P. Martini hat gewonnen vor Michael(. 
K uhlmann hat mit Geiern auch einen Process, dasz er des Consistorii Lufft 
verbauet. Resolution: Kuhlmann solle dazu schweigen, Geier hat recht gebauet. 
K uhlmann ist Vorsteher. 
Den 2. Sept. haben die Russen im Sturm die kupferne Renne weggestohlen 
Vor der Thiire beim Bullenstall. 
Diesen gantzen Sommer ist nur eine Fregatte aus Copenhagen mit Saltz, 
Hering etc. an uer Diina gewäsen. Da man aber desperirte, kam endlich die 
gantze Flotte Engelländer, Holländer, Lübecker an. Den 16. Aug. Abends 
waren etliche auf der Rhede, doch wustens wenige. Den 17. am Freitage, da 
man zum 3. Mahl lautete fing Reichenbach 5 an das Zeichen nach Abrede zu 
geben mit dem Glockenspiel, wesz Lobes, da die gantze Stadt auf allen Gassen 
zu lauffen anfing. Michaelis gingen die Hollender und Engellänuer in See, 
kamen an etliche I..iibecker, Colberger, Danziger. 
Den 28. Aug. bat man alle Schiffer beruffen zu Rahthause auf Order ues S. 56 
I'iirsten und ist begehret worden, dasz ein iglicher etliche Faden Holtz mit- 
nehmen solte vor die Armee auf Seeland, welches sie aber abgeschlagen, weil 
sie vor ihre Rheders das nicht verantworten könten 6. Zwei Holländer und 2 
Lubecker aber haben müssen Proviant einnehmen vor Ihr. l\faj. Armee auf See- 
land. Etliche sind nur halb befrachtet worden, weil esz nicht möglich war, alle 
so geschwinde zu befrachten, ist also viel Guht nachgeblieben. 
Michaelis Mittag haben alle Wagen offengestanden und ist gefuhrwercket 
worden auf Befehl vom Fiirsten, damit die Schiffer expediret werden könten. 
Sind auch zu der Zeit alle wieder in See gangen. 


1) B. r 384. 11) Consul von Benckend01"n: S) Hofnarl'
 
am Rande. Dms Urteil B. I 390. 1» Orga.nist an de/" Petrikil'clle. 
was darauf erfolget vide F. Hier zurechtgestellt. 


4) DieBer Satz 
6) i. O. folgt: 


10* 


....
>>>
22R 


Depkiu8 


1716--11 


Den 5. Octobr. Abeuds GI. 11 wurden auf allem 'l'hürmcn die !'t'!\lr-Glocken 
gezogen, da Elt
ster Blvers klein Hausz in der 8chweinstrasse durch Verwahr- 
losung des Gesindes, so Licht auf dem Heuboden :tngeklehf't, in Brand gerahten 
war. Der Gubernator, Commendant Busch, ßiirgerMeister Benkendorff waren 
bei der Sandpforte gewäsen, den Cronprintzen zu empfangf'n. In dem Tumult 
aber begaben sie sich alle zum Feur. Indesz war der Cronprintz I eingekommen 
und speisete derweile bei einem Obristen in Rigemauns Hausse. Hievon hat kein 
Mensch gewust, bisz man seine Bagage sahe iiber die Düna setzen am Sontage 
darnach. Am Montage GI. 2 ward das Glockenspiel gerühret und etliche Stücke 
gelöset. Dito Hiensztages etliche Stücke uud ist der Cronprintz da am Montag, 
die Fiirstin von Cuhrland am Dienstag, all in der RtiHe ahp;ereiset. Der Cron- 
printz, saf{t man, gehe nach Dennemarck wegen einer 
lariage. 
Bald hierauf ist die Princessin Maria mens. Ud. aus d(,1ll Bade hier ange- 
kOlllmen, besahe 27. Oct. Sonna),end Ahends 01. f) Petei' et Oohm in Geleite 
des H. Guhernatoris und ihres FrauenZimmers. In Peter ward das Positiv und 
Glockenspiel gerühret und nahm sie oer H. Landvogt Zimmermann entgegen. 
In Dohm H. Bürgermeister Benkendorft', H. Oericl1tsvogt Schultzen und vier aus 
dem Ministerio hoc casu. Der H. llenkendodl' liesz es deli H. GeneralSuper- 
intendenten wissen. lIle opinatus et ita intelligens liesz das 
Iillisterium con- 
vociren in die Dohmskirchen (denn H. Benkendorff wunderte sich, wo ich her- 
käme, noch mehr dasz die andel'll auch kommen suiten, redete darauf mit dem 
H. Superintendenten und ward der Küster zu JI. L.! gesandt, er solte in Peter 
8ie entgegennehmen). 11. 1.. :tber kam indesz auch nach Dohm. 'V. S et T..a 
wolten nicht, drauf schickete zn ihnen H. B. seiher, 1'.Ulk aber kam alleine 
eben wie sie schon im Cohr war. Sie wird vom H. llenkendorft. und General- 
Superintendenten entgegengenommen bei der eussersten Pforte beim Licent. 
Im Cohr machete Benkendorff ein tieffen Hiick1illg bisz auf die Erde vor ihr. 
Sequebitur Superintendens, L. et ego. H. 1'. sagete, er hätte esz schon gethan, 
quod non vidi. H. 8. 6 und Elv. 6 kamen auch nicht. 
Hafen zu Reval ruinirt, vid. weiter. 
24. Nov. (s. c. rus. 7 25. Nov.) Ist Catharina, da wegen der Czarin viel 
.l!'reuden- und Gesundheitsschüsse gethan wurden, Sonnabend. 


1717. 
S. 57 Ao. 1717 den 22. Febr. liesz der Barhir Behrens seine Frau begraben und 
war zu mercken: 
1. Dasz Eltermann und Eltesten der groszen Gülde fulgeten, keiner aber 
(au8ser Eltest. Schlüsseln, Barbirern und Stahenau, die als nahe Freunde hinter 
der Leichen gingen) von der kleinen Gülde, auch keiner vom Rahte (als TL 
IJandvogt Zimmermann als Nachbar). 
NB. Esz 801 "reise sein: wenn Jemand von der grossen Gülde begraben 
wird, so spricht der Eltermann von der grossen Gülde den Eltermann von der 
kleinen Giilde auf dem Marckt an, und das geschiebet vi('c versa bei Leicben 
von der kleinen Giilde. Wer hat hier die JJ1testen groszer Gülde gebeten '! 
2. 
Jt hoc quidem exinde, weil die Barbirer nicht wollen von der kleinen 
Gülde sein und ihre Brüder werden, izzo sonderlich Oeier, der doch Eltesten 
Hartrampfs Barbires Wittibe zur Frauen nahm. So waren Ruch Eltesten V oss 
und Franzen ete., izzo noch Schliissel. 


1) Alexei, 
6) Elver.. 


2) Lauterbach. S) Willebral&d. 4) Twwk. 
') 8ecund'Um calendari'Um ruuic'U'nI. Vgl. B. 111 S. 239, 4. 


5) S1.."'UdeiBky. 


--
>>>
1717 


Diarium. 


229 


3. Das haben sie heute bezeiget in specie, dasz Barbh'gesellen mit langen 
).[änteln, Degen uud Flor getragen und 4 Barbirer beiher gegangen, als Geier, 
lIakenberg, Jorband und . . .1 der aus 
litau dazu verschrieben. Wie bei Pre- 
diger- und Raht8leichen es geschiehet, llasz 4 beihergehen. 
4. Die Brandmeister 2 haben dawieder protestiret und ist ihnen ihr Gebühr 
gegeLen worden. 
:K B. Vor Zeiten 1mben die Elte8ten und Bürger beider Gülden auch ge- 
tragen, aber da etliche darüber Schaden genommen, gehen nun soviel beiher, 
sol nicht 25 a 30 Jahren sein. 
5. Der Küster von S. Johann, da die Leiche begraben ward, machete das 
gantze Hausz zu lachen, quaerendo clarissima voce wie bei den Undeudschen. 

un sind sie fertig. 
1717. Circiter auf Johannis kam eine kleine Flotte Schiffe von allerlei Orten S. Mi 
an a 30 oder 40, darnRch den 19. Julii auf der Rhede 150, mehrentheils 
englische. 
Esz ist bei diesem Arrivement was sonderbares pa8siret. Der Commandeur 
von den OrIogschiffen hat den Commendanten und Obristen von Dunamünde 
wissen lassen, so el' sich bedancken wolte, wolte er die Festung grüssen. Er, 
quod vellet. Das Bnglische Schiff giebt g Schusz, wird kein einziger beant- 
wortet. Sie lassen ihn beschuldigen und sind zufrieden, dasz ers noch thue, 
weil er entschuldiget, er hätte gemeinet, sie träncken Gesundheiten. J!
olget 
nichts, ohnerachtet er vorgeschriebene Order hat und Bericht von allem, wie er 
sich in solchen Fällen zu verhalten habe. Esz wird beim Fürsten geklaget, 
mit allem Ernst kriegt Order, solle sich noch bedancken, ohne dasz der ander 
einen Schusz wiederthun soll. llle folget Order, giebt 9 Schüsse und streicht 
dazu 2 mahl die Flagge aufm Wall, lluod est signum submissionis. Periti dicunt, 
wenn 1. Maj. das erfahren, kostet es ihm sein Kopf, denn wenn ein Orlogschiff 
gleich gemeinen die Segel streicht, kostet es dem Commandeur ohne alle Gnade 
sein Kopf. Ergö s . 
21. Julii. Ist der Postilion ohn Helltzel angekommen, indem ihn sein Pferd 
verlassen, darnaeh ohn Rentzel gefunden worden bei Musquitischen Kohlbren- 
nerll. Disz hat die Kaufleute bei izziger Zeit wegen der Schiffe nicht wenig 
verdrieszlich gemacht. Bsz ist deszwegen ein Officir hinausgesandt nach dem 
Ort, wo es geschehen hinter Schrunden. - 1st wiedergefunden worden. 
Den 12. Julii liesz Lorenz die Zugbrücke von der ordinairen Diinabrücke 
(Zugbrücke ist vor die Strusen und Böhte, dasz sie können durchgehen) heraus 
:tuf die Seite ziehen, und stand H. RegierungsRaht V4 da mit der Kutsche und 2 
Dienern. Dem sagete er, der H. Biirger l\Ieister B. 5 hätte ihm hal't befohlen, ihn 
nicht ohne Zoll passiren zu lassen, schickete auch deszwegen einen RahtsSol- 
daten hin zum COS6. Indessen kam ein Courir. da ging V. fort mit. Her Fiirst 7 
hat aber befohlen, esz soll keiner t'reisein, als die biszhero frei gewäsen, ni- 
mirum die von der SoldateS(lUe - Of1icir 8. - Der Fürst hat gesaget, warum? 
er wolte selbst geben, quo facto B.: das könten sie nicht zulassen. Praesens 
testis auf der Brücke. 
6. p. Trin. Woche. 1st aus der Commission der Bischof von Wilda hier 
eingekommen, war damaLIs nicht in der Stadt gewäsen. Redux quaesivi ex 


I) LÜcke. 
mn Rande. 
FÜrst GolizYIt. 


11) B. 1 1Y. B. J1 12. S) Esz ist bei diesem ArriveIllent u. 8. W. 
4) Vil'tillg1wff. ö) Benckendorff. 6) Consul. 7) Gouvemeur 
6) B. I 417, 18. 


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230 


Depkinfl 


1717 


aedituo Petrino, quid novi gestum est. Ille, dasz der Pabst wäre angekommen, 
hätte in Gösen Hausz 1 logiret und wäre wieder weggezogen, dann quod verum 
dasz eine Menge Pferde von 1. !f. angekommen, dasz die Leute den Miiller zu 
Neuermiihlen maIe verberarirt. 


Diese COlnmission kostet sonder Zweifel dem Lande gnug. Causa princi- 
palis war diese: Der Hertzog 2 gab den Hauptleuten Order, den Edelmann Firx 
einzuziehen. Wird commandirt ein Corporal et 6 Reuter. Setzen ihm nach. 
BI' et Frau in der Kutsche sind mit Pistolen und Puffern versehen. Die Frau 
oder er drohete mit der Pistole und woIten Feuer geben, sed quid fnit'! Der 
Corporal läszt contra Feur geben, sie wird blessirt, er erschossen - Wache wird 
eingezogen. 6 Reuter sind schon fort, dieser schützet sich mit H. Order- 
heist Wilmsen, ward enthauptet den 16. JuIii 1717. 6 Equites vogelfrei in Polen, 
Litthauen und Curland erkandt. Der Oberhauptmann ad temvus in die Schwartze 
Cammer gebracht, Corporal Bachmeister in Eisen geschlossen und auf Brod und 
Wasser gesetzet. - Capitain Ginzel ward von hie abgeholet, drohen, ihn am 
Pranger auszustreichen und infam zu machen, hat die Edelleute im Trinckhause 
vor Canaille gescholten. Ipse olim erat Buchführergesell, ist-Buchdruckers Sohn. 
H. Commendant Busch hat dawieder protestiret, quia olim fnit Cz. )1. Capita- 
neus. haec solum inaudivimus. Der Herzog egit per Advocatum hoc in actu v. 
ConsiIiarium ducalem Biese1stein. Der H. sol seine Sache auf dem Reichstage 
ausführen. 
S. 59 9. Aug. Ist auf Brandtell Keller der Kaufgesell Maas Rostochiensis von 
einem Lubecensi Albrecht, desz Bruder Prediger in Lubeck, der aber liederlich 
sich et ut fur an vielen Orten aufgeführet, übel zugerichtet worden. flen Maasz 
haben Albrecht und der SatIer Strömer zum Trinken forciren wollen, welchem 
Alhrecht recusanti et jam fugitivo den Kopf heszlich zerhauen, darnach noch 2 
Wunden, da Maasz ihn mit seinem eigenen Degen abgebuffet, dnrch die Seite 
cultro gegeben. Strömer daher ist aus dem Rauch. Albrecht securus, da D. 
)Iartini die Sache angegeben, mit der Wache aus seinem Quartier auf das Raht- 
hausz geln.acht worden, geschehen GI. 9 früh den 10. Aug. 


Begrebnisz Ceremonien s. 
I3urgraff Ö'tting, da er starh, wurde I. strack:! gespielet - Lieder ordinarie 
numero. - Darnach, solange er über der Erden lag, täglich 2 Lieder. Sonn- 
abend, als Tages vor seinem Begrebnisz nur 1, die quo sepeliebatur 1 Lied vor 
der grossen Glocke, Abends zwischen 5 et 6 ein Lied, dito zwischen 8 et 9 
2 a 3 Lieder. 
II. ward gelautet zwischen 12 et 1 die post ohitum et illo ante sepultnram. 
IB. Der Fürst oder Guhernator f ward invitirt durch H. Widau 6 und Leuen- 
stern 6, folgete auch. Nicht aber H. Benkendorff6 und der Praesident 7. Pouc- 
queten wurden an die Träger gegeben und den Fürsten, anch Commendanten 
und etliche vornehme. H. Nordek kriegte keinen. Hatte des Fiirsten Printz 
gekriegt. 
IV. 4 von den untersten Rahtsherren gingen heiher. H. SchnItzen, Weyer, 
Leuenstern et Nordekk (Beiero aegrotante). 


1) ein Gasthuus. 2) Herzog Ferdinand von Kurlam/. 
darauf eine Lü('ke vun etwu B Zeilen. 4) Fiirl/t Golizyn. 
meister. 7) ISBqjew. 


S) ill 0.: Ober Secret. ?UU/ 
ii) Rotl/herr. 6) Bi;,'ger- 


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1717 


Diarium. 


231 


V. Der Praefectus 1 hat die Prediger gestraffet, weil sie nicht condoliret 
(GeneralSuperintendent:! und ich waren doch dar quamque post hanc commina- 
tionem auch etliche, als H. Elvers und J.J. 8 ; nicht Carmina gemacht, - wolte 
ihnen auch nur 3 R.thl. geben. Die Beel'en sind saur. 
VI. Der Cantor trat damahls an, solte nichts haben, klagete beim General- 
Superintendenten et Consules, hatte sich bedacht. 
VII. Der Diener solten nur X tragen, klagten auch, musten XlI tragen. 
VIII. NB. Seine, des Burggrafen, Diener legen alle die Traum. an, numero 4, 
und gehen noch izt also, wird ihnen geschenkt. 
IX. Der Sarg war precbtig mit einer Plate, so das Wapen praesentirete. 
X. Neue Dekke et Bahr mit Platen anstatt holtzen. 
XI. Kein Wapen vorgetragen. 
XII. 10 Schusz mit Canonen von den Wällen als Obedlunsterherr, olim 8. 5 
Schusz, wie die Leiche vor der Kirchenthür kam, und [) wie sie 4 bei der Einsenckung. 
XIII. Fackeln blieben auch weg. 
Reliqua all observiret. 


Eltermann der kleinen Giilde. Da folgt die llanck der kleinen Giilde in 
langen Mänteln und der Eltermann von der grossen Gülde samt 4 andern in 
langen 
länteln dito unter den Trauerleuten der gantze Raht hac vice et Elte- 
sten bei der grossen Gülde. 5 


A. 1717 den 28. Sept. Michaelis Abend. Mane GI. 10 1 /1 adventus Czaris S. 61 
solennibus solitis. Hat gespeiset die 2 Tage beim FürstenI, Praesidenten 7 und 
Dannenstern8, 9. 
Den 29. die Michaelis hora 5 1 /1 prim um signum dabatur majori campana, 
item GI. 6 1 /4 inter ordinarios campanae pulsus stellete sich die Biirgerschafft in 
Parade, stand bisz A beml GI. 8 bei Fackeln, auch stunden die Bürgerpferde 
von Sonnabend stracks fertig, da einige stmcks fortgingen. Selbigen Tages 
divertirete sich Cz. :Ua:j. auf der Ihma. Nacb 8 ging die Bürgerschaft ausein- 
ander. Montag den HO. vor 5 wurden die Pferde in der Stille unter Nellthor 
angespannet, indesz gab man GI. [) das Signal mit der grossen Glocke. Hoc 
audito, lieffen etliche aus den Haiisern in Parade. Cz. Maj. liesz desto geschwinder 
fortmachen. Bürgere schildern einzeln, bei 2, 4, 10, - iiber all 40, hin und her, 
wo sie den Czaren sehen, auch vor ihren Hauszthüren. Risulll moventes Ma:je- 
8tati. Einige fallen im Rennstein, verlaufl'eu, stehen wieder auf und schildern. 
Nach dem Schiessen lauteten sie zu S. Jacoh, 1/4 Stunde darnach erst bei der 
Stadt. . Disz hat dem Czaren so wohl gefallen, dasz er auf Ahof, da er bisz 1 
sich aufgehalten, ge8peiset, sehr vergnügt gewesen, gesagt: Bürger gut )[an, 
gute Biirger, hat des Rahts und der Bürgerschafft Gesundheit getrunken. 
Ein Franzosz von extraordinairer Grösse folgete in der Czarin Suite, zu 
dem in sein Logis viel J.eute gangen, auch GS.l0, sol mechtige Hende haben, 
grossen Knebelbart, kurtze Füsse etc. 1t 
Nach bei der 1fajesteten Abreise sind die l\linistri kommen, als der Grosz- S. 62 
cantzIer Goloffkin, CantzIer Schawiroff etc. Deszgleichen aus Polen Dolgerucki 12, 


1) Uettillgm. I) Bruillillgk. S) Lauterbllcl
. 4) i. U.: wie sie 3 bei. 5) S, 60 
ist nicht beschriebetl. f,) GoliZYII. 7) IssajeU'. 8) Oberinspektor beim PortoriullI, 
9) A11l Runde: NB Wegen desz blieb aß! Q et e) ordinarie die grosse Glokke we
. 10) Ge- 
l1eml-Superintendellt Br'/tiningk. 11) Die "/IIdere Hiilfte diese.r Seite nicht beschrieben. 11) .4111 
Rande: Dolgerucki kam den 13. Octobris. 


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232 


Depkine 


1717 


den der GroszcantzIer passiren lassen und die Schiesz nicht hrauchen wollen. 
Dito Oginski, der seine Pferde hier gelassen und mit Schi(sz nach Peter!:!bm'g 
gangen. Dito, quod mirere advenit, über Berlin, Warschow, nantzigk der 
Schwedische H. Baron Görtze (wie denn in den Gazetten das schon berichtet 
war, doch dasz keine Gewiszheit war. Wie denn ridicul wal', dasz, wie er hier 
ist, in den Avisen geschriehen ward aus Holland, dasz er in Hamhurg ankom- 
men sei) den 19. Octohr. 
Esz i!:!t ihm soviel Ehre wiederfahren, als noch keinem :Minister hactenus, 
der hier durchgangen, si bene meminerimus. Denn er hat 1\B wollen incognito 
durchgehen. Dennoch wal' so viel V olcks (auch vomehme Biirger ohne Begriff) 
um seine Kutsche und 8 Bedienten bei Schalpforte gewäsen (die aus allen 
WinckeJn dahingelauffen und von Friede gezuschelt), dasz er eine recht un- 
freundtliche Mine darüber gemachet. Die Ehrenbezeugungen waren diese: 
1. Sobald er mit seiner Kutschen bisz an sein Logis in des Czaren Gasse 
hei Elster Hendrichsz angelanget war, stand schon des Fürl:Jten Kutsche da, ihn 
nach dem Schlosz zu bringen, quod et statim factum. 
2. Bei Anlangung daselhst wurden von der Citadell seiten 7 Canonen ge. 
löset und speisete er daselhst zu Mittage. 
3. Gegen Abend iterum da gespeiset, wiewohl er stracks fort wolte. In- 
desz trieb man die Schiesse zusammen, denn seine eigene Pferde sollen schon 
fort sein. 
4. GI. 4 altm'o die am Sontage 18 p. 1'.1 ging er fort, aber ohne Schi essen. 
Ist ein merveilJe, so nicht gehöret und darau!:! man doch alles gutes omi- 
niren musz. 
Nach ihm sind durchgangen einer aus Franckl'eich, l'edl1x dein et Riga abieus 
10 Febr.!!, einer aus Cassel, ein General L., redux et incognito dein abiens, etc. 
Dein noch vor Ende des Jahres H. Weber, Hannover. Envoye, H. Ostermann, 
Meklenhurgischer Minister, Baron Lose 1 Polnischer, )[arderfeld, Preussischer. 
Marderfeld hatte Schiesz an allen Piketen; alle ohne ()anonen. Der Dänische 
ging sub initil1m novi anni durch 9. Görtz ist nur 24. Stunden in Reval ge- 
wäsen und nach Abo gangen. J
s ist auch Mattveoft. nach Schweden gegangen. 
NB. Wegen des französischen Ministers ist nicht ein Schusz geschehen. 
S. 6J 29. Octobr. Ist ein solenn Festin gegeben worden auf dem Schlosse. Ulocke 
halb 12 wurde 51 Canonen gelöset, darnach immer ]5 bis 9 Schusz, einmahl 2 
darzwischen, und also über anderthalbhundert. Jsto die sind 500 Leute von 
Petersburg dimittirt zu gehen, wohin sie wolten, von den Gefangenen. Sind 
nach 14 Tagen hin und wieder allhier zu sehen gewesen, haben ein grau Wad- 
mal Rock etc. mit hIauen Knöpfen. Sol ein Geburtstag sein eines Printzen" etc. 
Den 10. Nov. Dom. 21 p. 'l'rin. celebratum hic est alterum Jubileum 5 . 
Die Ordnung in der Kirchen war wie bei Samson stehet. Nur disz ist zu 
observiren. 
Hol'. V. ti'ühe )[orgends etliche Lieder, als: wie schön leuchtet der Mor- 
genstern, Herr Gott Dich loben, 0 Herr Gott Dein göttlich Wort. Drauff liessen 
sich die Trompeten und Paucken hören zum 1. Mahl. Zu Mittage nach der 
Festpredigt, so mit )[usique und Gottesdienst wohl bisz GI. 11 daurete. Dar- 
nach GI. 12 1 /11 ward da!:! Glockenspiel geriihret, die groBse Glocke gezogen und 
folgeten alle Glocken, auch zu So Jacob. 2 vice und i1 vi ce Abends 01. 4 nach 


1) 20. Uktober. !) reuux u. 8. w. am Ramie. 3) Dein noch vor }
Ilue 11. s. W. 
U'lll Rande. 4) Peter, nachmuls Kronprinz. !» B. I 423. 424. B. 111 S. 
 u. S. 30. 


......
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1717-18 


Diarinm. 


238 


verrichtetem Gottesdienst 1. GI. 4 nach dem Trompeten vom Petel'stbl1rm alle 
Glocken eine Stunde. Canonen sind nieht gelö8et worden, wiewohl man sagen 
wolte, der F.I hätte es freigegeben. 
A: 1717 mense Dec. kriegte H. Benckendorft' seine Vollmacht zum Burggräfr- 
licben Ampte S und ist izzo einziger Burgermeister. 
24. Nov. d. XXIII, s. c. 4 Russ. dies Catharinae. 
olenuia confer uhi supra; S.64 
hodierna erant: A. ward das Glockenspiel geriihrt zwischen 5 et 6 Morgens. 
H. zu Mittage liessen sich die Paucken uud Trompeten hören aufm Markt GI. 11 
entweder vom Rahtsthurm odel' auf :Keuen Hause. C. GI. 12 Glockeuspiel und 
etliche Canonen gelöset. 
8. Dec. Ist die Petersburger Post wieder angekommen, nachdem man sie 
3 bisz 4 Posttage nicht gehabt, ohne zu wissen, ex qua ratione. 
Circa init. novi anni hei der Vielheit der BetIer ein Bettelvoigt eingesezt ä 
in der aIten Liberei. 
Sub init. novi anni ist ein neuer 'Vasserc.apitain kommen von Petersburg, 
dem Königsfels, vom Raht gesetzet et confirmatus a Gubernatore, weichen soH 6. 


A. 1718. 
2. Jan. Hat sich ein W olft. auf den Stadtgrahen bei Sandpforts RaveJin 
gezeiget und, weil er von den Soldaten gejaget ward, nahm er seine Hetirade 
iibern Wall daselbst und lieff gerade hinein in Heidevogels Hoff, so offen stand, 
dahin der dasigen W acht-Soldaten 
 sich hineinbegeben und mit Bajonetten an 
den Flinten erstochen. Nachgehends trugen sie ihn hermll an einer Stangen 
und verkaufften die Haut vor etliche Coppiken. 
Den 7 Jan. kam die verwittibete Hertzogin von Cuhrland unter Lösung 
der (Janonen bei Abeud hier an und ging nach Peterslmrg. 
Den 10 Jan. kam der Cronprintz in dei' 'Stille hier Rn von der bekandten 
lt1tJienischen Reise und ging den 14. Jan. also wieder ah nach Moscow auf Be- 
gehren Ihrer Cz. Maj., so sich da auch befinden 7 . 
25. Jan. ging der H. General Weide und Kriegs-Rahts-Pmesident in Pe- 
tersburg von hier ab nacb Petersburg, aus Polen kommend mit Schiesz. 
])f'n 10. Febr. kam der Gubernator wieder von Petersburg zmÜck, nachdem 
man gern einet, er wÜrde gar wegbleibf'll und der FÜrst Repnin an seine SteHe 
kommen 8. 
Den 8. 
'ebr. haben 8ehr viele Leute im Siiden einen kleinen hellen Stern S. 65 
gesehen am hellen 1Iitt.age GI. 12 und so folglich bisz .Abend. Die Höhe wal' 
ohngefehr, als lllall zeigete so hoch, als die höchsten HaÜser. Jch habe keine 
Augen darzu gehabt oder ihn nicht finden können, wor sie es ItllCh zeigeten. 
Des anlern Tages hat lIlan ihn auch gesehen GI. 
 Mittages, denn nicht mehr. 9 
Man hat auch lange Zeit gesprochen, dasz Cz. )1. in Petersburg 3 Collegia, 
ein (Jommercien-, Justitz- und K riegsCollegiulD, fundii'et 10. 1m KriegsCollegio 
so]] H. Weide Praesideut sein, im JustizCollegio 11 der Fiirst )[enzikoff, im 
('ommercienCollegio Tolstoi 11. Auch wil man sagen, dasz H. Hrevern zum Vice- 


1) 2 vice und 3 vice Abends u. B. 'Co (l1It Runde. 2) FiirlJt GolizYlt. :I) B. I 425. 
4) lJecundum mlendarium. Vgl. S. 228, 7. ä) Am 2/., Angust 17ZJ bi'schliesst der Rut einen 
nellen Bettelrogt einzusetzen. B. 1 570. 6) B. I 413, 1. 4:!9. 7) B. I 428. 430. 
8) Fürst Repnin wurde erst 'h,t April 1719 Gouverneur. B. 1 483. 9) Der folgende Ab- 
satz ist nicht abgedrw'kt, da er mtt' S. 66 fast w6rtlich lCiedrrllOlt ,drrl. 10) B. I 445. 
11) Vollegio fehlt. 12) Am Rande: In (jazetten g:tlltz viillig, (Inid notorie non vlLcllbat uhl 
Brever, all auf Schwedischen Fusz. 


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234 


Depkins 


1718 


Presidenten ernennet worden im JustizCollegio und dasz etliche hiesiger BÜl'ger 
Commercienrähte daselbst solten werden, wie man denn solte Reflection machen 
auf Eltest. Gösche, ninrich8
 Bade, Thiering, Zimmermaun, Schwartz etc. 
R. 66 nen 8. Febr. 1718. Ist auf seinem Höffgen ge8torben RegierungsRaht 
H.cutz. Dieses }[annes Fata sind bekandt. Unter dieser Regierung bei gegen- 
wertigen Gubernatoris Zeiten verfiel er schon in desselben Ungunst und seit 
der Zeit in schwere Kranckheiten, in specie Apoplexiam, ohne Sprache, Ver- 
stand, hat bisz zuletzt beinahe geheulet more canum. Doch zu allerlezt zu essen 
begehret und wohl gegessen, dito zu beten und ist also gestorben. Der andere 
N' B. RegierungsRaht I, de quo supra, ist zu derselben Zeit nach Petersburg ge- 
gangen. NB. Landraht .Essen nach dem warmen Bade. NB. Landraht l\Iengden von 
Burtnek mit viel Wagen nach Königsberg, mox reversul'Us. Darüber viel specula- 
tiones bei izzigen (ut speratur) obbandenen Friedensconjuncturen gemacbt wird. 
Noch wird gesaget, dasz 2 Landrähte nach Petersburg wegen izziger Con- 
juncturen gefodert worden, die aber nicbt eher bin wollen, bisz dasz die Ritter- 
schafft ihnen darzu die Depenses gebe. 
Den 26. Febr. 2 Ist H. Steuding Pastor Jacobeus auf Order Ihro Cz. .Maj. 
nach Janischki gereiset (dicunt, die Order sei directe kommen an den H. Ge- 
neralSuperintendenten, wird wohl seine Kranckheit vorgeschützet haben, siquidem 
aegrotavit von H. Drei Könige an) um das Jurament zu nebmen von den deut- 
schen Officiren, ut dicunt. Forte alle, quia Russicae linguae gnarus est, in puncto 
der gegenwertigen Conjuncturen in Moscow, so der Cronprintz S ongeacbtett der 
Crone abtreten miissen. 
Dito ist Ordre kommen, die Grentzen etc. Vid. Placat 4 , ward verlesen 
[)jenstag post Invocavit 5 . Sonntag in allen Kirchen friihe. 
Den 10. Mart. ging die Huldig'ung 6 an und haben damahls coram Pl'incipe 
Gallizin Gubernatore zu S. Jacob geschworen etliche Geistliche, als H. General- 
Superintendent, H. Steuding, H. Meier, H. Schröder, demnach durch einander 
T.andrichter, Officir, Schreiber. Hasz die Geist1ich{'n erst schweren solten, i8t 
des Fürsten Order gewäsen und des H. Praesidcnten 7 Guhtachten deszgleichen. 
Den 11. solte sie von der Stadt geschehen, esz konten aber die Voran- 
stalten nicht sobald gemacht werden 8, doch sandte der H. Superintendent ordini 
ecclesiastico per aedituum die juramenta gedruckt zu, zu unterschreiben und 
morgen einzuliefern praestito juramento. Solten GI. 8 1 /2 zugegen sein. 
Den 12., Mittwoch, ward das Signal gegeben hora 8. bisz halb 9 mit der 
groszen Glocke. GI. 9 kam der H. Hubernator, hegleitet 
'on dem H. Brigadier 
Rusch, PraesideI1ten, Oherst Olein, ()berst Kohern etc. Die 2, der Commendant 
et Praesident, stunden hinter seinem Stuhl beständigst. J
r setzte sich aber und 
stund auch bald, doch biszweilen par raison de complaisallce, als wie die Rede 
gehalten ward - das Ministerium antrat, uer Rabt, dannen wohl, wenn es ihm 
zu lange ward. Der Bri
adier und Praesident setzten sich nie, obwohl Stiihle 
gesetzet wurden auf der Seiten, quod nequihant. 
S. 61 Als S. DurchJ. kamen, stunden schon im Cohl' auf der Seite, da der J.ehn- 
stuhl war, reichlich bedeckt iiver und übel' mit rohten Lacken (esz stand aber 
derselbe Stuhl gegen Meinhardi EpitaphiulIl nahe arn Altar) der Raht et die 
dazu gehörigen und auf der andel'n Seiten, a sinistro cornu altaris, das Mini- 
I) Vietinglwff. 2) Am Rande: alii deli 1. Mllrtii, inql1ire. S) Alexei ww'dß um 
7, FI'brua1' von der 1'h1'OIlfQlge ausgeschlossen. B, 1 430. 4) v. 2. Mtirz 1718. B. [435. 
5) Invocav'it fiel auf den 2. März. 6) für den K1'onprinz Peter. B. I 43U. 4.'18. 7) lxsajeu'. 
8) Die Eidl'sleiBtung fand am 12. u, 13. März 1718 Btatt. B. 1438, J. 


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I 


1718 


Diarium. 


235 


sterium, Collegae Scholae et reIiqui, in der M ittf'n die ElterIeutf' und Eltesten 
der grossen Wilden. Hinter dem Ministerio die von dm' kleinen GÜlc1e. Auf 
dem Altar stand zum Zieraht ein silbern Crucifix vor ein Pult mit roht Lacken 
Überzogen und die Bibel aufgeschlagen - das Jjvangelium Johannis. Bei des 
FÜrsten Stuhl ein lackirter Tisch, darauff ein Stosz gedruckter Exemplarien, 
Dinte, }'eder und ein rein Buch. N ehen dem Stuhl stand ein Verordneter vom 
Fürsten, die Bxemplaria zu empfangen und zu übersehen. Wie denn strictissime 
vom Fürsten selber und dem H. Commendanten auf" alles muste acht gegeben 
werden, wenn was nicht recht war, ausser den H. GeneralSuperintendenten, der 
den Eid abhören und nehmen muste. 
Als der Fiirst am gehörigen Orte sich gestellet hatte, trat der H. General- 
Superintendent a cOl'pore auf einen Schritt ab mit gewandten Rücken gegen 
dem .Altar und hielte eine wohlgefassete Rede von dem Rechte der ersten Ge- 
burt und dasz dasselbe sehr herrlich und ample sei, jedennoch dasz dasselbe 
den indignis hahe können genommen werden. Probatmn ex scriptis exempIis 
Esavi - Ruben. - Der Oberste im Opfer muste disz Priesterthum dem Levi 
lassen, der Oherste im Reich quod accepit Juda. - Manasseh. Gen. 48. - 
Davids Brüder et Kinder etc. 2 aus der HistOl'ia profana, eins in Hispanien, 
das andere in Portugal. Die Nahmen sind mir entfallen und das Jahr - Trans- 
itio ad hoc hodiernum exemplum cum hortatione, dasz ein jeder sein Gewissen 
betrachte. 
Nach gehaltener Rede ward Ihr. Cz. )[. Manifest geschriehen und verdol- 
metschet verlesen, so nun gedruckt ist, mit dem Juramento, das von einem jeden 
geleistet worden. 
Hierauff innuebat Iu. GeneralSuperintendens, dasz er des vorigen Tages 
geschworen, möchten also die Herren E. K Miuisterii, Herren Collegen bei den 
Schulen und die iibrigeu zu dieser Ordnung Gehörige hinzutreten und viritim 
mit .Ausstreckung ihrer 
'inger iiber die H. ßibcl etc. ihren gid leisten. Die 
nach einander den Eid thaten, waren I) tj c 
linisterio, ]1) von der Dohm- 
schulen 5, ]]1) 2 deudsche Schulmeister, als zu Peter und der Weisenkinder 
(tertius ist todt), und 2 Gesellen, der vou Peter et Jacoh - 4, IV) drei Küster 
V) 3 Organisten et der Kirchenschreiber - 22 Personen. 
Nachdem kamen die Herren des Rahts: der H. Burggraf und 8 Senatores S. 68 
salllt 4 Secretarien, dito 3 Adjuvarii, 4 Candidati ultimi, die Notarii et Advocati, 
num. 5 a 6. Die Herren des Rahts absentes: H. Kahl et Claiss. Sonst folgeten 
sie also: 
1. H. J. v. ßI, Burggrahius et unicus Consul, 2. H. Grote, :J. H. D. .Martini, 
4. H. Zimmermann, 5. H. Wied:ul, 6. H. v. SchuItzen, 7. H. Weyer, 8. H. Löwen- 
stern, 9. H. D. Fischer, 10. H. Nordeck, 11. H. Bajer, 12. H. D. nahlen\!. 
Secr. H. Raes, H. Behrens, H. Rederanck, H. Caspari. 
Adj. H. Haltermann, Vegesack et SchievellJeiu. 
Cand. Minist. H. (:. ßehrens, Ch. Votters et WuHr, hier:Iuft' die Not. et 
A dvocati, als Poppal, Lado, Sixtei, Seyfert, mische!. 
Nach dem Raht schwuren Elterleute und Eltesten heider Gülden. Cordes 
absens, wil nicht mit den Ständen schweren, sondern als der Bi'I1.gerschafrt J
tter- 
mann, dixit. msz daurete von U-12. 
Sohald Jemand geschworen hatte, machete er sein Bücken gegeu I. I'. D. 
und gab das Exemplar dem Verordneten, schrieb auch seinen Nahmen ein lJl 


1) Benckendm'ff. 


2) Am Rande: NB. 3 Doct, 


Il1o..-
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Depkins 


1718 


das reine Buch eo ordine, als sie geschworen, darau1r H. Benckendor1r und df'r 
Verordnete genau auf acht gaben und der Fürst seIhst. Auf dem 1 ten Blade 
schrieben die vorn 
[inistcrio, darnach nahm H. Burgermeister das andere Blad 
vor den Raht, non ad indicandum, CJuo ordinc jujarint, sed quo jurare secundum 
ipsum debuissent, indicato hoc ante circa ordinem jurandi Domino Generali Su- 
l'erintendenti seorsilll im Cohr, da sie lange zusammen redeten. Sed cum Prin- 
cipis ipsi manifestasset jus:'la und dasz es gestern auch also gewäscn, liesz er 
uns erst eintreten und schwuren auch zuerst. 
Das 3te Blad w,trd aufgeschlagen vor die grosse und das 4te vor die 
kleine Giilde J. 
Hierhei wal' auch viel ridiculöses. Etliche la:'len Alexevitz, etliche Alexc- 
vitz recte so auch Petrowiz, etliche lang und kurtz, einer Peter Peterwiz etc. 
I;tliche EIteste der kleinen Wilde konten nicht lesen, einer nicht schreiben, 
etliche vergassen disz, andere das, dasz der H. GeneralSuperintendent und Com- 
mendant viel zu erinnern hatte. Der H. GeneralSuperintendent muste von An- 
fang bisz zu Ende stehen bei dem Pult uno alles corrigiren, als "'enn unrecht 
gelesen ward und da Jemand nicht lesen konnte, vorsagen. Aliqui erant husi- 
tantes, muste helfen. Her Johannisküster nahm den Rang vor den Duhllls- 
und liesz unterschreihcn ich N. Kolckmann verordneter Schlieszer und Küster 
bei der S. Johanniskirche. Der Kirchschreiber war ultimus. V oIters gchörcte 
zum Rahtstande. 
S. 69 Donncr:'ltag. War die ganze Bürgerschafl't zusamruen im Duhm 2 in grosseI' 
Confusion, dasz man kcin Wort hören konte vom H. GeneralSuperintendenten, 
sed stante declinato paulisper capite ad Gubernatorem, hielte er eine kleine 
Hede vom Gehorsam gegen die Obrigkeit und verIasz das Manifest. Darnach 
wurde die kleine Giilde geheissen, nach Hause zu gehen, und schwuren durch 
einander die ,'on der groBsen GiHde, zuerst bei 10 und 10, prolegente .iUl'amen- 
tum D. Generali Superintendente et stante Gubernatore in altari, der anfenglich 

ar ofl'te die Finger ausstrekkete, weil man der Leute ihre nicht sehcn konte. 
Wenn die X ahtraten, musten sie ihre N,thmen einschreiben. 
Hier ist wieder viel Ridicules auch confuses. Etliche haben verkehrt ge- 
halten ihre juramenta, einer vor 10 oft schreiben miissen, dollc Antworten. Hes 
Donnerstags Abends haben die Quartirherren müssen revidiren, oh alle ge- 
schworen auf dem Rahthause und eingeschrieben. Haben noch schreiben müssen 
etc., KIekse gemacht. 
Sonnabend dito der Hest. 
onntbend }Jost cOlJfessiollis tempus selbst an- 
gegeben - uD
e\Visz ob sie geschworen ete. Ihr Exemplar nicht abgegeben. 
Die Engelläncler haben eine Schrifft eingegehen, die Antwort sol vom Czarell 
folgen s. 
17. Mart. In S. Jacoh die iillrigen Prediger auf ö a 8 Meilen. l:Iamt Adel und 
Andel'll. Vid. beigelegte gedruckte Ordres". NB. Past. Stockf. 6 , auch in Jacob 
hier vergessen 1. Die weiter wohnen, schweren im Lande bei den Gerichtsorten 
und werden von allen Orten die Juramenta und Biicher mit den Nahmen einge- 
schicket. nie J uramelJt
t werden gebunden um) sind nach Petersburg geschickt. 
Nach der Huldigung i:'lt der Fiirst nach Petersburg gereiset, da der Czar 
il.uch ankommen. Still Woche am b. Car Freitag ging H. Brever auch weg mit 
Schiesz im Lande. 


I) Am Ramie: NB. Die ColJrtlJüren wuren mit 'Wache besetzt, ulteru uie nicht. 
) Am 
Rande: Signal mit uer grossen Glocke. 8) B. I 446, 447. 4) 8 1.\1. 5) f('hlt. 
6) Liborius Sio:kfillCh, Pastor von Holmhof u. Pinkenhof. 1) Vid. u. s. w. tim Raml('. 


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1118 


Diarium. 


237 


LefOl.t Im Anfang 1\Ia.1 durchgangen, olme zu wil:u:len, wohin, komt VOll 
PeterMburg. 
Den 5. )la.1 wuruen etliche Canonen gelöset, Schusz 15 a 17, ob Ankllllfl"t 
der Fürstin von Cuhrland, die zu Gefattere gestanden Lei des Printzen Dolge- 
rucki Printzen. Ist ein Schwieger:!Ohn vom Guhernatore. 
Den 30. dito. Cz. 1\1a.1. Geburtstag, 31 Schllsz und das Glockenspiel. 
1. Jul. gab H. Burgraf v. Benckendorft. zu S. Peter die AItarschachtel, da 
zuvor die des seel. H. v. Öttingen gestohlen ward aus der Pa.storenkammer. 
A. 1718 den 6. Jul.I starb der degradirte Cronprintz in des Vatera Ungnaden, 
esz war keine 'l'rauer seinetwegen 2. 
1717 Dienstag p. Ihaudi ward lJ. Wessei, Postdirector, wegen iibeler Admi- 8. '10 
nistration in Arrest gezogen in seinem Hause. Herum 17 p. Trin.lI, da IT. Ober- 
commissaire zum hlspector des Postwesens gesetzet war, und er trozzig solle 
geredet haben. Dip Mutter stellete Caution. ]'
he der H. Oherpraesident Isa- 
hoff 1718 vor P. Pauli wegzo
, liesz er ihn fodern wegen des Rests, so noch 
nicht gezahlet. Berieff sich auf seinei' l\Iuttm' Caution. lIla sagte auf. Da gah 
der H. Praesid('nt Order an den Raht, ihn aufs Rahthansz zu setzen. H. Villan 
sandte ihm einen Unterofficif'r und 4 Soldaten ins Hausz, nach dem Rahthallse 
zu hringen, er aher komt mit der "'aehe ius 11. Gel'iehts V oigts Vi £laus Hausz, 
da er endlich 11ach yielen Rxpostllliren seim'n negen ahgelegt ut ferunt bei 11. 
Hecret. Haes daselhst, aJii in der Stuhen '. Hat nicht gewolt nach dem Raht- 
hause. Da H. Widau ihm zuvor schon sagen lassen, so wlu'de er genöhtiget 
sein, die Wache zu verdoplen. Der hat nun in den Tag allezeit gelebet. 
Da der Mosquit: Kaufmann - ihm einst 80000 Rthl. deponirt hatte und 
etliche gesagt, wie er ausfahren könte, ua das Geld in seinem Hause. Resp. 
Das redeten Leute, die nichts wiisten, nie viel Geld gesehen hätten. Erlegete 
und ward dimittiret. 
Den 11. Julii kamen die ersten 8chift'e an der Ka.1e au und ward ueszwegell 
a Tage das Glockenspiel gerührt. 
Hoc anno mens. Jun. et Jul. H. v. B. 5 et H. C. Z.6. Neue Giebel 
\ fun- 
£lamento, alter in 4, alter in acht Wochen circiter, ein C011sul citius quam C. Z. 
deutet Frieden. Dito disz Jahr n. Hchwartz seinen Speicher bei Johanniskirchen. 
Die Schneider hinter Joh. - II. Boomgard Dammen lIausz in Peitaustrasse, 
Holler et FraseI' Siinderstrasse. 
Den 26. Aug. liesz der H. GeneraJSupel'intendent wissen, dasz eine Prin- 
cesse gebohren, quare altero die mittebantur publicae preces. Den 28. Aug. hat 
der Commendant tractirt und wurden GesundheitsSalven gethan. Der Raht hat 
uem Courir 1 100 Ducaten gegeben ex ore ConsuJis terc. die. 3 Tage zuvor gewust. 
NU. Der Raht hat nicht dancken lassen. 
Bsz sol auch der OberCommendant 8 (sind Helmes" relationes) 100 ihm ge- 
gehen haben, fO der Fiirst und 25 der H. Commendant. Geht nach dem PI'eus- 
Aisehen Hoffe. 
Den 31. Aug. Oldenhurg und Kostfeld Wraker nach PetersLurg gegangen, 
ordiniret ;\ Senatu, begehret a ('z. 
ra:.i. zu einer gewissen Entscheidung 111. 
Hen 9. Aug. kam der H. Gen. !tRnck hier an unu hielt sich incognitö etJiche S 71 
a uft'. Man mein t, er sei nach Aland oder Peterslmrg gegangen. 
I) Den 26, Juni starb Alexei. B. 1451. 11) Anno 1718 den 6 Jnl. u. s. w. a9n Rande. 
S) 13. Oktober. 4) Am Rande: geschahe ut ferunt 1. Julii. 6) BÜ1'gernleister Bencken- 
dm'ff. 6) RlIt/Jherr Ch1-istian Zimmermann. 1) Gmt Tol/Jtoi. B. I 458. 8) Bri- 
gadier Busch. 9) Schulhalter. 10) B. I 456. 


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Depkins 


1718-19 


Den 30 a 31 gingen die heiden Braker Oldenburg und Ko::;tfeld, a SCllattl 
electi et a 8. C. M. verlangt, nach Petersburg, eine Brake da zu ulltersuchell l . 
Den 10. Aug. quasi valedicturus ist der F. I et hujus sponsa gewäsell auf 
Neuen Hause und Pet. Thurm. 
hn Octobr. Jst der Fiirst mit seiner Gemalin, Graß' .M.nski Puschi Tochter, 
ankommen und wurden etliche 'Canonen gelöset. Gab hierauff den 29. Oct. ein 
ansehnlich Convivium und tractirte deu Raht, als auf einer NachHochzeit, so 
der Stadt wieder was gekostet. Von HItesten sind 4 Deputirten gewäsen: 


1termann Hollender, Elster Thiringk, Lndcloff und Dockm3nll Schwartz. Auch 
von der kleinen Gillle. Zu Mittage wurden 51 Canonen gelöset und etliche 
Gesundheitssalven gegebell. Hierauß' reise te der Fürst nach Curland und be- 
gehrete, dasz die Briicke lIicht solte abgenommen werden. Aber am 2. Nov. 
dom. XXI p. '{'rin. fand man von derselben nichts, war mit vielen Pfahlen vom 
Eise weggerissen, fing an zu ('rieren 31. Octohr. Abends. Jzt wurden die 
Ancker ausgezogen die gantze Woche und die Posten gesuchet. Den 4. Nov. 
kam der Fiirst spät zu Hause durch die falsche Dune, da die Übersetzer nun 
auch andere durchfiihren. 
In fine Oct. Ist H. Brever s ankommen und Baron Loso aus Petersburg. 
H. Brever hat 6 Wochen Pm'mission. 
Hen 29. Oct. ohngefehr hahen alle 80 Rig. Soldaten 4. bisz auf ein paar sich 
absentiret, weil sie in 17 Mohnaht nicht gesoldet, und sogar alle Posten ver- 
laszen bisz auf ein paar, die vor dem Rahthause geblieben, und die Officir fo- 
dern auch Geld oder A ljschied. llurggraff hat sie all 80 im Zeughause zusammen- 
fodern lassen und selber gefraget, promittendo 3 Mohnahtsgage. Sie aber haben 
all vor einen Mann gestanden, hat verlanget, dasz die Tagediebe solten ihren 
Abschied nur nehmen und redliche Leute bleiben. Haben endlich müssen ein 
weniges nehmen und sind gehlieben. Die 2 Urheber sollen Ruhten gekriegt 
haben. 
S. '12 . A. 1718. Maltz allerorten schlecht und Klage, weil nicht all kähmen. Wasz 
vor Bier es gebe, erfähret man schon. 
Nachdem der Tantzmeister le Sueur 5 in Mitau wohnet, der Cantor Hoppen- 
steds Tochter hat, ist sie papistisch worden. Hält ihrer Mutter Religion vor 
Luthers Betriegerei, in faciem dixit matd. Der schöne Jüngling Warnick hat 
sich nach Rom auch versenden lassen, in Hoffnung 2000 Rthl. zu holen. 
1718. 13 Dec. Sonnabend 15 Schusz wegen Ankunfft der Herzogin Gaus 
Curland. Damahls solte der H. Ohercommandant auch nach Petersburg, ist doch 
frei worden 7. 
Disz Jahr sind 2 Rescripta unter anderu von Petershurg kommen: 1. dasz 
der Raht solte einen Aufsatz gehen von aller Kirchen und Stiß"tungen Revenuen 
und von aller Personen bei Kirchen Besoldung und Schulen etc., 2. einen Auf- 
satz in Stadt und Land von allen Collegiis: 1. quiuam praeseIJtes et in lJuo col- 
legio, 2. abgegangene, 3. exspectantes 8. 


1719. 
A. 17 W. 2. Epiph. war die Fürstin und Gubernatorin in Peter. Esz war 
Musique wie an hohen Festtagen. Sie war bisz zu Ende mit ihrer Suite in der 
1) B. I 456. 11) Fii1"sl Golizyn. S) HofgerÜ'htsvizepresident u. Vizepresident 
des Justizkollegs in Petersburg, 4.) Artlllerie und Infanterie. B, 1462 (}. D. E. 541. 
6) Leltueur war Ga.heirt in Riga. B. 1 415. 8) Anna. 7) 1718. 13, Dec. u. s. w. 
am Rande. 11) B. I 461. 462. 


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17,0 


Diarium. 


239 


Kirche, IJlieb auch bei uer 't'auft'e, al:o uasz sie all gehöret unu gesehen, kalll 
unter dem Kyrie ein. 
A. 1719 den 3. Fe})!'. Ist Hollender zum 3ten Mahl zum Eltermann ge- S. 73 
wehlet wOl'den und diese 4 Eltesten: Thiring, Raiue, CalvinianP, Ludioft' et 
Eberh. Rademacher. Ergo eligunt: 
1. contra omnia privilegia nernine cogente.' 
2. honoris aliquod in Senatum subeligenuos. 
3. Die ohne Gesang und Ministeriale werden begrahen weruen. 
4. ut eligi queant et Anabaptistae, p,l,paei etc. 
Pasch. feria secunda 2 ward abgekiindiget bei schwerer Straffe ues anuern 
Tages die Ämpter hinaus solten und die zerstreuete Brücke salviren s. 
20. Mart. IIertzogin von Curland Ankunfft et statim weg nach 
Iitau; kam 
aus Petersburg. 
15. April kam der H. GeneralGouverneur Fiirst Repnin in der Olein an, 
16. April bei Narring auf Thorn, da die Ritterschaft und von der Regierung 
ihn beneventirten, 17. April GI. 10 hier in der Stadt au unter Lösung der 
Canonen 4. 
Sonnabend 5 vor Cantate. Ist Raht und Bürgershaft't beisammen, recepto 
jusso a Generali Guhernatore wegen Gassenreinigen extraordinarie auf dem Raht- 
hause. Haben ansagen lassen quartirweise zu führen, was sich in viel .Jahren 
gesamlet hatte 6 , dein sequitur intimatio. NB. vid. Ministerialia. 
Conf. Intimation wegen der Leichen zu S. Jacoh 7 et ocasio. 
Baron Joh. AIlJr. Menguen seine SchwiegerMutter begraben lassen S. Jacobi 
wolte nichts geben, Mandat. a Consuli, ward schlecht genug begraben, dasz auch 
eine adelige Frau sagte, Mengden sol mich nicht begraben. 
Meklenburg Herzogin kam an aus Deudschland. Kam von Petershurg an in S 74 
der Nacht 7. Mai, 8. dito zu Mittag fort unter Lösung der Canonen. 
15. Maj wurden des Elings 'l'onnen verbrandt (war liederlich), und Illuste 
die Stadt more antiquo l'äumen. 
Ultimo Maj. Ist Cz. Maj. Geburtstag celebriret worden: 1. Fürst hat Ritter- 
schafft und Raht etc. tractirt. 2. Auf den Tag keine Tram', sondern alle cou- 
leur, Wache mit Spiel aufgezogen etc., alle Buden geschlossen, kein )[ist zum 
Thoren ausgelassen etc. 
27. Jun. Dancktag. 1. Gingen hin reverso principe mane Revalia 2 depu- 
tati e Senatu GI. 9 wegen der Ceremonien sich zu befragen, haben gewartet 
von 9-1, dormiente principe. Auf den Abend GI. 6 muste der Kiister dem 
H. Superintendenten ansagen, dasz es nach dem alten sein solte, doch dasz die 
'l'ram' solte cessiren hoc die. Ergö more 801ito die Sonnabend ward das 
Glockenspiel geriihrt. NB. 10 1 /11-1 P/II lauter }[enueten und Paspieden, auch 
am Sonnabend Paucken, Trompeten, Canonen darauf. 'Vegen der 'l'raur 8 cessirte 
das Gelaiite, aber Cantzel und Altar waren doch vergessen, stunden schwartze 
Wachszlichter und all schwartz, gleichwohl alles Couleur in der Kirche. War 
auch l\[u8ique und Orgel. 
Sonnabend vor 7. p. Trin. spät den 11. Jul. gingen etliche Offich'er, jder 
mit 8 Mann herum, die Gassen zu visitiren, und stunden so lange, bisz uie Leute 
ihr Ulll'aht von den Thiiren in die Hanser ouer sonst wohin geschaft'et hatten. 


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1) Vgl. B. I 471: u. B. Ll1 S. 185. 11) 30. März. 3) Vgl. 1718 2. Nov. 
483. 487, 1. 5) 25. April. fo) B. 1 486, 7) v. 15. Ap-ril. B. I 484. 
Kronprine Peter. B. 1 493. 


4) B. 1 
8) wegen 


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Depkins 


1719 


Urauf wiu'cl des andcl"Il Tages, Honntag 7. p. '1'., cin Patent verlcsen, darin 
abermahl hegehret wa1"l.1 auf Hohen Befehl Ihr. 1!'. Durchl. des H. Gencral- 
Gouverneurs Repnill, dasz die Gasden vom übrigen UIl1'aht gesaiihert würdeu, 
wo nicht der Profosz den in die Hall:er werffen solte. Montag und Dienstag 
ging der Profosz visitirell mit 8 Mann, da allerorten der trockene Stauh auch 
muste gefeget werden. Die Rennsteine solten auch nicht Wasser mahl haben, 
solten gantz trocken scin etc. I. 
S, '15 Den 24. JuJ. kam der H. Vicegouverneur und Ohercommendant l an und 
residirt im Klostcr. Dagcgcn sol te der H. Generalmajor Busch Commendant 
nach Narva mit seiner Familie, aber wie er noch zulczt von allen guten Freunden 
nen 1. Aug. Abschied nimt, wird er die Nacht drauft' kranck und starb den 3. 11 
am Montage, an welchem Tage er reisen solte und viel ihm wolten Geleit geben. 
Ward begraben im Duhm' und in Generalmajor .Funcken Begrebnisz geleget. 
Der H. Genm'alSuperintendent pal'entirete von R.eisen. Ward GI. 3 hegrahen, 
H Canonenschiisse vom Wall und ward heschlossen mit einer Salve um den 
Kirchhoff VOll 2 Regimentern oder 1, so aU in 'j'ram' sich praesentireten. 
Hen XII. p. Trin. WHr Danckfest dell lö. Aug. Nota: 1. Mane Musique. 
2. Post concionem dic Verlesung der R.elation von Lamoland gedruckt den 31. 
Jul. mit eincm P. S. von des H. GeneralAdmiral Al'raxin cxpeditiouem in Ver- 
hrennung vieler Schlösser, Flekken, Dörfter und allerlei Brucken auf etliche 
:Millionen geschrieben. 3. Te DeuID laudamus. 4. 13 Canonen gelöst. Glocken- 
spiel hlicb nach propter R.eichenbachs Kranckheit. An dem Tage war die 
Tram' Ii abgelegt bei Cantzel und Altar und soll auch hinführo geschehen. Mit- 
tags kein Orgel in Peter ob Ueichenbachs Kranckheit. War gantzen Tag grosz 
R.egen und die Nacht vorher starck Donnerwetter, schlug in die russische 
Buden ein. 
NB. Soullabend vor XlI. p. Trill. H. OberComrnendanten Briefe wegen 
Gesangbuch. NB. NB. die Czarin zulezt zu H. Ob.Corn. 1'ef.GeneraISuperintell- 
dens qui rescripsit - plura porro. 
NB. Der FÜrst hat 3 Cavaliere ausgeschickt: nach Peter Lieutenant de 
Hermanni, nach Dohm seinen Capitain Rokofski und einen nach Jacobi. Wie 
die VOll der Ritterschaft und andere dar stehen im Vorsal, kommt Capitaiu 
Rokofski aus und sagt, was man vor nanckfest in der Stadt gehalten, Pastor 
.Lauterbach hätte davon soviel gemacht, als wenn ein Pferd gestohlen oder vel'- 
reckt wäre, hätte nicht im geringsten davon in der Predigt gedacht, nicht dar- 
nach, sondern nur auf hochobrigkeitlichen Bcfehl die Relation verlesen, weun 
die Geistlichen der Stadt 1/ 2 Rthl. hätten gekriegt, sie hätten grosse Dancksa- 
gung gethan, Cz. Maj. gÖ1metell sie keine Progressen etc. Herrnani sagt, der 
H. GeneralSuperintelldent hätte es gar gut gemacht. Quod falsum - er hätte 
bald versehen auch das A hlesell. Hat auch gesagt zu guten Freunden, er sei 
so straffbar, als Lauterbach, weil der H. Burggraf hätte sagen lassen, in der 
Predigt solte nichts gedacht werdell, und nur verlesen werden das Zugeschickte 
per aedituum und R.ahtsdiener - aber er hat es lassen passiren und sa.gt, er 
habe H. J
auterbach excu8iret, sei kräncklich, schwände das Gedächtnisz. Sed 
hoc dixit Dn. Marischalle Provincialis, qui mihi per binos haec nova in ante- 
cessum misit, ut etc. Aber Rakofski ist drauf gantz feurig worden, dixit: der 
H. Fürst haben es SChOll notirt. NB. H. Bellckendorff ist beschuldiget, wor der 


1) 1J. 1 (j()(). 2) Peter lVujeikuw. B, I 5(J6. 
0) wegen Kmnyrinz Peter. B. I 493. 


S) AtlgUllt. 


4) B. I 5U9. 


--
>>>
1719 


Diarium. 


241 


sich auf der Regierung Rescript heruffen. - Rinc 
Iitovie seit Montag drauff 
morante Gen. Gub. 
NB. Oben die Traur versehen. In Dom ward folgenden Sonnabend und S. '76 
Sonntag Orgel geriihret, aber Honnerstag kam andere Order vom Raht, solte 
also bleiben. KB. In Peter behielt auch die Traur vorm Altar, weil keine 
Special Order war und H. Benckendorff nicht zu Hause war, das ich fragen konte. 
Als v. der Ifardt Hochzeit hielt, gingen die Rahtsmusiquanten Montag vor- 
her zum Fiirsten, zn bitten, da
z sie Freiheit hätten, zu spielen. Liesz sie alle 
nach der Hauptwache bringen und ein Tag 4 sitzen, weil sie gesaget, der Land- 
yoigt hätte es ihnen freigegeben. Dixit, darum werde der Landvoigt wohl selber 
sprechen. NB. 11. Landvoigt Zimmermann als Gesetzherr. Hat anbefohlen 
11. Benckendorff miindlich, wer die Täntzer und Musiquanten post deputatorum 
discessum von der Hochzeit gewiesen. 
Dieser Fiirste fordert alle Woche den Catalogum der Gebohrnen und Ver- 
storbenen 1 . 
16. Jul. 1719 wegen der excessiven Hitze ward angesagt, 'Vasser vor den 
Thiiren auszusetzen in Baljen und Kufen. 
Den 3. Aug. Atarb innerhalb 2 'ragen der H. GeneralMajor und biszheriger 
Commendant Busch, ein altdeudscher, ward in Generalmajor Funckens Begräbnisz 
begraben den 5. Aug. puulice. Er solte den f'. Aug. nach Narva reisen, um dar 
zu commandiren '. 
Alle Festtage und Sonntage die Pforten more Suecorum zu s. NB. auch 
wenn Reussische Feste sein, als z. E. hoc Septembri mense Mariae Geburt, 
Kreuzerhöhung ete. 
1719. 9 Sept. Order vom 8chlosz wegen Reichenbach 4 in S. Petersuurg das 
Glockenspiel zu stellen, den 12. auch wegen Martini 5. Dieser ist wiederkommen, 
jener 1720 noch da. 
1719 den 11. Aug. kam der H. Slippenbach, Preuss. Maj. Ministre hier an S. '77 
und ging weg den 12. dito, soll zu I. C. Maj. nach der }'lotte gehen wollen. 
Nota hoc anno (darob auch Meldung geschiehet aus Deudschland, Frank- 
reich, Italien, Spanien) Durchlauf daran viele Kinder und Bauren gestorben, 
von grösser Diirre, daher in viel Feldern das Korn schlecht stehet. In Preussen 
viel 100 Menschen. 
14. Aug. ward zum andernmahl nachgefraget nach Proviant an Gerste, 
Haber und Rogken iiberaU 6. NB 10000 Last meinen sie, habe man zu schwe- 
dischen Zeiten gehabt. 
Den 30. Jul. haben der Schneider Lange und Fleischer Leithoff, da sie 
dl'aussen getruncken, (id quod primus lubens agit) vor der Jacobspforte sich 
genan'et bei niedergelegten Schlagbaum und dem Soldaten die Finger geknickt. 
über sie ist seither 2 mahl Kriegsrecht gesessen und NB drin 2 Deputati auf 
fiirstlichen Befehl vom Raht. 1. vice H. Zimmerman Landvoigt und H. Beier. 
2. vice H. Gerichtsvoigt v. Schultzen und Beier. 
Um eben die Zeit hat auch ein besoffener Schneidergesell iiber den W
ll 
wollen gehen, sitzt mit. Der Piirst hat aber, da ihnen anfänglich mit der Karre 
etc. gedrohet war und noch mehr Straff als Galehren etc., und die 3 begnadet, 
also dasz der Gesell strax dimittiret, die 2 Biirger aber noch U Tage auf 
Wasser und Brod auf dem Rahthause gesessen kamen 7. 


1) monatlich. B. 1 516. 11) 8chl»J S. 75 bericlitet. 
nilt in St. Peter. 5) Uhrmacher. 8) B. I 1513. 


B) Vgl. B. I 511. 
1) B. I 1507. 


4) Orga- 


16 


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>>>
24:2 


Depkius 


1719 


Durch tIieHe Begebenheit sind strax die ThorscLlies8er dcr Stadt ahge- 
t!chafl'et worden und weruen die Thore zugleich durch Chergeanten und die 
Cron alleine geschlossen 1. Dito sind die Schlüssel nicht mehr beim Commen- 
danten, so die Stadt von Anfange verlohrcn 2, sonuern in neuen Beuteln auf ru 
Schlosses. 
Den 22. Aug. hat der H. President 1t!ahofl' die Handwercksämpter aufs 
Rahthausz beruffen, daHz sie reine Copeien ihm geLen soIten von allen ihreu 
Schragen. Ist geschehen auch von Goldschmieden und undeudschen Ämptern, 
und all eingebunden worden. 
Hen 25. Sept. ist der Stallmeister Fühn begraben worden, wal' erst Muster- 
diener, seit 1708 Stallmeister. Bruder und Bürger heiherg:mgen, soll ein bürger- 
licher Dienst sein, hat viel wegen Lohn stehen, baten um Glockenspiel auf 
Rechnung; denegatur hoc modo, und bliebe das nach'. 
Auf Michaelis bei der Wahl vid. quid gestum sit 5 hei Rahtsma.tricuI 6 . 
Not. am WahItage ,Musique in tIer Kirchen, auch im rl'raur, doch nicht 
mit starcken Instrumenten. 
Als Frau Reutern begraben ward hoc anno 1719, vid. Carmina, notavi 
1) dasz auch bei der Traur Musique war CUln instrumeutis, 
2) Altar mit schwartzen Lichten brennenu, nescio, CUlU non observavi, ob 
auch Cantzel. Erat im Dohm. (!tzt im Peter kein Licht bei Cantzel.) 
3) Die Soldaten schildern, wenn die Leiehe kommt mit den Tram'leuten, 
wie lange quaeratur. 
4) Das Leichengeld pro Pastori1ms et Scholae collegiH ward gesandt ver- 
t!iegelt 3 Rthl., dito auch ut adessent Joh. Kiister und Past. Steuding. 
NB ultimus folgete hinter uer Leiche. 
NB. Die Carmina waren izt in Censur bei On. Comml, sein beschrieben 
gewäsen J. v. B. 7, sine dubio alle, denn meines, dice}Jat Dn. Lauterbach, habe 
solch Zeichen gehabt, quod observasset bei Corrigirung me absente J. 1'.8 NB. 
8. Oct. sind wieder die Personen in Häusern angeschrieben worden. 
17. p. Trin. 20. Sept. hat die Prau GeneralMajorin ßusch ihren Sitz ge- 
nommen in dem Generalgouverneurin Stuhl. lndicavit Sonnabend vorher aeui- 
tuo Consuli, hat ihn geschickt zum H. InRpector aedis Petrini, H. Landvoigt 
Christian Zimmermann, zu fragen, ob er bekleiuen solte? Permisit. Sie fahret 
mit überzogener Kutze mit Boy, so sind auch die Pferde, so rehhaar bedeckt. 
S. '18 NB. Biszher seit 17. p. Trin. 9 hat man, - nachdem man nur anfänglich 
angesagt ouer uie Leute genöhtiget, selbst rein zu machen und hineinzutragen, 
bei etlichen aber den :Miest ins I1ausz geworffen, - nichts anders zu thun ge- 
habt, denn mit dem Profosz wegen des Um'ahts auf der Gassen, weil nicht eine 
Handvoll Mist oder in Rennestein Unflaht zugeben, also dasz man nichts siehet 
auf den Gassen, als s. v. der Soldaten zu Nacht hingelegtes. .I
sz sind aber 
deszwegen auch viell atrapiret und von der Patroul weggeführet. .lJsz ist wohl 
recht was ungewöhnliches, was passiret, denn da kein Mist auf der Gassen ver- 
handen, stIchen sie das \Vasser uud den Koht zusammen, wo sie es kriegen, 
setzen vor IJausz, Kammer und rl'hüren, die mitgehpnde Wache in vollem Gewehr, 
giesseu in Kammern, Stuben an die Wände in Betten rl'hiiren und wenn es 
höflich zugehet, in Fenstern, in die rl'hiiren, über tIie Mauren etc. ohn Unter- 


1) B. 1 511. 11) B. I 100. 102. 1I 244. I 
um Rande. 4) Uen 25. Sept. u, 8. w. um Ramie. 
Ti111'f1lermllnn8. B. 1 514. 517. ö:'1(J, B. LII S. 90. 
dorff. 8) Diakonus Tanck. 9) ZJ. Sept. 


S) Durcb diese Begebenheit u. 8. W. 
5) Streit 1Oegell, der 'Wahl Dietrich 
6) fehlt. 7) Johann von Bencken- 


.......
>>>
1119-20 


Diarinm. 


24:1 


scheid Lei Edelleuten, Bürgern etc. Auch so Jemand an einem wüsten Platze 
oder bei einem nachlässigen Nachbaren wohnet, musz es der Unschuldige ent- 
gelten. Sie heben sogar die Bretter vor den Thiiren auf und suchen nach, 
prügeln die Knechte, führen ßiirger aus den lIaüsern weg. Wird all angegeben 
bei dem Dockmann und nichts geklaget. Sed quid nuper Marquardo evenit, 
SeniOl'i Majoris Collegii: Sie finden Unraht da, wo der Schmid vor diesen 
wohnete beim WeberpfortenThurm und schleppen es in Matten hinauf bisz wo 
Marquard wohnet, besetzen Kammer, Stub und alle Thüren mit Wache und 
tragen alle Zimmer voll. Esz ward aber mit einer Supplique der H. Secret. 
Gotfr. Behrens zum Fiirsten deswegen gesendet, der befohlen nachzusehen, ob 
es wahr sei, denn er nichts mehr befohlen, denn jdem Eigener seinen Mist ins 
Hausz zu werffen und nicht weiter. Davor hat der Profosz Podoggen gekriegt 
und kommet nun der mitgehende Officir oder U nterofficir bittweise. !tem sagte 
man, dasz von Rahtsseiten ein Anweiser der Grentzen soll mitgegeben werden 1. 
Geschahe etwan die Woche 19 p. Trin. l . Sind nun gantz höflich worden. 


1720. 
A. 1720. Im Anfange des Jahres kam Befehl, dasz 60000 Loff Rogken die S. 81 9 
Bih'gerschaft vor Czar. Maj. solte parat halten, das iibrige mögen sie vocschiffen 4 . 
1720 Osternwoche deszwegen wieder zusammen auf der Gildstube 6 und dasz 
man sich proviantire auf 1 Jahr 6 . 
Im Lande sind die Kleten visitirt und versiegelt worden, doch das ausge- 
geben, soviel nöhtig, zu Aufrichtung der Magazinen. 
Im Januar 3 Menschen am Wege ermordet gefunden. 
Febr. viel Menschen zu schaden, als Ginzels Knecht in der Mllhle Hand 
verlohren, ein paar Russen laedirt. 
Dito D. Sex. 7 ein Kerl in die .....8 gefallen und mit dem Schlitten weg- 
geführet bei dem Geleute. 
IV. p. Epiph.' abgekündiget, dasz bei Ginzels Miihle ein todt Kind ge- 
funden, damit die Hunde sich geschleppet. Dito darnach ein . . . . . . . .10 auf 
der Dune mit 30 Rthl., so ein Russe soll zu sich genommen haben, ut dicunt. 
Schwere Geburten, Zwillinge etc. 
ßiszhero haben wir schlecht Weg wegen des Winters gehabt, da aber sich 
noch der frembde Mann einfindet, wird ihm es in Curland schwer gemacht. 
Müssen da einen neuen Zollll errichten, 1 Rthl. a Fuhr, so sie nach Riga 
wollen, sollen sich nach Mitau, Windau und Libau wenden. Deszwegen bat die 
Stadt ad Cz. Maj. geschrieben in fine Febr. NB. Einst den 7. Februar 1716 11 
kam Order von Generalmajor 111 just bei der Abreise des H. Generalgouver- 
neuren, der auch dem H. Vicegouverneuren die Order gelassen hatte, nicbt 
mehr denn 150 Fuhr, 50 a jeden Thor, als Carls-, Sand- und Schalthol' einzu- 
lassen, so auch geschehen, dasz man Holtz 1 a 2 Fuder erst auf den Abend 
gekriegt. Etliche wieder weggefahren, bis auf Remonstration vom H. Presi- 
denten andere Order insofern, dasz sie nicht mehr bei Nahmen solten ange- 
schrieben, sondern nur gezehlet werden. NB. Wer der Herr, wie der Baur 
heisse und Sehtu wahrds 14 - LOCU8 - wie weit etc. Daher etlicbe Holtz auf- 
legen lassen in den Gärten, Korn mit Bürgerpferden einfiibren lassen, ihre 


1) B. I G()(). 503. 575 n: 11) 4. Oktober. S) S. 79 u. S. 80 unbeschrieben. 4) B. 1 
535. 536,6. 6) B. 1546. G47. 5G2. 6) 1720 Osterwocbe U.8. W. am Rande. 7) 21, Feb'/". 
8) Ei1l nicl,t EU leBell/leB Wort. 9) 7. Febr. 10) Erbbmler
 11) B. 1 644, 5. 
111) 7. ./!'ebr. 1716 ergänd I
ach B. 1 352. 19) B'UBch. 14) Name de8 (-Jeh{jftlJ. 
16* 


. 


-..
>>>
244 


Del,kiu8 DiariullI. 


1720 


Lithauer über Düna etliche Tage haben halten müssen, bisz die wenigen abge- 
fertiget 1. Haben auch alle Säcke visitirt. Wer es erlangen konte, kriegte 
seinen Bauren ein mit der Wache, die so lange bei dem Hause gestanden, bisz 
die Kerle ausgebracht, dasz so viel wieder konten eingelassen werden. 
Und wird genau nachgeforschet, ob sie auch nach Curland gehen, id quod 
factum hactenus. 
Der Hopfen galt im Febr. 20 a 25 Rthl. SB. 
26. Jan. haben die Strassen müssen gefiillet werdf'n mit Schnee, von den 
Rennen aus geholten JiJisz wegen Ankunfft des Ambassadeur I. NU. es solte 
kein Schnee bleiben. 
In diesem Jahr hat auch der H. GeneralGouverneur befohlen, viel Huren 
iiber die Gassen staüpen durch die Profosse lind darnach fortzujagen, weil die 
Soldaten haüffig inficiret worden. 
Den 5. Febr. ward der Ambassadeur, Woiwod von !\{asuren Chomantowski, 
aus Polen hier eingeholet mit grossen Ehrenbezeugungen. JiJin Oberster nahm 
ihn auf bei der Grentze, 3 Meilen von hier. Die Deputirle von der Ritter- 
schafft nahmen ihn über der Düna entgegen, als der H. Obercommiss. Völcker- 
sam und H. IIofgerichtsAssessor Samson, vom Rahte der H. Gerichtsvoigt Raes 
und Secr
t. Behrens. Hier in der Stadt kahm ihm im Hause entgegen der H. 
Bürgermeister Zimmermann, H. Raes und ward complimentiret mit einer latei- 
nischen Rede des H. Secret. Vegesack. Esz wurden 2
 Schusz vom Wall ge- 
than. Von der Carlspforte ab bisz an sein Logis in der Sandstrasse in Gert 
Grön Hausz und wo der H. GeneralMajor Busch in wohnete, durch die gantze 
Stadt stand die Soldatesque doppelt rangirt. Die Bürger und Gesellen waren 
auf 5/4. Meilen ihm entgegen und brachten ihn mit Heerpaucken und Trompeten 
inne auf Czar. Maj. Order, haben aber keine Pistolen gelöset. Die Gesellen 
hatten alle Numero 30 und wieder er auszog n. 60 einerlei Liberei mit weissen 
Rosen, bordirten Hühten, blauen Rögken aufgeschlagen und ledernen Gürtel, 
wie die schwedischen Trabanten. Im Auszuge stunden keine Soldaten und die 
8, 82 Officir waren böse, dasz die Bürger ihn das Rahthausz vorbei zur Sandpforten 
ausführeten - quasi v. gerade aus. Er hatte selber 11 Reiter zu Pferde in 
deudscher Mondur, roht gekleidet und mit Grenadirmützen, unterschiedliche 
polnische Herren in seiner Suite, 2 Handpferde hinterher und dergleichen Staat. 
Die Bürger führeten ihn aus auf eine halb6 Meil. Der H. ViceGouverneur 5 
wolte es anfänglich nicht zugeben. NB das Signal ist, wenn zum 3ten Mahl 
geblasen wird. Die Trompeter reiten alsdenn herum aller Orten und schlägt 
man die Pal1cken. Den 12. ging er weg. 
Osterwoche. Assignationen4. Placat. Des Nachts eingenommen. Steht auf 
schwarzen Bredt. NB Copiam zulegen. 


1) B. I 573: Verbot von Warenlager in der VorBtadt. 
5) Wojeikow, 4) B. I 545, 544. 


I) Vgl. unten 5. Februar. 


. 


......
>>>
Erste Abteilung: 
Chroniken. 


Q. 
nachrichten über die Reformierten und über die 
Katholiken in Rlga. 


i _
........o!t 


110....-
>>>

>>>
I. 
Kurtze 
achricht, welchergestalt die Reformirte Religions-Verwandten in Riga 
vormahlen sind angesehen und wie selbige nachgehends hieselbst 
aufgenommen worden. 
Ao: 1590 d. 7 Augusti ist berichtet (in Senatu), dasz die Calvinisten auf 
Paul Zimmermanns Hofe fast ihre Conventicula halten solten: Was hiergegen 
vorzunehmen ist in Uedencken gezogen. 
Ao: 1591 d. 3 l\Iay. ElterleÜte und JJltesten und Auszschusz von Ern. E. 
Uaht (inter alia) begehret die Calvinisten nicht alhie zu gedulden, besondern ge- 
stracks abzuschaffen. 'Venn solches geschehen, wolten sie Zusteiir thun zu 
Unterhaltung der Stipendiaten. 
Ao: 1615 den 26 Junii haben die hiesige Prediger Hansz I1eiszmann mit 
seiner Braut Welm Salisz eines Holländers Tochter, nicht ehelich zusammen 
geben wollen, weilen der Bräiitigam umb ues Weibes Willen ein Mamelucke 
oder Calvinist geworden, darumb sie dann nach der Eckow gezogen und sich 
alda copuliren laszen. 
Ao: 1627 den 8ten April ist Carsten l\[eermann, ein Rigischer Bürger, ge- 
storben und weiln Er Calvinisch gewesen, hat das Ministerium nicht zugeben 
wollen, dasz der Cörper zu Riga in der Kirchen, sondern nur auff dem Kirch- 
hoffe begraben werden solte, worinnen aber seine Freunde nicht willigen wollen, 
derowegen sein Cörper uen 14 April mit einem holländischen Schiffe nach 
Amsterdam geführet und alda zur Erden bestattet worden. 
Ao: 1670 den 29 Julii baben Ihro König!. .Maj. zu Schweden ad instantiam 
Bürger-:Ueister und Raht vor billig befunden, dasz Niemand von denen Calvi- 
nischen Religions-Verwandten zu Riga die Bürgerschafft gewinnen möge, und 
Ao: 1671 den 21 Februarii vermöge Religions-Edict befohlen, dasz die- 
jenigen, welche hier wohnen und zu einigen jura civitatis admittiret und ange- 
nommen werden, ihre Kinder in der Lutherischen Religion nach der unverän- 
delten Augsburgischen Confession ohnfehlbar erziehen laszen solten, wozu Sie 
dann sich voraus reversiren und verbinden miisten, weshalb er 
Ao: 1680 den 1 Augusti eine intimation von denen hiesigen Cantzein ab- 
gelesen, dasz die Refol'mirten ihre Kinder zu unserer Religion nach der unver- 
änderten Augslmrgischen confession aufl'erziehen laszen solten. 
Ao: 1689 den 4 Julii haben ]hro König!. !I[ajeste auf die von der Priester- 
schaft't unterthänigst iiberreichte lagepuncta 
 12 gnädigst erklähret, dasz 
denen Reformirten bey Beerdigung ihrer Leichen das Gelaüte umb dadurch des 
Verstorbenen A hgang kundzumachen und bey denen Hinterbliebenen christliche 
Gedancken von der Sterblichkeit zu erwecken, wohl zu verstatten sey, welches 
ceremoniel auch alhier eingefiihret und beybehalten worden. 
Ao. 1696 d. 14 FeLruarii ist von einigen Eltesten der schwartzen Haüpter 
wieder die von dem Altermann und den übriegen EItesten ihrer Compagnie ge- 
schehene Eltesten -Wahl zwener der Reformirten Religion zugethanen l'rembden, 
eine protestation schrifftl. eingekommen und dal'über verabscheidet.
>>>
248 


Reformierte I. 


Ao: 1697 d. 11 Januarii wie auch den 25 Januarii ist recommendirat bey 
ihrer Wahl auf solche Frembde oder Einheimische zu sehen, so der Lutherischen 
religion zugethan sind. 
Ao: 1718 d. 6 .May hat Johallll Fl'aser, wie Er sich alhie verheyrahtetl, 
schrifftlich reversiret, seine Kinder, in der unveränderten A ugspurgischen Reli- 
gion auffzuerziehen. 
Ao: 1719 den 3 Februarii sind zwene reformirte Groszgüldische Biirger 
Authoni Thyring und Andreas Raine in der Eltesten Banck gezogeu und nach 
geschehener Wahl von Em. WohlEdIen Hahte bestätieget ll . 
Ao: 1722 den 2 Augusti ist von der IIochpreiszl. Kayserliche Regierung per 
Rescriptum, dasz wegen des von 1hro Kayserl. Majeste denen alhie subsistirenden 
Reformirten Religions-Verwandten verstatteten freyen exercitii religionis, denen- 
seIben eine Kirche alhie zu erbauen, einen Priester zu vociren und ohne eintzige 
turbation und Hindernisz die religion zu exerciren freygelaszen werden solle s, 

Jm. WohlEdIen Rahte die ouverture ertheilet, von welchem hohen Rescript und 
deszen Inhalt dem Herrn General-Superintendenten Bruningk alsz Ober-I'astori 
umb solches E. WohlEhrwürdigen 
Iinisterio zur notice zu bringenj Imgleichen 
denen respective Herren Alterleüten, umb der Bürgerschafft beyder Gülden 
davon Nachricht zu geben, communication ertheilet worden, dawieder aber, weder 
von Em. WohlEhrwürdigen Ministerio, noch von der ehrliebenden Bürgerschafft 
eine Vorstellung eingekommen ist (. 
Ao: 1723 den 5 N ovembris ist der kurtz vorher ausz Cassel alhie ange- 
lwmmene Priester reformirter Religion Johann Hinrich Thorvarth mit dem 
Herren Eltesten Anthoni Thyring bey dem worthführenden Herren Biirger- 
Meister Wiedau gewesen und, dasz, nachdem Ihro Kayserl. M
este der hiesigen 
reformirten Gemeine das exercitium religionis allergnädigst verstattet, BI', alsz 
vocirter Prediger zu derseihen Gemeine, nunmehro alhie zu predigen und den 
GottesDienst zu halten zukünfftigen Sonntag den Anfang machen wolte, zu ver- 
nehmen gegeben, sich auch in Es. WohlE dIen Rahts Schutz und W ohlgewogen- 
heit bestens empfohlen 5 . Wie Br dann auch 
Den 10 Novembris, alsz am Martins Tage, mit Haltung des öft'entlichen 
Gottes Dienstes in seel. Magnus Holsten Wittiben Hausze, so in der Jacobs 
Stl'aasze gelegen, würcklich den Anfang gemachet hat. 
Den 19 ejusdem unterschrieb der reformirte Prediger Johann Hinrich Thor- 
vart vermöge Es. 'VohlBdlen Hahts Hchluszel:! vom 15ten, den Huldigung- und 
Bürger-JJyd und bekräfftigte selhigen mit seinem vorgedruckten Pittschaft't 6 . 
Ao: 1727 den 17 Al1gusti ist der erste Grund-Stein zur 
Jrbaullng der jetzt 
aufgeführten in der Marstall-Straszen gelegenen reformirten Kirche geleget und 
Ao: 1733 den 18 Martii am Sonntage Palmarum llach vorhergängiger ".'nvi- 
tation eilliger Deputirten aus dem Collegio 
Iagißtratus zu schicken von hemel- 
detem Prediger dießer reformirten Gemeine ordentlich eingeweihet und der 
Gottes-Dienst darinnen, wie gewöhnlich, gehalten worden. 
Nachdem sind in diesel' Kirchen viele Kinder getauffet und mit ßelaütung 
der Glocken Leichen zur Erden bestattet. 
Ao: 1737 im April Monaht wurde das steinerne Portal an der groszen 
Thüre, so von drauszen verschrieben, eingemauret. 


1) B. I 443. 11) B. I 474. B, III S. 185. S) B. 1 682. 4) B. I 684. 
GeneralBUperintendent B1'Üningk erhob Einsprurh. B. 1695. 5) Vgl. RP. v. 8. Nov. 1723, 
PI. B. 87 S. 3112. 6) Vgl. RP. v. 15. u. 21. Nov. 1723, PI. B. 87 S. 49. 52,
>>>
Reformierte I. 


249 


Ao: 1741 den 9ten Dccembris ist durch eine entstandene Feiiers-Brunst in 
des benacbbahrten Kraffts Hausze diese Kirche nicht allein in grosze Gefahr 
des Brandes wegen gestanden, sondern auch, da ein entsetzlicher Schlag nach 
7 Uhr morgens in dem angezündeten Hausze des Kirchen Nachbahres durch 
Schies-Pulver geschahe, wurde diese Reformirte Kirche in eine bejammernswür- 
dige Gestalt gesetzet, maaszen das Dach und Gewölbe, mit allen Fenstern und 
Thüren zersprenget und dieses schöne Gebaue, welches 18000 Rthlr. aufzuführen 
gekostet, dergestalt beschädiget, dasz der Gottes-Dienst darinnen nicht mehl' ge- 
h
lten werden konte 1, wie darüber der reformirte Prediger Johallll Hinrich Thor- 
varth in seiner am heiligen Christ-Fest-Tage in einem privat Hausze Rosbachs 
in der Sünder Strasze situirten gehaltenen Anrede geklaget und aus dem Pro- 
pheten Zephania IlJ Cap. 18 vers vorgestellet. 
Ao: 1742 den 22 Januarii kahm der Reformirten Gemeine wegen von Em. 
J1::rl. Hochpreiszl. KayserJ. General-Gouvernement ein Rescript an E. W ohlEdlcn 
Raht die Reformirte zu allen Zünfften, Innungen und Gülden zu admittiren, 
welches denen Wilden zur Erklärung communiciret, und da dieselbe eingekommen 
sind, solche cum vehiculo übergeben, worauf abermahl den 3ten Julii 1742 ein 
Rescript eingelanget ist. 
Ao: 1745 d. 6. Septembris lieszen die Vorsteher der Reformirten Gemeine 
sich das von dem Herren r
and-Richter Caspar von Sternfeldt nahe an der Re- 
formirten Kirche erkauffte Hausz cum appertinentiis öffentlich auftragen. 
Ao: 1745 d. 20 Decembris declarirten die V orsteheI'e der reformirten Kirche 
Johann FraseI' und Jean Humbert von seeligen SamueI Holden Wittibe und 
ihren zween Töchtern zu London ein Capital von 2000 Rthlr. alberts geschencket 
und übermachet bekommen zu haben, dasz 1mo solche zum Besten der Refor- 
mirten Gemeine angewandt, 2 do zum Kirchen und Priester-Hausze beständig 
destiniret, 3 tio als eine geistliche Stifrtung oder Vermächtnisz auf dem Hausze 
unbeweglich ruhen, 4 to nicht veraüszert, noch zu etwas anders gebrauchet, son- 
dern 5to da ferne die Bvangelische Reformirte Gemeine dereinst sambt der Kirchen 
hiesigen Orthes cessiren oder gäntzlich aufhören, die Religion verbohten und der 
GottesDienst gehemmet werden möchte, der Reformirten Gemeine in :Mietau 
oder in Ermangelung derselben der nächst in- oder auszerhalb Landes befind- 
lichen Reformirten Gemeine, solches fiir die Holdesche Gelder erkauffte Hausz, 
sambt deszen Revenüen anheimfallen, 6to alle Jahre am 12ten Junii, als am 
Sterbetage des seel. Samuel Holden, oder den darauf folgenden Sonntage in der 
Reformirten Kirche zum Gedächtnisz dieses Legati eine Predigt von der 
terb- 
lichkeit gehalten werden solle - am offenbahren Gerichts'l'age vor WeyhenRchtell 
öffentlich, und bahten solches alles dem Protocullo inseriren zu laszen, so auch 
dergestalt zu verschreiben nachgegeben worden und als ein additamentum des 
vorigen Auftrages anzunehmen ist. 


1) B. UI S. 71 u. S. 130.
>>>
H. 
s. 4'18 Nachrichten 
VOll der freyen Religionsübung der Evangelisch-Reformirten Gemeine in der 
Kayserlichen Stadt Riga von dem 1722sten bis 1750sten Jahr. 
I
s ist aus denen alten Schrift'ten und Denck-Biichern, welche bey dem An- 
rang des Reformirten Gottes-Dienstes in der Kayserl. Stadt Riga gefunden 
worden, zu sehen, dasz die Bekenner der 
Jva,ngelisch- Reformirten Religion 
alhier, welche aus Deutscher, I
ngeländischer, Holländischer und Frantzösischer 
Nation bestanden und theils wohnhaffte Biirger, theils fremde Kaufleuthe ge- 
wesen, seither einem Seculo eine besondere Gemeine unter sich ausgemacht, 
ihre Vorsteher gehabt und eine Cassam durch eines jeden freywilligen Bey trag 
aufgerichtet, auch ein ordentliches Cassa-Buch geführet, welches zeiget, wie sie 
mit ihren Geldern nicht nur vielen Armen, sondern auch ausländischen Prote- 
stantischen Gemeinen in ihrer Noth und zu Erbauung Kirchen, Schulen u. dgl. 
mercklich geholffen haben. Gleichwie aber unter Königlicher Schwedischer 
Regierung ihnen nicht erlaubet gewesen, einen offentlichen Gottes-Dienst aufzu- 
richten, also haben sie sich des Reformirten Gottes-Dienstes zu Mietau bedienet, 
/'Inch dem Reformirten Prediger daselbst ein jährliches Salarium von ihrer 
Seite gezahlet. 
Nachdem aber Ihro .Majestät Petrus 1. uud Grosze Kayser uud Selbst- 
Herscher aller Reussen etc. etc. Glorwiirdigsten Andenckens, das Hertzogthum 
Liefland unter Allerhöchst Deroselben Souveraine Beherrschung gebracht, haben 
S 474 die hiesige Reformirte nicht nur Erlaubnis empfangen, den Prediger aU8 Mietau 
in diese Stadt kommen zu laszen und das heilige Abendmahl in einem lIausze 
zu halten, sondern es haben auch Allerhöchstgedachte Ihro Kayserl. Majestät 
und Groszmächtigstel' Monarche aus allel'höchsterlauchtesten Einsichten die aller- 
unterthänigste Bitte derer hiesigen Reformirten in Gnaden zu erhören und 
ihnen die offentliche Religions-Übung in dieser Kayserl. Stadt freyzugeben ge- 
ruhet, worüber ihnen Anno 1722 die erwünschteste und raume Privilegia aus- 
gefertiget und allergnädigst erlaubet worden, Prediger und Schul-Bedienten zu 
beruffen, eine Kirche, Prediger- und Schul-Haus zu erbauen, und ihren Gottes- 
Dienst offentlich mit völliger Gewissens-Freyheit zu iiben und in aller 
[asze 
ohne einige Turbation, Verhinderung oder Beschränckung zu genieszen. 
A nf dasz auch diese allerhöchste WilJensMeynung und allergnäUigste Con- 
cession des Groszmächtigsten Souverainen Monarchen Petri des Ersten und 
Grossen OJorwiirdigsten Andenckens, denen hiesigen Reformirtell zu desto siche- 
rern erwünschtem Genus angedeyen möge, so hat Hin Erlauchtes Hochpreyszl. 
Kayserl. GeneralGouvernement alhier sothane Ihro Kayserl. Majestäten aller- 
gnädigste Resolution 
Jinem Wohlgeb. HochEdl. und Hochweisen Rath dieser 
Kayserl. Stadt per Rescriptum sub dato Anno 1722 den 2ten Allgusti el'öfnet J , 
damit Selbiger zu llnterthänig-gehorsamster Folge dieser Ihro Kayserl. Majestät 


1) B. 1 682. 


......
>>>
Reformierte II. 


251 


allergnädigsten WilIens-Meynung denen Reformirten in dem Genus dieses erhal- 
tenen Privilegii im geringsten keine Hinderung verursachen, sondern alle Be. 
forderung erzeigen möge. Hierauf ist eine sämtliche ansehnliche Bürgerschafft 
der Groszen und kleinen Gülde in der Groszen GüldeStube zusammenberuffen S. 
'i{j 
und ihnen das allergnädigste Rescript durch die Herren Stadt-Altermann und 
Dockmann vorgelesen und sie gefraget worden: ob sie dawiedel' etwas einzu- 
wenden haben? Worauf eine ansehnliche Bürgerschafft einstimmig geantwortet: 
Sie haben gegen solche allerhöchste Concession ihres Groszmächtigsten Souve- 
rainen Monarchen nichts zu sprechen, noch einzuwenden, sondern die Bürgel". 
schafft wolte gerne geschehen lassen, dasz die Reformirte Gemeine bey denen 
erhaltenen Allerhöchsten Privilegiis in allen Stiicken geschützet werden möge, 
welches dann auch auf der grossen Güldenstube also verschrieben worden 1. 
Nachdem nun die hiesige Evange1isch-Reformirte mit sothanen Allergnädig- 
sten und genugsamen Privilegiis begnadiget und versehen waren, haben sie die 
erwünschte Frucht derselben zu genieszen gesuchet, und einmiithig unter sich 
beschlossen, ihren offentlichen Gottes-Dienst in der hochdeutschen Sprache auf. 
zurichten, auch ohne Anstand einen Prediger zu beruffen. Und weilen sie ein 
besonderes Vertrauen zu dem weyland Hochehrwiirdigen Herrn Conrad 
[el, 
Theol: Doct: und Inspector derer Reformirten Kirchen des Fiirstenthums Hers- 
feld in Hessen gehabt, so haben sie denselben ersuchet, ihnen einen tiichtigen 
Prediger vorzuschlagen und zu dem Ende eine Vollmacht von der gantzen Ge- 
meine an denselben gesandt, welcher ihnen den Candidatum Ministerii zu Cassel 
Johann Henrich Thorvarth, ein Sohn des Herren Hof-Predigers zu Phi1ippsthal, 
vorgeschlagen und angepriesen, der auch auf erhaltene formale V ocation vor 
der hiesigen Gemeine, welche ihm ein billiges Salarium, freye Wohnung, Bren- 
holtz etc. offeriret und auf viele liebreiche Persuasion des seel. Herrn Doctor S. 4'ifi 

{el entschloszen, diese Bedienung bey der neu aufzurichtenden Reformirten 
Gemeine anzunehmen. Da immittelHt die Gemeine alhier ein groszes Haus ge- 
miethet und in demselben das Vor haus zum Gottes-Dienst mit Cantzel, Bäncken, 
Choren, Positiv und d. gl. sehr bequem eingerichtet, die Gemächer aber zur 
Wohnung des Predigers bereitet und ihrem heruffenen Prediger mit hertzlichem 
Verlangen entgegengesehen. 
Anno 1723 den 2ten Novembris kam der beruffene Prediger an, im 25sten 
Jahr Beines Alters, und wurde von denen Ältesten und Vorstehern, auch andern 
ansehnlichen Gliedern der Gemeine, 4 Meilen von Riga sehl' zärtlich empfangen 
und mit groszer Freiide eingefiihret, welcher, nachdem er Ihro Durchlaucht dem 
Herren General-Gouverneur Fiirst Repnin und Ihro )[agnificentz dem Herrn 
W ortfiihrenden BurgerMeister Melchior von Wiedau praesendiret worden I, am 
nächstfolgenden Sontag, alz am lOten Novemhris, war eben Mal.tin J.utheri Tag, 
Beine Eintrits-Predigt zur gröszesten Freude und Vergllügung der Gemeine 
offentlich hielte übel' Text Pi:!. XXXII vers 8. Ich will dich unterweisen und 
dir den Weg zeigen, den du wandeln solt, ich will dir Rath geben, mein Auge 
soll auf dich seyn, wobey die Versamlung aus allen hiesigen I:-;tändten so zahl- 
reich war, dasz kein Platz zu finden. Am 1. Sontag des Advents, war der 1. 
Decembris, wurde des Morgens das heil. Abendmahl an 104 Communicanten und 
des Nachmittags die heil. Taufe an 2 Kindern oft'entlich adminii:!triret und in 
folgender Zeit mit dem offentlichen GottesDienst in völliger GewiszensFl'eyheit, 
unter vielem Seegen des Allerhöchsten, in ihrer Hauskh'che fortgefahl'en. S. 
ii 


1) B, I 684. 


11) Vgl. RP. v. 8. N()v. 1723, Pl, B, 87 S. 31/2. B, III S. 248. 


.....
>>>
252 


Reformierte 11. 


Die Gemeine hestunde zu der Zeit aus 160 Seelen, Alte und Junge, ge- 
zehlet, und ob mann schon in den folgenden Jahren einen Anwachs sahe, 80 
hat sie dennoch viele Glieder theils durch den 'l'od, theils durch die Abreise 
ansehnlicher Kaufleuthen, verlohren , sodasz sie anjetzo nicht stärcker ist, als 
bey dem Anfang des GottesDienstes. 
Die Glieder der Gemeine sind zum Thei! Fl'emde: Adeliche, Officiers, Eng- 
lische, Holländische und Deutsche Kaufleuthe, auch HandwercksGesellen, grösten- 
theils aber Bürger, Kauf]mlthe der groszen Giilden, in welcher die Gemeine 
auch zwey Stadt-Eltesten 1 gehabt, und Meistern von verschiedenen Professionen, 
in den Ziinfften und Innungen der kleinen Gülden, wie denn schon vor dem 
offentJichen Gottes-Hienst Reformirte ßiirger in der Kauffmanschafft und in 
denen Ziinft'ten gewesen, und kraft't derer allerhöchsten Privilegien einem jeden 
Reformirten, wes Standes er ist, das Biirger- und l\IeisterRecht nicht mag ent- 
saget werden, in welchen bürgerlichen V orrechten die Gemeine von Em. Kay- 
serI. J
rl. Hochpreiszl. General-Gouvernement und .Bm. W ohlgeb. HochEdlen 
}Iagistrat hochrühmlichen Schutz genieszet. 
Zu der Regierung und Administration des Reformirten Kirchen -Wesens ist 
mit einstimigen Consens der Gemeine, nach dem Vorbild anderer Reformirten 
Kirchen, ein Kirchen-Rath aus denen ansehnlichsten Gliedern erwählet, welcher 
aus zweyen Ältesten, vier Vorstehern und zweyen Uiaconis bestehet, welche zu 
gewiszen Zeiten bey dem Prediger, der das Praesidium hat, zusammenkommen, 
auch ihre Kirchen-Rücher und Geld-Cassam in des Predigers Haus bewahret 
s. 478 halten. Diese berechnen die Einnahme und Ausgabe, hegen die Kirchen-Disci- 
plin und dependiren in )
cclesiasticis von keinem Evangelisch-Lutherischen Con- 
sistorio. Die höchste und obrigkeitliche Befehle aber, welche von der Cantzel 
publiciret werden, empfängt der Prediger von Em. W ohlgeb. HochEdl. Rath, 
auch werden die hohe Geburths-, Crönungs-, Nahmens-Feste der allerhöchsten 
Reichs-Häuptere, nicht weniger die offentliche Danck- und Bet-Tage, in der 
Reformh,ten Kirche mitgefeyret. Und kann die Gemeine rühmen, dasz ihr bis- 
hero weder von Ern. HochEhrwürdigen ConHistorio, noch von Em. Wohlgeb. 
HochEdl. Rath in ihren Kirchen-Privilegiis im geringsten nicht zunahe getreten 
worden, wie denl1 auch der Reformirte Kirchen-Rath jederzeit bemühet ist, 
alles wodurch andererseits einige Miszvergniigung entstehen könte, sorgfältigst 
abzuwenden. 
Nach zweyen Jahren des offentIichen Gottes-Dienstes zeigte der Pastor 
Thorvarth denen Ältesten und Vorstehern ein V ocations-Schreiben von einer 
ansehnlichen Gemeine, die ihn zu ihrem Lehrer verlangte, und bate, weil er 
seinem Vatterlande näher käme, ihn seines Amtes zu erlassen, worauf aber die 
Glieder der Gemeine zusammentraten und ihn durch vieles Bitten bewogen, die 
neue .Gemeine nicht so bald zu verlaszen, auch Hein jährliches Salarium merck- 
lich verbeszerten und ihm viele LiebesZeichen erwiesen. 
Anno 1727 kauffte die Reformirte Gemeine zu ihrem Kirchen- Bau einen in 
der l\farstal-Straszen gelegenen bequemen Platz, und nachdem der Prediger am 
11. Sontag nach Trinitatis eine auf dieses Gott geheiligte Vorhaben gerichtete 
S. 4,9 Pl'edigt gehalten über den Text 1. Corinth. III vers 11: Einen andern Grund 
kan niemand legen, auszer dem, der geleget ist, welcher ist J esus Christus, 
wurde des MontagB darauf, am 14ten Augusti stil. veto des Morgens um 8 Uhr 
der erste Eck- und Grund-Stein zu der neuen Reformirten Kirche gelegt, in 


1) Anthoni Thiring u. Andre", :Raine. B. 111 8. 186. 


--
>>>
tteformierte tt. 


253 


Gegenwart derer mehresten Gliedern, der damaligen Schul-Jugend und vieler 
Zuschauer. Dieser grosze QllatratStein war als ein Kastgen ausgehauen und 
mit einem steinern Heckel versehen und in denselben ein an der wohlverwahrtes 
Kastgen von dem Prediger gesetzt, in welchem eine Schrifl't nebst einigen 

Hintzsorten lieget. Her Prediger thät einen SegensWunsch und finO" an auf 
.. 0 , 
den Stein zu mauren, welchem an Attesten und Vorsteher mit vielen Wünschen 
und Thränen, dasz Gott seiue Gnade und Seegen zum Bau verleihen wolle, nach- 
folgten. Die Aufsicht des Baues ward besonders Herren Julius Miiller commit- 
tiret, die Haupt-Zahlung aber wurde von dem Herrn Ältesten Anthony Thiringk 
dem Kirchen-Rath berechnet. 
Die Schrifft, welche in den Grundstein geleget ist, lautet also: 
Im Nahmen des einigen und dreyeinigen Gottes. 
Gleichwie der vernünfftige Gottes-Dienst ein höchstschätzbahres Vorrecht 
derer Glaubigen des Keuen Testaments ist, also haben zwar unsere S('elige V 01'- 
fahren die freye und offentIiche Übung deszeIhen als ein sonderbahres Kleinod 
geachtet und sich jederzeit äuszerst hemühet, dieselbe für sich und ihre Nach- 
kömlinge in dieser geliebten Stadt Riga von Einer Allerhöchsten Landes-Obrig- 
keit zu erlangen. Da aber dieselbe unter König!. Schwedischer Regierung 
dieser Gnade nicht haben theilhafftig werden können und diese Stadt nach- 
mahls der allerhöchsten Souverainen Beherschung Ihro Majestaeten Petri des I. S. 
80 
und Groszen , weyland Kaysers und SeIhstherrschers aller Reussen etc. gloire- 
wilrdigsten Andenckens, unterthänig worden, haben wir die jetzt lebende Evan- 
gelisch-Reformirte in dieser Kayserl. Stadt Riga es nicht weniger unsere Pflicht 
zu seyn erachtet, dieses theure \Verck einer ReligionsFreyheit nach allem Ver- 
mögen zu suchen, bis wir auch endlich von allerhöchst Ihro KaysCl'1. Majestaet, 
unserm ewig andenckenswürdigem Monarche und Herren, die erwiinschte Frey- 
heit und raume Privilegia, unsern Gottesdienst offentlich und in völliger Ge- 
wiszensfreyheit zn üben, erlanget, welche auch nach geschehener Production, 
sowohl von hiesigen Obrigkeiten, als der gantzen Bür
erschafft, willig acceptiret 
worden. So dasz wir in dem Nahmen Gottes Anno 17
3 Sontags den 10. Tag 
Novembris unsern offentlichen Gottes-Dienst nach Gewohnheit der Reformh'ten 
Kirche angefangen und bis daher unter göttlichem Seegen und freudigem An- 
wachs unserer Gemeine, mit vieler Seelen -Vergnllgung fortgesetzet haben. 
Nichtweniger sind wir bedacht gewesen, zu diesem heylsamen Wercke eine 
hequeme Kirche zu erbauen, weilen aber unsere Gemeine sowohl an Gliedern, 
als an Mitteln schwach ist, auch wenig auswärtige Beyhülffe durch Collecten 
einkommt, so fangen wir diesen Bau in Verb'auen auf den Beystand und Seegen 
Gottes nach unsern Kräften an, hoffende, wie unser Zweck Gott geheiliget ist, 
also werde auch der barmhertzige und allgenugsame Gott seine Hand nicht von 
uns abziehen, sondern das Werck, welches zu seiner I
hre und unser Seelen 
Seligkeit abzielet, in Gnaden befordern. In dieser glauhigen Zuversicht auf den 
lebendigen Gott legen wir beute, als am 14. Tag Augusti dieses 1727. Jahres, S.481 
den ersten Stein zu einer Reformirten Kircbe und geloben dem Herrll unserll 
Gott, dasz, wenn

r uns dieses Haus wird fertig sehen laszen, wir Ihm die 
gantze iibrige Zeit unsers Lebens einen veruiinfftigen Dienst im Geist und in 
der Warheit darinnen abstatten wollen, bis er uns, nicht aus Verdienst, sondern 
aus Gnaden, in die ewige Hntten zu der triumphirenden Kirche einführen wird. 
Unsere Refol'mirte Gemeine rechnen wir auf hundert und sechtzig Seelen, 
davon führen anjetzo auf Erwehlung der gantzen Gemeine, die Kirchliche Re- 
gierung und Direction: 


I 
--
>>>
2M 


Reformierte 11. 


Der Prediger oder Pa!!tor Johann IIenrich Thorvarth, welcher Anno 1723 
aus Hessen-Cassel berufl'en worden. 
Mit denen Ältesten und Vorstehern: 
Anthony Thiringk, Kaufmann und Imster der Groszen Gülde, geLürtig au!! 
Dantzig. 
Andreas Raine, Kaufmann und gistel' dt'r Groszen Gülde, gebürtig aus 
Schottland. 
Joseph Fawtrop, Kaufmann, gebürtig aus Engeland. 
Samuel Coulton, Kaufmann, gebürtig aus Engeland. 
Coruelio Maten, Kaufmann, geLürtig aus Alllsterdam. 
Johann Fraser, M:äckler, gebohren zu Riga. 
Thomas Zuckerbeekel', Kaufmann, gebohren zu Riga. 
Johann Julius Müller, Kaufmann, gebürtig aus Mietau. 
Jean Humbert, Kaufmann, gebiirtig aus Berlin. 
Unser Allerhöchstes Reichs- und Landeshaupt ist: 
Jhro Majestaet, der Allerdurchlauchtigste und Groszmächtigste Herr, Petrus 
der H. Kayser und Souveraine Beherscher aller Reuszen ect. 
S. 482 Das Kayserl. Generalgouvernement alhier führen: 
Seine Excellentz der Herr GeneralKriegsCommissair und Ritter des Alexander- 
Ordens Gregorei Petrowitz Czernischeff, nebst Seiner Excell. dem Herrn Ge- 
neralLieutenant und ViceGouverneur von ßalck. 
ßey Er. Kaysel'l. Regierung stehen: Der HW ohlgeb. Herr Regierungs-Rath 
Hermann von Vietiughoff. Der HW ohlgeb. Herr RegierungsRath Otto Chl'istoph 
von Richtern und der Herr EtatsSecretarius Regel'. 
Bey Em. W ohlgeb. HochEdlen Rath stehen: 
Vier Herren Burgermeister: 
Herr Johann von Schultzen, Wortführender BurgerMeister. 
Herr Johann Grote, OberWaysenHerr. 
Herr Christian von Zimmermann, OberLandVogt. 
Herr Melchior von Wiedau, OberkastenHerr. 
Herren des Raths: 
Herr Pater Weyer, Obervogt. 
Herr Hermann Claudius Witte von Nordeck, OberkämmerIIerr. 
Herr Georg Raes, OberWetHerr. 
Herr Georg Berens, OberAmtsHerr. 
Herr Johann Hollander, OberBauHerr. 
Herr Adam lIenrich Schwartz, OberMulJsterIIerr. 
Herr Diederich von Zimmermann, OberGesetzUerr. 
Herr Melchior von Caspari, Waysenllerr. 
Herr Justus .Tohann Haltermann, Gerichts Vogt. 
Herr Wilhelm Ludeloff, Landvogt. 
Herr Gotthardt von Vegesack, Landvogt. 
S. 4Ji3 Ht'rr Andreas Gothan, Canal- und Accisellerr. 
Herr Peter von Schievelbein, WaysenHerr. 
Herr Johann Hinrichsen, AmtsHerr. 
Die beyde Herren StadtaItermänner: 
Von der groszen Giilde: Herr Johann }'riedridl Rchick. 
Von der kleinen Giilde: Herr Johann Oltmann. 


....
>>>
Reformierte H. 


255 


Der Herr unser Gott beweise uns seine Hiilffe, dasz wil' sehen mögen, die 
W ohlfarth seiner AuserwehIten, und UI1S freuen, dasz es seinem V olck wohlgehet 
und uns rilhmen mit seinem IJrbtheil. Amen. 
Siegelt. 
Der Kirchenbau ginge durch uie reichliche freywillige Heysteuer, nicht 
allein der Reformirten GlaubensGenossen, sondern auch derer Evangelisch- 
Lutherischen Gönnern und Kirchen-Freünden, nicht weniger durch auswärtige 
ßeyhiilffe, besonuers aus Amsterdam, Dantzig und Hamburg so freudig und 
glücklich von statten, dasz Anno 1730 uen 28. Augusti der verguldete Knopf 
und Stern auf das Gebaue gesetzt und in den Knopf eine gleiche Schrifft in 
einer bleyernen Capsul gelegt wurde, in welcher nur die seit der Zeit vorge- 
gangene Veränderungen in uer allerhöchsten Reichs-Herschafft und denen obrig- 
keitlichen Personen, auch Kirchen-Vorstehern, ausgeurückt war. 
Nachdem nun Anno 1733 diese schöne neue Reformirte Kirche auch in- 
wendig mit allem nöthigen sehr zierlich ausgebauet und mit Glocken versehen, 
folglich zu dem Gebrauch des Gottes-nienstes gantz fertig war, sodasz sie laut 
Rechnung uerer BauHerren 60000 Rthl. Alberts kostete, wurde von dem Pre- 
diger des Sontags am 4 ten Marty die letzte Predigt in der HausKirche I ge- S. 484 
halten über die Worte: Matth. XXV vers 34. 35. Kommet her, ihr Gesegnete 
meines Vatters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist, von Anbegin der Welt. 
Denn ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich beherberget. W obey denen 
Eigenthümern des Hauses der Seegen gewünschet und der Gemeine der Anfang 
des Gottes-Dienstes in der neuen Kirche angezeiget wurde. Zwey Ältesten 
machten denen obrigkeitlichen und biirgerlichen Ständten dieser Stadt den Tag 
der Kirchen-Einweyhung bekant und baten um Deputirte zu diesem Solennen 
Vorhaben s. 
Am folgenden Palm-Sontag den 18ten Marty wurde die neue Reformirte 
Kirche durch den ersten offentlichen Dienst dem allerhöchsten Gott zu seinem 
Haus geweyhet unu geheiliget, wobey vier Herrn Generals, vier Herren Asses- 
sores vom Hofgerichte und ein Herr Burgermeister", zwey RathsHerrn 5 nebst 
dem Herrn Ober-SeCl'etario ß, als Abgeordnete respective Herren Deputirte, 
unter einer grossen Menge ansehnlicher Zuhörer von allen Ständten sich ein- 
fanden, sodasz die Samlung des OpferGeldes über 90 RthI. Alberts betruge. 
J Heser erste Gottesdienst ward zur allgemeinen Freude der Gemeine und Ver. 
gnügung aller Zuhörer folgender Gestalt eingerichtet. Des Morgens um 7 Uhr 
wurde das lste Mahl, um halb 8 das 2te und um 8 Uhr das 3te Mahl gelaudet. 
Zum Anfang wurde gesungen: Ps. CXXXIV und LXXXIV. Darauf trat der 
Pastor Thorvarth vor den 'l'isch und hielte eine Rede von dem offentlichen 
GottesDienst derer Christen unter dem Neuen Testament, worin er zu diesem 
offentlichen GottesDienste derer Reformirten Glaubens-Bekennern in ihl'er neuen 
Kirche überginge, die allerhöchst gnädige Privilegia, welche sie von Ihro 
GottseI. KayserI. Majestät Petro dem 1. erhalten und den Allergnädigsten 8. 485 
Schutz, den sie bishero unter der Regierung lhro Kayserl. Majestäten Catharina 
Alexewna, Petri H. und Anna lwanowna genoszen, rühmete und die Gemeine 
nebst ihrem Gottes-Dienst der ferneren allerhöchsten Kayserl. Protection und 
dem Schutz derer Obrigkeiten empfahle, nicht weniger denen hiesigen und aus- 
ländischen W ohl thätern für ihre freywillige Beysteuren, auch denen Ältesten 
1) ImJChrift: Sigil. Jt
ccl. Refor. Rigensis. 2) Im Rause der Witwe eies Mag11U8 Halsten 
'in der Jakobll-St't'as/le. S) Vgl. HP, v. 16. Miil'Z 1733, PI. B. 1(J3 S. 37213. 4) V, St:h'Ultzl'tl. 
(5 Oberkä'wz'merhtrr Be1'e118 und Obe1"baulterr Zimmermann. 6) Brocklta'U8tn. 


.......
>>>
256 


Reformierte 11. 


und Vorsteheren fÜr ihre treue und unermüdete Bemrtlmng in Beforderung des 
Baues danckte, jeden Ständen seinen SegensWunsch ertheilete und die Gemeine 
zur fleiszigen Wahrnehmung des ofl'entlichen Gottes-Dienstes aufweckte. Nach 
diesel' Rede wurde gesungen: Ps. CXXJT, das gewöhnliche Gehet und sontäg- 
liche Bvangelium hilltm. dem Tisch gelesen und nach dem Gesang: Liebster Jesu 
wir sind hier ging der Pastor auf die Vantzel und hielte die erste Predigt über 
die Worte .Jes. VHL vers 14: Alsdann wird er euch zu einem Heiligthum seyn. 
Zu deren Betrachtung er die Zuhörer durch eine Vorrede aus Nehem. VIH 
sonderlich vers 4. 5. 6. und Einleitung aus Apoc. XXI. 22 sehr bequem fiihrete. 
Nach geendigter Predigt und Gebet wurde der GottesDienst mit dem Gesang: 
Herr Gott Dich loben wir beschlossen. Und ohschon dieser GottesDienst er::!t 
gegen Mittag endibrte, so fand mann dennoch eine allgemeine Andacht, Auf- 
mercksamkeit und Erbauung in der Versamlung. 
Es hatte zwar die Reformirte Gemeinde in denen ersten 10 Jahren auch 
eine Schule aufgerichtet und einen Praeceptorem bernffen, welcher die Lati- 
nitaet etc. docirte, weilen aher der Praeceptor von der Schul abginge, ist die 
Lateinische Information eingestellet, die Kinder derer Reformirten in die hiesige 
S. 486 wohlhestalte Stadt-Scluden geschickt und die Gemeine hat nur einen Cantor, 
welcher zugleich die Orgel spielet, einen Küster und einen Glocken-Lauter. 
Iu denen Grümlen des Glaubens und Christenthums wird die Jugend von dem 
Prediger seIhst in seinen Haus-Catechisationeu unterwiesen, his sie ihr Glauhens- 
Bekäntnis ahlegen und zu dem Genus des heil. Abendmahls gelaszen werden. 
Obzwar der Prediger in denen 26 Jahren seines hiesigen Lehr-Amtes einen 
groszen V orrath seiner Cantzel-Reden über auszerlesene Texte und gantze Theile 
der heil. Schrifft gesamlet hat, so ist doch bisher vou seiner Arbeit nichts durch 
den Druck bekant worden, als nur eine V orbereitungs- und Ahendmahlsrede, 
welche er Anno 1738 der Reformirten Gemeine zu l\fietau bey Ermangelung 
eines ordentlichen Lehrers gehalten und auf freundliches Bitten der dasigen 
Gemeine übergeben, auch zu Mietau auf Kosten des Herrn Daniel Fehrmann 
gedruckt worden. Die erste: Die Geistliche OpferMahlzeit der Geheiligten 
Gottes, in einer V orhereitungs- Predigt vorgestelt, aus 1. Sam. XVI vers 5. 
Ich bin kommen, dem Herrn zu opfern, heiliget euch und kommt mit mir zum 
Opfer. Die andere: Das irdische und himmlische Manna gegen einander gestelt, 
in einer Abendmahls-Predigt, aus Joh. VI vers 49. 50. Eure Vätter haben 
Manna geszen in der Wüsten und sind gestorben. Dis ist das Brodt, das vom 
Himmel komt, auf dasz, wer davon iszet, nicht sterbe. Auch eine Rede, welche 
Anno 1741 hier in Riga gedrückt istt, bey der traurigen Gelegenheit, als die 
Reformirte Kirche durch eine nahebey entstandene Feuer-Brunst beschädiget 
und die Gemeine ihren Gottes-Dienst bis nach der Reparation in einem Haus 
zu halten genöthiget wal', iiber die Worte Zephania Cap. 111 vers 18. Die Be- 
H. 487 trübte um der Zusammenkunfft willen, will ich versamlen. Weilen der Refor- 
mirte Prediger seine Arbeit einer Evangelisch-Lutherischen Censur nicht unter- 
werfren kan, auch die hiesige Buchdruckerey nicht die nöthige Requisita hat, 
so mus der Schatz seiner Arbeit bey ihm liegen hleiben, wodurch er vielleicht 
anderwärts unter Gottes Segen einigen Nutzen schaffen könte. Doch machet 
ihn dieses garnicht träg und nachlässig, um Gottes Wort zu untersuchen und 
die heil. Wahrheiten vor der Gemeine in das Licht zu stellen. 


1) a. BGA., J'enllisc!de geistlit'he Reden von Rigischen Predigen
. B. 3 nr. 3. b. BStR" 
Brotze, Vermischte &chriften (2213) 7. 


iIIo...-
>>>
Reformierte Tr. 


257 


Anllo 1745 hat auch die Reformirte Gemeiue ein hequemeH Haus nahe bey 
uer Kil'che zm' beHtändigell W ohllung dos Predigers angekautl'et, wozu wohl. 
thätige Freunde ill Lomlon 1 die ßeforderer gewesen sind. 
Fnd nachdem der Prediger J. H. Thorvarth seinem Amte 25 Jahr zu eine
 
jeden l
rhauung und Vergnügung vorgestanden, so hat die Gemeine aus eigener 
Bewegung, um ihre unveränderte Liebe und Hanckbarkeit gegen ihn zu er- 
weiszen, sein jährliches Salarium abermahl ansehnlich verbeszert. So dasz dip 
Reformirte Gemeine in dieser Kayserl. Stadt Riga nun 26 Jahre einen er- 
wünschten und gantz freyen offentlichen Gottes-Dienst, auch alle biirgerliche 
Privilegia gleich denen Evangelisch-Lutherischen Ein- und Bey - Wohnern unter 
dem Seegen des Allerhöchsten Gottes und hohem Schutz derer Groszmächtigsten 
Monarchen des RlIszischen Reichs genoszen h:tt und forthin in fester Zuver- 
sicht zu genieszen hoffet. 


1) Samuel Holdes Witwe 'U. TiJchter. Vgl. B. IU S. 249. 


17
>>>
Summarische Nachricht, was wegen des öffentlichen I
xercitii der Römisch- 
Catholischen Religion alhier passiret. 
Seit der Zeit, da diese Stadt unter lhro Kayserl. :Majeste Bohttmäszigkeit 
gekommen, ist im Anfange und geraume Zeit nachbero keine Bewegung wegen 
einiger denen ehemaligen Constitutionen zuwieder attentirten Freyheit, betref- 
fend die Übung der Römisch-Catholischen Religion, entstanden, zumahlen die 
hieselhst zur :Frühlingszeit mit Struszenwaaren abgekommene Pohlen währen- 
den ihren nöthigen Auffenthalts die Vergiinstigung gehabt, in einem vorstädt- 
schen privat-lIausze den Gottesdienst halten zu dürffen, welchen selbe doch 
ausz selbsteigenem WiHkiihr mehrentheils in einem an der Diina Seiten aufge- 
schlagenem Gezelte verrichtet!. Wie dann auch keine Spur verlmnden, dasz 
einige Neuerungen denen ehernahligen Verordnungen zu wieder, quoad actus pa- 
rochiales afi'ectiret worden, vielmehr haben sich die hieselhst verhanden gewesene 
Römisch Catholische in dergleichen Fällen, wann ein solcher, wiewohl seltener 
casus existiret, an ihre in Mitau hefindliche "ircbe gewandt und die in ihrem 
statu ecclesiastico übliche Cerernonien daselbst verrichten htszen. 
Ao. 1723 den 29 May auf Antrag des W ortfiihrenden Herren Biirger-Mei- 
sters Wiedau, da Er vernommen, dasz in des seel. Gotthard Johallll Brock- 
hausens an der Sand-Straaszen belegenem Hausze die Römisch-Catbolischen ihren 
Gottesdienst öffentlich hielten, ward dem HerreIl Obervogt von Schultzen, 
welchergestalt das quaestionirte Hausz denen Römisch-Catholischen zu ihrem 
Gottesdienst eingeräumet worden, und wie es eigentlich damit bewalldt, zu 
untersuchen und sodann relation ahzustatten, freundlich committiret 2. Als die 
Untersuchung bey Ern. I
dlu. VogteyJ. Gerichte den al ejusdem coram proto- 
collo geschehen und Ern. WohlEdien Rahte vorgetragen, ist den 12 Junii dar- 
auf geschloszeu: dasz Ein Edles V ogteyl. Gericht des seel. Gotthard Johallll 
Brockhausens Wittibe das öffentliche BxercitiulD der Römisch-Catholischen Reli- 
gion, als welches sowohl wieder die hiesige Gesetze, als auch wieder den letzten Ny- 
städtschen Frieden selbsten S streitet, in ihrem Hause zu verstatten, ernstlich 
untersagen und selbige :tuff dem Fall des Ungehorsahms fiir unausbleibliche 
schwere Straffe verwarnen möge 4 . Nachdem besagte 'Wittihe nebst ihrem Sohlle 
vorgefordert, hrachtell selhige bey, dasz es nicht bey ibnen stiinde, denen Rö- 
miscll-Catholischen daselhst das exercitium religionis nunmehro zu verwehren, 
da Sie einlllahl den Saal im Hausze, auf Anhalten des HolländischeIl Kauft.- 
manns von Saanen ulld des Adjutanten Frasers, vermiethet, und i}vlen unwiszend 
zur Kirche und zur Haltung ihres Gottesdienstes aptiret hätten, der HetT Ohri- 
ster ßriHi auch öft'ters dahin kähme, und sie lhme, als einem Crohn- und mili- 
tairhedienten, keinen mnba.It tbun könten. Wie solches den 21 Junii l
m. Wohl. 


1) B. II 393. 2) welchergeHtlLlt - committiret wörtlit,,, It. RI'. v. 28. Mai 1723, 
PI. B. 85 S. 131. S) B. 1642, x. 4) Der Beschlus8 de8 Ruls: dasz - möge wiMlich 
n. RP. tI. 12. Juni 1123, PI. B. 85 S. 181. 


--
>>>
Catholische Ueligion. 


259 


l
dlen Haht referiret, ward Ern. Edlen V ogtey1. Gerichte, den Römisch-Catho- 
IiHchen Pdester vorfodpl"ll zu laszen, und ihme, dasz man das freye exercitium 
seiner Religion hier in der Stadt nicht länger den vorigen Gesetzen und Frie- 
dens-Tractaten zu wieder dulden könte, sondern selbiger sich darnach, fals er 
nicht seine Oammm' versiegelt seben wolte, richten möchte, zu hinterbringen, 
committiret I. Den 1[) Julii referirte der H. Obervogt v. Schultzen, dasz er Es. 
W ohm dien Rahts Bescheide vom 21 sten passato zu Folge zwar dem hier sich 
jetzt aufhaltenden und der Römisch-Catholischen Religion zugethanen Priester 
Igllatio Bonaventura den öffentlichen Gottesdienst seiner Religion in dem Brock- 
hausenschell Hause bey commination der Versiegelung der in demselben befind- 
lichen Canllner untersaget j allein seih igel' sich daran nicht gekehret hätte, so- 
dasz Er mit der Yersiegelung gestern f,'ühe wiircklich verfahren, und zur Auf- 
Hiebt der gelegten Siegel zweene Soldaten hillgestelletj der Herr Obrister Brilli, 
nachdem solches hesorget, mit dem ohhenandten Priester zwar dazugekommen, 
selbiger Herr Obrister auch die appostirte Soldaten mit harten Worten abge- 
wiesen, und den Siegel hesehen, allein doch unversehrt gelaszen hätte I. Hier- 
auf haben Ihro Hochfiirstl. Hurehlauchtigkeit, der Herr General en Chef und 
hiesiger General Gouverneur Piirst Repnin, nach begehrtem und hiernechst 
miindlich abgestatteten rapport von der Versiegelung, offtgedachter Cammer 
dem W ortfiihrendcll Herren BürgerMeister Wiedau durch den Herren Capitain 
Brandt in Beysepl des Herren BürgerMeister Zimmermannen sagen laszen, dasz 
der sich hier aufhaltende Catholische Priester Ignatius Bonaventura von Ern. 
Erlauchten Reicbs-Collegio der auswärtigen affaires die Freyheit erhalten. denen 
sieh hier jetzt auffhaltenden Herren Officierer, welche der Römisch-Catholischen 
Religion zugethan wären, in ihrem Gottesdienste an die Hand zu gehen S j 
'Vaml nun selbige, dasz ihnen in dem Brockhausenschen Hausze auff eine kurtze 
Zeit, hisz Sie eine aJHlere Uclegenheit zu ihrem Religions Exercitio finden 
könnten, ihren Gottesdienst zu halten, vergönnet werden möchte, und zu diesem 
I
nde das vor die gemiethete Gemächer gelegte SiegeIl wegzunehmen gebehten, 
so wiirde I
in WohlEdler Raht die l
ntsiegelung solchergestalt geschehen zu 
la.szen, und denen Herren o fIi ci '"ern , welche der Römisch-Catholischen Religion 
zugethan, derselben exercitiulll in obgedachtem Hausze auf eine Zeit lang zu 
gestatten, nicht difficultiren 4 . Obwohl Ein WohlEdler Raht hiewieder, dasz die 
vorbenandte Herren Officiers in ihren quartieren ihren Gottesdienst privatim 
pflegen könnten, und ein solches exercitiulll puhlicum ihrer Religion wieder 
die letzten Nystaedtschen Tractaten liefre, die Vorstellung Ihro HochfiirstI. 
Durch1. thun laszenj so haben Hieselbe dennoch nach dreymahlig wiederhohlten 
remonstrationen das SiegeIl abnehmen zu laszen und denen Römisch-Catholischen 
Herren Officiers nur so lange, bisz Sie eine andere Gelegenheit erhalten, ihren 
Gottesdienst in dem Brockhausenschen Hausze zu verstatten, angesehen 1hro 
Durchl. keinesweges der Stadt ihr Recht dadurch benommen haben wolten, mit 
dem Anhange befehlen laszen, dasz Er, als General Gouverneur, wiedrigenfals 
Es. WohlE dien Rahts Sigill und Waehe nicht respectiren, und zu verfahren 
wiszen wi'.rde 5, wOl'auf aus respect vor ]hro Hochfiirstl. Hurchl. und weil Dero 
Befehl auf ange zogene Hoch-Ohrigkeitl. Ordre gegriindet, und dabey, dasz der 
1) Ern, Edlen - committiret WÖI.tlich n. RP. v. 21. Juni 1723, PI. B. 85 S. $4. 11) re- 
ferirte - gelaszell bätte wiJrtlich n, RP. v.15. Juli 1723, PI. B. 85 S. 34819. S) Befe1ll 
v. 11. März 1721, B. III Abtcil. 4 nr. 10. 4) durch den Herren CILpituill Brandt - diffi- 
cultiren wö,.tlich n. HP. v. 19. Juli 1723, PI. B. &5 S. 379180. (1) das fojigill - wiszen 
würde wärtUch n. RP. v, 20. Juli 1723 (10 ehr abellds), PI. B, 85 S. 40314. 


li* 


--
>>>
260 


Uatllo!iscbe UeHgion. 


Stadt dadurch ihre Gerechtigkeit nichts IJenOllllllen werden Holte I, gin W ohl- 
Edler Raht die I
ntHiegelung der quaestionirten Gemächer in dem Brockhausen- 
schen Hause, uml) die gesuchte I'reyheit fiir die alhie subsistirende Römisch- 
Catholische Herren Officiers ihren Gottesdienst darin zu halten, auf eine kurtze 
Zeit nachgegeben, und dem Herrn Ober -Vogt von Schnitzen, noch denselben Abend 
das Siegel ahnehmen zu laszen, committiret 2. lIieruächst haben die Römisch- 
Catholische in der Citadelle in des Herrn General-Major Brilli Behausung ihren 
Gottesdienst öffentl. abgewartet, woselbst der J [err Baron von Schenck und 
Bruckendahl ebenfals geprediget, wowieder lllan sich auch, weilen solches unter 
der hohen Crohns-Jurisdiction geschehen, nicht moviren diirJfen. 
Ao: 1731 im Fehruario ist von dem Herren General-Superintendenten und 
Ober-Pastore Bruning im sitzenden Consistorio erwehnet, dasz von dem Catho- 
lischen Priester dem Vernehmen nach in der Vorstadt eine Schule gehalten, 
nnd der Römisch-Catholische Gottesdienst exerciret wiirde, welches vom Ern. 
WohlE dien Rahte den 17 Martii Ern. Edlen Land- V ogteyl. Gerichte zu unter- 
suchen, und nach Beschaffenheit dem Prediger solches zu untersagen committiret 
ward. Worauf der Römisch-Catholische Priester Faustin Skaminsky sowohl, 
alsz auch Stephanus ä. Fundo auf Gerichtliches Zureden sidl diesem Verhoht 
zu conformiren, sich ausgelaszen 8 . 
Ao: 1732 den 22 N ovembris hat der Herr General-Superintendens und Ober- 
Pastor Bruningk ahermahl der Catholiquen wegen, damit seIhte ihren Willen 
nicht erhalten mögen, zu sorgen Ansuchung gethan, und weil man bey gesche- 
hener Erkundigung und Nachfrage wegen des in der Vorstadt gehaltenen Ca- 
tholischen Gottesdienstes in Erfahrung gebracht, dasz in l1em Herrn Obristen 
Finck zuständigem und auf der J
astadie gelegenem Hausze alle Sonn-, Apostel- 
und .Fest-Tage teutsch und Polnisch uurch zweene Priester öffentlicher Gottes- 
dienst gehalten würde, so hat man bey Sr. Hochwohlgehohl'l1en Hxcellence dem 
Herren General en Chef und Gouverneur de Lacy solches zu steuren und das 
Hausz schlieszen zu laszen, dehmiihtigst angesuchet, welcher auch die Schlieszung 
und Nicht-Haltung des Gottesdienstes alsofort gnädig beordert4.. 
Ao: 1733 den 26 Julii hahen Se. Hochgräffl. Hxcell ce der Herr Reichs-GratT 
und Env
jo Herr Friedrich Casimir von Löwenwolde aus Warscbau an den 
28 Julii st. n. datirt ein Schreiben mit einer copeyl. Abschrifi't in frantzösiscber 
Sprache von denen hieselbst sich befindenden Römisch-Catholisch Geistlichen 
St i Francisci Ordens an des dasigen Päbstlichen Nuntii Excell ce unterlegten 
Beschwerde, (in welcher sie alhier ein freyes exercitium religionis zu erhalten 
intendiren) an den hiesigen Magistrat abgelaszen, und deru Klagen zu einer 
selbst hillig erachtenden facilen A hhelfi'ung recommelldiret 5. 
Ao: 17a4 hat sich wiederumb ein Römisch-Catholischer Prediger alhier ein- 
geflUHlen, welchel' die actus parochiales in der Y orstadt verrichtet, demselben 
Fr. Jolll\.nn Provin, Franciscano Heformato ist, den Gottesdienst und was dem 
anhängig uf'n 17 und 1H Augusti einzustellen, ernstlich injungiret, und sich von 
hinnen zu begeben, angedeutet 6, det. aher, wie I
r kiirtzlieh deszen wieder er- 
innert worden, vorgewandt, dasz er wegen seinel' anhalteUllen Unpäszlichkeit 
jetzo nicht ausgehen könnte, und soll er annocb in eines Pohlen, Nahmens 
Michel Kasakeff Hause sich autThaIten 7. 


I) i. HP.: benommen haben wolle, versichern lnszen. 2) Uero Befehl - commiUiret 
wö,.tli('h n, UP. V. 20. Juli 1723, PI. n, &5 S. 40516. 8) B. [J 358. 4) 1732 Dez. 8. 
B. II 451. 6) Vgl. RP. v. 26. Juli 1733, Pi. B. 104 S. 155. 1n der AbBdn'ift fehlt der 
gante Ab8ate: Ao. 1733 _ recommendiret. 6) B. 11 499. 7) B. II 626. 


--
>>>
Catholische Religion. 


261 


Nach der den 2t Januarii 1735
ten Jahres eingereichten Specification der 
Menschen sind 137 :\ränner, 136 Weiber, 14!) Kinder, 10 Knechte und 9 .Mägde, 
zusammen 441 Seelen, so uer Römisch-Catholischen Religion zugethan, in der 
Vorstadt verhanden. I n dieser Stadt möchten sich etwa 200 Personen von 
dieser Religion aufhalten" welche theils alsz Knechte und Mägde zum domesti- 
quen Dienst, theils auch alsz ArlJeitsleute zum Behuft' derer Commercien ge- 
brauchet werden, dm'h ist derseIhen Anzahl so genau nicht auszufinden, maszen 
viele sich zu der untleutschell Kirche und Communion zu halten gewöhnet, ver- 
schiedene gemeine Leute auch seit einigen Jahren sich alhie häuszlich nieder- 
gelaszen und mit ihren lutherischen Religions -Verwandten in Ehe verbunden, 
viele insonderheit aber, wegen des zwischen hiesigem Orte und Pohlen subsi- 
sth'enden Commerciell- Wesens ab- und zu zu reysen pflegen, Dahero eine 80 
accurate inqvisition derer Römisch-Catholiquen hauptsächlich wegen besorgliche!' 
geschöpft'ter ombrage, da diese 
tadt, als ein ti'ontier-Ort, solcher :Dienst- und 
Arbeitsleute in Ah:'licht der gegen Chur- und Lieffland gehobenen 2jährigen 
praescription keinesweges enthehren mag, nicht angestellet werden kan, 2, 3 


1) Vgl. Protocollullt Secretll1n: 1735 Pebr. 22. H. III S. 327. 11) In der Abschrift 
noch: Lect: et approbat: in Senatu d, 25 FebruRrii 1735. S) Über dieBe Frage Bind ferner 
zu vergleich/!n: RP. v. 26. u. 31. Jlärz u. v. 11. u. 26. .Jpril1735, PI. B. 106 S. 36819, 379180, 
38316; B. 107 S. 19/20, 


--
>>>

>>>
Zweite Abteilung: 
C arm i n a. 



\N'J\}V'I.",,-- 


--
>>>
1 
, 



 


...
>>>
I. 


1711 .November 17. 
1. Die Stadt Biga begriisst Zar Peter bei seinem Einz1lge am 17. November 1711. 
O. Druck: Georg J-Iathias Nöller l . Verfasser unbekannt. 1. BG.A. 2. BStR., Lim- 
nica 2 fol. (2449)2. I1t RP. fehlt jeder Hinweis auf 1!'eierUc1l1ceiten bei dem Empfang 
Zar PeterB. 
VIV AT PETRVS C.LESARI 
Unterthänigstes Danck-Opffer mit welchem den AJler-Iurehläuchtigsten Grosz- 
mächtigsten Käyser und Herrn, Herrn 
Peter Alexewicz 
Regierenden Käyser in gantz Reuszland, J[oskau, Kiow, Wladimir, Novogrod, 
König zu Casan, Astracan, SilJerien, Erh-Herrn zu Pleskow, und Grosz-Fürsten 
zu Smolensko, Twersk, Juhorsck, Permsck, Wiack, .ßolgorsk, und anderer Örther 
Erh-Herrn, Grosz-Fiirl:!ten vom Niederlänuischen Novogrod, Czernihoff, Resan, 
Rosthoff, Jaroslav, Bielosier, OLdor, Uddor, Kandi8 unu ganzen Norder-Landes 
vollrnächtigen Herren, des Gwerschf'n Landes, der Czerkassen, Ghorschen Fiirsten 
und anderer vieler Königreiche, uud We8t- Ost- uud N oruischen Länder j wie 
auch des Hertzogthums J,ieft'land, Ingermanland und Carelen Uberwindern Herrn 
und Resizern, 
Bey Dero Gnaden-reichen JiJintrit Anno 1711. den 17. NovemLr. Pflicht-schuldigst 
bewillkommen sollen 
Die treu-ergebenste Stadt R.J GA. 
Gross-mäch tigster Monarch erlf'uchte diese Gräntzen, 
Kehr Deiuen Gnaden-Strahl auf' unsre Demuth zu, 
Lasz neine Gegenwart in unsern Mauren gläntzen, 
Sie hoffen nur vou Dir J,icht, HiHft'e, Hchutz und Ruh, 
Eutzieht die Soun' uns itzt allmählig ihre Kertze, 
So .zieh', () Landes-Souu', in unser aller Hertze. 
Zieh' ein, Bekröhnter Held, nach soviel Lorber-Zweigen, 
Die uns der Fama Hand UJuL Deinen Scheitel zeigt, 
Nachdem sich Ost und Nord vor Deinen Palmen heugen, 
Und Beines Adlers };'lug Lis zu der Soune 8teigtj 
Zieh' ein I Denn findst nu hier gleich keine Ehren-Bogen, 
Komst DU noch riihmlicher in Seelen eingezogen. 
Kom lasz Dein Riga Dich zum er8ten Mahl umbfa88en, 
DU hist bey allem 8turm der Pol-stern in der Höh', 
W ornach es sehnlich musz sein Auge schi essen lassen, 
Sein Ancker, sein Compas auf dieser Zeiten See: 
Ermisz demnach, wie grosz die Freudigkeit der Deinen, 
Bey denen DU nun seIhst, 0 Schutz-GOtt, willt erscheinen. 


1: I) N{jller erhielt für den Druck vom 17. u. t'01/1 18. Nov. zusammen ;5 Rth. 22 1 /'11 GI'. 
RA., Belege des Kassakollegiums 1711: Gemeine Unkosten nr.43. '11) Auf der ersten Seite 
17 Nov. verändert in 18 Nov. 


.......
>>>
266 


Carmina I. 


1711 


Drumb nimm der Bürger Hertz, darin Dein Nahme stehet, 
Nimm hin der Bürger Hertz, der Treue Unter-Pfand, 
Und schaue, wie es izt vor Freuden schwanger gehet, 
Weil es sich liefern kan in eine !!Olche Hand, 
Die Alcxandel'll gleich durch Wunder sich erhaben, 
Doch auch, wie Artaxerx, mehr schätzet Lieb' als Gaben. 
Wir sehu Dich als August in Mehrung Deiner Reichen, 
Als Caesarll in dem Feld', an Gnaden als Trajan, 
An unverdrosznem Fleisz als Prinzen sonder gleichen, 
Und an Gerechtigkeit als den Justinian; 
Und da die gantze Welt ehrt Deine Sieges-Reyser, 
So ehren wir nur Dich ö Bild so grosseI' Käyser. 
Augustus rühmte Sich, dasz Er sein Rom von Steinen 
Zu einer Marmeln-Stadt im Regiment gemacht, 
Sieht unser frohes Aug' auf
 W ohl-ergehn der Deinen, 
Und wie Du alles ziehst ans Licht aus düstrer Nacht, 
So hoffen wir, durch Dich, A VGVSTVS unsrer EI'den, 
Werd' unser Stein-hauff selbst gar bald zu Marmel werden. 


1711 November 17. 
2. Das Lyceum begrüsst Zar Peter bei seinem Einzuge in Biga am 17. No- 
vember 1711. 
O. Druck. Verfa8ser unbekannt. BStR. Auf der ersten Seite von Oberpa8tor B. 
Depkin vermerkt: Vide aHa 1. der Stadt. 2. Kortholt. 3. Brehm in 4to 1 . In RP. 
fehlt jeder Hinweis aitf Feierlichkeiten beim Empfang Zar Peters. 
Das glückseelige Reuszland, 
Unter der Hochlöblichen und Glückseligen Regierung Eines mit vortrefflicher 
Klugheit begabten Oberhauptes, des Aller-Durchläuchtigsten, Groszmächtigsten 
und Unüberwindlichsten Czaaren und Herrens, Herrn 
Petri Alexiewiz 
Aller Reussen Keysers &c. &c. &c. Unsers Allergnädigsten Czaaren und Herrens, 
Bey Dero Grosz-Czaarischen Majestät Aller-gnädigsten Eintritte in die Stadt 
Riga den 17. Novembr. Anno 1711. Zu Bezeugung allcr-ullterthänigster Pflicht 
glück-wiinschend vorgestellet 
Von denen sämtlichen Collegen des Grosz-Czaarischen LYCEI. 
Man pflegt ein Reich beglückt zu nennen, 
Und rühmet dessen Sicherheit, 
Wenn viel in Unterthänigkeit 
Des Printzen hohe Macht erkennen, 
Und sich viel Völcker zu den Füsseu 
Des Oberhauptes bücken müssen. 
Die Festungen sind eine Stütze, 
Darauff des Landes Wohlfahrt ruht: 
Und eines Tapfern Heeres Muth 
Ist mehr als Gold und Silber nütze: 
Wenn sich die Nachbarn wohl vertragen, 
Kan man der Sorgen sich entschlagen. 


2: 1) 1. h
er ulJflerlruckt. 2. BGA. 3. fehlt. 


.......
>>>
1711 


Carmina I. 


Zehlt man dabey viel Gold und Schätze, 
Die Ceres und Oceanus, 
Ja selbst der Pluto zollen musz, 
Und schützet der Astrreen Sätze, 
So steht ein Land in festen Schrancken, 
Und kan des Höch8ten Güthe dancken. 
Auch musz ein Reich heständig blühen, 
Wenn der Minister kluger Raht, 
Und ein getreuer Magistrat 
Um dessen Wachsthum sich bemühen: 
Wenn Pallas muntre Köpfe zieret, 
Und Federn nechst dem Degen führet. 
Nun dieses sind bewährte Angeln, 
Woran des Reiches Wohlfahrt hangt: 
Doch wo das Hau pt mit Klugheit prangt, 
Wird an dem allen nichts ermangeln: 
Aus dieser Wurtzel wächst der Seegen, 
An dem des Reiches Heyl gelegen. 
Grosz-mächt'ger Czaar, Herr aller Reussen, 
Der Keyser Sonn und Glantz der Zeit, 
Wer kan die seJtne Trefligkeit, 
Und Deinen klugen Sinn recht preissen? 
Den selbst der HErr, der alles träget, 
Auff Dein gekröntes Haupt geleget. 
Die Weiszheit strahlt aus Diamanten, 
Die Klugheit zieret Deinen Thron, 
Du bist der andre Salomon, 
Und unter Deinen Anverwandten, 
Soviel wir Sie aus Schrifften kennen, 
Bi::!t Du der beste Fürst zu nennen. 
Gliickselges Reich, das so ein Weiser 
Und Tapfrer Herr mit Glück regiert, 
Das solcher K lug he i t Seegen spürt. 
Wohl dir I du ehrst denselben Keyser, 
Von dessen Palmen West und Osten 
Die angenehme Früchte kosten. 
Geusz, Groser Czaar, auch Deine Gnade, 
Die aus dem klug eu Hertzen qvillt, 
Und jederman mit Trost erfiillt, 
Auf' uns: so wird der Schmel'tz und Schade, 
Damit uns unsre Schuld verletzet, 
Durch reichen Uberflusz ersetzet. 
Wir können nichts als Wün::!che geben: 
Drum nimm das schlechte Denckmahl an, 
Da::! unszre Pflicht bezeugen kan: 
GOtt mehre Deine Jahr und Lebenl 
So wird des Reiches Wohlergehen 
Allzeit auf kl ugem Grunde stehen. 


...... 


267
>>>
268 


Carmina I. 


1721 


1721 Oktober 22 1 . 


3. Die Stadt Riga feiert den Nystädter Frieden. 
o. Drwk, 2 Blatt fol. Verfas8er: S. Haltermann. 1. BGA. 2. BStR., Livonica 
2 fol. (2449). Vgl. RP. v. 17. tt. 19, Okt. 1721, Pl. B. 80 S. 152 f., 162 2 . 
}'rolockender Zuruft', womit die allgemeine 
'reude üher den zwischen Sr. 
Grosz-Czaarischen )(,\jestät Ihren allergnädigl3teu Kayser und Herrn nnd der 
Crohne Schweden getroffenen Frieden, hey denen zur feyerlichen Begehung 
dieses }'estes, vom 2
 hit! 28 Octohris itztlauffemlen 1721 Jahres angesetzten 
Denck- und Danck-Tagell in allpruutel"thänigster Hevotion hegleiten wollen die 

tadt Riga. 
BetrülJtes I doch nunmehr erfreutes Vater-Land! 
Dir bringt die 'l'aulJen-l'ost uen langverlangten Boten 
Dein Alexanuer zieht mit Sieg-hegliickter Hand, 
Den Fauen deiner Ruh aus dem gelöszten Knoten. 
Die Grös8e seiner That hestürtzt die Eyfersucht, 
Br flieht sein Waffengliick hey seiner Feinde Flucht, 
.Wann andren )facht unu Schwerdt zn Blut-Altären dienen, 
So sucht dein Gratian die Crohnen auszusühnen. 
Ja, ja, die Feinde seIhst hekröhnen 8eine That 
Mit Palmen die Er Ihm durch seinen Arm erstritten, 
Europa spiegelt sich in dem hegliickten Staat, 
In seiner Waffen-Kunst, in seinen Völcker-Sitten. 
Zwar diente dem Anton das Feld zum Ritter-Spiel, 
Jedoch die stoltze See verrückte ihm das Ziel: 
Hier aher kniipft't das Glück zwiefache Lorheer-Reyser, 
Und zeigt der tapffrell Welt in heyden Einen Kayser. 
Ein Kayser, der sein Reich in steter Pflege hält, 
Die Kunst in seinem Hchutz das Recht in dem Gewichte, 
Der lliemahls seinen Glanz durch fall:!che Pracht verstellt, 
Und seine Liehe zeigt durch Anmuht und durch Früchte. 
Hin überwind er giebt mit sanfftem Vater-Sinn 
Dir das erfreute Loos des Friedens zum Gewinn. 
Was magst Du weiter hin heglücktes Riga hoffen? 
Dir stehet Pflege, Schutz, Recht, Glanz und Liebe oft'tm. 
Fällt oder w,tncket wo Dein Hrund- und Glückel:!-Stein, 
So kan ihn dein August von neuem Marmel legen, 
Soll deiner Augen Zweck die reiche Schiffarth seyn. 
Dein Jason bringet Dir das giHdne Vliesz entgegen. 
Dein PetruB, dem zur See vor keinem Stürmen graut, 
Hat deine Wohlfahrt ihr durch einen Ring vertraut. 
Kurtz, da der Frieden-Stand ein Himmel dieser Erden, 
So hat er dir durch Ihn geöffnet müssen werden. 
Auf! ihr Najaden auf'! die ihr den Strand bewacht I 

chaut die Gliickseeligkeit auf euren Schwanen-Auen. 


3: 1) Am 22. Okt. 1721 wurde der NY8tädter Friedensvertrag i1
 Rign feierlich bekannt 
gemacht, nachdem mn 30. Sept. 8chon die eigentliche FrierletUJfeier 8tattgefunden hatte. B. I 
639. 629. 2) Der R.at beauftragt mit der Abfa8su'ng de8 Festgedichtll den S. Haltermann, 
welcher in der Poesie wohl geschickter als der Ritterschafft Concipient seyn dürffte. 


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1721 


Carmina I. 



tju 


Auf Schwe:;ternl die ihr sonst der Jahre Wechsel macht, 
Es will euch Jupiter im grllduen Regen tauen. 
Du aLer werfLe Stadt! eröfne deinen Schoosz, 
Gieb deine Liebes-Milch aus allen Adern Llosz, 
Dein Schutz-Hott, der hi
ber als Sieger dich gepfteget, 
Hat dir das Gnaden-Recht der Kindschafft zugeleget. 
So weybe deiue Brust zu einem Danck-Altar, 
Und dein Gedächtnisz Ihm statt einer Ehren-Seult'n, 
Reich Ihm dein galltzes Hertz zu einem Opffer dar, 
Und lasz den heissen Rauch getreuen 'Yiindsche eylen, 
Da wo die Hiiltre dir von jenen Bergen scheint, 
Und wo der Himmel sich durch diesen Bund vereint, 
Zeigt Gott den Bogen erst nach Stiirmen und nach Regen, 
So kan dein W ohlfarths-Schiff auf Felsen Ancker legen. 1. !! 


1721 Oktober 22. 
4. Die Livländische Ritterschaft feiert den Nystädter Frieden. 
u. Dntck. Riga bey Samuel Lorenz Frölicb. 4 Blatt folio. Verfasser: Landmarschall 
Otto Christoph Richter. 1. BGA. 2. BStR.. Brotze, Miscellanea 4 (2252) nr. 29, 3. BStR., 
B1'Otze, Livonica 23 (2285) S. 44-47. VgI. R P. v. 19. 1t. 26. Okt. 1721, PI. B. BO 
S, 16213, 202 tf, 
Pflicht-schuldigste Freude, 
Als der A l1t'rdurchl:tucLtigste, Groszmächtigste und U niiberwindlichste 
Czaar und Kayser, 
PET RUH der Erste, 
des gantzen grossen, kleinen und weissen Reuszlandes Selbst-Halter, wie auch 
Anderer vielen Ost- West- und Nordischen Reiche, Herrschafften und Länder 
Erbe, H('l.r und Beherrscher, &c. &c. Anno 1721. Den 30. Augusti styl. veto 
Hen glorieusesten Frieden zu Nyst:tdt mit der Cron Schweden geschlossen Latte, 
und darauff am 22. Octobr. ein hoch-feyerliches Danck-Fest I durch Dero :MaJestet 

alltzes Reich celebriret wurde, in allertiefrester Unterthänigkeit hezeuget im 
Nahmen der gesamhten Lieffländischen Ritterschafft von Ihrem Land-Marschallen 
Otto Christoph Richter. 
So sollen endlich noch Irenens giildne Strahlen 
(O! siisser Nahme Friedl t. Anmuhts-voller Scht'in!) 
Des weiten Reuszell-I.ands beglückten Kreisz bemahleu? 
Was kan erfreulicher als dieses Kleinod seyn '! 
Ihr sichre Felder lacht, das Schwerdt ist ahgewRndt, 
Ihr muntre Städte jauchzt, des Friedens reicher Segen, 
Des Uberflusses Horn, wird sich bey euch bald regen, 
lhl' V öleker triumphirt ob euren lleuen Stand: 
Hel' grosse Kayser schleuszt den Janus-Tempel zu, 
Und schenckt euch Gnaden-reich die hoch-gewi"llIschte Ruh. 


3: 1) Da1'lmter mit Tinte: Historicus, 2) Da Rat liess 7 Stück in blauetl und 
weissen Atlas binden, .von dellen eiues die ]£azogilt AWIfI t'Oll Klt1'lmul erhlllten sollte, wiih,'eTl/I 
die ü1J1'igen nach Peten/burg gesandt wurden. Eine gl'lJsse AlIzaM Il'Ilnle dem Älter'/1/lIl/./I der 
Groilsl'lt Gilde, der Jlleinen Gilde, der Sc./twm'zl'It Riiupter sowie deli Pastoren und detl Lelirem 
üben'eicM. HI'. v. $. Okt. 1721, Pl. B. 8() S. !!O2 tf. 
4: 1) B. I 639. B. III S. 33 tf. 


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>>>
270 


UlLrmina I. 


1721 


Wie aber habt ihr doch, ihr holde Himmels-Schliisse, 
Bey diesem Frieuens-Schlusz vor Liefflands Heyl gewacht'! 
Ihr heiszt nun, dasz es stets des Printzeu Scepter küsse, 
Der sich zum Wunderwerck des Erden-Kreisses macht; 
Des gleichen ihr uer Welt gar selten gebt, 
Des Muht Witz und Verdienst, nebst vielen Lorber-Reisern, 
Sich längst geschwungen hat vor allen grösten Kaysern, 
Und der so Weiszheit-voll sein V olck und Laud erhelJt, 
Dasz Ihn der Klugheit Spruch die lIf'rrlichkeit und Macht 
l
urop- und Asiens zu fiihren würuig acht. 
J)asz dies und jenes Land die Herrscher ändern müsse, 
:Kan nicht blosz Waffen-Krafft, noch hlinues Schicksal sein: 
Nein I Ihr ues Höhesten unwandelbahre Schlüsse, 
Ihr sezet Fürsten aus, unu andre wieder ein. 
Den Cyrum macht 11ur ihr zum neuen Perser-Haupt, 
Unu über Perser heiszt ihr Alexanuern siegen, 
Des Alexanders Reich sich für den Römel'll schmiegen, 
Und Römer habt nur ihr der Herrschaft't auch beraubt. 
Will euer U rtheil-Spruch nun izt noch so ergehn, 
So ist es Aberwiz vergeblich wiederstehn. 
So kan der Weinstock nicht am Ulmen-Baume kleben, 
So feste hält anch kaum der tapffern Schweizer Treu, 
Als Lieflands A deI stets dem Landes-Herrn ergeben; 
Den Ihm die obre .Macht des Himmels leget bey. 
Jedoch wie unverriickt die Demant-Treue war, 
So Pohlens Sigismund von dessen 
I uht genossen. 
Ward doch im Wächter-Raht' (*) ein' Aenderung beschlossen, 
Da Gustavs Adolphs Faust vor nun gleich hundert Jahr 
Dies so getreue IJand zum lJigenthuJIl bekam, 
Und seine Krieges-Schul' aus dessen Adel nahm. 
Was Gustav Adoll'h nahm, musz nun e
n PETRUS kriegen, 
Auff den der hohe Geist Gustavens doppelt liegt. 
Durch Lieflands Krieges-Schul' ist Gustav hoch gestiegen 
IJasz es in Teutschland hiesz i l
r kommet sieht und siegt: 
Schaut Reuszlands Wunder-Helu und seine Thaten :tn, 
Schaut den so weiten Strich der frohen Länder scheinen, 
Das Caspische Gestad sich mit dem Belt vereinen, 
Und sagt, ob Menschen-Wiz wohl anders 8chliessen kau; 
Grosz ist, was schon gethan: doch solts dabey he1'11hn '! 
Nein! Reuszland wird gar bald noch grössre Dinge thun. 
Glorwiirdigster Monarch, wir steben als geblendet, 
'Venn unser schwaches Aug' auft' Dich als Sonne blidd:, 

s ist Dir unser Herz elft' Jahren schon verpfändet, 
Doch Mund und Hand hat noch uas Herz nicht ausgedriickt. 
Izt da ein Freuden-Strohm die treue Brust benezt, 
Weil uns der Himmel Dir auff ewig dienen heisset, 
Was '''under, dasz sie sich der Blödigkeit entreisset, 


(*) Dan, 4. v. 14. 


.....
>>>
1721 


...... 


ClLrmina I. 


271 


Und ihre Fackel auch zur hellen Sonne Bezt, 
Dasz sie des Ruhmes Glanz, so umb Dein Haupt schon schwebt, 
Und Welt-gepriesen ist, auch stamlend mit erhebt. 
Hat Caesar und August mit vieler Künste Wissen, 
Hat Spaniens Alphons und auch sein Ferdinand 
Durch deren Liebe sich der Sterhlichkeit entrissen, 
So hat noch nechst Paris hierin Dein Loh erkant. 
Sie nimmt in Künsten D ich als hohes Mitglied an, 
Schäzt Dei n e Wis8enschafl"t, nicht blosz die Sieges- R eyser, 
Preiszt Dich, wie JuJium, aus allen bey den Keyser, 
Und zeugt, wie Sylvius mit Wahrheit sagt!n kan, 
Dasz Kuust bey Bürgern Erz, heym Adel gülden heisz', 
In Fürsten aber so wie niamanten gleisz'. 
Jst Franckreichs Ludewig als göttJich hochgeschäzet, 
Weil Er nach GOttes Art allein regieret hat; 
So hat die Weiszheit ja vor Lud wig U ich ge8ezet, 
Der Du selbst Kayser hi8t, und Helb8t aHein auch Raht. 
Es sey, dasz sanffter Wind n ei n Regiments-Schiff führt, 
Es sey, dasz rauher Sturlll und wilde Wasser-Wogen 
Bey Scyllen und Charybd tunh selhes sich gezogen, 
Hist Du der Palinur, der selbst das Steuer riihrt, 
Und hast es oßt nechst GOtt aus Fluhten und aus Nacht 
Mit Deiner Hand aHein zum sichern Port gehracht. 
Ja wie hey dunckler :Kacht die Sterne schöner funckeln, 
Die Flamme heller wird vom Winde auffgefacht: 
So kan auch D einen Glanz kein Hlückes-Tiick verdunckelll 
Den Unfall und Gefahr nur immer heHer macht. 
Pompejus warff den Muht bey Farsalo dahin, 
Und damit war zugleich der ganze Rest verlohren: 
Hu bist, ö Held, ein Fels genennet und gebohren; 
n ei n fest-geseztes Herz den Felsen-starcken Sinn 
Hat wiedriges Geschick so wenig je bewegt, 
Als den Marpeser-Fels ein Wirbel niederschlägt. 
Besiegter BeItI und du mit tausend Sehwierigkeiten 
Georndte Flotten-Macht, ihr redt uns auch das Wort. 
K an Salolllons Gerücht durch Ost und West sich ln'eiten. 
Der doch blosz Kauffmanns-Schiff' erhält in seinem Port: 
Mit was erstaunen sieht, Grosz-mächtigster, die Welt, 
Dasz Dein so weiser Fleisz zu Deiner .Feinde Schrecken 
Mit Krieges-Schiß'en kan das weite Meer bedecken, 
j) ein Reuszland aber l
hr' und Nutzbarkeit erhält, 
W cnn Schifl'e 'Vahren-voH, so vormahls nie geschehn, 
Von Süd und Westen her zu Deinen Hafen gehn. 
Wo Waffen-Schall erklingt, verstulUmen sonst die Rechten, 
D 11 legst hey solchem Schall die R.ichter-Stullen Rn, 
Zu zeigen, wie lIIan so als Alexander fechten, 
Doch auch dahey zugleich Justinian Hein kau. 
Wie herrlich werden jetzt der Themis Strahlen sein.
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272 


(:nrmina I. 


1721 


nie J) u im Kriege tlchon als J) ein e Stüz gestüzet, 
Nun sei Jreuens Haud nehtlt Dir zugleich heschüzet'? 
()! stellen sich nicht jetzt die giildne Zeiten ein '? 
Wer itlt, der Liefnandtl Glück uach Würden gnug ermiszt? 
Wo die Gerechtigkeit und Friede sich nun krlszt. 
Was läst die Folge-Zeit uns denn nicht von Dir hofl"en 
Umstirntes Gottes-Bild'? Wo keine Bahne wal', 
Da machtest Du die Bahn zum Ehren-Tempel offen; 
Nun sie geöft'net ist mit Miih' und mit Gefahr, 
Was Wunder werden wir von Dei ne l' Hand nicht sehn'? 
Wie oder ists genug? Wird nicht die Nach-Welt lesen, 
Es sey im Reuszen- Land ein solcher CZAAR gewesen, 
Durch den so grosse Ding' in zwanzig Jahr gescbehn, 
Dass sie ganz ausseI' sich bey nabe fragen solt', 
üb man nicht zwanzig Czaarn mit Rubm beschreiben wolt'. 
Allein Alcides mag aufT seine Seulen äzen, 
Wenn Ihm der Thaten Zahl gnug dünckt: nich t weiter au ff. 
Du wilst des fünfTten Carltl beliebtem Wabl-Spruch scbäzen, 
Nur immer weiter an. Nicbts hemmet Deinen LaufT. 
D ein schneller Adler fliegt den Pol stets näher an, 
Und will Dein würdigs Haupt zur lichten Sonn' erheben, 
Dem ganzen I
rden-Kreys I!
ried \lnd Gesetz zu geben, 
Doch unser Aug' erblendt, dasz es nicht folgen kan, 
Und festlelt auch die Hand, dasz sie hier stille steht, 
Indem das treue Herz vor Freuden schwanger gebt. 
Wie lange aber kan entzückte Freude schweigen? 
Ach! so erlaube dann dem Jauchzen unsrer Brust 
'Tor Deiner Gnade Thron iu Demuht sich zu zeigen, 
Den Du izt selbsten schmückst mit Bluhmen frober IAu8t. 
Wir schaun uns aufT des Glücks gewünschtem GipfTel stehn, 
Als die in Norden nun der stärckste Scepter schüzet, 
Und die, wenn irgendswo auch gleich ein Wetter blizet, 
Gleich Tauben höcbst-getrost zu Dir, als Felsen, gehn: 
Kein Geyer darfT hinfort zerstören un8re Ruh, 
nein Adler decket uns mit seinen Flügeln zu. 
So stehen wir durch Dich! Doch sieb Dein Bildnisz stehen 
In unsrer regen Brust, viel schöner als in Erz: 
Du kaust, Ö Gnädigster, die Münze nicht verschmäben, 
Die Dein Gepräge ziert, ein Treu-gefülltes Herz. 
Ja! ja! Dein IAandes-Gott nimmt dieses Opfrer an, 
Und will Dich nun erst recht, erfreutes Liefrland, lieben: 
Du aber, wie Du Ihm Ouht, Bbr' und Bluht verschrieb eu , 
So zeige was die Glubt getreuer Seelen kau, 
Aufr dasz Du ewiglich bey wachsendem Gedeyn 
.I
in schönes Salem mögst \lud FriedeDs-'l'empel sein. 


a...
>>>
1721 


Curmina I. 


27:J 


1721 November 24. 
5. Die Komödianten fÜhretl in Riga zur Feier des Namenstages der Kaiserin 
Kafharina eine Serenade auf. 
O. Druck, 4 Blatt in 40. BStR.. ltImm8cripte, Brotze, Liuonica 32 (2294) nr. 3. ltJ 
RP. nicht erwähnt. 


nie Hohe Nahmens-
'eyer ]hro Grosz-Czaaris. Majestät Der Aller- 
durchlauchtigsten, Groszmächtigsten Kayserin 
C A T H A R I N A, 
&c. &c. &c. wurde In einer musicalischen SERHNATA, Am 24. Novemhr.172l. 
In tler Htadt RJGA, :Mit tieffester Unterthänigkeit celehriret und beglück- 
wiin:,cbet Von df\len anwesenden Hoch-Telltscben 
Comoedianten. 


1. 
2. 
3. 
4. 


Düna. 


Recitat: 


Acom- 
pagne- 
ment. 


-.. 


Personen: 


Die Stadt RIGA. 
Der Diina-Flusz. 
Düna-Nymphen. 


Aria. 
Schlancke Wellen, rauschet sachte, 
Spielt mit angenehmer Fluht, 
Laszt eur krauses Silber schertzen, 
Bey den giildnen Nahmens-Kertzen, 
Die mit Sonnen-gleicher Gluht 
Strahlen von dem W olcken-Bogen 
Auf die reinen W asser- Wogen. 
Schlancke Wellen rauschet sachte. 
Spielt mit angenehmer Fluht. 
Schlägt dort des Memnons Bild 
)Iit lauten Glocken an, 
So hald die Morgenröhte strahlet; 
Was Wunder denn? dass ich nicht schweigen kan, 
Da meiner Kayserin beglücktes Nahmens-Li(ht 
Auf mich mit Gold und Purpur strahlet, 
Und mir Genad und Huld verspricht. 
Nein I nein I 
Es kann nicht anders seyn, 
Das Hertze musz sich freuen, 
Und seine Lust verneuen. 
Aria. 
8chertze 
Mein Hertze, 
Frolocke, jal jal 
Bey den höchst-begliickten Stunden, 
Da Cathrinen Nallluens-Fest, 
Das uns Wonne schauen läszt, 
Sich hat wipdcr eingefunden, 
Ist nichtl'1 als Yergnügen da. 
Da Capo. 


18
>>>
274 


Riga. 


A ..iORO. 


a 2. 


Recit: 1. 
N ymph. 


Rec: 2. 
Nymph. 


earmina I. 


Beglückte Zeit! 
Die mich mit Rosen und Jeszminen 
Gehäufftet überstreut, 
Indem das Hohe J
icht erschienen, 
Das der Durchlauchtigstf'n Cathrinen Nahmen führet, 
W obey mein GeiHt 
Gantz ungemeine I
ust verspührpt. 
Mir heiszt 
Die Schuldigkeit, mit dir, geliehter DiilHl-Flusz, 
Ein Jauchtzen anzustimmen, 
Weil ich und du in gleichf'n Freuden schwiuuuen. 
Aria. 
Lache, schertze 
Geist und Hertze 
Dein Vergnügen bricht hervor. 
Nach den dunckel-brallnen Schatten, 
nie die Welt umschlossen hatten 
Steigt Cathrinen Nahlllens-J
icht 
Mit Auroren Glantz empor. 
Da Stadt und Flusz 
Mit Freuden angefiillet, 
Weil sie der KURZ 
Vor der Durchlauchtigstell Cathrint'n N ahmeu:-!- 
K el'tzen 


In Zucker-Rosen hüllet; 
So können unsre Hertzen 
Nicht schweigen, 
Sie wollen ihr Vergnügen zeigen. 
Aria en Minuet. 
Schertzen und Lachen verguiiget die Siullt:'n, 
Setzet die Seelen und IIertzen in Ruh. 
Freuet euch, Schwestern! verehret die Stunden, 
Die sich zu unserm Ergetzen gefunden, 
Bringet in Wonne den heut'gen 'rag zu 
Schertzen und Lachen &c. Da Capo. in Ruh. 
Wer wolte nicht 
Sich inniglich erfreuen, 
Und Seele, Hertz und Sinn zum Opfl'er weyhen, 
Dem Sonnen-gleichen Licht, 
Das von dem Stern-Gezelt 
Auf uns mit Demant-hellen Schimmer fäIt'! 
Ich meines Theils 
Will diesen Glantz in tieffster Demut f'hren, 
Und so die Stimme lassen hören: 
Aria en Poloneise. 
Nimm Durchlauchte Kayserinl 
Deiner Düna-Nymphen Lallen, 
AlB ein Demut-Opffer hin, 
Und lasz DIR die Lust gefallen, 


1721
>>>
Sprich, Himmel! ein krälftiges Amen dazu! 
Bleibe Du und unser Kayser 
AusgeschmÜckt mit Lorbeer-Reiser, 
Nichts Aey, was Euch Schaden tIm! 
Sprich, Himmel! ein krälftiges Amen dazu I 
Was Ihr wiinschet auf der Erden, 
l\1iisse Euch zu eigen werden, 
Gantz geschwind in einem Nu. 
Ümnes. Sprich, Himmel! ein krälftiges Amen dazu I 
Hierauf folget, wie gewöhnlich, die Comoedie, Tantz 
Nach-Spiel. 


1721-25 


Recit: 
Diina. 


Uiga. 


Hiina. 


'1' u tti. 


Chorus 
der Biirger. 


Chorus 
der Biirg'f'r. 


Carmina I. 


275 


Die sie hey den Strahlen hegen, 
So Dein grosses N ahmens- Fest 
Will auf all die Deinen legen, 
Und uns Freud geniessen läszt. 
Das Freud-Bezeugen ist zwar gut; 
Allein, was wird hiemit verrichtet'? 
Kichts I 
Ein Oplfer musz von uns gelifert werdelJ, 
Und was? 
Wir sind mit Seele, Hertz und Blut 
Ja unsrer Kayserin 
Leibeigen schon verpflichtet. 
Has ist gewisz; doch wird ein treuer Sinn, 
LI nd denn ein heisser Wunsch, 
Her aus der Seelen stammet, 
So angesehen seyn, 
Als wenn ein 'Yeyranch flammet, 
Drum stimmt, getreue Seelen, mit mir ein. 
Schlusz- Aria. 
Catharina unsre Freude, 
Unsre Lust und Augen-Weide, 
Lebe in erwÜnschter Ruh! 


und 


1725 Mai 30. 
6. Die Stadt Riga betrauert den Tod Peters des Grossen und be,qriisst Ka- 
tharina L zu ihrer Thronbesteigun.q. 
. 
O. Druck, fol, 3 Bliitter in lJchwarze'l1l UlIlschlagpapier. Verfasser Professor Hiirnick. 
1. BGA. 2. BStR., a. Livonica 2 fol. (2449), b. Livonica 5 fol. (2452), c. Brotze, Mis- 
cellanea 3 (2251) nr. 93. Vgl. RP. v. 22. 1tliirz, 7. April u. 28. Mai 1726. PI. B. 89 
S. 377 u. 39819. R. 90 S. 138. 


Die hey dem solennen Ehrell-Gedächtnisz des Allerdurchlauchtigsten Grosz- 
mächtigsten Käysers und Selbst-Halters vom gantzen Reusz-Lande Petri des 
Groszen Vaters des Vaterlandes Ihres allergnädigsten Käysers und Herren, 
Anno 1725 den BO. M:\ji als ]hro Höchst-Seel. M:
jeste Uelmhrts-Tage ächzende 
und hey dem geweihetcn rl'hrone der Allerdul'chlauchtigsten, Oroszlllächtigf'tf'n 
KäY8frin und aller Reuszen Relhst-Halterin Catharilla Alexewna Ihrer aller- 
18*
>>>
7(j 


Carmilla I. 


1725 


gnädigsten Käyserin und groHzeu Fmucn sich wieder ermunternde aller-unter- 
thänigste Stadt Riga. - Bey Samuel Lorentz Frölich 1. 
Bestürtzt, erstaunt, bethränt hat jiingst die halbe Welt, 
Oefliige1tes Gerücht, von Dir den Ruft' gehöret, 
Hasz Nordens gröster Prinz und Reuszlands Wundcr Hehl 
Nach hingelegter Cron der Sternen Zahl vermchret: 
nu hist dem Honner gleich dllreh Ost und \Vest Cl'klungen 
Und durch die Hertzen mehl' als Ohren durehgedrung'cn. 
Heut soll nun hey der Grufl"t die tieJr'gebiickte Pflicht 
ner trcuen IHma-Stadt ihr Thränen-Opft'er bringen. 
Ach mir armseeligsten! in dem d.ts Hertz fast hricLt, 
Wie kan der IJlasse )rund ein Grab- uud Klag-Lied singen? 
Ein Schrnertz, der Maasse kenut., Leist Brust und Auge weinen, 
1
in iihermachtes Leyd macht hcydc schiel' zu Steinen. 
Ich fühle mich also mit Wehllluht angefÜllt, 
Dasz ich mich ängstcnd scheu den Fall auch nur zu nennen. 
Der mein umbstirntef:! Haupt in dunkle Schatten hiillt, 
Mir aher kaum die Kraft't zu ächzen will vergönnen, 
Und könt ich auch ein Meer von milden Zähren geLen 
So steht doch meine 
oht durch Zähren nicht zu heLmi. 
U nschätzhahrer Verlust! wo ist der Schuz-G-ott hin, 
Des Adler so viel V olck mit muntern Fliigeln deckte '? 
\V ohin ist Reuszlalld8 Mars, des uner8chrockner Sinn, 
Macht und Erfahrenheit die tapft're 
'eill(le schreckte'! 
Wohin der Sonnen Pracht, durch die im weiten 1\ordell 
Die edle Friedens-Sonn' ist hergestellet worden'! 
Wo ist der Tiphys hin, der dich, erfreuter .Belt, 
Zu seiner Länder Heil mit neuen Segeln zierte? 
Wo der JUf:!tinian, der Rccht und Richter stellt', 
Und nur das Schwerdt zur Uach verruchten Frevels f'iihrte'! 
Wohin ist der August, der Kiinst und Weiszheit liebte, 
Und sich, als W undcrwerck der W clt in beyden iibte '! 
Her starcke Atlas zieht die lI1ittte Schultern ein, 
Was wunder, dasz Europ- und Asi:t erLebet'? 
.Was wunder, dasz das Reich scheint halb erhlaszt zu sein '? 
Indem die Seel entweicht, die es biszher belebet. 
SoIt' ich, ich ärmste, denn mich nicht zu kräncken haben? 
Mit dieser groszen Leich' halt' ich mich fast hegrahcll. 
Verhängnisz vormahls mild, izt mehr als allzuhart I 
Der Sieger liesz mir J Iuld und Kindes- Recht gellie.
.
en: 
Dem ich von dir im Krieg als J'eind geliefert ward, 
I,iesz G-nad' und Lieb' Ruff mich aus Vater-Hertzen fliesij(n: 
lzt da der Friede steht, wehr' ich mich kaum des FalleH, 
Der Landes-Vater fällt, so fehlt mir Waysin alles. 


6: 1) ]lriilil'/, erldL'll für den TJrllck f'O/l 6()(} Hi'iit-k 8 mh. RA" Belege des Kassa-Kai- 
legiu?nll 17"25, Allgemeine Ausgabetl U". 75.
>>>
1725 


Carmina I. 


277 


Ach darf verklährter Held dein winselnd Riga sich, 
Wie vor zu Deinem Thron zu Deinem Grabmahl nahen, 
So schau nl'hst Reu!:3zland!:3 Leid auch meinen Hertzens-Stich, 
Und nimm iu Gnaden auf mein hlödes Unterfahen: 
Läst Dir dein Petersburg ein Grab aus :Marmel hauen, 
So lass Dir hie ein Grab in tausend Herzen bauen. 
In meiner K inder Brust, so hart sie auch beklemmt, 
Steht dein geweihtes Billl als lebend auffgeschmücket, 
Das Seelen kräncken selbst, so sie itzt Überschwemmt, 
Hat es aufts deutlichste noch tieft'er eingellriicket, 
Kann hier dein Grab nun nicht von Gold und 
larmel gleissen, 
So kann doch diese Brust dein lebend Denckmahl heissen. 
Wie aber'! seh ich doch ein schönres Denckmahl stehn'! 
Als ich, ich stamlende, geschickt bin zu beschreiben, 
Da deiner 'l'haten Preisz ein :MausoIe läszt sehn, 
Hcm sich oie 1
wigkeit zur Schwester will verleiben, 
Und deine TrefrIichkeit, weil Erd' und Himmel stehet, 
Ihr seIhst ein Denckmahl ist, so nimmermehr vergehet. 
U nsterblich-grosser Printz! Du stirhst dem Reich allein, 
Dort schmÜckt des Himmels Dich und hier der Fama Crone; 
Und dasz auch seIhst das Reich nicht mag verwayset sein, 
Hast Du es schon geführt zu Catharinens Throne: 
I )rumb starb ich fast mit Dir, so heist Du selbst mich leben, 
Umb aus uen Trauer-Staub' ans Licht mich zu erheben. 
Ho haltet denn nunmehr, ihr bange Seuft"zer, still! 
Ha mir des Himmels Gunst ein holdes :Mutter-Herze, 

tat des genommnen Haupts und Vaters schencken will, 
Und seihst ein Labsal mischt zum aller-herbsten Schmerze 
Da eine Göttin schon uer Götter-Thron bestiegen, 
Die ihrem Petro gleich regieren wird und siegen. 


1725 Mai 30. 
7. Die Stadt Riga veranstaltet eme Tratwrfeier wegen des Todes Peters des 
Grossen. 
(). Druck, fol. 2 BliitteJ' Üt sl'1Il1'arzem UlIIschlagpupier. Verfasser Kantor u. ..1Iuaikcli- 
rektor Joh. Rinrich Beutlmer. 1. BGA. 2. BStR., a. Livonica 2 fol. (2449), b. Bmtre, 
.lliscellanea 3 (22-31) m'. 92. Vgl. RP. v. 17. April und 28. Mai 1725, Pl. B. 89 S. 399, 
B. 90 S. 138. 
)[usicalisches Opfer hey den solennen lhequien des Allerdurchlauchtigsten 
Groszmächtigsteu unu Uniiherwindlichen Petri des Groszen, Kaysers und Sou- 
verains vom gantzen Ruszlande etc. etc. etc. Vatem des Vaterlandes 1 als selbige 
den 30. Nfaji 1725 mit der gröszesten devotion in der S. Petri Kirchen zu Higa 
feyerligst hegangen wurden, auf Befehl K W uhlB(llen Rahts demiihtigst ange- 
zündet \'on Johanll Hellrich Beuthner C. & Dir. )[usices hieselhst. - Bey Sa- 
lIIuel Lorentz Frölicb 2. 


7: 1) B. I 651, 
. !) /?rölich erhielt tur den Dmck VOll 600 Stiick 8 Rth. RA., Be- 
lege des Kassa-Kollegiums 1725, Allg('rn('ine Altsgal/cn 1U". 75.
>>>
278 


Carmina I. 


1725 


Accompagnement. 
Ihr Tannen heult! 
Die Ceder ist gefallen. 
I
in winselndes Gethösz 
)Iit wiederholten Schlucksen ulltennischt 
So bald zusammen, bald zertheiIt. 
Bald wiederum durch Ach und Weh erfrischt 
Sich in ein fürchterlichs Geräusch verkehrt, 
Wird unserlll Jammer-Stand gemäsz, 
In Ruszlands weitem Staat gehört. 
Ach! ach! die Ceder fällt! 
Die einen groszen 'l'heil der regen Welt 
.Mit ihrem kühlen Schatten hat erquickt. 
Die Ceder fällt! 
Ob deren Fall 
Ein gantzes Käyserthulll erschrickt 
Eill mächtigs Reich erbebt, 
Und in demselbell überall 
Der feste Grund berühmter Städte schüttert. 
Wer ist der nicht erzittert '! 
Den solcher Fall nicht innigst kränkt.! 
Der nicht die halhgelähmte Zunge heht, 
Und dieses vorzubringen denckt? 
Aria. 
'l'ieffe Seutl'tzer, banges Ach 
Aus der treuen Brust gebohren 
Ihr, ihr zeigt, was wir verlohren 
Weil den Kummer auszuschütten 
Uber das so wir erlittell, 
Thränen-Saltz viel viel zu schwach. 
Tieffe Seußtzer etc. Da Capo. 
Recitativo. 
Gar zu empfindlicher Verlust! 
Da unsre hohe Ceder fällt, 
Die Ruszlands Groszer Petrus vorgestellt j 
Indem er lehende Sein gantzes KäyserthulIl 
Zum Wunder vollen Lihanon gemacht 
Des Tapferkeit, Gerechtigkeit unu Giite, 
Des Weiszheit, Vorsorg, väterlichs fiemiihte, 
Noch keiner eigentlich genug bedacht: 
Des nie gellug erhobner Ruhm, 
Gleich Cedern-I..aub, gantz unverwelcklich bleibt, 
Und sich illl
 Buch der I
wigkeit, 
Ja in der treuen Untertllanen Eru::!t, 
So lange Zeit noch Zeit, 
Zum auserlesnen ßeyspiel schreiht. 
Aria. 
In dieser Brust, in diesel' Seele, 
meiLt ewig sein Gedächtnisz stehn 


....
>>>
1726 


Carmina I. 


279 


Durch Krafft von Seinem Cedern-Oehle 
)IuBB die VerweBung sich entziehn 
Unu Bammt der Zeiten Rost entßiehnj 
Drum kan es nicht vergC'hn. 
In dieser Brust etc. Da Capo. 
Will uns nuu gleich 
Krafft und Geschicklichkeit gebrechen, 
Des Groszen Petri Helden-Preisz, 
J)er Ihm gantz eigen war, 
Der Nachwelt zum Beweisz 
V ollkömmlich auszusprechen; 
Wird er doch darum nicht vergehn, 
So lange Sein erweitert Reich 
Zusall1mt den Rund der Welt wird stehn. 
Di{';i ist es so den Schll1ertz in etwas lindert, 
Das überhäuffte Seufftzen mindert, 
Und uns mit ziemlich aufgerichtem Gei8t 
Zu Seinem Leich-Geriiste weist; 
Daselbst mit tiefgebeugtem Fusz 
Von den erblaszten Vater-Wangen 
Den letzten Abschieds- Kusz 
In tieffster Demuht zu empfangen 
Aria Tutti. 
Theure Zierde deines Laudes, 
Groszer PetruB, ruhe wohl! 
Du bist jetzt der LaBt entrücket 
Die Dich als :Monarch gedrücket, 
Wenn Du manchen Tag und Nacht 
Für des Reiches Heil gewacht: 
Nimm an statt des Gegen-Pfandes 
Diesen letzten I..iebes-Zoll. 
Theure Zierde etc. Da Capo. 
Erlaube nun, Entschlafner Saloll1on, 
Dasz wir von Deinem Heldengrabe 
Nach vollenzogner letzten Pflicht 
Zu unsrer Groszen Catharinen Thron, 
Und Ihrem hellen Licht, 
In Unterthänigkeit uns kehren 
Und solchen Wunder-GIantz verehren 
Doch viel zu blödes Augl Was wilst Du wagen? 
Wilst Du vom Adler seyn? 
Der eintzig solchen Strahl und Schein 
Vermögend zu ertragen. 
Ach nein I 
Was uns gebricht, 
Ersetzt, Groszmächtigste der Frauen, 
Das mehr als kindliche Vertrauen, 
So schon vor langer Zeit 
Dir unsrer Landes-Mutter wal' geweiht. 


....
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280 


Carmina I. 


1725 


Aria. 
Kein Adler kan was gleichcrs zeugen, 
Kein Phoenix ähnlicher aus seiner Asche steigen 
Als unsre grosze Käyserin. 
BegHicktes Land hör auf zu klagen, 
Du darfst dich ohne Scheu zu diesel' SOI.Illen wagen, 
Hrum wirff den Kummer hin. 
Kein Adler etc. Da Capo. 
So können hier, bey traurigen Cypreszcn, 
}Iit Recht auch Freuden-Palmen stehen, 
Wenn wir des Allerhöchsten Gnad ermeszen, 
Womit er, mitten in der Trauer-Nacht, 
Uns väterlich bedacht, 
Und liebreich angesehen. 
Der stärcke Sie, Durchläuchtigste Gebieterin, 
Mit Kraft'! von seinen Allmachts-Höhen, 
Dasz Sie den Zepter glücklich führe, 
Und Ihr vou Gott verliehnes Käyserthum, 
Zum unverwelcklichen Gewinn, 
Die Zucker-Früchte Ihrer Huld verspühre, 
80 hoffen wir gewisz eiu güldnes Seculum. 
Aria Tutti. 
Lche siegreich I Lebe lange I 
Grosze Käyserin und Frau: 
Leb I zum Wachsthum und Gedeyen, 
Leb! zu Deines Reichs Erfi'euen, 
Dasz es immerdar empfange 
Deiner Gnade :Mayen-Thau. 
Lebe siegreich! Lebe lange 
Gl.osze Käyserin und Frau. 


1725 November 24. 
8. Die Stadt Riga begrilsst durch ihren Deputie'rten Ratsherrn M. (Jaspari 
die Kaiserin Katharina L zu ihrem Namensfest am 24. November 1725. 
O. Druck, 1 Blatt 'lIlit golt/mett Randleisten, VerfaHlJer: l-Vaisenherr Haltermann. 
1. BGA. 2. BBtR., Livonica 2 fol. (2449). 3. Gro8se Gilde, Archiv II351. Vgl. B. 1I 
45 u. RP. v. 27. Okt. 1725, PI. B. 91 B. 118. 
Demiihtigstes Freuden-Opfrer 
der Allerdurchlauchtigsten Groszmächtigsten Kayserin und Grossen Fraueu 
Catharina Alexewna, 
Souveraine vom gantzen Ruszlande, &c. &c. an Bero hohem N;thmens-Feste in 
aIlerunterthänigster Devotiou gebracht vou 
Dero getreuesten Stadt RIGA. 
Auf! RIGA streiche nur den Schlummer vom Gesichte, 
nie Demmerung verflieht, es ist Aurora da, 
Der Himmel deines Staats wird ungewöhnlich lichte, 
Und dein beglückter Tag ist mehr als allzu nah, 
Ein Tag, der sich nach Nacht und Nebel neu gehif'hret, 
Und ein gedoppelt Licht um deine Gräutzen fiihret. 


....
>>>
1726 


.... 


Csrmina I. 


Ja, Ja., der Nehel ist zusamht der Nacht verschwunden, 
Weil CATHARlNBNS G1antz was seltcnes vermag, 

Iacht gleich die Sonne jctzt 1Iur wenig hellc St.undcn, 
Wiirckt doch Ih l' Gnaden-Htrahl heut deincn längsten Tag, 
D('r Einflusz läst dich schon von so geneigten Hternen 
Dic künfft'ge Witterung von deinem Schicksahl lernen. 
Wer PETRJ Thaten zählt und Alexanders Siege 
Wird in Verwunderung, und auch im ZweifreI stehn, 
Wer doch an 
facht und Muht den amIern überwiege, 
Allein am Ende läst sich Leyder Gleichheit sehn, 
Da Alexandel' so, wie PETRVS beym erhlassen 
Dem Allerwürdigsten die Crohne wollen lassen. 
Durchlauchtigst Grosse Prau, Du Preisz der Uerohmen 
Die Tugend 'Witz und Recht mit Crolmen hat vermählt, 
V oUkomm'nes Muster-Bild der wahren Huld-Göttinnen, 
Die ihre Tage hlosz nach \Volthats-Proben zählt 
nie nach der Völckpr He)'l des Scepters Grösse preiset, 
Und an 1 hr selLsten schon die Kunst zu herrschen wciset. 
Durchaus beglücktes Land! vergnügte Unterthanenl 
Da ein so holder Zwang euch eure Fessel würckt, 
Der Reussen Adler ist mit lauter Liebes-Schwanen, 
Und der Astraeen Bild mit Gratien umzirckt, 
Fiihrt diese gleich das Schwerdt, und jener Strahl und Blitzen, 
So ist dic Deutung doch; Euch mächtiger zu schützen. 
Es musz Groszmächtigste dein Schlosz der Ehren daurcn, 
Weil dein Verdienst dazu den ersten Stein gelegt, 
Des V olckes treue Brust ist statt hewährter Mauren, 
Und deine Groszmuht macht das Gliicke unbewegt, 
So kan die Welt mit Recht, Dich, Kayserin der Reul:!scn 
Und Selbst-Erhalterin des gantzen Reiches heissen. 
Du wirst uns (: näd igste den theuren V ortheil gönnen, 
Dasz bey gemeiner Lust oh solcher Nahmen Pracht, 
Dich nur dein RJGA darff als Landes-!Iutter nenncn, 
Es ist ihr ja dal:! Recht der Kindschafft zugedacht, 
Und fehlt sie heute gleich im strauchlen und beym lallen, 
So lasz die Zuversicht nil' dennoch wohlgefallen. 


Erlaube GI' 0 S s e Fran uns deinen Saum zn küssen, 
Hey dessen Schatt.en sich das Rt'ich erqvicken kan, 
Und weil die lIertzen Dir sieh gantz p;eeignt't wissen, 
So nimm die l
rstlinge von ihrem Opfrer an, 
nie Seuft'tzer, die allitzt aus froher Ehr-Furcht steigen 
Sind Zeichen deiner Huld, und unsrer Liehe Zeugen. 
() Himmel! setze doch den CA'I'HARINENS-Nahmen, 
Als einen Siegel-Ring von deinem Gnaden-Hund! 
}Iaeh ihrer Thaten Ruft', deu Preisz von ihrem Saamell 
Zum Wunder deiner )Iacht, der Hpäten 
achwelt kund, 


281
>>>
282 


CarminB I. 


1725-26 


LaBz CATHARINENS Tag UIIS heute zum Erfreuen 
Und zum Gedächtnisz-Fest der güldn en Zeit gedeyen. 
RIGA, hey Samuel Lorentz Fl'ölich, Anno 1725 1 . 


1726 November 24. 
9. Die Stadt Riga bcgriis.;t durch ihren De-putierten Ratsherrn .M. Caspari 
die Kaiserin Katharina zu ihrem Namenstage am 24. Nov. 1726. 
O. Dnt('k, 1 BogCl/./;eitt', '101'11, mit g"ldel1C1
 Randleistelt, ohne Druckort und Jahr, Ver- 
faBser: Gerichbtl'()gt H(/lta"/IJ(/l1n. I. RaA. 2. BStR., Livonica 2 fo/. (2449). Vgl. RP. 
v. 16. NOl'. 1726, PI. B. 93 S. :JOO u, B. 11 116. 
Verneurte Frcudc ßey der Allcruurehlauehtigsten Uroszmächtigsten Kay- 
serin und Grossen J'r:Ulen Catharilla Alexewna, :;ouveraine vom gantzen Rusz- 
lande etc., etc. Anno 17::?6 Oliicklich erlehtem N:thmens-Feyer In tieffester Deh- 
muht cntworft'en Von Dero Getreuen Stadt Riga. 
Wann dieser Gliickes-Tag, da
 Auge unsrer Zeiten, 
Auch Deinen nüna-Strand mit regel' IJust erfrischt 
Unu ihrer Nymphen Chor sich mit verstimmten Sayten 
In den erfreuten Thon belebter Flöten mischt 
t;o dulde Grosse Frau den angewehnten Fehler 
Die Sonne seIhst verträgt den Dunst geringer Thäler. 
Du bist DUl'chlauchtigste des Reiches Licht und Leben, 
Der Deinen Schutz-Gestirn, l
uropens Gunst-Gewinn, 
Der welcken Zweige Kraft"t, uie Stiitze schwacher Rehen. 
Kurtz; es besteigt den '1'hron nur eine Kayserin: 
Von Deren Eigenschafft in einem Punct zusammen 
Licht, LebelI, Schutz, Gewillll, Krafft, Stiitze, '1'hronen stammen. 
Es stützet sich Dein Thron auf Seulen wahrer Rechte, 

icht auf geborgte A-Iacht, noch eig'ne Eyfersucht, 

icht auf den Neigungs-Zwang der Dir verbundnen Knechte, 

icht auf der Feinde BIut, noch der bedrängten .Flucht, 
Nicht auf die Lust-Begier verwegner Waffen-Züge, 
Neill; in der Groszmuht steckt der V ortheil Deiner Siege. 
:Besiegte Völcker! sprecht, wie süss sind doch die Bande, 
Die euch Irenen8 Hand au
 giiIdnen Fäuen schlingt'! 
Sprich seIhst du edle Schaar von diesem Lieven-Lande, 
Oh nicht die Liehe mehr als die Gewalt bezwingt'! 
Wie Riga! wiItu wo in Sorg' und Zweifi'el 
chweben'! 
Vielleicht wird heute dich ein Blick, ein Wort hel eben. 
Dein Blick, Groszmächtigste, würckt wie geneigte Sterne, 
Im Cörper unsres Staats den rechten Nahrungs-Safi't: 
Dein Ja zu unsrem Wunsch entschattet schon VOll ferne 
1m neu-veljüngtem };'lor, Raht, Bürger, Kauffmallschafft, 


8: 1) Fr/Jlif'h er1delt für dJ!n Druck 7 Rth. Alb. RA" Belege tlell KaBlllt-Kollegiu1nB 1725. 
Al1gem. AUHgabe1& nr. 192. DUBclbHt nr. 189 Rechnung des BuchbinderB Dachau Über 6 Rth. 
Cour. 32 J'[ark und nl'. 193 Rechnung von Joh. Hollander über 18 Rth. Alb. 18 3 /4. GI'. für Papier, 
AtlaB 1 Lsppy reich GI/lU l:stoff, 3 1 /1! Loth g-olll. MlLssiv spitzeIl mit ealltil
en a 11/2 Rth. 11. 
IIndereB. 


......
>>>
1726-28 


Carmins I. 


283 


I 


Es kan durch eiDcn Winck au!:! «Jen vel'worfTnen Steinen 
Auch Deine Düna-Stadt von neuem )Iarmel scheinen. 
Doch kühne Feder, halt! du möchte8t uich versteigcn, 
1st doch des Landes Heyl ihr eintzigs Augen-Merck: 
Brich deine lJoffnun
 nur durch ein gelasz'nes Schweigcn, 
Und !:!chaue Peters-Hurg das achte Wunder-Werck, 
Du kanst aus dessen Risz, dem lleyspiel dieser Thaten, 
Schon deiner Göttin Schlu8z von deinem Wohl errathen. 
Da ist uer Angel-Stern entlegener Provintzen, 
In ihren Inseln ruht das rechte güldne Vliesz, 
Da ist der Auffentlmlt, der Himmel grosseI' Printzen, 
Her Künste Sammel-Platz, der Augen P:tradiesz, 
f)je Staats- und Krieges-Schul, der Tugend Ehren-Bühne 
Wer würckt dann dieses GUick'? Bs herrschet Catharine. 
Sie herrscht und macht zugleich aus ihren Nordens-Creysen 
Der Weiszheit Iun-begriff' und der Gelehrten Sitz, 
Brneurtes Griechenland! Ihr aU8erles'ne Weisen! 
Rühmt Ihr 
[inerven Gunst! Uns starret Aug und Wit.z, 
Von diesem Götter Thron, von solchen Wunder-Dingen 
Darff nur das Musen - V olck in ihren Reyhen singen. 
Hier wirfft die Dehmuht sich gehücket zu den }i'üssen, 
nie Binfalt opffert hier den stummen l.iebes-Zoll, 
nie I
hrfurcht sehnt sich bIosz in Deine Hand zu schliessen, 
Die Andacht seuffzet nur vor Uatharinens Wohl, 
Die Treue aher weyht mit ihrem Siegel-Ringe 
Dir Hertzen Gut und Blut zum steten Leih-Gedinge. 


1728 Oktober 12. 
10. Die Stadt Riga lJegliickwü-nscht durch ihre'lt Deputierten Ratsherrn .Jf 
Caspari den Kaiser Peter 11. zu seinem Geburtstage. 
O. Druck, 2 Blatt fol. mit Vigl/etten verziert, ohne Druc1wrt u. -jallr. Vt-rffllJ.er Ge- 
richtsvogt HalterllllllUt. Ba...1. Vgl. B. 11 2112. In RP. nicht erwiihnt. 

'reuden- und Liebes-Zoll, welchen dem AlIprdurchlauchtigsten Groszmäch- 
tig8ten und Unüherwindlich8ten KaY8er und Gros
eu Herren Petro 1] Kayser 
und Souverainen vom gantzen Rllszlamle etc. etc., An Dero höchstel'Ü'eulichem 
Gebullrts-Tage Anno 17
8 d. 12 Octoher In unterthällig8ter Devotion abtragen 
sollen nie frohlockende Staut R.ig:t. 
Verzeih Oro:3zrnächtigster, wann ein geheimer Zug 
)Iit reitzellder Gewalt die Ohnmacht seUI:-It belebet, 
Und unHre Blödigkeit nach Deinen Adlers-Flug 
Aus trüber )-litternacht gen 
[Ol'gen sich erhebet, 
Da Strahlen frischer Oluht in unsrem Kreisz der Zeiten 
Die künfft'ge Witterung und gute Tage ueuten. 
Ja, Ja, Durchlauchtigstel', jetzt ist der frohe Tag, 
Da Dich da8 erste Licht und ] hl das Reich erfreuet, 
Der Tag, der auch zugleich der Aderll Seiger-Schlag 
In Deiner Knechte Bluht mit regel' Krain erneuet,
>>>
.284 


Carmina I, 


Da der verjüngte Lauff von ihrer Landes-Sonnen 
In unsrem Zeiten-Buch ein neues Jahr hegonuen. 
Wann gleich der Fürst des Lichts in dieser Unter-Welt, 
(;emach die 'I'age kürtzt, indem Er abwärts steiget, 
Bleibt nur Dein Götter-A ug Durchlauchtigst-grosser Held 
Ha sich dein GIantz erhebt, zu uns herab geneiget, 
Wird unser Gliickes-Stern von keinen Finsternissen, 
Und unser Horizont von keinen Nächten wissen. 
Der Cörper Heines Staats emvfindt von Heiner Krafft 
l.icht, Leben, Wachsthum, Lust, Gedeyen, Pracht und .Fülle, 
nie sallft"te Herrschens-Art würckt die Leibeigenschafft, 
Und das gemeine Heyl Hein unulUschränckter Wille: 
Hey so vollkommnem Strahl und zärtlich reiffem Alter 
Ilcist Dich Natur und Recht dm' Reussen Selbst-Erhalter. 
Hel' Scepter, den Dein Arm recht und gerade fiihrt, 
gntlehnt von Deinem Werth den Glantz und das Gewichte, 
Oie Crone, die Du mehl', als SeIhe Dich geziert, 
rrangt zur Verwunderung in dreyfach-schönen Lichte 
Zur ersten hatte Dich schon die Geburth erhoben, 
Zur andren Dein Verdienst, die dritte kam von oben. 
Wann viele theils durch List, durch Bluht und Tiranncy, 
Theils mit erkauffter Gunst um Cron und Scertcr werben, 
Und andre von dem Glück und ihrer Ahnen Reyh, 
Zwar Titel und Gewalt, nicht UUhIll und Liebe erbeu 
So hat bey Deiner Wahl kein blindes Loosz gefehlet, 
Das V olck hat Jich erseuffzt, der Himmf'1 Dich erwehlet. 
Hurchaus begliickte Wahl! da Himmel und Natur 
Hir selbsten einen Weg zum Ehren-Tempel bahneu, 
Wir sehn im Geiste schon, Du folgst der Helden-Spur, 
Du übertriffst das Ziel der theur gepriesznen Ahnen, 
Achillens Todten-Rild erweckte Alexandern, 
Des Ersten Peters Geist erwachet in dem Andel'll. 
Wie }lemnons Säule dort mit seltner Liehlichkeit, 
Erthönete, gerührt vom frühen Sonnen-Strahle, 
So so belebt Dein Blick im Morgen Deiner Zeit 
Hes Grossen Peters Ruhm und Heine Ehren-Mahle 
)[an kan aus seiner Grufft und Todten-Asche lesen, 


in Phoenix hleibe nur, wie J
l' zuvor gewesen. 
Jedoch befasse dich, verwegner Kiel, wohin? 
Nur ein Al'elles mahlt das Wuuder jener Griechen, 
Für Peters innren Werth und dessen I
ob-Gewilln, 
.\[usz diesel' Schatten-Hisz beschäm('t sich verhiechen 
.Ja wann wir Seinen ltllhm bisz auf das höchste tl'ieheu, 
So wäl' er zwar genandt, doch aber nicht heschrieben. 
Indessen, ö Monarch, da wir Dich nicht erreicht, 
Noch Heinen Unhm gefaszt in diesen Blättel'-Schl'ancken, 
WaIln diesel' A hdl'uck gleich nicht Beinern Wesen gleicht, 


1728 


....
>>>
1728-30 


Carmina I. 



85 


So spiegle Dich dennoch in uusereu Oedancken; 
Bs wird der Wiederschein in diesen Schatten- Kreysen, 
Zwar Deine Gl'össe nicht, doch unsre Liebe weisen. 
nie Liebe, welche schon den ersten Uhrsprung hat, 
Seit dem Du Grosser Priutz an diese Welt gebohl"en, 
IHe Liebe, die nachher in Deiner Düna-Stadt 
nie Hertzen Dir geweyht, die Lippen Dir geschworen, 
Die Liebe, welche Dir so Guht als Bluht verpfändet 
Und sich nicht ehen der als mit dem Leben endet. 
Wann sonst das Altel'thum mit Wein und Blumen ptlag 
Am 1'age der Oebnhrt den Schutz-Geist zu beschencken, 
Was schenckt dem Himmel dann, 6 Riga, dieser Tag, 
Dcr unser Gliick gebiehrt, zum Danck und Angedencken? 
Gieb ihm das rcine Nasz von Deinen li'reuden-Trähnen 
Und statt der Blumen Hauch ein Andacht-volles Sehnen. 
Lasz doch fJ grosses All! sich Deinen Huaden-Schein, 
Mit diesem Tages-Licht und Petri G lantz vereinen, 
Lasz seinen Trolm auf nuh und Recht gestützet seyn, 
Und uns zur späten Zeit ues Reiches Sonne scheinen 
So rechnen kiinfrtig wir von Heineu Morgen-Strahlen, 
Den Auft'gang unsrer Lust und unsre Gliickes-Zahlen. 


1730 A.pril 26. 
11. Die Stadt Riga v&ranstaltet eme Trauerfeier wegen les Todes Kais&r 
Pet&rs Il. 
O. Druck, 2 Blatt fol. Verfasser: Joh. Hinr. Beuthlter, gedruckt: Riga, bey Sanmel 
Lorelltz FriJlicl1, ohne Jahr. 1. BGA. 2. BStR., Brotze, Jliscellanea 3 (2251) nr. 26. 
VgI. RP. v. 22.. 25., 26. April 1730, PI. B. ....CJ8 S. 384-387. B. 99 S. 5--7. R. LI .'109. 
B. III S. 49. 
Klage bey den Bxeqvien des 'Veylaml Allerdurchlauchtigsten Groszmäch- 
tigsten Grossen Herrn Petri II Kaysers und Selbsthalters aller Reussen etc. 
etc. etc., Als selbige lm Jahr 17;\0 den 26. April in der Haupt-Kirche St. Petri 
feyerlichst gehalten wurden, Auf Befehl Es. W ohl-Edl. Raths dieser Kayserl. 
Stadt Riga In einer Cantata Allerdemühtigst entworfi"en und in die Musiqve ge- 
hracht von Joh. Hinr. Beuthner Cant. et Chori ){us. Rig. Dir. 
Diina-Stl"and Gekräncktes Reussen-Land I 
Accompag. Das Schmertz auf Schmertzen fiihlet, 
Das, wenn es kaum sein Wünschen hat erziehlet 
Schon wiederum mit einem Thränen-Gusz 
Den ihm entrisznen Trost beweinen llIUSZ; 
Schau hier I Dein treuer Diina-Stranu 
Vereinigt seine bittre Klage 
Mit deinem Jammer-Ton 
Er will, an diesem hohen Trauer-Tage 
Ob den Verlust, den er zugleich erlitten, 
Sein Thränen-Saltz zu deinen Zähren schiitten 
Und läst, geurängt ,"on }[itlt'yu-vo]]em Grämen 
SicL so vernehmen: 


....
>>>
286 


(Jarmilla 1. 


Aria. 
Würdigs Reisz der hohen Cedfl', 
Deren Fall man noch beweint. 
Statt dasz man von deinen Zweig-en 
Sich den Schatten jetzt versprach 
Ach! so mnste nach und n:tCb 
Dein selbst-eigner Saftt verseigen 
Ehe als man es vermeint 
Würdigs Reisz etc. 
Du warst, entseelteter Monarch, 
Recht eigentlich 
Dem Feigenbaume gleich, 
An dem die Früchte sich 
Sogleich ohn irgend ein 'ge Blühten zeigen. 
Das, was die gantze Welt 
Als Klugheit, V orsorg, 

insicht, 'l'ugend, 
Am Grossen Petro hat gepriesen 
Was Catharina uns an Huld bewiesen, 
Und jeder noch bewunderns-würdig hält, 
Has hat hereits in Deiner Jugend 
Dein weites Ueich, 
Nebst mir, in den beglückten Stunden, 
]Ja Du die Crone tl"llgst empfunden. 
Dein Riga weisz genug hiervon zu 
ag"en j 
Drum stimmt es den gerechten Klagen, 
V Oll diesell Fall I,ufs heft'tigste geriihrt, 
1n tiefster Dt'muht bey 
Und sucht nach seiner Treu 
In ein und andern Stiicken 
nen Schmertz, den es verspührt, 
Mit mir bestmöglichst auszudrücken. 


Düna-Str. 
Riga 
Alle beydf 
Riga 
Düna-Str. 
Riga 
nüna-Str. 
Riga 
Alle beyde 
Riga 


Düna-Strand und Riga. 
Aria a 2. 
Meine Sonne. 
Meine Wonne. 
Ach mein Schutz-Gestirn entweicht! 
Meiner BÜrger sichrer Schild 
Meines U eberwinders Bild 
1st dahin! Düna-Str. vergeht, verbleicht! 
Meine Sonne 
Meine "Tonne 
Ach! mein Schutz-Gestirn entweicht! 
Jetzt eben, da ich hier, 
)[it deinen Knechten, meinen Söhnen 
Dein Kayserlichs V ermählungs- Fest 
Bey lauter Jubel-Tönen 
Bald dachte zu begehn, 
80 ists bereits um Dich geschellDj 
Und lllUSZ ich Dir 


Da Capo. 


1730 


J 


I 
!
>>>
1730 


Carmin8 1. 


Mein theurer Kayser 
Statt angenehmer Myrthen-Reisel' 
o herbes Leidl 
o Jammer! vor der Zeit 
Der letzten Pflicht und Liebe schmertzlichs Zeichen 
Mit Thränen- Thau besprengete Oypressen reichen. 
Wohlan denn, da des Allerhöchsten Rath 
Mir diesen Trauer-Tag verhenget hat, 
Der nicht, wie ich gewünscht, zu ändern ist, 
Und Du, 0 angenehmster Held, 
Der Welt 
[jnd allem Irdischen bereits entrissen bist: 
Ho kommt, ihr Bürger, die ich hege, 
Beweint mit mir die uns entzogne Pflege. 
\Viewoh], ich höre schon ein wimmerndes Getön 
Und sehe euch herf'its vor meinen Augen 8tP]I1I. 
Di'ma-Str. Ich stimme gleichfalls mit euch ein 
Und will mit nichten hier der letzte se)'n. 
Di"lna-Str. u. Higa neust dem Chor der Biirger. 
Aria Tutti. 
Printz! der Deinen Augen-Weide 
Aller treuen Reu8sen Freude 
'fheurer Petrus, schlaffe wohl I 
Unser Mund, der Dich gepriesen, 
Oh der Gnad, die Du bewiesen 
Hieser Dir ergebnen Stadt, 
Rufft, von hei8ern Seufftzen matt, 
Jetzt nur diesz gantz Wehmuths-voU: 
Priutz I der Deinen Augen'-W eide 
Aller treuen Reusseu Freude, 
Theurer Petrus, Rch]affe woh]! 
Diina-Str. Nunmehr erhole dich, 
Hieb dich zufrieden 
Gekränckte Stadt, betrübtes Land! 
Es zeiget sich 
Ein neues Sonnen-I.icht 
Has durch die Trauer-Wo]ken bricht; 
Das auf sein Reussen- Reich 
Mit froher Wonne strahlet, 
Und deine Gegend wie vorhin 
Bereits Vergnügungs-voll heIllßh]et. 
Schau deine neue Kayserin, 
Die dir des Höch8ten Haud 
Zu deinen Trost beschieden 
Und in Ihr auch zugleich 
Dein neues Leben an. 
Aria. 
Holdester Strahlen anmuthigster Schein 
Brich erfhmt 


287
>>>
288 


()armina r. 


1730 


Heyde 


Hrich vergniibrt zu uus herein. 
Dasz sich die W olcke auf ewig verziehe, 
Die dem verlasseneu Landt' zu fl'iihe 
Seiuen Untergang gedräut. 
lIoldester Strahlen etc. Da Capo. 
Ri
a Ja, ja, ich sehe Bchon 
Von l\[oscaus fernen Hräntzen 
j)er theurstt'n Anna Huld als meine Sonne gläutzeu 
Darum wird meine Brust 

o, wie der Bürger Hertzen 
Nach etwas iiberstandnen Schmertzen 
Von ungewohnter Lust 
Auffs heftigste gerühret und bewegt, 
Dasz jeder unter uns vor Ihren Thron 
Sich kniend niederlegt 
Und um Ihr hohes W ohlseyn zu erbitten 
Den reinen 'Vunsch sucht auszuschütten: 
Hiina-Str. u. Itiga nebst dem Chor der Bürger. 
Aria Tutti. 
Anna hersche! Anna lebe! 
Siegreich und beglückt! 
(iottes Macht steh Ihr zur Seiten; 
Seine Güte, seine Treu 
Welche alle Morgeu neu 
Sey und l)leib auf lange Zeitt'n 
Bey Ihr unverrückt! 
Anna hersche! Anna lebe! 
Siegreich und heglückt I 


Alle 


Hüna-Str. 
Riga 


AUe 


1730 April 25. 
12. Die Stadt /liga beglückwünscht durch ihren Deputierten /latsherrn /.1. 
Caspari die Kaiserin Anna zu ihrer Krönung am 25. April 1730. 
O. Druck, 1 Bogenscite fol. Verfu8ser Gerichtsvogt llulterlllCIIIn. D1'U('kort fehlt, -jahr: 
Anno 1730. 1. BGA. 2. BStR.. Brotze, ]1{Üleellanea 3 nr. 28. Vgl. B. II 310. 314 -u. 
HP. v. 2. u. 4. April 1730, Pt. B. 98 S. 368. 391. 
Frohlockendes Vivat All dem hochfeyerlichen Krönuugs-Feste Her Allerdurch- 
Jauchtigsten Groszmächtigsten Kayserin und Grossen I'l'aueu Anna, Selbsthaltf'rill 
von gantzem Reuszlande etc. etc. etc. aus hocherfreuter Seele ausgerufl'en von 
Ihrer Kayserl. Majestät allerunterthänigst-getreu8ten Stadt Rig-a. 
Brich holder Freuden-'rag durch Nacht und Trauer-Flor! 
Mit Deiner Sonne bricht die neue Landes-Sonne 
An Reuszlands Firmament in heitrem Glanz hervor: 
Hie Krone ihres V olcks, so vieler IJänder W Olme. 
Die vierte Huld-Göttin, die Würdigste der Erden, 
nie grosse Kayserin soll heut gekröhnet werden. 
Dem Jauchzen dieses Tags ist 
[oscau viel zu klein; 
Die Freude fliegt und wächszt mit Meilen und mit Städhm. 
Sie dringt auch wie ein StI-ohm in unsre Mauren ein: 
Die Mauren? N eiul Sie will in .Bluht und Adern treten,
>>>
1730-31 


Cllrmina r. 


289 


Wer nur in Riga redt, ja wer auch nur kan lallen 
I
ä::lt in entziickter LU::lt uie frohe WÜnsch' erschallen. 
GIOl'würdigste vergönn, dasz diesel' treuen Stadt 
Frohlockend Vivat sich in Moscaus Jubel menget, 
Und unsre Lieb und Pflicht durch dieses schlechte Blad 
In tieffedter Dernuht sich zu Deinem Throne drenget: 
Dasz sie sich diesen Tag der Blödigkeit entreisset, 
Der billig ein PrOI)het von ihrer Wohlfahrt heisset. 
Dies ist die erste Stadt, die Du als Kayserin 
In Deinem weiten Reich' in Gnaden angeblicket, 
Drum eilet sie getrost zu neinem AntIiz hin, 
Das gegenwärtig sie 80 Huldreich hat erqvicket, 
Um das getreue Herz, so ihre Kinder hegen, 
Mit Freuden- Thränen Dir zu Fiissen hinzulegen. 
Sie biicket sich vor Dich und den lJestiegnen Thron 
Gesalbte Majestät: Sie siehet, sie hetrachtet 
Den Schimmel' und die Pi'acht der auffgesezten Kron, 
nabey sie sich zugleich und Reuszland gliicklich achtet, 
Dasz ihrer Schuz-Göttin vollkomnUle Kayser-Gaben 
Weit einen schön ren Glanz, als diese Krone, haben. 
In Deiner Krone Gold sieht sie die giHdne Zeit, 
Und wie das Reich gefüllt mit tau8end Segens-Kronen, 
Wie kiinft'tig grosz' und klein', herzinniglich erfreut, 
Bey Deines Scepters Schuz in Ruhe werden wohnen j 
Sie siehet Gliick und Heil gleich Bächen sich ergiessen, 
Und, wie in Canaan, die Honig-Ströhme fliessen. 
Monarch der ganzen Welt, du gröszte Majestät, 
Der du alleine kanst die l\fajestäten geben, 
Schau wie der Andacht Feur zu Deinem Throne geht, 
Wie Wünschen und Geschrey zum Himmel sich erheben, 
Bestätige, was heut im ganzen Reich erthönet, 
So hat selbst deine Hand die Majestät gekrönet. 


1731 Februar 3. 
13. Die Stadt Riga begrüsst durch ihren Dep7ttierten Ratsherrn M. Caspari 
die Kaiserin Anna zu ihrem Namenstage am 3. Februar 1731. 
O. Druck, 1 Bogenseite hoch, mit goldnen RandleistClJ, olme Dl'u('kort und -jahr. VCI'- 
(t.18Ber: ObergeBetlherr Haltennann. BGA. Vgl. RP. v. 26, u. 30. Dez. 1730, 13. JaIJ. 
1731, PI. B. 100 S, 46. 4819. 65. 
Allerunterthänigstes Heb -Opfrer, Welches An dem höchsterfreulichen Nah- 
mens-Tage Der Allerdurchlauchtigsten Groszmächtigsten Kayserin und Grossen 
Frauen AnDa loannowna, Selbsthaltm'in vom gantzen Reuszlande, etc. etc. etc. 
Anno 1731 den 3. Februarii Aus innigst-geriihrtem Gemiihte llarreichen sollplI 
Ibro Kaysed. Majestät Gehorsamste und getreue Stadt Riga. 
Huldreichste Kayserin I wofern ein schlechtes Blat 
Bey der zu Beinem Dienst geweyhten Opffer-Mengej 
Bey allem Jubel-Ruft' und schimmernuen Gedränge 
l'ioch irgend einen Raum zu Deinen Füssen hat, 


19
>>>
290 


C8rll1illB I. 


So wird der Schatten- Risz im Gegew,)tand vergiildet, 
Weil Hertz und Feder nichts als Deinen Namen bildet. 
Es lebt Dein Göttlichs Bild bey der veljüngten Zeit, 
Da Deine Majestät zuerst auf uns gehlicket, 
Zuerst dis frohe Fest und diesen Strand beglücket 
In unsern Sinnen auf mit neuer Munterkeit, 
Wir sehen abermahls in Anna Adlers-Flügeln 
Sich ein (Gott lob I nunmehr erfÜlltes) Vivat spiegeln. 
Deine Nahme, Grosse Frau, ist I!elbst der Cronen Zier, 
Das Augen-Merck der Welt, des Friedens Morgpuföhte, 
Der Freunde Angelstern, der Feinde Bluht-Comete, 
Ein Pharus Deines Reichs, der Völcker Lust-Begier, 
Der Cirkel unsrer Ruh, woraus die Freude spriesset, 
In welchen dieser \V unsch sich öffnet und beschliesset. 
Dein Winck regiert den Staat, Dein Wille dessen Wohl, 
Die wahre Herrschens-Kunst sich Selhsten zu re
ieren 
Mag man im Gegenhalt der Macht und Groszmuht spiiren, 
Dein Zwang ist nur gerecht, die Neigung, Gnaden-voll, 
So zärtlicher Gewalt sich nicht zu eigen geben, 
Heiszt sonder Treu und Pflicht, ja sonder Hertze leben. 
Vollkommne Käyserinl Preiszwürdigste der Welt! 
Es brennen heute nicht BO viele Freuden- Kertzell 
In unsrem Stadt-Bezirck, als Flammen treu er Hertzen 
Den Himmel dieses Staats, Dein Riga, ausgeheIlt, 
Dein Riga, dessen Arm gen Morgen ausgedehnet, 
Sich eintzig nur nach Dir, ö Landes-Sonne sehnet. 
Die Sonne würckt allein das Leben der Natur, 
Ihr Aufgang lässet nur den Stunden-Kreysz ent:'l'heiden: 
So misz't Dein Gnaden-Blick die Tage nnsrer Freuden, 
Und Deiner Jahre Lauff auch unsre Zeiten-Uhr: 
Was kan nicht Aug und Witz fiir gute Folgen mercken, 
Da beyder Strahlen sich gemächlich schöner stärcken? 
Wir sehn in Hoffnung schon des Uberflusses Horn, 
Nur Blumen reicher I..ust auf unsre Mauren tripffen, 
Es bricht der Erden-Band, es öffnen sich die Tieft'en, 
Und aus der Düna-Fluht entspringt ein Seegens-Born, 
Der das verseigte Marck der matten Handlung wässert, 
Und gleich Egyptens-Strohm des Laudes Wohlfahrt bessel"t. 
So riihrt Groszmächtigste Dein theures Namens-Fest, 
Nicht so Dein eignes Wohl, als Deiner Unterthanen, 
Dann Deinem Ehren-Schmuck und Deinen Sieges-Fahnen 
Ist schon ein Zeug gewiirckt von köstlichem Asbest, 
In dieses durch Dich Selbst entsponnenes Gewebe 
Flicht das Verhängnisz noch den Wahl-Spruch, Anna lebel 
Dis wiinilschet, dis erseufi'zt ein kindlich treuer RinIl, 
Jm AlIf'ang und Beschlllsz von Deinen Nahmens-Lettern, 


1731 


.....
>>>
1731-41 


Carmina I. 


291 


Die innre Seltenheit wird Fama schon vergöttern, 
Es herrscht ja in der Welt nur eine Käyserin: 
Und da die Ewigkeit derselben Grösse rühret, 
Wird der Begriff erschöpfft und unser Kiel entführet. 


1741 Januar 16. 
14. Totenfeier fiir die am 17. Okt. 1740 verstorbene Kaiserin Anna, ver- 
anstaltet in der St. Petrikirche am 16. Jan. 1741. 
O. Druek, 2 Blatt, folio. mit Vignette/
. Ve/lasser: F. v. Essen. Gedruckt Riga bey 
Samuel Lorentz Frölicb, ohne Jahr. Am Fusse des Titelblatts Z"wiBehen 2 Leuehtern 
mit brennenden Lichten ein auf eine/li Katafalk 8tellendrr reich verzierter Sm'g, hinter 
ihm eine zU?' Hälfte aufgegangene Sonne, zu deren Seite/
: Tandem Reviviscet. BGA. 
Vgl. B. II 700-706. 711 u. RP. v. 10. u. 16. Jan. 1 lUl, PI. B. 116 S. 93 ff. 108. 
Bey den Exequieu, Welche für die Weiland AlIerdurchlauchtigste Grosz- 
mächtigste Kayserinn uud SelbsthaIterinn aller Reussen, Anna Joannowna, Am 
16. Jan. 1741. In Riga gehalten wurden, .Ward nachstehendes Trauer-Gedicht 
abgefasset Und in der St. Petri Kirche l\lusicalisch aufgeführt V Oll F. v. Essen. 
Cavata. 
l\lusz man bey schönen Ehren-Pforten 
Des Todes t'iirchterlichen Tempel sehn; 
So schwindeln Ange und Gedancken 
Und zittern, weinen, irren, wancken, 
So bleibet Herz und Blut beste1m. 
Wie schrecklich ist der Staub, der Annae Purpnr deckt! 
Und . hinter sein Gewölck Ihr holdes Licht versteckt! 
Hrumm kommet auch das V olck von den entlegn'en Enden 
Und klagt und fleht und forscht: Was ferner anzuwenden? 
Ua sie an ihren Orten 
Auch spühren, was geschehn; 
Indem sie bey den Ehren-Pforten 
Hes Todes fürchterlichen Tempel sehn. 
Recit. 

lein Wandrer! der du dich beflissen, 
Der Dinge Wechsel recht zu wissen, 
Mich deucht, ich seh dich auch darob erstarrt, 
Dasz sich der Tod jetzt iibt, auch Kayser-Cronen abzuschiitteln. 
Wohl wahr, dasz dieser keiuen spahrt, 
Er geh' in Purpur oder groben Kitteln; 
Achl aber, dasz disz strenge Recht 
Nicht möcht 
An den Glorwürdigsten auf Erden 
Auf einmahl, und so bald, vollzogen werden I 
Geh in Germanien zuriick, 
Und sage dort: Uns jamre ihr Geschick. 
Sag aber auch, dasz unsre Fluren 
Ein Thränen- :Meer umfleuszt, 


14: 1) Am 10. Jmmul' erhielt /:3. B1'Orkhausffl VO'lll Rat den Auftrag, die Tmue/'1!Iusik zu.", 
16. JlIn. zu bellol"gen. 


19* 


.....
>>>
2!)2 


CarmiuB I. 


Wozu so manches Aug noch täglich neues Wasser geu8zt. 
Dort, wo der Feiude I
ei(Jhnalll fiihren, 
Auf einer See, die sie mit ihrem Blut gemacht, 
Da ward dem Tod und seinem Opfer-Heerd 
Ein reichlicher Genusz beschert, 
Und ihm durch Ruszlands tapfre Knechte iiherhracht. 
Nun unterwindt er sich 
Die Uberwinderinn zu überwinden. 
Sein finstres Hausz an Annae Ehren-Thron zu griindeo. 
Verwegner 1 schreckt dich denn nicht solch ein Tugend-Licht? 
Auch Jammer und Geschrey von Land und Leuten nicht? 
Doch N ein 1 Denn du berufest dich 
Auf jener hohen Wächter Schlusz, 
Dem alle Welt sich unterwerfen musz. 
Choral. Num. 1021 v. 1. 
Alle Menschen müssen sterben. 
Chorus. Jes. LVII 2. 
Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Friede 
und ruhen in ihren Kammern. 
Recit. 


Zum Friede! zum Friede I 
Rufft auch ein Helden-Geist, 
Wenn er von Streit und Arheit müde. 
Drum küssest Du auch dem die Hand, Entseelte Kayserinn I 
Der Dir die Ruh anweist, 
Und darfst auf aller Unterthanen Klagen 
Disz einzige zur Antwort sagen: 
Denckt, dasz ich von der Bürd nun müde bin. 
Aria. 
Dein kluges Ruder bot dem wilden Meer der Sorgen 
So freundlich alle Tag den ersten guten Morgen. 
Dein helles Aug, das, eh es schlief, 
Das ganze weite Land umlief, 
Sah nach, wo Bös' und Fromme waren? 
Und liesz auf diese Gnaden-Schein, 
Auf jene Bliz und Flammen fahren. 
Drum sprach auch Glück und Uberflusz 111 allen 'I'hiiren ein; 
Der Himmel rief den giildnen Zeiten. 
Un8 ward kein Kummer nicht bey Deinem Schweisz zu thei!, 
Dieweil 
Dein kluges Ruder bot dem wilden Meer der Sorgt.u 
So freundlich alle Tag den ersten guten !\[Ol'gen. 
Recit. 
So hast Dn auch, Du Deiner Völcker Lustl 
Was Griechenland unu Rom vordem gewust, 
In Deinem Reiche lassen lehren, 
Und wo noch jetzuud Ost und We8t 
Was klug- und wei8es hören läst, 


1741
>>>
1141 


Carmina I. 


Das wiinschtest Du, es möchten Deine Kinder hören. 
msz fiel schon Deinen Grossen Ahnen ein. 
'Vas aber hey Johanne angefangen, 
Was unter Petri Schutz uen schünsten Flor empfangen, 
J )as sol te weiter durch Dich ausgebreitet seyn. 
Drum hast Du mit bemühter Hand, 
)[anch kluges Haupt herein gewincket, 
Dasz jetzund Kirch unu Staat und aller Reussen Vaterland 
Auswertigen ganz anders (lüncket. 
80 sahst Du für die Deinen zu; 
Und auch bey diesel' güldnen Ruh 
Den Stöhrer glücklich abzuweisen, 
Schwungst Du das Schwerdt und liessest es in seine Länder reisen, 
Das Schwerdt, das jetzt noch, unverbraucht, 
Vom warnu'u Blut der Ottumannen raucht. 
Da Du das all's gethan, unR treulich zu bewahren, 
So sagtest Du zulezt: Ich wH in Friede fahreu. 
Aria. 
Fahre hin! geneusz der Ruh. 
Wer wird nach so vielen Lasten 
Auch nicht suchen auszurasten'! 
Schliesse nur die Augen zu. 
Fahre hin! Geneusz der Ruh. 
Rufe Deinem Ehren-Wagen. 
Er kann Dich doch weiter nicht, 
Als uns aus dem Angesicht 
Und nicht aus dem Herzen tragen. 
Dein Verdienst, Dein Theures Lieben 
Wird ins Buch der .Ewigkeit 
Mit dem Blut, das Dir geweih't, 
Unauslöschlich eingeschrieben. Da Capo. 
Choral. N'um. 634. v. 2. 
}lüde, die der Arbeit .Menge etc. 


293
>>>
II. 


1717' November 10. 
15. Die Stadt Biga feiert das Jubiläum der Beformat-ion. 
O. Druck. Riga bey 8nmuel Lorentz Frölich. 3 Blatt fol.; oben auf der erden 
Seite in einem von zwei Engeln gehaltenen Lorbeerkranze D. M. L. Verfasser: Rektor 
. HÖTnick. 1. BGA. 2. BBtR., Brotze, Miscellanea 3 (2251) nr. 61. Vgl. RP. v. 
8. Nov. 1117, PI. B. 73 B. 65-66. 68. B. I 423. 424. B. III S. 20 u, S. 232. 
Jubel-Posaune 
an die Kayserliche Stadt RIGA, als selbige Das JUBlLAEU}( LUTHERANU
l 
in Danckbahrer Erinnerung des hohen Reformations - W erckes, welches der Gnaden. 
reiche GOTT vor zweyhundert Jahren durch seinen themen Werck-Zeug, 
D. MARTINUM LUTIIERUM, 
angefangen, und herrlich aUBgefi'lhret hat, Anno 1717 uen 10 N ovemb. zum 
andern Mahle mit frohlockendem Gemiihte feyerligst begehen solte, aus zwar 
schwachen Kräfften, doch wohlmeinendem Hel-tzen angestimmet von 
Adam Gottfried Hörnick 
Prof. et Rect. 
Brich an, ö froher Tag, so vor zweyhundert Jahren 
Dem edlen EIbe Strohm ein neues Licht gebracht, 
Das, wie ein heller Blitz, bald Nordwerts ist gefahren, 
Und unsern Diina-Strand zum Gosen hat gemacht. 
Zum Gosen, wo der Glantz uer reinen GOtteH-Lehre 
Aegyptens uÜl:!tre Nacht des Irrthums hat vCl:ia
t, 
Seit Sachsens Moses sich die Höllen-wehrte J%re 
Des römschen Pharao zu stiirtzen hat gewagt. 
Brich an, ö fi'oher Tag, du hemmst die Fluht der Thränen, 
Die der 80 lange Krieg aus HCl-tZ und Augen preszt: 
Wir uencken heute nicht an Winseln, Aechzen, Stehnen, 
Du bist IJey diesel' Hitz' uns wie ein kiHller West. 
Du wecktest vormahls auft' des Heil:!tes Priedenl:!-Huhten, 
Die giengen von dem nl
HUN zu unsern 'l'horen ein: 
Knüpfft gleich Erinnys itzt sn viel Verwirrungs-Knoten, 
Wirl:!tu uns hoffentlich ein Friedens- V o1'1l0ht seyn. 
Brich an, ö froher Tag, des Anmuhts volle-Strahlen 
Uns bisz ins Innerste der regen Heele gehn, 
Wir küssen dich erfreut zu hundert tausend Mahlen, 
Die wir im Leben Dich nur einmahl können sehn. 
Denn du, du hast das Joch zu brechen angefangen, 
So unsre Väter eh als Centner-Last gedrückt; 
Durch dich sind Sie UllU wir uer Fillsternisz entganßen. 
Womit der Antichrist die Sinnen vor berückt.
>>>
1711 


a.....- 


Carmina H. 


Der Kirchen Bräutigam, und Hirt von Christi Schaffen, 
(So nennt Hich leyder noch uas zwey-gehörnte Thier,) Apoc. 19. 
Liesz scinc Braut unu Herd' in Thor- und lllindheit schlaffen, 
Und that als Räubcr sich und Wolfl' indesz herfiil'. 
Dcr GOttcs-Knechtc Knccht war auch zu gleich ein König, 
Dem selbst 01lt Könige auft' seinem stoltzen Thron 
Den Fusz- Kusz abgclegt: Doch dies war noch zu wcnig, 
Dem GOtt dcs Himmels selust sprach dieser Riese Hohn. 
Des Höchsten ()rdnung wurd verlacht, gekränckt, vel'stoszen, 
Und Menschen-Sazungen als heilig eingeführt: 
)fausim galt allein bey Kleinen und bey Groszen, Dan. 12. 
Mausim, 80 annoch in Babels Reich regiert. 
Den Stand, in dem der HBrr die reine Liebes-Flammen 
Mit seinem Seegens-Spruch' in Edens Garten hiesz, 
Erkühnte sich ein Mensch als Greuel zuverdammen, 
Der hiedurch eben selbst zn Sodoms Greueln wiesz. 
Das V olck, 80 Christi Bluht zur }'reyheit ihm erworuen, 
Ward durch das Gauckel- W erck der :M:esz zum Knecht gemacht, 
Der hiesz als todtes Glied der Kirchen abgestorben, 
Der vor den A lJIasz- Brieft' nicht seinen Pfenning bracht. 
Die Bullen, in der That und Nahmen Waszer-Blasen, 
Die solten (6 ues Schaums!) den Seelen-Hunger stilln: 
Und muchtzte wer dauey, so fieng der Bann zu rasen, 
Der urach, dem Donncr gleich, dcr miszvergniigten Willn. 
o schrecklichcr Verfall! von jcnen Unschulds-Zeiten, 
Da Glaub' und Liebe nur der Kirchen Braut-Schmuck hiesz, 
Da Wort lind Sacrament die Scelen muste lciten, 
Und man die Schaffc hlosz zum wahren Hirten wiesz. 
Denn seit sich GOttes Feind als NebClI-GOtt gestellet, 
Und seit des Feg-Feurs 'l'aud die Herzen hat erschl'eckt, 
Seit ISl'aelis Born mit Pabeln w;n'u vergället, 
So wurd der Wahrheit Schein mit Schatten überdeckt. 
Die dumme Blindheit wurd als Heiligkeit gepl"iesen, 
Der Sprachen Wissenschaf1't, Gp,lehrsamkeit und Kuust, 
Ja Bihel-J.esen seIhst als Kezerey verwiesen, 
Und aller GOttes-Hicust wal' f.Heiszuerey und Dunst. 
Geliebte Vater-Staut, du hast an Bahels-Flüszen, 
Von Zion weit entfernt, mit FeszeIn angelegt, 
Gleich andern euenfals in Knechtschaft't schmachten mÜHzen, 
Bisz dasz dein Jammer-Stand des Höchsten Hertz bewegt. 
Der hat aus Wunder-Huld die Fackel anffgestecket, 
Die dir zum wahren Beyl noch izo leuchten kan, 
Der hat gantz unverhoft't den Gideon erwecket, 
Der dich zu erst hefreyt vom römschen Midian. 
Dich, I.uth('r, meint mein Kiel, dich groszen GOttes Lehrer, 
Dich Rüst-Zeug, den der ngrr Ihm gnädigst ausersehu, 


295
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296 


C&rmin& 11. 


1717-30 


Zur Aberglauhens Pe
t, zum Gözen-Diensts 7,erstörer, 
Zum Führer aus dem Schlamm des Irrthums auszugehn. 
Du hautest ohne Schwert die Baals-llayne nieder, 
Und hast auch uns gezeigt des Glaubens Heiligthum, 
Da deine Feder wiesz, was Christi wahre Glieder, 
Und wie die Bastarte im iiuszern suchen Ruhm. 


Mit deiner Lehre Kern hat Knöpken hier erbauet 
Das Zion, so annoch in unsern !Ialll'en steht: 
Durch Samsons Feder hat es sich geschmückt geschauet, 
Durch Dolmanns, Brevers Treu sich mehr und mehr erhöht. 
Wie wohl nun GOttes Güt' und dieser Männer Gaben, 
Ihr Nahme und Verdienst in unserm frohen Sinn 
Weit fester als in Erz und Marmel stehn gegraben, 
Reist dieser Tag uns doch zu sondrer Freude hin. 
Auff! Riga, auff! demnach, und lasz dein Danck-Lied hören, 
Dem, der dich aus dem Koht zur reinen Braut erhöht, 
Lasz deinen Jubel-Thon die hohe Allmacht ehren, 
Die deiner Ohnmacht noch bisz izt zur Seite steht. 
Bliesz ehmahls Israel den HErren zu erheben, 
Mit der Drometen Schall sein freudigs Hall-Jahr aus; 
Weil es die Schuld erliesz die Freyheit konte geben, 
Und jedem wieder ward sein Acker und sein Hausz: 
So lasz du 110ch vielmehr erschallen Freuden-Lieder, 
Und heute deinen Mund voll süszen Jauchzens seyn: 
Dies Jahr bracht' ehmahls dir des Geistes Freyheit wieder, 
Und räumte dir darauf des HErren Erbtheil ein. 


Die Hure BalJels mag Gedächtnisz-Miinzen schlagell, 
Wenn sie ihr .Jubel-Fest zum Marckt-Tag hat gemacht: 
Sie läst dasselbe Gold durch ihre .Länder tragen, 
Das ihre Buhlen ihr zum Huren-Lohn gebracht. 
Kanst du nicht dieses :Pest auft' Gold ul1d Silber drücken, 
Gnug, dasz es danckbahrlich dem Hertzen eingedrückt, 
Daraus nicht Freud nicht Leyd die W ohItlmt soll entriicken, 
Die dies erwiinschte Jahr dir vormahls zu geschickt. 
So wird der GOtt des Lichts das helle Licht erhalten, 
Das izt an manchem Ort musz halb verdunckelt stebn: 
Sein Gnaden-Antliz wird ob Kirch und Schulen walten, 
Bisz wir vor seinem 'l'hron das Jubel-Fest begebn. 


1730 Juni 25. 
16. Die Stadt Riga feiert das Jubilätttll der Übergabe der Augsburgischen 
Konfession. 
O. Druck, 2 Blattfol. Verfallser: Rektor H/Jrnick. 1. BGA. 2. BBtR., a. Livonica2 fol. 
(2449), 4 0 , b. Brotze, Miscellanea 3 (2251) nr, 27. Vgl. RP. t'. 3., 20., 23. Jwti 1730, 
PI. B. 99 S, 84, 123 (., 132 u. B. 11 320. B. UI S. 50.
>>>
1730 


Carmina H. 


297 


Jubel-Freude, AIit welcher Die Kayserliche Stadt Riga Das Andencken Des 
Anno 1530. den 25. Junii Kayser CAROI.JO V. und allen versamleten Ständen 
des Heil. Römischen Reiches zu Aug8burg iibergehenen Glaubens-Bekentnisses 
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Teutschland In danckbahrer Erinne- 
rung Des herrlich von GOtt ausgeführten Reformations-Werckes, Anno 1730. 
den 25. Junii hoch-feyerlich Legehen wollen, vorgestellet von Adam Gottfried 
Hörnick. Profess. u. Rector. RIGA, bey 
amuel I...orentz Frölich. 
Du wehrtel' Tag des Lichts, an dem die Finsterni8sen, 
Die als Aegyptens Nacht gantz Norden vor bedeckt, 
Des blinden Pahstthums sich beschämt verkriechen miis8en, 
Du webrter Tag des Lichts, das Gott selbst aufgesteckt, 
Sey ein Gedüchtnisz- Tag in dieser muntren Stadt, 
Die ein Danck-Opffer heut zu bringen Ursach hat. 
Du euler Freybeits-Tag, uu hast das Joch zerstiickct, 
Womit aus Ubermuht der RÖlllsche Pbarao 
Das Israel des Herrn so lange Zeit gedriicketj 
Zu Augsburg macbtest du es endlich frey und froh: 
Die Freyheit können wir im gantzen Leben sehn 
Und Dich im IJehen nur ein einzig mahl begehn. 
Du wahrer Wunder-'l'ag! das kleine Häufflein sieget, 
Dem man längst zum voraus das Garaus zugedacht, 
Indem die grosse Macht und List der Feind erlieget, 
Die Glaub und Gottes Schrift stum und verwirrt gemacbt; 
Dasz Deutschlands fiinfl'tem Carl die Augen iibergehn, 
Wenn er der Wahrheit nicht vermag zu wiederstehn*. 
* Kayser Carolo V. sind nach verlesener Augsburgischen 
Confession die Thränen in den Augen gestanden, da- 
hey er aus U nmuht ausgeruffen: O! ihr Pfafi'en, was 
habt ihl' angefan
en '{ 
Dn siisser Freuden- 'I'ag, der von den W asser- Pliissen 
Des Päbstschen Babilolls die Väter ausgefiihrt, 
Dass sie die Herrlichkeit von Zion preisen müssen, 
Wo Glaub' und Liehe nur die Bräute Christi ziert, 
Die Freude komt vun dir, die unsre Brust empfindt, 
Und von der AllIla('hts-Gluth :lnizt ist angezündet. 
Die Hertzen sind erfreut, die Allmacbt zu verehren 
Die unser ZiOll nun zwey hundert Jahre stüzt, 
Es läst der 1'1'ohe Mund die Jubel Töne hören, 
Zum Preise dem, der uns bey unsrer Ohnmacht scbüzt 
Die Flüsse eilen t'riBch in Gottes 'I'empel ein 
Und unsre Losung soll heute Freude, Freude Hein. 
Hie Freude in dem Herrn! Was eitler Wiz erfunden 
Und Menschen 
azungen sind gänzlich abgethan: 
Wir sind an nichtes mehr als Gottes Wort gebunden, 
Sein Stecken und sein Stah führt UDS die rechte Halm: 
Wir sind in seiner Hut ganz sicher eingehiillt, 
W p-nn 
leieh der Löw' in Rom mit seinem Banne briillt*. 
* Her PaL8t in R.om le
et noch anjezo alle grihle Donners- 
tage die Lutheraner in den Banll.
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298 


Carmina 11. 


1730 


Hie Freude in dem Herru! Das Gauckel-Werck der 
le8sen, 
Die A blasz- Krämcrey, der leeren Bullen Tand, 
Iie "Talfahrt nach Lorett ist bey uns längst vergessen, 
Hes Fegefeurs Gedicht wird bey uns kaum genant; 
Womit der Aberglaub die blöde Herzen schreckt 
Hat bey dem hellen Licht der Wahrheit sich versteckt. 
llie Frende in dem Herrn! die Schafte Christi hörell 
Nur seille Stimm' allein und seiner Bohten an, 
K ein 
Iisztraun kan das Herz bey Gottes Tische stören, 
Da beyderley Gestalt uie Seele speisen kan: 
Des Höchsten Vaters Huld, so uns hiebey bewacht, 
Hat heute unsern Muht voll Freud und Lust gemacht. 
Von heut an predigt man seit zweymahl hundert Jahren t 
Das angenehme Jahr (das Jubel-Jahr) des Herl'll; 
Es sind nun frey und losz, die vor gefangen waren, 
Die Blinde sehen nun durch ihren Jacobs-Steru, 
Das l
vangelium klingt siisz der armen Welt, 
Die ein Erlasz-Jahr nun von Sündell-Schuld erhält. 
Nimm \lnsern Danck und Uuhm, () Hrunkwel aller Giiter, 
Nimm Lieder und Gebeht, stat eines Opffers an, 
Weil unsre Ohnmacht heut, () grosser Hirt und Hüter, 
Vor deine Wunder-Huld nichts bessers bieten kanj 
Wenn man der Piirsten Fest auf Gold und Silber schlägt, 
Wird Gottes Fest uer See!' am besten eingeprägt. 
Erhalte, wie du nun zwey hundert Jahr' erhalten, 
Bey Deinem reynen Dienst dein Rigscbes Israel, 
Lasz deiner Allmacht Hut ob Lehr- Wehr- Neln'-Stand walten, 
Es sey stets diese Stadt wie Gosen licht und hell: 
Dein Gnaden-Auge woll' auf Kirch' und Schulen seLn, 
Bisz Kindes-Kin der einst dies Jubel-Fest begehn. 
1) Luc. IV .v. 18. 19. 


17,']0 Juni 25. 
17. Die Stadt Biga feiert das .Jubiläum der Übergabe de'r Augsburgisc7ten 
Konfession. 
O. Druck. Riga, bey Samuel Lorentz Prö\ich. 4 Blatt fol. Auf der ersten Seite UI
ten 
in einer von einem Lwbeerkmnze umgebenen Vignette eine Kirche mit der Überschrift: 
Inter motus Immobilis. VerfaBtJer: BTÜningk, Depkin, Caspari, Sehdens, Fontin, Willisch, 
Beuthner, Tilesius, Halter. 1. BGA. 2. BStR., Livonica 2 fol. (2449). Vgl. RP. v. 3., 
20., 23. Juni 1730, PI, B. 99 S. 84, 123 f., 132 u. B. II 320. B. III S. 50. 
])enck- und Danck-Mahl 
Welches Die KayserJiche Stadt Riga 
Wegen des zu Augsburg vor n\ln gleich zwey hundert Jahren dem Römisch- 
Deutschen Kayser CARL dem fiillfiten und den sämtlichen daselbst versamletell 
Reichs-Ständen öft'entlich iibergebellen und vorgelesenen Glaubens-Bekentnisses 
allel' Evangelisch-Lutherischen GlauhenH-Bekellner, Als sie mit frohem Herzen 
Has andere Evangelische JU BlL.lEUM 
Anno 1730. den 2:). .funii hochfp,yerlich celehrirte, Zu Bezeugung ibrer Freude 
stilrtell lassen VOll Inwendig henanten. 


......
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1730 


j 


...... 


Carmina 11. 


299 


Wenn sonst ein froher Geist Gebeths- und Andacht-voll, 
In aufgebrachter Lust, und süssem Angedencken, 
Die Tage seines Heyls mit jauchtzen feyren soll, 
nem Stiffter seines Wohls Ruhm Preisz und Ehre schencken: 
So will nicht weniger die treue Schuldigkeit 
Dich wehrte Düna-Stadt auch deines Orths verbinden, 
Bey dieser Wiederkunft"t der seItnen Jubel-Zeit 
Hen Weyrauch deines Dancks dem Höchsten anzuzünden. 
Denn jetzo seynd bereits zwey hundert Jahr vOl'bey, 
Dasz wir nach Gottes Schlusz den schönen Tag erleben 
An welchem, was der Kern der reinen Lehre sey, 
Her Teutschen Fünfl'tem CARL zu Augspurg übergeben. 
Wie wenn ein heller Strahl durch trübe W olcken streicht, 
Her Sonnen güldnes Haupt des )[orgens aufwerts steiget, 
Die dicke Finsternisz aus ihrem Lager weicht, 
Und statt derselbigen sich lauter Klarheit zeiget: 
So muste ebenfalls, nach dem das helle Licht 
Des Bvangelii von neuem aufgegangen, 
Weil Luthers reger Geist durch Nacht und Wolckeu bricht, 
Der Lehre Lauterkeit in vollem Glantze prangen. 
Auf demnach die ihr euch zum wahren Lutherthum 
Ohn Falsch und Gleisznerey als ächte Glieder zehlet, 
Geht in entflammter Brust Lob Ehre Preisz und Ruhm 
Dem, welcher diesen Tag zu eurer Lust erwehlet. 
Last dieses Seelen-Fest euch recht zu Hertzen gelm, 
]}rkennt mit brünstigem und fröhlichem Gemi.ithe, 
Wie und wozu euch Gott vor vielen ausersehn, 
:Mithin sein treues Hertz und unverdiente Giite. 
GOtt unSI'er Väter GOtt! gieh dasz dein reiues Wort 
Hier bey und uuter uns stets unverfälscht verhleihe 
Und, weil die Welt besteht, auch immer fort und fort, 
Durch deines Geistes Kraft't aus reinen Qvellen treibe. 
Gesetzt von H. Brüllingk. 
Geueral-
uperintendenten in IJiefland uud hiesigem Obel'.Pa8tore. 


Weg heut mit Heiuen-Kullst unu des Parnassu!! Liedern, 
Da man auf Zions-Herg ein }i'est zu feit'en hat. 
Ihr Glieder dieser Stadt folgt euren G1auhell!!-Briiuern, 
Brhebet unsern GOTT und seine \Vunderthat 
Auf! auf! kommt, ehret IH:K mit Blicken, Beten, Singen, 
Dieweil er abermahl an uns was grosses thut. 
Last em'en Jubel-Schal] bisz in die W olcken dringen; 
Hanckt vor das IJeihliche, mehr vor das gröss're Gut. 
Wer sind wir '? grosser GOtt, wie andre }[enschen, Sünder, 
Vielleicht auch üppiger, als andre Städte, sind. 
Noch stäupst du, wenn du stäupst, uns nur, als deine Kinder, 
Als mehr vom IJiehes-Feur denn gifer-Glut entzündt. 
Ja deine Gnade steigt und jene Schale siucket,
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300 


Carminß 11. 


1730 


Daraus der schwere Zorn von deinem Donner kracht. 
Der Becher, daraus man venlienten Wermnht trincket, 
Hat auf uem Boden disz, was jenes süsse macht. 
nein ist es, dasz wir sind. Von dir ist unser Segen, 
Der, so uns leihlich kommt und fält uns gnädig zu, 
Has gute Regiment, die Frucht vom Thau und Regen, 
Her Kaufmannschatft Gewinn unu gantzen Landes Ruh. 
o Vater! wer kan dich davor zur Gnüge preisen? 
Wer aber, (das ja mehr,) dir, Höchster Gnaden-Hort, 
Y 01' deinen grössern Schatz den rechten I }anck erweisen, 
Vor dein gar heiliges und seeligmachend Wort '? 
o Riga! dencke dran, an diese Gnaden-Tage, 
.Da dir der Lehre Milch zuerst ward beygebracht, 
Nicht als ein 
Ienschen-Wort, Gedicht und Menschen-Prage, 
Nein als ein Jautrer Wein, vom Hef"en rein gemacht. 
Bedenck' an das, was GOtt in zweymahl hundert Jahren, 
Auch noch in acht darzu, an dir erwiesen hat, 
Besonders auch durchs Wort der reinen Lehrer-Schaaren, 
In Summa dancke GOtt vor diese Gnaden-That. 
Lasst aber zu dem Danck' auch euer FJehen kommen, 
Dasz Gottes theures Wort, von itzt zu keiner Zeit, 
Von euch, den .Eurigen noch andern weru genommen. 
Ja! das verhüte GOtt gelobt in I
wigkeit. 
Amen. lta dicat & Dominus, DEus Nostel', cujus V. 
I. 1. .'K A. 
M. B. nepkin. Eccles. Petr. 


ANNVS CONV.ENTVS 
Augustani 
1530. 
Augustae Statibus fidei confessio cunctis 
Proposita est, Christi gloria laeta redit. 
Elogium 
n. MARTINI LUTHERI. 
Hoc Doctore fides nobis cultusqve revixit, 
Et pietatis honor: Sed dogmata prava ruinam 
Coepere, & subito cecidere ad Tartara Japsu. 
}[ultum igitur Tibi nos omnes debere fatemur, 
Cujus ope est ingens tarn mundo gloria nostro. 
M. GEORGIUS CASP ARI, 
Archi-Diaconus ad JEdem Primariam D. Petri. 


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Auf Zionl säume nicht, lasz Freuden-Lieder hören, 
Lasz Mund und Hertze seyn zu Gottes Lob gericht, 
Der deinen Kummer wust in Freude zu verkehren, 
Und dich aus Finsternisz, gestelt ans Tages-Licht. 
Als deine Wiedri
e auf ihre Menge pochten, 
Und als ein starcker Fluht beynah' dich überschwemmt, 
Da hat des llöchHtpn Wort und Hand für dich gefochten, 


r 
......
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1730 


CarlllinR n. 


301 


Und deiner Feinde Wuht in gröster Eyl gehemmt. 
Denn kont' ein David dort den Goliat.h erlegen, 
Als seine schwache Faust von GOtt gestärcket wal', 
Was Wunder? dasz bey dir, nur durch des Höchsten Seegeu, 
Ein J.Juther stärcker war, als wie des Pahstes Behaar. 
Mit Waffen focht I
r nicht, auch hraucht' Er keine Tücke, 
Der Glaub und das Gebeht, sein Schild und H.trnisch wal' 
Und durch des Geistes Schwerdt, zerst.ückt er alle Stricke, 
[)asz du mit Freuden bist entgangen der Gefahr. 
Diesz war nicht Menschen - Werck. nicht derer Kunst und Tichten, 
Ein grösser HErr war hier gewiszlich mit im Spiel, 
Der nur durch einen Winck kont schleunigst das verrichtt'n, 
])asz deiner Feinde Raht gantz unverhofft hinfieht 
Ja Momus muste selbst vor dein Bekäntniisz schweigen, 
Als die so ungescheut Ihm unter Augen tratt, 
Und vor des Höchsten 'Vort den steiffen Vorsatz beugen, 
Weil Er mit Recht daran, nichts auszusetzen hatt'. 
So must' die Wahrheit doch zuletzt den Platz behalten, 
Wenn der gleich alle Welt mit Macht entgegen steht, 
Und Felsen miissen eh sich von einander spalten, 
Eh' als ein eintzig Punct, von Got.tes Wort vergeht. 
Nun HErr! der du nunmehr zwey hundert Jahr erhalten 
nein rechtes Sacrament, und auch dein reines Wort: 
Sey ferner unser Schutz, lasz bey uns nicht erkalten, 
Die Liebe gegen dir, lasz wachsen fort und fort, 
Vertrauen, Gottesfurcht, Gedult und Liebes-Wercke 
Dasz wir dir angenehm, dem N echst niitzlich seyn: 
So können wir dereinst mit rechter Glaubens-Stärcke 
Aus diesem Jalllmerthal zur Freude gehen ein. 
Mit diesem wenigen hat seine Freude auf dt'm andern Juhilaeo der Augs- 
purgischen Confession hezeugen wollen 


Rötger Sehdens. 
Diacon. zu St. Johannis. 


Auf! die Ihr Luthers Lehr' in Riga zugethan, 
Und zu der Augspurgschen Confession gehöret, 
Ihr Lutheraner auf! stimmt Freuden-Lieder an, 
Mit einen Jubel-Thon den grossen GOtt verehret; 
Viel Gnade hat der HErr dem Lutherthum erwiesen 
NUllmehr zwey hundert Jahr, Er sey davor gepriesen! 
Ihr Lieben! lasset uns doch nicht die Letzten seyn, 
An diesem Jubel-Fest vor GOtt die Knie zu beugen, 
V or GOtt, dem alles Lob gebiihret nur allein, 
O! laszt uns dessen Lieb' und W ohltlmt nicht verschweigen j 
Ja, was nur Odem hat erzehle Gottes Giite, 
Und dencke stets daran mit danckbarem Gemühte. 
Drum Zions-Kinder! kommt vors Höchsten Angesicht, 
Und bittet, dasz ER woll' ob uns noch ferner walten, 
Anbey Hein wehdes Wort, des Hcrtzens Trost und Licht 


......
>>>
302 


Uarmina H. 


1730 


In unsrer 
tadt uud Kirch und Schulen reiu erhalten: 
Sprecht: In
rrl lasz uns dein Wort samt [
uthers reinen [.ehre 
Zu nnsrer Seelen Heil, und deines N ahmens I
hre! 
So wolte alle hiesige Evangeliseh-J.utheriseheu bey Erlebung des zweyten 
Jubilaei der iibergebenen Augspurgischen Coufessiou zu hertz1. Lohe und Freude 
ermuntern 


J. Fontin. Diae. Cat. 


Iduuaea eohors et laetos iudue vultusl 
I
aetitiisq ve piis ora resolve, RJ GA! 
Murmure pergrato reboantia tympana pulsentl 
Festae laetitiae non modus esto Tibi! 
Bccel redit laetus, fidei qvo dogmata nostrae 
Sunt CAROLO Augustae tradita scripta dies I 
}i
cce I dies alho merito signata lapillo I 
Qva cantare decet jubila mille DEo. 
Hoc tutore diu presta aute Ecclesia flOl'et. 
Atqve Evangelii dogmata sarta meant: 
Sarta meant, a qvisqviliiB purgata nefandis, 
Livida qvas Papae sparsit uhi'lve cohors. 
J, pia Mystarum colleetio recta doeentüm! 
LaetiBonis verbis ora resolve tua! 
Non animos Cleri pro rOBtris fabula tm'bat, 
Sed cIarum verbi cingit ubiqve jubar. 
Non animos angunt discrimina iniqva cihorum, 
Lucifugi
qve domuB non seatet uHa viriB, 
Qvis nunc ohtrudat tihi vota monastica Papa? 
Qvisve vetet casti foedera sancta tori? 
Papa jacet: flamen Banctum conclave relinqvit: 
Qvis ti1i Pontificem, turbida Roma, daLit? 
ScrutiniiB tarnen efficere huuc jam valde laborant, 
Purpura qvos onerat condecoratqve, Viri. 
I, pia Musa Scholae, qvid cessas edere plauBuB? 
J, jubilisqve piis ora resolve tual 
01 tibi centenas merita in praeconia lingvas 
Solvere si dederint sidera cIara poli; 
Tu tarnen augen dis, pia Musa, heul qvantula, tauti 
Divini doni laudibus impar eris. 
SollicitiB haud artimtliB numm'are valebis 
Omne, Scholam coeli qvo curnulavit amor. 
Divini verbi fonB in te lirnpidus eXBtat: 
Qvo nihil in mundo dulcius esse potest. 
Dextra DEI dedit & doctores fida fideles, 
Qvi tibi, si sities, foutis & instar eruut. 
Gratia te modo conservet divina, nec unqvalll 
Larvatus nOBtrulll vexet ovile lupusl 
Ergo, Dunaea cohors, laetos nunc indue vuUus! 
Laetitiisqve piis ora reBolve, BIGA I 


....
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1730 


Carmina n. 


303 


In memoriam Secundi, l}vod ab exhihita Ao. 1530. d. 25. Junii Augustae 
VindeI. Confessio ne Evangelico-LlItheranorulll nomen sortitur JlIbilaei, haec pau- 
cula properante qvidem calamo, meute tarnen laeta adjicere debuit 
J. F. Willisch. CR. 


I. 
Wehrter Tag, erwiinschte Stunden, 
Licht, das auserlesen-schön, 
Dran die Wahrheit Platz gefunden, 
'Vie wir noch vor Augen sehn, 
Dein vergnügtes Angedencken 
Will uns neue Freude schmIcken. 


11. 
Schaut, ihr Fürsten, Reich' und Städte 
Die ihr Teutschlands Ehre seyd, 
Wie auch i Li
il
:d t im Gebehte 
Sich mit euch des Heyls erfreut, 
Das GOtt, vor zwey hundert Jahren, 
Uns hat lassen wiederfahren. 


IU. 
Uns, die wir so weit entlegen, 
Dieses Lichtes Glantz gesehn, 
Und doch, unter Gottes Seegen, 
In der Wahrheit fest hestehn, 
Die, ob Rom gleich wiederbellte, 
Sich zu Augspurg muhtigst stellte. 


IV. 
Denn die Sache war des HErren 
Und die Lehre Sonnen-klar, 
So, dasz auch der Gegner Sperren 
.N ur umsonst und nichtig war; 
Wurde ja was wiedersprochen, 
So 
eschah es blos mit Pochen. 


V. 
Blinde Leiter, eure Schwäche 
Liegt zu Tage mehr als hell, 
Drum vergönnt mir, dasz ich spreche: 
Mercktl was dort Gamaliel 
Dem Geschmeisz der Praß'en sagtf' 
Als E'S die Apostel plagte.* 
* Ap. Gesch. V. 38. & 39. 


.... 


Jubel-Ode. 


YI. 
Der Erfolg hat es bewähret, 
Dasz diesz Werck von Menschen nicht, 
Sonsten wär' es längst zerstöhret, 
Und verlöhre sich diesz Licht, 
Das wir doch, ohn Untergehen, 
Täglich fast noch heller sehen. 


VII. 
Anfangs schien es zwar was trilhe; 
I )och so machts der Höchste oft't, 
Damit Er die Seinen übe, 
Bis I
r endlich unverhofft 
Unsre Trühsabl von uns wendet, 
Und die Leidens-Tage endet. 


VIII. 
Denn wie Nacht und Schatten fliehet, 
Wenn der SOHnen giildller 
cheill 
Unsre Gegend ü herziehet ; 
So hrach auch diesz Licht herein 
Und vertrieh in kurtzen Zeiten 
Alle Wiederwärtigkeiten.* 
* das geschah Anno 1555. durch Ilell 
Paszauischen Vertrag. 


IX. 
Man sah, nicht allein in Sachsen, 
Sondern auch sonst weit und breit, 
Luthers reine Lehre wachsen, 
In vollkommner Sicherheit, 
Die aus Gottes Huld geflossen, 
Und wir bis jetzund genosst'n. 


x. 
o der Gnade! 0 der Giite I 
Die uns GOtt bewiesen hat I 
Ach I dasz jeder sich bemühte, 
Zu erweisen in der That, 
Dasz er diese Gnaden Gabe 
Nicht vergeblich brauch' und habe.
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304 


XI. 
Ach! da
z dieses Angedcncken, 
Jedem, der jetzund ist froh, 
Rolche Wirckung könte schencken, 
Basz dem Emngelio 
BI' recht würdig nachzuleben 
Sich von nun an möcht hestreben. 


XII. 
noch, die I.iehe hofft das Beste, 
Und wer weisz des Höchsten Raht, 
Den, bey diesem Jubel-Feste, 
Br sich vorbehalten hat, 
Hamit seines Nahmens Bhre 
U naussprech1ich sich vermehre. 


xm. 
Nun wir preisen, nun wir loben, 
Herscher! deine Wunder-Krafft, 
Die aus deinem Thron von oben 
Fleust, und solche Wirckung schafft, 
Oie ein innerlichs Bewegen 
Will in unHrer Seel' erregen. 


Oarmina H. 


1730 


XIV.. 
Drulll IlIUilZ unser Hertz sich freuen, 
Wir erhehen deinen Uuhm. 
nil' sey Hanck! dasz du von neuen, 
Uns, in uusrem I..utherthulll, 
Be)" erwiiusehtem Wohlergehen, 
Lässest diesen Hanck-Tag sehen. 


xv. 
neine Huhl und Gnade walte 
Ferner übel' unsre Schaar, 
Lehre sie, dasz sie stets halte 
Ob dem Wort, das hell und klar, 
Und durch öfftre Bw'!z und Reue 
Hieses Juhel-Fest erneue. 


XVI. 
KUI1, geliebte Glaubens-Brüder, 
Schauet unsrer Wünsche Ziel, 
Kommt! vereinigt eure Lieder, 
Riga i II . S .. 
 . I 
Liefland I so sem ayten-. lue 
Auch bey eurem Jubiliren 
Mit erfreuter Seele rühren. 
Laetabund. scl'ips. 
J. H. Beuthner. 
Cant. & Chol'i Mus. Rig. Hirector. 


Begliicktes LutherthuDl! trotz allem Hasz und N eyd, 
Der die vergallte Brust der Feinde durchgedrungen, 
Die deinem ersten Glantz den Untergang gedräut, 
Und deiner I.ehr schon längst ein Grabes-I.ied gesungen. 
Der feste Burg, darauf sich deine Lehre stiitzt, 
Ist stärcker, als die Welt und aller Herrscher Stärcke, 
Drum wenn gleich ihre Wuht offt Galle auf dich sprützt, 
Getrost, dein Zehaoth schützt dich hey deinem Wercke. 
Sag an, würckt dies nicht Freud, dasz unsre Kirche heut 
Das andre Jubel-
'est hey ihrer [..ehr erlebet; 
Sieh', wie zwey hundert Jahr, und bis auf diese Zeit 
Des grossen Gottes Gei!:!t mit Krafft darin geschwebet. 
Dein Seegens-Baum schlägt nun mit frischer Bliihte aus, 
Dein Alter will sich jetzt den Adlern gleich vm:jüngen 
Der Instrumenten Klang durchdringt dein Kirchen-Hami 
Und will der Juhel-Thon sich drob ZUlU Himmel schwingen. 
o Gna.denvolle Zeit I du hast zunicht gemacht 
Nebst der beschwärtzteu Nacht der Feinde Rechunngs-Zahlf'lI, 
Her Traum Taisnerii (*) wird nun mit Spott vel'lacht, 
Den er, doch ohne Grund, wust schrifftlich auszupl'aWcn. 


....
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1730 


Carrnina 11. 


305 


Drum auf, mein Zion, auf! bekräntz dies frohe Fest, 
J
rhebe deine Stimm, lasz Freuden-Lieder schallen, 
Da dicse Jubel-Zeit dein GOtt dir scheinen läst, 
Und man im hellen f.licbt der rcinen f.lehr kan wallen. 
Hör, dreymahl grosseI' GOtt, nun noch der Kirche Flehnl 
Lasz dein hochtheures Wort und Luthers reine Lehre 
nie spähte Nachwelt so, wie wir, im Jubel sehn, 
Zu wahrcr Christen Wohl und deines N ahmens Ehre. 


(*) Dieser Johunn 1'aisllerins hut der Lutherischen Religion nicht ohne Vermessenheit die Nu- 
tivitaet gestellet, du er ihren Untergang und fatalem periodum auf dus Jahr 1575. ge- 
setzet, dessen Worte D. Joh. Fried. Mayer unführet dissert. H. de qvaest: Utrum futa 
religiouis dependeunt ab astris Hamburg 1700. 4. edita. 
Joh. Ern. Tile8ius. Sub-Con-Reet. 


Ecce venit 8eclum coeli bonitate secundum, 
Ecce vellit faustus temporis ilIe dies, 
Tradita qvo Carolo Qvinto doctrina Lutheri, 
lEternum verae relligionis opus. 
Qvod pandit divinarum penetralia rerum, 
Yt gentis sanctae con8tet in orbe fides. 
Laetetur, cordi cui limpida dogmata Christi, 
Bordet & immundi 8qvalida fontis aqva. 
Alta pias tendat supplex ad sidera palmas, 
Corde Deo gratus, gratus & ore Deo. 
Luthero voluit 8apientia Numinis vti 
Cum sua qvisqvilii8 euacuanda domus. 
Jam puri 8ine labe sonant oracula verbi, 
Integra distribuit signa sacrata manus. 
Nun pedibu8 Papae nobi8 libet oscula ferre, 
Sit crassis monachis ilIe relictus honor. 
Carne 8ua cihat, & potat nos sangvinis vnda 
Chri8tus, cui sponso basia 8ancta damus. 
Bine gen8 tonsa vale: nam n08 doctrina Lutheri 
Ex I8raelis fonte petita iuuat. 
Il1a perennabit per millia secula durans 
Cumqve Dei verbo nescia finis erit. 
Laeta mente manuqve adiiciebat 
Godofredus Halter. Scholae Cath. Collega. 


20
>>>
IIJ. 


1719 Januar 1. 
18. Magister Pastor Lehmann in Königsberg beglückwünscht den Rat und die 
Gilden der Stadt Biga zum neuen .Tahr aus Dankbm-keit für die ihm im 
August und im September 1718 erwiesene Liebe 
tnd Wohltat I. 
O. Druck: Königsberg, druckts JohalJll Stelter Königl. PreuBz. privil. Bucbdr. 4 Seiten 
fol., unten am Rande: Sr. HochEhrw, Herrn I'ast. LlLl1terbach 1\1. h. H. BGA. Vgl. RP. 
v. 12. Jan. 1719 und 26. Aug. 1718, PI. B. 74 S. :140 u, 98. 
N euJ ahrs -Wunsch, 
Welchen bey Antritt des 17tH. Jahres, dem Hochl
delgebohrnen Senatui der 
Käyserl. Kauff- See- und Handels-Stadt Riga, Wie auch Henen Hoch-Edlen, 
Hochbenahmten und Hochfiirnehmen Herren, Herrn Aeltermann, AeItesten, und 
sämbtlichen Vornehmen Gliedern der Grossen Giilde, Ingleichen Denen Wohl- 
EhrenvestelI, Ehren -W ohlgeachten, Kuusterfahrncn uud W ohlfiirnehmen Herren, 
Herrn Aeltermann, Aeltesten und allen Hochlo"!. Aemhtcrn Her Kleinen Giilde, 
Seinen gnädigen, HochgeEhrten Herren, Hohen Patronen, mitleidenden Gönnern, 
und sonderbaren W ohlthätern, Aus obliegender Ilertzens- 1'11 icht, Zum steten An- 
dencken und Denckmahl seiner äusscrsten Danckgeftissenheit, vor die im vorigen 
Jahre Mens. Aug. & Sept. genossene Affection, Liebe und W ohlthat, iibersenden 
wolte und solte, Dero Allerseits Lebenslang treu-verlnmdner Diener, und uner- 
mildeter Vorbitter zu GOtt 
1\1. Benjamin Lehmann, P. L. C. & Past. design. Kaesem. 
Heran bey dieser Zeit I last uns zum Jauchzen schicken 
Ihr, die Ihr Christen seyd bringt eure Opffer dar, 
Denn es läst unser GOtt das liebe Neue-Jahr 
Uns in erwilntschder Ruh' nun abermahl erblicken. 
Es ist durch Gottes Gnad an hoher Himmels-Biihnen, 
Durch der 12. Zeichen Raum die Sonne durch gerückt, 
Der grosse Himmels-Printz hat uns herab ge:3chickt 
I
in neues Jahr, dasz uns mit Freuden ist erschienen. 
Uns hat der grosse GOtt: (ob wirs gleich nicht erwerben:) 
Gantz Väterlich bewahrt, in abgewiclmer Zeit, 
Vor allem Ungemach und grossem Hertzeleyd, 
Und so wie jetzo noch errettet vom Verderben. 
Drumb auf! und lasset uns auch danckbar jetzt erweisen! 
Weil wir genugsahm sehn, dasz GOtt uns gnädig ist, 
Auch so, dasz Fried' und Ruh sich nun aufs neue küst, 
Drumb auf! und lasset uns des Höchsten Giite preisen. 


18: 1) Im Aug. 1718 hatte ihm der Rat auf seine bei Überreichung einer gedruckten in 
KiJnigsberg gehaltenen Predigt: Über die Ueridde UotleH 'I.'myebnll'hte Bilte tl'11I ein Geschenk 
5 Bih. Carol. iihergeben lasllen.
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1719 


Carmina ur. 


So jauchz't das Christen- V olck wenn es will recht erwägen 
Des HERREN Gütigkeit! und dessen them'en Rath, 
Und was vor grosses Wohl Er Ihm erzeiget hat, 
Ja! wie sich kiinfftig hin will paaren GlÜck nnd Seegen. 
Zu der Zeit freuten sich, und wiindschten neues Glücke! 
Die Alten unter sich aus treuer Lieb und Lust. 
Ja! Ihnen wal' sonst nichts als Freundligkeit bewust, 
Sie hertzten, küsten sich, und gaben Liebes-Blicke! 
Ich ahme diesen nach, Weil mich die Schuld verbindet 
Zu einer Danckharkeit, stell mich gehorsam ein, 
Es soll ein guter W um;ch vorietzt mein Opffer seyn, 
Dieweil sich sonsten nichts in dem Vermögen findet. 
Hab' ichs nicht Ursach auch? Ich wär ein Gast zunennen 
Dem man gleich (a) Samieru das I. und H. aufdrückt, 
Weil mir durch Ihre Guu::!t viel guts ward zugeschickt! 
Sonst möchte man mir auch das Undancks-Zeichen brennen! 


Drumb will ichs breiten aus, und nimmermehr verschweigen, 
Doch sonder grosse Wort' denn diese machens nicht. 
Gnug wann ein guter Wunsch aus treuen Hertzen bricht, 
Dasz späte Nachwelt auch, kan meinen Danck bezeugen. 
Es soll aus Eitelkeit derselbe nicht bestehen, 
In Reichthum, Gold, und Geld und and'rer Nichtigkeit, 
Das Erst're (b) hab ich nicht j Es währt auch kurtze Zeit, 
Es musz ja Reichthum, Gold, und alles Geld vergehen. 
Der HERR der (c) Abraham den Vater vieler Seelen 
Den theuren Glaubens-Held in seinem Schutz gefast', 
Und Ihm bey seiner Treu getragen seine Last, 
Der wende von SIE ab, Angst, Noth, und alles Quälen. 
Zwar ist auch Abraham nicht stets im Wohl gewesen, 
Bald sah' Er theure Zeit, bald kahm der Feind ins Land, 
Bald stiesz Ihm anders wo ein herbes Weh zur Hand, 
Wie solches uns die Schrifft genugsam giebt zulesen, 
Doch, da Er wie ein Held sich zeigte in den Nöthen, 
Und GOtt das Glaubens-Gold recht wohl probiret fand 
Das von Ihm hoch und werth ja kostbar ward erkant, 
So konte Ihm kein Neid, kein Feind, noch Unglück tödten. 
Der GOtt, der wolle auch bey meinen GÖNNERN bleiben 
Der GOtt des Abrahams der sey IHR starcker Schutz 
Ihr Schild, Ihr grosseI' Lohn, und aller Feinde Trutz j 
Denn Er alleine kan Feind, Neid und Streit vertreiben. 


Der Himmel wolle selbst auf DERO Haupt ausstreuen 
Den vollen Glückes-Schnee zu dieser frohen Zeit, 
Es trtff' SIE nimmermehr kein Kummer, Noth, noch Leid! 
GOtt woll SIE allerseits mit Hülff und Trost erfreuen! 


20* 


307
>>>
308 


C8rmina IH. 


1743 


RI E I,ehcn stets vergnügt in Freud' und lauter W onnc 
In Fried und guter Ruh, hegJiicket sey IHR Hauszl 
GOtt lasz sn
 dieses Jahr gesund geh'n ein- und au:!! 
.Es geh' SIE stetig auf die giil?n h e F S riedens- I SOllne. 
relC e . eegens- ( 
Gib Höchster, dieser Stadt hald Sonnen-Schein nach Regen, 
Damit SIE ferner weit erquicke deine Zier, 
Und manches schönes Jahr erfreue für und für, 
Dasz viele noch mit mir bewundern Ihren Seegen! 
Von mir erzeigtel' Gunst, will ich jetzt nicht viel schreiben, 
Weil die Bescheidenheit mich hiervon schweig('ll heist; 
Sie soll zur and'rer Zeit schon werden hoch gepreist 
Die Danckbarkeit soll stets in griinen Cedern bleiben. 
01 könt' ich es recht Thun nach Würden und Vermögen I 
Immittelst nehmen SIE nur höchstgeneiget au, 
Wie meine schwache Zung' vOljetzo lallen kan, 
Was meine (d) Clio SIE zum Füssen dar-will legen! 
SIE Leben stets gesund, an Seel, Leib, und Gemiithe, 
Und wann des Himmels-8chlusz die Miih und Last vermt'hrt, 
So werde durch disz .Jahr IHR Hausz niemahls versehrt, 
Es steige IHRE Kratft zu einer höhern Bliithe. 
Und dieses ist mein Wunsch: GOtt wolle Sie erhalten 
In steter Seegens-Kratft, durch seine starcke Hand, 
Und schiitzen ingesamht das lieb' Lieffländsche-Landl 
GOtt wolle über disz, wie bisz anhero walten I 
Bisz Er SIE dermahleins nach überlebten Jahren 
Zur Zions-Burg einführt, wo man vor Freuden springt, 
Und mit verklährtem Geist das dreymahl Heilig singt 
Mit (e) Seraphinen-Chor und aller Engel-Schaarenl 
Wo man die Lust geneust, die noch kein (f) Aug' gesehen, 
Die noch kein Ohr gehört, und in kein Menschlich Hertz 
Zur Zeit nicht kommen ist. Da alles I,eyd und Schmm.tz 
V prsüsset JEsus Christ, der Lasz' es bald geschehpn I 
I.ptzt wünsch ich noch einmahl SIE steh'n in voller Blüthe, 
GOtt sey IHR starcker Schild, IIIR Lohn, und grosses Heyl, 
IHR Trost, IHR Schutz, IHR Sehatz, IHR alJerhestes Thei!. 
Mein GOtt, erhöre mich, durch deine grosse Gütel 
Hierbey versprech ich noch, Ich wH vor SIE stets heten; 
GOtt höre mein Gebeth, und spreche Amen dl"eilll 
Er wolle SIE hinfort von aller N oth befi'ey'n! 
GOtt lasse unerhört mich niemahls von Ihm treten 1 


Dis ist mein Wunsch, den ich, in Demuth überbringe, 
Dasz GOttes Lieb, und Huld, und unumbschl'enckte Macht, 
Durch dieses gaDtze Jahr nur sey auf SIE bedacht. 
.Dasz lauter Seegen sich in IHRE Häuser dringe I
>>>
1743 


Carmina Irr. 


309 


Annot. 
(a) Samier ist ein nndnnckburcr Mensch gewesen, dem man wegen seines Undancks die 
Buchstaben I. H. d. i. rnl!'rntus Hospes, an die Stirn gebrandt. (b) Silber und Gold hab ich 
nicht, sagte dort }'etrus, Act. 3, v. 6. (e) Hen. XV. v. 1. & seq. (d) Clio ist eine von den 
9. MUl!en. (e) Es. VI. v. 3. (f) 1. Cor, H. !I. 


1743 Dezember 1. 
19. Die deutschen Komödianten feiern den Rat der Stadt Riga 1. 
O. Druck, 3 BI/tl fol. Verfasser: DirektorJ. Ch. Siegmund. BGA. Vgl. RP. v.17. Aug., 
11. u. 18. Nov, li43, Pi. B. 120 S. 207, 354, 373. 
Der wohlgegründete Allsspruch, Der durch Weisheit und Verdienste zuerkanten 
J%ren-Crone, Werdeu Bey IlullIuehriger baldiger Endigung derer Schauspiele 
l
inem Hoch Elllen und Hoch Weisen Rathe, 
Her Ruszisch Kayserl. Hee- uud Handel-Stadt Riga, 
V 01' so viele erhtngte Giitigkeiten Zu einem ullterthänigen Danck-OpfIer In 
einen Poetischen P,'ologo und Epilogo Widmen Die von Ihro Ruszisch Kayserl. 
)Iajest. allergnädigst priviJegirte Comoedianten. Unter dem Directorio 
J ohann Christopher Siegmunds. 
Riga, den 1ten Decembr. st. v. 1743. 
Ihr Väter dieser Stadt 
Im Raht und im Gericht, 
Die Grösse Eurer Huld erfordert Danck und Pflicht, 
Wie soll ich theureste Euch selbige bezahlen 
Jhr Hesset manche Giit' auf meinen Schauplatz strahlen, 
Da ich in diese Stadt als wie ein Frembdling kam 
War Eure grosse Huld die in den Schutz mich nahm; 
Ihr hörtet meinen Wunsch, erfülltet mein Begehren 
Und liesset meiner Lust niemalen etwas wehren, 
Ihr leget deutlich dar, dasz die Gerechtigkeit, 
Euch wie die Gütigkeit zu jederzeit erfreut, 
Vergniigt koni' ich alJhier in diesen )[auren leben 
Ich spiihrte Lust uud I
reud um mehlen 
chal1platz schweben. 
Lebt theure Väter lebt vor diese Gunst vergnügt 
Und da der Himmel sich zu tausend Wiinschen fügt 
So wird auch Fried und Recht vor Eure Wohlfahrt streiten, 
Und Euren weisen Rath mit Seegens-Huld begleiten 
Erlebet Nestors Jahr und Polycratens Gliick, 
Es stöhre Eure Ruh kein wiedriges Geschick. 
Vergönn, Hochweiser - Rath dasz ich mich kan verschreiben 
Bis zu des Lebens End in Demuth zuverbleiben, 
Eines Hoch-Edlen und Hoch-Weisen Magistrats 
Dienstergebenster Diener 
J ohann Christoph Siegmund. 
Principal der Ruszisch Kayserl: privilegirten Comoedianten. 
Der Schauplatz steHet einen angenehmen Gal.ten vor, in dessen Mitte zeiget 
sich ein OpfIer-Altar, auf selbigem stehet das Wappen der Stadt Riga, oben 
demselben der Ruszische Kayserl. Adler, mit der Uberschrifft: Dies ist ein 
schöner Stein v on meiner Kayser Crone. Drum bleibt Ihm meine Gunst zum 
19: 1) Der Rat 1wtte dem Direktor Siegmund das alleinige Recht ZU1' AuffÜhrung von 
Komlidien in Riga gewährt.
>>>
310 


Carmina IH. 


1743 


Astraea. 


. 
ungekränckten Lohne. Iu dem Piecle::;tal ist da::;z Corpus Juris mit eincm Cl'Clltz- 
Schwerdt und Waagschale, mit dpr Bey::;(
hrifft: Pictate & Justitia. ZUl' Reehten 
zeiget sich eine Pyramide, auf welcher uer Magnet das Eysen an sich ziehet, 
und das um sich gestreute Gold unheriihrt lässet, mit der Uberschrift't: 
I)n 
Tangitur Auro. Auf der liucken Seite ein AIt.ar, auf welchen eine helle Feuer- 
flamme brennet, mit der ULerschl'ifft: Nou uni, sed omnibus. 
Unterrpdl'ude I'ersollllen des I'rologi. 
Ein Majestätisches Frauenzimmer, trä
1; auf dem Haupt eine König1. 
Crone, in der Hand einen liegen daran eine Crone, in der andcrn 
Hand eine Waag-Schale. 
Ein Manns-Bild in Römischer Tracht, in der einen Hand einen 
Scepter, in der andern Hand eine Cornu Cnpiae. 
Ein weisz-gekleidetes Frauenzimmer, hat einen Cl':tntz auf dem 
Haupte, in denen Händen Korn-Aehren. 
Ein alter Römer hält in der Hand einen Korb mit n(
l'tzen. 
Ein Mann welcher in seiner Hand ein LamJU führet. 


Freyheit. 


Friede. 


Einigkeit. 
Tugend. 


Astraea. 
Die Tugend dieser Stadt und die Gerechtigkeit 
Die ich in selbiger mit viel Vergllügen finde 
Hat mich so sehr erlh'ut 
Dasz ich mich Jhr mit Lieb verbinde 
Und dasz Sie selbige recht möge fassen 
Hab ich den Götter-Sitz verlassen. 
Wo Tugend uud Verclienste bliihen 
Da steht es wohl um eine Stadt 
Da fliehen die Laster, da weichen die 'l'riebe 
Der ungereimten J
igen- Liebe 
Weil eines jeglichen Bemühen 
Des Nechsten Wuhl zum Absehn hat. 
Zum Zeichen meiner Huld ist lliese Cron bestimmt 
Nimmt die Cnme von dem Degen, und legt 
ie auf den Altar. 
Doch dasz Sie kein Unwürdger nimmt. 
So LleiLet diese Orone. 
Dem Würdigsten zum Lohne. 


Gehet ab. 


Freyheit. (Dem Würdig8ten zum I.ohne) 
O! so gebührt sie mir 
Denn ich geh' :tllen fi'u', 
Friede. Nein, nein Ich musz sie haben 
Denn meine edle Gaben 
Bezahlet man mit keinem Gold 
Dir ist zwar ItUch ein jeder hola 
Allein, was hil1J't es, frey und ohne 1
riedcn seyn 
J)ruID blei1lt die Crune mei1l. 
Freyheit. Die Freyheit ist der Grund ZUlU rechtell W uhlergehcn 
Die Städte Land und Leut 

rhält, beglückt, erfreut, 
Drum bleiht vor mich die Grulle "tehen. 
Friede. Astraeens Ausspruch llJUSZ 
Bey unsern Streit uell Ausschlag geben
>>>
1743 


Carmina III. 


Ich wÜrde mein Verdienst umsonst erheben 
Drum stehet fest der Schlusz 
Es bleibet diese Crone 
t Dem WÜrdigsten zum Lohne. 
O! So bekomm ich Sie 
Denn alle meine Miih 
Ist auf der Menschen wahres Wohl gericht 
Wenn nun Astraea mir das Urtheil spricht 
So weicht Ihr andre nur. 
Freyheit. Es ist nicht so gemeint, 
Denn mein Verdienst geht allen andern fIir 
Drum bleibt die Crone mir. 
Einigkeit. Ihr streitenden, stellt Euren Zwietracht ein 
Sagt I was wird euer Wesen seyn 
Wenn Ihr mich wollt verlassen 
Ohn mich fand selb8ten die Natur 
Von ihrer Ordnung keine Spuhr 
Ohn mich musz dieses Rund vergehen 
Kein V olck kan ohne mich bestehen. 
Ja! dein Verdienst ist grosz, der meine auch nicht klein 
Ich musz gewisz dabey nicht ausgeschlossen seyn 
Und mich vergesse man nur nicht 
Weil8 mir nie an Verdienst gebricht 
Drum beibet diese Crone 
' 111' al " dem W .. d . t L h 
-' . " d ur IgS en zum 0 ne. 
er 


Freyheit. 
Friede. 
Tugend. 


Freyheit. 
Friede. 
Tugend. 


Alle. 


Zu vorigen Astraea. 
Ich habe euren Streit vernommen 
Und da ich jetzund hergekommen 
So sollt Ihr solchen bald erfahren 
Wer dieser Crone würdig sey. 
Es ist zwar wahr 

Ian musz die seltenen Verdienst erheben 
Von denen, welche sich zur Crone angegeben 
Und da er nur bey Ihnen einzeln ist 
Und Freyheit, Tugend, Fried und Einigkeit 
Zusammen jene Schaar beschliest 
Die Riga stets mit Glück durch Rath und That bereit. 
So sind die weisen Väter dieser Stadt 
Die WÜrdigsten zu dieser Ehren-Crone 
Und diese hleibt hisz in die Ewigkeit zu Ihren Lohne. 
Einigkeit. Ja gantz gewisz. Ich weisz 
Dasz Klugheit und Gerechtigkeit 
In dieser Stadt ihr Zelt ausbreit 
Der Höchste reichet Ihnen selbst zum Lohne 
Die aufgesetzte Ehren-Crone 
Des Himmels und ELISABE'l'HENS Schutz 
Beschirmet Sie vor allen Trutz 
Des tollen Neydes Raserey 


311
>>>
312 


Carmina ur. 


1743 


Fried, Tugend, Freyheit, Einigkeit 
Macht Sie von allen Kummer frey 
Und ist zu Ihrem Wohl bereit. 
Chorus. 
Friede, Tugend, Fl'eyheit, Einigkeit 
Macht Sie von allen Kummer frey 
Und ist zu Ihrem Wohl bereit. 


Das zu dem heutigen Tage errichtete Schauspiel J3etittuIt sich: 
Die zwar anfänglich unterbrochene, und doch zuletzt Becrönte Liebe, Das ist: 
Aus der gezwungnen Eh, Entstehet Ach und Weh. Oder: 
Der, ungeachtet aller wiedrigen Zufälle seine DIANJRA Allezeit treu-liebende 
König ALPHO.KSUS. 
Mit Arlequin einen verliebten Hof-Schmarutzer, eyfersüchtigell Rival, und Spion 
zu dem Schaden seines Herrn. 


Unterredende Personen. 
Alfonsus, König von Castilien. 
Rosinda, eine Printzeszin des Reichs, und Gemahlin des Alfonsi. 
Dianira, Hertzogin von Tyroll. 
Don Carlos, Vetter des Don Alfonsi. 
Don Fernalldo, General der Castilianischell Waffen, Bräutigam der Dianira. 
Alidora, Cammer-Jungfer der Dianira. 
Ruperto, des Königes CammerDiener. 
Pasquella, gewfsene Nähr-!Iutter und Cammer-Frau der Rosinda. 
Arlequin, des Alfonsi Diener. 
4. Mohren. 
Leibwache des Königs. 


Unsre Sängerin wird sich eifrig8t angelegen Beyn lai:lsen, ein hohes Auditorium 
mit galanten Arien zu vergnügen. 
Den Beschlusz macht ein Tautz und eine lustige Nach-Comödie. 
E
pilogus. 
Es zeiget sich die Ergebellheit in dem erBten Schau-Platz, mit denen in dem 
Prologo vorgeBtelIten Sinn-Bildern. 
Ergebenheit. 
Hochweise Väter dieser Stadt 
Die IHR den rechten Tugend-Pfadt 
Der Bürger (die EUCH ehren) führet 
Und Selbe durch das Recht regieret. 
Ich wünsche dasz des Himmels Schlusz 
Stets EUR
jN Wunsch erfiillen musz 
Und mach l
UCH jederzeit vergniiget. 
Die Last die EURE Schultern hieget 
Verkehre sich bey BUCH in LUl:!t 
So bleibt EUCH Freud und Ruhm hewu"t 
Das Opfer meiner Seelen-Triehe 


.
>>>
1743 


Carmin& III. 


313 


Spricht noch aus wahrer Treu und IJiebe 
Lebt wohl Hochweise Väter-Schaar 
Bel' Höchste mehre EURE Jahr 
Und zeige neue Gnaden-Blicke 
Durch stets vermehrendes Geschicke 
E8 halte keiner Zeiten-Lauf 
Der themen Väter Nachruhm auf. 


Der Schau-Platz ist auf dem Bischoffs-Berge unweit der KÜtter-Pforte, in dem 
neu erhauten Comödien-I1ause, auf den ersten Platz giebt die Person 1. Orth 
Alb. auf den andern 6. :Marck. und auf dfn dritten 4. 
[arck. ])je Herrschafl't- 
lichen Bedienten bfzahlell vor die Entree. Bey dem giugang wird kein Geld 
angenoJllmen, sondern es mÜssen vorhero die Biliets bey der TÜr geholet werden, 
zu diesem Ende wird der Herr Cassier von 2. bisz 4. Uhr an der ThÜr seyn, 
gegen Empfang in guten A Ihm'ts Geld die Bi1iets zu geben. Der 
Anfang des Schauspiehis ist präcise 5. Uhr. 
N H. Man sieht zwar nicht gerne wegeu des engen Raums, dasz jemand auf 
das Theatrum komme, nichts destoweniger soll es vergöunet werden, 
wenn vorhero ein Biliet vor einen Alherts Tblr. gelöset worden. 


1748 Dezember 1. 
20. Die deutschen Komödianten feiern die BÜrgerschaft der Stadt Ri.ga. 
O. Druck, 3 Blatt fQl. Verf(/SHer: Direktor J. Ch. Sieglllunl/. RGA. YgI. RP. t'. 1'1. 
Aug., 11. u. 18. Nov, 1743, PI. B. 12() S. 20'1, 354, .'l'1.'J. 
nie von lRENEN verkündigte gÜldene Zeiten, Durch eine hegliickte und Segens- 
volle Handlung: Wurde bey jetziger Em1igung derer Schauspiele, Henen IJöb- 
lichen BJtisten-Häncken Gros;-;er und Kleiner Wilue, Der IJöblichen Compagnie 
Derer schwartzcn Häuptel', Der sämt1. Biirgerschafft, Wie auch Denen von 
Ihro Ruszisch Kayser1. Majestät allergnädigst bestätigten zwone reitenden 
grünen und blauen Biirger-Clllupagnipn, Der Kay:!Cl'l. See- und Handels-Stadt Riga, 
Zur Darlegung eine:3 gebiihrenden nanck-Oplfcr:3, Iu einem darzu verfertigten 
PRO[,OGO uud 1
P1LOGO gehorsamst gewidmet, 
Durch die von Ihro Ruszisch Kaysel'licheu 
I:
jestät allergnädigst 
privi1egirte COllloedianten unter dem Directorio 
JohaUll Christopher Siegmunds. 


W ohl- }Jdle, 
Grosz- und V orachth:thre, 
W ohl-FJhrenveste und 'V ohlfi'u'nehme, 
1-1 ochzuehl"ende Herren! 
In Ermangelung lUphrerer K räfl'te und Vermögens meine Erkentlichkeit, 
mit gebührender Pflidlt ahzm:!tatten, erscheinet ein Schauspiel, welches ich mit 
aller Ehrerhiethung, in dip ]lällllp meiner Werthel1 Gönner lege; dip Witigkeit 
meiner Hochgeehrten Herren, setzet mich in 
ul('hp Bewegung, dasz meine }'eder 
nur allein diese Worte auszudrucken vermögend: lUG A ist eH, in welcher Leut- 
seligkeit und GÜte ihren Wohnplatz finden, uud welche vielen Oel'tern zum 
lJxempel einer beHonderen Wohlthätigkeit kan dal'gestellet werden; Es lassen
>>>
314 


Carmina 111. 


1743 


sich also, meine Hochgeehrte Herren, diese meine Danck- und Dienst-Geßiessen- 
heit geneigt gefallen, indem ich unabläszig verbleibe 
Meiner allerseits Hochgeehrten Herren, 
gehorsamst verbundenster Diener 
Johm1D Christoph Siegmund. 
Der Schau-Platz hjt voller erhabnen Felsen, nach dem Prospect zu, zeiget 
sich die See mit einigen Schiffen, am Ufer stehen zwey Bürger. 
Unterredende Personen. 


Cambio. I 
Mercatore. 
 zwey Bürger. 
Ein Schiffer. 
N eptunus. 
Zwey Bauren. 
Jrene. Göttin des Friedens. 
Cambio erwacht: Ermuntre dich mein Geist 

[ercatore erwacht: Brwache meine Seele. 
Denn dort bey jener Höhle 
Wie mir das Glücke weist, 
Kommt unser Hoffnungs-Schiff mit neuen Waaren an; beglückt bin ich. 
Cambio. Ich auch. 
Es kommt ein Schiff und der Schiffer geht ans Land. 
Schiffer. Viel Glück Ihr Herren 
Wie stets um euren Preisz, warum so in Gedancken? 
Will etwan Euer Cours nicht stehen sondern wancken 
Was drückt Euch, was beklemmt das sonst so freye Hertz 
Sagt! was betrübet Eucb, ist etwan dies der Scbmertz 
Dasz Euer Hafen nicbt mit Scbiffen angefüllet? 
Gedultl es kommt die Zeit so Euren Kummer stillet 
Denn! was der Himmel Euch beym Kriege hat versagt, 
Ersetzt der Frieden Euch, darum seyd uuverzagt 
Zu vorigen Neptunus auf seinen See-Wagen. 
N eptunus. Ich selbst will Euch in kurtzen noch beglücket sehn 
Cambio. Und wenn 
Mercatore. 
Neptunus. 


wie bald 


des Glückes festes stehn, 
Zeigt Euch der Himmel jetzt durch seinen Gnaden-Willen 
Cambio. Ich glaube dasz Er wird dein hohes Wort erfüllen. 
Neptunus. Ich werde, wenn Jrene Euch mit Ihren Schein, 
Im Frühling recht erfreut, zu Eurer Hülffe seyn 
Ich werde gantz bemüht auf meinen breiten Rücken, 
Euch manches Schiff und Guth, zu Eurer Wohlfahrt schicken. 
Weht Ihr Winde, 
Doch gelinde, 
Denll ich schütze diesen Portb 
RIGA du beliebter Orth 
Bey dir soll kein Schiff mehr Stranden 
Sondern in dem Hafen Landen; 
RJGA angenehmer Orth 
Leb beglückt samt deinem Portb.
>>>
Neptunus fahrt mit seinen Wagen ab. 
Xun ist mein Wunsch erfüllt. 
Und unser Gram gebrochen 
Ich habe schon mein Freund sehr offt mit uir gesprochen, 
Hal:!z, wo die Eintracht herrscht, so musz von weiten her 
Oer Grund-Stein unsers GlÜcks ja seILst das weite )Ieer 
Die Schiff nach unsern POl"th im unsern Hafen schicken 
Und uns zu uW:lern Heyl d:ts Uferhelfft'n Hcllluücken 
Mercatore. So sey Sie ferner noch in unsre Brnst gesenckt 
So bJeibet unser Wohl noch ferner ungekränckt 
Her Neyu entferne sich Ley allen unsern Schlüsl:len 
So können wir die Lust der }1'reundschaft't recht genüssen. 
Mercatore. Ich folge deinen Schlnsz, ich bin dazu bereit, 
So bleibet zwischen Uns, Fried, Ruh, und Einigkeit. 
So recht! durch dieses könnt Ihr Euren Ruhm erhöhen 
Und wir an dieser Rehel', am Glückes-Ancker stehen 
Brinf"rt nur die J..adung bey, wenn ich bald reisen soll. 
Es werden etliche Packen, welche mit dem Huszil:lchen Adler bezeichnct, gebr:teht. 
Ich gehe jetzt am Hort, der Winu der will mir woll, 
I..eht alle höchst vergniigt 
)Iercatore.) Mein Schift'er, reise wohl! 
Cambio. ) 


1743 


Schiffer. 
Mercatore. 
Cambio. 


Cambio. 


Schiffer. 


Cnrmina III. 


315 


Zu vorigen zwey B.tmen. 
Hrster Bauer. Wie stehtl:l mein Herr, was wird aus unsern Handel werd{'n 
Es ist der bel:!te Flachs, so jcmahls auf der Erden, 
Der Himmel und das Gliick zu Buren Dienl:!t gezeigt, 
Anderer Bauer. Kommt handelt 11111' mit mir (zu )Iercatore) und hleibet nl1r 
geneigt. 


Gih dich zur Ruh, der Handel ist getroffen 

'iihrt nur dem Hanf hCl']Jey, mein lIausz das steht euch oft'cn 
Die Zahlung soll so gleich hey Eurer Lieft'l'Ung l:Ieyn. 
Erster Bauer. Herr Packt mir vor mein Guth nllr 80 viel Laal{Cn ein 
Anderer Bauer. 
[jr aLer geLt das Geld, ich mUl:!z dem Juncker zahlen, 
Was ich Ihm schuldi
 bin, sonst musz ich Roggen mahlen. 
Hrl3te1' Bauer. Das Gliicke scheint uns an . 
Cambio. Kommt :Freunde also gleich 
Jh1' sollt das Eur'ge sehn 
NUll ::Ieynd wir :Freudenreich. 


Mercatore. 
Cambio. 
)[ercatore. 


I 


Alle. 


Geduld 


Zn Vorigen. 
JREN

 in emel' Wolcken }Iachine, iHml. derselllen sehwehet ein Regen-Bngen. 
Die Felsen vcrl:lchwinden, und zeiget sich der Schauplatz als eine angenehme 
Gegend. Zur Rechten stehet einer von der W ohl- hestallten griinen Compa- 
gnie mit hlossen OeWelll", iibcr Jhm d:ts Blich der Stadts-Statuten mit einem 
Creutz bezeiclmet mit dencn WOlten PRO FJEj)I
 WI' LEGE, Ich weiche nicht 
V Oll dem Gesetz und meines G laubens- Licht. Hinter seIhen ist die weii:lse 
Estandarte mit deneIl Worten: Nie! all:! im aIten Rom sah man den Adler 
fliehen, wann jene Biirgerschatrt kont in die Ordnung ziehen. Zur Hncken Seite 
stehet einer von der Wohlbestalten blauen Compagnie, mit hlossen Gewehr, üLer
>>>
316 


Carmina IH. 


1743 


Ihm der Kayserliche Atller, in dessen Brust die Buchstaben: E. P. unter dem 
Atller das Ri
ische Staut-Wappen, mit der Uberschrifi"t: Pro IMPERATRlCE 
& PA TRIA, Ich geh mein I_ehen wil1ig hin Vor Reich, vor Stadt und unsre 
Kayserin. Hinter seiner Persohn stehet die rothe Bstandarte, mit der Uber- 
schrifft: Doch was im AlterthUlll vorher in Rom geschehen, Kan man zum 
höchsten Ruhm in RIGA selhsten sehen. Zur rechteu Seite eine Pyramide 
welche ein auf der See gegen dem Hafen seegeIendes Schiß' zeiget, mit der 
Uherschrifft: In Commodum Reipuhlicae; nie andere Pyramide zur rechten Hand, 
einen Hafen mit Schiffen, :nn Ufer stehen verschiedene Waaren, welche :Mercu- 
rius lind die Genien der Kaufl'lIIannschafft, theils in, theils aus denen Schiffen 
hringen, mit der Uherschrifft: Adjuvante Numine. Zur Lincken ein Handels- 
lIIann, in seinem Cantor, mit der Uherschriß't: Spe & Sl'eculatione! Die andere 
zur Lincken, ein Steuer-)lalln in einem Schiß' auf dm' See, welcher einen Oom- 
pasz lind See- Clmrte vor sich hat und nach den Stel'l1en-lIill1lllel siehet, mit 
der UIJerschrifft: Plus DEO, Quam Arte. 
Ari:t von Jrene. 
Eine überhäuft'te 
'iille, 
Reich ich jeden mit Vergniigen 
Seinen Stande obzuliegen. 
Da Capo. 
Steh still heglücktes V olck, sag, was hat dich bewogen 
Dasz du gantz Freuden-voll vereinigt kommst gezogen 
Cambio. Diesz Göttin, was der Ruff von dir uns zugedacht, 
Weil. du diesell,e bist die uns beglückt gemacht, 
Ja! weil dein Gnaden-Schein uurch ueinen Regenbogen. 
Sich zu uns sterblichen bisz auf die Erd gezogen 
So ist mein 
2. Bauren. 
Alle 4. 
J rene. 


Angenehme sanßte Stille 
Kom ergötze meine Brust 
Diese Stadt ist meine Lust, 


Jrene. 


Wenn 


unser Wunsch 
dich ewiglich zu sehen 
Ihr es denn so wiinscht so mag es auch geschehen. 
Ich will allzeit hey Euch wohnen 
Eure Treue zu belohnen 
Die Ihr gegen Reuszen heget; 
Wenn sich auch ein Sturm erreget 
}leine Giit soll 
Juch erfreuen 
St.et8 in Seegen und Gedeyen. 
Deine Giit soll uns erfreuen, 
Stets in Seegen und Gedeyen. 


Chor. 


Das zu dieser unsrer Schuldigkeit vor so viele Gütigkeiten ausge!!uchte Schauspiel 
BetittuIt sich: Die Groszmiitige Tugend der römischen Kaysprin EUDOXIA. 
Oder: Wahre Prohe uer Gel:tssenheit, in uer Person des Wendischen Königes 
Gen!!erici. 


Unterredende Persunen. 
Euuoxia, Wittwe dcs KaY8ers Valentiniani und nachmahlige (
emahlin dcs 
Gensel'ici, 'rodt geglaubten Königes der Weuden, uuter dem N:thmen Arsace. 
Artemio, Sohn des G-enserici. 
Placidia, Tochter des Oenserici.
>>>
1743 


Carmina III. 


317 


Ricimero, Befehll:!haher der Römischen Völcker. 
Cleonilda, Tochter des Ricimeri. 
Römische Soldaten. 
Der kleine Hilferding wird sich in der Persohn des Aruemii hey einem hohen 
Auditorio bestens zu reconmwndirf'n suchen. 
Den Beschlusz macht ein Tantz und eine lustige NaC'h-Comödie. 
Welche sich betittelt: 
L' Amour Medicin, Oder: Amor der Artzt. 
Jn dieser aus dem beri'lhmten 1IIoliere entlehnten Nach - Comödie ist ein Tantz 
von 4 Doctoren und dem Scangnorel, welchen der klf'ine Hilferding vorstelltt. 
Unsre Sängerin wird sich eyfrigst angelegen seyn lassen, ein hohes Auditorium 
mit galanten Arien bestens zu contentil'en. 
Epilogus. 
Wenn du 0 Riga, hier dein Wapen-Schild erblickest, 
Mit welchem DU DICH noch aus alten Rechten schmÜckest 
So nimm zu DEJNKM. Glück den Anwunsch unsrer Pflicht 
Der Himmel gönne DIR Sein stetes Gnaden-Licht. 
ER lasz DEIN Heiligthum gleich wie da::; Wohlergehen 
Der werthen Kauftinannschafft auf sichern Grunde stehen. 
Die gI'iin und blaue Compagnie die mit hehertzten Muth 
Wenn Sie in Ordnung steht. Zeigt das Ihr edles Blut 
V 01' V olck und Kayserin in Ihren Adern lebe 
Der Wünsch ich, dasz Ihr Ruhm sich mehr und mehr erhebe. 
Des Höchsten weise Hand schütz unsre Obrigkeit, 
Er scbrltz die Bürgerschafft und lasse jederzeit, 
Den Seegen seiner Krafft um Rigens Wapen spriessen, 
Da wir den Schauplatz jetzt mit Lob und Danck verschliessen. 
Die Arbeit des Prologi ist verfertiget von 
J. C. S. 


Der Schau-Platz ist auf dem Bischoffs- Berge unweit der K.ütter-Pforte, in dem 
neu erbauten Comödien-Hause, auf den ersten Platz giebt die Person 1. 01'th 
Alb. auf den andem 6. Marck. und auf den dritten 4. Marck. Die Herrschaft't- 
lichen Bedienten bezahlen vor die Entree. . Bey dem Eingang wird kein Geld 
angenommen, sondern es müssen vorhero die Biliets bey der Thür geholet werden, 
zu diesem Ende wird der Herr Cassier von 2. bisz 4. Uhr an der 1'hür seyn, 
gegen Empfang in guten Alberts Geld die Biliets zu geben. Der 
Anfang des Schauspiehis ist präeise 5. Uhr. 
NB. Man sieht zwar nicht gerne wegen des engen Raums, dasz jemand auf 
das Theatrum komme, nichts destoweniger soll es vergönnet werdf'n, 
wenn vorhero ein Biliet vor einen Alberts 1'hlr. geJöset worden.
>>>
Dritte Abteilung: 


Zur Finanzlage der Stadt. 


1. 
HuszUge aus dem Protocollum Secretum 
1721-17IiO. 



:oc-- 


....
>>>
1
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>>>
1721 April 26. 
1. Die Kamme-r beschliesst dem Gph. Rat Tolstoi und dem &krciür Makllrow 
Geschenke zu iibergeben. 
P. v. 26. Ap!'il li"'!I. 8. I. 


Ben 
t.i April 17iL. 
EW K H.tth in C.tmcm sambt tlmlen EIterleutheu Leyder Uiilden zusalllml'n 
gewesen. 
Bl'r Herr BurgGraf}' proponirte, wic uasz clie itzigen Coujuul'turPll 1 wohl 
erforderten, tlasz milli dem lIerl'll Ueheimuen Rath 'I'olstoi uud dPIII lIerrn Ue- 
heimuen ('ahillet-Heeret. Herrn Mak.lrof mit was rcgalil'pn miichtt'n. damit EWE. 
Hatti in seinen Ansudlllllgcn desto hesser reuissÜ'PIl lIIüchte, zumahlen mall, da 
dit
 UIIILstänuc diescI' Htaute!:! requiriereten, voritzo so was nicht an8ehen 
möt'hte, sondern vielmehr als ein moyen, lIIuh dadurch alles guth zu machen zu 
eOllsiclm'iren wäre. 
I
WK Rath :o;amltt denen Elterleuthen heyder Giilden legen dl'm 
lJenn Ueheimen Rath 'l'olstoi 200 Hukaten und dem Herrn SI'CI'Pt. 
)[.lkarof Ion Dukaten zu, und lassen geschehen, d.tsz !:!olches durch 
den 1Ierrn Cammerherru Schwartz denen seIhen insinuiret wpnll'
. 


2. 


1722 Dezember 1/. 
Die Kammer beschliesst als Weihnachtsgeschenk zu Übergeben: 
tlern Genem1goltverneur FÜrst Repllin 6'00 Du.kl/ten 
dem Vizegouverneur Wojeiko1V . 100 lUh. Alb. 
dem Kapitän Weismann, Dolmetscher 20 " " 
dem Kapitän Bmmlt, Dolmetscher 12 .. " 
dem Sekr'etiir Klemcken 12 " 
dem Sekretär Regel' . 12 " 
P. v. 11. Dez. 1722 tt. 22. Ja?!. 1723, S. 3 u. S. 5 f. 


" 


" 


3. 


1722 Upzembe-r 17. 
Die Kamrner verbÜrgt sich für die Riickzahl1w[1 der 1'on dem Kämmerer 
Zirnuwrmanll entlidtenen GOf) Dukaten. 


P. v. Li. Hez. Li:!:!. S. 4 t: 
\ 


JJeu IHeu ])I'cemhris 1722. 
Ifl'r Johauu Gl'ote, Hi'lrgermeistel' uml Ohel'-Kastt'uht'r 
11m' Melchior Wiedau 'Vol.tl'iihreuclel' Brll'gprlllei:o;tf'r 
11m' Juhalln \'. Hdlllltz Ohl'rV ogt. 
Hel' Peter Weyer Ober( 'ällllllPl'er 


1: J) B. I 595 n: 601. 60'1 n: 
12. Mai 1'121. 



) AusgefÜhrt den 26. April. Prot. secret. S. 2 


21
>>>
n2
 


I'rotnc.nUulII Hecret.llrn. 


1722- 24 


Her liedrich Zimmermann CämlOerer 
Her Johallll lösche ( . l ' lt I t 
" er eu e 
Joh. OItmann 
Der 'Vodhahemle Herr Bi"lrgermeistCl' \Vied:tll JlroJlonirt.e, uasz uer ller 
CälIlmerer Zimmermann gegen U nterschritrt und V (,l'uilllluu
 uerer Il Pt'pn Ca- 
meralen uie zur gewissen Staut-Angelegenheit' uühtigell tjOO Dllkatl'n gegen 
8 Gr. Lage au/I' eine Monat-Zeit und zwar ohne iutprpssen der Stadt vorzu- 
schiissell willig wäre. W:Ulll IIIll1 dieser V orsehll8z aus dpr m'steu Heuung des 
Portorii uud anueren zueri'Jt einllieszenden Stallt-M ittelll gleich wieuer vergÜtet 
werden könnte, HO zweifl'elte I
r, Her Pl'Oponeut keiuesweges, UIISZ nicht ein 
jeder von uen anwesellllen Horn aus Liehe zur Stadt sich del'gestalt verscLt'eiben 
und die \ViltfäLrigkeit des IIm'n Cälllmereru mit j)anek erkennen wel'de. 
Es wird nicht allein dem Hern CämmPl'ern fiir seine j)iellstwilligkeit 
gedancket, sondern auch von denen anwesenden Heren Camemlibus 
sich vor diesen V orschusz zu dessen Hicherheit \'iritim zu verschreillt'll 
und zu verhinden, helieuet. 


zgws. 


1723 Mai 28. 
4. Die Kammer bcschliesst dem Generalg01l,verneur Fürst ReJinin zu den 
bevorstehenden Feiertagen zu senden: 1 Oxhoft roten Wein, 1 Oxhoft 
weissen Wein und 1 Dutzend Flaschen Likö'r. 
P. v. 28. Mai 1723, S. 7, 


1723 Juni 21. 
5. Die Kammer beschliesst dem GenerfLlgOlwe1'neur FÜrst Repnin zu den be- 
'1'orstehenden Festtagen: Krünungstag und Xameltstag des Kaisers s01vil' 
.Ja]trestag des Sie,ges bei Poltawa zu senden: einen fp.tten Oduum ein Paal' 
Böttlinge Lämmer und Kälher, in AlI::!ehnng oasz ('inige. all!! Ilem Mitt,,) 
Es. \VohlEulen Raths mit zu solchen festi1l8 gellöhti
et zu \\'Cl'dell pflegte'lI, 
mau auer diesseits nicht immer sokhe '1'r:tt:til'un
en zu erwi('dern Oelp- 
genheit finden könnte. 
P. v. 21 u. 2;. Juni 1'123, S. 8 u. Y. 


1723 Dezember 9. 
6. Die Kammer beschliesst als Weihnachtsgeschenk zu Übergeben: 
dem Generalgouverneur Fürst Repnin (jOO Dukaten 
dem Yizegouverneur Wojeiko'/V . 100 Btll. Alb. 
dem Kapitän 1Veismann . 12 " " 
dem Kapitän Brandt . VJ " " 
dem Gouverllemenls-Sekretä1' Regel' 12 " " 
dem Sekretiir Klemcke . 12 " 
dfm
 Sek1'etiir Kopio'/V . 10 " 
P. v. 9., 20. u. 28. Dez. 1723, S. 12 ff. 


" 


" 


1724 Dl'rember l(j. 
7. Die Kamme1' bcschliessl die iibli('hen Weihuachtsgpsrlwnke zu machen 1. 
P. v. 16. u. 21. Dt'z. 17:J.l. s. 141/: 


3: 1) 11. TIt
z. 1'122. 
6: 1) Weismann weist die 12 llth. zurück und erhält daher 20 Rth. P. tI. 
. u. 30. Dez. 
1723, S. 14. 
7: 1) 1723 Dez. 9.
>>>
f 


1725--27 


Protocollllm Secretllm. 


323 


1725 lrlärz 20. 
8. Die Ka'm'l'lwr bcscltliesst, dem Generalgow'erneur FÜrst Rezmin als Oster- 
geschenk zu Übersenden: 1 Ohm Rheinwein, 1 (};xhoft Pontak, 20 Hut 
ZuckcI' und 1 Kasten Zitronen. 
P. t.. 20. Miirz 17Z5, S. 17. 


172(j .Juni 2(). 
9. Die Kammer beschliesst, den Fiirsten l}{ensrhikow und den Vizcka1lz1er 
Ostermann bei ihrer Anwesenheit ill Riga zu besrhrnken. 
1'. l'. 20. .luIli l'i:!(j, S. 17 {. 
Hen :!o. Junii Ao. 17iti. 
lIer Wurtl1allclldl
 lIerr BiirgerMei:-;ter Wicdau Itl'opollirte: d.t 1hro Hoch- 
fiil'stliche HI\I'chlaucht der Herr G-encr.tl-Pcl.l-l\larcchal Fiirst .Mcllschikolf mit 
11em Herrpn Vice-C:mtzler Hai'oll von ()"tprm:lnn htldi:
8t verllluhtet \\"t'nlen" 
RO wiinle nöhtig se)'n dariiber sich zu bereden, oll man dieseihe nach Oeltl,tnch 
anderer Htädte nicht mit Wein, Zucker, l'itroneu und 
\.pfelu de Sina etc. hey 
ihl"tw Ankunll't iJewillkommell wollte. 
EI! wal'd dCl' V or8chlag CUlU gl'atiarulll adione angenommen und mit 
denen lIen'I'JI AIterlcuten re80lvil'et 1hro Hochfiir:-;tliche Hurchlaucht 
200 R'l'h. A IIJ. ulld Sr. l
xcell. dem Herrn Vice-Cautzler 100 H'l'h. 
au W {'lut von ohgcdachten per:!eleJl oder wo sonst etwas I'ares von 
raifraichi8:-;emen8 aUIier zu h.theu i8t, anzupraesentircn, uoch solle 
zuforderst mit dem Herrn Prae:;identen hieri'lher conferiret und deszen 
J\leinung', was Er fiir rahtsahm ansiehet, durch den Herrn W orth- 
fiihrenden BiirgerMei:;ter eingehohlct werden. 


1726 .Juni 28. 
10. Auf den 'lciededwlten drin,qenden Rat des Presitlcntcnb:,:a}elll beschlies8t 
die Kanl1lzer dem Fiirsten lIIens('hikolV J{)(}O Dukaten in (johl zu. 'Über- 
reichen. 
P. t.. :n.. 23. 'U. 29. Juni 1726. S. 18 f. 


11. A u.fziihlun.q der Weih nachtsgeschenlrr. 
P. v. - lJez. li$, S. 20. 
Ao. 1726 den - 1 )ec{'mhris. 
Dem Herrn (ieneraln Bohn an Weine etc. 1f)0-200 R'I'h. WI
hrt. 
Ilem Herrll Vice Gouverneuren l . 100 R'l'h. 
dcm Herrn PI'aesidenten 2 :tn Weine ptc. . 100 RTh. 
dem Herrn Cunlluendantcn dt' Bl'illy 1 Oxhoft't ruht.en Wein in Bouteillen. 
dl'lII Herrn Hecret. Alferolf. 12 R1'h. 
dem Hel'l'lI Hecret. Heger I::! " 
delll 11 errn H('('ret. K lemhken 2f) " 
dem Beg. (j.UlC. Dit'nCl' 3 " 


1726 ])rze11lber -. 


1727 .famuw H. 
12. Auf den IJcricht des Amtshe1'rn Ri1/1'ich.
, da8z wie EI' ht'ult' l\lorgt'll VOll 
seinem Hoffe zu lJau
ze gekommen wäre, 
l'. Exc. d. H. Ueueral .Bohn 


9: 1) B. I1 83 n: 
11: 1) Wojeikow. 


2) I88oJew. 


21*
>>>
324 


I'rotocolIlIlIl 
ecretum. 


172 


lllal uie Frau Oeneralill ihn aJmiihtigen laszeu, welche heyue uann mit 
UlIIlluht uuu herhen \Y ortpll 
ich ausgel:ti;zeu, dasz Hit' uie gering"p W pine 
samht all pm uem iHu"igen, womit Ein WohlEdler Ra.ht, im 
 al11l1eu der 
Stadt, JlllIen aru Weyheuachten-A hend ein Present machen wollt'lI, heute 
Mittag zwischen 11 unu ] i Uhr, wauu die I'requellce der Bi'u'gel'scLaft't 
am Markte am stärcksten wäre, weilen Hie niemahlt'n was vou dm' Stadt 
verlanget, zuriick seuuen wollteu, beschliesst der Rat: 
Ein \V ohmdler Raht samht ueuen resp. XItcrlellten nach gplmltener 
Commltatiou geschloszen, dasz Hr. Ihcelll'nce (Ieruahlin, der Frau 
Generalin, Hon Hllcatcu au (; oldc in eineru Heutel durch den Oher- 

eeret. \V 0111' zur Anllelunullg oJl'eriret uuu Hie dnrdl lleusclhen mit- 
telst möglich:;t vorzllstt'llenuer Bpweg- U rS1tcheu anhey geLebten werden 
solle, ]hl'eu EheHerl'll I loehgedachte 
('. Excellcnce uahin zn dispo- 
nircn nud zu besänfi'tigen, da8z Derselbe 8einClI etwtJl gegen die Stadt 
llud ]
iuen WoLIEdlen Haht gefasztcn U nll1uLt 8chwiUllen zu ht8Zen 
geruhen möge, weilen man von Heiten der Stadt nicht anders, als 
aus wohhllcincUller Intention keines weges ahcr, diesclhe dadurch zu 
heleydigcn, sondem nur zur ()hservirung derer gewöhnlichen W eyhe- 
nachts-OJI'ertcn uUlI des schuldigen Uespect:; dic Weine etc. gesandt 
hätte. 
Indeszen wird uer 111'1'1' UherGesetz1lerr Zirulllermanll 80tLane 
300 Dukaten auszulegen giitig8t heliehen und sollen demseIheu, solche 
von denen Lem8alschcn und .lulIgferllhütfschen Revenuen durcL dip 
Ilerrn Inspectores seIhigel' Gühter als den lIerrn OberAmht:;IIerrn 
Bel'ens und den Herrn Munster-Herrn Schwartz mit dem ehesten 
wieder reflludiret werden: zu wclchem I
nde dann sowohl als zn 
derer sei hell Sicherheit dieses Protocoll deIlf'llselben extradiret 
werden kan. 
Inzwischen sollell die \Veine und das Uewiirtz denenjenigen. von 
welchen solche gpnomlllen, zurückgesandt werden. 
P. v. 9. Jan. 17$, S. 20 0'. 


1727 - 


-. 


13. Ostergescltenk. 
P. t'or Uslem 1727, S. 22. 
An. 17::!7 am Ostern 
dem Hel'l"n Gouvprueureu 1 1'2 (khsf'n, 
 (1x1101l"t \Vein 2 Hchaaü'e. 


1127 August 17. 
14. Auf Anlmg des Biirgrrmeisters von Schultzen veschliesspn Rat wtll Älter- 
b'ute delll VOlt Biga nach Sf. PeierlSbul'!/ zlwilckreiserulen Kaviupfssekretär 
1r iisfl lUO Dukaten zu iilwrgefJl'll, damit I
l' IIt,y dpm ))ul'l'hlanchtigsten 
Fiil"stpu l\fem
ehilww dpr 
tadt iu allem J.!,'utpn gedt:'ukeu uud I!ps hohen 
1I"I'I"n Huade gegPIl diese al'llle und unsdlllldige Htadt el'werLen, auch 
III:'Y ,
in und audt
rn Vorfällen dieselbe defendircn möchte. 
P. v. 17. Aug. 1727, S. 22 f. 


13: J) Tllcliernischew. 
14: 1) B. II 161. 160. 164.
>>>
1727-30 


Protocollum Secreturn. 


325 


15. Weihnaclttsge-schenke J. 
P. v. 16. Dez. 1727, S. 23. 
Den l{j Decembris 1727. 
W eyheuacht.- Preseuten 
d. H. Gouverneuren Czernisehew aoo Dukaten 
d. H. Vice-Gouverneurn 2 WO R.Th. 
\11t. 
u. H. Gen£'ralMajol'll lind ('ommelldalltcn de Bl'ilIy 100 RTh. Alb. 
u. H. Presidf'lIlfn R :tu Wein u. Zucker 50 a Ho RTh. Alh. 
d. H. Capit. Petersohll an RTh. 
u. H. 
ecret. Alferoft' li " 
d. H. Heeret. KlemLken ao " 
u. H. Secret. Regel' 12 " 
dem Regierungs-Canc. ] )iener 3 RTh. 
d. H. Major Coulogne J/ 2 Ochsen und 1 Anker 
ect. 
Dem Kasten-Collegio und der Cämmerey. 


1727 Dezember 16. 


1729 März 31. 
16. Der Rat beauftragt das lVaiscllgcricht 3UOO Reichstaler Albert dem Stadt- 
kasten gegen Assi,qnationen auszuzahlcn. 
P. v. 31. Miirz 1729, S. 25. 


Den 31 Mart. 17
H. 
Der Herr Biirgm'meister und OLel'-KastenHerr Zimmermann proponirte, 
welchergestalt die respect. Hel'rn A ltel'leute, Jlm Herrn Proponenten, Einem 
W ohIl
dlen Rahte, ob nicht von denen bey Einem Edlen \Vaysell-G erichte aus 
des sef
ligeu Peter Kleissen Nachlasze vorhandenen cont:tnten Gell1ern dem 
Stadt-Kasten, gegen Unterpfänuung derer Assignationell BOO!) Rth. A Ih. auf 
eine gewisze Zeit, damit man sie ll. H. WaysenHerrn Caspari nach .Moscau, en 
regard uer abgenommenen 8chifi'e 1 iilJersendcll könne, allermaaszen vorjetzo 
keine baare Mittelu heym Stadt-Kasten ,mlzulJringen wären, geliehen werden 
möchten, vorzutragen gehehten. 
Ein W oh)]
dler Raht läszet geschehen, dasz von denen bey Einem 
Edlen Waysen-Geriehte vorhandenen des Peter Kleissen Gelder dem 

tadtK:tsten 3000 Rth. A 111. gegen Yerpfändung 80 vieler Assigna- 
tionen geliehen werden. Gestalt dann Em. Edl. \Vaysen-Gcrichte 
obige Gelder vOl'ueschriellenermnLszen aufolgen zu laszen fi'cundlich 
angemuhtet und ginem IJöhl. Kasten-Collegio für die Refundirung 
solcher 3000 Rth. Alb. mit dem ehesten zu sorgen hestens recom- 
mendiret ward. 


1730 Januar 24. 
17. Rat und Älterleute bcschliessen in Camera: dasz Sr. Sr. HochfiirstI. 
Hochfiirstl. H1Il'\'hlallcht nlll'ehlaucht Fiirsten Dolgorucky und Gallizin I 
und zwar einf'1Il jp,den 50 Citl'onen 2 Hutzend Bouteillen Bonrgoglle- Wein, 
2 Dutzend Bouteillen Canarien Sect, :2 Hutzend Buuteillen rohteu Wein 


15: 
I) Bulk. 
16: 
17: 


J) Gleiche Geschenke sind in, Protokoll !-'(}1!l 16. Dezember 1728 verschrieben.. S. 21. 
S) IS8ujell'. 
J) B. 1I 257, 
1) B. 11 288. 291.
>>>
326 


Protocollum Secreturn. 


1730-33 


und 30 11 Casta.nien, hipruäch:t d. H. G"lleral-Majol"1l Lewautiuff 30 Gi- 
tronen, 2 nutzend BOlltf'ilIen Cauariell-
ect i HutzCI..1 Buuteillen rohten 
Wein und 30 .'11 Ca:tanicn uomine Civitati8 prae:it"ntil'ct werden 8ollen. 
P. v. 24. Jan. 1730, S. 26. 


173U Uktober 26. 
18. Auf den Bericht des Stl1dtkassakollegiw1ts, dass ,gar kein Geld in der 
Kasse sei und dass zum verflossenen jJfichaclistermin hcy tiW8 Uth. Alb. 
ohnfchlbahr, falsz ander8 die Htadt ihreu Crcdit hchallpteu wullte, entrichtet 
werden miissten, beschliesst der Rat, die erforderlichen Smnmen dem Kassa- 
kollegium am den beim Vogtci- und beim Waisengericht lie
qenden Geldern 
gegen Verpfiindung von Assignationen auszahlen zu' lassen. 
P. v. $. Okt. 17.10, S, 2i' f. 


178L Dezember 1. 
19. Der Rigasche Rat beschlie8st, dem lVettherrn Bar(
la!J de Tolly da.., Stadt- 
gut Jungfernhof fÜr das der Stadtkasse gewährte Darlehn von 5000 lltlt. 
Alb. zu verpfänden. 
P. v. 1. Der:. 1731, S. 30 ff. 


17:11 Dezember 6. 
20. Der Rat beschliesst 
r. IrochGräffliehcu Excellcuce dem Hcrrn t;cneral- 
Prokurellrell J1tgusin8ky hpy J lero jJaldvcrmuhteter A nherokllnll't 1 Frilchte 
und Wein aber'reichen zu las.'I(!n. 
P. v. 6. Dez. 1731, S. 32, 


1731 Dezember 20. 
21. Der Rat beschliesst: d. H. Oelleral-.Majoru Barou vou Luberas da derselbe 
in sehr favorahlen termiuis, en regard dpr St1Ult, gcgen Se. HochOräff- 
liche Bxc. von Münuich Hich ausgelaszcu, hey deszl'lImn Abreise mit Wein 
30 bisz 40 Rth. an Wehrt allfwärtig zu seyn 1. 
P. v.20. Der:. 1731 2 , S.33, 


1733 Mai 6. 
22. Bericht Über die Tlnterrechmg mit dem Generalmajor -v. Biron. 
P. v. 6. Mai 1733, S. 46. 
] len 6 ten May 1733. 
Der Herr Gerichts-Vogt WoHr referirte, weleherge::!talt, hey ge::!trigen Nach- 
mittage iu AssisteIlce dei! Ilerrn WettHerru Harday gemachter dehmi'rht.igsten 
Aufwartung der Herr General-:\lajor vou Biron 8ich 
ntig:it 1tusgelaszen, au der 
A1l"aire oder Brouillerie kein Theil geuommen zu hahcn, vielmehr die Hchuld 
auf den angemaasztell Eigenwillen des Swetau8chen Amts - V erwaIters gcworft'en 
und anbey seine ]uterpo8itiou ZU1' Wieder-( 
ewinllung Jer verlohrenell Grace mit 
heutiger Post I:!icherlich versprochen I. 
so dergel:!talt verschl'ielJen und Herrn Referellten sowohl als auch d. 
H. Barclay vor die gehabte Bemühullg gedanket worden. 


20: 1) B. 11 392. 
21: 1) B. II .'J91. 
) An demselben Tage werd£n die iiblichen Weihnachtsgeschenke 
verzeichnet. Vgl. 1727 Dez. 16. 
22: 1) B. II 467.
>>>
1733-35 


Protocolll1m 8ecretum. 


327 


1733 Oktober 26. 
23. AlIf den Rat de-s Oberwetlherrn Caspari, in seinem Schreiben, St. Peters- 
blt'rg d. 20. Ukt. 17fJ.1. dem Geheimrat Schafirow 300 Dukaten zu zahlen, 
be.scliliessen Rat wul Älferleute die 300 Dukaten zu besorgen un(l Caspari 
Zlf, ilberscmlen I. 
P. v. :"hJ, 1(. v. ;!'i. Okt. 1733, S. 54 ,: 


1734 Dezember 6. 
24. Der Rat giebt das Patrimouial,qut Lernsal dem Ältermann Schiff'hausen 
in Arrende. 
P. v. 6. Drz. 17.14, 8. 73 f. 
Den tlten ])pcemhris 1 ia4. 
Oer Herr Biirgernlf'istel' und Oher-Kastenherr Melchior 'Viedau proponirte, 
wt'lchergestalt man hey d('1IJ hekannten höchstllliserahlen Zustanue ues ::;tadt- 
K;u;tens und in El'wegnng tlel'er zu zahlfmllen und appointirten importanten 
Hlllnmell auf alle miil!;lidlstf' .Art bedacht gewesen, die hiezu erforderliche 
Iit- 
teIn anzu8chaffen. Weiln aher unterschiedene Schwiirigkeiten f1ich hervorgethan, 
HO wäre man schliissig geworden auf das Huht Lemhsal, welches jährlich laut 
clps Revisoris RosenlJergs Ausreclllllll1l!; B8f) Rth. etliche Groschen Alh., detractis 
detrahendis, triil!;e, 700(J R.th. Alh. zu nellJm
n und es abwohnungsweise dem 
,\rellllatori zu iH,erlaszpn. Nach langen Ih'lIIÜhungen nun hätte sich aus Liebe 
zu der Stadt uer Herr 
\.IterUlalln Friedrich Schill'hausen zu sothanem Darlehn, 
jedoch gegen Erhalt eines ordentlidlen f'ontracts verstanden, anbey diese De- 
dingung eingegangen, dasz falsz die Stadt nach 8 Jahren durch des Uöch8tell 
Hcgen in Stande seyn möchte, den R.1:'8t abzutragen, I
r, der Hcrr Ältermann 
8clbigen entgegen zu nehmen, scll1lldig seyn wolle, und, daferne Er durch eine 
höhere Macht l aU8 dem PosseAs innerhalh denen Arende-Jahren gehoben wiirde, 
sein Recht in dem Patrimonial-Guhte Jnn
fernhoft'lI sodann radiciret seyn sollte. 
Wie solches allcs der anznfertig-ende Contract S näher und ulllhständlicher an- 
zeIgen wiirde. 
WeIcher von Binem Löhlichen Stadt-Uassa-Collegio nach desselbell 
beprüfften Umbständen, vor nöhtig erachtete Schlusz genehmiget ward. 


1735 Februar 22. 


25. Bericht Über die Anzahl der Katholiken in Riga. 
P. v. 22. Feb'/". 1735, S. 79. 
Den 22sten J.'ebl'uarii 1735. 
nie gestrige Ht'ITcn Camerales I zusammen gewesen. Der Herr Uber-Ge- 
setzHerl' Haltermann referirte zufolg'e der gestrigen Tages lIunc erthciItcn Com- 
rni8sion, bey dem Herl'1l C:pneml-Snperintelldenten und Ober-Pastol"ll Briiningk 
mub die zur d ieszeitigen Relation 11 nöhtig-en Umhstände angesuchet zu habcn. 
23: 1) B. II 476. 
24: I) Graf Biro1£: lJ. 11 :147. 418. 11) Am 14. Dez. 1733 war schon beschlolJsen 
tI"orden, Jungfernhof dem lrf'ltlterrn Ban:lay fii1' das von ihm gewäh1.te Darlehn inPfandbesitz 
zu geben, fallll das IIchuMige Ol'ld lJonst nicht zu hellchaDi!n IId. P. v. 14. Dez. 1733, S. 60 f. 
S) Am 13. Dez. 1734 u'UlJg/!{ertigt. P. v. liJ. Dee. 1734, S. 74. 
25: I) Bürgermcü;ter tmd OIJl'rkastenherr Melchior IVied/lU, IVoref. Bürgermeister Joh. v. 
St-hultzen, Obervogt G. Ra('s, Obf'rkämmerer G, Berens, OIJergelJetzherr J. Haltermann, Land- 
vogt P. v. Schievelbein, Kiill/1/frrer J. Fr. Schick. P. v. 21. Frhr. 1735, S. 77. 2) Das 
Hohe Geheimc Kabinett hatte von B1'1.tiningk eillf'll Bf'rieht iihrr tUe Kl/thoN/,en in Land und 
Stmlt eingefordert. P. v. 21. Pebr. 1735, S. 77. 


10..-
>>>
328 


Protocollum Secreturn. 


1735 


Da dann DerHelhe sie uarinnen, dasz upr höchst desiderirte Bf'richt den ei
ellt- 
lichen Umfan
 des Cathulischen Uottcsuienstes zu dicser glorieusen Regierung- 
Zeit, deszeihen Yerhreitung, wie und welchergestalt selbigc hegonnen, WC\' dar:m 
Schuld \lnd auf wcszen Orure uas l
xercitiulll conniviret sc)', riihre, hClllcrcket, 
uie auffzugchcn demandirte Anzahl dcrel' Ca.tholischen suwoh I hier in dei' Stadt 
als in uer V urstallt bestens recolllmemliret und von der )[einung, der Y orstel- 
IUDg ohngeachtet, dasz der hier in uer 8tadt zu IJCsorgemle Numerus ohne 
Eclat \lnd ßruit nicht vorgenommen wC1'den könte, nicht zu detoUl'niren gewpsen 3. 
W orauJf, die Anzahl derer in der 8tadt befindlichen Catholiquen oder 
Dienstbohten muhtmaaszlich und also praeter Iu'opter auf 200 anzu- 
setzen, }JelieLet ward 4. 


17/15 J.}lärz l. 
26. Der Rat macht dern Feldmarschall bliinnich e'ln Geschenk. 
P. v. 1. Miirz 1735, S. 80 f. 
Den Isten 
[art. 17m'). 
Der Herr Riirgermeister mlll Oherkastenllerr Wiedau l'ru}lonirte, wie dasz 
mit V orwiszen einiger Jlt'lTel) aus !liesem CoHcgio aus höchst wichtigen Motiven " 
beliebet wOl'uen, u:tSZ H1'. lIoch-(;1'äfflichen j.ixcellence, d. H. Gt'ncral-Feld-:\la1'- 
schalln von !fi"mnich, etwas weniges, Lestehenu in :! nutzend lJng.trischcn unu 
2 nutzend llnrgunuschen Weins, 1 Plaschen-]'uttm' von R l
rYHtaHnen Flaschen 
mit unterschiedenen Li'l',eurs, 1 Hchachtel mit trockenen Pommerantzell Schalen 
und 1 Schachtel mit MorseHen, I'l"ae8entiret werden miiste. Welche RemÜhung 
der Herr Ober-Amhts-Herr Schwa1'tz giitigst iiber sich genommen. 
Der Herr Oher-Amhts-Herr Schwartz erwehnte, Ifochgedachtpr Sr. Hoch- 
GräJflichen Hxcellence da
 oIJhen:tnnte Present heute friihe o11'eriret zu hahen, 
da daun Seihte es nicht nl1l' sehr gnäuip; au 11'- und angenommen, I'!oiltlcrn auch 
hey allen Vorfälleu IInu (; elegenhciten Sich de8zcIl hochgeneigt zu I'riunerll iu 
denen gracieusesten terminis ver!:!ichCl't
. 
so dergestalt verschrielJen, dem Her1'll OLer-ÄmLtl'!-llm','n 
chwartz 
vor uie gehallte Miihe gedanket lind die Y prschwipgenheit hestens 
recommendiret worden. 


1735 April 26. 
21. Der Rat lJeschlieslSt iilJer die Annakme der Einladung des Vizegouverneur,c; 
llochmuht zur Feier des Krünungsfeste-S der Kaiserin Anna. 
P. v. 26. April 1735, S. 82. 
Den :!östen April 17af. 
ldem I proponirte: Es hätten Jhro Hochwohlgeh. l.ixcellence der Herr Ge- 
neral-Lieutenant und Vice-Gollvernellr wie auch Ritter vom Ht. Alexanucr-Ordcn 
Bochmuht durch .den Herrn Liclltenallt VOll Sweed und Jen Herrn Fähnrich 
IIafi'litzky gegen Jen 
8sten hlljlll'! in Ihro K.tyserl. }Iaytt. (;arten Einen Wohl- 
Edlen Raht en Corpl'! im' Mahll;eit nühtigen lal!!;Pl1 2. 


25: S) Vgl. R. J [ 52'1. 5,'!6. 4) A 1/1. :!5. FdJl'. 1I'llrtfl' t'i,t vun ./Ialll'/'J1/lIl/n verfaslJter 
,,8ummarischer Beri('ht., B1'uiningk übt!ryebl'lt. P. v. 25. .Febr. 1'135, S. 8V. Vgl. B. III .'I. 258 If. 
26: I) Vgl, B. II 513. 530. 2) B. Il 696. 
27: I) Biirgermeister t'01t S('klllt;;CII. 2) Am 23. April hatte eiN' R"t HOI'kmuht Über- 
8mult: n1f2 Ohm Rhein-Wein, 1 Oxhofn. l
rantzWeill ulIll etwas »u Gewiirtz". P. t'. :.!3. April 
1135, S. 81.
>>>
1 
i 


1735-- 39 


Protocollum Secretnm. 


329 


Es wird der HelT Riirgermeistcr unll O"el'kastcn-Herr Wicd:lu, Herr 
Proponent, dcr Ul:'lT Oher-Alllhts-lIclT 
dl\ntrtz, uer Herr Ober-Bau- 
Herr von Vegesack und der Gerichts-Vo
t W olff, sothaner llewirthung 
beyzuwollllcn, gelielJen. 


1737 Oktober 13. 
28. Der Rat ,qpnPlmzi,qt den Antra,q des Bii1'germeisters Berens, ou nicht, da 

e. ExeelIence der Ben (;eueml-Lieutenant v. llislllarck die I'reyueit dm' 
AussI
hitrllng des rohen Leders bewiircket und auch zur El'langllng ucr 
von der holwn Krobne der Stadt schuldigen 
peichcr- Heul' gro8ze Hoff- 
nung gemachet illsondel'heit muh das letztere hefordl:'l'll zu heHren und Se. 
Excellence Geneigtheit in andern Vorfällen heyzuuehalten, ein present von 
zweyhundert Ducaten zu offeriren seyn wiil'lle 1. 
p. v. 13. m.t. 1737, 8. 91 t: 


1738 August 11. 
!9. Einer Anregung des Vizegollverneurs Bi.'lmarck folg('nd bcsrhliesst der 
Rat auf Antrag des Biir.'lcrmeisters Berens, da hey d!'l' gestI'icgcn Feuers- 
.Brunst, wodurch des .Tohallll Huhendortls lIau8z C'ingeäseuert wordcn, dpr 
Herr Ohrist- '" achtllleister von Woyeko1J' hesondere BpIllÜuun
, Uluh das 
Peuer zu lüschen angewandt: auch d,trÜher scin K I('yd ganz verdorben, 
Wojeikow 20 Dukaten zu 1Jerehren. 
P. v. 11. ..1/l.g. 17,'18, 8, 97 f. 


1739 .Lllärz 26. 
30. A /lf den Bericht des Uherll'ettherrn Uaspari, das,; der Vizcllmu:ernellr 
Bismarck auf den Rat sehr erziirnt sei, da ihm der Hat nicht die nöti,qe 
A('htung bezei,q(', der Rat sich auch gar 'nicht erkenntlich zeige fiit" die der 
Stadt erwipsenen 1Vohltaten, dass er auch ,qeiiu8sert habe, der Rat könne 
nicht von der Zahlung von fJu.artiergeld an ihn (ladurch hefreit sein, dass 
er mit El'laubnis der Kaiserin im Palai
 wohne, hC8cltliessen Rat wul .:iUer- 
leute, dem Vizegow'erneur Bismarck :j(J() 1 Jukatpn zu verehren. 
P. v. 26. Miirz 17,'19, S. 104 ff: 


17fJ9 .Juli 12. 
31. Rat und Alterleute he-schliessen, dem Vizegoucerne'llr Bismarck 1000 Du- 
katen zuzusiclter'n, falls er einen der Stadt ,qiinsti.'Jen Bescheid im Fortifika- 
tion.;comp toir aus wirke. 
p, v. 12. Juli 1739. S. 10!) f. Vgl. P. 'v. ll. Juli I/:I!!, 8. LOH, u. P. v. 3(). u. 31. 
Juli 1739, S. 112 f. 
Den 12 ten .T uly 17im. 
Dcr W ortfiihrende Herr Biirgermeistcr v. Wiedau propouirte in Gegenwart 
derer l'eellcn resp. Herrn Alterlcuthe, daHz Eiu W ollll';dler Batlt bey Ueberge- 
hung dpr V orstf'llullg wegen dcr von dem l'nrtitications-( 'ontoir gpnHtchten Xach- 
rechnung zugh'ieh die miiJl(lliehe On'l'lte Sr. Exccllenec d. H. GCl1cral-Lielltcnant 
v. Dismarck zu thun fiir nÜthig eradltet, daHz, wann di('Helhcn einc Hesolutiou, 
dasz sothane Nachreehullllg gehoLclI und i1l8ki"ln11'tige nielli. mehr alsz 10000 Rubel 


:.!8: 1) BÜmwr('k nil/lmt das (;esl'iu,ltk lut, II'Ü'U'lJltl er im Dt'z. 17.'16 d//8 üb/idu' n'dltJU!('h#s- 
ye1Jc1ieltk elttsl'hietlen abgt'/c1l11t hatte. WC'i1madtleu 1737 nimmt er mu'h das Gesl'heuk Im. P. v. 
21. u. $. /Jt'z. 1736 U' 1'. 21. Okt. u. 29. Dez. 1737, S. 86-88 u. S. 92-94.
>>>
330 


Protocollum Secreturn. 


1739-40 


80wohl zur Artilleric al:;z I'ortilicatioI1, vou uer ::;taut jährlich verwaudt werdpI1 
Hollte \ g-uäui
Rt hewiircJC1I wiirdclI, l1ie 8tadt fÜr dieHe Bellli"lhung zur Dank- 
hahrkeit mit Tauscnd 1I11c:tLen aull'warteI1 wollte, zugleich aher diesen ScLlllsz 
denen re:;}I. 
Üterlcuthcn zufordcl'st zu cOJllmuniciren heliebet; woraull' 
Ein Tausend Ducaten, ohwohl u. H. .Altcrmann Groszer ({iilue nur 
zu 500 Duc. incJinirc, Bin W ohJRdler Rath unu der Ältermalln Kleiner 
Giihle aber WOO Duc. festegcsctzet, nutcr denen oberwchntcn Be- 
dingungcn SI'. ExceJlence zu oJl'erircn 
escLlossen wurde. 


1740 Pcbruar 13. 
32. ])cr j)irektor der lIanrllnnrlskasse Oberbanherr {-}othann berichtet dem 
Rat, dass die lIandluu
i:1-Cassa Au. 17äü ult. Hcc. ;}002 Hth. 02 Gi'., 
Ao. mn uIt. j)ec. Ö072 Rth. :; (:1'., Ao. 173
 u[t. Hec. 47:H Hth. 40 Ur. 
unu Au. 173!J uIt. ]lee. -i7.!-J. lHh. .J-f) Or. und also in allem 1"157a Rth. 
HO Ur. au Interessen av:tncirct I auhey die jährlichen lOO()() UtL. Alh. 
richtig ahgctrageu seien. 
P. v. 13. Fehr. 1740, S. 119. 


31: 1) B. TI 657. 659. 673. 696. 
32: 1) B. II 591. 614. 638. 733. 


...
>>>
Hdttc Abteilung;: 


Zur Finanzlage der Stadt. 


2. 


RechenschaUsberIcht des Ratsherrn melchior t:asparl 
Ober die Kosten seiner Hbsendung nach St. Petersburg 
und moskau 1725-1735. 


--
_.-
>>>

>>>
E'J'stes Heft. 
Ausgabe-Rechnung de Anno 172;) dplI nten Jnlii I Lis den 2:3ten ::;eptemhris 
Anno 173fi. 


An. 1725 
Julii 
J 
Aug. tJ 


Septemher 
1 ,. 
i} 


Oct. lü 
18 


.KOY. 19 


DecL. 7 
24 


Zur Equipage 
Vor Pummerantzen-Schaalen 
V or Brust-Zucker. 
Vor 8 Schii!:Jze- Pfenle hisz lIol'pa.t . 
Vor delU Hiener 
oller und I!pm KlHwht ('ristopher auf 
8 Tage Kost-Geld 
Aufl" 1'helitzen-Postierung VUl' Schiisze-Pfenlp . 
V un Kaukus hisz Narva vor S
hiisze-P!'erde 
Von .Kal'va hisz St. Peter:;hurg 2 vor Schiisze-P!,prde 
Hem Urohscl.llnild in .Karva vor Reparatur der Waagpn . 
Der Suppli1lue wegen die General-Conlirmation demr Pri- 
vilegien a zu translatiren und zu mundireu an d. I [errn 
Scheviulll . 
An denen Hpdienten derer groszen Herren so mich he- 
willkommet 
Vor fremlllle teutsche llcrren, so mich hesnchet, an 'V eine 
ausgegehen 
An denen Cantzellisten deI:! Spnats . 
An d. Hcrrn Ueheimhten Rath Ol:!termanns Bediente 
An den Senats-Schreiber der Teutschen Atl'aire8 
Nachdem endtlich d. Herr Seeret. Schoultz den Bxtract 
unserer humill. petitorum 4 an ge fertiget und selLige 
eollationiret, an deneu mit gewesenen Schreihel'll, derer 
8 an der Zahl gewesen, gegehen 
V 01' die Supplique wegen das 8chifl'-We8cn 5 zu tt-ansla- 
tiren etc. an Scheviulll . 
Wegen der Illumination am Uatharinen-rl'age G vor I"rcmhde, 
die hey mir gewel:!en 
25 An den .Maler vor die lllnmillatiuu 
An denen Ruszi!:Jel1Cn Schreibpl'll im Reichs-Collegio 
2 pa,ar Messings-Leuchter, !:JO ich weg8cheuken mi'lssen an 
dem Protucoll. deI:! Senat8 
Postgeld lt. Briefporto 
]?iir lVohultng, Kost und Kleiduug (itr Ca,o;Jpari uud seine 
2 Bediente sowie (iir lV agen u. Pfi'rdeltnte'!!
alt 
SUrmnf! 


7 
8 


10 
12 


1 ., 
i) 


22 


25 


1) B. II 21. 28. 
4) B. II 14. 28. 42. 


2) ErHler Bericld CaHpuriH vom 17. Aug. B. 11 34. 
5) B. 1I 44. 6) B. 11 45. 


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S) B. 11 14.
>>>
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Ausgaben 


Ao. 17
f;. 
Jan. (j 


An dellen 
chrei"ern aus dem Hellat an der l;ahl fi'lllft. 
ZUlU J:euen Jahr 
15 Vor drey 
chrei"em des Senat::'!, die mich dip Resolut. 
wegcn des 1"1'. Handels 1 gehracht 
l!J Y 01' die iihen!andte Privilegien und Oocumenten 1 zu trans- 
latiren und zu Illundiren 
nie Heise nach Peter-Hofl' wegeu der K:tstpn-Afl
til'e so 
ich bey dem DIIl'chI. Fiirstell gesuchet i . 
V 01' denen Schreiblwn im Reichs-Collegio 
An dem llolHteillischen Secret. JIenniugs, der meine Sachen 
heym Oher-Cons, hereits im .runio nmndiret, ein prae- 
sent gegelllm 
Postgeld 
FÜr lVohnung tt, s. 10. , 


A ng. 17 


I)I'C. 12 


Summe 


Ao. 17:?7. 

fartii W 


V 01' den Extract zu tranl:!latiren lIud zwar die V orl!telIung 
wegen d. Herm BiirgerMeist. Henckendorfl's 
Postgeld 
FÜ1' Wohnung u. s. w. 


Summe 


Ao. 1728. 
Jan. 2 V 01' die 2 Lutheril:!chen Kirchen 
.Juni m \Veiln Herr Briiningk S mitgereiset, habe ich annoch einen 
Diener, umh heAtändig zu Hause zu hleiben, angenom- 
IUpn und JIun ein neues Kleid gehen miissen: vor Tuch 
und Arheit ect. in allem 
Aug. 20 Vor die Reise nach des Herrn Baron vou Ostel'U1anns 
mither 
Sept. a Die ahermahIige Reise nach Stepauoffsky au deuen Fuhr- 
Leuten gez:thlet 
17 An den Herrn Land-Rath Berg vor 1 paar Pferde. 
Postgeld 
FÜr Wohnung u. s. w. fÜr Caspari und Bedienten, 
Knecht, Jungen, Vorreiter u. Kutscher 
t. s. w. 
Summe 


Au. 1729 
A l'ril 21 Vor eiue Uhr an Garnau 4, umb selhige zu verschenkpn 
23 Vor dem Bilder-Crämer 11Iuh allerhand Kleinigkeiteu, 80 
wegschenken müszen .. 
Maji 2f) Au dem Fuhrrnaun vor zweyen Kasteu Citronen, Pomes 
de 8iua und Pommerantzen au I!'racbt 
Junii (i Au dem Fnhrm:llln vor die drey Kasteu Priichte 
tG Au der alten abgehralldten Lutherischen Kirchen zur 
Collecte 
17 Vor die Reise nach Stepauoft'sky in allen . 


1) B. LI 48. 


») B. I1 105. 106. 


8) B. 11 193. 


4) B. LI 31!1. 


1726-.29 


l!uLl. ('ap. 


f) 


2 


(j 


It! 


') 
., 


12 
45 20 
1414 (j;J 


1505 8/1 


2 
45 29 
1569 .90 
1(;17 1.9 


10 


17 


15 


15 
;}O 
81 !)!! 


2357 21 


2526 j(j 


3:) 


25 


4 


7 
tJ 


20 
12 


....
>>>
1729-33 


lIef! Ratsherrn Caspnri. 


Julii 6 An der neuen l
vangeI. Kirchen 
/tee. 25 Pos(qeld (nur {iir 1/ 2 .fa.hr an,qe!/cben) 
pu-,. Wohnung ?t. s. w. wie 1728 . 


Au. 17:30 
Oct. Ij 
Nov. '27 
- 2H 
I tee. Ij 


Ao. 1731 
Juli 4 


Oet. 9 
In 
nee.9 
2-! 
26 


1732 
Jan. 11 


Juli 


Aug. I
 


1733 
Jau.4 


3i
!) 


Itu!JI. Cop. 
12 
35 0.9 
1700 27 
- --- ---
 
Summe . 1&52 3(j 


nem Fuhrm:ullI Praeht- oder Fuhr-Gt
ld . 
Dem Fuhrmann der die Oustern gehr:u
ht 
An der neuell Kirche das jährliche 
Ein Bestech Y(m 
fathematiscllPn Instl'llmcnten so ver- 
scheuket . 
Postgeld . 
Fii!' Wohnu.ng 'lt. s. w. wie 1728 


Summe 


Hen Pass-Gänger vcrkaull'et uud ein anderes Pferd geh:m- 
deIt, darauft' zugeg'ehen . 
Vor Sehlittell nach Ht. Pctershurg ZII reiHen 
Vor einem Schreiher aus dem Senat nemctri . 
An der alten Evan
eI. Kirchen . 
An der lleuen Bvange1. K il'chen . 
Vor drey Schlitten zur Reise nach Ht. Petm'shurg 1 . 
Vor 2 Bagage-Schlitten . 
Meine Equip:tge als Pferde, Waagen und Kutscher sam"t 
Vur-Reuter nach St. Petersh. zu IIl'in
en 
l\feine eigene Reise dahin . 
Postgel£l . 
Fiir Wohnung u. s. w. wie 1728 


28 


I ,) 
., 


Summc 


Summe 


Zo]J vor den ZU('kel'- '" erk 
Hen Attest zu uutm'schreihen 
I fit'hey allerhand kleine Unkostl'n 
j)em Johallll nach dem Zoll, di(' JleeJ'in
 lind Anso-Fisch 
fi'ey zu machen 
Vor gestämpe1t Papier und dem Schreiber. 
1) i O. Mosrßu. 


In 8t. Petersburg angelanget und ewen 8chlithm lind 
Siehl-Zeug gekaufl'et 
An (1. Herrll .Envoye seine Bedicnte der Reise wegen 
18 Nach Petel'1lOff zu fahren vor 4 paar Iswoschickpn-Pf('rde 
20 .r\ ach PeterhofI zn fahren . 
23 
ach Peterhoft. zu fahren . 
Anfl'm ZoH die Bllttell vom ZoH zu empfangen und selhige 
fi"e)" zn machell 
Post.Conto vor dieses Jahr 
PUl' Wohnung u. s. w. 1£'ie 1728' 


.... 


31 


13 
8 
20 


I
 


1 (j88 16 
------ 
173(j 11; 


20 
;
2 
1 :,0 
10 
15 
24 


7 


i7 


80 
26 
2 lOS 4// 


2350 !J;] 


Ir) 
12 
(j 
(j 


tJ 


R!1 
34 r)1 
1912 0.9 
------ - . 
1992 42 


3 2:) 
2!t 
48 
50 
70
>>>
336 


Ausgaben 


An Zoll die I1eel'inge fre)' zu machen. .... 
Heym Zoll gczahlet vor meine hieher ordinirtcn Harten- 
Saalllen 
All der Lutheri:'!chen Kirche . 
Zoll vor den '1'olltck und Pfeitl'en 
Au denen Schreibern auft. dem Zoll uud sonsten allerhand 
Kleinigkeitl'n . 
{i Rigische ncsallg-Bücller 
nie CastalliCli und Käse im Zoll frey zu machen 
Im vorigcn )lonath dreYIll:thl aun" Peter-lInfl' ge fall l'en, 
jedeslllahl vor die IswoHchieken 5 Uhl. und heute aher- 
mahlen, m:tcllet 
5 Nach Peterhnfl' gefahren . 
nem RellreilJPr, so urey Tage hey mir schreihen milszen, 
zu speil'Jen 
Laells und Butten aufl' dem Zoll frey zu machen in :tllem 
Weynaehten-Gescheuk an u. Herrn SeCl'et. lIege 
an d. Herrn Pastor Natiu:'! 
Auff dem Post-Hau:'!c zum Prael'Jent 
Weynaehtcn-Ge:'!chenk an kleine geringere Leute in allen 
29 An zwey fremhde Bl'diente . . 
V 01' das gantze Jahr Post-Geld. 
FÜr Wohnung u. s. w. wie 1728 


«'eLr. 7 
2B 


Martii B 
13 


2
 
Maji 18 
Aug. a 


Sept. 7 



f) 


J )ec. 24 


Summe 


17M 
Jan. 1 An unterschiedene .Bedienten zum Neu-Jahr 
2
 V 01' den Zucker so von Riga erhalten auftill Zoll 
FeLl'. 26 ti!).lI Caviar so naeh Riga versandt . 
.M:u.tii 5 Zuckerwerk autfm Zoll frey zu machen üLerhaupt 
24 An den Fuhrmann, welcher den Corporain Dol.Jronsky 
nach Riga gefahren . 
Juuy 12 An ein Senat:'!-Protocolli:,!ten 
28 Nach Peter-Hoff zu fahren 
July 5 Nach Peterhoff gef:thren . 
Aug. 2 V"r die gemachte Ladoy-Reise 
10 Das fr. Lager zu besehen. 
30 V 01' einen Brieft. aus Teutscbland 
Hec. 17 Vor einen Seln'eiLer aus dem Senat 
24 Zum Pest an der teutsch-Evangel. Kirchen 
An u. Herrn Pastor N atzium . 
An der Waseliost. Kirchen 
An d. lLerrn Pastor Trefort . 
Dem Post-Sceret. . 
J )enen Schreihern des Senatl'J 
lL:lUl'Jz-I1otf-Meister des l
nvoye von Hittmaru . 
Au diversen Ley Ifofl'e zum Pest und in denen Collcgiis 
Pro Ao. 1734 an uer Post 
Für Wohnung u. 8. w. wie 1728. . . . . 


Summe 


1733--34 
Rubl. Cop. 
5 20 
75 
Ir. 
5 69 
89 
7 20 
G 90 
2U 
: 
45 
1 [,2 
;}O 
15 
12 
39 
40 
58 67 
1887 .97 
211(j 8(] 
3 
98 
8 20 
1 29 
Ü 
5 
4 
4 
29 
22 
39 
50 
12 
12 
Ü 
8 
Ü 
G 
ti 
142 
51 02 
1724 23 
---- 
2057 61 


....
>>>
1735 


des Ratsherrn Caspari. 


Ao. 1735. 
An Johanu, Peter, HemeÜ"i und Iwaun 
An uen Herrn Ve1ten seine Leutf' . 
An die 'Virthill ihre Leute 
V or allerhand Kleinigkeitcn . 
Vor die Ma
d wegcu Scheurens 
Noch V01' divf'r
e Leute zum neuen Jahr 
Dem Peter welchen mit Iswoschik versandt 
Die 
tuhen zu waschen. 
An denen P08tillions. 
!I 2 Paar Striimpffc zu rechte zu machen 
I )en 'VasseI..'l'opll' zu rechte zu machen 
An dem Sdllleider laut Rechnung . 
Vor einen nellen IIuth . 
2 paar JJ;ulll
chue zu wa
chen 
100 l'l'uplfen zu ßuutellien gekauffet 
1
 fj TOIlnen I faller 
I'
in paar !:;chue-!:;chn:tlleu ::!aluht Knie-Sdul:tllen 
4 Pudel' Heu 
]
in Schlosz vurm Stall gekauti'et 
17 3 Fuder Hultz . 
Vor 13 11 Talg-Lichte 
20 Artzeney vor die Pferde 
f) Faden Holtz . 
Vor allerlmllll Kleinigkeiten 
An der Wäscherin pro Munath . 
22 An dem Schncider laut Rechnung. 
4 Faden Holtz . 
"
in .Fa
z Bier 
An einen Arheiter der denn 110ft. gereinigf't 
2 W oylacken das Bier-FaRz zu hedecken 
2fl Vor 2 paar neue Schuhe 
29 5 Fuder Holtz 
nie 
tuben-ThÜr zu rechte zu nl:tchen 
Die Magd im HaU8e vors waschen . 
V 01' ein Hang höltzerne Räder zum Wangen 
An JohallIl vor diesen Monath Kost-Geld 
An Peter desgleichen 
An dem Kutscher und Iwan . 
;\0 V 01' ein paar seidene Strümpffe. 
Vor allerhand Kleinigkeiten 


Januar 
1 


5 


8 
10 


2n 


Pebruar 
1 


\ 


Vor 28 Tonnen Haber 
An Johann Monaths Gage 
An Peter.. . 
An dem Kutscher und Iwan 
3 Vor gr08ze und kleine Talg-Lichte 
Denn Fusz-Sack zu rechte zu macht'n. 
V or allerhand Kleinigkeiten 
7 Die Zimmer zu wa8chen 


337 


Rub!. Cop. 
13 75 
50 
50 
25 
30 
50 
22 
24 
89 
70 
30 
Ü 25 
3 4ij 
1G 
38 
7 89 
8 


{) 


30 
ü9 
[)tI 
t.i9 
4 89 


5:3 


3 50 
38 50 
2 89 
2 :)9 
12 
20 
2 20 
1 49 
89 
30 


10 


5 
3 2:: 
f) 50 
3 50 
90 


40 25 
£) 


Z} 
ü 
f) :)0 
79 
59 
49 
30 


22
>>>
338 


AlIs
abell 


1 paar Striillll'ffe zu reehte zu madlt'1I 
Eine Beutel-Paruque . . 
Ein Lehn-Stuhl zu machen 
\T 01' B Fuder Heu. 
An dem Töpffer die Offen zu beszel'll 
Auff Iswoschick dem Peter versandt 
Vor 24 Boutellien Wiszmar Bier . 
G An der Wirthin laut Schein auff die JJauI'IZ-Hpnl' d. 6. 
Ji'ebr. gezahlet . 
8 Des Iwan seine Kleider zurechte zu machen 
Vor allerhand Kleinigkeiten . 
Eine Boutellie Diente 
15 An der Wäscherin pro Februar. 
ein paar Pferde-Zöpffe 
VOl' Kulacken 
18 An dem Soldaten der die Brfrischungen gebracht 
selhige zu versenden an denen groszen Hprren vor denen 
Iswoschicken ., 
21 :h:in paar Stieffeln vor dem Kutscher. 
22 An dem Schneider laut Rechnung . 
25 Vor 40 .1J Puder . 
An dem Plottneck den Keller und das Dach zu rechte zu 
machen 
Bretter und Nägel 
2G Vor 3 Fuder Holtz 
Auffm Iswoschick dem Peter versandt 


, 


Martii 
1 Im Speisz-Quartier vor Januarii J'ebr. und Martii Monath 
(j Zu schwartz Tuch und Futter zum Trauer-Kleid wegen 
des Herrn Hmtzog von Br:nmschweigs Absterben 
April 1 V nr des Grafen von Ostermanns Bauren nach Riga 
8 V or die Soldaten in denen Collegiis. . 
18 Vor 2 Briefe von d. Herrn Secret. Meder. 
30 Zur Trauer-Kleid vor den Hertzog von Braunschweig 
und Princessin von Dännemarck laut des ScluH'iders 
Rechnung 
July 1 An einen sichern Bedienten zum Namen8-'1';tge . 
30 V or die Soldaten des Senats. 
An dem Iswoschick der den Lachsz aus dem Zoll gehohlet 
Dem Bedienten, den ich mit Lachse henunhgesandt vor 
Iswoschick . . ... 
Aug. 15 Vor die Reise nach Cronstadt . .. 
Vor 6 Wochen, Wie der Hoff auf Peter-Hoff jourllirete 
2 mahl 1Il der W oehen dahin zu fahren 4 Rnhl vor 
4 Pferde. .. ., .... 
24 Zoll vor iihersandte Butten und Lachs . . 
Dec. 1 HEin llalb Anker robten 'Yein und Pommerantzen zum 
Bi8choft' samht Zucker . ........ 


1) 100 Bbl. für ein halbeM Jahr. 


1735 


Itnbl. Cop. 
:
9 


G 
If) 
12 


8
 
49 


2 


110. 
4tJ 
3
 
30 
3 50 
70 
39 


3 


89 
1 10 
9 
2 


G9 
80 
97 
39 


3(; 


40 
3 
1 [)() 
29 


39 
2 30 
59 
29 


29 


9 


48 


93 


11 69
>>>
1735 36 


cleil Rat!llherrn (Jailpari. 



uckerwerk vor die Ru:;sen, welelw mich hesuchet. 
24 An den Herrn Felthwhper IJesttlck \"OI'S gautze Jahr 
An ein Nacht-Stuhl auf dPl' Reise. 
6 Halsz- Tiicber . 
Vor ein nutzend dito 
2:) An den Iswoschick wegen Fracbt, die Bagage nach Riga 
zu führen, gezahlet 
An Stricke die Sacben zu verbinden. . 
Vor 3 Arheiter so mitgebolfl'en . 
Auft. den Zoll vor das ('m'tificat samht der Versiegelung. 
V 01' den Pasz in der Ptllieey 
V 01' Talg-Licht. 

(j V 01' Post-Papier 
An Pet.pr VOlt die Pferde unter \Vegenl!. 
l
ill neuer 
cblitten zum Hchlafl'-\Vaagen 
:2 Bagage-
chlittell 
An der J
vangelil!chen Kirchen :tuft. der JlI
ul . 
Au den HelTn Pastor N azium 
Im Post-Contor zum 'Veyhenacbten 
Bin vaar letlerne Hoosen vor !,pter 
28 Vorm 
chreiber aus dem 
enat. 
i9 -gine Laterne gekauffet . 
;
O An denen Bedienten des Herrn Archiatres " von Oster- 
mann, die Mägden Im Hause, Soldaten im ReiclJs- 
Oollegio, Senat, COlUmerce-Collegio etc. 
Vor eine CalJUse vor mir selbst 
Vor 10 Jahren an den Sclwrnsteinfeger pro J\ nno I:! Rultel 
An dpm .Barbier pro l\Ionath 1 Rubel, ZUlU Weyhenachten 
jährlich 2 Rubel nJ:tcht 10 Jahre und 2 Monathen . 
I 'ostgelde.. vor abgebpndp Briefe . . . 


Die Übrigen im .Jahre 1735 verzeichneten Ausgaben machen 
'Im [lanzen au.
 .. . . . .. .. 
Summe 


173(j 
Febr. 14 
1:) 
18 


An die Jestowoy VOll Cabinet 
An des Herl'll Archiatres 1 Bediente . . 
Vor 2 Soldaten aus dem Kriegs-Collegio 
Dem Postillion, der mich aus der Stadt abgehohlet 
Von St. Petersburg!l hisz :tufl' die erstp Postierung sind 
25 Würste . . 
Tl"inkgeld 
Bisz an die andere Postierung ::?O 
Wiirstp 
Trinkgeld 
Die dritte Postierung 21 Wiirstp 
1'rinkgeld 
Die 4 te Postiel'uug 22 Wiil'stp 
Die Me Postiel'ung 
o Würste . 


22 


1) B. Fischer. 


') Übe-r die Ab'reise B. 11 553. 565. 


339 


Rubl. Cop. 
5 92 
40 
1 
6 
21 


79 
2 50 
1 29 
5 89 
90 
gO 
2H 


8 
4 59 
(j 2!' 
10 
12 
1
 
3 
1 


45 


6 
5 
120 


14:2 
39 2f) 
10,92 51 


1169 03 
2261 54 


2 
2 


60 
25 


3 60 
10 

 88 
10 


3 


10 
3 12 
2 88 


22*
>>>
340 


AusglIben des Ratsherrll C8spari. 


Die Gte Post. 20 Wiirste. . . . . . 
Die 7 de Postierllng 18 Würste bis Narva 
Die 4. 5. 6. 7. Postierung Trinkgeld. . 
Von Narva bisz W qjwora 20 Wiirste 
An dem Soldathen, der zum Post-Meister gf'wieilen . 
Einem Soldathen so wegen des Passes gegangen 
Au dem Unter-Officierer, so die Pferde gebr. 
Au dem Schreiber, so den Pasz notiret. . . . 
An dem Soldaten, der Abends um 9 Uhr das Thor geöffnet 
Von W ojwara bisz N ennal 86 Würste 
Von Nennal bisz Gulben 159 Würste 
Von GuHJen bisz Riga 152 Würste 
Von Narva bisz Riga 
1 Postierung, Trankgeld auf jeder 
Postierung 10 Cop. . . . . . . . . . . . . . 
'l'rinkgeld in Riga bey der Wache . . . . . 
24 Von N arva bisz Dorpat vor Essen an die I.ellte nebst 
Trinken . . . . . . . . . 
Von W olmar bisz Riga desgleichen . . . . . 
Postgeld . . . . . . . . . . . . . . . 
FÜr Wohnung 'U. s. w. tvie 1728 und den Bpdienten auf 
der Reise .............. 
Summe 


Übersicht iibrr die Ausgaben: 
im Jahre 1725 681. 52 
im .Jahre 1726 1505. 83 
im Jahre 1727 1617. 19 
im Jahre 1728 2526. 16 
im Jahre 1729 1852. 36 
im Jahre 1730 17.'16. 16 
im Jahre 1731 2350. 9,fJ 
im .Tahre 1732 1992. 42 
im Jahre 1733 2116. 86 
im Jahre 1734 2057. 61 
im Jahre 1735 2261. 54 
im Jahre 1736 620. 22 


Summe 


21318. 80 


1736 
Hub!. Cop. 
2 88 
:-! G4 
40 
2 88 
15 
29 
fO 
10 
20 
12 24 
2:? 80 
22 
2 10 
f9 
1 11 
2 09 
2 21 
524 21 
620 2:J
>>>
Zweites Heft. 
Yerzeichnisz bey Betreihung derer mir anvertraut gewesenen Stadt-Angelegen- S. 1 
heiten, in guter Absicht verwandten inevitablen Cantzeley-Auszgaben und Prae- 
senten ect. 


Ao. 1725 
cl: 10ctobr. an den Translateur Hichler die suppl: wegen 
des Roggens zu translatiren und zu mun- 
diren 1 . . . . . . . . . . . . . 
d: 5t: - an dH. OberSecret: Jurgelow vom Reichs-Coll: 
eine silherne tahaqvier . . . . . . . 
an dH. Cahinet-Secr: Macarow Cammerdiener 
d: 8t: - an des Reichs Collegii Cantzeley vors Promo- 
torial wegen dH. v. Vegesack nach Schwe- 
den s . . . . . . . . . . . . . . 
d: 10 - an 8 Strepziken groszer Herren . . . . . 
d: 14 - Zu Abbeugung des von einem Rusz: holl: 
Kauffmanne Nahmens Bodisko angesuchten 
Monopolii des Roggenhandels in Riga 1 . 
d: 2 Dec. Eine silherne Schahle am Catharinen Tage S 
gew: 3 .11. . . . 
vors Vergulden 12 ii . 
vors Wapen der Stadt . 
Pli arschin Sammet. . 
Ein arschin drap d'argent zum Futter 
vor hordiren Ihro Maytt: Nahmen 
9 1 /s loht point d'Espagne. . . . . 
d: 13 - vor 80 Bouteilgen Seckt a. dH. Gen: Proc. J: ( 
an dHn: Secretairen, ProtocolI-Copiisten an der 
Zahl 15, des Senats an Wein verschenkt 
d: 14 - an den General Adjut: des Gen: P: J: . 
an Ihro Maytt: Sänger und Hofi'Capelle 
d: 28 - an den Gr: St: 6 vier Ancker Wein . . 
1726 d. 1 January, Vor die Gäste so hey dem groszen 
Feuerwercke bewirthen müszen 6 . 
d: 6 Jan. an die Laqvais dRn. OberProc: B:7. . . . 
an dH. OberSec: Cosmin Laqvais. . . . . 
d: 14 - drey exemplaires der Rchwedischen Stadt- und 
Land-Rechte gebunden . . . . . . . 
Summa . 


Daca&@o !lab!. Cop. 
10 
12 
15 
6 
50 
150 


47 31 
24 
8 
5 
10 
8 
8 25 
40 


51 
12 
50 
84 


150 


25 50 
2 
2 
5 
475 6 
:,) Gmf 


1) B. II 42. 
Tolstoi B. II 51. 


I) B. 11 42. 
") B. Il 51. 


5) B. II 45. 
7) BibikO/l'. 


4) Jagu8inl/ky.
>>>
342 


S.2 


d: 24 Jan. 


d. 1 
Iartii 


d: 5- 


d: 8- 


d: 5 April 


d: 30- 


d: 2 May 


d: 3 Juny 


d: g- 
d: 2g July 


. d: 11 Sept. 


S.3 


Kanzleiausgaben 


Transport 
vor 10 schock Borstorper Äpffel an Fiirst M.I 
an dH. ÜberSec: Kirrill Bedicntc . 
an eiuiger dH. 
en;ttorcn Bcdicnte . 
an dic Protocollistcn des Scnats wcgen der 
Resolution des Roggenhandels i 
em Kasten Citronen so von Rcval kOlJnuen 
laszen 
dem Translateur des 
en;tts wegen der humill. 
petit: 9 und Cemmr dH. Eiclllers 
an den Fürsten Menz. 
an 8 H. Senatores 
an des Fürst M: heyde Herrn Heeretairen 
Wust und König 
vor die Suppl: der Ritterschafl't in pto. ues 
Hurggr: und bienn: praescription 4 . 
vor die ordre des Commeree-Collegii an dH. 
OLerlnsp. Witte zn translatiren 5 
an dU. Reicharu zu translatiren &e in pto. 
derer Schiffe Suppl. 8 . 
vor unterschiedene Cantzeley .Hcuicnte zum 
Osterfest 
an dl£. Secr: 
ichler und 'l'ranslat: Haege 
wegen der gesuchten Heclaration der 
hienn: praescr: wie auch wegen der Suppl. 
des Praesid: Isajeff s 7 und an diverse 
Schreihet'e zu collationiren. 
vor einen ahermahligen extraet der hnmill: 
petit: an dH. Heer. Bogdanow 
Nachdem der Senat und andere Collegia nach 
Wasili Osterhoff transportirt worden, hahe 
iiberhaupt an die Secret: und Protocull: 
sambt Schreiber nach Rusz: Uewohnheit 
zu Saltz und Brodt gehen mü!:!zen . 
an den Fiirsten Wa88ili C: n. 8 
vor die iibersanute Suppl. an uen Piir:iten lU 
pto. des Kasten -Wesen!:! zu translatiren 
und lUundiren 9 . 
niese Suppl: an dHn. Geheimen Räthe zu 
mundiren 


Summa 


Transport 


vor ein Goldst. an :Fiirsten 
vor 15 arschin Sammet an 


Dneaten 


150 


500 
500 


200 


200 


1550 


Dueaten 


1550 


1726 


Rubl Cop: 
475 6 
H 20 
3 
8 


lä 


26 


25 


7 


2 


10 


6 


20 


J2 


24 


8 


4 
652 2ü 


Rubl Co..: 
652 26 
23 75 
49 


1) Mrnschik()w. 11) B. LI 55. 
5) B. 1I 61. 11) B. LI 44. 61. 
105. 106. 


S) B. II 14. 28. 42. 61. 4) B. I1 50. 52. 
7) B. Ir 69. 70. 11) Dolgontck!/. 9 B. II
>>>
1126-27 


des Ratsherrn Cailpari. 


vor eine alongue peruque an Sapia 
d. 25 Oct. an d H. OherHecr: l\Iasselow Rheliebste, wie 
selbe im Kindbette gelegen nach Rusz. 
Arth ., . . . 10 
d: 25 Nhr: an Catharinen Tage ein tractemeut auff mei- 
ncm Zimmer . . 
d: 2 Dec\Jl'. vor 4 Plettgisen nebst 4 eisernen Bolten an 
Madem: Vestergarteu. 
vor 3 Beutelperllqveu bey Hoffe 
d: 28 - vor das promotoriale au den }'ürsten Dolgo- 
ruki nach Schweden eu egard dR. v. Ve- 
gesack 1 . 
vor die suppl ans Artill-ColIegium wegen des 
Capit: SdanoO' zu trauslatiren 2 . 
an dH. General Gunther in dieser Absicht! 100 
1727 d: 4 Jan: vor ö Rigische Gesanghiicher hey Hoffe 
d: 1 Fehl'. derer Deputirten }Iedailles halLer, so bey 
Petri 1 mi Beerdigung ausgetheilet, vor sup- 
pliciren, gestempelt Papier, Pettschafft &c. 
Leym Artill: Collegio vor translatiren S 
cl: 23 - vor die Documenta nach Stockholm au dR. v. 
Vegesack dem ÜberSee: pro vidim. 
d: 28 - heym Übergeh: Conseil vor die Unterofficiers 
und. 
d: 19 Martii an des Fürsten )1.' .Bediente zum prasneck 
vor die Admiralitaets Kirche 
vor SchreibCl'e der Cantzeley zum Schmausz 
d: 20 May an den ersten Corporal des hohen geheimen 
Conseils 
an die Schrei1Jere des ArtilIerie-Collegii I 
Die .Beerdigung der Kayserin Catharina ge- 
schahe zu "
nde dieses Monaths May, zu 
welchem actui ich auft. ordre des hohen 
Conseils m loco }
reunde willig machen 
miiszen, no mine der Deputirten bey dieser 
Beerdigung zu praesentiren, wobey die 
Depenses J!:ewesen . 


Summa 1660 


Dncaten 


Transport 1660 
d: 3 Juny VOr den Corporalen dll. l'raesid. Isajeß', wel- 
cher nach Peterhoß' mit emem Stücke 
etoß'e spediret ., 
d: 19 - Zum Prasneck Petri P: an Sen: Schreiber 
d: 22 - vor das Rescript ans Waysen-Gericht wegen 
Steinboieis 
d. 9 Sept. Zu Huppliqven ans Artillerie-College; . 


I} B. II 85. 


2) B. 11 115. 121. 


S) B. Il 141. 


') MenschikQu'. 


343 


13 - 


37 


6 29 
11 


12 


4 


7 


42 
4 


24 


13 
12 
4 
9 


4 
3 


182 
1112 30 


Rubel Cop: 
1112 30' S." 


3 
3 


2 
4 


f.) B. 1I 169.
>>>
344 


Kanzleiausgaben 


1727-28 


d. 8 Oct. vor eine Suppliqve an Ihro Maytt. zu trans!.1 
vor d. H. Oher Sec. Masselow Leuthe 
d. 11 Oct. an den Secret. Semenowein Anker Brandt- 
wem. 
vor die Acten und Supl'liqven H. C.tpit. Korff 
zu trallslatiren 
d. 1. Nov. vor die SUl'pliqve des MaItzhanuel1:! zu trans- 
latiren I! .. . 
vor den extract, uen uie CancelIey gemacht 
d. 7 -- vor den extract wegen ues MaItzhandels im 
ConlIuerce-Collegio 
vor eine ordre ans Gouvernement wegen des 
Roggens S mit Pettschafft 
d. 9 - uie Suppliqve wegen der Schiffe zu änuern" . 
an die Cantzeley des Fiirsten M. wegen des 
Fiscal Harms 1; Suppliqve 
an den Secr. Posnakow 
vor die Artillerie-Kirche . 
d.23Decbr. vor diverse grosz er Herrn Bediente zum J.;'este 
1728 
d. 1. Jan. An Ihro Maytt. 'frompeter, welche mir Neujahr 
gewiinschet, wie auch an die Hoff-Capelle 
an d. H. I
tats Rahts )fasselow Bediente 
vor des Ober- Proc. Biebiko1r Bediente 
vor die Postillions. .. 
vor des Gen. Proc. Isajeff Bediente 
an u. H. PostD. Aschen zum Präsent 
an den Translateur IIelwig 
d.21Martii an den Oher Sec. von uer Artillerie zum Oster- 
feste. . 


3 
3 


9 


4 


3 
2 


2 


6 
4 


100 
15 
5 
]2 


]3 
3 
2 
3 
6 
]2 
6 


Summa 


1660 


10 
1347 30 


Ducaten 
S. 5 Transport 1660 
an die diverse Schreiber aus denen Cantzeleyen 
zum Osterfeste 
d. ] J. May die Suppliqve zur General-Confirm. zu trans- 
latiren und zu mundiren 
d. 15 Juny auff orure E. WohlEd. Rahts u. H. Sec. Brü- 
ningk nach Riga spedirt unu gereichet 6 . 
wegen der neuen Resolution in pto. des Rog- 
genhandeh! 7 in dreyen Cantzeleyen nem!. 
Senats- Comm.- und Stempel- . 
wegen dieser Materie an d. H. R. v. S.8 
an zwey Commerc-Rähte . 
an den Ober-Sec. des Commerc-ColIegii 
wegen des extracts des Senats VOll der Gen. 
Confirm. 


Rub. Cop. 
1347 30 


]4 


7 


HO 


92 
400 
200 
100 


f) 


1) B. 11 163. 178. 
5) B. II 737. B. I 760. 


2) B. II 231, /8. 
6) B. II 193. 


H) B. 1I 157. 11:11. 4) B. 1I 44. 
7) B. LI lR9. 
) Barort v. Schl/fim.w.
>>>
1728-30 


d. 2. Aug. 


d.29. Aug. 


d. If) Oct. 


d. Hl- 
d.22 - 
172g 
d. 1. Jan. 
d. 23- 


d. 2. Febr. 


d. 20. April 
d. 17. M:ty 
d. 20 Juny 
d. 28- 


d. 12. Oct. 


d. 3. Nov. 
d. 25 - 


d. 2!). J)ec. 


1) B. Il228. 
6) B. Il 251. 25i. 


des RRtsherrn CRspari. 


vor die Snppliqve in pto. eIer allgedroheten 
exemtion des aerarii puhliei wie auch we- 
gen der frembden Kaufl'leute I 
die ordre aus dem Kriegs-Ooll. zu trauslatiren 
ob captandam bcnevolentiam in pto. der Gen. 
Contirrnation jJ an d. H. gch. Raht Stcpanow 
an dcn Btats Raht }faA8elow 
an den Oher-Hec. Kosmin. 
an den Heeret. Uogdanow 
an den 8ecret. Hchultz . 
vor die Capsel der Gen. OonJirm. S 
vor die seidne Schniire, giildene .Franzcu und 
Pettschafft etc. . 
vor den sammetnen Umbschlag. 
das Privilegium S zu translatiren 
an die neue Lutthersche Kirche 


an die Sänger von Ihro Maytt. und lIoff-CapeIle 
vor die Suppli1lve wegen des Schiff-Wesens 
und die danehen scynde Uechnung 4 zu 
tr:tnshttircn . 
an den Trallslateur Helwig vor copiireIl 
heym Cammer-Collegio an die C:tutzeley in pto. 
des gestempelten Papircs 
an:'! Cammcr-Colleg. wegen der acei8-Zetteln;; 


150 
150 
100 
100 
100 


Transp. 


R1Illlma 22tiO 


I -'ucaten 


X) JJ. 1l 229. S) B. LI 232. 234. 
7) B. LI :&:JU. 


4) B. J[ 251. 


die Almahme der Schiffe 6 
an dcn 'I'ransl. Helwig zum Pathenpfeuning 
an den Transl. Höge zum Pathenpfeuning 
an Secret. Posnakow 
an die Protocol1isten des Reichs-CoIlegii 
an des hohen Conseils Cantzelley Bediente in 
Absicht der Conlil'mation wegen YxkuIl 
und Kirchholm 7 
an tj Glieder vom Cammer und COlll1l1. Coll. 
:U1 der Kayset.J. Braut Princessin Dolgorucky 
:tm Oathal'illen-Tage und zwar an nero 
Bediente 
an vcrschiedene 8chl'eiher zum Weynachten . 
an den .FcldMarechal Dolgorucky vor ein Ochs- 
hofl't Wein 
1730 
d. J. Jan. an tUe 
änger und lIoll'Capelle Il..1ro 
Iaytt. 
d. In Fehl'. an d. H. .Masselow Bediente zur J'astllacht 
d. 1-1 - an llelwig vor :tllerhand 
achell zu copiil'en . 


22tiO 
fOO 


345 


27 
3 


27 
46 
4 
6 
15 
12 
!
 
7 
12 
45 
---- 
245!1 ao 
nublen Cop. 
245£1 30 S.6 
18 
20 
10 
6 
45 
-100 
HI 
10 
120 
1
 
i) 
7 


5) B. Il 225.
>>>
346 


d.20 


d. 21 


cl. 3. April 


d. 2'2. Jllny 
(]. 1 f. A ug. 
d. 18. - 
d. in.- 
d.'27.Sept. 


d. 14. Ud. 
d. I. Ucc. 


Kanzleiausgaben 


an d. H. Pastor 
chlllidt auf ordre EWE. 
Rahts zur Rise I . . 
weilen meine 4 Pferde an den PeldM. Fürst 
J)olgorllky verschenken miissen hahe von 
dem Senat8-Sec. 8errienp wieder welche 
gek.. . . . .. .... 
1.11 denen OsterfeyeL"tagen in denen Citlltzeleyen 
an d. 11. lJelwig vors Schreihen 
wegen Ahnahme der Matrosen 
 
wegen der MaItz Resolution. . 
wegen J,inderung des Roggen-Zolle8 8 
wegen der GeneralConfirm. von Petro 11 d0 4 
an den Transl. wegen Nachsuchung der Ar- 
tillerie-Suppliqve . . 
in der 
enat8-CaDtzeley 
an Helwig unterschiedene Sachen zu mund iren 
und zu translatiren 


17:Jl 
d. 13. Jan. hey d. H. Hecret. Schultz nomine Civitatis zu 
Gevattel'Jl gestanden . 


8.7 


d. 1. F'ehr. 


d. '2- 
d. '2i
 Martii 
d. 24- 


d. HI.April 


d.22 


d.28 - 


d. 30 Juny 
d. iU Aug. 


d. 17. Sept. 


d. 17. Oet. 


d. 2:J Dec. 


Summa 


'l'ranspol.t 
an den TI'alls). IIoege vor translatiren . 
an d. H. Gen. JagousHinsky H. 
chwieger801Ul 
den Ohristen Lapucllin zum Hochzeit- 
Geschenk . 
zur Beenligung des Fi8cal IIarms Sohn. . 
vor die Senat8-
chreiher zur .Ma8lenitz . 
an d. H. 'l'rallsl. Hripanow pro ao. 1726. 21. 
2R 2!t und 17
O in miindlicher aSBistence der 
Russ. Rpraehe . 
an die Hchreiher aus denen Collegiis und 
kleine lfofl'Uediellte ZUlll O..,tern . 
wegen rler von dei. Ht;tdt einhehaltenen Schiß'8- 
Celder 5 
vor allerhand Sachen in UnSel"en Angelegen- 
heiten in der Henats-Cantzeley 
an Helwig vor schreihen. . 
au d. H. Secr. Schultz auff 8ein hittlich A u- 
suchen, wie er den lIaussarrest hatte. . 
an den Trans!. I1elwig vor schreiben 
vor diverse Calltzeley-Bediente, welche hey mir 
geschruauset . 
an 
7 PerHolmeJl an.., der Hellats-Cantzeley, 
welchf'u ich Ge8chellke geben müssen. . 
em praesellt an d. H. Oher-Proc. Biebikoft' 
laut des Holdschmidts PreiH Rechuung 


1) B. /I 2J8. 4'!(J. .F. 
a) B. 1£ 36 J. 362. 


2) B. //3/7. 


S) R. 1T .'J57. 


1730-31 


60 - 


119 
12 
2 
15(1) 
200 
150 
500 
5 
H 
6 
50 
2760 5743 30 
Docat.n H.ul. Cor. 
:2760 5743 30 
9 - 
3UO 
12 
ti 
60 
25 
500 
9 
3 
ij() 
3 
:26 
60 
177 
4) B. /l 232. 2!l4. .'J29. 


....
>>>
1731-35 


des Rutsherrn Caspuri. 


an die Secret., Schl'eiher, Protocolli:iten und 
Copii:;tpn aU::1 dem SNlat, vom Reiehs- 
.Jnstice-, .Jamlller- und Comlll. Collegio an 
der 
ahl 
7 l't'I'::1ohllell zum \Veylnmehtcll 
an u. H. Post]). 1'c::1tel in glcicher Absicht . 
17
2. 
d.31.Martii Tohacl{, 20 Rollcn, so ans N arv,t kommcn lassen 
u. 8. Juny auff des premier Duracken Pferd 
espielet 
d. 24 Oe!. wegen des Darlehns von 25000 TIthI. 1 
d. 23 Dec. bey denen Collegii::1 zum gewöhnlichen Wey- 
nachtgeschenk wie auch zum nenen Jahre 
in aUen. 


1733 
d. 8. Jan. 


d. W.- 


d. 10 Fein'. 
d. 12- 
d. 13- 


d. 1. .May 
d. 14. Aug. 
d. - Sept. 
d. 16. Oct. 


1734 
d. 10 Jan. 
1735 
d.28Martii 


an den Senats-TransI. Hoeg-e 
an den Helwig V01. 3 Tage Arbeit 
an den _Bischoft. von Novogrod 100 Citronell 
vor ein NeuJ,thrs-noueeur hey Hoft"e. 
SUIlIma 


Transport 


in pto. prulongationis moratorii 2 
laut d. 11. Buchholtz qvitenec . 
an die Capitainin Rcgina 
'ischern laut Ilvitence 
an HI'hvig vor Schreihen gezahlpt 
400 holländische ScheUen 
an u. H. Baron v. Seha. auft. ordreS. 
an d. H. Ober-Sec. Kosmin eine tahaqvier 
vor 8 englische Brillen t Princ Kurukiu 
vor (; RoHen hoHänd. Tohack und Grafmolowin 


in pto. des PulverH.& 


6 Rihrische Gesangbiicher fiir die Fräulein bey 
Hoffe 
vor Theatrum Livoniae und Landes-OrdlHlllg 
in der Senats-Calltzeley . 


-, 
::;umwa . 


3260 


l!nc..tol1 


3260 


3660 


347 


113 
24 


2
 
20 
310 


lW 


12 
3 
14 
WO 
7'207 30 
Rnb. Cop. 
7'207 30 S. 8 
300 
HlO 
ÖO 


2 


1 25 


300 
20 
30 79 
7 
100 


. 


7 19 


100 
7727 03 


M. v. Caspari. 


1) B. II 445. 2) B. 1I 455. 3) B. I1 4,6. 4) Die Stallt venoeigerte 
die Annahme einer ihr t'on der Krone geliefertm Jfenge Pulver aus Mangel an .J.llitteln zur 
Bezahlung. 


....
>>>
Cunto V\JI denen de A Jlno 17
5 dcn 
ltcJl Julii hisz den ] sten Decembr. 
Ao. 1735 cllJpfangenen Equipage- und Defi'ayrun
-GelUcrn I. 
Ao. 1725 Hinnahme. 
d. 9. July an Eqvipage allhier empfangen. 
d. 7. ;\ ug. " contant hieselbsten empfangeIl . 
d. 18 Dec. Rcmes
a durch den Herrn OLer-Gesetz-Hel'rn Zimmer- 
lllann laut des Herrn Rathsherl'l1 Haltermanns qvit. 
300 Ruh. a 9f) Cop. . . . . . . . 


8. 3 


Ao. 1726 
d. 2. 
fay 


d. 14. - 


d. 17. Scpt. 
Ao. 17'27 
d. 13 Fehl'. 
d. 16. Oct. 


d. 9. Dec. 
Ao. 1728 
d. 23. l\Iay 


1 


Drittp-s Heft. 


Uth. A.lb. Gr. 


200 
400 


315 70 


1'ratta St. PeterShUl"g au Heidler Reich & Cumpagllie 
oder ordre von 200 Ducaten an den Herrn Munster- 
herrn Schwartz zu zahlen . .... 417 70 
Remessa 1000 Ducaten . . 2116 60 
Contant einhehalten aus der Remessa242 1 /2 Rub. a 97 Cop. 250 
!{enlesBa . 3(K) 


Remessa durch den Herrn Munsterherl'll Schwartz . 
dito durch den Herrn Munsterherrn Schwartz zue Lasten 
Arps und Rollfincks . 
dito durch den Herl'lJ RathsherrnHaltermann300Ducaten 


300 


500 
630 


1'ratta Moscau an .Jean Nieolas Hessel oder Ordre an 
'l'homa8 Zuckerbecker zu zahlen. 
d. 15 Aug. dito an dieseihe Ordre. . 


S.4 


Ao. 17'2H 
d. 31 Oct. 


d. 3. Dee. 


Summa Rthl. AlL. 


f)()() 
500 
.6430 
Rtbl Alb. 6r. 
6430 20 


20Gr. 


'l'ransport 
'rratta 
Loseau an Hermanll Meyer oder Ordre an den 
Herrn Oher-Gesetzherrn Zimmermann zu zahlen 
dito von dem l'rovisorn Xagel empfangen, umb an dcn 
Herrn Gen. Ml\j. BriIly zu zahlen 500 Ruh. . 


1'224 


f) 10 20 


Ao. 1729 
d. H. Aug. Remessa durch den Herrn Oher-Hesetzherrn Halter- 
mann . 500 - 
d. '21 April Tratta Moscau an Hermalln Meyer oder Ordre, I1mh 
an den Herrn Oher-Gesetzherrn Zimmermann zu 
zahlen amiO 
d. 24. Nov. dito MOl:!cau an Jean Nicolas Hessel oder Ordre all 
den Herrn }[unsterherrn Schwartz zu zahlen. 540 
d.:22 Hüptbr. dito Moscau auft' gleiche A 1'tl1 200 


1) AlIf tlem Ulluit'hlttge.
>>>
1730-34 


Ao. 1730 
d. 5 Febr. 


d. 
3 April 
d. 23 July 
d. 20 Aug. 


d. 31. Aug. 
d. 30 Nov. 
d. 24 Hec. 


Ao. 1731 
d. 1. PeLl'. 


eodelll 
d. 22 April 


d. 10 Juny 
d. 14 " 
d. 19 " 


d. 16. Sept. 


d. 16. Dec. 


d. 29 Dec. 


Ao. 1732 
d. 13 May 


d. 24 Oct. 
d.2H - 


Ao. 1733 
d. 13. Jan. 


d. 10 }'eLr. 
d. 7. April 
d. 29 May 
d. 17. July 
d. 9. Oet. 
Ao. 1734 
d. 8. Jan. 


Einnahmen des Ratsherrn (J»spari. 


dito Moscau an Jean Nicolas Hessel oder Ordre, lIIub 
an den Herm OLerBauherrn Holländer zu zahlen. 
dito Moscau auf gleiche Weise . . . . . . . . 
dito Moscan an Schiffner & Compagnie . . . . . 
dito Moscau an Jean Nicola:! Hessel oder Ordre Ulub 
an den Herm Ober.Bauherrn Holländer zu zahlen . 
dito Moscau auff gleiche Arth . 
dito Moscau anff gleiche Arth . 
dito Moscau auft. gleiche Arth . 


r)
5 
300 
1530 


200 
500 


iJOO 


300 
Summa Rthl. AU). . l(i 119 40 


Rthl. Alb_ Ur. 
Tranl:!port . HH 19 40 
Tratta Moscau an Jeall Nicolaes HeH:!el oder (h'dre, 
umb an den Herrn Ober- Banherrn Holländer zu 
zahlen . . . . . . . . ;}OO 
dito Moscan auff gleiche Arth. . . . . . . . . 200 
dito Moseau an Jeau Nicolaes Hessel odm' O,'dre, 
umb an den Herrn Ober-Ambtsherrn Schwartz zu 
zahlen . . . . . . . f)\JO 
dito Moscau auft' gleiche Art . . . . . . . . . 500 
dito Moscau RUft. gleiche Art . . . . . . . .. 12:) 
des Holmhoffsehen Pfandschilling:! wegen contant em- 
pfangen . . . . . . . . . . . . . . .. 50 
T,'atta Moscau an Je:tll Nieolaes Hessel oder Ordre, 
umb an Jacoh Ludwig Weyland zu zahlen tiO(l 
dito Moscau an Jean Nieolas Hessel oder Ordre, umb 
an den Herrn OherBallherrn Hollander zu zahlen. 600 
dito Moseau an Jean Nieol:ts Hessel oder Ordre, umL 
an den Herrn OberAmbtsherrn Schwartz zu zahlen ÜUO 


Tratta St. PetersLurg an die Herrn Schift'nel' & WoHr 
oder Ordre umb an Jacoh Ludwig Weyland zu 
zahlen . . . . . . . . . . . . . . 
dito St. Peterslmrg auff gleiche Art und Weise 
dito St. Petershurg auff gleiche Art . . . . 
Summa Rthl. Alb. 


500 
350 
1000 
. 21444 4001'. 
Rthl. Alb. Ur. 


Transport . 21444 40 
Tratta St. Petersburg an die Herrn 
chitfner & W olft' 
oder Ordre, umh au Jacob Ludwig Weylalld zn 
zahlen. . . . . . . . . . . 20() 
dito St. Petersburg auff gleiche Art 300 
dito 8t. Petersburg auft' gleiche Art 500 
dito St. PeterHlmrg auff gleiche Art 500 
dito 
t. Petershurg auti. gleiche Art WO 
dito Ht. PeterHburg auft. gleiche Art 500 


dito 8t. Petersburg auft. gleiche Art Rubel 500, welche 
ä 105 Cop. in Alberts betragen . . . . . . . 476 18 


349 


S. 5 


S 6
>>>
S. 8 u. 
S.9 


350 


d. 28 May 
d. Ir Oet. 
Ao. 1735 
d. W May 
d. 1. Df'c. 


Einnabmen des Ratsherrn Caspari. 


1734-35 


dito St. Peten:!lmrg auft' oLgedachte Weise 
dito Ht. Petershnrg anti. gleiche Al't 


roo 
(jOO 


dito SL. Petershnrg aun' gleiche Art I (joo 
Jie an die JIerrn £fPI'l'1l Schill'uer .\- WoHl' zu 8t. Pe- 
tershurg von mir ausgestellte 11lld von I
m. Löhl. 
Stadt-Cassa-Collegio acceptirte Weehsel hetragen I. a
()O - 
Summa Rthl. Alb. --:- 28Ü2 0 5tf tIr: 
M. v. Caspal'i 


Gelleral-Conto 
von der 


I
illna}J\ne 
Inhalt::!desvom 
tenJuly 
Ao.172i) bisz d.1.Dechr. 
1736 auft"gesetztell spe- 
ci ellen V crzeichniszcs . 
Bill ich also sah'o erl'ore 
calculi in V orschusz . 


1) B. 1l 543. 


nn!a- - 
I 
Rtltl Alb. 0.. 


21:;tJ
O 58 
I 
7811 25 


-S umma 3(i73118;
Gl
 


2) B. II 543. 612. 


- 
 u; 


i;e- I Du- Rubel 
Laut der von denen in caten 
guter A Lsicht verwand- 
ten inevitahlen Cantze- 
ley Ausgahen und Prae- 
senten pp. verfertigten 
Verzeichniisz ..... !;
H(jO 7727 3 
Ducaten 3fi6U zu 9 Gr. 
agio machen . . . . . . 
Vermöge der de Ao.1725 
den !). July hisz den 23. 
Septbr. Ao. I73H auff- , 
gemachten speciellen 
Rechnung ....... I 
I:n8 80 


 
a --l 3{ i7Hl 
3C op. 
M. v. Caspari. 


I 
I Copeken 


7ti86 -
>>>
1730 Januar 1.9. 
Der Abgesandte der Livländischen Ritterilchaft Strörnfelt verzeichnet die 
von ihm i1
 Moskau in den .Tahren 17:J8 und 1729 bezahlten Kanzleiunkosten. 
0., 1 Bogen fol. .T. E. StrlJ1IIfelt. BLR. nr. 82 (.TallrcHnktc t.. 1730) VIII. 18 /Ir. 18. 


Annotation derer CautzeleYl1nkosten in .MOSCOll von der Hepl1tatiou 
de Ao. 1728. 


df'n 5. Marty 


ditto 


ditto 
df'n 6. du. 


df'n 7. do. 


deu 8. April 


df'n 10. May 


ditto 


den HI. Jun)' 


den 18. July 


1} B. 1I 229. 232. 


An den 'l'ranslateuren Ei(
hler für unterschied!. Sup- 
pJiques, als iiher die Generale Cunfh'mation derei' 
Privilegien" über alle Possessiones im Lamle. 2. nesz- 
gleichen eine SuppJiqlle wegen der iiber Liferenee 
an die Einquartirung von Ao. 1726. 3. gine Sup- 
plique wegen derer Herren I
andträhte ihre Güther 
und dasz Ritterhausz zu confirmiren. 4. I
ine von 
denen Hh. Landrähten gesandte Supplique wegen 
Zusammenfragung eines Landtrechtes 2 zu transla- 
tiren, gezahlet 
-- den ruszischen Schrt'iber, dieszes alles inA Rf'ine 
zu schreiben . 
zu Charta sigiIlata . 
nem ruszischen Schreiher , einige Exemplar von der 
Generalconfirmation abzuschreiben, denen Ministris 
zur Nachricht zu insinuiren . 
Oberwehnte Suppliques, nachdehme sie in gewisze 
Puncta formiret werden müszen, rein zu schreiben, 
an Baron MarderfeIt sein Schreiber. 
An einen teutschen Schreiber SalIander wegen des 
neu einzurichtenden Postwesens rein zu schreiben 
Im Senat zu Charta sigiIIata zu die Wipissell oder 
gxtracten 
An den telltschen Schrei her, der alle SlIppliques rein 
ge8chriehen, Uluh sie 8eparatim einzugehen . 
- die rl1szischen Schreibers im Senat, welche die 
Wipissen ins Reine geschrieben . 
- den Translatellren, der die Suppliques wegen dt'H 
aufzurichtenden JusticerevisiongerichtA 8 sowohl, als 
wegen dm' Noblesse, die in Kriegesdieustt'n zu 
treten verlangen, dasz sie in I
ieffland von der 
GeueraJitaet angenommen werden köuten, zu trans- 
lath'en 


I} B. II 344. 


S} B. II 365. 


Rul'til Cop_ 


IO 


2 


31 


-50 


4 


2 


50 


3 


2 


{) -
>>>
352 


.. 


-- den ruszisdlen Schreiber, diese Supplique rein zu 
schreihen, wie auch einige l
xelllplal' des Projectes 
tIer JUl!ticerevision, Uluh selbe an einem und anderu 
Herren zu insinuiren . 
den 
!J. Ang. - den Etaatsrabt Mas. I 40 Houtt. Bourgogniewein, 
die Bouttellie zu (iÜ Copecken . 
An ditto K R. Mas. l ein K:t8ten mit frausch. Con- 
fect 
- eingemachte Sachen zn seines Sohnes Hochzeit 
den 3. A ug. Eine Uhr an denselben 
dCIl5.Septembr. An den Secretail'cn Sergey lljetz von den Herrn Ba- 
ron 08termaun, der die Privilegia lhro Kayszert 
Majestc zur U nterschrifrt gebracht 2 . .... 
den7.Scptembr. - den Schrei1Jcr im hohcn geheimbten Vonseille 
Nikita Nikitin . . . . 
df'n 8. do. - den Schreiber im hohen Uom;eille, der die Copey 
von die Resolutiones aLge8cLrieben. . . 
den B. do. - den Serganten, der die Wache im Lohen Conseille 
Latte, nmh dan und wann auzumeldell. . . 
den 10. do. - den Hcrrn K R. Masl.! 100 11. mit Allffgeld . 
den 11. do. - dem Obersecrctairen Mattve Kusmin beym hohf'n 
geheimen Con8eillc . 
ditto - die Sm'gants und Wache von dm' Guanle und Sol- 
daten beym LoLen geheimen Conseille. . 
ditto - den Tmuslateuren Uhripunoff, dasz Privilegium 
über die 'l'rekatscLe Giihter und das Hausz S ins 
Ruszische zu iihersetzcn . 
ditto - den Schreiher , der das PrivilegiuIll der General- 
confirmation rcin geschrieben, uml zwar auf Par- 
gament . . . . . . 
den G. OctoLr. - dcn Secretairn aus dCIll hohen geheimen Cons. 
Bogd. 4 . . . . . . . . . . . . . 
do. V 01' die silbervergulUete Vapsell zu das Privilegiulll . 
do. - den Secretairen aus dem hohen Conseille Jud. 12 
Bouttellie Rcinwein uud 12 Boutt. Rohtwein 
do. Zu Schnur, Sammet und das Privilegium einzubindeu 
do. In der Reichscantzeley an die Schreiher, die das Pett- 
schafft uuter das Privilegium der Generalconfirma- 
tion gesetzet hahen und das Privilegium copiiret 
An die Storoschen uud Soldaten. . 
do. - den Schreiber im Senat Suschofi' gegeben . 
do. - dem Schreiber im Cammercollegio Kusma Pro- 
topopoff . 
do. An 12 Boutellie Reinwein an den H. E. R. Mast 1 . 
ditto - 12 Citroneu a 15 Cop. das Stück 
den 10. N ovemh. - den Secretair Bogd:tnoft' gegeben 
den 13. do. - den Schreiber im Senat ßorisoff . 


I) MU88elow. 


2} B. II 232. 


S) RitterhaU8. 


4) Bogoonow. 


1728 


Rubel CoP. 



 
24 
5 
4 l
 
21 
:20 :!O 
10 
2 
1 
202 
50 
;} 50 
4 - 
5 
30 
21 

 HO 
15 
1 50 
HO 
3 :0 
2 50 
5 40 
1 t:!O 
4 
50
>>>
1728-29 


den 18. do. 


1729 
den }'ehr. 


do. 


do. 
den W. Marty 


-- n. Cammerhcrrn Graff J.ewold seinen ruszischcn 
Schreiher, der unterschied!. Sachen ins Reine ge- 
schrieben hat. . . 


zu Charta sigillata und Pettschafftgelder vor die an 
Ilas Cammercollegium und Justicecollegio gesandte 
Ukasen, bestehende in unterschiedlichen aus den 
hohen Senat ertheilte Puncta . 
An Peruques an den Secret. Bogd. Griwzoff und Ni- 
kita Nikitin a 3 Ro. pr. Stück . . . . 
- den Senatssecretairen Kirilofl' eine Parique . 
- den E. R. Masl. 1 100 tf: 
Hievor 2 Copecken A uffgeld bezahlt 
- den Gehehnbden Raht Step.!! . 
Aufl'geld. 
- den Ohersecretair Mattvey Kosmin . 
- den SeCl'etairen Bogdanoff . 
- den Secretairen Griwzoff 
- den Schreiber Nikita Nikitin 
- die Sergants, welche die Wache im hohen geheimb- 
ten Conseille haben. . 
- die Storoschen . . 
Tichen Suszeff im Senat 
- dem Schreiber Rorisow . 
In der Reichscantzeley das Siegel unter das Privile- 
gium wegen die Trekatenschen Gühter und das 
Ritterhausz S zu unterdriicken mit allen Unkosten an 
Schreiber und Storoschen, Wache etc.. . . . 
Vor einen Wagen an Resident I1oherholtzen, welchen 
der Fürst Was. Hol.' bekahm, hezahlt. . . 
An den Schreiber im hohen Conseille Archipitz, der 
das Privilegium auff das Hausz und die Trekaten- 
sehe Gühter ins Reine geschrieben und zwar auf 
Pargament . . . . . . . . . . . 
An alle die Schreiber im hohen geheimbden Conseille 
bey der Abreisze zur Discretion. . . . 
- Postporto von Ao. 1728 bisz 1729 mensis Martio 
beträgt sich in allen vermöge des dasigen Post- 
meisters Rechnung a Mosco. . 
V or meine Rückreisze von Mosco bisz nach Dorpt 
fiibre an . . . . 
Vermöge der an mir eingesandten Rechnung, datirt 
!tigae den 1. July 1729 befindet sich in Debet. das 
mir vor Trauerkleider gutgethan ist 125 Rubel 
11 Cop., in Credit aber finde, das nur 100 Rubel 
accurat auftgellollllllen worden, kombt mir also an- 
noch zu gute __. . 


Rubel 


353 


1 - 


4 


12 
4 
200 
2 
200 
2 
50 
20 
12 
10 


3 
3 
6 
4 


f) 


1fO 


4 
8 
95 42 
100 


25 11 
1399 2G 


1) Mussclow. 2) &tt'Panow. S) lrgl. v. Gutzcit, ZW" Geschichte des RitterhauscB. 
Mitteilungen XI S. 539 n: u. B. III S. 165. 4) Wassily Dolgo'l'f,(cI.'y, 


23
>>>
354 1729 


Von diese nebcnstehcndc Bintam!Clld dreyllUndert ncun- 
undneuntzig Rubel 26 Copecken gehen ab Neun- 
hundert vier undsiebenzig Rubel neunundachtzig Co- 974 8
 
pecken J welche ich der Cassa vermöge obbenandte 
und mir zugesandte Rechnung verrechnen müste J 
restiret mir also annoch eine Summa von Rubel. 424 37 
Salvo Errol'e. 


DOl'pt den 19. Jan. 1730. 


J. E. Strölllfelt.
>>>
Vierte Abteilung: 


Ergänzungen und fiaGhträge 
zu B. I und zu B. 11. 



VVVVvvvv-- 


28*
>>>

>>>
1710 Januar 10. 
1. Die auf Befehl des Generalgouverneurs Graf 8tromberg durch den Rat 
im Dezember 1709 vor.qenommene Anfzeichnnng aller Einwohner 1 der vier 
Quartiere der Stadt Biga ergab für das: 


1. Quar 
2. Q'l£ar 
3. Quar 
4. Quar 


- ---- 
Einll'ohner. Ein- Ein- Summe. 
gefiüchtete. qua.rtierung. B 
tier 17(j3 169 127 2059 
tier 2615 730 192 3537 
tier 1751 - 122 1873 
tier 240;; 346 235 2986 
Summe: 81)34 1245 676 I 10455 


O. 4 Hefte 3 . ARA. IV, 8. Vgl. RP.v. 1. Dez. 1709, 10. u. 11. Jan. 1710, Pl. B. 65 
S. 206/7, 279, 28617. Vgl. die Einwohnerverzeichnisse v. 6. Okt. 1718 u. v. 3. Januar 
1728 B. I 462, A u. B. I1 191. 


1710 Juli-August. 
2. Pastor B. Depkin berichtet Über das Wesen der Pestkrankheit des Jahres 
1710 und schildert den Verlauf seiner Krankheit. 
O. Pastw Depkin. BLR., Ms. nr. 166, S. 360 f. u. S. 363 f. 
Ao. 1710. Copia von dem quae in lecto 
Von der damahligen Pest. 


Observat. 
Bei der Pest ist zweierlei zu ii herstehen , die Hitze und die Beule. Wer 
oie Hitze üherstanden, hat Hoffnung, bei guter Pßege das übrige zu iiherstehen, 
sofern die Beule nicht an einem gefährlichem Orte oder sonst was znschläget. 
Esz dauret die schwere Hitze 5. 6. 7 Tage. 
Bei einigen ist das l\Ierckmahl gewesen die Auffahrung eines gelben Blät- 
terchens; daraus Carfunckel werden, bei andern eine oder mehr Driisen (als 
die geschwollenen Mandeln am Halse oder Hageldriise im Nakken) zwischen 
}'ell und }'leisch, mit Schmertzen. Sobald sich diese zeigen, ist das rahtsamste, 
sich alsobald legen und zu schwitzen, auch damit zu continuiren, denn, obgleich 
viele etliche Tage darmit frisch hingehen, so bleibts doch nicht aus, und haben 
insgemein diese schwerer darnach gelegen oder haben sich schleunig gelegett 
und sind auch schleunig gestorben. 
Bei anderen zeigete sich nichts, empfunden aber eine :Müdigkeit mit I-Ioja- 
nen, HauptSchwindel, MagenSchmerzen, Kälte und dergleichen. Wenn sie sich 


1: 1) mit Ausnahme der Bewohner der Häuser, die dem Adel gehörten. B) 56 Offiziere 
mit ihren llmnilien und ihrer Bedienung. 3) Die Hefte enthalten insbesondere ein aus- 
führliches Verzeichnis der in der Stadt vorhandenen Nahrungsmittel der Bürger und der Ein- 
gefiüchteten.
>>>
358 


Ergänzungen und Nachträge. 


1710 


in Schweisz geleget, ,sind einige besser worden, einige aber haben Drüsen ge- 
kriegt zu 1. 2. 3. 5, einige Carfunckel 3. 5. 7. 14. 21, einige Drüsen und Cal'- 
funckel zugleich. Bei einigen sind die Drüsen und Carfunckel weggeblieben, 
haben aber rohte Flekken gekriegt, bei denen noch Hoffnung wal'. Die ahcr 
grosse schwarze Flekken hatten, karner. gar selten auff. Einige hatten Drüsen, 
Flekken und Carfunckel zusammen, war nichts gewissers als der '1'od. 
Einige fingen an mit Bluten. Auf den Schwindel folgete ingemein ein 
starcker Schweisz, zumahlen bei denen, die Beulen schon hatten. Einige 
schliefen bei 2. 3 Tage als todte Menschen!. 
:Mit dem Fieber (wie man die Hitze nennen mag), so vorherging, hatte es 
nicht bei allen gleiche Bewandnisz. Einige wenn sie sich legeten, brachen sie 
sich 2. 3 Tage und hatten grosse Bangigkeit, andere wusten davon garnichts. 
Mit den ersten hatte es mehr Gefahr. JJinige hatten einen starcken Durchlauff, 
andere aber waren sehr verstopft, bisz auf die Zeit, da die Beulen Öfnung 
kriegten. :Mit jenen stund es schlechter und diesen pflegete man zu helfen mit 
Clystiren nach H. D. Kriegen Raht. Andere :Medici habens wiederrahten und 
ists gefehrlicher worden. Einige hatten nicht starcke HauptSchmertzen, bei 
andern aber waren sie unerträglich. Einige hatten 3. 4 Wochen vorher starcken 
Durchlauff, ehe sich eine Drüse zeigete. Einige sturben, einige kamen davon 11. 
Die meisten fantasireten, viele aber waren als unsinnig, sprungen aus dem Bette 
heraus, tantzeten nakket Menueten und Paspieden, zerhissen die Leffzen, zer- 
krazten das Gesicht, ja konten offt nicht von 4. 5 bisz 7 Menschen gehalten und 
gebunden werden. Diese kamen selten davon. Einige behielten bei der grösse- 
sten Hitze vollen Verstand, nur dasz, wann sie meineten zu schlafl'en, sie immer 
mit den Sachen zu thun hatten, so ihr meistes Werck gewesen war. 
Wenn die Hitze remittirete, welches zu mercken wal' an den abnehmenden 
KopfSchmerzen, etwan am 5. 6. 7. 8. Tage (und nicht sonst etwas, zum Exempel 
allzugrosse Mattigkeit, allzugrosse Schmerzen in den Beulen, Flekken, Durchlauft' 
etc., zuschlug) war nechst Gottes Hiilfe Hofl'nung zum Leben. 
Mit der Genesung war es unterschiedlich: Einige stunden nach überstan- 
dener Hitze auf, gingen und hincketen herum, die Beulen möchten aufbrechen 
oder nicht. Doch war es besser, dasz sie aufbrachen. Denn bei welchen sie 
nicht aufbrachen, hatten lange Zeit Schwindel im Haupt, oder sie haben nach 
langer Zeit wieder ein A ufflauffen vermercket oder geschwollene Beine gehabt. 
Einige aber haben sie bald verlohren. Bei vielen brachen sie auf, ohne Pflaster, 
hatten aber gewaltige Schmerzen, welche durch Pflaster und Wegeblätter zu 
lindern stunden. Solche Leute gingen hinckend iiller die Gassen und zu Marckte. 
Andere sind nach aufgebrochenen Wunden aufgestanden, habens aber nicht aus- 
halten können, auff zu sein, wegen Schwindel und Mattigkeit. Andere haben 
lange liegen müssen, zumahl die meisten Anstosz vom Stein, schweren Abgang 
des schleimichten Urins mit Kalck, ]}urchlaufl' etc. empfunden. 
Die Loca der Beulen und Carfunckel sind diverse gewesen. Die meisten 
habens gehabt auf beiden oder auf einer Seite partis verecundae (die habens 
leichter überstanden), andere am Halse, auf den Backen, an den Lenden, Beinen, 
aufm Rücken, auf den Armen und unter den Armen (davon Aind auch viel auf- 
kommen), andere auf der Brust, am Oaumen oder andern Fingern, an der Nasen, 
im Auge (welche gar selten davonkommen, der Gesetzdiener lebet und hat das 
gantze Aug verlohren, 80 mit einem schwarzen Pflaster beklehet ist). Einige 


2: 1) Einige fingen an u. 8. w. am Rande. 


11) Einige hatten 8. 4 u. 8. w. am lWnde.
>>>
1710 


Erginzungen und Nachträge. 


359 


im :Magen, und hahe ich einige nach der Pest gesprochen, die doch genesen 
waren, habens miissen ausspeien s. Mulieres, feminae et virgines quaedam in 
IHldendis. Einer Jnngfrau ward es geschnitten, die drüber gestorben. Quaedam 
gravid,t, die izt "bermahl verheirahtet lebet, hat es auf dem Nabel gehabt, 
welcher die Bademutter die Drüse geschnitten, aueh habe sie ein gesund Kind 
zur Welt gebracht. 
Die Grösse ist auch diverse. }
inige waren wie TaubenEier, andere als 
Hiiner- und GänseEier, andere aber wie 2 Faust und wie die sI, Stoft' Podeljen. 
Bracben nicht aHe gleich früh auf, sondern it 2. 3- -7 Wochen. Einigen sind 
sie ausgeschnitten worden, uud leben davon unterschiedliche, als der Fischer 
Narring, Fr. Rahtl:!verwandtin W. ete., war einiger Moscowitischer Chirurgorum 
gemeine Cur, esz baben aber die Schmertzen nicht aHe ausstehen können. Un- 
sere Chirurgi pflegeten sie mit Lancetten zu öfnen, aher bei einigen war es zu 
früh und sturben iiber den Schmertzen, als H. Diac. v. T.', Kreche etc. Bei 
etlichen verberteten sie und wurden unterköhtig, deren einige die Schmerzen 
überstunden, wo sie empfunden bei Aussclmeidung derselben. Einer adeligen J. 
hat Ulan täglich miissen schneiden, also das man eine Faust hat einlegen können. 
So zarte sie auch war, hat sies endlich überbracht und geschahe solches lange 
nach der Pest, weil sie zu blöde gewesen, solchen in Zeiten vorzubeugen. Einige 
befielen von neuen 6. 7. 8 Wochen nach der Genesung mit neuen Beulen oder 
mit denselbigen, die wieder auft'lieft'en 5. 
Acht, 10 ä. 12 Tage, ehe die PestBeulen aufbrechen, hat man grosse 
Schmertzen, denn es schneidt wie mit Messern, wenn man das krancke Glied im 
geringsten rühret, und wo die kleinen blauen Blätterchen auffahren wollen, 
stichts als mit Nadeln. Insgemein geben die Schmerzen soweit die Sehnen 
reichen, die davon laediret sind. Bei den Carfunckeln sol das wilde Fleisch 
ausfallen. 
Die sterben liegen 1. 2. 3. 4. 5 selten 6 und 7 Tage. Doch sind einige am 
Durchlauft'e darnach gestorben, zu mahl die gemeinet, sie könten wohl alles essen 
und trincken, wie viele gethan, die frisch Bier, Milch, Brandwein genossen. 

Iehr möchte man erkennen aus meinen eigenen Zufallen, wie ausweiset disz: 


Diarium 
von meiner eigenen Kranckheit. 
Den 8. Jul. 6 in der Nacht und noch vor Tage erwachte ich und hatte diesen 
Traum gehabt: ich lag im Bette und die eingekommenen Moscowiter liessen eine 
)Iaur auf meine F'üsse fallen. Ich rief halt, aber da war es schon geschehen. 
Doch dunckte mich, ich würde wieder zurecht kommen. Indessen bejammerte 
ich meine Krancken. Ich befahl mich drauft' dem lieben Gott und schlieft' 
wieder ein. GI. 4 erwachte ich zum andern Mahl und muste aufstehen, da mir 
etwas wehe thate auf der rechten Seiten oben am Bein. Befand dasz es eine 
Drüse wäre wie ein Haselnusz grosz, auch in den Gelencken spührete ich unter. 
schiedene wie Erbsen, die aher nicht schmerzeten. 
GI. 5 den 9. JuIii ging ich zu einem Patienten und GI. 7 legete ich mich 
in Schweisz. Ein paar Stunden darnach stand ich auft' und wolte mich barbiren 
lassen, kam aber kaum ins Hette, da fiel ich in so schwere Ohnmacht, dasz man 


2: S) Einige im MageIl u. s. w. am Rmule. 4) Joh. v. Diepenbrock, Diakonus t'u 
St. Peter, starb am 2. Aug. 1710. 5) Einige befielen 1t. s. w. am Rande. 8) Schwedi- 
scher Kalender.
>>>
360 


Ergänzungen und Nachträge. 


1710 


auch nicht mehr den Pulsz fiihlen konte. 
ach 2en Stunden legete ich mich 
von neuen in Schweisz, und wal' der sehr I:3tarck, also dasz 
 a 3 Hembde 
Wasser nasz wurden. Bei dem ersten Schwitzen kam mir das Wasserlassen an, 
dabei ich mich übel' 
 Stunden lluehlete, weil es nicht im Sitzen von mir wolte. 
Endlich erwehlete, wie ich nicht mehr kOl1te, e duobus malis minimum, sprang 
aus dem Bette und fing an zu gehen, da ich 2 mahl das UrinGlasz gefiillet. 
Gegen Abend, auch noch den andern Mittag schadete mir sonst nichts und 
schmekkete das Essen mir wohl. 
Den 10. Morgens (Sonntag) 7 lllw:!te von neueu schwitzeu, und verordnete 
der H. D. Depkin S.8 60 Tropfl'en Bezoar darzu. Ir. H. Krieg, auch seeligel' 
(denn sie sturben beide, wie ich besser ward), besuchte mich auf Ausuchen zu 
Mittage, und ergab ich mich :gäntzlich seiuer Cur. Das Mahl verordnete ]
r 
5 Pulver auf 40 Stunden, a alle 8 Stundeu 1 Pulver eiuzunehmen zum Schwizzen, 
und dabei nach idem Pulver die ote Stunde Tropfen zum AU8treiben. Vid. R. 
n. 1 11 . Zu Mittage begonten die HauptSchmerzen. 
Den 11. Jul. (Montag) meinete der H. D. Krieg, dasz die Medicamenta zu 
starck wären, ordnete darauf andere Pulver, ohne Tropfen, uud wegen der 
Hauptschmerzen, so allzugrosz waren, ein Pflaster. Mit diesem Pulver mU8te 
continuiren zu schwizzen, welches auch geschahe annoch 2 a 3 Tage. Vid R. no. 2 10 . 
Endlich (Dienstag) ward ich so matt, dasz meine Sprache verging und ich kaum 
etwas vernehmliches reden konte. Das Gedächtnisz war auch gar schlecht 
(Mittwoch), schlug auch ein Durchlauff zu am nounerstage, dem der H. Vetter 
Depkin mit einem Pulver vorkam, detzgleichen ward die Brust rauh und der 
Halsz heiser, vielleicht vom Bewegen beim Durchlauft'. Summa ich war so matt, 
dasz ich Mittwochen Nacht unO. Donuerstag Morgeu vermeinete auszugehen wie 
ein Licht. Das aber weisz ich wohl,' mich zu erinnern, dasz ich Küssen hinter 
mir legen liesz, um mich zu cOllserviren, weil ich gesehen, dasz die leicht ver- 
scheiden, die keine Kiissen unter HaÜpteu haben. Nam vita omnium charissima 
et mors amara homini. 
D. Depkin hatte mich verlohrcn gegel/cn. H. Krieg aher hatte gesaget, 
man solte mir nichts mehl' eingehen, Gott wlu'de wohl helfen. Wie er weg 
war, spiihret ich Linderung mit den IIauptschmerzell, denn vor waren sie so 
penetrant, dasz ich meinete, ich wäre mit ei8erllen feurigen Platen um8 Haupt 
beleget und alles brennet driunen. Auch da sie remittirten, weisz ich nicht, 
wie mir zu Muhte wal', kan es auch diese Stuude nicht sagen, dfnu es war mir 
all wunderlich vor Augen. 
Den 15. (Freitag) wal' ich noch sehr matt. 
Den 16. Jul. (SounaIJeud) liesz es tich ZUr Besserung an und habe ich 
etwas Speite zum er8ten Mahl genossen, neUllich nicht::! al8 Huppen, mehlich 
darnach Weiszhrod und frische Butter, wohei der H. 1. Depkin auch li"ei gab, 
Wein zu trincken, endlich nach 8 a 14 Tagen GehrateneH unu }1'ische. Doch 
dasz ich in 5 Wochen nicht aUH dem Bette kommen koute, oh ich wohl alsohald 
nach 14 Tagen angefangen zu f;tulliren auf dem Bette, doch so dasz der Kopf 
nichts zu thun hatte. 
Nach diesen 5 Wochen wagete ich es unO. I:3tallll auf uen 1
. Aug., aher ich 
befiel VOll neuem deu 21. Aug. und lag 4 Tage, konte auch in a Tagen nichtH 
essen. Hatte Kopfsc.luuertzen, Hitz 1II)(.J grosse Mattigkeit, all:3o ua:.'lz viele mei- 


7) Durch die TugelJbenennungen in der Klammer werden die i. O. litt det
 Rand ge- 
IIchriebenen entsprechenden Zeichen wiedergegebm. S) IIclig. 
) fehlt. 10) fehlt.
>>>
1710 


Ergänzungen und Nachträge. 


361 


neten, es würde nicht möglich sein, zu überstehen. Der Leib muste auch den 
4 ten Tag geöfnet werden. 
Etliche Tage, nachdem ich genesen war, konte der Magen doch nichts ver- 
tragen, ward auch dahero in einer Nacht, nach einer Tinctur aus der Moscowi- 
tischen Apotheke, dergestalt von der Colic angegriffen, dasz esz unertreglich 
gewet:!en were, wenn nicht durch heisse Steine und Tücher endlich eine kleine 
Linderung gefolget were. Ich hatte dabei ungemeine Erbrechungen und Durch- 
Jauff, Kopfschmertzen, Anfang von KaItfieber. Das machete mich so matt, zu- 
mahl da man es vor rahtsam hielte, den Durchlauff nicht zu stillen, dasz ich 
wieder 8 Tage zu Bette lag. Darnach aber ward ich mein eigener D. und weil 
der Magen sehr schwach und kalt war, genosz ich wenig, Morgends und Abends 
aber 1 guten Löß'el oder 2 WermuhtExtract, Nach welcher Cur innerhalb 14 
Tagen der Magen gut ward. Doch hab ich ein gantz Jahr lang nicht vertragen 
können', was hartes oder gesaltzen, gereuchert, Käse etc. auch nicht das 
geringeste. 


Die Beulen. 
Die erste fuhr :mf den 8. JuI. zur rechten Seiten in der Nacht, ut supra 
notavi. Diese blieb hart und weisz bisz in die 5te Woche. Darnach ward sie 
roht und mit der Zeit voll blauer sehr gifftigen Bletter, aber alI auf der obersten 
Haut. Die Beule selbst blieb und verzog sich mit der Zeit, dasz es izzo wie 
eine N usz ist. 
Die andere fuhr auf den 10. Jul. in der Nacht zur lincken gegenüber der 
ersten, wuchsz starck, (darauf nach etlichen Tagen der Barbier eine spanische 
Fliege legete) bisz dasz man sie kaum mit der V 0111, manus bedekken konte. 
Soweit die spanische Fliege ging, war sie blau, fuhr auf mit 3 Blattern und 
ßosz aus mit starcker Materie, so gantz gelb war, gegen den 3. Aug. Was 
iiberig war, wolte mit Pflastern ausziehen, ging aber nicht an, denn es war ein 
hauf dick zähe Zeug darin, liesz den Barbier fodern, wolte es aufhauen. Ich 
schickete ihn fort und stekkete eine subtile Schnur durch die Löcher und schnitt 
es endlich mit gl'Ossen Schmertzen dm'ch, erweichte es mit Honig und zog nach 
3 Tagen einen Klumpchen heraus als eine welsche Nusz grosz. 
nie 3te fuhr auf den 12. Jul. zur rechten Seiten nahe über der ersten und 
hrach auf den 2. Aug., nach 3 Wochen ward gantz roht nnd weich, und bekam 
2 blaue Blattern in der Mitte. War grosz wie ein gemein HünerEi. Izzo (1712 
um Mich.) sind da zwischen J'ell und Fleisch kleine Drüsen, als Erbsen und 2 
T
öcher, wo die Blattern gewesen, die aber zu sind. 
Not. porro die 3te Wunde heilete zu und blieb eine Grube, auch harte 
Stellen. Die Stellen oder Narben sind noch braun. Da es nicht aufbrach, i8t 
mir die JJölut ein paar oder 3mahl wieder aufgefahren. Dito noch bei dem 
3ten die gantze GrulJe 11,11 fgel:m fl'en , so ieh aber mit Pottwachsz gereiniget. So 
i8ts wieder gut gewesen. 
Audt're haben mehr als ein Jahr trieft'ende 'Vunden gehabt, mögen auch 
noch wohl eiuige Bein, die damit beschweret sein. Von Bangigkeiten h:tbe ich 
nicht gewust, und ausseI' den einen Tag vom Hurchlallft. Gottlob auch nicht von 
Rasereieu, doch fantasirte ich, wenn ich schlaffen wolte, ohne reden oder es 
kam mir immer vor, als wenn ich absolvirte und das Abendmahl austheilete. 
Hatte auch einen sehr harten Leib, bisz dasz die 2 Geschwiire aufbrachen. In 
der Hitze ward mir das Wasserlassen sehr schwel' und zuletzt kalckigt bei Ge- 
niesl:3Ung der Speisen.
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362 


Ergänzungen und Nachträge. 


1716-17 


1710 August 9. 
3. Der Rat bescheinigt, von der Grossen Gilde zu Riga Silbergerät im Ge- 
wicht von 1500 Lot, mit dem Recht es zu verpfänden, erhalten zu haben. 
K. fehlt. OS. Felc1mllnn. A. RA., Mi88iva ad primto8 B. XIV S. 45/6. Vgl. RP. v. 
22. Juli 1710, PI. B. 66 S. 472. 
ßiirgerl\Ieistere und Raht der Stadt Riga uhrkunden und bezeugen hiemit 
in Vorbewust und Einwilligung beyder Gilden ÄlterLeute und Eltesten: Dem- 
nach bey diesen langanhaJtenden KriegesLäutften und ausgestandener 9 monaht- 
lieher Einschrenck- und Belagerung die Einkünffte dieser bedrangten Stadt sich 
also gemindert, als hingegen die vielfältigen Ausgaben immer angewachsen, 
wodurch die Cassa erschöpffet und endtIich auszer den Stand gesetzet worden, 
die höchstnöhtigen publiquen Ausgaben zu fourniren, die I
öbl. Banck der Groszen 
Gilde aus Liebe zur Vater-Stadt derselben in ihrer Noht und Mangel Beyhülffung 
zur Seite zu treten, sich nicht entziehen woBen. Gestalt Sie ein Silber-Pfand 
von 1500 sage tausend fünffhundert I
oht 1 hergerichtet, um gegen deszen Ver- 
pfändung an sicheren Ohrten das Benöhtigte aufzunegotiiren. Wenn wir nun 
solche dem gemeinen Besten erzeigte Willigkeit und lIülffLeistung danckbarlich 
zu riihmen Uhrsach finden, so versprechen wir zugleich aufs kräftigste obge- 
dachtes Silber-Pfand so bald immer müglich VOll den ersten Binkünfftell der 
Stadt illsollderheit VOll denen ersten im Portorio einkommenden Mitteln wiederum 
einlösen und an Sie zuriikke liefern, indeszen aber die interessen an Einhabern 
des Pfandes richtig abtragen zu laszen. Gestalt wir solches zu mehrerer Ver- 
sicherung mit unserer Stadt Insiegel und des Secretarii Subscription corrobo- 
riren wollen. So geschehen Riga den 9 Augusti Ao. 1710'. 


1716 .J.llai 4. 
4. Der residierende Landrat von Buddenbrock übersendet dem Gouverneur 
FÜrst Golizyn eine Specification des Adels und der Landes Eingeseszenen 
Häuser in der Stadt Riga benebst gebiihrender Notice mit was Recht ein 
jeder das seinige besitze sowie ein Verzeichnis des Adels und der Landes 
Eingeseszenen ruhlirte wüste Häuser und Plätze in der Stadt und endlich 
Des Adels und anderer Landes- Eingeseszenen Schuld-praetensiones auff 
wüste Häuser in der Stadt. 
Da8 er8te Verzeichnis weüJt 37 HäUlJer auf, das seweite 
 wüste PllJtze und d(18 d1itte 
6 Forderungen in unbe8timmtem Umfange. 
K. S. MatheBiU8. ALR., Jahre8akte 1716 nr. 82, Vol. IV nr. 32 u. 32 a . Vgl. BLR., 
Re8idier Diaria nr. 83, Vol. Il (1'116 März 7) S. 34135, 50, 53 und B. I 372. 


1717 August 27. 
5. Der Rat beschliesst, den Gliedern des Rats und der Kanzlei ein halbes 
Jahresgehalt auszahlen zu lassen. 
O. RA., P. der Unter-Kämmerei v.27. August 1717. KWJ8abu('h der Kämmerei für die 
Be80ldung de8 Rats, BI. 226 S. 2 u. Bl. 227. Vgl. RP. v. 17. Dez. 1716, PI. B. 72 S. 12819. 


3: 1) Im Notizienbueh der Gr08sen Gilde 1720-1740 (AGG. 84 b) S. 111 ist d(UJ Gewicht 
des dem Rat übergebenen Silbergerät8 mit 1415 Lot angegeben. I) Der Rat hatte bereit8 
am 1. Dese. 1708 von der GrOIJ8en Gilde a dtp(J8ito erhalten Silhergeräte im Gewichte von 4926 
Lot, 80 d(UJ8 der Rat im ganzen 8chuldete 6341 Lot. Der Gilde waren nur noch Geräte im 
Gewichte von 942 Lot verblieben, da ihr Ge8amtvorrat ein Gewicht von 7283 Lot hatte. Noch 
im Jahre 1730 mahnte die Gilde vergeblich um Rückgabe der GerlJte oder wenig8teM um teil- 
weise Tilgu'fIf} der Schuld. AGG. 84 b , Notizienbuch 1720-1740, S. 111 u. 243.
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Ao. 1717 den 27 AugustP. 
Demnach Ein WohiEdler Raht in dieser beschwerlichen KriegesZeit seit 
1702 den 10 Oktobris und zw:tr auf das 170lste Jahr nur ein Drittel ihres ho- 
norarii genoszen und nachdeme in so vielen Jahren ausz Liebe zur gemeinen 
Wohlfahrt in so groszer Gedult ge8tanden, dasz auch deszfalls einige ausz dem 
Rahte in der letzten Belagerung ausz mangel behöriger subsistance gar crepireu 
müszen, da nuhn diese verzehrende KriegesZeit noch immer anhält, Ein W ohl- 
Edler Raht auch gerne länger ausz Liebe zur Stadt Wohlfahrt in Gedult stehen 
wolte, allein da ein Jahr nach dem andern dahingestrichen, da man desz lieben 
Friedens vergeblich sich getröstet, wodurch ein jeder in seiner Wohlfahrt je 
mehr und mehr gekräncket und zu grunde gerichtet worden: Dannenhero Ein 
Wohl Edler Raht höchstgedrungen sich veranlaszet befunden nach vorhergegan- 
gener communication mit dem Cassa-Collegio den 17 Dezembris 1716 zu belieben, 
dasz, obzwar die Assigl1ationes vom StadtsKasten in solchem verfall gekommen, 
dasz man auch dieselben kauhm mit 40 p. Cto. schade begeben könne, jedoch 
da kein ander mittel verhanden gewesen, auf ein halben Jahres honorarium 
nemlich 5250 Rth. Assignationes am Stadts Accies Kasten a Conto anzunehmen, 
die dann einem jeden von Eisten Georg Meiners zugestellet worden, nachdem 
die hiernächst folgende gemachte vertheilung auf die vor jetzt im Rahte sich 
befindende Perszolmen, welches in stelle desz vor jetzo kränckenden Ober Cäm- 
merers Herrn Hinrieh Kahl der Unter Kämmerer Peter Weyer verfertiget. 
Eines halben .Jahres honorarium :BWEdJ. Rahts beträgt in Specie u. Rt.h. Ur. 
Albertus . . . . . . . . . . 5250. 
hievon gehet ab vor ein halb Ohm ReinWein vor dem 
Worthabenden Herrn BurgerMeister von Benckendorf 
in Alberts . . . . . . . . 
desz Herrn Altermanns der Groszen Gülde sein halbjähriges 
Salarium nemlich. . . . . . . . . . 
desz Altermanns der Kleinen Giilde halben Jahres Sala- 
rium ist . 


1117 


Ergänzungen und N acbträge. 


21. 


149. 60 


97. 18 


Transport Rth. . 


Transport von nebenstehender Seite I! . 
Naeh EWEdl. Rahts Bescheide vom 24 Decembris 1716